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Der duftende Garten des Scheik Nefzaui

Scheik Nefzaui: Der duftende Garten des Scheik Nefzaui - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
author
titleDer duftende Garten des Scheik Nefzaui
publisherBertelsmann
year
isbn
firstpub
translatorHeinrich Conrad
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060219
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Zweites Kapitel

Würdige Frauen

Wisse, o Wesir – möge Gottes Gnade dich geleiten –, es gibt Weiber aller Art; unter ihnen sind einige lobenswert, andere aber verdienen Tadel.

Damit ein Weib den Männern anziehend erscheine, muß sie einen vollkommen schönen Leib haben und muß fett und wollüstig sein. Ihr Haar sei schwarz, ihre Stirne breit, sie habe Augenbrauen von der Schwärze äthiopischer Haut, dazu große schwarze Augen, deren Weißes hell wie Kristall sein muß. Zu Wangen von vollkommenem Eirund geselle sich eine feine Nase und ein anmutiger Mund; Lippen und Zunge seien purpurrot; ihr Atem habe lieblichen Duft; ihr Hals sei lang, der Nacken kräftig, Brustkorb und Unterleib breit. Die Brüste müssen voll und fest sein, der Bauch schön gewölbt, der Nabel sei wohl entwickelt und hervortretend. Der untere Teil ihres Bauches sei breit; ihre Scham springe ein wenig vor und sei fleischig von der Stelle an, wo die ersten Haare wachsen, bis zu den Hinterbacken; die Scheide sei eng und nicht feucht; sie muß weich anzufühlen und heiß sein und darf keinen üblen Geruch verbreiten. Schenkel und Hinterbacken seien hart, die Hüften breit und voll; sie muß einen feingeformten Rumpf haben, Hände und Füße von bezaubernder Zierlichkeit, volle Arme und wohl entwickelte Schultern.

Sieht man ein Weib, das diese Eigenschaften besitzt, von vorne, so ist man bezaubert; sieht man sie von hinten, so stirbt man vor Wonne. Im Sitzen gleicht sie einem gewölbten Dome, im Liegen einem weichen Bette, im Stehen dem Schaft eines Banners. Wenn sie daherschreitet, zeichnen sich unter ihren Gewändern die Umrisse ihrer Schamteile ab. Selten spricht und lacht sie, und wenn sie es doch tut, so geschieht es niemals ohne Grund. Niemals verläßt sie das Haus, wäre es auch nur zu Besuchen bei ihren Bekannten in der Nachbarschaft. Sie hat keine Freundinnen, schenkt keinem Menschen ihr Vertrauen und verläßt sich einzig und allein auf ihren Gatten. Von keinem Menschen nimmt sie Geschenke an, außer von ihrem Gemahl und ihren Eltern. Wenn sie mit Verwandten zusammenkommt, mischt sie sich nicht in deren Angelegenheiten. Sie ist nicht hinterlistig, hat keine Fehler zu verbergen und bringt keine schlechten Ausreden vor. Sie sucht keine anderen Männer zu verführen. Wenn ihr Gemahl die Absicht zeigt, seine ehelichen Rechte auszuüben, ist sie seinen Wünschen gefällig und kommt diesen gelegentlich sogar zuvor. Jederzeit steht sie ihm in seinen Angelegenheiten bei; mit Klagen und Tränen ist sie sparsam; sie lacht nicht und ist nicht fröhlich, wenn sie ihren Gatten verdrießlich oder sorgenvoll sieht, sondern nimmt an seinen Kümmernissen Anteil und weiß ihn in gute Laune zu schmeicheln, bis er wieder ganz vergnügt ist. Sie ergibt sich keinem Manne außer ihrem Gatten, wenn sie auch an der geschlechtlichen Enthaltsamkeit sterben sollte. Die Teile, die ein Weib nicht sehen läßt, trägt sie verhüllt; stets geht sie zierlich gekleidet, ist an ihrem Leibe von peinlicher Sauberkeit und achtet sorgfältig darauf, daß ihr Gemahl niemals etwas an ihr sieht, was ihm abstoßend sein könnte. Sie parfümiert sich mit Wohlgerüchen, verwendet Antimon zu ihrer Toilette und putzt ihre Zähne mit Walnußborke.

Solch ein Weib wird von allen Männern begehrenswert gefunden.

Die Geschichte von dem Neger Dorerame

Wie die Überlieferung – deren Wahrheit Gott kennt – berichtet, lebte einst ein mächtiger König, der über ein großes Reich, über Heere und Bundesgenossen gebot. Sein Name war Ali ben Direme.

Als er einmal nächtens nicht schlafen konnte, rief er seinen Wesir her, seinen Polizeihauptmann und den Befehlshaber seiner Leibwachen. Ohne Zögern begaben sie sich zu ihm, und er befahl ihnen, sich mit ihren Schwertern zu bewaffnen. Sie taten dies sofort und fragten ihn: »Was gibt's?«

Er antwortete: »Ich kann keinen Schlaf finden und wünsche daher heute nacht einen Gang durch die Stadt zu machen; hierbei muß ich euch in meiner Nähe haben.«

Sie sprachen: »Wir hören und gehorchen.«

So machte sich denn der König auf den Weg, indem er sagte: »Im Namen Gottes! Und möge der Segen des Propheten mit uns sein!«

Sein Gefolge schloß sich ihm an und begleitete ihn durch die ganze Stadt von Straße zu Straße.

Als sie so gingen, hörten sie in einer der Straßen Lärm und sahen einen Mann, der, von heftigster Leidenschaft gepackt, sich mit dem Gesicht zur Erde auf das Pflaster niedergeworfen hatte, seine Brust mit einem Stein schlug und aus Leibeskräften schrie: »Ach, es gibt keine Gerechtigkeit mehr hienieden! Ist denn kein Mensch auf Erden, der dem König berichtet, wie es in seinem Reiche hergeht?« Und unaufhörlich wiederholte er: »Es gibt keine Gerechtigkeit mehr! Sie ist entschwunden, und die ganze Welt trauert darob.«

Der König sagte zu seinen Leuten: »Bringt diesen Mann in aller Ruhe vor mich und traget Sorge, daß ihr ihn nicht erschrecket.« Sie gingen zu ihm, ergriffen seine Hände und sagten: »Steh auf und fürchte dich nicht – dir wird kein Leid geschehen.«

Hierauf antwortete der Mann: »Ihr sagt mir, mir solle kein Leid geschehen, und ich brauche mich nicht zu fürchten – und doch bietet ihr mir nicht den Gruß des Willkommens. Und doch wißt ihr, daß der Gruß eines Gläubigen (das arabische Wort Salem bedeutet »Gruß« und »Sicherheit«) ein Versprechen von Sicherheit und Vergebung ist. Wenn also ein Gläubiger von einem anderen Gläubigen nicht den Gruß empfängt, so hat er sicherlich Anlaß zur Furcht.«

Hierauf stand er auf und ging mit ihnen zum König, der sein Gesicht mit dem Mantel verhüllt hatte und auf ihn wartete. Seine Begleiter hatten ebenfalls ihre Gesichter verhüllt und lehnten sich auf ihre Schwerter, die sie in den Händen hielten.

