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Der Cicerone

Jacob Burckhardt: Der Cicerone - Kapitel 25
Quellenangabe
typetravelguide
booktitleDer Cicerone
authorJacob Burckhardt
year1986
publisherAlfred Kröner Verlag
addressStuttgart
isbn3-520-13404-7
titleDer Cicerone
pagesI-XIV
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Auch der große Baldassare Peruzzi (1481–1536) gehört zu denjenigen, auf welche Bramante einen starken Eindruck gemacht hatte. Seine Tätigkeit teilt sich hauptsächlich zwischen Siena und Rom, und zwar mit mehrmals wechselndem Aufenthalt. In Siena werden ihm eine ganze Anzahl meist kleiner Gebäude, auch einzelne Teile solcher zugeschrieben; bedrängt und sehr bescheiden wie er war, entzog er sich auch untergeordneten Aufträgen nicht. (Seine dekorativen Arbeiten S. 227, 250.) Laut Romagnoli wären von ihm die Paläste Pollini und Mocenni nebst dem Innern von Villa Saracini; der Arco alle due porte; das Kloster der Osservanza außerhalb der Stadt; die Kirchen S. Sebastiano und del Carmine, die Fassade von S. Marta, das meiste an S. Giuseppe, der jetzige Innenbau der Servi (oder Concezione) und der kleine Hof hinten über S. Caterina. So vieles mir von diesen Bauten bekannt ist, sind es lauter Aufgaben, bei welchen mit sehr sparsamen Mitteln, hauptsächlich durch mäßiges Vortreten backsteinerner Pfeiler und Gesimse in schönen Verhältnissen, das mögliche geleistet ist, mehrmals mit genialer Benutzung des steil abfallenden Erdreichs. Für das flüchtige Auge ist hier kein auffallender Reiz geboten; man muß die äußerste Beschränkung des Aufwandes mit erwägen, um das Verdienst des Baumeisters zu würdigen. Vielleicht wird das in seiner Armut so reizend schöne Höfchen bei S. Caterina, in welchem der Geist Bramantes lebt, am ehesten den Beschauer für diese unscheinbaren Denkmäler gewinnenIn der Villa Santa Colomba, die dem Collegio Tolomei gehört, soll sich eine vorzüglich schöne Wendeltreppe von Peruzzi erhalten haben. . (In der Concezione dürfen die spitzbogigen Gewölbe der Seitenschiffe der Basilika nicht befremden; Peruzzi hatte das Gotische studiert und sogar für S. Petronio in Bologna eine Fassade dieses Stiles entworfen. S. 142, a.)

In Rom hatte er bedeutenden Anteil am Bau von S. Peter (s. unten bei Michelangelo). Sodann gehört ihm die berühmte Farnesina, die er im Auftrag des sienesischen Bankiers Agostino Chigi erbaute. Es ist unmöglich, eine gegebene Zahl von Sälen, Hallen und Gemächern anmutiger in zwei Stockwerken zu disponieren, als hier geschehen ist. Neben der vornehm grandiosen Villa Madama erscheint diese Farnesina als das harmlos schönste Sommerhaus eines reichen Kunstfreundes. Durch die besonnenste Mäßigung der architektonischen Formen behält der mittlere Hallenbau mit den vortretenden Seitenflügeln eine Harmonie, die ihm eine Zutat von äußern Portiken mit Giebeln u. dgl. nur rauben könnte. Die einfachsten Pilaster fassen das obere und das untere Stockwerk gleichsam nur erklärend ein; das einzige plastische Schmuckstück, das denn auch wirkt wie es soll, ist der obere Fries. (Über die Bemalung s. S. 276, a.) Die kleinen Mittelstockwerke (Mezzaninen) sind (wie in der guten Zeit überhaupt, zumal an einem kleinen Gebäude) verhehlt; die Fenster des untern sind ganz ungescheut zwischen den Pilasterkapitellen, die des obern im Fries angebracht. Die malerische Ausstattung, deren Ruhm das Bauwerk als solches in den Schatten stellt, wird unten zur Sprache kommen.

Der Raum war hier frei, Licht und Zugang von allen Seiten gegeben. Aber Peruzzi wußte, ohne Zweifel von seinen sienesischen Erfahrungen her, auch im Engen und Beschränkten groß und bedeutend zu wirken; Bedingungen solcher Art steigerten seine Kräfte, ähnlich wie ungünstige Wandflächen für Fresken diejenigen Raffaels. Eines der ersten Denkmäler Italiens bleibt in dieser Hinsicht der Pal. Massimi zu Rom; an einer engen, krummen Straße, die denn allerdings die strengeren Fassadenverhältnisse unanwendbar machte. Peruzzi konzentrierte gleichsam die Krümmung, machte sie zum charakteristischen Motiv in Gestalt einer schönen und originellen kleinen Vorhalle, die schon in den wachsenden und abnehmenden Intervallen ihrer Säulen und in ihrem Abschluß durch zwei Nischen diese ihre außergewöhnliche Bestimmung ausspricht. Von ihr aus führt ein Korridor in den Hof mit Säulen und geraden Gebälken, der mit seinem kleinen Brunnen und dem Blick auf die Treppe ein wiederum einzig schönes und malerisches Ganzes ausmacht. Die Dekoration, durchgängig strenger klassizistisch als die oben angeführten Sachen in Siena, verrät die späteste Lebenszeit des Meisters. (Ausgeführt von Udine.)

