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Pierre Corneille: Der Cid - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
authorPierre Corneille
yearca. 1890
translatorMalwine Gräfin Maltzan
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleDer Cid
pages59
created20120217
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Aufzug.

Erster Auftritt.

Don Rodrigo. Elvira.

Elvira. Was thatest du Unsel'ger? Wohin kamst du?

Don Rodrigo. Ich folg' dem Zuge meines düstern Looses.

Elvira. Was gibt dir diese neue stolze Kühnheit?
Dich hier zu zeigen, wo du Gram verbreitet?
Wie! Trotzest du bis hier des Grafen Schatten?
Hast du ihn nicht getödtet? 28

Don Rodrigo. War sein Leben
Doch Schmach für mich. Die Ehre zwang die Hand.

Elvira. Allein im Haus des Todes Zuflucht suchen?
Wählt' je ein Mörder sich ein solch Asyl?

Don Rodrigo. Auch kam ich nur, um meinem Richter mich
Zu bieten. Sieh mich so erstaunt nicht an:
Ich such' den Tod, nachdem ich ihn ertheilte.
Mein Richter sei die Liebe, sei Chimene.
Mir ziemt der Tod, weil mir ihr Haß gebührt.
Als köstlich Gut spend' mir ihr Mund mein Urtheil,
Ertheil' mir ihre Hand den Todesstreich.

Elvira. Flieh' lieber ihren Blick, flieh' ihren Zorn!
Entzieh' dich ihres Schmerzes erster Wallung!
Geh! Setz' dich nicht des Grolles Ausbruch aus,
Wozu ihr heißer Schmerz sie könnte treiben.

Don Rodrigo. Nein, nein! Die Theure, welche ich gekränkt,
Kann mich durch ihren Zorn zu hart nicht strafen,
Und unbeschreiblich wär' mein Glück, könnt' ich
Ihn noch verdoppeln, daß ich früher sterbe.

Elvira. Chimene weilt, in Thränen aufgelöst,
Im Palast, und kehrt in Begleitung wieder:
Flieh'! Ende meine Angst ich bitte dich!
Was sagte man, sah man dich hier? Soll, mehrend
Ihr Elend, die Verleumdung sie beschuld'gen,
Daß ihres Vaters Mörder hier sie duldet?
Bald naht sie wol sie kommt ich sehe sie!
Verbirg dich mind'stens, ihrer Ehre wegen!

 

Zweiter Auftritt.

Don Sancho. Chimene. Elvira.

Don Sancho. Ja, Dame, blut'ge Opfer dürft Ihr fordern;
Gerecht ist Euer Zorn, Euch ziemen Thränen,
Und nicht versuchen will ich es, durch Worte
Euch zu besänft'gen oder Euch zu trösten:
Doch laßt, wenn ich Euch dienen kann, mein Schwert
Den Schuld'gen strafen. Würdigt meine Liebe
Zu rächen diesen Tod. Euer Befehl
Wird meinem Arm die nöth'ge Kraft verleihen.

Chimene. Ich Unglücksel'ge! 29

Don Sancho. Duldet meine Dienste!

Chimene. Den König kränk' ich, der mir Recht versprochen.

Don Sancho. Ihr wißt, Gerechtigkeit schreitet so langsam,
Daß nur zu oft der Schuld'ge ihr entschlüpft.
Träg, zweifelhaft, erpreßt sie häufig Thränen,
Laßt eines Ritters Waffen drum Euch rächen;
Sichrer straft man auf diesem Weg und schneller.

Chimene. Es wär' das letzte Mittel; ist es nöthig,
Und wahrt Ihr Mitleid meinem Unglück noch,
Geb' ich Euch Freiheit meine Schmach zu rächen.

Don Sancho. Dies Glück allein begehrt mein Herz, und darf
Ich darauf hoffen, scheid' ich ganz befriedigt.

 

Dritter Auftritt.

Chimene. Elvira.

