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Der Cicerone

Jacob Burckhardt: Der Cicerone - Kapitel 23
Quellenangabe
typetravelguide
booktitleDer Cicerone
authorJacob Burckhardt
year1986
publisherAlfred Kröner Verlag
addressStuttgart
isbn3-520-13404-7
titleDer Cicerone
pagesI-XIV
created20040114
sendergerd.bouillon
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Ferrara hat in dieser Beziehung einiges nicht bloß aus der guten Zeit, sondern auch von einem großen Künstler aufzuweisen. Im Erdgeschoß des erzbischöflichen Seminars sind noch die Grau in Grau gemalten Decken zweier Gemächer von Garofalo (bez. 1519) erhalten, welche einen frisch von Rom gebrachten Schwung verraten, noch nicht in der Art der Loggien, sondern der Stanzen. Der Stil der Ornamente ist der Zweifarbigkeit vortrefflich und ohne Schwere angepaßt. – Darauf folgt, ebenfalls noch vom besten, die Bemalung von S. Benedetto; außer einem durchgehenden Fries mit Genien sind vorzüglich die Tonnengewölbe mit ihren von reichen Bändern eingefaßten Kassetten beachtenswert; dies alles ist nur Grau in Grau mit wenigem Goldbraun; die Farbigkeit wurde aufgespart für die Flachkuppel, und die figürliche Komposition in vollen Farben für die Hauptkuppel und die drei Halbkuppeln der Abschlüsse. (Diese von Vincenzo Veronesi ausgemalt.) Die untern Teile sind weiß geblieben, oder überweißt.

Den Ausgang der Gattung in sinnlosem Schwulst zeigen hier die von Girolamo da Carpi in S. Francesco gemalten Zieraten (um 1550, S. 199) und vollends diejenigen in S. Paolo (1575).

Von den Arabesken profaner Gebäude sind diejenigen, welche die zahlreichen Malereien Dosso Dossis und seiner Schule im Kastell umgeben, nicht von höherer Bedeutung. Freier und angenehmer ergeht sich dieselbe Schule in den Deckenmalereien der sämtlichen einigermaßen erhaltenen Räume der Palazzina (S. 201, f); der allerdings erst von den Loggien abgeleitete Stil offenbart hier durch den Rauch der Schmiedewerkstatt hindurch, als welche das Gebäude jetzt dient, seinen unzerstörbaren Reiz.

Von venezianischen Arbeiten gehört die Mosaikierung des Sakristeigewölbes in S. Marco hierher, von welcher unten.

Die große Veränderung, welche zunächst in Rom mit diesem Dekorationsstil eintritt, datiert wohl hauptsächlich von der Entdeckung der Thermen des Titus, welche man nicht nach den erhaltenen Resten in den jetzt zugänglichen Teilen, sondern nach ihrem damaligen Bestande würdigen muß. Die raffaelische Kunstgeneration lernte hier in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts eine Menge neuen mythologischen und allegorischen Stoffes, einen neuen antiken Stil, eine neue Einteilung der baulichen Flächen und Glieder, neue Farbenwerte, eine neue Abwechslung von Stukkorelief und Zeichnung in bestimmtem Verhältnis zu den Farben, endlich den überaus dauerhaften antiken Stukko selber kennen. Sie verarbeitete diese Elemente auf glänzend geniale Weise, so daß ihre Werke neben den antiken eine ganz selbständige Gültigkeit behalten.

Die Verzierung der Loggien im zweiten Stockwerk des Cortile di San Damaso im Vatikan geschah im Auftrag des vor allem prachtliebenden Leo X. – Raffaels Verdienst bleibt es, daß die Loggien die schönste und nicht etwa bloß die prachtvollste Halle der Welt wurden. – Hier ist es der Mühe wert, daß sich das Auge nach Kräften anstrenge, um sich alles, was noch irgend kenntlich ist, anzueignen. Nicht die Unbill der Witterung, sondern der elendeste Mutwille hat hier den größten Schaden angerichtet; es hat eiserner Werkzeuge bedurft, um den Stukko des Giovanni da Udine von Wänden und Pfeilern abzulösen. – Die großen Kupferstiche, welche noch koloriert bisweilen im Handel vorkommen, gewähren zwar eine sehr schätzbare Aushilfe, allein sie geben die Detailzeichnung und die Wirkung des Ganzen doch nur ungenügend wieder.

