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Alexandre Dumas (der Ältere): Der Frauenkrieg - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDer Frauenkrieg
publisherStuttgart Franckh'sche Verlagshandlung
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid7b262676
created20061227
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Drittes Kapitel.

Um zweiten Tage kam man vor Bordeaux an, und man mußte sich nun endlich darüber entscheiden, wie man in die Stadt gelangen sollte. Die Herzöge waren mit ihrem Heer nur noch etwa zehn Meilen entfernt; man könnte daher ebensowohl deinen friedlichen Einzug, wie ein gewaltsames Eindringen versuchen.

Es kostete Lenet noch einen schweren Kampf gegen Frau von Tourville, die begeistert ein Gemälde entwarf, wie die Prinzessin unter Glockengeläute und im Kugelregen in der Stadt einzöge, während Frau von Condés kriegerische Instinkte ebenfalls zu einem gewaltsamen Vorgehen neigten.

Doch drang schließlich Lenet durch; den Ausschlag gab sein Hinweis darauf, daß Mazarin Sendboten in der Stadt halte, deren Kugeln bei kriegerischem Eindringen der Herzogin und ihres Sohnes leicht ein unerwünschtes Ziel wählen und finden könnten. So wurde denn das Programm über die Art und Weise, wie man in Bordeaux erscheinen wollte, nach Lenets Vorschlag festgestellt. Die Damen der Eskorte erhielten Befehl, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Der junge Prinz bekam ein mit silbernen und weißen Schnüren besetztes Kleid von gewässertem Taft, nebst einem mit weißen und schwarzen Federn bedeckten Hut. Die Prinzessin kleidete sich in Schwarz ohne irgendein Geschmeide.

Lenet vervielfältigte sich, damit die festliche Veranstaltung möglichst prächtig und zweckentsprechend stattfinde. Das Haus, das er in einer kleinen Stadt, zwei Meilen von Bordeaux, bewohnte, wurde nicht leer von Parteigängern der Prinzessin, die bei ihm Rat und Anweisung haben wollten.

Am 31. Mai setzte sich die Prinzessin auf Einladung des Parlaments in Marsch. Wohl hatte ein gewisser Lavie, Generaladvokat beim Parlament und wütender Parteigänger Mazarins, zwei Tage vorher die Tore schließen lassen, um zu verhindern, daß die Prinzessin Aufnahme finde, aber Condés Parteigänger waren anderseits tätig gewesen, und das Volk hatte sich, von ihnen aufgewiegelt, an demselben Morgen unter dem Geschrei: »Es lebe die Frau Prinzessin! Es lebe der Herzog von Enghien!« zusammengerottet und die Tore mit der Axt erbrochen, so daß sich nichts dem Einzuge widersetzte, der in der Tat den Charakter eines Triumphes annahm. Wer hinter die Kulissen schaute, konnte in diesen beiden Ereignissen die Hand der eigentlichen Leiter erkennen; denn Lavie empfing unmittelbar die Anweisungen des Herzogs von Epernon, und die anderen handelten ganz nach den Ratschlägen und Aufträgen Lenets.

Kaum hatte die Prinzessin das Tor hinter sich, als die seit geraumer Zeit vorbereitete Szene in riesigen Verhältnissen vor sich ging. Die militärische Begrüßung wurde von den im Hafen liegenden Schiffen ausgeführt und die Kanonen der Stadt antworteten darauf. Blumen fielen auf die Straßen oder durchzogen die Stadt in Gewinden, so daß das Pflaster bedeckt und die Luft mit Wohlgerüchen geschwängert war; Beifallsgeschrei ertönte von dreißigtausend Eifrigen jedes Alters und jedes Geschlechtes, deren Begeisterung sich mit dem Maße des Interesses, das die Frau Prinzessin und ihr Sohn einflößten, und des Hasses, den sie gegen Mazarin hegten, steigerte.

Der kleine Herzog von Enghien war übrigens der geschickteste Schauspieler bei der ganzen Szene. Die Prinzessin hatte gegen ihre ursprüngliche Absicht darauf Verzicht geleistet, ihn an der Hand zu führen, aus Furcht, ihn zu sehr zu ermüden; er wurde deshalb von seinem Kammerherrn getragen, bekam dadurch die Hände frei, warf nach rechts und links Kußhände zu und nahm auf das anmutigste seinen Federhut ab.