Als der Mann dicht an den König herangekommen war, sagte er: »Heil dir, o Mann!«

Der König: »Auch dir Heil, o Mann!«

Der Mann: »Warum sagst du: ›;O Mann!‹?«

Der König: »Und warum sagtest du: ›O Mann!‹?«

Der Mann: »Weil ich deinen Namen nicht kannte.«

Der König: »Und ich sagte so zu dir, weil ich den deinigen ebenfalls nicht kannte.«

Hierauf fragte der König: »Was bedeuten die Worte, die ich vorhin hörte: ›Ach, es gibt keine Gerechtigkeit mehr hienieden! Niemand sagt dem König, wie es in seinem Reiche hergeht!‹ Sage mir, was dir widerfahren ist.« –

»Das werde ich nur dem Manne sagen, der mich rächen und mich vor Bedrückung und Schande bewahren kann, wenn es dem allmächtigen Gott gefällt!«

Der König antwortete ihm: »Möge Gott mich dazu bestimmt haben, dich zu rächen und dich aus Unterdrückung und Schande zu erretten!«

»Was ich dir zu berichten habe«, sprach da der Mann, »ist wunderbar und überraschend; ich liebte eine Frau, die mich wieder liebte, und wir waren in Liebe vereinigt. Dies dauerte lange Zeit, bis ein altes Weib meine Geliebte verlockte und sie in ein Unglückshaus, in ein Haus der Schande und Ausschweifung brachte. Seit jener Zeit flieht der Schlaf meine Lagerstatt; all mein Glück ist nun dahin, und ich bin in den Abgrund des Elends gestürzt.«

Da fragte der König ihn: »Was für ein Unglückshaus ist das? Und bei wem hält die Frau sich auf?«

Der Mann antwortete: »Bei einem Neger namens Dorerame; er hat in seinem Hause Weiber, die schön sind wie der Mond – Weiber, wie selbst der König sie nicht in seinem Hause hat. Er hat eine Geliebte, die in heißer Liebe zu ihm entbrannt und ihm mit Leib und Seele ergeben ist; diese sendet ihm alles zu, was er an Silber, an Kleidern, an Speisen und Getränken braucht.«

Der Mann schwieg, und der König war sehr überrascht über die Worte, die er gehört hatte; der Wesir aber, dem keine Silbe von dem Gespräch entgangen war, hatte aus den Worten des Mannes sicherlich entnommen, daß der Neger kein anderer sein konnte als sein eigener Neger Dorerame.

Der König ersuchte den Mann, ihm das Haus zu zeigen; dieser aber fragte: »Was wirst du tun, wenn ich's dir zeige?«

»Was ich tun werde, wirst du schon sehen.«

»Du wirst überhaupt nichts tun können; denn es ist ein Haus, dem man sich nur mit Furcht und Zagen nähern kann. Wenn du mit Gewalt eindringen willst, begibst du dich in Todesgefahr; denn der Herr des Hauses ist wegen seiner Stärke und seines Mutes zu fürchten.«

»Zeig mir das Haus«, sprach der König, »und habe keine Furcht.«

»So sei es denn, wie Gott will!«

Und der Mann machte sich auf und ging vor ihnen her. Sie folgten ihm bis zu einer breiten Straße, wo er vor einem Hause mit großen Toren stehenblieb, dessen Wände auf allen Seiten hoch und unzugänglich waren. Sie besahen sich die Mauern und suchten nach einer Stelle, wo man hinaufsteigen könnte – aber vergeblich. Zu ihrer Überraschung fanden sie, daß das Haus so fest war wie die Brustplatte eines Panzers.

Der König wandte sich an den Mann mit der Frage: »Wie heißt du?«

»Omar ben Isad.«

Da sagte der König: »Omar, bist du zu allem bereit?«

»Ja, mein Bruder«, antwortete dieser, »ich bin bereit, wenn es Gott im Himmel gefällt. Möge Gott diese Nacht dir seinen Beistand leihen!«

Da wandte sich der König zu seinen Begleitern und sagte: »Seid ihr bereit? Ist unter euch einer, der diese Mauern erklettern könnte?«

»Unmöglich!« riefen sie alle.

Da sprach der König: »Ich selber will diese Mauer ersteigen, so es Gott im Himmel gefällt. Aber um dies zu tun, bedarf ich eurer Hilfe, und wenn ihr mir diese gewährt, werde ich die Mauer ersteigen, so es Gott in der Höhe gefällt.«

Sie fragten: »Worum handelt es sich?«

»Sagt mir, wer der stärkste von euch ist.«

Sie antworteten: »Der Polizeihauptmann.«

»Und wer ist der zweitstärkste?«

»Der Befehlshaber der Leibwachen.«

»Und wer kommt nach diesem?«

»Der Großwesir.«

Omar hörte voller Staunen diesem Gespräch zu. Er wußte jetzt, daß der Unbekannte der König war, und seine Freude war groß.

Der König fragte weiter: »Und wer ist noch da?«

»Ich, o mein Gebieter!« antwortete Omar.

Da sprach der König zu ihm: »Omar, du hast herausgefunden, wer wir sind; aber verrate unsere Verkleidung nicht, und dich wird kein Tadel treffen.«

»Ich höre und gehorche«, sagte Omar.

Darauf sprach der König zum Polizeihauptmann: »Stemme deine Hände gegen die Mauer und mache deinen Rücken krumm!«

Der Polizeihauptmann tat es.

