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Der Cicerone

Jacob Burckhardt: Der Cicerone - Kapitel 6
Quellenangabe
typetravelguide
booktitleDer Cicerone
authorJacob Burckhardt
year1986
publisherAlfred Kröner Verlag
addressStuttgart
isbn3-520-13404-7
titleDer Cicerone
pagesI-XIV
created20040114
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Auf die Grabdenkmäler mögen die Ehrendenkmäler am schicklichsten folgen. Wir sehen einstweilen ab von den Ehrenstatuen, welche von hoher Basis herab die Plätze der Städte beherrschten (man vergleiche die Basen auf dem Forum von Pompeji usw.), und beseitigen auch einige sehr entstellte Baulichkeiten: Das Denkmal des augusteischen Krieges gegen die Alpenvölker zu Turbia bei Monako (jetzt bloß ein vierseitiger turmartiger Mauerkern); die Trofei di Mario, d. h. die einst plastisch geschmückte dreiteilige Fronte eines Wasserkastells der Aqua Julia in Rom (unweit hinter S. Maria maggiore), u. dgl. m. Von den Säulen des Trajan und des Marc Aurel wird bei Anlaß der Skulptur weiter die Rede sein; hier sind sie zu erwähnen als sehr unglückliche Versuche, einer ungeheuern Masse bildlicher Darstellungen einen möglichst kompendiösen Träger oder Raum zu verschaffen. Die Säule mußte hierzu ihrer Bestimmung, welche das Tragen eines Gebälkes ist, entfremdet und mit spiralförmigen, also fast wagrechten Linien umgeben werden, die ihrem innern Sinn geradezu widersprechen; die so angebrachten Skulpturen aber genießt auch das schärfste Auge nicht mehr. Doch muß man anerkennen, daß wenigstens das Kapitell sehr angemessen als bloßer verzierter Säulenabschluß, als Echinus mit Eierstab, nicht als Überleitung der Tragekraft gebildet ist. (Die zwischen beiden Denkmälern zeitlich in der Mitte liegende Säule des Antoninus Pius bestand aus einem glatten Granitschaft, auf einem Marmorpiedestal mit Skulpturen, welches letztere allein noch erhalten ist. Die Säule des Phocas auf dem Forum wurde von einem Gebäude des 2. Jahrhunderts geraubt, um im 7. Jahrhundert als Ehrendenkmal zu dienen: die Columna rostrata des Duilius aber, in der untern Halle des Konservatorenpalastes auf dem Kapitol, wurde im 16. Jahrhundert der alten Inschrift zuliebe aus der Phantasie hinzugeschaffen.)

Auch von den Obelisken muß hier die Rede sein, obschon sie im alten Rom nicht zu abgesonderten Denkmälern dienten, wofür sie sich auch sehr wenig eignen, sondern vielmehr zum bedeutungsvollen Schmuck von Gebäuden. Sie hielten Wache am Eingange des Mausoleums des Augustus; sie standen auf der Mitte der Mauer (Spina), welche die Zirken der Länge nach teilte; einer warf auch, gewiß von angemessenem baulichem Schmuck umgeben, als Sonnenzeiger seinen Schatten auf das Marsfeld. Wahrscheinlich gaben ihnen schon die Römer senkrechte Piedestale zur Unterlage, während ihre höchste formale Wirkung im alten Ägypten gewiß darauf beruhte, daß sie erstens ganz aus einem Steine bestanden und zweitens mit ihren schiefen Seitenflächen bis auf die Erde reichten. Das Wesentliche aber war, in Rom wie im alten Ägypten, die Aufstellung im Zusammenhang mit einem monumentalen Bau. Neuere wundern sich bisweilen mit Unrecht, wenn ein aus Hunderten von Steinen zusammengesetzter Obelisk, einsam in die Mitte eines großen viereckigen Platzes einer modernen Hauptstadt hingestellt, trotz aller Höhe und trotz allen Ornamenten nur als reinster Ausdruck der langen Weile wirktBei diesem Anlaß darf man fragen: wer hat die Obelisken umgestürzt und bloß den von S. Peter auf seiner Spina (in der Nähe der jetzigen Stelle) stehen lassen? Erdbeben oder Fanatiker waren es nicht, denn diese hätten auch gar vieles andere umstürzen müssen, das noch aufrecht steht. Ich rate unmaßgeblich auf mächtige Schatzgräber in den dunkelsten Zeiten des Mittelalters (etwa im 10. Jahrhundert) und erinnere an die fast durchweg arg zerstörten und deshalb abgesägten untersten Teile, wo man den Obelisken mit Feuer und allen möglichen Instrumenten zugesetzt haben mag. Den von S. Peter schützte dann wahrscheinlich die Nachbarschaft des Heiligtumes oder die mehrmalige Enttäuschung. .

