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Der Dunkelgraf

Ludwig Bechstein: Der Dunkelgraf - Kapitel 19
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typefiction
authorLudwig Bechstein
titleDer Dunkelgraf
publisherVerlag von Meidinger Sohn & Comp
year
firstpub1854
correctorreuters@abc.de
senderpg-us#24782
created20090710
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7. Eine Rückkehr.

Sie waren weit von einander getrennt, die beiden Freunde Ludwig und Leonardus, die sich in so treuer ausdauernder Liebe zusammen gefunden. Als Leonardus allein war, als er dem Freund, der mit Fluit nach Plymouth gesegelt, den letzten Abschiedsgruß zugewinkt, hatte er nirgend mehr eine bleibende Stätte. Er ging nach Paris zurück, fand, daß man seiner nicht nothwendig im diplomatischen Corps bedürfe, und nahm weiteren Urlaub. Auf dem geradesten Wege eilte er nach le Mans, wo er wieder als Kaufmann auftrat und einige Geschäfte abschloß, die dann ein ihm befreundetes Amsterdamer Handelshaus zur Vollziehung brachte. Bald begann er seine Nachforschungen nach Berthelmy – sie waren und blieben jedoch erfolglos. Er machte Bekanntschaft mit dem Maire, bewirthete und beschenkte diesen, um ihn willfährig zu machen, und dieser beschied ihn auf die Mairie, wo in seiner Gegenwart Nachforschungen in den Acten angestellt werden sollten. Als Leonardus sich eingefunden hatte, sprach der Maire, der zwischen Actenhaufen vergraben saß, nachdem er den Fremden zum Sitzen eingeladen hatte: Sie kennen, Bürger, die Ereignisse der jüngsten Zeit. Sie war sehr blutig für die Vendée. Ich fürchte sehr, man hat nicht Papier genug gehabt, um die Namen der vielen vielen Tausende niederzuschreiben, welche der Krieg hinwürgte. Von der Familie Berthelmy lebt jetzt Niemand mehr in le Mans. Jener Mann, den Sie suchen, soll geblieben sein, sein Weib ging davon, oder verschwand auf räthselhafte Weise, seine Eltern sind beide todt, Geschwister hat er nicht gehabt. Daß er mit zu Felde zog, ist durch Acten verbürgt, daß er blieb, ist nicht verbürgt.

Kann man denselben nicht in den öffentlichen Blättern ausschreiben lassen? fragte Leonardus.

Wohl könnte man das, entgegnete der Maire: allein es würde wenig fruchten. Lebte der Bürger Etienne Berthelmy noch, so würde er längst wieder hier erschienen sein, um sein kleines Erbtheil in Empfang zu nehmen; sollte er aber wirklich noch am Leben sein, so würden ihn dennoch unsere Zeitungen schwerlich erreichen.

Könnte er nicht für todt erklärt werden?

Nein, Bürger, zu einer solchen Erklärung ist die Zeit seiner Abwesenheit viel zu kurz. Aber weßhalb dies Alles?

Ich bin ein Verwandter von Berthelmy's vormaliger Frau; sie hat Gelegenheit, eine andere Wahl zu treffen, und will dies nicht eher, als bis sie rechtlich von ihrem Mann geschieden ist.

Der Maire lächelte und sprach ironisch: Diese gute Frau scheint eine schlechte Bürgerin zu sein, daß sie noch so veraltete Rechtsbegriffe hegt. Wir haben uns, nachdem am dreizehnten December vorigen Jahres General Marceau in hiesiger Stadt fünfzehntausend Menschen an einem und demselben Tag erschießen ließ, ohne Ansehen des Alters und des Geschlechts, der glorreichen und untheilbaren Republik unterworfen; wir haben keine Kirche und kein Sacrament der Ehe mehr. Der Bürgerin Berthelmy steht es völlig frei, sich als geschieden zu betrachten und zu freien, wann und wen sie will.

Angés Berthelmy ist eine Deutsche! warf Leonardus ein.

Ah so! versetzte der Maire gedehnt. Die Deutschen sind noch halbe Barbaren, sie haben noch viele wunderliche Begriffe und Vorurtheile, aber unsere glorreiche Republik wird sie schon in gleicher Weise beglücken, wie die Vendée beglückt worden ist. Wenn dir zu rathen ist, Bürger, so suche so schnell als möglich aus diesem Lande zu kommen, denn die höllischen Colonnen morden Jeden, der ihnen aufstößt und nicht zu ihnen gehört, er trage gute und richtige Pässe bei sich, gehöre einer Gesandtschaft an, oder nicht. Diese Colonnen sind selbst eine Gesandtschaft – die des Todes.

