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Der Familie Buchholz zweiter Theil

Julius Stinde: Der Familie Buchholz zweiter Theil - Kapitel 14
Quellenangabe
authorJulius Stinde
titleDer Familie Buchholz zweiter Theil
publisherVerlag von Freund & Jeckel
year1887
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Wie es so ganz anders kam.

Den Umgang mit dem alten Bergfeldt hatte ich meinem Karl nicht statutenmäßig untersagt, da es doch unmöglich gewesen wäre, das Verbot durchzuführen, weil es zu viele Punkte in Berlin giebt, wo sie sich trotzdem treffen konnten. Ein Geschäftsgang um die Mittagsstunde ist ja leicht vorgeschützt und Frühschoppenlokale finden sich alle drei Häuser weit von einander, man braucht nur gegen die Thüre fallen und drin ist man. Außerdem war er weniger Schuld an dem Zerwürfniß als sie, die Bergfeldten, mit der auf die Dauer Niemand auskommt, denn wenn die keinen Anderen hat, ist sie kapabel, mit sich selbst Streit anzufangen.

Warum lebe ich sonst mit Jedermann in Harmonie und warum war dies bei ihr nicht statthaft? Weil eine, die mich für dumm ästimiren will, doch wohl zwei Tage früher aufstehen muß, wenn nicht noch eher. Und dann auf Andere von oben herabgesehen, weil der Mann Beamter ist und Andere nur Kaufmann sind, und dicke thun mit dem klatrigen Gehalt, wo sie den Kaffee durch die Sparbüchse müssen laufen lassen, daß ihnen noch ein Groschen zu Pflaumenmus übrig bleibt.

Hat sie nicht überall, wo sie gebeten war, Ansprüche gemacht, als wäre sie die Erste? Und wenn ihr dies nicht zu Theil ward, gleich einen Flunsch gezogen, und die gemächlichste Heiterkeit gestört. Dabei sich gehabt, als wenn sie Bildung gelernt hätte, und mit Anderen über ganz ausgefallene Sachen gestritten, wie einmal mit mir, ob es der oder das Petroleum hieße. Ich behauptete nämlich, man schriebe das Petroleum, weil es eine aus dem Lateinischen kommende Flüssigkeit sei, sie aber bestand darauf, man sagte der Oel, und da man ihn ebenfalls auf den Lampen brennte, heiße es der Petroleum. Was ich meinte, sei über alle Begriffe falsch. – Dies fuchste mich derart, daß ich nicht umhin konnte, zu erwidern: »Sie mögen so schlau sein, daß Sie Winters die Plötzen in der Spree husten hören, aber deshalb nennt es sich dennoch das Petroleum, gerade so wie das Museum, das Trillirium und Alles, was auf ›um‹ ausläuft. Mancher lernt es nie und dann auch nur unvollkommen, wofür er natürlich nichts kann.« – »So?« fragte sie darauf ganz neunmalklug, »dann sagen Sie wohl das Rum, um vor Anderen etwas voraus zu haben. Na, die Geschmäcker sind ja verschieden.« – Immer und stets riß sie das letzte Wort an sich. Mir kribbelte es manchmal in den Fingern und viel anders wie auf glühenden Nadeln saß ich auch nicht, aber wahrhaft Gebildete bleiben lautlos. Von vergessen war jedoch keine Rede. Und trotzdem wagte es mein Karl, mir seelenvergnügt, als wenn nichts bei los wäre, die Neuigkeit zu erzählen, die Bergfeldten sei eigentlich eine statiöse Person und sehr hübsch gewachsen. Er wollte sich bei dieser Aeußerung weiter nichts gedacht haben, aber damit ließ ich ihn nicht durch. Er hätte geglaubt, wir beiden Frauen wären ebenso gut miteinander befreundet geworden, wie sie, die beiden Männer von jung auf zu einander hielten. »Da hätte Dein lieber Freund Bergfeldt eine total Entgegengesetzte freien müssen,« erwiderte ich, »meinetwegen eine Schiefe und Krumme, aber mit Bildung und Gemüth. So Einer würde ich mich gerne schwesterlich angeschlossen haben.« – Das Ende davon war eine längere Erzürnung mit Bergfeldts, bis wir wieder zusammenkamen. Dann spielte sie mir den Streich mit Betti's Verlobung hinter meinem Rücken und als ihr Emil eine reiche Partie machen konnte, kam ihr wahrer Charakter zum Vorschein, da war ihr meiner Betti Zukunft und Glück nicht so viel werth, wie ein falsches Viergroschenstück, und sie warf uns Buchholzens mit Respekt zu sagen in den Müllkasten. Mit ihr kann ich mich daher in meinem Leben nicht wieder aussöhnen, so gut wir auch zeitweise mit einander standen; sie hat mich zu tödtlich beleidigt. –