Chimene. So bin ich endlich denn befreit, und kann
Dir meines Schmerzes Ausbruch zwanglos zeigen,
Kann meinen Seufzern freien Lauf gestatten,
Mein Herz all' meinen Jammer dir eröffnen!
Todt ist mein Vater, und sein Lebensfaden
Ward durch das erste Schwert, mit dem Rodrigo
Sich waffnete, zerschnitten! Augen, weint!
Zerfließt in Thränen! Meines Lebens Hälfte
Stieß ja ins Grab die andre Hälfte, zwingt mich
Die hin ist, an der, die mir blieb, zu rächen!

Elvira. O gönnt Euch Ruh', Sennora!

Chimene. Ach! Zur Unzeit
Sprichst du in solchen Mißgeschick von Ruhe!
Was mildert jemals meinen Schmerz, wenn ich
Die Hand nicht hassen kann, die ihn verschuldet,
Und was darf ich, als ew'ge Qualen, hoffen,
Verfolg' ich eine Schuld und lieb' den Schuld'gen!

Elvira. Ihr liebt ihn noch, der Euch den Vater raubte?

Chimene. Ihn lieben! Ich vergött're ihn, Elvira!
Die Leidenschaft liegt mit dem Groll im Streit.
Ich find' den Feind in dem Geliebten fühle,
Wie, meinem Zorn zum Trotz, in meinem Herzen
Rodrigo noch mit meinem Vater kämpft. 30
Er greift ihn an bedrängt ihn weicht vertheidigt
Bald heftig sich, bald schwach, bald siegreich aber
Des Zorns, der Liebe harter Kampf zerreißt
Mein Herz wol doch erweicht nicht meine Seele.
Und welche Macht auch Liebe auf mich ausübt,
Ich frag' sie nicht, gilt es der Pflicht zu folgen,
Gehorch' der Ehre Mahnung schwanke nicht!
Rodrigo ist mir werth, sein Loos betrübt mich;
Mein Herz spricht laut für ihn, allein ich weiß
Wol wer ich bin und daß mein Vater todt.

Elvira. So wollt Ihr ihn verfolgen?

Chimene. Grausam ist's
Zu denken grausam, ihn verfolgen müssen!
Ich will sein Haupt, und fürcht' es zu erhalten;
Mein Tod folgt seinem und ich muß ihn strafen!

Elvira. Gebt diesen düstern Vorsatz auf, Sennora,
Erlegt Euch solch ein hart Gebot nicht auf!

Chimene. Wie! Starb in meinen Armen doch mein Vater,
Schrie Rache doch sein Blut, und ich ich sollt' es
Nicht hören! Sollt', schmachvoll von anderm Zauber
Bestrickt, ihm armselige Thränen nur
Zu schulden glauben? Dulden, daß die Liebe
Durch Schweigen meine Ehre feig ersticke?

Elvira. Glaubt mir, solch seltnen Mann Euch zu erhalten,
Den Ihr so liebt, Sennora, wär' verzeihlich.
Ihr spracht zum König das genügt. Beeilt
Die Folgen des Gesprächs nicht allzusehr,
Und wahrt so streng nicht diese finstre Stimmung.

Chimene. Ich muß mich rächen, es gilt meine Ehre;
Und lockt auch Liebe schmeichelnd, großen Seelen
Gilt jede Ausflucht stets als tiefe Schmach.

Elvira. Ihr liebt Rodrigo, könnt ihn niemals hassen.

Chimene. Ich geb' es zu.

Elvira. Was denn wollt Ihr beginnen?

Chimene. Die Ehre wahr'n mein Leiden enden ihn
Verfolgen ihn verderben nach ihm sterben. 31

 

Vierter Auftritt.

Don Rodrigo. Chimene. Elvira.

Don Rodrigo. Wolan! Auch ohn' die Müh' mich zu verfolgen,
Wahrt Euch den Ruhm, zu hindern, daß ich lebe!

Chimene. Wo sind wir denn, Elvira? Und was seh' ich?
In meinem Haus Rodrigo! Mir vor Augen!