Ebenso der kleine Palast an der Straße, welche von Pal. Massimi gegen Pal. Farnese führt; nach den Lilien zu urteilen, möchte er ebenfalls für die Farnesen gebaut sein. Die Urheberschaft Peruzzis wird bezweifelt; jedenfalls würde ihm dieses trotz Vermauerung der Loggien und Verunzierung aller Art noch immer schöne Gebäude keine Unehre machen. Als enger Hochbau mit vielen Fenstern nähert es sich etwas den genuesischen Palästen.

Der Hof von Pal. Altemps, vorn und hinten mit reichstukkierten Pfeilerhallen, auf der Seite mit Pilastern, wird ebenfalls dem Peruzzi zugeschrieben. – Bei diesem Anlaß ist am besten aufmerksam zu machen auf einen schönen Palast, dessen Namen und Erbauer ich nicht habe erfragen können, Via delle coppelle N. 35Möglicherweise vom jüngern San Gallo, der laut Vasari unweit S. Agostino einen Palast für Messer Marchionne Baldassini gebaut hat. Perin del Vaga malte darin einen Saal. . Der bescheidene und elegante Pilasterhof steht etwa zwischen Giulio Romano und Peruzzi in der Mitte.

Wenn in Bologna die großartige Fassade des Palazzo Albergati von Peruzzi ist, so muß ihm irgendeiner der bolognesischen Dekoratoren das Erdgeschoß verdorben haben. Die Fenster, auf einfach derbe viereckige Einfassung berechnet, bilden mit ihrem jetzigen niedlichen Rahmen von Kannelüren, Konsolen usw. keinen echten Gegensatz mehr zu den gewaltigen Fenstern des Obergeschosses. Auch die Türen und der Sims über dem Sockel sind Peruzzis unwürdig. – Die Fassade des Pal. Fioresi, mit ihren dünnen Säulchen unten vor den Pfeilern, oben vor der Wand, ist bestimmt nicht von ihm entworfen, sondern eine rechte Frührenaissanceform. (Das Innere viel später, übrigens gut disponiert, besonders die Treppe.)

Hierher ist auch am ehesten Pal. Spada einzureihen, dessen Urheber (um 1540) nicht genannt wird. Dieses eigentümliche Gebäude muß uns ein verlorenes ähnlicher Art ersetzen, nämlich das Haus, welches Raffael nach seinem oder Bramantes Entwurf für sich selbst im Borgo unweit S. Peter erbaute. Pal. Spada erscheint, nach allem zu urteilen, wie eine Kopie davon. Es ist ein geistvoller Versuch, ein architektonisches Gefühl durch die Skulptur, durch Statuen in Nischen, und freibewegten vegetabilischen Schmuck, nämlich Fruchtschnüre von Genien getragen usw. auszudrücken. (Wenn ich nicht irre, so kam die Idee von ähnlich bemalten Fassaden, S. 276, her und ist als Übertragung dieser zu betrachten.) Am Pal. Spada ist das Erdgeschoß als ruhige Basis behandelt, außen Rustika, innen eine schöne dorische Pfeilerhalle; erst die obern Stockwerke entwickeln außen und innen jene plastische Pracht. Der Exekutant war, wie gesagt, ein Lombarde, Giulio MazzoniCasa Crivelli, Via S. Lucia, ist nur ein sehr geringes Spezimen dieser Gattung. – S. unten, S. 298, g, die Villa Pia. .

(In der Nähe, gegen Ponte Sisto zu, zwei gute einfache Renaissancehäuser.)

