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Der Derotero des Indianers

Josef Baierlein: Der Derotero des Indianers - Kapitel 13
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer Derotero des Indianers
authorJosef Baierlein
yearca. 1920
firstpub1915
publisherJosef Habbel
addressRegensburg
titleDer Derotero des Indianers
pages119
created20141206
sendergerd.bouillon@t-online.de
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12.
Im Bankgeschäft.

»Womit kann ich dienen?« fragte der Bankier, bei dem die Kolonisten eingetreten waren, diese ziemlich kurz. Die bäuerische Kleidung seiner Besucher ließ keinen Schluß zu, daß sie größere Geschäfte abzuschließen hatten, und deshalb machte er auch mit den unansehnlichen Kunden wenig Umstände.

»Wir haben einen Klumpen Gold zu verkaufen,« antwortete der Vater Winkler, der für seine Kinder die Verhandlung führte.

»Einen Klumpen?« sagte der Bankier spöttisch. »Lassen Sie Ihren Klumpen einmal sehen!«

Der Kolonist zog das von Fritz Winkler aus dem Bergwerk mitgebrachte Stück Gold aus der Tasche seines Ponchos und reichte es dem Bankier dar. Es war, obgleich Fritz eine Kleinigkeit davon hatte abbrechen müssen, um sie seinem Konzessionsgesuch als Probe beizulegen, noch immer so ansehnlich, daß es die Bezeichnung »Klumpen« wohl verdiente.

95 Der Bankier war auch augenscheinlich überrascht. Er wog das Gold zuerst in der Hand, holte dann einen Probierstein, um seine Güte festzustellen, und legte dann das ganze Stück auf eine genaue Wage.

»Herr!« brach er hierauf los. »Wo haben Sie dieses Gold her? Es ist gediegenes Gold, für das ich Ihnen gerne 350 Pesos zahle. Aber sagen Sie mir, woher Sie das Edelmetall haben.«

»Aus dem Bergwerk, das meinem Sohne Fritz gehört,« antwortete Vater Winkler.

»Unmöglich. In der ganzen Provinz Valdivia gibt es kein Goldbergwerk. Es wird überall nur Silber gegraben und gewonnen.«

»Erlauben Sie, daß ich mich ins Gespräch mische,« ergriff da Fritz Winkler das Wort. »Sie haben ganz recht; bis zum heutigen Tage gab es nur Silberminen in unserer Provinz. Heute aber bin ich der Eigentümer eines mächtigen, überaus ergiebigen Goldbergwerks geworden, aus dem das gegenwärtige Stück, das Sie selbst als gediegenes Gold anerkennen, stammt.«

»Dann liegt die Mine auf dem Gebiet der wilden Araukaner,« warf der Bankier ein. »Ich habe noch nie ein Wort von Goldfunden in unserer Provinz gehört. Im Falle Sie 96 aber diesen Klumpen aus einem Bergwerk entnommen haben, das zum Lande der unabhängigen Indianer gehört, so können Sie nicht davon reden, daß Sie der Eigentümer einer solchen Mine sind. Denn Sie wissen doch, daß die Araukaner auf das Graben nach Gold die Todesstrafe gesetzt haben.«

»Gewiß weiß ich das, und auch mein Vater hat mich, als ich von ihm fortzog, um die Mine zu suchen, mit ernsten Worten darauf aufmerksam gemacht. Meine Mine liegt aber nicht auf dem Gebiet der wilden Araukaner, sondern rechts vom Crucesflusse, während die indianischen Dörfer Chunimpa, Paico, Cuncun und wie sie alle heißen mögen, sich am linken Ufer dieses Grenzflusses befinden. Vater, reiche dem Herrn Bankier einmal meine Konzession zur Einsicht.«

Der Vater händigte das Dokument dem Bankier ein.

Für einen Physiognomiker wäre es nun sehr interessant gewesen, das Minenspiel des Geldmannes, während er die Urkunde las, zu betrachten. Zeigte sein Gesicht bei ihrem Entfalten noch deutliche Zeichen des Zweifels, so klärte es sich, je länger er las, immer mehr auf, bis es schließlich in heller Freude, 97 durch die aber auch eine gewisse Begehrlichkeit durchschimmerte, aufleuchtete.