Don Rodrigo. Spart nicht mein Blut! Genießt ganz ungestört
Die Lust, mich zu verderben, Euch zu rächen.

Chimene. Ach!

Don Rodrigo. Hör' mich!

Chimene. Weh mir!

Don Rodrigo. Einen Augenblick!

Chimene. Geh! Laß mich sterben!

Don Rodrigo. Nur vier Worte! Dann
Antwort' mir nicht als nur mit diesem Schwerte!

Chimene. Wie! Das getränkt mit meines Vaters Blut?

Don Rodrigo. Chimene!

Chimene. Fort mit diesem Schreckenswerkzeug,
Das deine Schuld mir vorwirft und dein Leben!

Don Rodrigo. Betracht' es lieber, daß dein Haß erwache,
Dein Groll sich steig're meinen Tod beeil'!

Chimene. Es ist mit meinem Blut gefärbt!

Don Rodrigo. In meines
Tauch' es, daß deines Farbe es verliert!

Chimene. O Grausamkeit, an Einem Tag den Vater
Durch diesen Stahl die Tochter durch dess' Anblick
Zu tödten! Fort damit! Ich trag' es nicht!
Ich soll dich hören, und du tödtest mich!

Don Rodrigo. Ich thu' was du begehrst, doch ich entsage
Dem Wunsch nicht, daß dies jammervolle Dasein
Durch dich geendet werde; denn erwarte
Von mir nicht feige Reu ob guter That.
Ein Schlag von deines Vaters Hand entehrte
Unwiderruflich das ehrwürd'ge Alter
Des meinen; weißt du doch, wie auf den Tapfern
Ein Backenstreich wirkt! Mich auch traf der Schimpf. 32
Ich sucht' und fand dess' Schöpfer rächte meine
Und meines Vater's Ehre, thät es nochmals,
Blieb' es zu thun. Wol kämpfte gegen mich
Und meinen Vater lang' für dich die Liebe,
Denn, daß ich schwankte Rechenschaft zu fordern
Nach solchem Schimpf selbst, zeigt dir ihre Macht!
Dir zu mißfallen oder Schmach zu dulden
Gezwungen, zauderte noch meine Hand,
Schien mir zu rasch mein Arm, und als zu heftig
Klagt' ich mich an; gesiegt hätt' deine Schönheit,
Stellt' ich nicht die Gewißheit deinem Reiz
Entgegen, daß kein Feigling dich verdiene;
Daß, wem ich theuer, als ich tadellos,
Edel mich lieben ehrlos hassen würde;
Daß deiner Liebe Stimme hören, unwerth
Ihrer mich macht, und schimpflich deine Wahl.
Ich wiederhol's will's unaufhörlich, bis
Ich sterbe, denken unaufhörlich sagen.
Ich kränkte dich, und mußt' es, meine Schmach
Zu tilgen, und dich zu verdienen. Fertig
Mit meiner Ehre, meinem Vater, gilt's
Auch dir noch zu genügen; und mein Blut
Dir darzubieten bin ich hier. Ich that
Was ich gemußt thu' was ich soll. Wol weiß ich,
Daß gegen mein Vergehn ein todter Vater
Dich waffnet: nicht entgehn soll dir dein Opfer.
Standhaft weih' dem gefloss'nen Blute den,
Deß größter Ruhm ist, daß er es vergossen.