Neben Bramante, Giulio und Peruzzi erscheint der jüngere Antonio da San Gallo († 1546) als ein sehr ungleiches und vielleicht innerlich nie ganz selbständiges Talent. Dagegen wurde ihm Gunst und hohe Stellung in reichem Maße zuteil. Seine Arbeiten zeugen immer von der goldenen Zeit, weil sie wenig Falsches und Überladenes haben; allein sie sind meist etwas nüchtern. – Die achteckige Kirche S. Maria di Loreto (auf Piazza Trajana) ist innen durch neuere Stukkierung, außen durch die abgeschmackte Lanterna des Giovanni del Duca entstellt, war aber von jeher keine der edlern Renaissancekirchen. – Das Innere von S. Spirito einfach und tüchtig; die nahe gelegene Porta schon sehr empfindungslos. – Das Innere von S. Maria di Monserrato ist nach allen (auch ganz neuerlichen) Restaurationen kaum mehr sein Eigentum; der ehemals schöne kleine Hof dahinter (den der Verfasser zum letztenmal in vollem Umbau begriffen sah) war es vielleicht nie. – Dagegen ist Pal. Sacchetti (Via Giulia) unstreitig von ihm und sogar zu seiner eigenen Wohnung erbaut, überdies wohlerhalten; von allen Gebäuden jener Zeit vielleicht dasjenige, das bei großen Dimensionen und einem gewissen Luxus am wenigsten Eigentümliches hat. – Was wäre vollends aus Pal. Farnese geworden, wenn nicht Michelangelo später den Bau auf seine Schultern genommen hätte? Der kolossale Maßstab allein hätte das Gebäude nicht gerettet. Die kleinen, eng aneinandergerückten Fenster stehen zu den enormen Mauermassen im allerschlechtesten Verhältnis, und ihre prätentiöse Bekleidung mit Säulen läßt dies nur noch empfindlicher bemerken. Alle Hallen und Treppen des Innern haben etwas Schweres und Gedrücktes und eine abscheuliche Gesimsbildung. Nur die schöne dreischiffige Eingangshalle mit dem herrlich kassettierten Tonnengewölbe in der Mitte macht eine auffallende Ausnahme; der Hof aber ist von Michelangelo (auch das untere Stockwerk, so viel davon nicht einwärts schaut), der bekanntlich auch das große Kranzgesimse des Palastes angab. – An der Sala regia des Vatikans ist bloß die allgemeine Anordnung von San Gallo; die bedeutende Wirkung beruht aber wesentlich auf den Stukkaturen (S. 274, d) und auf den Wandgemälden (als Ganzes, denn im einzelnen sind sie nicht zu rühmen). Mit der anstoßenden Capella Paolina verhält es sich ähnlich. – Die beiden kleinen Kirchlein auf den Inseln des Bolsener Sees kenne ich nicht aus der Nähe.

Endlich werden diesem Meister eine Anzahl von Schloß- und Festungsbauten zugeschrieben. Wenn das majestätische Hafenkastell von Cività vecchia wirklich von ihm ist (man traut es gewöhnlich dem Michelangelo zu), so würde er in der Kunst, mit wenigen Formen groß zu wirken, einer der ersten gewesen sein. Er übertraf hier noch die seinem Oheim, dem altern Antonio, zugeschriebene Veste von Cività castellana. Das Kastell von Perugia kam vor seiner teilweisen Zerstörung (1849) diesen beiden im Stil nicht gleich. Die Festungsmauern von Nepi sind wenigstens in ihrem sekulären Verfall höchst malerisch; die Bauten in Castro kenne ich nicht. (Das Kastell von Palo auf der Straße nach Cività vecchia soll von Bramante sein.) Von dem als Archäolog in zweideutigem Ruf stehenden Pirro Ligorio (starb 1580) ist die um 1560 erbaute Villa Pia im großen vatikanischen Garten. Mit der passenden vegetabilischen Umgebung wäre sie der schönste Nachmittagsaufenthalt, den die neuere Baukunst geschaffen hat; kein Sommerhaus wie die Farnesina und Villa Madama, sondern nur ein päpstliches Gartenhaus nebst Vorpavillon, zwei kleinen getrennten Eingangshallen, kühlenden Brunnen und einem köstlich unsymmetrisch angebauten Turm mit Loggia, alles terrassenförmig abgestuft. Hier tritt denn auch die reiche plastische Fassadenverzierung als scheinbarer Ausdruck ländlicher Zwanglosigkeit in ihr bestes Recht.

In Florenz hat gerade der kurze Moment der höchsten Blüte keine Denkmäler ersten Ranges zurückgelassen. Doch ist derselbe (abgesehen von den beiden raffaelischen Palästen) durch einen höchst ansprechenden Künstler in kleinern Bauten vertreten, durch Baccio d'Agnolo (1460 bis 1543). Er übernahm die Palastarchitektur ungefähr da, wo sie Cronaca gelassen; das Äußere überschreitet fast nie die Formen, welche dieser am Pal. Guadagni entwickelt hatte, und ist meist weniger bedeutend. In den Höfen ist das bisherige florentinische Prinzip mit der einfachsten Eleganz durchgeführt; selbst die reichern Säulenordnungen erscheinen Baccio zu bunt, und er beschränkt sich meist auf die sog. toskanische, welcher er aber bisweilen durch eine feine Blattlage um den Echinus eine leise Zierlichkeit zu geben sucht.

Eine Ausnahme bildet zunächst die mehr plastisch durchgeführte Fassade von Pal. Bartolini (jetzt Hôtel du Nord, bei S. Trinità). Die Ecken bedeutend als Pilaster mit Rustika behandelt, zwischen den Fenstern Nischen; über den Fenstern (als frühstes und deshalb vielverspottetes, bald mit Übertreibung nachgeahmtes Beispiel) Giebel, abwechselnd rund und geradlinig, etwa von den Altären des Pantheons entlehnt; bisher nur an Kirchen gebräuchlich; die Fenster noch mit besonders derb gegebenen Steinkreuzen; das schwere und rohe Gesimse angeblich auch von Baccio. – Ein anderes höchst originelles Gebäude ist der kleine Pal. Serristori auf dem Platz S. Croce; Baccio mußte hier das Recht des Überragens der obern Stockwerke, zwar nicht vorn, aber auf beiden Seiten nach den Nebengassen, benutzen und mit seinem klassischen Detail in Einklang bringen; es ist lehrreich zu sehen, wie ihm dies gelang.

