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Pierre Corneille: Der Cid - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
authorPierre Corneille
yearca. 1890
translatorMalwine Gräfin Maltzan
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleDer Cid
pages59
created20120217
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug.

Erster Auftritt.

Don Rodrigo. Chimene.

Chimene. Rodrigo! Wie! Am hellen Tag! Welch Wagniß!
Du tödtest meine Ehre! Geh! Ich bitte!

Don Rodrigo. Ich geh' zu sterben, und will, eh der Streich
Mich trifft, ein letztes Lebewohl Euch sagen.
Wagt meine treue Liebe doch nicht, in
Den Tod zu geh'n, ohn' Euch dafür zu danken.

Chimene. Du gehst zu sterben!

Don Rodrigo. Sel'ger Augenblick,
Der naht, mein Leben Eurem Groll zu liefern!

Chimene. Du gehst zu sterben! Ist Don Sancho denn
So furchtbar, deinen Heldenmuth zu schrecken?
Was machte dich so schwach? Was ihn so stark?
Rodrigo glaubt, zum Kampf geh'nd, sich schon todt?
Der nicht die Mauren scheut', noch meinen Vater,
Verzweifelt vor dem Kampfe mit Don Sancho!
So kann dein Muth im Nothfall auch verzagen!

Don Rodrigo. Ich geh' zum Richtplatz, nicht zum Zweikampf; wehrt
Doch meine Liebe, da Ihr meinen Tod
Verlangt, dem Wunsch, mein Leben zu vertheid'gen;
Den alten Muth hab' ich, doch keinen Arm
Den zu beschützen, der Euch nicht mehr theuer,
Und diese Nacht schon hätt' mich sterben sehn,
Kämpft' ich für meine eig'ne Sache; aber
Vertheid'gend König, Volk und Vaterland,
Uebt' ich Verrath, hätt' ich mich schlecht vertheidigt.
Mein Hochsinn haßt das Leben nicht genug,
Daß als Verräther ich es wollt' verlassen.
Jetzt, da es mir nur gilt, und meinen Tod
Ihr wollt, nehm' ich das Todesurtheil an.
Da ich nicht werth, von Eurer Hand zu sterben,
Erwählt die eines Andern Euer Groll,
Dess' Streiche ich nicht abzuwehren denke. 50
Ich achte den, der für Euch kämpft, zu hoch,
Und froh, zu denken daß von Euch sie kommen,
Weil er für Eure Ehre führt die Waffen,
Biet' ich ihm meine Brust in seiner Hand
Die Eure ehrend, welche mich vernichtet.

Chimene. Wenn einer ernsten Pflicht gerechte Strenge,
Die zur Verfolgung deiner Tapferkeit
Mich leider drängt, solch hart Gebot dir vorschreibt,
Das widerstandlos gegen den dich macht,
Der für mich kämpft gedenk' in der Verblendung,
Es gilt, gleichwie dein Leben deine Ehre!
Und daß, wie ruhmvoll auch Rodrigo lebte,
Weiß man ihn todt man ihn besiegt wird glauben.
Theurer wie ich dir bin, ist dir die Ehre,
Weil deine Hand in meines Vaters Blut
Sie tauchte, und dich läßt, trotz deiner Neigung,
Dem liebsten Wunsch, meinem Besitz, entsagen.
Doch zeigst du's wenig, wenn du, ohn' zu kämpfen,
Dich willst besiegen lassen! Deine Tugend
Erniedrigt sich zu schwanken? Weshalb schmückt sie
Dich nicht mehr, oder weshalb schmückte einst
Sie dich? Bist du nur tapfer mich zu kränken,
Doch ohne Muth, gilt's nicht mich zu beleid'gen?
Und, grausam gegen meinen Vater, duldest
Du doch, der ihn besiegt, einen Besieger?
Geh! Laß, ohn' daß du sterben willst, dich strafen,
Und schütz', willst du nicht leben, deine Ehre!