Das Volk von Bordeaux berauscht sich leicht; die Frauen begeisterten sich für dieses so anmutsvoll weinende Kind, die alten Magistrate wurden erschüttert durch die Worte des kleinen Redners, der sagte: »Meine Herren, seiet Ihr meine Väter, da der Herr Kardinal mir den meinigen genommen hat.«

Vergebens versuchten es die Anhänger des Ministers einigermaßen Widerstand zu leisten; die Fäuste, die Steine und selbst die Hellebarden schärften ihnen Klugheit ein, und man mußte sich darein fügen, das Feld den Triumphatoren freizulassen.

Auch Frau von Cambes, die ihren Platz hinter der Prinzessin hatte, zog vieler Menschen Blicke auf sich. Sie konnte nicht an so viel Glorie denken, ohne sich innerlich darüber zu betrüben, daß der rauschende Erfolg dieses Tages vielleicht den Beschluß des vorhergehenden vergessen lassen würde. Sie befand sich also auf dem Wege, von Bewunderern vergöttert, vom Volk umdrängt, von Blumen und ehrfurchtsvollen Liebeserweisungen überströmt, und zitterte davor, daß man sie im Triumphe forttragen könnte. Na erblickte sie Lenet, der ihr, als er ihre Verlegenheit wahrnahm, die Hand bot, damit sie mit seiner Unterstützung einen Wagen erreichen könnte. Ihren eigenen Gedanken beantwortend, sagte sie zu ihm:

»Ah! Ihr seid sehr glücklich, Herr Lenet, Eure Ansicht dringt stets durch und erweist sich auch immer als die beste.«

»Mir scheint, Ihr habt Euch auch nicht zu beklagen, Madame,« erwiderte Lenet, »die einzige Meinung, die Ihr ausgesprochen habt, ist angenommen worden.«

»Wieso?« – »Ist nicht beschlossen worden daß Ihr versuchen sollt, die Insel Saint-George für uns zu bekommen?«

»Ja, aber wann wird man mir erlauben, mich ins Feld zu begeben?« – »Schon morgen, wenn Ihr mir versprechen wollt, dabei zu scheitern.«

»Seid unbesorgt, ich fürchte nur zu sehr, daß ich Euren Absichten entsprechen werde.«

»Desto besser.«

»Ich begreife Euch nicht.«

»Wir brauchen den Widerstand der Insel Saint-George, damit uns die Bordolesen unser Heer und unsere beiden Herzöge hereinlassen, die uns unter den Umständen höchst notwendig sind.«

»Ich darf also als Parlamentär nach St. Georges gehen?«

»So ist beschlossen.«

»Aber eines müßt Ihr mir noch versprechen; niemand darf den Namen und die Eigenschaft des Parlamentärs erfahren, außer wenn der Plan gelungen ist.

»Einverstanden,« sagte Lenet, Frau von Cambes die Hand reichend.

»Und wann werde ich abgehen?« – »Wann Ihr wollt« – »Morgen?« – »Morgen, ja.«

»Gut. Seht, die Frau Prinzessin steigt nun auf die Terrasse des Herrn Präsidenten von Lalasne. Ich trete Frau von Tourville meinen Teil am Triumphe ab. Ihr entschuldigt mich bei Ihrer Hoheit mit einer Unpäßlichkeit. Laßt mich nach der Wohnung führen, die man für mich zubereitet hat; ich will meine Vorkehrungen treffen und über meine Sendung nachdenken, die mich unablässig beunruhigt, weil es die erste dieser Art ist, die ich vollziehe, und alles in dieser Welt, wie man sagt, vom ersten Auftreten abhängt.«

»Teufel!« rief Lenet, »ich wundere mich nicht, daß Herr von Larochefoucault auf dem Punkte war, für Euch eine Untreue an Frau von Longueville zu begehen; Ihr seid in gewissen Dingen ebensoviel und in manchen Mehr wert als sie.«

»Das ist möglich,« sagte Elaire, »ich weise das Kompliment nicht ganz von mir; aber wenn Ihr einigen Einfluß auf Herrn von Larochefoucault ausübt, mein lieber Herr Lenet, so befestigt ihn in seiner ersten Liebe, denn die zweite macht mir bange.«

»Wir werden uns bemühen,« erwiderte Lenet lächelnd; »diesen Abend gebe ich Euch Eure Anweisung.«

»Ihr willigt also ein, daß ich Saint-George für Euch nehme?« – »Ich muß wohl, da Ihr es wünscht.«

»Und die zwei Herzöge und das Heer?« – »Ich habe in meiner Tasche noch ein anderes Mittel, um sie kommen zu lassen.«

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