Von den Gemälden wird unten die Rede sein. Für die Ausführung des Dekorativen bediente sich Raffael hauptsächlich des genannten Giovanni da Udine, eines Malers der venezianischen Schule. Wie viel demselben vorgezeichnet, wie viel seinem eigenen Ermessen überlassen wurde, ist gänzlich unbekannt; Raffael war damals mit Aufträgen überladen, und gleichwohl muß nicht bloß die Anordnung des Ganzen, sondern auch die Zeichnung sehr vieler Einzelheiten von ihm herrühren. Eine genaue Rechenschaft über seinen Anteil wird allerdings nie zu geben seinLaut Vasari hätte er freilich alles selber vorgezeichnet; unter den Exekutanten wäre Perin del Vaga der beste gewesen. . Man sieht die Tausende einzelner Figurenmotive durch, die alle von einem Geiste durchdrungen und im rechten Stoff an der rechten Stelle angebracht sind, und fragt sich immer von neuem, welcher Art die geistige Verbindung zwischen Raffael und seinen Ausarbeitern gewesen sein möchte. Vergebens wird man sich in andern Kunstschulen nach etwas Ähnlichem umsehen. Damit konnte es nicht getan sein, daß der Meister seine Leute auf die antiken Reste ähnlicher Art, zumal auf die Titusthermen verwies, denn so viele einzelne Figuren und Gruppen, so viel dekoratives Detail von dorther entlehnt sein mag, so ist eben die Komposition im ganzen eine völlig neue und originelle. Gerade das Wesentliche, die aufsteigende Pilasterverzierung, gewährten die antiken Vorbilder nicht oder ganz anders.

Das große Geheimnis, wie das Unendlich-Viele zu einem harmonischen Eindruck zu gestalten sei, ist hier vermöge der Gliederung und Abstufung gelöst. Die Hauptpilaster, die Nebenpilaster, die Bogen, die Bänder und Gesimse verschiedenen Ranges erhalten jede Gattung ihr besonderes System von Verzierung; die Architektur bleibt noch immer die Herrin des Ganzen. Was die Fenster der Mauerseite von Wandfläche übrigließen, wurde durchsichtig gedacht und erhielt auf himmelblauem Grunde jene unübertrefflich schönen Fruchtschnüre, in welchen der höchste dekorative Stil sich mit der schönsten Naturwahrheit verbindet, ohne daß nach einer optischen Illusion gestrebt worden wäre, die das Auge hier gar nicht begehrt. Innerhalb der viereckigen Kuppelräume ist die Umgebung der je vier Gemälde sehr frei und verschiedenartig verziert, wie dies bei einer Reihenfolge isolierter Räume angemessen war.

Eine Analyse dieses Ganzen würde ein umfangreiches Buch werden. Wie hier Stukkatur und Malerei, Figur und Ornament, die Farben der Gegenstände und ihre Gründe sich zueinander verhalten (oder verhielten), davon muß das Auge sich im Detail überzeugenAuch die Mitwirkung der einst glasierten Bodenplatten (S. 217 Anm. [3]) ist dabei in Erinnerung zu bringen. . Wer sich die Aufgabe setzt, bei jedem Besuch des Vatikans etwa eine Abteilung des Ganges genau durchzusehen, der wird einen bleibenden Eindruck davontragen und vielleicht in einer Anzahl von Figuren und Gruppen die unmittelbare raffaelische Zeichnung erkennen. (Die Gewölbemalereien in dem Gang zunächst unter diesen Loggien sind ganz von Giov. da Udine; sie stellen Rebenlauben dar, mit andern Pflanzen schön durchflochten und mit Tieren belebt.)