Hierauf sprach der König zu dem Befehlshaber seiner Leibwachen: »Steig auf den Rücken des Hauptmannes!«

Er tat es und stand mit seinen Füßen auf den Schultern des anderen. Hierauf befahl der König dem Wesir hinaufzuklettern; dieser stellte sich auf die Schultern des Obersten und stemmte seine Hände gegen die Mauer.

Hierauf sprach der König: »Jetzt, Omar, klettere zuoberst hinauf!«

Omar aber rief voll Überraschung über dieses sinnreiche Mittel: »Möge Gott dir seine Hilfe leihen, o Herrscher, und dir bei deinem gerechten Vorhaben beistehen!« Hierauf kletterte er auf die Schultern des Hauptmanns, von da auf den Rücken des Obersten, von diesem auf den Rücken des Wesirs, und nachdem er sich auf dessen Schultern gestellt hatte, stemmte er wie die anderen seine Hände gegen die Mauer. Jetzt war nur noch der König unten.

Dieser aber rief: »Im Namen Gottes, dessen Segen und Barmherzigkeit stets dem Propheten zuteil werden möge!« Und indem er seine Hand auf den Rücken des Hauptmanns legte, sagte er: »Habe einen Augenblick Geduld! Wenn es mir gelingt, wirst du belohnt werden!« Ebenso machte er es bei den anderen, bis er auf Omars Rücken geklettert war; zu diesem sprach er: »Lieber Omar, habe einen Augenblick Geduld mit mir, und ich werde dich zu meinem Geheimschreiber ernennen. Vor allen Dingen rühre dich nicht!«

Indem er seine Füße auf Omars Schultern stellte, konnte der König mit der Hand den Rand des flachen Daches erreichen; da rief er: »Im Namen Gottes! Möge er seine Segnungen über den Propheten ausströmen, bei dem alle Zeit Gottes Gnade sei!« Mit diesen Worten gab er sich einen Schwung und stand auf dem Dach.

Dann sagte er zu seinen Begleitern: »Steiget jetzt einer nach dem anderen herunter!«

Und einer nach dem ändern kletterten sie herunter und konnten nicht umhin, den sinnreichen Einfall des Königs zu bewundern wie auch die Stärke des Polizeihauptmanns, der vier Männer gleichzeitig getragen hatte.

Der König begann nun, sich nach einer Stelle umzusehen, wo er nach dem inneren Hof hinuntersteigen könnte, aber er fand keine solche. Da rollte er seinen Turban auseinander, befestigte an der Stelle, wo er sich befand, das eine Ende desselben mit einem einfachen Knoten und ließ sich in den Hof hinunter, den er durchsuchte, bis er in der Mitte des Hauses das Eingangstor fand, das durch ein riesengroßes Schloß versperrt war. Die Festigkeit dieses Schlosses, die für ihn ein unüberwindliches Hindernis bildete, bereitete ihm eine unangenehme Überraschung. Er sagte zu sich selber: »Ich bin jetzt in einer schwierigen Lage – aber alles kommt von Gott. Er gab mir die Kraft und den guten Gedanken, wodurch ich über die Mauer gelangte. – Er wird auch dafür sorgen, daß ich zu meinen Freunden zurückkehren kann.«

Hierauf begann er sich an dem Orte umzusehen, wo er sich befand. Er zählte, eins nach dem andern, die Zimmer und fand also siebzehn nach dem Hof zu offene Kammern oder Zimmer, die vorn ersten bis zum letzten auf alle mögliche verschiedene Art mit Teppichen und Samtvorhängen von mannigfaltigen Farben ausgestattet waren.

Wie er sich nun so überall umsah, bemerkte er ein Gemach, zu welchem sieben Stufen emporführten und woraus ein starkes Stimmengeräusch hervordrang. Auf dieses Gemach ging er zu, indem er sagte: »O Gott, sei meinem Vorhaben gnädig und laß mich heil und gesund herauskommen.«

Er betrat die erste Stufe, indem er sprach: »Im Namen Gottes, des Milden und Barmherzigen!« Dann begann er die Stufen zu betrachten, die von verschiedenfarbigem Marmor waren – schwarz, rot, weiß, gelb, grün und von anderen Farben.

Indem, er die zweite Stufe betrat, sagte er: »Wem Gott hilft, der ist unüberwindlich!«

Auf der dritten Stufe sprach er: »Mit Gottes Hilfe ist der Sieg nahe.«

Und auf der vierten: »Ich flehe um Sieg zu Gott, der der mächtigste Helfer ist.«

Schließlich stieg er auch die fünfte, sechste und siebente Stufe hinauf, indem er den Propheten anrief – möge Gottes Barmherzigkeit und Segen bei ihm sein!

So gelangte er zu dem Vorhang, der den Eingang verdeckte; er war aus rotem Brokat. Von hier aus betrachtete er das Zimmer, das von einer Flut von Licht übergossen war, denn es war angefüllt mit unzähligen Kerzen, die in goldenen Leuchtern brannten. In der Mitte dieses Saales plätscherte der parfümierte Wasserstrahl eines Springbrunnens.

Ein Speiseteppich, der den ganzen Fußboden bedeckte, war mit vielerlei Speisen und Früchten besetzt.

Vergoldete Möbel schmückten den Saal und erfüllten ihn mit einem Glanz, daß das Auge davon geblendet wurde; die Wände waren über und über mit Ornamenten aller Art bedeckt.

Als der König näher zusah, bemerkte er, daß um den Speiseteppich zwölf Mädchen und sieben Frauen gelagert waren; sie alle glichen Monden, und er erstaunte über ihre Schönheit und Anmut. In ihrer Gesellschaft befanden sich auch sieben Neger, und dieser Anblick erfüllte ihn mit Überraschung. Vor allen Dingen erregte seine Aufmerksamkeit ein Weib von vollendeter Schönheit, das dem Vollmond glich: sie hatte schwarze Augen, eirunde Wangen und einen geschmeidigen, anmutigen Leib. Demütig wurden die Herzen der Männer, die in Liebe zu ihr entbrannten.

Vor Erstaunen über ihre Schönheit war der König wie betäubt. Und er sagte zu sich selber: »Wie komme ich wohl aus diesem Hause wieder heraus? O meine Seele, laß dich nicht von der Liebe umstricken!«

Indem er noch weiter sich in dem Zimmer umsah, bemerkte er in den Händen der Anwesenden weingefüllte Gläser. Sie tranken und aßen, und es war leicht zu sehen, daß sie bereits berauscht waren.