Chimene. Rodrigo! Ach! Als Feindin selbst kann ich
Nicht tadeln, daß Ehrlosigkeit du meidest,
Und, wie mein Schmerz sich äußre, ich beschuld'ge
Dich nicht beweine nur mein Mißgeschick.
Ich weiß, was von des Tapfern Muth die Ehre
Verlangt nach solchem Schimpf; du hast die Pflicht
Des Ehrenmannes nur erfüllt; doch zeigtest
Du mir zugleich die meine; mich belehrte
Verhängnißvoll dein Muth durch deinen Sieg.
Den Vater rächt' er, wahrte deine Ehre;
Mir ziemt die gleiche Sorge trauernd muß ich 33
Die Ehre wahren meinen Vater rächen.
Ach, deinetwegen macht mich das verzweifeln!
Denn, raubte andres Unglück mir den Vater,
Hätt' in der Wohlthat dich zu sehn, mein Herz
Den Trost gefunden, den es könnt' empfangen,
Und meinen Schmerz besänftigte die Wonne,
Daß meine Thränen von so theurer Hand
Getrocknet. Doch verlieren muß ich dich,
Nachdem ich ihn verlor. Gebeut die Ehre
Den Sieg doch über mein Gefühl, und dies
Grausame Pflichtgebot, das mich zerschmettert,
Will, daß ich selbst für dein Verderben wirke!
Denn, halt mein Herz zu schwach nicht, dich zu strafen.
Wie Liebe für dich wirbt, entsprechen muß
Mein Muth dem deinigen: du zeigtest dich,
Indem du mich verletztest meiner würdig
Ich muß durch deinen Tod dein werth mich zeigen.

Don Rodrigo. Verschiebe nicht, was Ehre dir gebeut!
Sie will mein Haupt ich überlass' es dir.
Bring' deiner edlen Neigung es zum Opfer;
Süß ist das Urtheil süß der Todesstreich!
Nach meiner That langsam Gericht erwarten,
Heißt, deinen Ruhm, wie meine Pein verzögern.
Sterb ich solch schönen Tod, sterb ich beglückt.

Chimene. Geh! Deine Feindin bin ich, nicht dein Henker.
Darf ich dein Haupt, das du mir bietest, nehmen?
Angreifen soll ich es, du sollst es schützen.
Nicht du ein Andrer müßt' es mir verschaffen.
Verfolgen soll ich dich doch strafen nicht.

Don Rodrigo. Wie Liebe für mich wirbt, entsprechen muß
Dein Muth dem meinigen; doch einen Vater
Zu rächen, andre Arme leihen, heißt
Ihm nicht entsprechen, glaub' es mir, Chimene!
Des meinen Schmach rächt' meine Hand allein,
Und deine Hand nur muß den deinen rächen!

Chimene. Auf welchen Vorschlag, Grausamer, bestehst du?
Hast du dich ohne Beistand doch gerächt,
Und willst mir beistehn? Gleich dir will ich handeln.
Mein Muth verschmäht, mit dir den Ruhm zu theilen. 34
Mein Vater, so wie meine Ehre, wollen
Nichts deiner Liebe, noch Verzweiflung danken.

Don Rodrigo. O starrer Ehrgeiz! Was nur thu ich, um
Dich zu erweichen? Hör' mich, in dem Namen
Des todten Vaters, oder unsrer Freundschaft!
Bestraf' aus Rache oder Mitleid mich!
Viel mindre Qual ist es, durch deine Hand
Zu sterben, als von dir gehaßt zu leben!

Chimene. Ich hasse dich nicht.

Don Rodrigo. Doch du mußt.

Chimene. Ich kann nicht.

Don Rodrigo. Wie! Fürchtest du nicht tadelnde Gerüchte?
Wenn mein Verbrechen man erfährt, und hört
Du liebst mich noch? Was würden Neid und Lüge
Boshaft verbreiten? Zwinge sie zum Schweigen!
Kurz, rette deinen Ruf durch meinen Tod.

Chimene. Sein Glanz strahlt heller nur, schon' ich dein Leben.
Ich will, daß selbst der schwarze Neid mich rühmt,
Und meinen Schmerz beklagt, erfahrend daß
Ich dich vergöttre und dennoch verfolge!
Geh! Zeig' nicht länger, mir zur bittern Qual,
Dich, den ich muß verlieren und noch liebe!
Entferne dich, geschützt von nächt'gem Dunkel!
Gefährlich meiner Ehre wär's, säh' man
Von hier dich kommen. Ursach zur Verleumdung
Gäb' es, wüßt' man, ich litt dich hier drum gib
Nicht Anlaß, meine Tugend anzugreifen!