»Wahrhaftig,« sagte er, »hier heißt es, daß das alte Goldbergwerk, das von Ihnen neu entdeckt wurde, auf der Hochebene des Gebirges östlich vom Crucesflusse begrenzt wird. Es muß also auf dem rechten Ufer des Grenzflusses und in unserer Provinz liegen. Anders hätte ja auch der Intendent Ihnen die Konzession nicht erteilen können. Und Sie haben dieses Stück Gold tatsächlich Ihrer Mine entnommen?«

»Gewiß.«

»Haben Sie denn die notwendigen Kapitalien, die zur Ausbeutung eines Bergwerks notwendig sind?«

»Wenigstens besitze ich die Werkzeuge, deren ich bedarf, um mit meinen Brüdern den bereits vorhandenen Stollen noch weiter aufschließen zu können. Ich habe dieses auch in meinem Konzessionsgesuche angegeben, und der Herr Intendent hat diesen Besitz für genügend befunden, mir das Eigentum an dem ganzen Bergwerk zu verleihen. Übrigens habe ich auch im Sinne es zu verkaufen, wenn mir sein Wert in barem Gelde geboten wird.«

Das hatte der Bankier hören wollen.

98 »Welchen Preis verlangen Sie für Ihr Bergwerk?«

»Zwei Millionen Pesos,« antwortete Fritz Winkler kurz.

»Hoho!« rief der Bankier zurückprallend, »mir scheint, Sie wissen nicht, wieviel Geld das ist.«

»Gewiß weiß ich es. Ich weiß aber auch, daß ein zehnfach höherer Wert in meinem Bergwerk steckt. Ich bin selbst Mineur, habe bisher in dem der Stadt gehörigen Silberbergwerk gearbeitet und verstehe mich darauf, den Ertrag einer Mine abzuschätzen. In dem Stollen allein, den ich bisher begangen habe und aus dem das Stück Gold da stammt, für das Sie uns 350 Pesos zahlen wollen, liegen Schätze aufgespeichert, deren Wert eine Million weit übersteigt.«

»Erlauben Sie, Herr Bankier, eine Frage,« ergriff da Vater Winkler das Wort. »Was bedeutet denn in der Konzessionsurkunde meines Sohnes der Vorbehalt, daß ihm das Eigentum an der Mine nur übertragen wird, insoferne die Rechte eines Dritten nicht darunter leiden, der sein Konzessionsgesuch etwa früher präsentiert hat? Ich glaube nämlich. daß alle 99 Verkaufsunterhandlungen verfrüht sind, so lange dieser Vorbehalt nicht aufgeklärt ist.«

»Er hat keine Bedeutung für den gegenwärtigen Fall, sondern wird in jede Konzessionsurkunde aufgenommen, weil das Gesetz das vorschreibt. Hätte nämlich ein anderer die fragliche Goldmine schon früher entdeckt und sie angemeldet, so wüßten wir Bankiers dies ganz genau. Wie ich aber noch vor wenigen Minuten sagte, daß in der ganzen Provinz Valdivia kein Goldbergwerk existiere, so ist auch meinen Kollegen nichts von einem solchen bekannt. Ihr Herr Sohn braucht also nur neunzig Tage zu warten, die das Gesetz einem Dritten zur Einbringung eines Protestes gewährt, um vollkommen frei über sein Goldbergwerk verfügen zu können. Während dieser Zeit aber kann er bereits alle Verkaufsverhandlungen führen. Wenn es ihm daher mit seinem Angebote Ernst ist, so schlage ich vor, gleich morgen mit einem vereidigten Bergingenieur die Stollen zu begehen und die Mine auf ihre Ertragsfähigkeit abschätzen zu lassen. Nach dieser Schätzung wird sich dann auch die Summe bemessen, für die ich – wenn nötig mit einem Konsortium von Bankiers – das Goldbergwerk ankaufe. Nun, was sagen die Herren zu meinem Vorschlag?«

100 Da sich alle damit einverstanden erklärten, verließen sie, nachdem der Bankier ihnen noch 350 Pesos für den Goldklumpen ausbezahlt hatte, unter zahlreichen Bücklingen des Geldmanns das Geschäft.

Der in Aussicht stehende Reichtum der Landleute warf schon im voraus seinen Glanz auf sie. – – 101

 


 

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