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Der Flurschütz

Alfred Bock: Der Flurschütz - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Flurschütz
authorAlfred Bock
year1916
firstpub1901
publisherEgon Fleischel & Co.
addressBerlin
titleDer Flurschütz
pages108
created20130601
sendergerd.bouillon@t-online.de
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1

Der Pfarrer ergriff die Schaufel, warf langsam mit abgemessener Bewegung dreimal Erde auf den Sarg und sprach:

»Von Erde bist du gekommen, zur Erde sollst du wieder werden, Jesus Christus, unser Erlöser, wird dich auferwecken am jüngsten Tag.«

Darauf wandte er sich der Trauerversammlung zu.

»Lasset uns beten!«

Die Männer nahmen die Mützen ab, die Frauen falteten die Hände.

»Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser Gebet und Flehen nicht verachtet, sondern gnädiglich erhört hast. Du hast unsere Schwester aus der Angst gerissen und in die ewige Ruhe eingeführt. Ach, lieber Heiland, wir sprechen mit Hiob: ›Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt.‹ Wollest uns deines heiligen Geistes Gnade verleihen, daß wir uns in dieser Stunde erinnern, wie bald es um einen Menschen geschehen sei, und daß, wie es heute um unsere Schwester gewesen, es morgen an uns sein kann, damit wir in steter und immerwährender christlicher Bereitschaft gefunden werden, dir, wann das Stündlein kommt, durch das finstere Tal des Todes mit Freuden zu folgen in dein Reich, der du samt dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.«

2 Nun hoben die Sänger an:

»Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!
Hin geht die Zeit, her kommt der Tod.
Ach wie geschwinde und behende
Kann kommen meine Todesnot!
Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut,
Mach's nur mir meinem Ende gut.«

Der Gesang verhallte. Der Geistliche breitete die Hände aus.

»Der Herr segne und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig, der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.«

Die Feierlichkeit war beendet. Ein eiskalter Wind fuhr über den hochgelegenen Gottesacker. Rasch zerstreuten sich die Leidtragenden. Die langen Schleier der talab schreitenden Frauensleute flatterten wie Fahnen hinter ihnen her. Der Flurschütz und sein Sohn waren die letzten, die den Friedhof verließen. An der Umfassungsmauer blieben sie stehen. Zu ihren Füßen lag im Glanz der mittäglichen Sonne das stattliche Dorf; wie die Küchlein um die Henne drängten sich die Häuser um die Kirche zu Hauf. In den Gärten und auf den Äckern glitzerte der erste Schnee. Der Wald, der die Gemarkung auf der Nordseite begrenzte, verlief in ein welliges Hügelland. Gen Süden tat sich ein weites Wiesental auf, inmitten strömte ein klarer Bach. Am äußersten Horizont erblickte man die Türme und Häuser der Stadt. –

Der Flurschütz, der sich während der Beerdigung seiner Frau tapfer gehalten hatte, wurde mit einem Male weich. Heiß tropfte es von seinen Wimpern.

3 »Guck, Jakob,« sagte er, auf ein Feldstück deutend, das sich am Saum des Gemeindewaldes hinzog, »das sein vierzehn Tag', daß ich mit deiner Mutter da drunten auf dem Wolfsacker gestanden hab. Der Justus Hobach hatt' den Grenzstein verrückt. Das hab ich ihr selbigmal gewiesen. Die Sach kommt jetz vor die Strafkammer. Da war die Mutter redsprächig und hat an kein' Kranket und kein' Tod gedacht.«

Er zog das Schnupftuch hervor und schneuzte sich.

»Und wie ihr heimkommen seid?« fragte Jakob.

»Da tut sie ihren Sonntagsstaat ab und kommt in die Stub' und sagt: Daniel, ich hab' so das Reißen im Kopf. Ich war garnicht sörglich und sagt': leg' dich ein wink, das vergeht. No da legt' sie sich. Es dauert keine Stund', da ist sie ritzerot im Gesicht und red't ganz irr. Etz schick' ich zum Schröpfheinrich. Der schröpft und schröpft, aber es hat nix gebatt'.«

»Glaub's schon,« sagte Jakob.