Andere Paläste sind außen schlicht, zeigen aber den Organismus des Hofes vorzüglich fein und angenehm durchgeführt. So vor allem Pal. Levi (Via de' Ginori N. 5146), wo die Schlußsteine der Bögen noch Akanthuskonsolen bilden. – Pal. Roselli del Turco, bei SS. Apostoli, ist für Architekten sehenswert wegen der schönen und nachdrücklichen Gliederung der innern Räume, besonders der Treppe (Konsolen, Gesimse, Steinbalken, Lünetten). Von Einzelheiten sind der stattliche eiserne Ring an der Ecke und das figurierte Kamin im vordem Saal nicht zu übersehen.

Nur unscheinbar in seinem jetzigen Zustande, aber für Architekten wichtig ist endlich ein Lusthaus, welches von Baccio für die Familie Strozzi Ridolfi erbaut und 1638 von Silvani vergrößert wurde. Absichtslos unregelmäßig, mit Säulenhof, Nebenhof, Gartenhalle und Turm bildet es eine für ergänzungsfähige Augen sehr reizende halbländliche Anlage. (Via Gualfonda oder Chiappina, N. 4432.)

Von Kirchen Baccios ist mir nur das Innere von S. Giuseppe (1519) bekannt; eine schlichte korinthische Pilasterordnung mit Gesimse umzieht die Bogeneingänge der ebenfalls ganz einfachen Kapellen; am Oberbau scheint manches verändert. – Die von Baccio entworfene (und auf der einen Seite schon ausgeführte) Umkleidung der Domkuppel mit Galerie und Gesimse, die recht gut für diese Stelle gedacht war, blieb unvollendet, weil Michelangelo sagte, es sei ein Heuschreckenkäfig, dergleichen die Kinder in Italien aus Binsen flechten. – Die Zeichnung zum Fußboden des Domes wird unter andern Künstlern auch dem Baccio zugeschrieben; es ist das bedeutendste Werk dieser Art, welches aus der Blütezeit vorhanden ist. – Der Turm von S. Spirito wird nur in Florenz bewundert; derjenige von S. Miniato ist nur unvollkommen erhalten. – In S. Maria novella steckt der, wie man sagt schöne, Orgellettner Baccios in dem jetzigen hölzernen verborgen.

Mehrere Gebäude, deren Urheber nicht genannt wird, zeigen eine große Ähnlichkeit mit seinem Stil. So unter anderm der kleine mittlere Hof des (sonst neuern) Pal. Bacciochi (Via de' Pucci N. 6117).

Von Baccios Sohn Domenico rührt der stattliche Pal. Buturlin (einst Niccolini, Via de' Servi N. 6256) her; die Fassade wiederholt noch den Typus des Pal. Guadagni; innen ein schöner zwölfsäuliger Hof und darüber der Oberbau; die Formen um einen Grad kälter als in den Bauten des Vaters.

Ein Nachahmer Baccios, dessen Tätigkeit bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts reicht, Giov. Ant. Dosio (geb. 1533), muß wegen eines vorzüglichen Gebäudes schon in dieser Reihe genannt werden: wegen des Pal. Larderel (Via de' Tornabuoni N. 4191), welchen man wohl nicht den schönsten Palast, allein das edelste Haus der florentinischen Architektur heißen könnte. Es ist die Vereinfachung des Pal. Bartolini, streng der Horizontale unterworfen, mit dreimaliger toskanischer Ordnung an den Fenstersäulen. – Dosios übrige Bauten folgen dem Stil der Zeit, so die Kapelle Gaddi in S. Maria novella (zweite d. 1. Querschiffes) der Säuleneinschachtelung des Michelangelo (die tüchtigen Stukkaturen der Decke von Dosios eigener Hand); auch die Kapelle Niccolini in S. Croce hat nichts Eigentümliches; wohl aber der in seiner Einfachheit merkwürdig malerische Hof des Arcivescovado, welcher mit äußerst Wenigem einen bedeutenden Eindruck hervorbringt.

Sonst trägt in Florenz noch den kenntlichen Stempel der goldenen Zeit der Mercato nuovo des Bernardo Tasso 1547 (nicht von Buontalenti). Edler, großartiger und einfacher ließ sich die Aufgabe für dieses Klima nicht wohl lösen, als durch diese Halle geschehen ist.

Dem Bildhauer Baccio da Montelupo wird die Kirche S. Paolino in Lucca zugeschrieben, die dem Stil nach um 1530 fällt. Innen und außen der einfachste, sogar trockene Pilasterbau; nur die Frontwände innen mit vorgekröpften Säulen verziert. Es ist Brunellescos Badia von Fiesole ins 16. Jahrhundert übertragen, selbst in betreff der Anordnung der Seitenschiffe.