Der alte Bergfeldt dagegen konnte mich recht dauern, wenn ich ihn zuweilen von Ungefähr sah: wie ist der Mann vor der Zeit grau geworden, wie geht er kreplig, als wenn eine ungesehene schwere Last seine schwachen Schultern beugte. Mein Karl hat wohl mal mit ein graues Härchen, aber das rupf ich ihm aus, wenn es sich zeigt, und dabei ist er von Positur wie ein Tambourmajor in Civil.

Was hat der alte Bergfeldt sich zu grämen, sie werden ja reich wie die Krösusse? Anstatt aufs Bureau gehen, kann er den Schwänen auf die Köpfe spucken, sie braucht vor Elfen nicht aus den Federn und backt ihm den Eierkuchen in einer silbervergoldeten Pfanne. Unter dem werden sie's wohl nicht thun. –

Es kam aber anders ... ganz anders! –

Wenn ich daran denke, däucht mir, als wäre Alles nicht wahr, was ich miterlebte, als könnte es nicht gewesen sein, ebensowenig wie die Sonne plötzlich erlischt, oder ein stolzer, schöner Baum jählings umfällt. Und ein Mensch ist dem Andern oft mehr als die Sonne, mehr als ein Baum, dessen blühende Zweige herrliche Früchte versprechen. Man kann es nicht glauben, daß er dahin ging, wohin er nicht hätte gehen dürfen.

Mein Karl deutete mir zwar oftmals an, daß die reiche Partie, welche Emil gemacht hatte, ihn mit Besorgniß erfülle, er sei bange, Bergfeldts täuschten sich, der Vater allerdings weniger, als die Mutter. Aber wundert man sich lange über so etwas, wenn Eine total besinnungslos auf die Welt kommt und ihr nachher nichts beizubringen gewesen ist? Anfangs, als Emil sich mit der einzigen Tochter der steinreichen Wittwe verlobt hatte, die bis über die Ohren in den bildhübschen Menschen vernarrt war, da herrschte Jubel in Bergfeldts Hallen: Emil hatte in den Glückstopf gelangt und das große Loos gezogen. Die Bergfeldten sich gleich an die künftige Schwiegermutter herangeschmissen und ein Herz und eine Seele mit ihr geworden. Weil die Alte sowohl, wie die Junge trotz ihres Geldes dennoch keinen intimen Umgang gehabt hatten, sind sie froh gewesen, Bergfeldtens als solchen zu benutzen, und in der ersten Zeit hat es an Geschenken nicht gefehlt. Emil bekam von seiner Braut eine große goldene Uhr mit Kette und Bammelage und Kredit bei dem Schneider, weil es der Tochter gefiel, Emil stets nach der neuesten Mode gehen zu lassen. Der Bergfeldten hatten sie mit großer Liebenswürdigkeit etliche seidene Kleider verehrt, daß sie für das Macherlohn einen mächtigen Schatten werfen konnte, wogegen Weigelts und der alte Bergfeldt nichts abkriegten, da sie zum Staatmachen keine Veranlagung besaßen. Die Frauensleute sahen freilich nicht ein, daß in solcher Busenfreundschaft keine Manier lag, und ließen sich durch den quarkigen Abfall von dem Reichthum blenden, aber der alte Bergfeldt fühlte halbwegs heraus, wie nicht Alles in Ordnung sei, und Emil mochte das wohl noch deutlicher empfinden, denn er war es, der schließlich und zuletzt vor dem Rest stehen sollte.