Weit die wichtigsten Kaiserdenkmäler, mit Ausnahme jener beiden Spiralsäulen, sind die Triumphbogen, eine echt italische, und zwar etruskische Form des Prachtbaues, welche uns zugleich den Sinn römischer Dekoration deutlicher offenbart als die meisten sonstigen Überreste. – Das einfache oder dreifache Tor erhielt eine Bekleidung architektonischer und plastischer Art, die allerdings nicht aus dem Innern kommt, sondern wie eine glänzende Hülle herumliegt, in dieser Gestalt aber die Kunst doch immer beherrschen wird.

Die Provinzen enthalten fast lauter einfachere Bauten dieser Art, welche zugleich der Zeit nach zu den frühesten gehören. So die Bogen des Augustus in Aosta, Susa, Fano und Rimini, mit zwei korinthischen Säulen oder Halbsäulen und einem Gesimse nebst Giebel oder flachem Aufsatz (Attika). Sehr edel, schlank und einfach der marmorne Bogen Trajans am Hafen von Ancona, einzelner (bronzener?) Zieraten beraubt, ohne Zweifel auch der Bildwerke, mit welchen man sich das Dach jedes Triumphbogens bekrönt denken muß.

In Rom beginnt die Reihe (abgesehen von dem sehr entstellten und wahrscheinlich späten Drususbogen) mit dem berühmten Denkmal des Titus, welches unter Pius VII. bescheiden und zweckmäßig restauriert wurde. An dem echten mittlern Stück sind, in richtiger Würdigung der Kleinheit des Ganzen, bloße Halbsäulen (von Composita-Ordnung) angebracht, welche unten keines besondern Piedestals, sondern nur des durchgehenden Sockels bedurften. Die Einfassung des Bogens selbst, wie gewöhnlich mit der Gliederung eines Architraves, ist hier einfach und edel, der Schlußstein als eine prächtige Konsole gestaltet. Im Innern des Bogens sind die Kassetten von der schönsten Art, ebenso außen das Hauptgesimse mit dem figurenreichen Fries. (Über die Skulpturen dieses und der folgenden Monumente siehe unten.) Die Flächen neben und seitwärts über dem Bogen selbst waren nicht mit Reliefs geschmückt, wie an dem sonst ähnlich angelegten Trajansbogen von Benevent, sondern glatt und mit zwei Fensternischen versehen, wie alte Fragmente beweisen; die Mitte der Attika nimmt die Inschrift ein, die noch jetzt an der Seite gegen das Kolosseum echt erhalten ist. (An der andern Seite war sie einst identisch wiederholt.) Zur Vollendung des Eindruckes gehört unbedingt noch der eherne Wagen des Imperators mit der Viktoria und dem Viergespann oben auf dem Dache.

Den reichern, dreitorigen Typus vertritt zunächst der Bogen des Septimius Severus. Hier haben wir zwar nicht das älteste Beispiel, aber zufällig den ersten Anlaß zur nähern Erwähnung für eine den Römern eigene Bauform, die vortretenden Säulen auf Piedestalen, welchen oben ein ebenfalls vortretendes (vorgekröpftes) Gebälkstück entspricht; auf diesem letztern fand sich die wirkungsreichste Stelle für ein dekoratives Standbild. Der überaus reiche und prächtige Effekt solcher Säulen, wenn man sich eine ganze Reihe derselben an einer Mauer fortlaufend denkt, läßt es wohl vergessen, daß der Zierat ein rein willkürlicher ist und mit dem Innern Organismus des Gebäudes nichts zu schaffen hat; es ist die dem Auge angenehmste Belebung der Wand mit schönen, reichschattigen Einzelformen, die sich ersinnen läßt. Sie entstand, wie oben (Seite 24) bemerkt, sobald weite Intervalle mit Säulen dekoriert werden mußten. Die vortretende Säule selbst erhielt hinter sich, bisweilen auch zu beiden Seiten, einen oder drei analog gebildete Pilaster zur Begleitung, welche die Wand angenehm unterbrechen. – Am Severusbogen sind allerdings die Details mit ermüdendem Reichtum und schon etwas lahm gebildet; auch stört die Inschrift, welche prahlerisch die ganze Breite der Attika einnimmt. Ehemals mochten die Statuen gefangener Partherkönige auf den Gesimsen der vier vortretenden Säulen die Eintönigkeit einigermaßen aufheben.

Das Ehrentor, welches die Goldschmiede in Rom demselben Kaiser, und seinem Hause errichteten, ist ein Beleg dafür, wie unbedenklich und beliebig die Baukunst zu Anfang des 3. Jahrhunderts mit ihren Formen wenigstens im kleinen umging, indem sie dieselben mit Zieraten aller Art anfüllte. Die Renaissance berief sich in der Folge auf dergleichen. – Der Bogen des Gallienus ist im Gegensatze hierzu fast nüchtern einfach, kommt aber als Bau eines Privatmannes hier kaum in Betracht.