In Padua wurde während der ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts die Kirche S. Giustina erbaut von Andrea Riccio, eigentlich Briosco, den wir schon als Dekorator und Erzgießer genannt haben. Nach seinem berühmten Kandelaber im Santo zu urteilen (S. 241), würde man einen schmuckliebenden, im Detail wirkenden Baumeister der Frührenaissance in ihm erwarten, allein die Justinenkirche gibt nichts als großartige Disposition in ungeheurem Maßstab. Die Grundlage ist eine ähnliche wie in den oben (S. 193 ff.) erwähnten Kirchen südlich vom Po, verbunden mit dem in der Nähe Venedigs unerläßlichen Vielkuppelsystem, allein die Durchführung geschieht mit lauter Mitteln, die auf das Ganze berechnet, also über die Frührenaissance hinaus sind.

Die Nebenschiffe wurden mit ungeheuern Tonnengewölben bedeckt, welche unmittelbar die jedesmalige Hochkuppel oder Flachkuppel tragen; hohe Durchgänge durchbrechen unten die Stützwände; Reihen von tiefen Kapellen schließen sich auf beiden Seiten an. Die Querarme sind rund abgeschlossen, ebenso ihre Seitenräume und die des beträchtlich verlängerten Chores, so daß das Auge überall auf Nischen trifft.

Von den Kuppeln würde die mittlere mit ihren vier kleinen Eckkuppeln genügen und wahrscheinlich auch dem Künstler genügt haben. Die paduanische Sitte zwang ihn, noch drei andere Kuppeln rechts, links und hinten beizufügen, die er zwar etwas kleiner und weniger schlank als die mittlere bildete; gleichwohl sind sie derselben im Wege, decken sich, schneiden sich unschön und tragen zur Wirkung des Innern sehr wenig bei. Immerhin sind die Torheiten der Baumeister des Santo nach Kräften vermieden. Eine auffallend geringe, rohe Bildung und dunkle Färbung der Pilasterkapitelle, auch der Gesimse macht es nötig, das Auge etwas an dieses Innere zu gewöhnen, welches nicht nur an Größe, sondern auch an Wohlräumigkeit eines der ersten der goldenen Zeit ist.

Außen ist die Fassade noch nicht inkrustiert. Die Seitenschiffe haben lauter einzelne Flachgiebel, den großen Tonnengewölben des Innern entsprechend.

Seit der Mitte des Jahrhunderts wurde dann von Andrea della Valle und Agostino Righetto der jetzige Dom zu Padua erbaut. Daß ein Entwurf von Michelangelo zugrunde liege, ist kaum glaublich, da die Verwandtschaft mit den nahen oberitalischen Bauten viel größer ist, als diejenige mit den seinigen; wohl aber mag man bei der Behandlung der kuppeltragenden Tonnengewölbe und ihrer Eckräume auf sein Modell von S. Peter hingeblickt haben, welches damals einen noch ganz frischen Ruhm genoß. Das Langhaus wird zuerst durch ein kürzeres Querschiff mit kleinerer Kuppel unterbrochen, dann durch ein größeres mit einer (modernen) höheren Kuppel und runden Abschlüssen. Die Seitenschiffe sind lauter kleine Kuppelräume mit anstoßenden Kapellen. Die Bildung der Pilasterkapitelle und Gesimse zeigt die Übelstände derjenigen von S. Giustina in noch höherem Grade.

Die Wirkung dieses Innern hängt, wie bei so vielen Kirchen, vom Schließen und Öffnen der Vorhänge ab. Hat man die Kirche bei geschlossenen Vorhängen der Kuppelfenster und offenen der (weitherabreichenden) Chorfenster gesehen, so glaubt man in ein ganz anderes Gebäude zu treten, wenn das Verhältnis ein entgegengesetztes ist. Die Bequemlichkeit der Sakristane, welche sich mit den Vorhängen in der Kuppel nicht gerne abgeben, raubt bisweilen einem Gebäude jahrelang seine beste Bedeutung. – Die Fassade ebenfalls nackt.

Wie aus Trotz gegen den venezianischen Engbau sind diese Kirchen in kolossalem Maßstab angelegt. Mäßiger verfuhr in dem zur Provinzialstadt gewordenen Padua der Profanbau, welcher sich hier in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts hauptsächlich an den Namen des Veronesers Giov. Maria Falconetto (1458–1534) knüpft. Was er am Pal. del Capitaniato gebaut hat, möchte sich etwa in betreff der Fassade gegen den Signorenplatz auf die mittlere Pforte mit dem Uhrturm, in betreff derjenigen gegen den Domplatz (jetziges Leihhaus) auf das obere Stockwerk über der (mittelalterlichen) Bogenhalle beschränken; beides keine Bauten von höherm Belang. Sodann gehören ihr mehrere Stadttore: P. S. Giovanni, P. Savonarola usw. Das erstgenannte (1528) ahmt, außen mit Halbsäulen, innen mit rohgelassenen Pilastern, die Form eines einfachen antiken Triumphbogens nach, selbst in der Anordnung der FensterDie übrigen Tore von Padua sind etwas früher, z. B. Porta S. Croce und Porta Livia von 1517; Porta Portello soll von Gugl. Bergamasco sein. . Die Kirche delle Grazie, welche ihm zugeschrieben wird (unmöglich mit Recht), ist ein geringer Barockbau; die kleine Musikhalle, die er gebaut haben soll, la Rotonda genannt, habe ich nicht erfragen könnenEinen wunderlichen Rundbau – breiter Umgang mit Nischen um ein ganz schmales Kuppelchen auf acht Säulen – findet man allerdings in Gestalt der Kirche S. Maria del Toresino; noch aus dem 16. Jahrhundert mit Ausnahme der Fassade. .