»Der Doktor war außerhalb. 's ging auf Zehn. Ehnder krag ich ihn nicht ins Haus. Etz hat er die Mutter behorcht und beklopft. Und nimmt mich alleins und spricht: Hirnentzündung.«

»Ja, Vater, no hätt'st du mir doch schreiben müssen.«

»Lieber Gott, bis nach Düsseldorf ist weit. Und wer konnt' dann denken, daß das so schnell ging.«

»Ist's dann wahr, Vater, was die Schmidte Eller gesagt hat?«

»Was dann?«

»Ei, wie die Mutter bei sich war, hätt' sie nach mir gerufen.«

»Ja freilich. Das war am Mittwoch. Die Gritt 4 un ich, wir haben sie selbzweit gehalten. Sie wollt' partu aus dem Bett. Und nächts war ein Gedrens' und ein Gestöhn'. Mein Lebtag denk' ich dran. Und man konnt' ihr nicht helfen. Auf einmal fährt sie in die Höh' und guckt verstaunt um sich. Wo ist der Jakob? frägt sie ganz klar. Und ruft: Jakob, Jakob! Und fällt zurück und ist hin.«

Dem Burschen liefen die Tränen über die Backen.

»Daß ich sie nicht mehr lebig getroffen hab', das geht mir doch nah.«

»Komm',« sagte der Flurschütz, »'s macht kalt hier oben.«

Sie gingen langsam den scharf abfallenden Hang herunter. Der Flurschütz überragte seinen Sohn um Haupteslänge. Er konnte als Typus des oberhessischen Bauern gelten. Er war von hoher, kräftiger Gestalt, hatte ein offenes Gesicht und hellblaue Augen. Sein volles, blondes Haar war leicht gekräuselt. Im Gegensatz zu seinem Vater war Jakob zart gebaut, hatte einen schwarzen Krollenkopf und dunkle, schwermütige Augen. Er schlug der Mutter nach, deren Familie vom Oberrhein stammte.

Schwarz wie 'n Polack, hatte einstmals die Hebamme gesagt, als sie dem Flurschützen den eben zur Welt gekommenen Buben hinhielt. Dieser unterschied sich heranwachsend nicht nur äußerlich von der flachshaarigen Dorfjugend, er war ein kurioser Knibbes, der einzling im Haus sein Wesen trieb und Wände und Tische mit allerlei Figuren bemalte. Als er konfirmiert war, tat ihn sein Vater zum Weißbinder Möhl in die Stadt. Hier zeigte er sich so anstellig, 5 daß der Meister seine Freude an ihm hatte und ihn nach beendeter Lehrzeit als Gesellen behielt. Ja, eines Tages machte der Meister sich auf zum Flurschützen nach Eschenrod. »Daniel,« sagte er, »in deinem Bub steckt was. Das soll man nicht verkümmern lassen. Wann er seine Militärsache hinter sich hat, mußt du ihn auf die Kunstgewerbeschul' nach Düsseldorf schicken. Das kost' dich viel Moos. Aber du mußts an den Bub hängen. Und ich leg' mein' Teil zu!« Der Flurschütz hatte sich nicht gesträubt. Der Jakob diente seine Militärzeit ab und zog nach Düsseldorf. Dort war er seit Jahresfrist. Die Botschaft vom jähen Tode der Mutter hatte ihn so spät erreicht, daß er mit knapper Not noch zur Beerdigung gekommen war.

Vater und Sohn schritten die menschenleere Dorfstraße entlang. Es war Sonntag. Aus den Stallungen drang das Brüllen des Rindviehs und das Blöken der Schafe. Hie und da tauchte hinter den Fensterscheiben das welke Gesicht eines alten Mütterchens auf. Die jüngeren Leute waren in den Wirtshäusern beisammen.