Don Rodrigo. Was fehlt, da todt der Graf, besiegt die Mauren
Zu meinem Ruhm noch? Wozu mich vertheid'gen?
Man weiß, mein Muth wagt jeglich Unternehmen,
Alles glückt meiner Tapferkeit, und Nichts
Auf Erden ist mir theurer wie die Ehre.
Nein, was Ihr glaubt, in diesem Kampfe darf
Rodrigo sterben, ohne daß sein Ruhm
Gefährdet, ohne daß man wagt, ihn Mangels
An Muth zu zeih'n; ohn' für besiegt zu gelten,
Ohn' daß er einen Sieger dulden muß!
Man wird nur sagen: »Er vergötterte 51
Chimene, wollt', von ihr gehaßt, nicht leben.
Er beugte sich dem Schicksal, welches seine
Geliebte zwang nach seinem Tod zu streben.
Sie wollt' sein Haupt, und es ihr zu verweigern,
Schien seinem großen Herzen ein Verbrechen.
Zu rächen seine Ehre, gab die Liebe
Er hin zu rächen die Geliebte, ging
Er aus dem Leben, zog, was er auch hoffte,
Chimenen seine Ehre seinem Leben
Chimene vor.« So trübt mein Tod nicht, nein,
Erhöht nur meinen Ruhm in diesem Kampfe,
Und ehrenvoll sagt mein freiwill'ges Sterben,
Daß ich nur Euch Genugthuung konnt' geben.

Chimene. Wenn Ehr' und Leben allzuschwache Lockung,
Am Sterben dich zu hindern, so vertheid'ge,
Theurer Rodrigo, weil ich dich geliebt,
Jetzt als Entgelt dich, Sancho mich zu rauben!
Kämpf', mich von der Verpflichtung zu befrei'n,
Die dem mich zuspricht, der mir widerwärtig.
Was sag' ich mehr noch! Geh', dich zu vertheid'gen!
Geh', mich zur Pflicht zu zwingen mach mich schweigen,
Und fühlst dein Herz du noch für mich entbrannt,
So siege in dem Kampf, dess' Preis Chimene!
Leb' wohl! dies Wort, das mir entschlüpft, beschämt mich!

 

Zweiter Auftritt.

Don Rodrigo (allein). Gäb's einen Feind, den jetzt ich nicht bezwänge?
Erscheint Navarrer, Mauren, Castilianer!
Ihr Helden all', die Spanien erzeugt!
Vereint zu Einem Heer Euch, eine Hand,
Die also angefeuert, zu bekämpfen!
Setzt alle Kraft ein gegen solches Hoffen,
Es zu bewält'gen reicht Ihr doch nicht hin!

 

Dritter Auftritt.

Die Infantin (allein). Hör' ich dich noch, Achtung vor meinem Range,
Die meine Leidenschaft verdammt? 52
Hör' ich dich, Liebe, deren Macht und Süße
Des Stolzes Tyrannei sich widersetzt?
Welcher von beiden sollst du wol
Gehorchen, arme Fürstentochter?
Dein Muth, Rodrigo, macht dich meiner werth,
Doch bist du, wenn auch Held, kein Königssohn.
Erbarmungsloses Schicksal, dessen Härte
So Wunsch und Ehre trennt!
Sind meiner Liebe solche große Leiden
Beschieden wegen dieser edeln Wahl?
O Gott, auf wie viel Seufzer wird
Mein Herz sich vorbereiten müssen,
Wenn es, nach langer Qual, die Liebe nie
Besiegt, noch dem Geliebten sich darf weih'n!
Doch welch Bedenken! die Vernunft staunt über
Die Mißachtung solch würd'ger Wahl;
Bin ich für einen Herrscher auch geboren,
Rodrigo angehören scheint mir Ruhm!
Da du zwei Könige besiegt,
Kann dir wol eine Krone fehlen?
Und, zeigt der Name Cid, den du gewonnen,
Nicht nur zu klar, wen du beherrschen sollst?
Er ist mein würdig, doch gehört Chimenen;
Ich gab ihn, mir zum Unheil, ihr.
Des Vaters Tod schied kaum durch Haß die Beiden,
So daß der Tochter Pflicht ungern ihn rächt.
So ist denn Nichts von seiner Schuld
Zu hoffen, noch von meinem Gram,
Da, mir zur Strafe, das Geschick erlaubt,
Daß Liebe selbst zwei Feinde dauernd eint.