Es folgt der Bogen Konstantins d. Gr., bekanntlich plastisch ausgestattet mit dem Raub von einem bei diesem Anlaß zerstörten Bogen Trajans, der vielleicht, doch gewiß nicht durchgängig, auch als bauliches Vorbild diente und wohl auch manche einzelne Baustücke hergab. Wenigstens kontrastiert z. B. die Roheit des Obergesimses der Piedestale, das derbe Sichvorschieben des Architravs u. dgl. stark mit andern, viel bessern Details, z. B. mit den hier noch korinthischen Kapitellen. Über den vortretenden Gesimsen derselben finden sich noch die Statuen an ihrem ursprünglichen Platze, unseres Wissens das einzige erhaltene Beispiel. Es wäre interessant, zu ermitteln, ob die runden Reliefs am untergegangenen Trajansbogen dieselbe Stelle einnahmen wie hier. – Im Mitteltor an den Pfosten bemerkt man Nietlöcher für bronzene Trophäen.

Der rätselhafte Janusbogen, als ein Obdach für die Kaufleute des damaligen Forum boarium betrachtet, gibt sich seiner mächtigen Konstruktion zufolge eher als das Erdgeschoß eines Turmes kund, welcher aus irgendeinem wichtigen Grunde gerade hier stehen und doch den Verkehr nicht stören sollte. Seine äußere Bekleidung mit Reihen teils tiefer teils flacher Nischen mit halbrundem Abschluß ist eine kindisch müßige, die Formation aller Gesimse eine ganz lahme und leblose, für welche auch die späteste Kaiserzeit kaum schlecht genug ist. Um die fehlende Bekleidung mit vortretenden Säulchen und Giebelchen möchte es kaum schade sein.

Die Tore der Römer, sämtlich rundbogig, sind hier nur insoweit zu erwähnen, als sich in ihnen eine entschiedene künstlerische Absicht ausdrückt; das gewöhnliche Tor, als Glied der Stadtmauer, gehört in das Gebiet der Altertumskunde. Doch muß schon hier bemerkt werden, daß, wo es irgend anging, ein Doppeltor für die Kommenden und für die Gehenden errichtet wurde.

Sehr altertümlich, obschon erst aus der Zeit des Augustus, ist die Dekoration der Porta Augusta in Perugia, ionische Pilaster an der Attika und Schilde dazwischen. Die Porta Marzia, deren Bogen man in die Mauer des Kastells derselben Stadt eingelassen sieht, könnte trotz ihres kindlichen und deshalb für altetruskisch geltenden Aussehens gar wohl ein Bau der spätesten Kaiserzeit sein.

Von den Toren Roms haben nur sehr wenige, und diese nur den über sie gehenden Wasserleitungen zuliebe den Umbauten des fünften und der folgenden Jahrhunderte entgehen können. Von höherm monumentalem Werte ist bloß die Porta maggiore, ein (noch jetzt hohes) Doppeltor mit drei Fensternischen nebst Giebeln und Halbsäulen innen und außenDiese Säulenstellungen neben und zwischen den Toren sind wohl nicht aus der Zeit des Claudius, sondern aus dem 3. Jahrhundert, wie die Kapitelle und Profile beweisen; – sie sind ferner nicht geflissentlich teilweise roh gelassen, sondern unvollendet; wären sie aus dem 1. Jahrhundert, so hätte man auch Zeit und Kraft gefunden, sie auszumeißeln; wären sie absichtlich so gelassen, so wäre dies konsequenter und nicht so ungleich und prinziplos geschehen. Die Architekten des 16. und 17. Jahrhunderts, welche mit Berufung auf dieses Denkmal ihre sog. Rustikasäulen schufen, haben sich doch wohl gehütet, die Säulen der Porta maggiore so nachzuahmen, wie sie wirklich sind.

Ebenso wird man sich beim Amphitheater von Verona leicht überzeugen können, daß die rohen Teile an dem vorhandenen Bruchstück der äußeren Schale eben nur einstweilen roh gelassen worden waren. Die Steinschichten sind schon zu ungleich, um mit ihren rohen Flächen absichtlich als echte Rustika zu wirken; denn diese verlangt die Gleichmäßigkeit schon als Vorbedingung der Festigkeit, welche symbolisch ausgedrückt werden soll. Gleichwohl mußten hier die unfertigen Pilaster mit fertigen Kapitellen als Vorbild der Rustikapilaster dienen, wie die Säulen an Porta maggiore als Vorbild der Rustikasäulen.

Es soll damit nicht geleugnet werden, daß für ungegliederte Flächen auch die Römer bisweilen absichtlich die Quader in rohgemeißeltem Zustande lassen mochten, und daß ihnen die spezielle Wirkung, die dabei zum Vorschein kam, nicht ganz entging.

; der Oberbau besteht aus den Wänden der Aquädukte mit den Inschriften.