Während der König darüber nachdachte, wie er sich aus seiner unangenehmen Lage befreien könnte, hörte er eine von den Frauen zu einer ihrer Freundinnen sagen, indem sie sie beim Namen nannte: »Ach, Mahbube, steh auf und zünde eine Fackel an, damit wir zu Bett gehen können, denn der Schlaf will uns überwältigen. Komm, zünde die Fackel an und laß uns in das andere Zimmer gehen.«

Sie standen auf und schlugen den Vorhang zurück, um das Gemach zu verlassen. Der König verbarg sich, um nicht von ihnen gesehen zu werden; kurz darauf bemerkte er, daß sie ihre Kammer verlassen hatten, um ein Geschäft zu verrichten, dessen Notwendigkeit das Menschengeschlecht sich nicht entziehen kann. Er machte sich ihre Abwesenheit zunutze, schlich sich in ihr Zimmer und versteckte sich daselbst in einem Schrank.

Kaum hatte der König dies Versteck erreicht, da kehrten die beiden Weiber zurück und schlossen die Tür. Ihr Geist war umnebelt von den Dünsten des Weines; sie warfen alle ihre Kleider ab und begannen sich gegenseitig zu liebkosen.

Da sprach der König zu sich selber: »Omar hat die Wahrheit gesprochen: dieses Unglückshaus ist ein Abgrund der Unzucht.«

Als die Frauen eingeschlafen waren, kam der König aus seinem Versteck hervor, löschte das Licht, entkleidete sich und legte sich zwischen die beiden. Während ihres Gespräches hatte er ihre Namen gehört und hatte diese seinem Gedächtnis eingeprägt. Als er nun zwischen ihnen lag, sagte er ganz leise zu der einen: »Höre, Mahbube, wohin hast du die Türschlüssel gelegt?«

Das Weib antwortete: »Schlaf doch, du Hure, die Schlüssel liegen an dem gewöhnlichen Platz.«

Da sprach der König in großer Besorgnis zu sich selber: »Es ist keine Macht und Stärke als bei Gott dem Allmächtigen und Gütigen allein!«

Und zum zweiten Male fragte er das Weib nach den Schlüsseln, indem er hinzusetzte: »Schon bricht der Tag an. Ich muß die Türen aufschließen. Sieh, da geht die Sonne auf. Ich will das Haus öffnen.«

Sie aber antwortete: »Die Schlüssel liegen an ihrem geöhnlichen Platz. Warum stößt du mich fortwährend? Schlaf doch, sag ich dir, bis es Tag ist!«

Und abermals sprach der König zu sich selber: »Es ist keine Macht und Stärke als bei Gott dem Allmächtigen und Gütigen allein. Wahrlich! wäre ich nicht ein gottesfürchtiger Mann, ich würde ihr mein Schwert durch den Leib jagen.« Dann begann er von neuem zu flüstern: »Höre, Mahbube!«

Sie fragte: »Was willst du von mir?«

»Ich bin in Unruhe wegen der Schlüssel; sag mir doch, wo sie sind!«

Sie aber antwortete: »Du Luder! Juckt dir schon wieder das Ding. Kannst du es nicht eine einzige Nacht aushalten? Die Gattin des Wesirs hat allen Werbungen des Negers widerstanden und sechs Monate lang ihn abgewiesen. Geh, die Schlüssel sind in des Negers Tasche. Sage nicht zu ihm: Gib mir die Schlüssel! – sondern sage: Gib mir deinen Schwanz! – Du weißt doch, er heißt Dorerame.«

Der König verhielt sich nunmehr still, denn er wußte jetzt, was er zu tun hatte. Er wartete ein Weilchen, bis das Weib wieder eingeschlafen war; dann zog er sich ihre Kleider an und verbarg unter ihnen sein Schwert; sein Gesicht verhüllte er mit einem rotseidenen Schleier. In dieser Verkleidung sah er aus wie jedes andere Weib. Hierauf öffnete er die Tür, schlich sich leise hinaus und stellte sich hinter die Türvorhänge am Eingang des Saales. Er sah nur noch wenige von den Anwesenden auf ihren Kissen sitzen, die übrigen waren eingeschlafen.

Da betete der König leise: »O meine Seele, laß mich den rechten Weg gehen! Laß alle diese Menschen, in deren Mitte ich mich befinde, von Trunkenheit betäubt sein, so daß sie nicht ihren König unter seinen Untertanen erkennen! Gott aber gebe mir Kraft!«

Hierauf ging er in den Saal mit den Worten: »Im Namen Gottes!« und taumelte auf das Ruhebett des Negers zu, wie wenn er trunken wäre. Die Neger und die Weiber hielten ihn für das Mädchen, dessen Kleider er angelegt hatte.

Dorerame hatte schon längst den sehnlichen Wunsch, sich mit diesem Mädchen zu vergnügen; als er sie nun sich neben sein Bett setzen sah, glaubte er, sie habe vielleicht sich ihrem Schlafe entrissen, um mit ihm Liebesspiele zu treiben. Darum sagte er: »Ach, Mahbube, bist du es? Zieh dich aus und leg dich in mein Bett – ich bin gleich wieder hier.«

Mit diesen Worten ging der Neger hinaus; der König aber sagte bei sich selber: »Es ist keine Macht und Stärke als beim allerhöchsten Gott, dem Gütigen!« Dann suchte er nach den Schlüsseln in den Kleidern und Taschen des Negers, fand aber nichts; da sagte er: »Gottes Wille geschehe! « Als er aber seine Augen emporhob, sah er in der Höhe eine Wandnische; er streckte seinen Arm aus und fand darin goldgestickte Kleider; er fuhr mit den Händen in die Taschen und – o Überraschung! - fand darin die Schlüssel. Er betrachtete sie und zählte sie; es waren sieben, entsprechend der Anzahl der Türen des Hauses. Da rief er in seiner Freude aus: »Gott sei gelobt und gepriesen!« – Dann aber setzte er hinzu: »Ich kann nur durch eine List nach draußen gelangen.«

Inzwischen war der Neger zurückgekommen und hatte sich wieder auf das Bett gelegt; der König tat, wie wenn ihm übel wurde, hielt seine Hand vor den Mund, als ob er sich heftig erbrechen müßte, und lief schnell in den Hofraum hinaus. Der Neger aber sprach: »Gott segne dich, Mahbube! Jedes andere Weib würde sich in das Bett erbrochen haben.«

Der König ging nun zu der inneren Tür des Hauses und öffnete sie; er schloß sie hinter sich wieder zu und kam so von einer Tür zur anderen bis an die siebente, die nach der Straße hinausging. Hier fand er seine Freunde wieder, die schon in großer Angst um ihn gewesen waren und ihn fragten, was er gesehen hätte.

