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Der Duc de l'Omelette

Edgar Allan Poe: Der Duc de l'Omelette - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorEdgar Allan Poe
booktitleEdgar Allan Poes Werke. Gesamtausgabe der Dichtungen und Erzhlungen
titleDer Duc de l'Omelette
publisherPropylen-Verlag
volume6
pages67-74
year1926
translatorGisela Etzel
correctorhille@abc.de
created20090710
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Edgar Allan Poe

Der Duc de l'Omelette

Keats starb an einer Kritik. Wer war es noch, der an L'AndromaqueMontfleury. Der Autor des Parnasse Réformé läßt ihn im Hades folgendermaßen sprechen: »L'homme donc qui voudrait savoir ce dont je suis mort, qu'il ne demande pas si ce fut de fièvre ou de podagre ou d'autre chose, mais qui'l entende que ce fut de l'Andromaque.« starb? Niedere Seelen. - De l'Omelette starb an einem Ortolan. L'histoire en est brève. Steh mir bei, Geist des Apicius!

Ein goldener Käfig trug einen kleinen geflügelten Wanderer, ein gefesseltes, rührendes, indolentes Vögelchen, von seiner Heimat im fernen Peru nach der Chaussee d'Antin. Sechs Pairs des Kaiserreiches begleiteten den glücklichen Vogel von seiner königlichen Eigentümerin, La Bellissima, zu dem Duc de l'Omelette. An diesem Abend wollte der Duc allein speisen. In der Einsamkeit seines Arbeitszimmers lehnte er lässig auf jener Ottomane, für die er seine Loyalität geopfert hatte, indem er seinen König überbot - auf der berühmten Ottomane von Cadet.

Er gräbt sein Gesicht in die Kissen. Die Uhr schlägt. Unfähig, Ihre Gefühle zu unterdrücken, nehmen Seine Gnaden eine Olive. In diesem Augenblick öffnet sich die Tür leise zum Klange sanfter Musik, und sieh! der lieblichste Vogel steht vor dem geliebtesten der Männer. Doch eine unsägliche Furcht legt sich plötzlich auf die Züge des Duc. - »Horreur! - chien! - Baptiste! - l'oiseau! ah, bon Dieu! cet oiseau modeste que tu as deshabillé de ses plumes, et que tu as servi sans papier!« Unnötig, mehr zu sagen: der Duc starb an Ekel.

»Ha! ha! ha!« sagten Seine Gnaden am dritten Tage nach Ihrem Ableben.

»He! he! he!« echote der Teufel leise und richtete sich empor.

»Aber das ist doch sicherlich nicht ernst gemeint«, gab De l'Omelette zurück. »Ich habe gesündigt - c'est vrai - aber, mein Lieber, bedenke! - Du hast doch nicht wirklich die Absicht, solch - solch - wie soll ich sagen - solch barbarische Drohungen auszuführen.«

»Was nicht?« sagte Seine Majestät. »Fix, Herr, ziehen Sie sich aus.«

»Was, ausziehen? Meiner Treu, eine niedliche Zumutung. Nein, Teuerster, ich werde mich nicht entkleiden. Wer sind Sie denn, daß ich, der Duc de l'Omelette, Prince de Foie-gras, eben mündig geworden, Autor der Mazurkiade, Mitglied der Akademie, mich auf ihren Befehl der entzückendsten Beinkleider, die jemals Bourdon verfertigte, des köstlichsten Hausgewandes, das jemals Rombert hervorzauberte, entledigen sollte, ganz zu schweigen von der Notwendigkeit, meine Haare aus den Papierwickeln nehmen, und von der Unbequemlichkeit, meine Handschuhe ausziehen zu müssen?«

»Wer ich bin? - ach so! Ich bin Beelzebub, Prinz der Unterwelt. Eben holte ich dich aus einem mit Elfenbein eingelegten Rosenholzsarge. Du warst sonderbar parfümiert und wie eine Warensendung adressiert. Belial, mein Kirchhofsverwalter, hat dich hierher geschickt. Die Beinkleider, deren du dich rühmst und die von Bourdon gemacht sein sollen, sind ein Paar vorzügliche Leinenunterhosen, und dein Morgengewand ist ein Leichentuch von nicht allzu knappen Dimensionen.«

»Herr!« rief der Duc, »ich lasse mich nicht ungestraft beleidigen. Herr! ich werde die erste beste Gelegenheit ergreifen, um mich für diese Kränkung meiner Ehre zu rächen. Herr! Sie werden von mir hören. Für jetzt - au revoir!« und der Duc war im Begriff, mit einer Verbeugung den Satan zu verlassen, als er von einem diensttuenden Kammerherrn zurückgebracht wurde. Hierauf rieben sich Seine Gnaden die Augen, gähnten, zuckten die Achseln und überlegten. Als der Duc seine Haltung wieder gewonnen hatte, prüfte er seine Umgebung.