Man kann nicht direkt sagen, Emil sei leichtfertig gewesen; er war im Grunde genommen ein herzensguter Kerl, der Keinem übel wollte mit Ausnahme von dem, der die Kopfarbeit erfunden hat. Das Studiren machte ihm Mühe. Der Alte hatte ihn freilich durch das Gymnasium gedarbt, aber damit war nicht viel erreicht, das dicke Ende kam noch erst mit der Universität, mit dem Freiwilligenjahr, mit dem Harren auf eine nothdürftige Anstellung, wo es jetzt beinah mehr Juristen giebt als Prozesse. Da fiel die Geldpartie dazwischen wie eine Erlösung: Emil brauchte sich nicht mehr vor dem Examen graulen und so viel, dachte er, würde reichlich übrig sein, mit vollen Händen zurückzuerstatten, was auf ihn verwandt worden war. Das wollte er; er hatte es versprochen, seinem Vater, seiner Mutter, seiner Schwester. Er hatte sich aber verrechnet.

Ich habe seine Frau nicht kennen gelernt, ich sah sie nur von weitem, als sie seine Braut war, aber aus Augusten habe ich hinterher herausbekommen, was man von ihr zu halten hatte. Wo andere Leute ein Herz haben, saß bei ihr ein Portemonnaie, das sie nur aus Eigennutz öffnete. Schon auf der Hochzeit waren ihr seine Verwandten nicht mehr gut genug gewesen und die übrigen fremdartigen Gäste hatten so hochnäsig gethan, daß Auguste sich schrecklich unglücklich dazwischen fühlte und ihr Mann sich überhaupt nicht von den Wänden abgewagt hat. Ihr hat Emil Vieles vertraut, wenn er einmal auf ein Stündchen zu ihr schlich, was er sonst Niemandem beichten mochte: wie es ihm widerwärtig sei, fortwährend zu Hause bei den Weibern zu hocken und sich ihren Launen fügen zu müssen, wie ihm seine Armuth täglich auf das Brot gelegt wurde und wie sie ihn trietzten.

Als die Flitterwochen kaum begonnen hatten, hetzte sie ihn, sich berühmt zu machen, wieder zu arbeiten, zu studiren, damit er einen Titel erobere, mit dem sie angeredet werden könnte. Aus Liebe hätte er sich vielleicht angestrengt, aber die fehlte auf beiden Seiten. Und als er eine größere Summe verlangte – nicht für sich, wie Auguste mir später schmerzerfüllt klagte –, da verhöhnte sie ihn, er sei nur eine Null, wozu er Geld gebrauche?

Er hatte sich verkauft, und sie wollte nun den Wechsel nicht einlösen. Das war der Anfang vom Ende.

Es muß ein grauenhaftes Leben gewesen sein, das die Beiden führten, eine Hölle auf Erden. – Ob wohl ein Mensch ahnte, der im Thiergartenviertel an der Villa vorbeiging und die seltenen Blumen im Vorgarten sah, die Kübel mit Lorbeeren und Orangen, daß das Glück dort hinter den Spiegelscheiben keine Heimstätte gefunden hatte, daß seit Wochen ein anderer, unheimlicher Gast sich in den Ecken und Winkeln der Prunkzimmer herumdrückte, dessen Schritte Niemand hörte außer Emil, den vermeintlichen Herrn des Hauses?