Der Kirche gegenüber lag das hellgestrichene, zweistöckige Haus des Flurschützen. Auf dem Donbalken über der Eingangstür stand der Spruch:

Sieh vor dich und sieh hinter dich,
Die Welt ist gar zu wunderlich.

In der geräumigen, höchst einfach möblierten Stube des Erdgeschosses hatten sich die Männer und Frauen aus dem Verwandten- und Freundeskreise zum Leid versammelt. Als der Flurschütz und sein Sohn 6 eintraten, verstummte die Unterhaltung. Schweigend ließ man sich an ungedecktem Tische nieder. Die Bauern, durchweg bartlos, nahmen sich in ihren blauen Kirchenröcken gar stattlich aus. Die Frauen trugen schön gestickte Mützchen, die wie Schwalbennester auf hochgestecktem Haarzopf saßen. Ihr Oberleib war in ein Mieder von dunkelblauem Stoff gepreßt. Die kurzen, reich besetzten Ärmel waren über dem Ellenbogen umgeschlagen. Den Hals zierte die Krellschnür. Von den Hüften herab fielen kurze, nur bis zu den Knieen reichende Röcke, der oberste war von schwarzem Beidergewand. Die Zahl der Röcke galt als Maßstab der Wohlhabenheit. Reich verzierte, baumwollene Strümpfe und Klötzschuhe mit hohen Absätzen vollendeten die alte volkstümliche Tracht. –

Die Schnappersgritt, eine zahnlose Sechzigerin, die die Wartung im Hause des Flurschützen übernommen hatte, trug eine riesige Kanne Kaffee und zwei mächtige Blechkuchen auf. Ohne daß ein Wort gesprochen wurde, schlürfte man den heißen Trank und ließ sich das leckere Gebäck dazu schmecken. Erst nachdem die Kaffeekanne geleert und die Kuchen bis aufs letzte Krümchen verzehrt waren, sprach der Ortsdiener, ein ältlicher Mann mit großer Habichtsnase und buschigen Brauen:

»Ja, Daniel, so ist's. Ich weiß noch recht gut, wie euch der Pfarrer zusammengetan hat.«

»Und was hat's auf der Hochzit für sure Krut und Schwinefleisch gegeben,« schmunzelte der Katzenhannes.

»Ja, 's ist ein Herzgespann, hinter so 'ner Frau 7 ihrer Leiche herzugehn,« sagte die Sägmüllerin leidmütig. »Sie hat auch für die armen Leut' was übrig gehabt.«

»Und wie!« bestätigte der Bettelkasper, »da konnt' unsereins kommen bei Tag und bei Nacht.«

»Das Gebschnitzige hat in ihr gesteckt,« sagte der Balthasar Röckel, ein Vetter des Flurschützen. »Wart', wann war's dann? Ja den ersten Advent. Da sein ich ihr drunten am Wittgeborn begegnet. Und da trug sie in der Schürz' Nußkern' und Speckstückcher auf die Futterplätz'. Dernacher hatt' sie so ihr' Freud' dran, wann die Meisen kamen und die Baumläufer.«

»Wer gegen das Menschenvolk weichmütig ist, ist's auch gegen das Vieh,« gab die Ortsdienerin ihre Meinung kund.

»Gell', Sonntag hat sie sich gelegt?« fragte die Sägmüllerin.

»Jawohl,« versetzte der Flurschütz.

»Man sagt als, wann sich eins den Sonntag legt, stehts nicht mehr auf.«

Der Witmann schüttelte den Kopf. »Ich geb' nix dadrauf.«

»Sag' das nicht,« tat der Bettelkaspar klug, »es heißt auch, wann ein Baum im Jahr zweimal blüht, stirbt eins aus dem Haus. No und diesen Herbst dein Quetschenbäumchen? Das trifft doch zu.«

»Ich geb nix dadrauf,« wiederholte der Flurschütz ärgerlich.