 

Vierter Auftritt.

Die Infantin. Leonore.

Die Infantin. Was willst du, Leonore?

Leonore. Glück Euch wünschen,
Daß Eure Seele endlich Ruhe fand.

Die Infantin. Wo gäb' es Ruhe in dem tiefsten Leide?

Leonore. Lebt von der Hoffnung Liebe, stirbt sie mit ihr,
Kann Euch Rodrigo nicht mehr theuer sein; 53
Ihr wißt, welch einen Kampf Chimene fordert,
Und da er stirbt oder ihr Gatte wird,
Ist todt die Hoffnung, Euer Herz genesen.

Die Infantin. Ach, muß das jetzt noch sein!

Leonore. Was könnt Ihr hoffen?

Die Infantin. Was kannst du mir vielmehr zu hoffen wehren?
Geht diesen Kampf Rodrigo ein, ersinn' ich
Wol Manches, dessen Wirkung zu zerstören;
Lehrt Liebe, süße Quelle meiner Leiden,
Verliebten Herzen doch so manche List!

Leonore. Was könnt Ihr thun, da selbst des Vaters Tod
In ihren Herzen Zwietracht nicht entzündet?
Da ja Chimene deutlich zeigt, daß heut
Nicht Haß der Grund ihrer Verfolgung ist?
Ein Kampf wird ihr gewährt, und sie nimmt schleunig
Den Ersten an als Kämpfer, der sich beut.
Nicht wendet sie sich zu den tapfern Armen
Durch große Thaten hochberühmt: Don Sancho
Genügt ihr, und verdient die Wahl, da er
Zum ersten Mal sich waffnet. Ja, sein Mangel
An Uebung ist ihr lieb in diesem Zweikampf;
Weil ohne Ruf er noch, schweigt ihre Furcht;
Und solche Wahl, so rasch gethan, beweist,
Daß einen Kampf sie wünscht, der sie verpflichtet,
Ihrem Rodrigo leichten Sieg verschafft,
Und ihr erlaubt, besänftigt sich zu zeigen.

Die Infantin. Ich fühl' es wol, und dennoch, trotz Chimene,
Vergöttert meine Seele diesen Sieger.
Was soll ich ärmste Liebende beginnen?

Leonore. Denkt, wer Ihr seid. Euch schuldet einen König
Der Himmel; Ihr liebt einen Unterthan!

Die Infantin. Den Gegenstand vertauschte meine Neigung,
Nicht mehr den Edelmann Rodrigo lieb' ich;
Nein, meine Liebe nennt ihn so nicht mehr:
Ich lieb' in ihm den Schöpfer großer Thaten,
Den tapfern Cid, Herrn zweier Könige.
Doch will ich mich besiegen; nicht aus Furcht
Vor Tadel, aber weil die schöne Liebe 54
Ich nicht will trüben; ja krönt man sie selbst,
Nähm' ich ein Gut, das ich verschenkt, nicht wieder.
Und weil sein Sieg in diesem Kampf gewiß,
Werd ich noch einmal ihn Chimenen schenken.
Und du, die sieht wie todeswund mein Herz,
Sollst mich vollenden sehn, wie ich begonnen.

 

Fünfter Auftritt.

Chimene. Elvira.

Chimene. Was leid' ich, und wie bin ich zu beklagen!
Nur hoffen kann ich, und befürchte Alles.
Kein Wunsch regt sich, den ich zu bill'gen wage,
Und Nichts erfleh' ich, was ich nicht bereu'!
Zwei Nebenbuhler waffnet' ich für mich
Der glücklichste Erfolg verheißt mir Thränen
Denn ist wenn hold das Schicksal ungerächt doch
Mein Vater oder mein Geliebter todt!