Ein ähnliches dekoratives Gefühl, nur in einem andern Stoff anders ausgesprochen, offenbart sich in den wenigen erhaltenen Randarabesken der raffaelischen Tapeten (erste Reihe). Auch hier nimmt man eine bedeutende Mitwirkung des Giov. da Udine an. Ganz kleine, isolierte Figuren und Ornamente wären hier nicht schön und deutlich genug darzustellen gewesen; daher größere Figuren; auch bildet jedes Randbild ein Ganzes, sowohl in dekorativer Beziehung, als vermöge des durchgehenden allegorisch-mythologischen Inhaltes. Das Vorzüglichste: die Parzen.

Eine wesentlich andere Aufgabe gewährte die große gewölbte Decke des vordern Saales im Appartamento Borgia. In den daranstoßenden Zimmern hatte Pinturicchio, wie gesagt, die Gewölbe im Stil der frühern Renaissance verziert; seine Arbeit erscheint erstaunlich unfrei, wenn man in den vordern Saal tritt, den Giov. da Udine und Perin del Vaga unter Raffaels Beihilfe verzierten. Die Verteilung der Farbenflächen, die edle Mäßigung der Ornamente, welche an einer Decke so wesentlich ist, die vortreffliche Bildung des Details geben diesem Saal einen hohen Wert, auch wenn man nicht wüßte, daß die Figuren der Planetengottheiten von des Meisters eigener Erfindung sind. Die vier Viktorien um das päpstliche Wappen sind einer der höchsten Triumphe figürlicher Dekoration.

In den Stanzen hatte Raffael, wie gesagt, frühere Deckenverzierungen angetroffen und ganz (Stanza dell' incendio) oder teilweise (camera della segnatura) geschont. Was er mit der Decke der Sala di Constantino vorhatte, ist unbekannt. In der Stanza d'Eliodoro sucht er durch den ziemlich einfachen blauen Teppichgrund der vier Deckenbilder den Eindruck des Leichten hervorzubringen. Auch dürfen hier die bloß architektonischen Einfassungen der Kuppelbilder in der Capella Chigi (S. Maria del popolo zu Rom) nicht übergangen werden. Sie sind in ihrer Einfachheit vom edelsten Dekorationsstil gerade dieser Gattung; durchweg vergoldet; zu den Mosaiken vortrefflich stimmend. – Höchst meisterhaft hat Giovanni da Udine in der Farnesina die Festons gemalt, welche die Geschichten der Psyche einfassen.

Endlich die untere offene Vorhalle der Villa Madama bei Rom. Die Ausführung des Gebäudes gehört notorisch dem Giulio Romano, welchem man die trefflichen Friesmalereien der untern Zimmer, auch den schönen Fries mit Festons, Kandelabern und Amoren, schwerlich streitig machen wird. Aber in der Vorhalle, welche von Giovanni da Udine dekoriert ist, weht der Geist der Loggien noch so rein, daß Raffael, der den Bau schwerlich erlebte, doch als der moralische Urheber erscheint. In einzelnen der eingesetzten Historien glaubt man auch Motive seiner Erfindung zu erkennen. Vielleicht wurde die Dekoration nie ganz vollendet; im vorigen Jahrhundert wurden die herabgefallenen Teile durch Rokokozieraten ersetzt, und gegenwärtig läßt der Besitzer alles zur Ruine werden.

Die Stukkaturen in den untern Hallen des schönen Pal. Massimi, wahrscheinlich von Giovanni da Udine, gehören ebenfalls noch zum Besten dieser Zeit. Ohne Zweifel arbeitete Giovanni unter dem Einfluß des Baumeisters Peruzzi.

Was wir nun noch beizufügen haben, ist neben diesen Leistungen nur von bedingtem, immer aber noch von beträchtlichem Werte. Es sind meistens gewölbte Decken, denn die Pilaster überließ man fortan fast durchgängig der Architektur; außerdem ist bei diesem Anlaß eine besondere Gattung von Mauerdekoration im großen zu erörtern.