Weit das schönste, was Falconetto hinterlassen hat, findet sich am Palast Giustiniani, ehemals Cornaro, beim Santo, N. 3950. Der Hof dieses von außen unscheinbaren Gebäudes wird von zwei im rechten Winkel stehenden Gartenhäusern begrenzt (datiert 1523), die noch im äußersten Verfall jenen unzerstörbaren Charakter der Lustgebäude des goldenen Zeitalters an sich tragen. Das eine mit Wandsäulen, das andere mit Pilastern in zwei Stockwerken; jenes einen obern und einen untern Saal, dieses ein köstliches achteckiges Gemach mit Nischen, ein paar Nebenräume, und oben eine offene Loggia enthaltend; die Räume großenteils voll der herrlichsten Malereien und Arabesken (S. 272, f). Der Geist des wahren Otium cum dignitate, der in diesen Räumen lebt, wird freilich heutzutage so selten, daß ein volles Verständnis des Gebäudes eine gewisse Anstrengung erfordert. Unser Geschlecht sucht in seinen derartigen Zierbauten nicht den Genuß, sondern die Abspannung oder die Zerstreuung, daher ist ihm entweder das Formloseste oder auch das Bunteste willkommen. Das Vorbild Falconettos hielt in Padua noch einige Zeit die bessere Architektur aufrecht. Der obere Hof im Pal. del Podesta und mehrere einfache Privatpaläste geben hiervon Zeugnis. Auch der vierte Klosterhof bei S. Giustina, dessen Bogenpfeiler unten mit ionischen, oben mit korinthischen Halbsäulen bekleidet sind, ist ein gutes Gebäude. (Es soll sich unter den Höfen dieses Klosters einer von Pietro Lombardo befinden, was kaum auf einen von den fünfen passen kann, welche ich gesehen habe, ausgenommen etwa auf den zweiten, noch halb mittelalterlichen. Sonst sind mir nur die einfachen Renaissancehöfe beim Seminar bekannt.)

In Verona ist die Blütezeit der Baukunst repräsentiert durch Michele Sanmicheli (1484–1559), welcher seine wesentlichen Anregungen schon frühe in Rom fand und auch seine ersten Gebäude im Kirchenstaat ausführte. (Dom von Montefiascone; S. Domenico (?) in Orvieto; auch Privatgebäude an beiden Orten.) Später wurde ihm hauptsächlich als Festungsbaumeister Ruhm und reichliche Beschäftigung zuteil, doch blieb ihm nicht nur Zeit und Anlaß für Prachtbauten übrig, sondern er durfte auch den Festungsbau selbst mit einer Majestät der Ausführung behandeln, welche nur selten wieder so gestattet und noch seltener wieder erreicht worden ist.

Im Dienst seines Souveräns, der Republik Venedig, vergrößerte und verbesserte er fast alle Befestigungen, welche dieselbe nah und fern (bis Cypern) besaß. Bei Venedig selbst gehört ihm die Fortifikation des Lido; in Verona die wichtigsten Basteien und Tore. Der militärische Wert seiner Neuerungen wird sehr hoch angeschlagen; wir haben es nur mit dem Stil seiner Tore zu tun. – Von unfertigen Römerbauten, wie z. B. das Amphitheater von Verona, abstrahierte er (vielleicht von allen Architekten zuerst?) die Befugnis, nicht bloß Flächen, sondern auch Gliederungen (Säulen, Wandsäulen, Pilaster usw.) mit Rustika zu bekleiden; sein Zweck war, den ernsten, trotzigen Charakter des Festungsbaues mit der Schönheit des dorischen Säulensystems und seiner Verhältnisse zu verbinden. Allerdings entstanden Zwitterformen, indem die regelrecht gebildeten Gebälke und Kapitelle zu dem roh gelassenen übrigen nie passen können, allein Sanmicheli war der Künstler dazu, dieses vergessen zu machen. Porta nuova zeigt sowohl an den beiden Fronten als (und hauptsächlich) in der Durchfahrt mit deren Seitenhallen eine imposante Anwendung seines Prinzips ohne alles Schwere und Plumpe, in vortrefflichen Verhältnissen. Porta Stuppa (oder Palio), schon lange zugemauert, eine quer über den Weg gestellte Halle von fünf Bogen mit (nicht ganz richtig erneuerter) Attika, wirkt durch Einheit des Motives in diesen gewaltigen Dimensionen noch großartiger. (Man bemerkt, wie Sanmicheli durch sehr schlanke Bildung seiner dorischen Halbsäulen die rohe Bossierung derselben wieder aufzuwägen suchte.) Porta S. Zeno, anspruchsloser, ist ebenfalls von ihm; Porta S. Giorgio dagegen (1525) der unbedeutende Bau eines weniger Entschlossenen.

