Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jacob Burckhardt >

Der Cicerone

Jacob Burckhardt: Der Cicerone - Kapitel 31
Quellenangabe
typetravelguide
booktitleDer Cicerone
authorJacob Burckhardt
year1986
publisherAlfred Kröner Verlag
addressStuttgart
isbn3-520-13404-7
titleDer Cicerone
pagesI-XIV
created20040114
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Im 17. Jahrhundert bildete sich der italienische Gartenstil zu seiner höchsten Blüte aus, dem wir hier als wesentlicher Ergänzung zur modernen Architektur eine besondere Betrachtung schuldig sind. (Der Verfasser ersucht um Nachsicht wegen seiner mangelhaften Kenntnis des Gegenstandes.) Die Anfänge dieses Stiles sind unbekannt. Man liest wohl von einzelnen prächtigen Anlagen aus dem 15. Jahrhundert und die Hintergründe damaliger Malereien (Benozzo Gozzoli im Campo santo zu Pisa usw.) geben auch eine Art von Phantasiebild, allein keine dieser Anlagen ist irgend kenntlich erhalten.

Im 16. Jahrhundert möchte Bramantes ursprünglicher Entwurf zu dem großen vatikanischen Hof (S. 289) eine bedeutende Anregung zu grandioser künstlerischer Behandlung der Gärten gegeben haben, besonders durch die Doppeltreppe mit Grotten, deren Stelle jetzt die Bibliothek und der Braccio nuovo einnehmen. Der jetzige große Garten hinter dem Vatikan rührt auch noch aus dem 16. Jahrhundert her und gibt wenigstens einen Begriff von den Hauptprinzipien der spätern Gartenkunst: Anlage in architektonischen Linien, welche mit den Gebäuden in Harmonie stehen; ein tiefliegender windgeschützter Prunkgarten mit figurierten Blumenbeeten und Fontänen; umgeben durch hochliegende Terrassen (als stilisierten Ausdruck des Abhanges) mit bedeutender immergrüner Vegetation, besonders Eichen. Vielleicht hat gerade die Villa Pia ihre echte alte Umgebung nicht mehr (S. 298, g).

Das reichste, durch Naturvorzüge ewig unerreichbare Beispiel eines Prachtgartens bietet dann die schon 1549 angelegte Villa d'Este in Tivoli. Der steile Abhang und die vom Gewaltigen bis ins Niedliche unter allen Formen benutzte Wassermasse des Teverone waren Elemente, die anderswo sich nicht wieder so zusammenfanden. Das zugrunde liegende Gefühl ist übrigens noch ganz das phantastische des 16. Jahrhunderts, welches steile Absätze und den Abschluß der Perspektive durch wunderliche Gebäude und Skulpturen liebte. Als kleinere Anlage aus nicht viel späterer Zeit ist der schöne Garten des Pal. Colonna in Rom zu nennen. Die drei bedeutendsten römischen Gartenanlagen des 16. Jahrhunderts sind freilich untergegangen (bei Villa Madama, bei Vigna di Papa Giulio und die Orti Farnesiani auf dem Palatin, eine Schöpfung Vignolas), so daß ein Durchschnittsurteil kaum zu geben ist. Der Garten an der Farnesina im Trastevere hat keinen höhern Zusammenhang mit dem Gebäude.

In Genua ist der Garten des Pal. Doria eine ziemlich alte Anlage (seit 1529); die Treppen zum Teil mit Bogenhallen bedeckt; die Gestalt der Hauptfontäne (mit der Statue des Andrea Doria als Neptun), vielleicht der älteste erhaltene Typus dieser Art.

In Florenz entstand der Garten Boboli unter der Leitung des Bildhauers Tribolo und später des Architekten Buontalenti, schon zur Zeit Cosimos I. Die Wasserarmut des Hügels, welche nur wenige Fontänen und ein Becken in der Tiefe gestattete, wird vergütet durch die Schönheit der Aussicht; das Motiv des Zirkus an der Stelle des Prunkgartens, mit der Umgebung von Eichenterrassen, ist großartig und glücklich als Fortsetzung der Seitenflügel des Hofes ins Freie gedacht; zu den hintern, tiefliegenden Teilen mit Gian Bolognas Insel führt jene steile Zypressenallee, die als solche kaum mehr ihresgleichen hat. während es anderwärts viel schönere einzelne Zypressen gibt. Sie ist ein wahrhaft architektonischer Gedanke.