Elvira. In beiden Fällen seh' ich Euch befriedigt.
Ihr habt Rodrigo oder seid gerächt
Und, was Euch das Geschick auch bringt es wahrt Euch
Die Ehre oder schenkt Euch einen Gatten.

Chimene. Wie! Einen, der mir Haß weckt oder Zorn!
Rodrigo's oder meines Vaters Mörder!
In beiden Fällen würd' mir ein Gemahl,
Gefärbt mit Blut, das mir das liebste war.
In beiden Fällen schaudert meine Seele,
Mehr wie den Tod, fürcht' ich des Kampfes Ausgang!
Schweigt Rache, Liebe, die mein Herz durchwogen,
Um solchen Preis seid Ihr nicht süß für mich!
Und du, allmächt'ger Urheber des Looses,
Das tief mich beugt', end' ohn' Erfolg den Zweikampf,
Keiner von Beiden sei besiegt, noch Sieger!

Elvira. Das wär' zu hart für Euch. Nur neue Qual
Würd' dieser Kampf Euch bringen, ließ er ferner
Euch noch verpflichtet, Recht zu fordern; stets
Noch diesen stolzen Groll zu zeigen, und
Eures Geliebten Tod stets zu erstreben!
Weit besser, wenn sein Heldenmuth, umkränzend
Sein Haupt, Euch schweigen machte, Eure Seufzer 55
Das Kampfgesetz erstickte, und der König
Euch zwänge, Euren Wünschen nachzugeben.

Chimene. Glaubst du, ich füg' mich, wenn er siegt? Zu mächtig
Ist meine Pflicht und mein Verlust zu groß!
Und Kampfgesetz nicht, noch des Königs Wille,
Vermögen ihre Mahnung zu betäuben.
Er kann Don Sancho mühlos überwinden,
Doch nicht mit ihm zugleich Chimenens Ehre,
Und, was ein Herrscher für den Sieg verhieß,
Mein Stolz erweckt ihm tausend neue Feinde.

Elvira. Wahrt Euch, daß nicht zur Strafe dieses Stolzes
Der Himmel doch zuläßt, daß man Euch rächt.
Wie! Weist Ihr noch das Glück zurück, das endlich
Zu schweigen Eurer Ehre jetzt erlaubt?
Was fordert ihre Pflicht? Was hofft sie? Gibt
Euch des Geliebten Tod der Vater wieder?
Genügt Ein Unglück Euch nicht? Muß Verlust
Denn auf Verlust und Schmerz auf Schmerz sich häufen?
Geht! Ihr verdient in Eures Grolles Starrsinn
Nicht den Geliebten, den man Euch bestimmt,
Und der gerechte Zorn des Himmels wird
Durch seinen Tod Don Sancho Euch vermählen.

Chimene. Duld' ich doch schon genug der Qual, Elvira,
Mehr' sie durch solchen düstern Ausspruch nicht!
Ich will kann ich sie beide fliehn, wenngleich
In diesem Kampf ich für Rodrigo bete.
Nicht, weil mich thöricht Leidenschaft ihm neigt,
Doch ich gehört', würd' er besiegt, Don Sancho
Nur diese Furcht erzeugte meinen Wunsch.
Was seh' ich? Aermste! O es ist geschehen!

 

Sechster Auftritt.

Don Sancho. Chimene. Elvira.

Don Sancho. Zu Füßen Euch leg', Dame, ich dies Schwert

Chimene. Wie! Feucht noch von Rodrigo's Blut! Verräther!
Wagst du, vor meinen Augen zu erscheinen,
Nachdem das Liebste du nur nahmst? Brich, Liebe, 56
Hervor! Du hast ja Nichts mehr zu befürchten;
Mein Vater ist versöhnt birg' dich nicht mehr!
Ein Schlag, der meine Ehre sicherte,
Bracht' mir Verzweiflung Freiheit meiner Liebe!

Don Sancho. Wenn Ihr beruhigter

Chimene. Sprichst du zu mir,
Verhaßter Mörder des geliebten Helden!
Geh! Du übtest Verrath! Solch tapfrer Krieger
Wär' nie durch deinen Angriff überwunden!
Hoff' Nichts von mir! Du hast mir nicht gedient.
Statt mich zu rächen, nahmst du mir das Leben!