Leonardus ging, mit einem verzweifelnden Gefühle im Herzen. In tausend Gefahren, die in einem durch und durch vom blutigsten, gräuelvollsten Kriege zerwühlten und zerrütteten Lande sein Leben bedrohten, hatte er sich gestürzt, und so völlig fruchtlos, so ganz vergebens! Was nun weiter? Sollte er Angés aufsuchen? Und mit welcher Nachricht konnte er vor sie treten, wenn er sie fand? Blieb noch irgend eine Hoffnung in einer Zeit, in welcher jeder Tag Tausende hinmordete, in welcher an geregelte Zustände auf lange hinaus nicht zu denken war, Nachrichten über Leben und Tod eines einzelnen Mannes zu finden, der sich durch nichts hervorgethan hatte, der im großen Strome des unglücklichen Vendéerheeres spurlos verschwunden war?

Düster wurde es bei solchen Betrachtungen in Leonardus sonst so frohem und hellem Gemüth, sein Herz war zu einer Wildheit, zu einem Groll gegen sein Schicksal aufgeregt, die ihm fast die Sinne verwirrten. Er wünschte jetzt, Berthelmy möchte noch leben, möchte ihm lebend entgegentreten, mit Waffen in der Hand, er wollte mit ihm kämpfen und ringen auf Tod und Leben um den Besitz des geliebten Weibes. Aber kein Berthelmy trat ihm entgegen, nichts stellte sich ihm in den Weg, ungefährdet konnte er Paris wieder erreichen. Aber wiederum litt es ihn nicht dort, Alles erschien ihm schaal und farblos, nur in weiter Ferne schwamm in einer lichten Aetherstelle die rosenrothe Wolke seiner Liebe, seiner Sehnsucht, unerreichbar für ihn, gleich jener Wolke, die der kühne Held statt der Göttin umarmte. –

Windt hatte einen Brief an die Reichsgräfin vollendet, den er, bevor er ihn absandte, seiner Frau mittheilte; Frau Juliane liebte das, sie erfuhr auf diese Weise manches Neue, das in ihres Mannes Leben trat und sie oft unmittelbar mit berührte, zu dessen besonderer Mittheilung ihr Mann jedoch keine Zeit fand.

Ich habe von Tag zu Tag weniger Zeit zum Briefschreiben, sprach Windt zu seiner Frau: ach! es ist jammerschade, daß du keine Federheldin geworden bist, liebe Jule, du müßtest sonst mein Geheimschreiber sein, mein Wippermann.

Bin froh, sehr froh, lieber Windt, bin sehr froh darüber, hätte sonst noch mehr zu thun! vertheidigte sich Frau Windt. Hab' ich nicht ohnehin alle Hände voll zu schaffen, und fast Tag und Nacht?

Hast recht, liebe Alte! begütigte Windt. Was wir Beide hier durchmachen, kann uns nimmermehr vergütet werden. Unsere alte Gnädige, oder unsere gnädige Alte hat davon keine Idee, wie es hier zugeht, – nun, ich hab' es ihr geschrieben, wie mich im Januar die Kaiserlichen aus dem Bette geholt und geplündert, wo ich nur wie durch ein Wunder mit dem Leben davon kam, wie ich mehr wie hundertmal Bajonnette und Carabiner mit aufgezogenen Hahnen auf meiner Brust hatte, wie sie mir mein letztes Geld, meine mühsam gesparten hundert Ducaten, die ich zu einer Brunnenkur in Pyrmont bestimmt, meine beiden Uhren und meine Gewehre stahlen. – Brunnenkur! Beim Element! Die kann ich jetzt hier auf das Schönste genießen, brauche nicht erst nach Pyrmont, denn meinen Wein haben die Schurken mir ausgetrunken bis auf die letzte Flasche! Was brauch' ich Uhren? Ich armer geschlagener Mann weiß ohnehin, wie viel es geschlagen hat, und wozu Gewehre, da ich doch gänzlich wehrlos war?

O, gerechter Gott, es war schrecklich und jammervoll, Windt! rief Frau Juliane schluchzend und von schmerzlicher Erinnerung bewegt aus: wie du, so wie du gingst und standest, das Kastell verließest.

Um beim französischen General zu Arnhem eine Schutzwache zu erbitten gegen diese wallonischen rohen Teufel und Spitzbuben! ergänzte Windt; und wie ich an das Thor von Arnhem komme, höre ich, daß die Stadt noch gar nicht von den Franzosen besetzt ist. Ich hatte seit vierzehn Tagen in meinen Kleidern und Stiefeln geschlafen, war todmüde, und mußte mich im Geleite eines Trompeters nach Wageningen schleppen, um dort für das Kastell um französischen Schutz zu betteln.

Nun und was hast du denn geschrieben, und was hilft dich dein Schreiben, Windt? fragte die Hausfrau des vielgeplagten und vielgeprüften Mannes, dessen Redlichkeit und Diensttreue alle Feuerproben der drangvollsten Erlebnisse bestanden.