Die antiken Tore von Spoleto sind einfache Bogen, diejenigen von Spello nicht viel mehr. Ein Doppeltor, mit einer von reichverzierten Fenstern und Nischen durchbrochenen Übermauer, die Porta de' Borsari in Verona, aus der Zeit des Gallienus, ist sowohl in der Anlage als in der Dekoration ein Hauptzeugnis für die spielende Ausartung, welche sich im 3. Jahrhundert der Baukunst bemächtigt hatte. Der Arco de' Leoni, die erhaltene Hälfte eines Doppeltores, ebenfalls aus gesunkener Zeit, ist doch nicht ganz in dem kleinlichen Geist der Porta de' Borsari erfunden; die obere Nische, für deren Einfassung hier die reichste Form, die spiralförmig kannelierte Säule, aufgespart ist, konnte mit einer plastischen Gruppe versehen eine ganz gute abschließende Wirkung machen. – Ein drittes veronesisches Denkmal, der Arco de' Gavi, in der Nähe des Castel vecchio, wurde 1805 zerstört. Nachbildungen desselben erkennt man in verschiedenen Altären der Renaissancezeit, welche dieses Gebäude sehr schätzte; dahin gehört z. B. der Altar der Alighieri im rechten Querschiff von S. Fermo, von einem Abkömmling Dantes, welcher selbst Baumeister war; und der vierte Altar rechts in S. Anastasia.

Das Bild des römischen Torbaues in seiner imposantesten Gestalt vervollständigt sich erst aus einer sehr späten Nachahmung, etwa des 6. Jahrhunderts, nämlich der Porta Nigra zu Trier. Nur hier sieht man, welcher Ausbildung der Doppeldurchgang, zum breiten Bau mit zwei durchsichtigen Obergeschossen vertieft und mit zwei halbrunden Vorbauten nach außen bereichert, fähig war. Auch sonst enthält das alte Gallien stattlichere Tore als das römische Italien.

Die einfachsten Nutzbauten nehmen unter römischen Händen wenn nicht einen künstlerischen, doch immer einen monumentalen Charakter an. Das Prinzip, von allem Anfang an so tüchtig und solid als möglich zu bauen, deutet auf einen Gedanken ewiger Dauer hin, dessen sich unsere Zeit bei ihren kolossalsten Nutzbauten nicht rühmen kann, weil sie in der Tat nur »bis auf weiteres«, mit Vorbehalt möglicher neuer Erfindungen und der betreffenden Veränderungen baut. Ihre Gebäude geben auch nur selten das echte Gefühl des Überflusses der Mittel, schon weil sie Werke der Spekulation und der Soumission sind. Nach diesem Maßstab hört man bisweilen von Fremden in Rom z. B. die ungeheuern Aquädukte beurteilen, welche die Campagna durchziehen. Wozu von vornherein so viel Wasser nach Rom? und wenn es sein mußte, warum nicht denselben Zweck mit einem Dritteil dieses Aufwandes erreichen? Es wäre noch immer ein gutes Geschäft gewesen. – Hierauf läßt sich schlechterdings nichts anderes erwidern, als daß die Weltgeschichte einmal ein solches Volk hat haben wollen, das allem, was es tat, den Stempel des Ewigen aufzudrücken versuchte, so wie sie jetzt den Völkern wieder andere Aufgaben vorlegt. – Übrigens war im alten Rom mit seinen 19 Wasserleitungen in der Tat viel Wasser »verschwendet«, d. h. zur herrlichsten Zier der ganzen Stadt in unzählige Fontänen verteiltVon welchen nur noch die sog. Meta sudans beim Kolosseum kenntlich ist. ; ein anderes Riesenquantum speiste die Thermen – ebenfalls ein Luxus, da die modernen Völker das Baden im ganzen für überflüssig erklärt haben. Nur in betreff des Trinkwassers fängt man doch an, die Römer von Herzen zu beneiden. Wie soll man es nennen, wenn eine Hauptstadt von zwei Millionen Seelen wie London, die über die Schätze einer Welt verfügt, meist aus demselben Fluß ihr Getränk beziehen muß, unter welchem sie Straßen und Eisenbahnen hindurchzuführen die Mittel hat? Zur römischen Zeit war jede Provinzialstadt besser daran, und noch das jetzige Rom mit seinen bloß drei Aquädukten ist an Zierwasser ohne Vergleich die erste Stadt der Welt und steht in Beziehung auf das Trinkwasser wenigstens keiner andern nach. Stadtmauern, Straßen und Brücken der Römer sind, wenn auch schlicht in der Form, doch durch denselben Typus der Unvergänglichkeit ausgezeichnet. Es muß eines furchtbaren, tausendjährigen Zerstörungssinnes bedurft haben, um auch diese Bauten auf die Reste herunterzubringen, welche wir jetzt vor uns sehen. (Unter den Brücken am merkwürdigsten die gewaltigen Reste zu Narni; an denjenigen in Rom trägt auch das erhaltene Antike eine moderne Bekleidung.) Von den öffentlichen Bauten der Römer überhaupt stände gewiß noch weit das meiste aufrecht, wenn bloß die Elemente und nicht die Menschenhand darüber ergangen wäre. Gebäude, welche das Glück hatten, beizeiten vergessen zu werden, wie z. B. manche in Arabien und Syrien, sind deshalb ohne Vergleich besser erhalten.