Don Sancho. Welch seltsamer Empfang, statt mich zu hören

Chimene. Soll ich von seinem Tod dich prahlen hören?
Ruhig vernehmen, wie du frech sein Unglück
Und meine Schuld und deine Kühnheit schilderst?

 

Siebenter Auftritt.

Don Ferdinand. Don Diego. Don Arias. Don Sancho. Don Alonso. Chimene. Elvira.

Chimene. Sire, nicht brauch' ich ferner zu verbergen,
Was ich trotz aller Müh' nicht konnt verhehlen:
Ihr wißt, ich liebte, doch, um meinen Vater
Zu rächen, fordert ich ein theures Haupt,
Und Eure Majestät selbst konnte sehn,
Wie meine Liebe ich der Pflicht geopfert;
Doch starb Rodrigo, und sein Tod verwandelt
Die Feindin in die trauernde Geliebte.
Ich war dem Vater diese Rache schuldig,
Und schuld jetzt meiner Liebe diese Thränen.
Kämpfend für mich, macht elend mich Don Sancho,
Und ich bin Lohn dess', der mein Elend schuf!
Sire, ich bitt' Euch, widerruft! kennt Mitleid
Ein König solch ein hart Gebot! Als Preis
Des Siegs, wodurch mein Liebstes ich verloren,
Lass' ich mein Gut ihm lass' er mich mir selbst,
Daß ich in Klostermauern meinen Vater
Und den Geliebten ewig kann beweinen. 57

Don Diego. Sire, sie liebt, und hält nicht mehr für Sünde,
Rechtmäß'ge Liebe offen zu gestehn.

Don Ferdinand. Chimene, dein Geliebter ist nicht todt;
Don Sancho, der besiegt, bracht' falsche Kunde.

Don Sancho. Sire, nicht vorsätzlich täuschte sie mein Eifer;
Ich wollt' des Kampfes Ausgang ihr berichten.
Der edle Krieger, dem ihr Herz gehört,
Sprach, als er mich entwaffnet: »Fürchte Nichts;
Ehr ließ den Sieg ich ungewiß, eh ich
Das Blut, das sich Chimenen weiht, vergösse:
Doch da mich Pflicht zum König ruft, geh' du
Statt meiner, ihr von diesem Kampf zu sagen,
Und bring' das Schwert des Siegers ihr.« Ich kam,
Und dieser Umstand täuschte sie, denn, weil
Ich wiederkehrte, glaubte sie mich Sieger,
Und schnell verrieth ihr Zorn laut ihre Liebe,
Mit solcher Ungeduld und Heftigkeit,
Daß ich unmöglich konnt' Gehör erlangen.
Doch preis' ich mich, wenngleich besiegt, noch glücklich,
Und freu' mich, büßt mein liebentflammtes Herz
Sehr viel auch ein, doch meiner Niederlage,
Die solcher edlen Liebe Glück verschönt.

Don Ferdinand. Erröthe nicht, ob deiner schönen Neigung,
Noch such' sie zu verläug'nen, meine Tochter;
Fruchtlos treibt edle Scham dazu dich an.
Genügt hast du der Ehre, deine Pflichten
Erfüllt, versöhnt den Vater, denn du gabst
So oft Rodrigo preis, um ihn zu rächen.
Anders fügt es der Himmel! Da für ihn
So viel du that'st, thu' Etwas auch für dich,
Und sträube dich nicht gegen meinen Willen,
Der dir einen geliebten Gatten schenkt.

 

Achter Auftritt.

Don Ferdinand. Don Diego. Don Arias. Don Rodrigo. Don Alonso. Don Sancho. Die Infantin. Chimene. Leonore. Elvira.