Der König aber sprach: »Jetzt ist keine Zeit zu antworten. Laßt uns mit Gottes Segen und mit seiner Hilfe in dieses Haus gehen!«

Sie nahmen sich vor, auf ihrer Hut zu sein, denn in dem Hause waren sieben Neger, zwölf Mädchen und sieben Frauen, schön wie der Mond.

Der Wesir aber fragte den König: »Was sind dies für Kleider?« – und der König antwortete: »Sei still! Ohne sie würde ich niemals die Schlüssel bekommen haben.«

Nun ging er in die Kammer, wo die beiden Frauen schliefen, bei denen er gelegen hatte, zog die Kleider aus, die er getragen hatte, und legte seine eigenen Kleider wieder an, wobei er nicht vergaß, sich mit seinem Schwert zu umgürten.

Dann ging er zu dem Saal, wo die Neger und die Frauen waren, und er und seine Begleiter stellten sich hinter dem Türvorhang auf.

Und nachdem sie einen Blick in den Saal geworfen hatten, sprachen sie untereinander: »Unter allen diesen Weibern ist keine schöner als die auf dem erhöhten Polstersitz!« Der König aber sagte: »Diese behalte ich mir selber vor, falls sie nicht bereits einem anderen gehört.«

Während sie noch die Ausstattung des Saales betrachteten, stieg Dorerame von dem Bett herab, und ihm folgte eine von den schönen Frauen. Dann bestieg ein anderer Neger mit einem anderen Weibe das Bett, und so ging es fort bis zum siebenten. In dieser Weise ritten sie, eine nach der anderen, alle anwesenden Frauen – ausgenommen die eben erwähnte Schöne und die Mädchen. Jede von diesen Frauen schien sich mit sichtlichem Widerstreben auf das Bett zu legen und verließ es gesenkten Hauptes, nachdem der Beischlaf vollzogen war.

In der Zwischenzeit buhlten die Neger, einer nach dem anderen, um die schöne Frau und bestürmten sie mit ihren Zärtlichkeiten. Sie aber wies sie alle verächtlich zurück, indem sie sagte: »Niemals werde ich in euer Begehren einwilligen, und diese zwölf Jungfrauen nehme ich ebenfalls unter meinen Schutz.«

Endlich ging Dorerame auf sie zu, indem er in der Hand sein wie eine Säule hoch aufgerichtetes steifes Glied hielt. Er schlug sie damit ins Gesicht und an den Kopf und sagte: »Sechsmalhabe ich in dieser Nacht dich bestürmt, meinen Wünschen nachzugeben, und jedesmal hast du dich geweigert; jetzt aber muß ich dich haben, und zwar noch in dieser Nacht!«

Als die Frau sah, wie hartnäckig der Neger in seiner Trunkenheit war, versuchte sie ihn durch Versprechungen zu besänftigen und sagte: »Setz dich hier neben mich, und heute nacht noch sollen deine Wünsche befriedigt werden.«

Der Neger setzte sich an ihre Seite, sein Glied aber stand immer noch hochaufgerichtet wie eine Säule. Der König konnte kaum seine Überraschung meistern. Dann begann die Schöne folgende Verse zu singen, indem sie aus der Tiefe ihrer Seele die Melodie anstimmte:

Einen jungen Mann will zur Begattung ich – nur einen jungen!
Männlichen Muts ist er voll – nach ihm nur sehnt sich mein Herz.
Stark ist sein Glied, der Jungfrau Blume zu rauben,
Stattlich ist es an Länge, stattlich an Dicke.
Einen Kopf hat es, groß wie ein Kohlenbecken –
Riesengroß, wie die Schöpfung nimmer es sah –
Stark ist es und hart und schöngerundet der Kopf.
Stets ist es zur Tat bereit, nie hängt es schlaff,
Niemals schläft es, denn stets hält heiße Liebe es wach.
Es seufzt vor Begier nach meiner Scheide,
Mit Tränen beträufelt es meinen Leib,
Doch nicht um Hilfe schreit es – denn es braucht sie nicht:
Ohne Beistand vollbringt es die wackerste Tat.
Voll Kraft und Leben bohrt es in mich sich ein;
Unermüdet, mit glänzendem Mut, tut es sein Werk:
Erst von vorn nach hinten, von rechts dann nach links,
Bald in der tiefsten Tiefe, wo begierig
Meiner Scheide Muskeln es umklammern –
Bald vorn am Eingang, wo es leise
Seinen Kopf an meinen Lippen reibt.
Mich umschlingt der Liebste, sanft fährt seine Hand
Meinen Rücken entlang und über meinen Bauch.
Er küßt meine Wangen und saugt an meinem Mund;
Eng umschlungen wälzen wir uns im Bett –
Leblos, willenlos lieg ich in seinem Arm.
Jeden Teil meines Lebens beißt er von Liebe entflammt,
Mit feurigen Küssen bedeckt er mich ganz und gar.
Sieht er mich dann entbrannt, beginnt er das Werk:
Die Schenkel öffnet er mir und küßt meinen Leib.
In meine Hand preßt er sein stoßendes Glied,
Und Einlaß heißend klopf ich damit an meine Tür.
Schon ist er im Keller – ich fühle die Wonne sich nahen.
Er packt mich, schüttelt mich, stößt – wild stoß ich zurück,
Und er sagt: »Empfang von mir den Lebenssaft!«
Ich aber erwidre: »O gib ihn, Geliebter, mir!
Willkommen sei er, du meiner Augen Licht!
O du aller Männer Mann, der du mit Wonne mich füllst!
O du meiner Seele Seele – frisch ans Werk!
Herausziehn darfst du ihn nicht! Oh, laß ihn drin!
So wird in Freude uns diese schöne Nacht vergehn!«
Geschworen hat er bei Gott: siebenzig Nächte lang
Will unermüdlich er mir seine Liebe weihn –
Und jede Nacht mit Küssen, mit Fingerspiel,
Mit enger Umarmung tut er seine Pflicht.