Was mein Schreiben helfen wird? fragte Windt: gar nichts wird es helfen und kann auch nichts helfen! Aber es ist meine Schuldigkeit. Noch ist die alte Excellenz Herrin dieser Herrlichkeit, sie muß unterrichtet werden, wie es um ihre Besitzungen steht. Es ist ein Unglück in dieser Zeit Schlösser am Rhein zu haben; ich habe Alles so vorauskommen sehen, wie es gekommen ist, habe gerathen, habe gewarnt, Alles vergebens, ich war ja kein Rath, bin nur der Haushofmeister, und der Mensch ist stets ein Narr, der einen Rath gibt, ehe ein solcher von ihm verlangt wird; ich bin eben immer der dumme gutmüthige Narr.

Gut bist du, Windt, das muß wahr sein, wenn du auch bisweilen unwirsch und kurz angebunden bist, schmeichelte seine Frau, öffnete ein geheimes Wandschränkchen in dem sichern Thurmgemach, das sie jetzt bewohnten, und brachte eine Flasche alten Port à Port daraus zum Vorschein.

Komm her, Alter, ich habe noch Etwas gerettet, du sollst das Doorwerther Wasser nicht trinken, es schmeckt abscheulich und ist trüb wie Lehmbrühe.

Ist das ein Wunder, jetzt, bei der furchtbaren Ueberschwemmung? Wein zu wenig und Wasser zu viel. Bist ein Goldkorn, Jule! Was wär' ich ohne deine treue Hülfe! rief Windt, ließ sich willig einschenken, trank und begann zu lesen:

»Auf gut Glück, da ich nicht weiß, ob die Post von Amsterdam nach Hamburg wieder geht, schreibe ich Ihrer Excellenz, daß ich noch lebe, und daß ich gegenwärtig eine französische Schutzwache im Kastell habe. Mir ist von den französischen Generalen und Commandanten mit einer Menschenfreundlichkeit, einer wahrhaft brüderlichen Güte und in allen meinen Gesuchen mit einer Willfährigkeit begegnet worden, die ich nie genug rühmen kann, so wenig als die gute Ordnung und Mannszucht, die von den Truppen beobachtet wird. Ich habe nach und nach bereits sieben französische Sauvegarden gehabt, Sergeanten, Husaren, Jäger, Dragoner, Cuirassiere, und kann mit Grund der Wahrheit sagen, daß ich allen bei ihrem Abgang das beste Zeugniß ausstellen konnte. Was ich aber vorher gelitten, stets im Mittelpunkt der gegenseitigen feindlichen Vorposten, während der Gefechte, in die ich zweimal persönlich hinein gerieth, als ich Hülfe suchend ausgeritten war, ist unbeschreiblich und unglaublich. Doch es gereut mich nicht, hier ausgehalten zu haben, es würde auch sonst um Doorwerth elend genug aussehen. Alle die, welche feig aus der hiesigen Gegend gewichen sind und ihre Wohnungen verlassen haben, brauchen nicht zurückzukehren, um dieselben zu suchen, denn sie finden sie nicht mehr. Gleichwohl bleibt meine Lage immer noch gefährlich und bedenklich. In den Städten geht Alles gut, aber auf dem platten Lande, in meinem unbändig großen Kastell so fast ganz allein zu sein, ist eine Lage, die nicht Jeder durchführt. Die Avantgarde der Republikaner rückte hier am siebenzehnten Januar ein. Das Schicksal des Erbherrn werden Excellenz aus den öffentlichen Blättern nun ganz kennen, doch kann ich mit Bestimmtheit mittheilen, daß er in seinem Unglück frisch, munter, fröhlich und guten Muthes ist – sehr gut für ihn. Sobald als möglich denke ich selbst ihn aufzusuchen, hoffe ihn sprechen zu dürfen und zu erfahren, wie es um ihn steht. Wenn Excellenz wüßten, wie schlecht die Emigranten es hier getrieben haben, sie schlössen Ihre Thüre vor Jedem derselben zu. Hätten diese Menschen so viel Herz gehabt, in ihrem Vaterlande zu bleiben und auf ihrem Posten, wie ich es gemacht, ich wäre nicht so unglücklich, wie ich jetzt bin, ganz Frankreich und Alle, die unter dem Druck der jetzigen Zeiten leiden, wären es nicht.«

Windt! Windt! unterbrach Frau Juliane. Das hättest du nicht schreiben sollen, das beleidigt ja die Excellenz. Bedenkst du denn gar nicht, daß der Herzog von la Tremouille, Prinz Talmont, ihr Vetter ist?

Wenn die Herzöge und Prinzen von la Tremouille, Talmont und was sie sonst für Namen haben mögen, entgegnete Windt: nicht furchtsam und voreilig ausgewichen wären, sondern anders gehandelt hätten, so wäre der sonst wackere August Philipp, Prinz von Talmont, der wirklich tapfer war, nicht im December des vorigen Jahres gefangen und im Hofe seines eigenen Schlosses erschossen worden. Was ich der alten Excellenz schrieb, ist stets meine aufrichtige Meinung, ist die Wahrheit, die sie liebt und die sie mir nicht übel nimmt. Sie nannte mich einmal scherzend ihren »alten Wahrsager,« und ich antwortete: Excellenz haben ganz recht, ich sage immer wahr und sage das Wahre, nur Schade, daß Excellenz meinen Wahrsagungen nicht glauben, wenn Sie auch so gnädig sind, meine Wahrheiten nicht übel aufzunehmen.