»Ich mein' als,« mischte sich die Schnappersgritt ins Gespräch, »die Marie hätt' sich die vorvorige Woch' 8 bei der Wäsch' zuviel getan. Da hat sie während in der Näss' gestanden und 's war ihr schon hundsschlecht.«

»Was hilft das Klabern hinterher?« sagte der Ortsdiener und schielte nach der offenen Küche, woher ihm ein angenehmer Duft in die Nase stieg.

Der Katzenhannes, der ein großer Schlemmer war, sprach halblaut vor sich hin:

»Wecksupp, Fleisch und Hirsebrei
Eßt mer und trinkt Bier derbei.«

Die Gritt verstand die Anspielung, humpelte in die Küche und richtete gleich darauf Wecksuppe, Rindfleisch und Hirsebrei an. Der Flurschütz selber schaffte das Bier herbei. Mit gutem Appetit machte man sich über das Essen her, und das Lagerbier, das man in langen Zügen trank, ließ die Trauerstimmung bald verschwinden. Als abgegessen war, rückten die Männer zusammen und zündeten ihre Pfeifen an. Die Frauen suchten die Bank am warmen Kachelofen auf. Von der Verstorbenen wurde nichts mehr gesprochen.

Der Balthasar Röckel erzählte, er wolle am anderen Tage schlachten. Jetzt im Winter war die rechte Zeit dazu. Selten, daß einem Bauer auf der Tenne noch etwas zu dreschen verblieben war. Die Feldarbeit ruhte, höchstens fuhr man den Dung hinaus. Man sprach von der Herbstsaat und von dem Schaden, den die Mäuse angerichtet hatten. Endlich brachte der Ortsdiener die Rede auf den Grenzstreit zwischen den Eschenrödern und Weißenbörnern, der kürzlich auf sonderbare Weise zum Austrag gekommen war. Nachdem die Parteien jahrelang eine Masse Geld verprozessiert hatten, beschlossen sie, ohne Gericht 9 und Advokaten einen Vergleich zu schließen. Zu dem Behuf wurden aus Eschenrod und Weißenborn je fünf Schiedsmänner bestellt. Der Sägmüller und der Balthasar Röckel waren auch dabei. Im Adler zu Weißenborn sollte die Sache geschlichtet werden. Die Weißenbörner waren zuckersüß und wußten den Eschenrödern nicht genug Ehre anzutun. Was nutzt das Gezänk? sprachen sie voll Hinterlist, trinkt erst, ihr Leut', trinkt. Die Eschenröder, der Sägmüller und der Balthasar Röckel voran, ließen sich das nicht zweimal sagen und tranken, bis sie sternvoll waren. Jetzt zogen die schlauen Weißenbörner ein Schriftstück heraus. Das sollten die Schiedsmänner von Eschenrod unterschreiben. Und die gingen auf den Leim, der Sägmüller und der Balthasar voran. Anderen Tages wurde es kund: sie hatten die strittige Gewann den Weißenbörnern zugesprochen. Die Eschenröder waren fuchsteufelswild und fielen über ihre Schiedsmänner her. Aber geschehen war geschehen. Schließlich betrachtete man den Fall von der humoristischen Seite und begnügte sich damit, die Schiedsmänner zu verhönschen und zu verspotten. Das geschah auch jetzt wieder bei dem Leichenschmaus; ja der Katzenhannes entblödete sich nicht, mit seinem Bierbaß zu brummen:

»So Schiedsleut' wie von Eschenrod
Hat nie kein Mensch getroffen,
Die schlichten nicht, wann sie nüchtern sind,
Die schlichten nur besoffen.«

Der Sägmüller und der Balthasar Röckel waren wütend und tranken in ihrem Zorn mehr als sie vertragen konnten. Es währte nicht lange, so erhob sich 10 ein Spektakel, wie er im Wirtshaus gang und gäbe war.