Die Bauten des öffentlichen Verkehrs sind leider in betreff ihrer Kunstform mehr ein Gegenstand der Altertumsforschung als des künstlerischen Genusses; so gering stellen sich die Reste dar, mit welchen wir es hier ausschließlich zu tun haben.

Im höchsten Grade ist dies zu beklagen bei dem Porticus der Octavia, Schwester des Augustus, am Ghetto zu Rom. Hier, wenn irgendwo, muß der bewußte Unterschied der Behandlung zwischen Tempelhallen und Hallen für den täglichen Verkehr schön und ernst durchgeführt gewesen sein. Beim gegenwärtigen Zustand des einzig übrigen Bruchstückes, wo man schon durch einen antiken Umbau irre gemacht wird, gewährt wenigstens der Kontrast des Alten mit seiner Umgebung noch einen malerischen Genuß. Von dem Forum romanum, wie es zur Zeit der Republik war, als Platz mit Hallen und Buden, gibt das Forum von Pompeji einen wenn auch entfernten Begriff. Was in Herculanum das Forum heißt, möchte doch wohl für die bedeutende Stadt als Hauptplatz nicht genügt haben und ist wohl eher als Halle zu einem besondern Zweck zu betrachten. Von den Kaiser-Fora, d. h. den Gerichts- und Geschäftshallen, welche die Kaiser in der nächsten Umgebung des Forum romanum anlegten, ist in Resten und Nachrichten gerade so viel erhalten, daß die Phantasie sich ein ungefähres Bild davon entwerfen kann. Es waren große mit Hallen umzogene Plätze, welche Tempel, Basiliken und wahrscheinlich auch eine Anzahl anderer Lokale enthielten, nebst einem gewiß reichen Schmuck von Statuen, Springbrunnen u. dgl., ohne welche keine Anlage aus dieser Zeit denkbar ist. Von freiem Oberbau sind mit Ausnahme der riesigen Umfangsmauer am Forum Augusti nur die sog. Colonnacce zu erwähnen, zwei vortretende Säulen nebst vortretendem Gebälk und Attika, wahrscheinlich von der Eingangshalle des Forum Nervae; alles von prächtig überreicher Formation, namentlich das untere Kranzgesimse, dessen Motiv schon undeutlich wirkt, wie alle vegetabilischen Zieraten, die sich von der einfachen Palmette und dem Akanthus zu weit entfernen. An den vortretenden Stücken der Attika sind Nietlöcher, wahrscheinlich für eherne Ornamente, zu bemerken. Wären die untern Enden der Säulen nicht samt den Piedestalen in der Erde versteckt, so würde dieses Beispiel vortretender Säulen das bedeutendste unter den in Italien vorhandenen sein.

Von den einzelnen Gebäuden innerhalb der Fora wurde der Tempel des rächenden Mars schon beschrieben. Von den Basiliken ist nur eine, allerdings die wichtigste, zum Teil aufgedeckt: die Basilica Ulpia, welche das Hauptgebäude des einst überaus prachtvollen Forum Trajani ausmachte. Sie war ein fünfschiffiger Bau, mit unbedecktem Mittelschiff; die jetzt, zum Teil auf den ursprünglichen Basen, aufgestellten Granitsäulen gehörten wahrscheinlich nur einem geringern Gebäude dieses Forums an, während die Basilika auf kostbaren Marmorsäulen ruhte. Die beiden Enden des Baues, jetzt unter den Straßen vergraben, hatten ebenfalls jedes seine Säulenreihe; am hintern Ende folgte auf dieselbe das Tribunal, hier eine große, halbrunde, prachtvoll geschmückte Nische. Die Trajansäule, welche so wenig als die Obelisken allein stehen sollte, war mit in diese Riesenkomposition aufgenommen und von drei Seiten, nämlich von der Nordwand der Basilika und von zwei Anbauten derselben (die man für Bibliotheken erklärt), wie in einem Hofe eingeschlossen. Ob der Bau ein Obergeschoß hatte und welcher Art, bleibt wie so manches andere ein Problem.