Prachtgärten wurden eine mediceische Leidenschaft, und der schon genannte Buontalenti legte für Cosimo und Francesco deren mehrere an, worunter der berühmte von Pratolino. Die ganze Gattung blieb, beiläufig gesagt, fortwährend ein Zweig der Baukunst und eine Sache der Architekten, welchen sie auch von Rechts wegen gehörte. (Wenn auch Ludwig XIV. seinen besondern Gartenmeister Le Nôtre hatte, so sind doch dessen Anlagen so architektonisch als irgendwelche jener Zeit; in Rom gehört ihm Villa Ludovisi, s. unten.)

Die berühmten Anlagen der letzten Herzoge von Ferrara sollen sämtlich untergegangen oder unkenntlich geworden sein.

Vom Ende des 16. Jahrhunderts an bildet sich das System der italienischen Gartenkunst vollständig aus. Das Bunte und Kleinliche verschwindet oder wird versteckt und dann oft in großer Masse angewendet; die Wasserorgeln, Windstöße, Vexierstrahlen und was sonst von dieser Art die Besitzer glücklich machte, bekommen ihre besondern Grotten, der Garten aber wird harmonischer als früher den großen Linien und Perspektiven, den möglichst einfachen Kontrasten gewidmet. Auch in den Wasserwerken herrscht das Barocke nicht so vor, wie man wohl annimmt, und einzelne davon sind so schön und ruhig komponiert, so zur Umgebung gedacht, daß sich nichts Vollkommneres in dieser Art ersinnen läßt. Das Ganze hat nun einen Zweck, welcher demjenigen des sog. englischen Gartens geradezu entgegengesetzt ist. Es will nicht die freie Natur mit ihren Zufälligkeiten künstlich nachahmen, sondern die Natur den Gesetzen der Kunst dienstbar machen. Wo man krumme Wege, Einsiedeleien, Chinoiserien, Strohhütten, Schloßruinen, gotische Kapellen u. dgl. antrifft, da hat modernste Nachahmung des Auslandes die Hände im Spiel gehabt Man versäume nicht, sich zur Villa Torlonia vor Porta Pia Einlaß zu verschaffen. Sie enthält den ganzen Kursus der romantischen Gartenkunst gegenüber der klassischen in den ältern Villen. . Der Italiener teilt und versteht die elegische Natursentimentalität gar nicht, wovon dies die Äußerungen sind oder sein sollen. Das wesentliche des italienischen Gartens ist vor allem die große, übersichtliche, symmetrische Abteilung in Räume mit bestimmtem Charakter. Zunächst ist der genannte Prunkgarten und seine Umgebung von Terrassen mit Balustraden und Rampentreppen der reichsten architektonischen Ausbildung fähig, durch halbrunden Abschluß (als sog. Teatro), durch Abstufung, durch Grotten und Fontänen; insgemein steht er im nächsten Zusammenhang mit dem Gebäude der Villa. Dann werden Täler und Niederungen stilisiert durch Absätze und das in stets gerader Linie durchfließende Wasser zu Bassins erweitert und womöglich zu Kaskaden aufgesammelt, deren mäßiges Träufeln durch architektonischen und mythologischen Schmuck motiviert wird und daher nicht lächerlich erscheint, wie der künstliche Naturwasserfall des englischen Gartens bei ähnlicher Armut. Oder es wird eine Niederung als Zirkus gestaltet (und sogar als solcher gebraucht). Oder ein ganzes Tal, eine ganze Gegend wird auch einer bestimmten Vegetation überlassen, doch nicht bis zum vollen Eindruck des Ländlichen; den Pinienhain der Villa Pamfili z. B. wird niemand für einen wild gewachsenen Pinienwald halten. Sodann erhalten die (sämtlich geradlinigen) Gänge, die womöglich auf bedeutende Ausblicke, auch auf Brunnen und Skulpturen gerichtet sind, entweder eine bloße Einfassung oder eine Überwölbung von immergrünen Bäumen; im erstern Fall dichte Zypressenhecken und Lorbeern, im letztern vorzugsweise Eichen. Diese Einfassung macht zugleich die der Ökonomie überlassenen Stücke des Gartens unsichtbar.