Von dieser einseitigen Beschäftigung her behielt Sanmicheli (und nach ihm fast die ganze spätere veronesische Architektur) eine Vorliebe für das Derbe auch an den Erdgeschossen der Paläste. Er behandelte sie mit lauter Rustika, ohne sich doch entschließen zu können, ihnen in diesem Fall den entschiedenen Charakter eines bloßen Sockelgeschosses zu geben, wie Palladio nachmals und wie z. B. Raffael und Giulio Romano schon um dieselbe Zeit taten. Gleichwohl wirken diese Gebäude immer sehr bedeutend durch die mächtige Behandlung des Obergeschosses mit seinen wenigen und großen Teilen und der ernsten Pracht seiner Ausführung.

Das frühste dieser Gebäude in Verona möchte Pal. Bevilacqua sein; oben mit spiralförmig kannelierten Säulen, zwischen welchen abwechselnd große triumphbogenartige und kleinere Fenster mit Oberluken sich öffnen. – Pal. Canossa; außen einfacher; das ganze Erdgeschoß eine offene Halle, durch welche man in einen Pilasterhof nach Art der römischen Schule hinausblickt, dessen Hintergrund die herrliche Landschaft jenseits der Etsch bildet. (Das kleine Mittelstockwerk oder Mezzanin gehört außen noch zum untern Rustikageschoß; im Hof bildet es schon ein nicht glückliches besonderes Glied.) – Es folgt der einfach herrliche Pal. Pompei; hier gab Sanmicheli die untere Ordnung auf und verlieh dem Erdgeschoß schon mehr den Charakter eines bloßen Unterbaues; die obere dorische Ordnung faßt fünf große Fensterbogen (über welchen Masken) ein; der Hof ist nicht bedeutend. Pal. Verzi, auf Piazza Brà N. 2989, der einfachste. – Die alte Gran-Guardia auf demselben Platz ist nicht von Sanmicheli, sondern von seinem Verwandten Domenico Cortoni; die beiden Stockwerke stehen in keinem guten Verhältnis zueinander.

In Venedig ist von Sanmicheli der Pal. Grimani (jetzige Post), welcher in der großartigen Einteilung der Fassade über alles Maß venezianischer (auch Sansovinischer) Raumbehandlung hinausgeht, dabei gleichwohl auch den Eindruck des Phantastisch-Festlichen erreicht, welchen die Baukunst am Canal grande verlangt. Im Erdgeschoß emanzipiert sich der Meister von seiner kontinentalen Derbheit, und vollends die untere Halle ist wohl die einzige wahrhaft würdige in ganz Venedig. – Auch Pal. Corner-Mocenigo, auf Campo S. Polo, ist sein Werk. Ebenso Pal. Soranzo in Castelfranco (zwischen Padua und Treviso), wenn er noch vorhanden ist.

Von einzelnen Portalen in Verona werden die beiden auf dem Signorenplatz, an der Polizei und am Tribunalgebäude, ihm beigelegt.

Von seinen Kirchenbauten ist dem Verfasser die berühmte Madonna di Campagna wegen ihrer Entfernung, die Rundkapelle bei S. Bernardino wegen Verwendung der Kirche zum Kriegsmagazin unzugänglich geblieben. – An S. Giorgio in Braida soll nach einigen bloß der Turm, nach andern der Kuppelraum oder gar das Ganze von Sanmicheli sein; einschiffig und ohne Querbau, gleichwohl aber von reicher und bedeutender Gliederung des Innern. (Vortretende Pfeiler mit Halbsäulen; im Zylinder der Kuppel ein Kreis von 20 Pilastern; das Chor etwas enger, mit rundem Abschluß.) An S. Maria in Organo (S. 214, a) ist die unvollendete Fassade nach seinem Entwurf gebaut (1592).

Nur mit einigem Widerstreben reihe ich hier den großen Baumeistern der Blütezeit auch den Florentiner Jacopo Sansovino an. (Geb. 1479, † 1570; er hieß Tatti, erhielt aber jenen Beinamen von dem großen Andrea Contucci-Sansovino, dessen vertrauter Schüler in der Skulptur er war.) Alle andern in dieser Reihe haben ihre Bauwerke frei und großartig nach einer innern Notwendigkeit zu gestalten gewußt; Jacopo dagegen, der mitten unter den erhabensten Bauten von Rom und Florenz die erste Hälfte seines Lebens zugebracht hatte, bequemt sich in der Folge als bauliches Faktotum von Venedig zu allen Spielereien und Liebhabereien der dortigen Frührenaissance und hilft dieselben verewigen. Es muß ihm bei großen Gaben des Geistes und Herzens doch am wahren Stolz gefehlt haben, der lieber eine glänzende Bestellung ausschlägt, als sie gegen besseres Wissen durchführt.