Diese Basilikenform war es nun bekanntlich, welche die Christen für ihre Gotteshäuser adoptierten, da die heidnischen Tempel mit ihrem verhältnismäßig so kleinen Innern für die Aufnahme von ganzen Gemeinden nicht genügt haben würden. Das Mittelschiff, welches hier noch den Charakter eines mit Hallen umgebenen Hofes hat, scheint an andern Basiliken öfter bedeckt gewesen zu sein; die Christen gaben ihm ebenfalls sein Dach und erhoben die Perspektive gegen den Altar hin zur wichtigsten Rücksicht. Von den Basiliken der guten römischen Zeit außerhalb der Hauptstadt ist die zu Herculanum nach der Ausgrabung wieder zugeschüttet worden, dagegen die zu Pompeji noch soweit erhalten, daß sie einen lebendigen künstlerischen Eindruck gibt. Sie war dreischiffig, unten von ionischer Bastardordnung, die obere Halle korinthisch, wie man aus den vorhandenen Fragmenten sieht. Das Mittelschiff war unbedeckt (die Regenrinnen am Boden sind noch sichtbar) und von der Halle auch vorn und hinten umgeben; das Tribunal ganz hinten bildete einen erhöhten Bau mit besonderer kleiner korinthischer Säulenhalle. Die perspektivische innere Ansicht muß eigentümlich reizend gewesen sein. Sehr interessant ist die Zusammensetzung der untern ionischen Säule aus konzentrischen Backsteinblättern, welche nach außen schon eine fertige Kannelierung darstellten, die nur noch des Stukkoüberzuges harrte. Die Halbsäulen an der Wand und das Zusammentreffen von Halbsäulen in den EckenDies u. a. auch am Herkulestempel zu Brescia. sind gleichsam Vorahnungen von Motiven, welche in der christlichen Architektur auf das bedeutungsvollste ausgebildet werden sollten. (Das gegenüberliegende sog. Chalcidicum und das Pantheon sind ihrer Bestimmung nach so zweifelhaft, daß wir sie hier bloß nennen, um sie bei den öffentlichen Gebäuden nicht gänzlich zu übergehen; von dem Chalcidicum stammt die prachtvolle Türeinfassung mit dem von Tieren belebten Rankenwerk her, welche jetzt im Museum von Neapel den Eingang zur Halle des Jupiter bildet.)

Die Bestimmung der Basiliken, als Börse, Stelldichein und Gerichtshalle, war jedoch durchaus nicht an diejenige Form gebunden, welche in Rom und anderwärts die besonders übliche sein mochte. Wir erfahren in der Tat, daß auch ganz abweichende Formen versucht wurden, je nach den Mitteln und dem Sinn des Baumeisters. Einen solchen Versuch erkennt man in dem sog. Friedenstempel zu Rom, welcher eine von Maxentius (306–312) errichtete Basilika ist. Sie hat nur die dreischiffige Einteilung und die (jetzt nicht mehr sichtbare) hintere NischeIhre Grundmauern sind in den Gebäuden auf der Seite gegen das Kapitol hin noch vorhanden. Die jetzige Nische, am rechten Nebenschiff, ist ein etwas späterer Zusatz. mit der sonst üblichen Anordnung gemein, sonst aber ist es ein Gewölbebau, dessen weite Spannungen den lebhaftesten Verkehr einer großen Menschenmenge gestatteten, und zwar, des gewölbten Mittelschiffes wegen, bei jeder Witterung. Das hochbedeutende Wölbungssystem – drei Kreuzgewölbe der Länge nach in der Mitte und drei niedrigere Tonnengewölbe auf jeder Seite – war schon früher im Thermenbau ausgebildet worden; gegenwärtig fehlt, auch an dem geretteten Teil, die Bekleidung, nämlich vortretende korinthische Säulen an jedem Hauptpfeiler. (Die eine noch vorhandene stellte Paul V. bei S. Maria maggiore auf.) Sie trugen das Gewölbe nur scheinbar, nicht wirklich, und deshalb vermißt sie auch das Auge nicht, so wenig als die (vermutliche) Säulenstellung längs der untern Wände der drei Seitengewölbe, allein sie gewährten einst im ganzen einen gewiß prachtvollen Anblick. An und für sich war die ehemalige Marmorbekleidung, nach den Fragmenten zu urteilen, allerdings von geringer und lahmer Bildung; die Dekoration der Nische mit kleinen Wandnischen, die mit Säulchen eingefaßt waren, muß etwas fast Kindisches gehabt haben. Die Konsolen, welche diese Säulchen trugen, sind noch erhalten. – Die Kassetten der drei Seitengewölbe sind achteckig mit kleinen, schrägen Zwischenquadraten, die der neuern Nische sechseckig mit kleinen Zwischenrauten, die des Hauptschiffes hatten, nach einem Fragment zu schließen, verschieden geformte Felder – alle aber zeigen, daß die Kassette ihre Eigenschaft, als Abschnitt eines Deckenraumes, mit der einfachen quadratischen Form zugleich abgelegt hatte und nur noch als Zierat wirken wollte. Das Licht kam durch die Fensterreihen der Seitenschiffe, hauptsächlich aber, wie in den Diokletiansthermen, durch die großen, halbrunden Fenster oben im Mittelschiffe. Von der Vorhalle (gegen das Kolosseum zu) sind nur die Ziegelpfeiler erhalten.

Vielleicht gehören noch manche jetzt anders benannte Mauerreste im alten Italien zu Basiliken. Eine leicht kenntliche Durchschnittsform ist bei dieser Gattung von Gebäuden so wenig zu verlangen als bei unsern jetzigen Börsen und Gerichtslokalen.