Als sie ihr Lied geendigt hatte, sagte der König überrascht: »Wie wollüstig hat Gott dieses Weib gemacht!« Und indem er sich zu seinen Begleitern wandte, fuhr er fort: »Ohne Zweifel hat diese Frau einen Gatten, und sie muß mit List in dieses Haus gelockt worden sein, denn offenbar ist der Neger in Liebe zu ihr entbrannt, und sie hat ihn trotzdem abgewiesen.«

Da ergriff Omar ben Isad das Wort und sprach: »Das ist wahr, o König! Ihr Gatte ist bereits fast ein Jahr abwesend, und viele Männer haben versucht, sie zu verführen, aber sie hat ihnen allen widerstanden.«

Der König fragte weiter: »Wessen Weib ist sie?«

Und seine Begleiter antworteten: »Ihr Gemahl ist der Sohn des Großwesirs, der deinem Vater diente.«

Der König versetzte: »Ihr habt recht; ich habe in der Tat sagen hören, der Sohn von meines Vaters Wesir habe ein Weib ohne Fehler, das mit vollendeter Schönheit begabt und von herrlicher Gestalt sei – eine treue Gattin und frei von jeglichem Makel der Unzucht.«

»Es ist die Frau, von der du sprichst«, sagten die Begleiter des Königs.

Dieser aber rief: »Auf alle Fälle muß ich sie haben!« Dann wandte er sich zu Omar und fuhr fort: »Welche von diesen Frauen ist deine Geliebte?« Omar antwortete: »Ich sehe sie nicht, o König!« – Worauf der König sagte: »Gedulde dich ein Weilchen, ich will sie dir zeigen.« Omar war ganz überrascht, daß der König so viel wußte. – »So ist also dieses der Neger Dorareme?« fragte der König. – »Ja, und es ist einer meiner Sklaven«, antwortete der Wesir. – »Sei still! Jetzt ist keine Zeit, davon zu sprechen«, sagte der König.

Während dieses Gespräches hatte drinnen im Saal der Neger sich abermals an die Schöne gewandt, deren Gunst er immer noch zu erringen hoffte, und sprach zu ihr: »Ich bin deiner Lügen müde, o Bedur el Bedur!« (Bedur el Bedur heißt: Vollmond der Vollmonde.)

Da sprach der König: »Wer sie so nannte, der hat sie beim rechten Namen genannt, denn bei Gott: sie ist der Vollmond der Vollmonde!«

Unterdessen bemühte sich der Neger, die schöne Frau an sich zu reißen, und schlug sie ins Gesicht.

Da wurde der König rasend vor Eifersucht und sagte mit zornerfülltem Herzen zu seinem Wesir: »Sieh doch, was dein Neger tut! Bei Gott, er soll den Tod eines Schurken sterben, und ich will ein Beispiel an ihm vollziehen lassen, zur Warnung für alle, die etwa Lust haben sollten, es zu machen wie er!«

In demselben Augenblick hörte der König die Schöne zum Neger sagen: »Du betrügst deinen Brotherrn, den Wesir, mit seiner Frau, und jetzt betrügst du auch sie, obgleich sie sich dir hingegeben hat und dir ihre Gunst gewährt. Wahrlich, sie liebt dich mit leidenschaftlicher Liebe, du aber läufst einem anderen Weibe nach!«

Der König sagte zum Wesir: »Höre doch! Aber sprich kein Wort!«

Die schöne Frau hatte sich inzwischen wieder auf ihrem Polster niedergelassen und begann jetzt die Verse zu sprechen:

Höret, o Männer, was ich vom Weib euch sage:
Durst nach Begattung blicket aus ihren Augen.
Niemals traut ihrem Schwur, und war's eines Sultans Tochter.
Endlos groß ist ihr Verderbnis – dem mächtigsten König
Fehlt doch die Macht, des Weibes Willen zu beugen.
Hütet euch, Männer! Mißtraut der Liebe des Weibes!
Sagt nicht: »Sie ist meine Heißgeliebte!«
Sagt nicht: »Sie ist meines Lebens Gefährtin!«
Wahrheit sprech ich – könnt ihr mich Lügen strafen?
Wenn sie bei dir im Bett liegt, wird sie dich lieben:
Aber von Dauer ist keines. Weiber Liebe!
Liegst du auf ihrer Brust, dann bist du ihr Süßer;
Hast du ihn drin, dann bist du ihr Heißgeliebter –
Armer Tropf! in Wahrheit ist ihr der Gatte
Ärger verhaßt als der Teufel – glaub mir! glaub mir!
In des Herren Bett empfängt sie den Sklaven:
Wollust sucht sie bei hündischen Bedienten.
Wahrlich, solches Gehaben bringt keine Ehre;
Weibes Tugend ist schwach und unbeständig;
Der Betrogene wird obendrein verspottet –
Kein Vernünftiger traut drum einem Weibe.

Bei diesen Worten begann der Wesir zu weinen, der König aber hieß ihn stille sein. Dann sagte der Neger als Antwort auf das Gedicht der Schönen folgende Verse:

Weiber haben wir Neger die Hülle und Fülle,
Und wir Neger lassen uns nicht betölpeln;
Denn wir kennen die Ränke all und Schliche.
Oh, ihr Weiber! Ihr könnt es nie abwarten,
Wenn die Gier euch packt nach des Mannes Gliede;
Denn dies ist euch soviel wie Tod und Leben,
All eure Wünsche zielen auf dieses eine.
Seid ihr zornig, ja wütend auf euren Gatten,
Braucht er nur sein Glied euch hineinzustecken,
Und zufrieden seid ihr. In eurer Scheide
Steckt all euer religiöser Glaube –
Eure Seele steckt in des Mannes Gliede.
So, ihr Weiber, seid ihr samt und sonders.

Mit diesen Worten stürzte der Neger sich auf die Frau, die ihn zurückstieß.