Von Raffaels Schülern malte Perin del VagaSeine Malereien in verschiedenen Räumen der Engelsburg sind nebst den Stukkaturen des Raff. da Montelupo dem Verfasser unzugänglich geblieben. Laut Vasari führte Perino eine Anzahl kleinerer dekorativer Werke jeder Gattung aus, wovon noch manches, jetzt namenlos, vorhanden sein könnte. den Pal. Doria in Genua aus. Das Dekorative ist noch sehr schön, aber zum Teil überzierlich und bei weitem nicht mehr in dem großen und freien Geist der Loggien und des Ap. Borgia gedacht. In der untern Halle der Flachdecke mit schweren, wirklichen römischen Geschichten bedeckt, statt des luftigen Olymps der Farnesina; in der Galeria die Gewölbeverzierungen im einzelnen überaus elegant und vom feinsten Farbensinn beseelt (gemalte Mittelbilder; die Eckfelder Reliefdekoration Grau auf Blau, Grau auf Gold usw.; prächtige Motive in den Bändern), aber nicht mehr sicher der Architektur subordiniert; im Saal der Giganten eine höchst reiche und glücklich originelle Einrahmung; in den (einzig noch sichtbaren) neun Zimmern der Stadtseite teils ähnliches, nur einfacheres Arabeskenwerk als Einfassung mythologischer und allegorischer Gegenstände an Zwickeln und Kappen der Gewölbe, teils farblose StukkaturenFür die Stukkoarbeit überhaupt brauchte Perin den Silvio Cosini aus Fiesole. . Die Wände, mit Ausnahme der Galeria, waren sämtlich auf Behängung mit Teppichen berechnet.

Perino fand in Genua selbst eine nicht unbeträchtliche Nachfolge, die ihn aber doch nirgends erreichte und ihm nur die Effekte absah. Das Umständlichste in dieser Art ist die innere Dekoration des Pal. Spinola (Strada S. Caterina); auch das Erdgeschoß von Pal. Pallavicini (Piazza Fontane amorose). Sonst wiederholt sich in den untern Hallen und an den Treppen der altern Paläste ein System etwas magerer Arabesken und sparsamer Phantasiefiguren auf weißem Grunde, wie diese meist etwas dunkeln Räume es verlangten; oft dienen die Dekorationen als Einfassungen und mythologische und historische Mittelbilder; andere Male herrscht sogar das Gemälde mehr als für diese Räume billig vor und namentlich mehr in historisch wirklicher Raumbehandlung, als die Deckenmalerei leicht verträgt. Von den ältern und bessern Arabesken geben folgende Gebäude an den untern Hallen, Treppen und obern Vorsälen einen Begriff: Pal. Imperiali (Piazza Campetto); – Pal. Spinola (Str. S. Caterina N. 13); – Pal. Lercari (jetziges Casino, Str. nuova); – Pal. Carega (jetzt Cataldi, gegenüber) .

In der aus Stukkaturen und Malereien gemischten Gewölbeverzierung der Kirchen geht Montorsoli mit der Dekoration von S. Matteo voran; auch hier war Perin del Vaga, speziell die Galeria des Pal. Doria, Anhalt und Vorbild. Die schwebenden Putten, womit Luca Cambiaso die Felder der Nebenschiffgewölbe bemalte, sind an sich zum Teil trefflich, aber viel zu groß für die kleinen Räume, an deren Rändern sie sich bei jeder Bewegung stoßen müßten. – Eine ganz endlose Pracht von Gewölbeverzierungen und großen historischen, daher schwer lastenden und ohnedies nur improvisierten Gewölbefresken verdankt dann Genua der Künstlerfamilie der Carloni und ihren Nachtretern. Das Ornamentale ist und bleibt durchgängig um einen Grad besser als in Neapel.

Parallel mit der Tätigkeit Perinos geht die des Giulio Romano, der in seinem berühmten Hauptbau, dem Palazzo del Tè in Mantua, ein nicht minder glänzendes System von Dekorationen aller Art aufstellte. Durch ein Mißgeschick an dem Wiederbesuch Mantuas verhindert, darf ich über dieses sehr einflußreiche Werk nichts Näheres angeben.