Von den Gebäuden des öffentlichen Vergnügens müssen zuerst die für Schauspiele bestimmten erwähnt werden, als eigentümlichste Produktionen des römischen Außenbaues, welcher ja bei den Tempeln von griechischen Mustern abhing. – Der Zweck und die Einrichtung der Theater, Amphitheater und Zirken (sowie der gänzlich untergegangenen Naumachien und Stadien) wird hier als bekannt oder der Altertumskunde angehörig übergangen; wir haben es bloß mit der künstlerischen Form zu tun.

Diese bestand an der Außenseite der Theater und Amphitheater, vielleicht auch der Zirken, aus einer Bekleidung der runden oder elliptischen Wandfläche zwischen den Bogen der verschiedenen Stockwerke mit Halbsäulen und Gebälken der verschiedenen griechischen Ordnungen: der dorisch-toskanischen, der ionischen und der korinthischen, auf welche im einzelnen Fall (am Kolosseum) noch eine obere Wand ohne Maueröffnungen mit Pilastern von Composita-Ordnung folgt. Die Griechen hatten ihre Theater in Talenden hineingelehnt oder aus dem Fels gehauen; die Römer erst bauten die ihrigen frei vom Boden auf und mußten sie von außen dekorieren.

Das Motiv, welches sie zugrunde legten, war ein sehr verständiges. Es fiel ihnen nicht ein, einer großen Menschenmasse zuzumuten, daß sie sich durch zwei, drei Türen mit einer Breite von zwanzig Fuß im ganzen geduldig entferne, wenn das Schauspiel zu Ende war, oder daß sie gar, wenn Tumult entstand, nicht zu drängen anfange. Sie kannten das Volk und verwandelten deshalb das ganze Innere ihrer Schaugebäude in lauter steinerne Treppen und Gänge und die ganze untere Mauer in lauter gewölbte Pforten. Letzteres zog dann eine ähnliche Formation der obern Stockwerke nach sich, wo strenggenommen bloße Fensteröffnungen genügt hätten. Mit der Türform aber stieg auch die Halbsäulenbekleidung nebst Gebälken und Attiken von Stockwerk zu Stockwerk und faßte die Bogen mit ihren hier nur einfachen, aber durch die hundertmalige Wiederholung höchst imposanten Formen ein. – Die moderne Baukunst ist hier hauptsächlich in die Schule gegangen und hat für die monumentale Bekleidung wie für die Verhältnisse ihrer Stockwerke sich immer von neuem an diese Vorbilder gewandt. Der Hof des Palazzo Farnese ist fast genau den Formen des Marcellus-Theaters nachgebildet; aus unzähligen Kirchenfassaden und Palästen tönt ein versteckter Nachklang vom Kolosseum.

Das durchgängig stark und meist völlig zerstörte Innere läßt unter anderm hauptsächlich in Beziehung auf die Säulenhalle, welche oben ringsherumging, der Phantasie freien Spielraum. An den Zirken möchte dieselbe besonders umständlich und prachtvoll gewesen sein.

Die Theater sind den griechischen im wesentlichen nachgebildet, nur daß die Orchestra, d. h. der jetzt halbrunde mittlere Platz, nicht mehr den Bewegungen des Chores diente, sondern zu einer Art von Parterre eingerichtet wurde. In Rom ist von dem Theater des Pompejus nur noch die Richtung des Halbrunds in den Gassen rechts neben S. Andrea della Valle kenntlich; dabei ersieht man aus dem marmornen Stadtplan des 3. Jahrhunderts, dessen Reste an der Treppe des Museo capitolino eingemauert sind, daß die Scena auf das reichste mit Säulenstellungen geschmückt war, und aus anderweitigen Nachrichten, daß oben auf dem Umgang des Theaters ein Venustempel stand. – Von dem Marcellus-Theater ist dagegen noch ein herrlicher Rest des Außenbaues vorhanden, nämlich ein Teil der dorisch-toskanischen Ordnung, welche hier in Säule und Gebälk dem echten Dorischen noch nahesteht, und ein Teil der ionischen, ebenfalls noch von verhältnismäßig reiner Bildung. – Im übrigen Italien hat fast jede alte Stadt irgendeinen Theaterrest aufzuweisen, allein meist in formloser Gestalt. Das kleine artige Theater von Tusculum (über Frascati) hat noch sein ziemlich wohlerhaltenes Inneres, während in Pompeji vom Theater und von dem danebenliegenden Odeon (d. h. einem bedeckten Wintertheater?) fast alles Steinwerk, sowohl die Sitzplätze als die Säulen usw. der Scena geraubt worden sind. Das Theater von Herculanum wird man in der Korknachbildung (im Museum von Neapel) besser würdigen als an Ort und Stelle, wo es gar keine Übersicht gewährt. Dasjenige von Fiesole (Fäsulä) ist mehr durch seine Lage als durch die (nach kurzer Aufdeckung wieder fast gänzlich zugeschütteten) Überreste des Besuches würdig. Bedeutende Reste in Parma, Verona usw.