Windt fuhr nach dieser Unterbrechung im Lesen seines Briefes fort: »Künftig bitte ich Excellenz, an mich nur unter der Adresse zu schreiben: Au Citoyen Windt à Doorwerth, franco Amsterdam. Ueber Amsterdam ist und bleibt von Hamburg aus der beste Postweg. Zum Pettschaft nehmen Sie nicht Ihre Wappen, sondern etwa eins mit einer Devise, sonst schmeißt die Post den Brief ins Feuer; es ist in Amsterdam von Seiten der Municipalität eine Commission ernannt, an welche Briefe nach Hamburg und Bremen offen eingeliefert werden müssen, ich schließe daher diesen meinen Brief an die Adresse der Frau Mutter des mit Graf Ludwig hier gewesenen braven Holländers Leonardus van der Valck ein und ersuche Excellenz, Rückantworten auch auf diesem Wege an mich gelangen zu lassen, auch wollen Hochdieselben sich über die närrische Adresse dieses Briefes nicht wundern. Man will der Besitzung Doorwerth den Namen einer Herrlichkeit, Seigneurie, nicht mehr zugestehen, und was Ihrer Excellenz Geltendmachung dessen betrifft, daß Hochdieselben eine dänische Gräfin sind, so wünschte ich, Sie hörten darüber einmal die Aeußerungen der französischen Generale. Denen ist dieses Alles Null, es gibt für diese keinen Respect mehr vor Fürsten, Grafen und Herren, wie man im lieben deutschen Reiche, Gott behüte es vor dem Franken-Reiche! zu sagen pflegt. Sehr lieb ist mir, daß der Wechsel auf die zwanzigtausend Mark banko honorirt wurde; im Uebrigen können Excellenz dieser Angelegenheit halber ruhig schlafen. Sie sind noch zur Zeit durchaus an Nichts gebunden; das Ganze war ein Werk meines vielleicht übertriebenen Diensteifers, ich machte in der Stille mit dem Erbherrn, mit dem jungen Herrn und mit Herrn Leonardus van der Valck mündlich auf Treue und Glauben Alles ab, um Ihrer Excellenz Geld zu schaffen, weil Sie dessen bedurften und Sie gleich mir Emigranten zu verköstigen hatten; fast scheint mir, und die Schnörkelform Ihrer Quittung läßt dies vermuthen, als seien Glauben und Treue zu den verrufenen Münzen gerechnet, zu den Paduanern, die aber doch als ächte in Hochdero berühmter Sammlung prangen, und über welche Ihnen der Herr Abbé Eckhel in Wien so vieles Aufklärende geschrieben hat.«

Windt! Windt! Um Gottes Willen! rief die besorgliche Frau. Du machst es zu arg, du beleidigst!