Es wird hier durchaus im großen gerechnet; indes ist nicht zu leugnen, daß ohne die Mitwirkung des Irrationellen, der Bergfernen, der ländlichen oder städtischen Ansichten, auch wohl des Meeres und seiner Küsten der Eindruck vielleicht ein schwerer und drückender sein würde. Ein solcher ist (mindestens für mein Gefühl) der des Gartens von Versailles, dessen letzte Perspektiven sich in die unbedeutendste aller Gegenden verlaufen. Auch die vollkommenste Ebene, wenn sie nur durch Berglinien beherrscht wird, kann sich zum italienischen Garten eignen, während hier das so bedeutend behandelte Terrassenwerk die mangelnde Aussicht nicht ersetzt. Der Kontrast der freien Natur oder Architektur, welche von außen in den italienischen Garten hereinschaut, möchte geradezu eine Grundbedingung des Eindruckes sein.

Wir beginnen diese zweite Reihe mit der einst herrlichen Villa Montalto-Negroni auf dem Viminal und Esquilin, angelegt seit etwa 1580, noch in ihrem verwilderten und zum Teil ausgeholzten Zustande schön und ehrwürdig. Das untere Kasino ein Bau Domenichinos; sonst im ganzen mehr das Ländliche als das Bauliche vorherrschend; bedeutende Mitwirkung der Kirche S. Maria maggiore; vom Zypressenhügel aus eine grandiose Aussicht auf die Campagna. Villa Aldobrandini bei Frascati (der Garten wahrscheinlich mit dem Palast von Giacomo della Porta angelegt) ist dagegen ein prächtiges, durch hohe natürliche Vorteile begünstigtes Hauptbeispiel des strengen Stiles. Der Prunkgarten auf hoher Terrasse, zu welcher Rampen emporführen; an dessen Rückseite der Palast, an Masse und Stil sehr verschieden von den Casini römischer Stadtvillen, welche bloße Absteige- und Festhallen sein wollen. Dahinter das mächtige Teatro mit Grotten und Fontänen, und über demselben die Eichen, durch deren Mitte die von einer obern Fontäne herunterkommende Kaskade fließt; einer Menge Nebenmotive nicht zu gedenken.

(Villa Mattei auf dem Cölius, 1582, ist gegenwärtig und auf längere Zeit unzugänglich.)

Villa Medici auf Monte Pincio, jetzige Académie de France, ebenfalls vom Ende des 16. Jahrhunderts; das Gebäude, von Annibale Lippi, zeigt wenigstens auf der Rückseite den Charakter der römischen Casini schon ziemlich vollendet: luftige Hallen und Bekleidung der Wandflächen mit antiken Reliefs. Der Prunkgarten (und seine Fortsetzung in großen einfachen Laubgängen) ist überragt von einer hohen Eichenterrasse, aus welcher eine Stufenpyramide (nicht etwa ein Hügel mit Spiralgängen nach Art englischer Gärten) als Belvedere emporsteigt.

Der Garten des Quirinalischen Palastes, einfach und großartig, wahrscheinlich von Carlo Maderna (nach 1600), welcher wenigstens die Grottenpartie mit den Spielwassern usw. entwarf und sie in eine Ecke links unter der Terrasse des Prunkgartens verwies. Das Casino (von Fuga) ist spät und für seine Bestimmung schwer und meschin.

Villa Mondragone bei Frascati, der Riesenbau Pauls V. und seiner Familie, einst (wenigstens dem Entwurf nach) eines der vollständigsten Spezimina des strengen Stiles, ist gegenwärtig in traurigem und unschönem Verfall und lohnt den Besuch auch wegen der (von andern Punkten aus reichern) Aussicht kaum.

Villa Borghese vor Porta del Popolo; der ältere Teil mit dem Casino des Vasanzio (S. 373, f), an welches sich der Prunkgarten seitwärts anschließt, umfaßt außer den mehr ländlichen Teilen und dem (in neuerer Zeit angelegten) Zirkus auch noch einen besondern architektonisch angelegten Eichenhain, dessen Äskulaptempel, inmitten eines kleinen Sees, indes von neuerem Datum ist. Der zwecklose Vandalismus des Jahres 1849 hat die Hälfte des Hains gefällt. – Die neuern Teile der Villa, bei demselben Anlaß verheert, waren in einzelnen Partien mehr mit Absicht auf malerisch landschaftliche Wirkung im Sinn der Schule Poussins angelegt.