Von den Amphitheatern, einer rein römischen Schöpfung, für die Kämpfe von Gladiatoren und Tieren, besitzt Rom in seinem Kolosseum weit das mächtigste Beispiel. Die Reisehandbücher geben jede wünschenswerte Notiz, und der Eindruck der einen Außenseite ist, wenn man sich in die Bogen der obern Stockwerke Statuen hineindenkt und zwischen den Pilastern der obersten Wand eherne Reliefschilde befestigt, ein so vollständiger, daß wir kurz sein können. Die ganze Detailbildung ist, der riesenhaften Masse wegen, mit Recht höchst einfach; die unterste Ordnung hat z. B. keine Triglyphen mehr, die hier doch nur kleinlich wirken würden. Die Konsolen der obersten Wand, den Öffnungen im Kranzgesimse entsprechend, dienten wahrscheinlich den Mastbäumen zur Stütze, an welchen das riesige Velarium oder Schattentuch befestigt war. Die Löcher im ganzen Außenbau entstanden wohl, als man im Mittelalter die ehernen Klammern raubte, welche die Steine verbanden. An den Bogen im Innern der Gänge fällt oft eine ganz krumme und schiefe Linie auf; wahrscheinlich wurden die betreffenden Teile aus rohen Blöcken erbaut und dann, weil sie unsichtbar bleiben sollten, nur nachlässig glatt gesägt. – Von den Stufen, Mauern und fraglichen Oberhallen des Innern ist bekanntlich nichts mehr vorhanden, und die Einrichtung der Arena zu plötzlicher Überschwemmung, auch wohl zum plötzlichen Erscheinen von Tieren und Menschen, nicht mehr sichtbar, da man das Ausgegrabene der schlechten Luft halber wieder zuschütten mußte.

Von den übrigen Amphitheatern Roms ist nur noch das sog. Amphitheatrum castrense kenntlich, und zwar in einem Teil der untern und auch der obern Ordnung, von trefflichem Ziegelbau. (Für Architekten von bedeutendem Wert; vor Porta S. Giovanni links hinauf, bei Santa Croce.)

Außerhalb Roms wird dem Amphitheater von Alt-Capua wegen eines nur kleinen, aber schönen Restes der zwei untern Ordnungen und wegen einzelner noch besonders deutlich sichtbarer Einrichtungen um die Arena die erste Stelle zuerkannt. Das Amphitheater von Verona hat den Effekt der vollkommen erhaltenen oder hergestellten Sitzreihen vor allen Gebäuden dieser Art voraus; allein von seiner äußern Schale ist nur ein sehr kleiner Teil vorhanden (und vielleicht nie mehr vorhanden gewesen), der gerade hinreicht, um die Lust nach dem zerstörten oder nie vollendeten Ganzen zu wecken (vgl. Anm. 2). – Das Amphitheater von Pompeji kann seiner Kleinheit und architektonischen Bescheidenheit wegen neben diesen ungeheuern Massen nicht aufkommen. – In Lucca noch bedeutende Reste eines Amphitheaters und eines Theaters. – In Padua bloß der Umriß eines Amphitheaters, bei S. Maria dell' Arena. – In Pozzuoli: sehr umfangreiche, aber formlose Trümmer. – In S. Germano (unterhalb Monte Cassino) ein kreisrundes Amphitheater, das einzige dieser Art, indem sonst die elliptische Form über das Aufstellen zweier Parteien in der Arena den Vorzug haben mußte. – Vereinzelte Überbleibsel finden sich überall, wo es Römer gab.

Die Zirken endlich sind mit einziger Ausnahme desjenigen des Caracalla (richtiger: Maxentius) von der Erde verschwunden, so daß man ihre Form höchstens aus dem Zug der Straßen und Gartenmauern um sie herum (wie beim Circus maximus in Rom) oder aus der Gestalt eines Platzes, der ihrem Umfang entspricht (wie beim Stadium Domitians, der jetzigen Piazza Navona) oder auch nur aus Erdwellen erkennt. Selbst an dem oben als erhalten genannten Zirkus (vor Porta S. Sebastiano) ist alles bauliche Detail mit der Steinbekleidung des Hallenbaues ringsum und der Langmauer (spina) in der Mitte dahingegangen, so daß wir uns dabei nicht aufhalten dürfen. – Das gänzliche Verschwinden des Circus maximus gehört übrigens auch zu den Rätseln des römischen Mittelalters. Denn das Gebäude faßte auf seinen Sitzreihen fast das Doppelte von der Menschenzahl, die man für das Kolosseum berechnet, nämlich nach der geringern Angabe 150 000 Menschen; es muß also nicht bloß die halbe Viertelstunde Länge, von der man sich noch jetzt überzeugen kann, sondern auch eine bedeutende Tiefe und Höhe gehabt haben, wenn für alle Zuschauer gesorgt sein sollte. Man fragt wiederum vergebens: wo geriet diese Masse von Baumaterial hin?

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