Sorge nicht, es ist die Wahrheit! beruhigte Windt und las weiter: »Es war Ihnen so wenig eine Quittung abgefordert, als mir; Alles, was wir schriftlich machten, war die Obligation des Erbherrn für die empfangenen fünfzigtausend Gulden auf Varel. Ihre Rathgeber, Excellenz, scheinen diese Sache nicht von dem richtigen Gesichtspunkt aus anzusehen, das liegt im Unverstand Ihrer Rechnungskammer. Diese Herren rechnen und rechnen und danken Gott, wenn ihre Papiere von oben bis unten voll Zahlen stehen, sie merken aber nicht, daß ihnen häufig darüber das Licht des gesunden Menschenverstandes ausgeht. Doch was hilft's – die Zeit ist einmal aus den Fugen, wie Hamlet sagt; wenn Undank und Mißkennung mich bewegen könnten, anders zu handeln als ich handle, dann wäre durch Ihrer Excellenz hochweise Räthe meinem Diensteifer längst eine Schranke gesetzt, dann wäre ich nicht hier geblieben, und hätte Hals und Kragen, Blut und Leben, Gut und Habe nicht daran gesetzt, Ihrer Excellenz Herrlichkeit, so weit nur in eines Menschen Kräften steht, zu schützen und zu schirmen. Wer auch hier war von fremden Offizieren, Engländer, Holländer, Kaiserliche und jetzt die Republikaner, keiner hat glauben wollen, daß ich nur ein Bedienter sei, sondern Jeder meinte, daß ich ganz bestimmt der Herr oder Erbe von Doorwerth selbst sein müsse. Alle Güter rings um die Herrlichkeit sind totaliter devastirt, Doorwerth allein ist noch im leidlichen Zustand. Der Strich von der hiesigen Grenze bis Arnhem sieht sich nicht mehr gleich; von Arnhem bis Zuitphen kann keine Maus mehr leben; alle die herrlichen Alleen sind über Bord, keiner der prächtigen Lindenbäume um die Stadt steht mehr, die größten und schönsten Häuser sind Pferdeställe oder Lazarethe, das Holz der Thüren und Mobilien ist verbrannt. Ich habe wieder seit Kurzem fünfzehnhundert Rationen Heu liefern müssen, habe augenblicklich sechs Offiziere im Kastell, zwei Ordonnanzen, einen Husaren. Im Dorfe liegt eine Compagnie Volontärs, in Helsum liegen zwei, und noch dreizehn Husaren für die Correspondenz, in allen andern Orten der Herrschaft liegen dreißig bis einhundertundfünfzig Mann in jedem Hause. Nachdem ich die fürchterlichen Durchzüge und Einquartierungen der Alliirten, dann alle möglichen Freicorps, Emigrantencorps, lumpigen Andenkens, dann den schleunigen Rückzug, auf welchem ganze Colonnen zur Nachtzeit hier einfielen, darauf die heftige, fast unerträgliche Kälte, darauf wieder den Durchgang und die Einquartierung der Nordarmee, welcher die Sambre- und Maas-Armee auf dem Fuße folgte – nachdem ich dies Alles vertragen und überstanden habe, kämpfe ich jetzt mit einer Wassersnoth, wie sie seit hundert Jahren nicht erlebt wurde. Ich habe in Helsum Brücken schlagen lassen, zu denen ich, um Holz zu bekommen, ein Paar Scheuern abbrechen ließ, damit die Armee nur weiter konnte, sonst hätte sie sich hier gestauet, wie ein überschwellender Krötendeich, und uns vollends mit Haut und Haar aufgefressen.«

»Ich hoffe und bitte, Excellenz werden nun auch für mich Etwas thun, um meine alten Tage zu sichern und mir darüber eine Beruhigung ertheilen, die dem Gefühl von Menschlichkeit, Billigkeit und Rechtschaffenheit entspricht, das ich Excellenz zutraue. Ich muß ganz nothwendig eine durchgreifende Kur im Sommer brauchen, wenn ich nicht ganz zu Grunde gehen soll. Auch muß ich endlich wieder an einem andern Orte wohnen, denn hier kann und will ich mit meiner Frau, welche sich der Wirthschaft auf das Allertreueste annimmt, meine mir noch vergönnten Tage nicht beschließen. Excellenz haben das große Haus in Hamburg, haben bedeutende Allodialgüter, auch Bau- und Weideland genug, um einen alten wahrhaft treuen Diener lebenslänglich zu versorgen. Eine Pension in Geld wirft Doorwerth nicht ab, und für den hiesigen Rentmeisterdienst müßte ich danken.«

»Heute wird unter großen Feierlichkeiten zu Arnhem der Freiheitsbaum aufgepflanzt; die Stadt ist so voll Freiheitsglück, daß sie die ganze Besatzung mit Wein bewirthen wollte; der Commandant aber, General Lefebre, der ein eben so kluger als tapfrer Mann ist, hat den Wein zwar angenommen, aber ihn zur Stärkung der Kranken und Verwundeten bestimmt. Auch rings um die Herrlichkeit her, in Wageningen, Husum, Deventer, und ebenso in Doesburg und Zuitphen, auf Voorst, auf Rhoon und überall sind Freiheitsbäume gepflanzt worden; ich meinestheils habe es zur Zeit noch unterlassen. So viel ich Laie von Forstkultur verstehe, schlagen Bäume, die man ohne Wurzeln pflanzt, nicht an, sondern gehen kläglich zu Grund, daher lohnt solche Kultur nicht die Kosten und ist eine ebenso vergebliche als fruchtlose Mühe, eigentlich nur ein Holzfrevel. Unterthänigst bitte ich, meiner Schwester Beruhigendes über unser hiesiges Befinden zu sagen, meine Frau grüßt dieselbe bestens. Meine Schwester soll an meinen Bruder, den Kammerrath Windt in Bückeburg, schreiben, ihn von mir grüßen und ihn bitten, mir doch endlich einmal Nachricht von seinem Ergehen zukommen zu lassen. Im Uebrigen entschuldigen Excellenz die Länge meines Briefes, wer weiß, wann ich wieder Zeit finde, weitern Bericht zu erstatten, da es beständig um mich her von Fremden wimmelt. Stets zu Füßen! Carl Heinrich Windt.«

Stets auf meinen Füßen, solltest du schreiben, lieber Windt, sprach die wackere Hausfrau.

Das bin ich so schon, das brauch' ich nicht zu schreiben, das kann die alte Excellenz zwischen den Zeilen lesen, scherzte Windt.