Die Infantin. Chimene, still' die Thränen; ohne Trauer
Nimm hier aus deiner Fürstin Hand den Sieger. 58

Don Rodrigo. Sire, zürnt nicht, wenn mich vor Euren Augen
Achtung und Liebe ihr zu Füßen wirft!
Ich komme nicht den Siegespreis zu fordern,
Ich komme, Euch auf's Neu mein Haupt zu bieten;
Nicht meine Liebe falle ins Gewicht,
Noch Kampfgesetz, noch eines Königs Wille;
Wenn, was gescheh'n, zu wenig für den Vater
Was soll ich thun? Noch tausend Nebenbuhler
Bekämpfen? Meine Thaten zu den beiden
Enden der Welt ausdehnen? Ganz allein
Ein Lager stürmen? Flieh'n machen ein Heer?
Den Ruhm der Sagen-Helden überflügeln?
Ist meine Schuld dadurch zu sühnen, wage
Ich Alles, und werd Alles auch vollbringen!
Doch, kann die stolze nie gebeugte Ehre
Der Tod des Schuld'gen nur besänftigen,
So waffnet Menschenmacht nicht gegen mich.
Hier ist mein Haupt rächt Euch mit eignen Händen.
Den Unbesiegten dürft nur Ihr besiegen!
Nehmt eine Andre unmögliche Rache,
Doch laßt den Tod genug der Strafe sein,
Verbannt mich nicht aus Eurem Angedenken,
Und, weil mein Sterben Eure Ehre wahrt,
Belohnt es, mein Gedächtniß zu bewahren;
Zuweilen, mein Geschick beklagend, sprecht:
»Er wär' nicht todt, wenn er mich nicht geliebt.«

Chimene. Steh' auf Rodrigo! Sire, ich bekenne,
Zu viel sagt' ich, um jetzt zu widerrufen.
Ich kann Rodrigo's Tugenden nicht hassen,
Und das Gebot des Königs heischt Gehorsam.
Doch könnt, wozu Ihr schon mich auch verdammt,
Vor Euren Augen Ihr dies Bündniß dulden?
Und, zwingt Ihr meine Pflicht dazu, ist auch
Eure Gerechtigkeit ganz einverstanden?
Bedarf der Staat so sehr Rodrigo's, muß
Ich Lohn für das sein, was er für Euch thut,
Mich ew'gem Vorwurf weihend, meine Hände
Mit meines Vaters Blut befleckt zu haben? 59

Don Ferdinand. Rechtmäßig machte oft die Zeit, was erst
Nicht ohn' Verbrechen möglich schien! Gewonnen
Hat dich Rodrigo du mußt ihm gehören.
Doch hat dich seine Tapferkeit auch heut
Erkämpft, mußt' Feind ich deiner Ehre sein,
Ihm seines Sieges Preis so früh zu schenken.
Ein Aufschub der Vermählung hebt den Ausspruch
Nicht auf, der einst ihm deine Hand bestimmt.
Ein Jahr mög', willst du, deine Thränen trocknen;
Indeß, Rodrigo, führ' die Waffen! Wie
An unserm Strand die Mauren du besiegt,
Gestört ihr Trachten, ihrer Macht gewehret,
Dring' in ihr Reich, sie dort jetzt zu bekriegen:
Mein Heer führ' an, verwüst' ihr Land. Sie werden
Schon zittern bei dem Namen Cid. Herr nannten
Sie dich, und werden dich zum König wählen.
Doch bleib im stolzen Wirken stets ihr treu;
Kehr' ihrer würd'ger noch, ist's möglich, wieder,
Und steig' durch große Thaten so im Werth,
Daß für sie ruhmvoll, sich dir zu vermählen!

Don Rodrigo. Was könnt' man mir gebieten, das mein Arm
Nicht möglich macht, Chimene zu besitzen
Und Euch zu dienen? Muß ich fern ihr weilen,
Ist hoffen dürfen, Sire, doch schon Glück!

Don Ferdinand. Auf deinen Muth hoff' und auf mein Versprechen.
Da der Geliebten Herz dein, überlaß
Ihre Bedenken zu zerstreu'n der Zeit
Und deiner Tapferkeit und deinem König!

 

Ende.

 

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