Auch Jacopo Sansovino hat in dieser Gattung wenigstens eine wichtigere Arbeit angegeben und geleitet: die Scala d'oro im Dogenpalast zu Venedig (1538). Als Ganzes steht diese Leistung aber wiederum eine beträchtliche Stufe tiefer als die Arbeiten des Perin del Vaga. Schon die gemeißelten Arabesken der Pilaster sind schwülstig und unrein; ebenso an den Tonnengewölben die Stukkoeinfassungen Aless. Vittoria, der sonst in den kleinen Relieffeldern manches Hübsche anbrachte, ebenso wie Battista Franco in den gemalten Feldern allegorischen und mythologischen Inhaltes. (Franco besaß gerade für solche einzelne Figuren und kleine Kompositionen von idealem Stil eine entschiedene Begabung, wie auch seine Gewölbemalereien in S. Francesco della Vigna, erste Kapelle links, dartun. Vgl. S. 261.) Das Ganze ist bei blendender Pracht schon im Prinzip nicht glücklich, indem die gemalten Arabeskenfelder im Loggienstil von den nebenhergehenden Stukkaturen erdrückt werden.

Wenige Jahre vorher (1530) hatte noch die Frührenaissance mit schönen Mosaikzieraten auf Goldgrund das Gewölbe der Sakristei von S. Marco geschmückt. Einem Teppichmuster ähnlich, schlingt sich reiches weißes Ornament um Medaillons mit Heiligenfiguren; derber farbig sind die Ränder der Gewölbekappen verziert; in der Mitte konzentriert sich der Schmuck zur Form eines Kreuzes. Es gibt außerdem eine von Sansovino oder von Falconetto entworfene, von Tiziano Minio ausgeführte ganz harmonische und vorzüglich schöne Dekoration: nämlich die weiße, wenig vergoldete Stukkatur am Gewölbe der Kapelle des H. Antonius im Santo zu Padua (S. 241). Leicht und doch ernst, trefflich eingeteilt; leises und doch vollkommen wirksames Relief der Zieraten und des Figürlichen. Ganz in der Nähe steht Pal. Giustiniani (N. 3950), dessen etwa gleichzeitige beide Gartenhäuser, von Falconetto erbaut, eine teils stukkierte, teils gemalte Dekoration – Ornamente und Figuren – enthalten, welche man ihrer Schönheit wegen von Raffael erfunden glaubt. Es ist wenigstens anzunehmen, daß der ausführende Künstler (Campagnola) ohne Kenntnis der Loggien dieser Schöpfung nicht fähig gewesen wäre.

Giovanni da Udine selber soll in seinen alten Tagen als Glasmaler die Fenster der Bibl. Laurenziana in Florenz und die des geschlossenen Ganges im dritten Hof der Certosa mit jenen Arabesken ausgefüllt haben, welche zwar sehr hübsch und für das Tageslicht vorteilhaft, aber doch ein so matter Nachhall der Loggien sind, daß man sie lieber einem andern zutrauen möchte. – Es sind von den letzten Glasgemälden (bis 1568Also schwerlich von Giovanni, der schon 1564 starb. – In einem Zimmer des Pal. Grimani zu Venedig (bei S. Maria formosa) sollen noch Dekorationen von Giovanni, nebst Gemälden des Salviati erhalten sein. Quadris »otto giorni« melden nichts davon. ) der italienischen Kunst, Reparaturen und moderne Arbeiten ausgenommen; auch wollen sie bloß zarte Zieraten rings um ein kleines einfarbiges Mittelbild oder Wappen vorstellen.

Kehren wir zur gemalten Mauerdekoration der Interieurs zurück. Sie hatte inzwischen das Schicksal der Geschichtsmalerei geteilt und sich zum schnellen und massenhaften Produzieren entschlossen. Ihr höchstes Prinzip wird die Gefälligkeit, das angenehm gaukelnde Spiel vegetabilischer, animalischer und menschlicher Formen nebst Schilden, Gefäßen, Kartuschen, Täfelchen, auch ganzen eingerahmten Bildern, auf meist hellem Grunde. Nicht die Phantasie ist es, die da fehlt; eine große Fülle von Konzetti aller Art strömt den Dekoratoren zu; Laune und selbst Witz stehen ihnen reichlich zu Gebote; als Maler gehören sie noch immer dem furchtlosen 16. und 17. Jahrhundert an; aber das Gleichgewicht ist verloren, die schöne Verteilung des Vorrates nach Gattungen und Funktionen im architektonisch gegliederten Räume. Sie glaubten, der Wert der Loggien beruhe auf dem Reichtum, während doch die Gesetzlichkeit dieses Reichtums das Wesentliche ist.