Schau, was kommt denn da wieder für ein Ritter von der traurigen Gestalt durch das Wasser des Weges her auf das Kastell zu? unterbrach er sich, indem er einen Blick durch das schmale Thurmfenster hinab auf den Dammweg warf, der nach dem Schlosse führte; er gewahrte einen Reiter, welcher in einem nichts weniger als glänzenden Aufzuge und keineswegs empfehlenden Aussehen, langsam einherritt und jetzt vor der Zugbrücke hielt, um der wachehabenden Schutzmannschaft ein gültiges Papier, das sein Einlaßgesuch rechtfertigte, darzureichen.

Ja, was in aller Welt ist denn das? rief Windt, scharf und immer schärfer hinblickend. Täuscht mich denn mein Auge nicht? Wie soll ich das deuten? Geschwind, Alte! Trage etwas auf! Etwas Hamburger Rauchfleisch, westphälische Schinken, Edamer Käse, frische Butter. Vor Allem koche eine Suppe. – Und ohne abzuwarten, was seine Frau zu seiner Verwunderung und zu dieser raschen Anordnung sagen werde, eilte Windt voll Hast aus dem Thurmgemach, sprang die Treppe in schnellen Sätzen hinab, und schritt nicht minder rasch durch den Hof, dem so eben eingelassenen Reiter entgegen, der ihn mit mattem Blick begrüßte, abstieg und in Windts Arme sank.

Sind Sie's denn? Sind Sie's denn, oder ist es Ihr Geist, Herr Leonardus? Herr Leonardus van der Valck?

Wohl bin ich's, heute und morgen bin ich's noch, mein lieber, redlicher Freund, erwiederte mit fast tonloser Stimme Leonardus: nicht mehr lange und ich bin es nicht mehr, und wenn Sie dann eine Gestalt sehen, die der meinen gleicht, so ist es mein Geist.

Um des Himmels Willen, was muß Ihnen begegnet sein? rief Windt erschreckt und verwundert. Sie sehen sehr übel aus. Doch kommen Sie herauf, ruhen Sie aus, pflegen Sie sich! Für Ihr Pferd wird gesorgt, ich erkannte Sie gleich, traute aber meinen Augen nicht, glaubte nicht, daß Sie es seien, der da geritten kam.

Leonardus bedurfte auf der Treppe zum Thurmzimmer hinan der Unterstützung des Freundes, so matt und angegriffen fühlte er sich, und als ihn jetzt erschrocken und erfreut zugleich Windts redselige Frau begrüßte, saß er einige Minuten lang, tief und langsam athmend, auf einem Lehnsessel, mit geschlossenen Augen, einer Ohnmacht nahe, und hob die Hände vor sein Gesicht, als wolle er alle Erinnerungen seiner jüngsten Vergangenheit wie einen bösen Traum verwischen.

In diesem Augenblick brachte ein Diener ein so eben angelangtes Briefpaket von Amsterdam. Windt war von den Freunden zum Vermittler ihres Briefwechsels ausersehen worden, und so blieb er auch selbst in steter Kenntniß, wo Jene sich befanden. Von Leonardus hatte Windt lange keine Nachricht erhalten, Angés hatte nur einmal geschrieben, dankerfüllt, und ein werthvolles Geschenk gesendet. Sie hatte mit dem Kinde glücklich das Ziel erreicht, lebte als dessen treue Pflegerin, wie sie schrieb, im angenehmsten und wünschenswerthesten Verhältniß, hatte Windt herzliche Grüße an die Freunde aufgetragen, aber ihren Aufenthaltsort nicht genannt, »größerer Sicherheit halber«, schrieb sie, »da dieser Ort als Asyl nicht mein Geheimniß allein ist, da politische Rücksichten dazu nöthigen, den Aufenthalt des Kindes auf das Tiefste zu verbergen.« Wer an sie schreiben wolle, möge die Firma ihres älterlichen Hauses benutzen und in diese Aufschrift Briefe einlegen. Jetzt war nun Leonardus wieder gekommen und konnte aus erster Hand die soeben anlangenden Briefe empfangen.

Er erholte sich, genoß Etwas, und indem ein Gefühl unendlichen Friedens ihn überkam, sprach er: O hätte ich doch diesen einsamen lieben Zufluchtsort nicht verlassen, mir wäre wohler, als mir jetzt ist! Mein ganzes Ergehen seit der Trennung von Ihnen, mein theurer Freund, war nichts als eine Kette von Schmerz und Bitterkeit, und diese Trennung hat mich mit raschen Schritten dem Ziele meiner Tage näher gebracht.

Ich will nicht hoffen? fragte Windt mit aller Lebhaftigkeit seines Wesens.

Sie sollen Alles erfahren, wenn Sie mich wieder ein Weilchen hier dulden wollen, sprach Leonardus.

Dulden wollen? Sind Sie nicht halb und halb der Eigenthümer dieses Hauses und dieser ganzen Herrschaft? rief Windt.