Allerdings hatte er ein Mittel gefunden, sein Ohr zu verschließen, das lag unten im Keller, dem sprach er zu, auch wenn er auf Ausfahrten von anstandswegen die Kasse führte, aber es kamen Stunden der Nüchternheit, in denen er sein Elend doppelt empfand, dann schlich der lauernde Gast zu ihm und begann zu raunen, bis er immer lauter und eindringlicher zu ihm sprach: »Du mußt, Du kannst nicht anders!«

Und da geschah das Furchtbare, da kam es an den Tag, wer der fremde Gast gewesen war. – Der Tod. –

Mir ist es noch wie gestern. Es dämmerte bereits und der Tageslärm begann sich zu legen, als mein Karl heftiger als sonst eintrat. Ich merkte schon daran, wie er die Thüre aufriß, daß etwas passirt sein mußte, und fragte, ehe er noch Zeit zu einem Worte finden konnte: »Karl, was giebt es, ist ein Unglück geschehen?« – »Mein armer alter Freund Bergfeldt,« sagte er trübe. – »So rede doch, ist er seine Stellung los?« – »Er hat mehr verloren als das. Sein Sohn, sein Emil ...« – »Verloren, sagst Du?« – »Emil ist todt?« – »Unmöglich!« rief ich erschreckt. – »Nur zu wahr. Er nahm sich selbst das Leben. Soeben komme ich von Bergfeldt. Er ist ganz gebrochen. Auguste ist bei ihm.« – »Und wo ist sie ... die Mutter?« – »Wo anders als bei ihrem todten Sohne.« – »Allein?« – »Die beiden Damen sind vorläufig ins Hotel gezogen, sie haben das Haus mit Schmähungen über den Unglücklichen verlassen, daß er ihnen einen solchen Schimpf angethan.« – »Verlassen?« wiederholte ich. »Karl, ich muß zu ihr. So großes Leid kann sie allein nicht tragen. Vermag ich ihr den Sohn nicht wiederzugeben, so kann ich doch mit ihr weinen.« – Mein Karl umarmte mich, er mußte mich halten, so nahm die Nachricht mir alle Kraft, wir hatten Emil gern gehabt, stand er uns einst doch näher auf der Welt als viele Tausende. – »Geh zu ihr,« sagte mein Karl sanft, »ich habe meinem alten Freunde die schweren Gänge abgenommen, die nöthig sind. Wenn es dunkelt, komme ich mit den Leuten.« –

Viel früher als ich gedacht, hielt die Droschke vor dem Gitterthor. Ich zog an dem Griff, das Thor sprang auf und schloß sich wieder hinter mir; vor dem Hause wartete der Diener, der mich schweigend einließ. Auf dem Flur legte ich ab. Zwei große Mohrenfiguren hielten Lampen in den Händen und grinsten, daß Einem allein schon davon nicht gut werden konnte. Jeden Tag solche kunstgewerbliche Gesellschaft auszuhalten, muß eine Strafe sein. Der Diener öffnete eine Thür und zögernd schritt ich vor.

Nur eine halbaufgedrehte Gasflamme brannte an der Krone, es sollte wohl nicht zu heiß werden, aber trotzdem glitzerten die Goldrähme der Spiegel und Bilder und ließen sich die bunten Majolikaschüsseln und Porzellanfiguren erkennen, mit denen die Borde überladen waren. Dies Alles nahm ich wahr, nur die Bergfeldten konnte ich nicht entdecken. Schon wollte ich mich in das Nebengemach begeben, das durch dicke Plüschportieren von dem ersten Raum getrennt war, als sich in der dunkelsten Ecke etwas regte. Ich stand still. Das war sie. Kümmerlich, zusammengesunken, saß sie in einem goldgestickten Armsessel und richtete ihr Auge matt und leer auf mich. »Da sind Sie,« sagte sie kaum verständlich, »ich wußte, daß Sie kommen würden.« – Ich setzte mich zu ihr, ich faßte ihre Hände, ich glättete ihr Haar und streichelte ihre Wangen, aber sie that, als sei sie noch immer allein. Ich versuchte zu sprechen, es ging nicht.