Auch Villa Pamfili vor Porta S. Pancrazio hat 1849 stark gelitten, doch glücklicherweise nicht in den wesentlichen Teilen. Die Anlage von Algardi (nach 1650) war durch die großartigsten Vorteile, durch herrliche hohe Lage und den Wasserreichtum der Acqua Paolina unterstützt. Ein System von Eichenhallen rings um eine Wiese faßt den Blick auf das Kasino ein, welches mit antiken Skulpturen fast bedeckt ist. Hinter demselben, von Eichenterrassen umgeben, folgt der tiefliegende Prunkgarten und dann eine noch tiefere Fläche, welche ehemals in dichter Laubnacht eine wunderbare Fülle von springenden Wassern längs einer Terrasse und eines Teatro enthielt, gegenwärtig aber durch eine höchst unglückliche englische Partie ersetzt wird. Zu beiden Seiten dieser Hauptanlage, namentlich rechts, dehnen sich die mehr ländlichen, aber noch immer in einfachen architektonischen Gesamtlinien gegebenen großen Nebenpartien aus: die Anemonenwiese und das Tal mit dem Laghetto; den Abschluß macht jener berühmte Pinienhain, der an gleichartiger Macht der Bäume und Kronen in Italien wohl seinesgleichen sucht.

Villa Conti (jetzt Torlonia) bei Frascati macht vielleicht von allen den reinsten und wohltuendsten Eindruck, während sie an Ausdehnung und Zahl der Motive von vielen andern Gärten übertroffen wird. Nur eine obere (dichte) und eine untere (lichte) Eichenterrasse, aber von den herrlichsten Wasserwerken belebt und mit der schönsten Aussicht.

Villa Ludovisi auf Monte Pincio, von Le Nôtre angelegt, mit einzelnen grandiosen Partien (vorn) und angenehmen Schattengängen. Die neuern Teile von buntestem sog. englischem Stil.

Der Garten des Pal. Barberini in Rom, ehemals herrlich.

Aus dem 18. Jahrhundert stammt zunächst der Garten Corsini am Abhang des Janikulus; nur ein Motiv ist von strengerm Stil, dieses aber erhaben schön, nämlich die Kaskade mit Fontäne zwischen den Ahornbäumen.

Villa Albani vor Porta Salara, Gebäude und Garten angelegt von Carlo Marchionne unter der Leitung des Kardinals Alessandro Albani; direktes Übergewicht der architektonischen Linien und der Architektur selbst, unter bedeutender und hier einzig durchgängiger Mitwirkung antiker Spulturen [Skulpturen?]; die Eichen nur als Abschluß und Hintergrund; einzelnes schon mit rein malerischer Absicht angelegt; der Blick auf das Sabinergebirge sehr mit in Rechnung gebracht, und deshalb die vordern Teile ganz licht mit bloßen Zypressenhecken.

Der Garten des Priorato di Malta auf dem Aventin mit einem einfachen Laubgang, der direkt auf die Kuppel von S. Peter gerichtet ist. Vielleicht von Piranesi, der wenigstens die Gebäulichkeiten angab.

Eine Menge kleinerer Villen verdanken einen bisweilen unbeschreiblichen Reiz wesentlich ihrer Lage und Aussicht. (Die ruinierte Vigna Barberini bei S. Spirito; die ebenfalls ganz vernachlässigte Villa Spada hinter der Acqua Paolina, nebst den übrigen Villen des Janikulus; Villa Spada oder Mills auf dem Palatin, deren erbärmliches jetziges Kasino diese Stelle nicht ewig verunzieren wird; der Garten der Passionisten auf dem Coelius u. a. m.) Andere, auch in wenig bevorzugter Lage, enthalten doch einzelne Elemente von großem Reiz oder erwecken durch ihren Charakter dieselbe Stimmung, welche jene größern und berühmten Anlagen hervorrufen. (Mehrere ganz anspruchslose an der Straße von den Diokletiansthermen nach Porta S. Lorenzo, andere an der Straße von S. Maria maggiore nach dem Lateran; in der Nähe des letztern Villa Massimi und Villa Altieri, letztere mit schönen Laubgängen und einer großen Pinie, sowie auch Villa Wolkonski, deren Hauptwirkung auf den Trümmern des Aquäduktes beruht.)