Da fühlte der König sein Herz sich zusammenkrampfen, er zog sein Schwert, seine Begleiter zogen ebenfalls die Klingen, und sie stürmten in den Saal. Die Neger und die Weiber sahen plötzlich fünf gezückte Schwerter. Einer von den Negern sprang auf und stürzte sich auf den König und dessen Begleiter, aber der Polizeihauptmann trennte mit einem einzigen Streich ihm das Haupt vom Rumpfe. Da rief der König: »Gottes Segen auf dich! Dein Arm ist noch nicht verwelkt, und deine Mutter hat keinen Schwächling geboren. Du hast deine Feinde niedergeschlagen, und das Paradies wird dein Heim und deine Ruhestätte sein!«

Ein anderer Neger sprang auf und führte nach dem Polizeihauptmann einen Streich, daß dessen Schwert in zwei Stücke sprang. Es war eine schöne Waffe gewesen, und als der Hauptmann sie zerstört sah, geriet er in die heftigste Wut; er packte den Neger am Arm, hob ihn empor und warf ihn gegen die Wand, daß alle seine Knochen zerbrachen. Da rief der König: »Gott ist groß. Er hat deine Hand nicht verdorren lassen. Oh, was für ein trefflicher Polizeihauptmann! Gott gebe dir seinen Segen!«

Als die Neger dies sahen, gerieten sie in Furcht und verhielten sich ganz still. Der König hielt nun ihr Leben in seiner Hand und sprach: »Wer auch nur seine Hand rührt, der soll den Kopf verlieren!« Und er befahl, daß den übrigen fünf Negern die Hände auf dem Rücken zusammengebunden werden sollten.

Nachdem dies geschehen war, wandte er sich zu Bedur el Bedur und fragte sie: »Wessen Weib bist du, und wer ist dieser Neger?«

Sie erzählte ihm hierauf dasselbe, was er bereits von Omar gehört hatte, und der König dankte ihr, indem er sprach: »Gott gebe dir seinen Segen!« Dann fragte er sie: »Wie lange kann ein Weib es ohne Beischlaf aushalten?«

Sie schien über diese Frage überrascht zu sein, aber der König sagte: »Schäme dich nicht und antworte mir.«

Da erwiderte sie: »Eine Frau von hoher Abstammung kann sich sechs Monate lang ohne geschlechtlichen Verkehr behelfen; aber ein Weib aus den niederen Volksklassen und von geringer Herkunft, das nichts auf sich hält, wird jeden Mann auf sich klettern lassen, so oft sie einen in die Hände bekommen kann: sein Bauch wird ihren Bauch und sein Glied wird ihre Scheide kennen.«

Hierauf fragte der König, indem er auf eine der Frauen deutete: »Wer ist dieses Weib?«

»Die Gattin des Kadis.«

»Und wer ist diese?«

»Die Gattin des zweiten Wesirs.«

»Und diese?«

»Die Frau des Obermuftis.«

»Und jene?«

»Die Frau des Schatzmeisters.«

»Und die beiden Weiber, die in dem anderen Zimmer sind?«

»Diesen ist die Gastfreundschaft des Hauses zuteil geworden; die eine von ihnen wurde gestern von einem alten Weibe hierher gebracht; bis jetzt ist es dem Neger noch nicht gelungen, sie in seinen Besitz zu bringen.«

Da rief Omar: »Dies ist die Frau, von der ich dir erzählte, o mein Gebieter!«

»Und die andere Frau? Wem gehört diese?« fragte der König.

»Sie ist die Frau des Zunftmeisters der Zimmerleute.«

»Und wer sind diese Mädchen?«

»Diese hier ist die Tochter des Schatzamtsschreibers; jene ist die Tochter des Eichmeisters; die dritte ist die Tochter des Oberherolds, die vierte die Tochter des Zunftmeisters der Mueddins (die Mueddins rufen an den Zinnen der Moscheen die Gläubigen zum Gebet), die fünfte die Tochter des Standartenverwahrers.« Und so stellte sie eine nach der anderen dem König vor.

Hierauf fragte der König, warum so viele Weiber in diesem Hause sich zusammen befänden.

Bedur el Bedur erwiderte: »O Herr und Gebieter, der Neger kennt keine anderen Leidenschaften als Liebesgenuß und guten Wein. Tag und Nacht frönt er der Liebe, und sein Glied bekommt nur Ruhe, wenn er selber schläft.«

»Wovon lebt er denn?« fragte der König weiter.

»Von Weißbrot und Eidottern, die in Fett gebacken sind und in Honig schwimmen; dazu trinkt er nur alten Muskatellerwein. «

»Wer hat diese Weiber hierhergebracht, die ohne Ausnahme Frauen und Töchter hoher Staatsbeamter sind?«

»O Herr und Gebieter, er hat in seinem Dienste ein altes Weib, das in allen Häusern der Stadt aus und ein geht; sie bringt ihm jedes Weib von besonderer Schönheit und Wohlgestalt, aber sie dient ihm nur gegen gute Belohnung in Silber, Kleidern, Edelsteinen, Rubinen und anderen Wertgegenständen.«

»Und woher bekommt der Neger dieses Silber?« fragte der König; da aber die Schöne schwieg, sagte er dringlich: »Bitte, belehre mich darüber!« Da bedeutete sie ihm durch ein Zeichen aus ihrem Augenwinkel, daß der Neger dies alles von der Gemahlin des Großwesirs erhielt.

Der König verstand sie und fuhr fort: »O Bedur el Bedur, ich glaube und vertraue dir, und dein Zeugnis hat in meinen Augen den Wert eines Spruches der beiden Schöffen, die mit dem Kadi zu Gericht sitzen. Sage mir ohne Rückhalt, wie es mit deinen Angelegenheiten steht.«

Sie antwortete: »Ich bin nicht berührt worden; und niemals hätte der Neger die Erfüllung seiner Wünsche erlebt, wie lange auch mein Aufenthalt in seinem Hause gedauert haben möchte.«

»Ist das wahr?« fragte der König.

»Ja, es ist wahr!«

Sie hatte verstanden, was der König sagen wollte, und der König hatte die Bedeutung ihrer Worte begriffen.