Ich bedarf nur wenig, mein Lieber, ein kleines Zimmer, ein Lager, schmale Kost und Ruhe, erwiederte Leonardus.

Zimmer und Lager stehen zu hinreichender Auswahl zu Befehl, nahm Frau Windt das Wort. Die Kost werden Sie schmaler finden als Ihnen lieb ist, werther Herr van der Valck! Und die Ruhe, was diese betrifft, da läßt sich nur wenige Bürgschaft leisten. Sie wissen ja, wie es hier zugeht, es ist seit Ihrer damaligen Abreise mit dem jungen Herrn, bei uns noch nicht anders geworden. Doch wenn Sie mit dem höchsten Zimmer dieses Thurmes vorlieb nehmen wollen, so werden sie vom Lärmen im untern Hause und im Hofe wenig wahrnehmen; hoffentlich kehrt die Zeit der Kanonaden nicht wieder.

Ich werde mit tausendfachem Danke annehmen, was Ihre Güte mir bietet, und darf vielleicht hoffen, mindestens in Etwas bei Ihnen mich zu erholen. O, Sie werden mich beklagen, wenn Sie erfahren, was ich erlebte! Jetzt kann ich es Ihnen noch nicht erzählen, es erschüttert mich allzusehr. Lassen Sie mich des Freundes Brief lesen, ich hoffe, seine Freundschaft wird ein Balsam für mich sein. O, wie sehr sehnt sich mein Herz nach Nachricht von ihm, wie oft dachte ich an ihn, wäre er an meiner Seite gewesen und vielleicht der treue Philipp, Alles wäre besser geworden.

Beruhigen, erholen, pflegen Sie sich, betrachten Sie dies Haus als das Ihre, ohne Redensart, es ist mein ganzer Ernst; Sie haben dazu das volle Recht, ermunterte ihn Windt. Ich will jetzt gehen und nach den Geschäften sehen, und dann wiederkommen, um von Ihnen zu hören, wie unser junger Herr sich befindet; ich theilte so eben meiner Frau einen Brief an Graf Ludwigs Großmutter mit; es wird die hohe Dame erfreuen, wenn ich über ihren Liebling eine günstig lautende Nachricht hinzufügen kann. Du, liebe Frau, besorge droben Alles nöthige, so gut du's hast. –

Leonardus blieb allein in dem Wohnzimmer von Windt und dessen Gattin zurück. Wie oft hatte er mit dem Freund bei diesen braven Leuten in demselben Gemach gesessen, wenn es draußen stürmte, so wie jetzt. Weithin standen die Wiesenflächen unter Wasser, das Dorf und Kastell gleich einer Insel, die Ströme: der Rhein, die Yssel, die Wahl und die Maas hatten ihre Betten überschritten, selbst die Dämme waren bedroht; ohne Pferd hätte er nicht bis zum Schloß gelangen können, denn an einzelnen Stellen waren in der Allée schon beträchtliche Rinnen, die das mehr und mehr andringende Wasser gebildet hatte, und jede kommende Stunde drohte sie noch größer zu machen.

Erinnerungen an vergangene Zeiten zogen durch Leonardus Gemüth. Schon war ein Jahr und darüber vergangen, daß er den Freund gefunden, welche Fülle von Erlebnissen lag nur allein in diesem einen Jahre! Hier hatten sie beisammen gesessen, hatten Pläne geschmiedet für die Zukunft, deren schönster der war, daß Ludwig diese Herrschaft erwerben solle mit der Hülfe und den Mitteln des Freundes. Dieser selbst wollte dann in Rosendael wohnen in dem schönen Herrenhaus mit seinen herrlichen Gärten und Parken. Was ließ sich nicht Alles an diesem thun, wenn der Geschmack und die angeborene Vorliebe eines der Natur befreundeten Menschen hier schaffend thätig war? Da sollte Angés bei ihm wohnen, seine liebe, treue, angebetete Hausfrau, da sollte auch jenes Kind sich naturgemäß entfalten, wie die geheimnißvolle Blüthe der prachtvollen Wunderblume, welche die Kunstgärtner die Königin der Nacht nennen. Ach, das waren schöne Träume gewesen!

Oft war die Zeit, waren deren mannichfache Wandlungen besprochen worden von den Freunden, man hatte Meinungen ausgetauscht, nicht ohne Lebhaftigkeit, nicht ohne Streit. Oder es hatte bisweilen auch das Schachspiel die Gedanken zu ernstem Nachsinnen hingelenkt, jenes bedeutsame »Spiel der Könige« mit seiner uralten Symbolik. Das Alles war vorüber, und Leonardus van der Valck saß jetzt in ungleich anderer Lage und Stimmung, als damals, allein in diesem traulichen Gemach. Der Wind erschütterte mit heftigen Stößen den Thurm, und dumpf mischte sich mit seinem pfeifenden Sausen das Wellenrauschen der ringsum die Gegend überfluthenden Gewässer, aus denen wie lauter Inseln die umflossenen Dörfer, Gehöfte und Schlösser herausragten. Leonardus öffnete erwartungsvoll den Brief seines liebsten Freundes, dem er auf Erden vor vielen sein ganzes Herz geweiht, dem er sein Inneres erschlossen, wie keinem zweiten, den er mit der wahrhaftesten Treue liebte.