Nicht eine Anlage, sondern nur ein wonnevoller Ort war der Zypressenhain der Villa Poniatowski, nutzlos dem Boden eben gemacht im Jahr 1849. Die Baumfeindschaft ist im heutigen Italien ein populärer Zug.

Von den neapolitanischen Villen reicht keine bedeutende über das vorige Jahrhundert hinauf. Die zum Teil ältern Anlagen auf dem Vomero sind im Gartenstil den römischen auf keine Weise zu vergleichen, auch ganz wasserlos, allein so gelegen, daß die Aussicht auch die prächtigste Einrahmung würde vergessen machen. Floridiana ist völlig modern, Belvedere zum Teil; Villa Patrizi und Villa Ricciardi (diese mit doppeltem Blick, gegen das Meer und gegen Camaldoli) sind älter; die traumhafte Herrlichkeit der Aussicht haben sie mit dem ganzen Höhenzug gemein. Von den Bourbonenvillen des vorigen Jahrhunderts nimmt der Park von Caserta nicht durch Aussicht, allein durch die Anlage, den ersten Rang ein. Außerdem Capodimonte, Quisisana bei Castellamare, Portici usw. – Als moderne Gründung ist der hintere Teil der Villa reale in Neapel seiner vielartigen tropischen Vegetation gemäß mit Recht in landschaftlichem, nicht in architektonischem Sinne angelegt.

In Genua hemmen die starken Winde den edlern Baumwuchs, und die Wasserarmut der Höhen ringsum fügt eine weitere Einschränkung hinzu. Der Garten des Pal. Doria ist, wie bemerkt, eine alte Anlage; wirksames Terrassenwerk mit Grotten bietet wohl dieses und jenes Landhaus, doch die Gartenanlagen sind vegetabilisch ganz gering. Die kleine Villa des Marchese di Negro ist mehr ein entzückender Punkt als ein wichtiger Garten. Das Schönste, was mir bekannt ist, gewährt der Garten des schon genannten Pal. Pallavicini außerhalb Aquasola, welcher eine obere und eine untere Terrasse mit Grotten usw. bildet. Hinter dem Palast sind es aber doch eben nur magere Zypressen statt der römischen Eichen (S. 333, a). Eine sehr ansehnliche Terrassenanlage verspricht (wenigstens von außen) die Villa Durazzo, jetzt Grappallo, al Zerbino. – Die Villen der Umgebung, unter welchen sich sehr prachtvolle befinden sollen, sind mir nicht hinlänglich aus eigener Anschauung bekannt; die des Marchese Pallavicini in Pegli ist von modernem, englischem Gartenstil.

Auch über die alten venezianischen Villengärten an der Brenta und deren jetzigen Bestand vermag ich keine Auskunft zu geben.

Auf dem altvenezianischen Festland genießt der Garten Giusti in Verona wegen seiner Zypressenterrassen einen gerechten Ruhm; im alten Herzogtum Mailand der ungeheure Park von Monza (voriges Jahrhundert) und vor allem die borromeischen Inseln. (Die Anlagen seit 1671.) In betreff der Isola bella läßt sich wohl nicht leugnen, daß die Aufgabe, wenn das Bauliche so vorherrschen durfte, sich phantasiereicher hätte lösen lassen als durch zehnfache, immer kleiner werdende Wiederholung eines und desselben Motives, allein wer mag hier unter dem noch immer unwiderstehlichen Phantasieeindruck mit dem Erfinder rechten? – Isola madre mit ihrer mehr ländlich verteilten, mit Durchblicken auf die Dörfer am See abwechselnden und dabei hochsüdlichen Vegetation wird je nach Stimmung und Geschmack mehr Gefallen erregen.

In den Villen am Comersee, welche fast sämtlich durch steile Ufer bedingt sind, ruht das Hauptgewicht bei weitem mehr auf Architektur und Aussicht, als auf planmäßigen Gärten. Das bedeutendste Terrassenwerk hat wohl Villa Sommariva, den schönsten Garten Villa Melzi.

 << Kapitel 30  Kapitel 32 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.