»Ist denn der Neger nicht auch meiner Ehre zu nahe getreten? Bitte, gib mir darüber Bescheid!«

Sie antwortete: »Deine Ehre hat er geachtet, sofern deine Frauen in Betracht kommen. So weit hat er seine verbrecherischen Taten nicht getrieben; aber wenn Gott ihm ein längeres Leben geschenkt hätte, so besteht keine Gewähr, daß er nicht auch das befleckt haben würde, was er hätte in Ehren halten sollen.«

Auf die weitere Frage des Königs, wer die anderen Neger seien, antwortete sie: »Sie sind seine Freunde. Wenn er der Weiber, die er in sein Haus hatte bringen lassen, gänzlich überdrüssig geworden war, überließ er sie ihnen, wie du gesehen hast.«

Und weiter fragte der König: »O Bedur el Bedur, warum rief nicht dein Gatte meine Hilfe an gegen solche Gewalttat? Warum klagtest du nicht?«

Sie antwortete: »O König der Zeit, o geliebter Sultan, o Herr über zahlreiche Heere und Bundesgenossen! Mein Gatte ist abwesend, darum war ich nicht imstande, ihm von meinem Lose Nachricht zu geben; von mir selber habe ich nichts zu sagen, als was du bereits gehört hast, als ich vorhin meine Verse sang: Vom ersten Verse bis zum letzten habe ich den Männern kundgegeben, was sie von den Weibern zu halten haben.«

Da sprach der König: »O Bedur el Bedur! Ich liebe dich. Ich richtete die Frage an dich im Namen des erwählten Propheten – mögen Gottes Segen und Gnade bei ihm sein! –, sage mir alles und jedes! Du hast nichts zu befürchten, ich gewähre dir völlige Verzeihung. Hat der Neger deinen Leib genossen? Ich glaube nämlich, daß keine von euch Frauen vor seinen Angriffen sicher war und daß keine von euch ihre Ehre hat bewahren können.«

Hierauf entgegnete sie: »O König der Zeit! Bei deinem hohen Range und deiner Macht schwöre ich dir: den Mann, nach dem du mich fragst, hätte ich nicht zum rechtmäßigen Gemahl genommen – wie hätte ich mich also herbeilassen können, ihm die Gunst unerlaubter Liebe zu gewähren?«

»Du scheinst aufrichtig zu sein«, sagte der König, »aber die Verse, die ich dich singen hörte, haben Zweifel in meiner Seele erregt.«

»Ich hatte«, erwiderte sie, »drei Gründe, solche Sprache zu führen: erstens war ich in jenem Augenblick brünstig wie eine junge Stute; zweitens hatte Eblis meine Geschlechtsteile erregt; drittens und letztens wollte ich den Neger beruhigen, damit er sich in Geduld faßte, mir noch einen Aufschub gewährte und mich in Frieden ließe, bis Gott mich von ihm befreite.«

»Sprichst du im Ernst?« fragte der König. Sie schwieg.

Da rief der König: »O Bedur el Bedur, du allein sollst Gnade finden!«

Da begriff sie, daß sie allein der Strafe des Todes entgehen sollte. Der König sagte ihr noch, er wolle jetzt gehen, und befahl ihr, über alles Vorgefallene Schweigen zu bewahren.

Da stürzten alle Frauen und Mädchen auf Bedur el Bedur zu und flehten sie um Hilfe an, indem sie riefen: »Nimm du dich unser an, denn du hast Macht über den König!« Sie benetzten ihre Hände mit ihren Tränen und warfen sich in Verzweiflung auf den Fußboden.

Da rief Bedur el Bedur den König zurück, der sich schon zum Gehen gewandt hatte, und sprach zu ihm: »O Herr und Gebieter! Du hast mir noch keine einzige Huld gewährt.«

»Ei«; antwortete er, »ich habe nach meinem Palast gesandt, um ein schönes Maultier für dich holen zu lassen; dieses wirst du besteigen und mit uns reiten. Diese Weiber aber müssen alle ohne Ausnahme sterben.«

Da rief sie: »O Herr und Gebieter! Ich bitte und beschwöre dich, mit mir einen Vertrag einzugehen; versprich mir, daß du ihn halten willst!«

Der König tat einen Schwur, er wolle ihn getreulich erfüllen.

Da sagte sie: »Ich erbitte mir zum Geschenk Gnade für alle diese Frauen und Mädchen. Wenn sie sterben müßten, so würde die ganze Stadt in die tiefste Trauer gestürzt werden.«

Da sprach der König: »Es ist keine Macht und Kraft als bei Gott dem Barmherzigen allein!« Dann befahl er, die Neger hinauszuführen und zu enthaupten. Eine Ausnahme machte er nur mit dem Neger Dorerame, der ungeheuer stark war und einen Nacken hatte wie ein Stier. Diesem wurden Ohren, Nase und Lippen abgeschnitten; auch schnitt man ihm das Glied ab, steckte es ihm in den Mund und hängte ihn dann an den Galgen. Nachdem der König noch befohlen hatte, die sieben Türen des Hauses zu schließen, kehrte er in seinen Palast zurück.

Bei Sonnenaufgang sandte er ein Maultier zu Bedur el Bedur mit dem Befehl, man solle sie zu ihm bringen. Er gab ihr Wohnung in seinem Harem und fand sie vorzüglicher als die Vorzüglichen.

Ferner veranlaßte der König, daß die Gattin des Omar ben Isad zu diesem zurückkehrte; diesen selbst aber machte er zu seinem Geheimschreiber. Dem Wesir befahl er, sein Weib zu verstoßen. Er vergaß auch nicht den Polizeihauptmann und den Obersten der Leibwache, sondern machte ihnen seinem Versprechen gernäß reiche Geschenke, indem er dazu die Schätze des Negers benutzte. Den Sohn des Wesirs, der seinem Vater gedient hatte, ließ er ins Gefängnis werfen. Ferner ließ er die alte Kupplerin vor sich bringen und befahl ihr: »Beschreibe mir in allen Einzelheiten den Lebenswandel des Negers und sage mir, ob es wohlgetan war, in solcher Weise ehrbare Weiber in die Häuser von Männern zu bringen.« Sie antwortete: »Von diesem Geschäft leben fast alle alten Weiber.«

Der König ließ sie enthaupten und außer ihr alle anderen alten Weiber, die sich mit diesen Geschäften abgaben; so rottete er in seinem Reiche den Baum der Kuppelei mit Stumpf und Stiel aus.

Die Frauen und Mädchen, die er in dem Hause des Negers gefunden hatte, sandte er zu ihren Familien zurück, nachdem er ihnen befohlen hatte, im Namen Gottes ihre Verfehlungen zu bereuen.

 

Diese Geschichte erzählt nur einen kleinen Teil der Listen und Ränke, die von Frauen gegen ihre Ehemänner angewandt werden.

Es ergibt sich aus dieser Geschichte die Lehre, daß ein Mann, der sich in ein Weib verliebt, sich in Gefahr begibt und sich den größten Unannehmlichkeiten aussetzt.

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