Don Rodrigo. O laß mich sterben!

Chimene. Geh!

Don Rodrigo. Was ist dein Vorsatz?

Chimene. Der schönen Glut zum Trotz, die meinen Zorn
Erschüttert, will ich meinen Vater rächen.
Allein, wie streng auch diese herbe Pflicht,
Mein einz'ger Wunsch ist daß ich's nicht vermöchte!

Don Rodrigo. O Kraft der Liebe!

Chimene. O vernichtend Weh!

Don Rodrigo. Wie kosten uns die Väter Leid und Thränen!

Chimene. Wer hätte je gedacht 35

Don Rodrigo. Wer sagte wol

Chimene. Daß unser Glück so nah so bald verloren

Don Rodrigo. Und daß, im Hafen fast, ein Ungewitter
Würd' plötzlich unser Hoffen scheitern machen!

Chimene. O Todesschmerz!

Don Rodrigo. Ach! Klagen sind vergeblich!

Chimene. Noch einmal geh! Nicht länger hör' ich dich.

Don Rodrigo. Leb wohl. Ich will mein todtgeweihtes Dasein
Hinschleppen, bis du es, dich rächend, endest.

Chimene. Gelingt mir das so werd' ich nimm mein Wort
Nicht nach dir einen Augenblick mehr leben!
Leb' wohl! Geh! Hüte dich, daß man dich sieht!

Elvira. Sennora, welches Leid der Himmel sendet

Chimene. O quäle mich nicht länger! Laß mich klagen!
Ich such', zu weinen, Nacht und Stille auf!

 

Fünfter Auftritt.

Don Diego (allein). Nie schmeckt man eine ganz vollkommne Freude;
Leid mischt sich in die Wonne des Erfolgs,
Denn Sorgen trüben stets in solchen Fällen
Die Reinheit der Befried'gung unsrer Seele.
Das fühl' ich jetzt inmitten meines Glücks.
Ich schwelg' in Freude und erbeb' in Furcht:
Todt sah den Feind ich, der mich schwer beleidigt,
Doch seh' die Hand ich nicht, die mich gerächt.
Vergebens müh' ich mich, umsonst durchstreif' ich,
Besorgt, gebrochen, diese ganze Stadt.
Was mir an Kraft das Alter übrig ließ,
Verbrauch', den Sieger suchend, ich ganz fruchtlos,
Fortwährend überall in diesem Dunkel,
Wähn' ich ihn zu umarmen, doch umarme
Nur einen Schatten, und erschöpf', getäuscht,
In Zweifeln mich, die meine Angst verdoppeln.
Ich finde keine Spuren seiner Flucht
Des todten Grafen Freunde und Gefolge,
Erschrecken ihre Anzahl ängstigt mich! 36
Entweder lebt Rodrigo nicht mehr, oder
Athmet im Kerker. Himmel! Täuscht der Schein
Mich wieder oder seh' ich den Ersehnten?
Er ist's! Kein Zweifel! Meine Wünsche sind
Erhört! Zerstreut die Furcht! Die Angst geendet!

 

Sechster Auftritt.

Don Diego. Don Rodrigo.

Don Diego. Rodrigo! Schickt der Himmel dich mir endlich!

Don Rodrigo. Weh mir!

Don Diego. Misch' nicht in meine Freude Seufzer!
Laß mich, dich hoch zu rühmen, Athem schöpfen!
Dich zu verläugnen, hat mein Muth nicht Grund.
Du ahmst ihm nach, und deine edle Kühnheit
Läßt meines Hauses Helden neu erstehn.
Du stammst von ihnen bist mein Sproß. Es war
Dein erster Schwertstreich meiner Thaten würdig.
Der schöne Eifer deines Jugendmuthes
Erreicht durch diese Probe meinen Ruhm!
Stab meines Alters! Du, mein höchstes Gut,
Rühr' dieses weiße Haar an, dem die Ehre
Du wiedergibst! Küß diese Wange, wo
Der Schimpf sie traf, den dein Muth abgewaschen!