Nach einer Weile erhob sie sich. »Wollen Sie ihn sehen?« fragte sie heiser. – Ich nickte blos. Sie faßte meine Hand und zog mich in das andere Zimmer. Dort brannte auf einem Tischchen eine von den gedrehten rothen Kerzen, wie sie jetzt Mode sind, in einem silbernen Leuchter und warf ihren flackernden Schein auf einen Divan, über den man einen türkischen Teppich gebreitet hatte. Den schlug sie zurück und starrte dann unbeweglich auf das bleiche Antlitz ihres Sohnes. Als wenn er schlummerte, so lag er da, nur in der linken Schläfe war eine kleine dunkle Wunde, da hinein war die Kugel gedrungen. Ich kämpfte vergebens mit meinen Thränen, sie drangen unaufhaltsam hervor. – »Er wacht nicht wieder auf,« fing sie an. »Die Aerzte waren hier. Sie sagten, er habe zu sicher gezielt. Warum zitterte seine Hand nicht, vielleicht lebte er dann noch? Warum zitterte sie nicht?« –

Vermochte ich ihr eine Antwort darauf zu geben? Er wollte wohl aus einem verhaßten Leben scheiden, darum war seine Hand so sicher. – »Gehen wir nicht lieber zurück?« fragte sie, »vorhin saß ich hier bei ihm, aber es raschelte dort am Kamin. Ich glaubte es waren Mäuse und fürchtete mich.«

Noch einen Blick, einen letzten Blick; dann deckte ich den Teppich wieder über den Todten und geleitete sie auf ihren alten Platz. Draußen hörte man hin und wieder einen Wagen vorbeifahren, sonst war es still, wie mitten in der Nacht.

»Buchholzen,« unterbrach sie das Schweigen, »mich durstet so; schon die ganze Zeit. Ich mochte es dem Diener nicht sagen, er ist so vornehm. Eine Weiße hätte ich gerne; nur einen Schluck. Sie sind so resolut. Emil sagte es immer. Würden Sie es wohl wagen?«

Ich ging hinaus und beorderte den Diener, das Verlangte zu holen. Er wollte Einwendungen machen, er dürfe sich nicht aus dem Hause entfernen, aber ein kurzes ›Allez‹ machte ihm Beine. –

Endlich kam er wieder. Ich brachte das Glas selbst hinein und reichte es ihr. Sie sah mich dankerfüllt an und that dann einen langen, langen Zug. Wie mußte sie gedurstet haben, wie hatte sie wohl gelitten, das arme Weib. Sie athmete tief auf, ein Beben durchflog ihren ganzen Körper. »Mein Sohn, mein Sohn!« schrie sie laut auf; dann erstickte der Jammer ihre Stimme. –

Emil, hättest du die Verzweiflung deiner Mutter gesehen, deine Hand würde gezittert haben, du hättest die Waffe weit von dir geschleudert. Unglückseliges Kind, du trafst nicht dich allein, du trafst auch die Herzen deiner Eltern. War das der einzige Weg, der Drangsal zu entrinnen, den du einschlugst? Gott im Himmel vergebe dir deine schwere Schuld. –

Nur ganz allmählich gelang es mir, sie einigermaßen zu beruhigen; als mein Karl kam, war sie gefaßt und willig zu folgen. Einmal noch ging sie in das andere Zimmer; sie kniete neben dem Todten und küßte seinen bleichen Mund zum letzten Male. Dann ließ sie sich den Mantel umhängen und den Hut aufsetzen, wie ein Kind. Der Wagen hielt vor dem Thor, mein Karl und ich nahmen sie in unsere Mitte, und so ward sie die Leute nicht gewahr, welche seitwärts in der Dunkelheit des Gartens neben einer Trage standen. Mein Karl kehrte wieder um, und wir fuhren der Stadt zu. Ich hielt sie in meinen Armen, bis wir vor Bergfeldts Wohnung anlangten, wo ihre Tochter uns empfing. »Ach, Frau Buchholz,« schluchzte Auguste, »liebe Frau Buchholz, wie ist das Alles anders gekommen ... so ganz anders.«

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