Der Bettelkaspar hatte sich den Frauensleuten zugesellt und tischte ihnen allerhand Spukgeschichten auf. Das war sein Feld. Über den Michelsteich hatte er einen Irrwisch fliegen sehen und ihm nachgerufen:

»Irrwisch, brennst wie Hawwerstroh,
Komm und leucht mir aach e so;
Wann du mich kräist für der Tür,
Därfst du mir geben einen Tritt hinne für.«

Die Weiber lachten, der Bettelkaspar aber sagte ganz ernsthaft:

»Da ist nix zu lachen. Hat doch der Pfarrer erst neulich gepredigt: viel Dinge gibt es zwischen Himmel und Erde, wovon eure Menschenweisheit sich nichts träumen läßt.«

»Das ist wahr,« bekräftigte die Sägmüllerin, »ich brauch' bloß an die Geschicht' mit dem rote Kuhlche zu gedenken.«

»Was war's mit dem rote Kuhlche?« ging man sie an.

Die Sägmüllerin setzte eine gewichtige Miene auf.

»Ich sein doch von Gonterskirchen. Da ist's passiert. Und ich habs rote Kuhlche gut gekannt. Das war ein Eiterbisser, ein Rüppel, schlug seine Frau und riß sie an den Haaren herum. Die Frau duckt' sich und war mausestill. Aber die Haar' hat sie aufgehoben, die der Unfläter ihr ausreißen tat. Wie's Kuhlche – zum Glück – gestorben war, spricht die Frau: »Weil du mich so mißhandelt hast, sollst du im Grab keine Ruhe haben!« Und legt ihm den Bützel 11 Haar unter den Kopf. No wird er begraben. Auf einmal tut's da drunten ein' Krach. Die Mannsleut ziehen den Sarg herauf und gucken nach. Gott sei bei uns! Hat sich das Kuhlche herumgedreht und liegt akrat auf 'm Gesicht. Da haben sie den Haarbützel weggetan, daß er etzener doch seine Ruh' haben sollt'.«

Die Weiber überlief es kalt, und der Bettelkaspar tat ein übriges, ihnen das Gruseln beizubringen.

Drüben bei den Männern zahlte eben der Sägmüller die Hänseleien des Ortsdieners mit doppelter Münze heim und berührte Vorkommnisse aus der Amtstätigkeit des Dorfpolizisten, die diesen in ein schiefes Licht stellten. Um ein Haar, und die beiden wären aneinander geraten. Da winkte Jakob, der »Maler«, seinem Vater mit den Augen zu. Dieser erhob sich und gab damit das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch.

Auf der Straße schimpfte der Sägmüller über das knickserige Leid. Der Flurschütz, der Knauser, habe nicht einmal ein Kännchen Branntwein ausgegeben. Der Ortsdiener, dessen Gereiztheit gegen den Schiedsmann mit einem Male verflogen war, spuckte aus und behauptete, die Wecksuppe habe wie Spülicht geschmeckt.

Der Katzenhannes aber, der schwer geladen hatte, faßte den Bettelkaspar unter den Arm und sang:

»Der Kurfürst von Hessen
Ist ein kreuzbraver Mann,
Denn er kleidet seine Soldaten
So gut wie er kann. 12

Der Kurfürst von Hessen,
Der hat es gesaht,
Daß alle jungen Burschen
Müssen werden Soldat.

Und die Hübschen und die Feinen,
Die sucht er heraus,
Und die Lahmen und die Buckligen
Die läßt er zu Haus.«

Die Gesellschaft marschierte im Tritt hinter dem Sänger her. Vor dem Wirtshaus zur Krone wurde Halt gemacht.

»Ihr Weibsleut,« gebot der Ortsdiener, »geht etzener heim und wärmt als die Better. Wir haben uns noch was zu verzählen.«

Die Frauen gehorchten, die Männer zogen mitsammen in die Krone, ihren großen Brand zu löschen.


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