In Rom ist von ihm das Innere von S. Marcello am Corso und der Pal. Niccolini an der Via de' Banchi angegeben; ersteres immer eines der bessern unter den kleinern Interieurs dieses Stiles. – In Venedig bekam er eine Menge von Aufträgen und genoß bis an seinen Tod eine künstlerische Stellung parallel mit seinem Altersgenossen Tizian. – Unter seinen Kirchen ist wohl die beste S. Giorgio de' Greci (1550); einschiffig mit Tonnengewölbe (das in der Mitte von einer Kuppel unterbrochen wird), außen ein schlanker Hochbau von zwei Ordnungen, zu welchen vorn noch eine Art von Oberbau als dritte kommt. In der Behandlung des Ganzen erkennt man leicht die Überlegenheit des an die Rechnung im großen gewöhnten Florentiners; allein derselbe läßt sich doch herbei zu der venezianischen Behandlung des Pilasters (mit Rahmenprofil) und zu einer überaus kleinlichen Verzierung jener obersten Ordnung der Fassade, dergleichen ihm in Rom nicht durchgegangen wäre. – Gleichzeitig baute er (1551) die Fassade der nahen Scuola di S. Giorgio degli Schiavoni, in demselben schreinerhaften Geist, wie die meisten Scuole von Venedig.

Das Innere von S. Francesco della Vigna (1534) ist ein wahrer Rückschritt ins Oberitalienische, wenn man S. Marcello in Rom (1519) damit vergleicht. Nüchterne Pilaster; tiefe Seitenkapellen, aus welchen das meiste Licht kommt. – An S. Martino (1540) sieht man, daß Sansovino bei geringern Mitteln seine Tüchtigkeit wiederfand; er hat einem quadratischen flachgedeckten Raum durch glückliche Einteilung der Wände in niedrigere und höhere Kapellen Bedeutung zu geben gewußt. (Außen fehlt die Inkrustation). – Wiederum von geringerer Anlage: S. Giuliano (1555). – Die Fassade von S. Sebastiano ist aber doch hoffentlich nicht von ihm; so tief kann er nicht gefallen sein. In Padua kann S. Francesco von ihm nur umgebaut, nicht erbaut sein. Die Loggia unten am Markusturm (1540), ehemals der Warteraum für die Prokuratoren, welche während der Sitzungen des großen Rates die Wache zu befehligen hatten, ist im Grunde mehr eine plastische Dekoration als ein Gebäude. Daß die Attika viel zu hoch ist, würde man weniger empfinden, wenn die vorgekröpften Gebälke die beabsichtigten Statuen erhalten hätten.

Von Sansovins Palästen ist offenbar der frühste Pal. Corner della Cà grande (am Canal gr. rechts); man könnte sagen, es sei sein letztes Gebäude von römisch-modernem Gefühl der Verhältnisse; unten Rustika, die beiden obern Stockwerke mit Bogen zwischen Doppelsäulen(1532). – Wenige Jahre später (1536) begann er die Biblioteca an der PiazzettaJetzt teilweise Palazzo reale. , welche man wohl als das prächtigste profane Gebäude Italiens bezeichnen darf. Hier zuerst erfuhren die Venezianer, welche Fortschritte das übrige Italien seit den letzten Jahrzehnten in der Ergründung und Neuanwendung der echten römischen Säulenordnung gemacht hatte; alle bisherige venezianische Renaissance war eine Nachfolge des Altertums auf bloßes Hörensagen hin neben diesem einzigen Werke. Von dem römischen Pilasterbau mit Halbsäulen, wie man ihn von den Theatern und Amphitheatern her kannte, war hier nicht bloß das allgemeine abstrahiert, sondern die sicherste Künstlerhand hatte diese Formen mit der gediegensten plastischen Pracht durch und durch belebt. Wir dürfen glauben, daß Venedig sich an der grandios energischen Behandlung der Halbsäulen und Gesimse, an dem derben Schattenschlag der Gliederungen, vorzüglich aber an dem ungeheuern Reichtum des Figürlichen kaum sattsehen konnte. Allein das Gebäude ist seinem innersten Wesen nach eben nicht mehr als eine prächtige Dekoration, wie die Venezianer sie gerade haben wollten. Mit dem Programm, eine Bibliothek auf diesen Raum zu bauen, hätte sich etwas Bedeutenderes, durch Verhältnisse und Einteilung Sprechendes komponieren lassen. Man brauchte nicht einmal an Bramante, nur z. B. an Peruzzi zu denken, ja nur an Palladios Basilika zu Vicenza. Immerhin ist es eine der glänzendsten Doppelhallen auf Erden, wenn nicht die glänzendste.

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