Ludwig schrieb: »Mein Leonardus! Seit unserer Trennung in Amsterdam habe ich so viel erlebt, daß ich das Meiste und Beste auf die mündliche Mittheilung versparen muß, denn ich kann unmöglich diesem armen Papiere anvertrauen, das durch so viele ungeweihte Hände geht, was mein Inneres voll Leid und wieder voll hoher Freude bewegt, daher nimm vorlieb mit diesen flüchtigen Zeilen, welche dir nur einen Umriß des Bildes geben sollen, das ich mit hellen Farben ausmalen werde, wenn wir uns wieder umarmen. Wohlbehalten kam ich nebst meinem Philipp im Hafen von Plymouth an, wo unser wackerer Fluit Alles that, um mich gut unterzubringen und für den ferneren Theil meiner Reise zu unterweisen. Ich reiste tiefer in das Land, das reich und reizend ist, von hoher Kultur geschmückt, Park an Park; ich fand überall schon vorbereitete gute Aufnahme, fand geistvolle Verwandte, fand mich in die höchsten Kreise gezogen, und fand endlich das Allerhöchste, was mein Herz mit nie gekannten Gefühlen erfüllte, es in Seligkeit schwelgen ließ, Alles auf Erden mich vergessen machte, selbst dich eine kurze Stunde, und alle die Freunde, selbst meine Großmutter, aber ich darf nicht schreiben, was ich fand, nur mit leisem Flüsterwort in das Ohr darf ich dies theure und wunderbare Geheimniß dir vertrauen, und selbst dir nur halb.«

Wohl ihm, er fand ein Herz, unterbrach sich Leonardus im Lesen: so wird er nicht mehr nach unbestimmten Fernen mit Sehnen und Seufzen blicken, nicht nach den unerreichbaren Sternen fassen, er wird die Sternblumen pflücken, die im irdischen Eden seiner Liebe blühen!

»Und doch, Leonardus! Bei dieser Fülle von Glück kann und darf ich nicht länger mehr in England weilen, einmal verbieten es mir die zartesten Rücksichten, und dann gebietet mir die Sorge für meine noch immer wankende Gesundheit die Rückkehr nach dem Festlande.«

Wie – er liebt, er betet an, wie diese glühende Sprache seines Briefes bekundet – und will doch fort, aus zartesten Rücksichten? Das ist mir ein Räthsel! sprach Leonardus zu sich selbst. – »Die hiesige Luft, so sehr sie gepriesen wird, ist meiner Gesundheit ganz und gar nicht zuträglich, und was die Seeluft betrifft, so mag ein empfänglicherer Sinn, als der meine, dazu gehören, deren Einwirkung auf den kranken Organismus wahrzunehmen. Ich sehne mich nach deutscher Luft, es wird mir nirgends wohl werden, als in der deutschen Heimath. Leider kränkle ich immer noch, trotz all' der freudigsten und wohlthuendsten Erregungen, die mir in England, in London und auf all' den herrlichen Landsitzen zu Theil wurden. Ich möchte mich, und wohlmeinende Freunde rathen mir das an, einem deutschen Arzt anvertrauen; man hat mir Starke genannt, welcher ein berühmter Arzt in der kleinen sächsischen Universitätsstadt Jena ist. Ueberhaupt hörte ich stets vieles Gute von den kleinen sächsischen Städten und Höfen; humane und gebildete Fürsten regieren dort ihre Länder; gründen, fördern und erhalten Anstalten für Wissenschaften und Künste; legen zu diesen Zwecken bedeutende Sammlungen an und vergönnen deren belehrenden Genuß und Gebrauch ihrem Volke; während, was hier die Herzoge und Lords sammeln, gleichsam vergraben wird und ärger gehütet, als das goldene Vließ zu Kolchis. Ich denke es mir sehr angenehm, einmal in dieses Herzland des heiligen römischen Reiches zu reisen, ein Reich, von dem wir keine rechte Idee haben. Hoffentlich wird mir dort wieder wohl, und vielleicht finde ich den inneren Frieden, der mir, selbst im Schooße des Glückes, noch mangelt. Ach, wie hat mich in England das rastlose Ringen und Streben der Vornehmen nach Erreichung politischer Zwecke gedrückt und unangenehm berührt – selbst meine Munterkeit litt darunter; was ich ersehne, mein Leonardus, das ist Stille, das ist Einsamkeit, wie die Großmutter mir beim Scheiden sagte: Glaube, daß die Einsamkeit wunderköstliche Stunden gewährt.«

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