Don Rodrigo. Euch ziemt der Ruhm; als Euer Sproß und Zögling
Konnt' wen'ger ich nicht thun. Zu glücklich bin ich,
Und es entzückt mich, daß mein Probestück
Dem wohlgefällt, dem ich das Leben danke.
Doch seid in Eurem Glück nicht neidisch, wenn
Nach Euch, mir selbst ich zu genügen wage!
Gestattet meinem Jammer freien Ausbruch!
Zu lange schmeicheltet Ihr durch Worte ihm.
Nicht Reue fühl' ich, daß ich Euch gedient;
Doch gebt das Gut mir wieder, das die That
Mir nahm! Mein Arm, der sich um Euch zu rächen
Bewaffnet, raubte mir durch seinen Sieg
Mein Liebstes! Schweigt! Für Euch verlor ich Alles,
Und zahlt', was ich Euch schulde, wol zurück!

Don Diego. Nein, höher noch schätz' deines Sieges Frucht. 37
Ich gab dir nur das Leben, du gibst mir
Die Ehre wieder, und, weil mehr der Ruhm
Mir wie das Leben gilt, schuld' ich dir mehr auch.
Doch großsinnig verbanne diese Schwäche:
Nur Eine Ehre gibt's doch viel Geliebten.
Vergnügen nur ist Liebe Ehre Pflicht!

Don Rodrigo. Was sagt Ihr da!

Don Diego. Was du erfahren mußt.

Don Rodrigo. Schon rächt an mir sich die gekränkte Ehre,
Und Ihr wagt, mich zum Wankelmuth zu drängen!
Gleich schändlich und der Schmach geweiht, wie Feigheit
Des Kriegers, ist des Liebenden Verrath!
Beleidigt meine Treue nicht, und laßt
Mich ohne Meineid tapfer sein! Dies Band
Ist allzufest, um so es zu zerreißen.
Hoff' ich auch nichts mehr hält mich doch mein Wort,
Und, da ich nun Chimene nicht verlassen,
Noch sie besitzen kann wünsch' ich den Tod!

Don Diego. Noch ist's nicht an der Zeit, den Tod zu suchen.
Dein Fürst, dein Land bedürfen deines Arms.
Die Flotte, die den Fluß bedrohte, naht
Die Stadt zu überfall'n, das Land zu plündern.
In einer Stunde bringen Flut und Nacht
Die Mauren ganz geräuschlos her. Der Hof
Ist voll Bestürzung und das Volk voll Schrecken.
In diesem allgemeinen Unheil führte
Das Glück fünfhundert Freunde in mein Haus,
Die meinen Schimpf erfahren, und beseelt
Von gleichem Eifer, mich zu rächen streben.
Du kamst ihnen zuvor. Der Tapfern Hand
Mög' nun in Afrikanerblut sich baden!
Zieh' an der Spitze dieser edlen Schaar,
Die dich zum Führer wählt, wohin die Ehre
Dich ruft; wehr' unsre alten Feinde ab,
Und stirb solch schönen Todes, willst du sterben!
Nütz' die Gelegenheit, die sich dir bietet:
Dein König danke deinem Fall sein Heil!
Doch lieber noch, kehr' heim im Siegerkranze. 38
Dein Ruhm beschränk' sich nicht, den Schimpf zu rächen;
Thu' mehr: erzwing' durch deine Heldenthaten
Von der Gerechtigkeit Verzeihung, von
Chimene Schweigen. Liebst du sie, so ziehe
Als Sieger ein das gibt ihr Herz dir wieder.
Allein, zu kostbar ist die Zeit für Worte!
Ich halt' dich auf durch Reden, und will Eil'!
Komm! Auf zum Kampf! Zeig' deinem König, daß
Du den Verlust des Grafen ihm ersetzest!

 

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