Sie war wundervoll. Sogar De l'Omelette erklärte sie für bien comme il faut. Dies lag jedoch nicht an der Länge und Breite des Raumes, sondern an der Höhe. Ah, die war ganz überwältigend. Keine Spur von Decke, - nur eine dichte durcheinanderwogende Masse von feuerfarbigen Wolken. Im Gehirn Seiner Gnaden wirbelte es, wenn Sie hinaufsahen. Von oben herab hing eine Kette aus unbekanntem blutrotem Metall, deren oberes Ende sich parmi les nues verlor wie die Stadt Boston. Am unteren Ende schwang ein großes Gefäß hin und her. Der Duc erkannte es als einen Rubin; aus ihm strömte aber ein so intensives, so beständiges, so furchtbares Licht, wie nie ein solches ein Perser angebetet oder ein Geber sich vorgestellt hat, wie nie ein solches einem Muselmann im Traum erschienen ist, wenn er opiumbetäubt auf das Mohnlager taumelte, den Rücken den gefährlichen Blüten, das Antlitz der Sonne zugewendet. Der Duc murmelte eine leise Verwünschung.

Die Ecken des Raumes waren nischenartig abgerundet. In drei dieser Nischen standen Statuen von gigantischen Ausmessungen. Griechische Schönheit und ägyptische Ungeheuerlichkeit bildeten ein französisches tout ensemble. Die Statue der vierten Ecke war verschleiert; sie war nicht so riesenhaft. Aber ein schmaler Fußknöchel, ein sandalen beschuhter Fuß waren sichtbar. De l'Omelette preßte die Hand aufs Herz, schloß die Augen, schlug sie wieder auf und ertappte Seine satanische Majestät auf - Erröten.

Aber die Gemälde. - Kypris! Astarte! Astoreth! - tausende und immer dieselben! Und Raffael hatte sie gesehen! Ja, Raffael war hier gewesen; denn malte er nicht die - - -? und gehörte er nicht infolgedessen den Verdammten an? Die Gemälde! die Gemälde! - Wollust! O Liebe. Wer kann beim Anblick dieser verbotenen Schönheiten noch Augen haben für die zarten Entwürfe der Goldrahmen, die wie Sterne von den Mauern aus Hyazinth und Porphyr leuchten?

Aber dem Duc sinkt doch das Herz. Nicht, wie man vermuten möchte, schwindlig gemacht durch die Pracht, noch auch trunken durch den sinnverwirrenden Hauch all der unzähligen Weihrauchgefäße. Il est vrai qu'à toutes ces choses il a pensé beaucoup - mais! Der Duc de l'Omelette ist ganz von Schrecken ergriffen; denn der Durchblick durch das düstere, unverhängte, einzige Fenster zeigt ihm das Funkeln eines gräßlichen Feuers.

Le pauvre Duc! Er konnte den Gedanken nicht abschütteln, daß die herrlichen, lockenden, nie verklingenden Melodien, die die Halle durchströmten, die Klagen und das Geheul der Verzweifelten und Verdammten seien, aber geläutert und verändert durch die Zauberkraft der verwunschenen Fensterscheiben. Und dort! - auf der Ottomane! - wer mochte der wohl sein - der petit-mâitre - nein, der Göttliche, der da sitzt wie aus Marmor gemeißelt, mit bleichem Antlitz, et qui sourit si amèrement?

Mais il faut agir - das heißt, ein Franzose gibt eine Sache nie ganz verloren. Außerdem hassen Seine Gnaden Szenen. De l'Omelette ist wieder er selbst. Auf einem Tische lagen unter anderen Waffen einige Rapiere. Der Duc wußte sie zu führen; il avait tué ses six hommes. Nun denn, il peut s'échapper. Er prüft zwei der Waffen und bietet sie mit unnachahmlicher Grazie Seiner Majestät zur Wahl. Horreur! Seine Majestät ist kein Fechter.

Mais il joue! Welches Glück. Seine Gnaden hatten immer ein glänzendes Gedächtnis. Er hat einmal im »Diable« des Abbé Gualtier geblättert und dort gefunden, »que le Diable n'ose pas refuser un jeu d'écarté.«

Aber die Chancen - die Chancen. Wahrlich verzweifelt; aber kaum weniger verzweifelt als der Duc. Doch kennt er nicht die Schliche und Kniffe? Ist er nicht mit Pierre le Brun fertig geworden? War er nicht Mitglied des Klubs Vingt-et-un? »Si je perds«, denkt er, »je serais deux fois perdu - dann habe ich eben voilà tout! doppelt verspielt -« (Hier zucken Seine Gnaden die Achseln.) »si je gagne, je reviendrai à mes ortolans - que les cartes soient préparées!«

Seine Gnaden waren ganz Aufmerksamkeit; Seine Majestät war lässig. Ein Zuschauer würde an Karl und Franz gedacht haben. Seine Gnaden dachten ans Spiel, Seine Majestät dachte an nichts und mischte. Der Duc hob ab.

Die Karten werden ausgeteilt. Der Trumpf wird aufgelegt - es ist - es ist - der König? Nein - es ist die Dame. Seine Majestät fluchte über deren männliche Kleidung.

De l'Omelette legte die Hand aufs Herz.

Sie spielen. Der Duc zählt. Das Spiel ist zu Ende. Seine Majestät zählt aufmerksam, lächelt und trinkt. Der Duc läßt eine Karte verschwinden.

»C'est à vous à faire« sagt Seine Majestät und hebt ab. Seine Gnaden verbeugen sich, geben und erheben sich en présentant le Roi.

Seine Majestät sieht verdrießlich aus.

Wäre Alexander nicht Alexander gewesen, so hätte er Diogenes sein mögen; der Duc versicherte beim Abschiednehmen seinem Partner, »que s'il n'eut été De l'Omelette, il n'aurait point d'objection d'être le Diable.«








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