Hierher gehören unter anderm die im Jahre 1565 ausgeführten Arabesken im vordern Hof des Pal. vecchio in Florenz, hauptsächlich von Marco da Faenza. – Einen viel größern Aufwand von Geist verraten die Deckenarabesken im ersten Gang der Uffizien von Poccetti, welcher auch die Perlmutterinkrustation der Tribuna angab. (Um 1581.) Sie sind vielleicht die wichtigste von diesen Leistungen, überreich an trefflichen Einzelmotiven, die in unsern Zeiten sich erst recht würden ausbeuten lassen, aber als Kompositionen im (allerdings wenig günstigen) Raum sehr unrein. (Die Fortsetzung im entschiedenen Barockstil bis in den Rokoko hat wieder ihren besondern Wert.) Und doch ist Poccetti an anderer Stelle auch in der Anordnung noch einer der Besten, wie das mittlere Gewölbebild in der Vorhalle der Innocenti, die Deckenfresken in der Sakramentskapelle und S. Antoniuskapelle zu S. Marco, die Halle des Seitenhofes links in Pal. Pitti und andere zum Teil mit Stukkatur gemischte Malereien beweisen.

In Rom konkurrierte mit den Arabesken eine andere Gattung: die teils reine, teils zur Einfassung von eigentlichen Gemälden dienende, vorherrschend architektonische Stukkatur. Überaus prächtig und monumental wirkt vor allem die mit wappenhaltenden Genien und reichstem Kassettenwerk stukkierte Sala regia im Vatikan, von Perin del Vaga und Daniel da Volterra; ein kleines Spezimen derselben Art bietet die hinterste Kapelle des linken Querschiffes in S. Maria del Popolo. Auch der figurierte und ornamentale äußere Schmuck des Palazzo Spada zu Rom, von dem Lombarden Giulio Mazzoni (gegen 1550), gehört hierher. Wie schon Giulio Romano seine großen mythologischen Bilder gerne in Stukkoskulpturen einrahmte, zeigt der große Saal desselben Pal. Spada; eine unrichtige Übertragung in einen kleinen Maßstab ist die sog, Galeriola daselbst. Von sonstigen tüchtigen römischen Stukkaturen des sinkenden 16. Jahrhunderts nennen wir beispielshalber: das Gewölbe von S. Maria a' monti; – den hintern Raum rechts an S. Bernardo; – in S. Pudenziana die Prachtkapelle links, von Franc, da Volterra, mit Mosaiken nach Fed. Zucchero; – in S. Peter: das nur zweifarbig stukkierte Gewölbe der Vorhalle, von Maderna, welchem eine besondere Vorliebe für diese Gattung vorgeworfen wird. Bald herrscht mehr der Stukko, bald mehr das Fresko vor. Letzteres ist nur zu oft mit schweren historischen Gegenständen in naturalistischem Stil überladen, die am wenigsten an ein Gewölbe gehören. Eine Menge einzelner Prachtkapellen an Kirchen geben den Beleg hierzu. – Bloßer Stukko, und noch sehr schön, an den Treppengewölben im Palast der Konservatoren auf dem Kapitol. Wenn hier der allgemeine Verfall der Gattung sich in den nachraffaelischen Gängen der Loggien von Pontifikat zu Pontifikat urkundlich verfolgen läßt, so hat die bloß gemalte Arabeske in Rom vielleicht nicht einmal diejenige Nachblüte aufzuweisen, die Poccetti für Florenz repräsentiert. Die Malereien in der Sala ducale des Vatikans, in der vatikanischen Bibliothek, in der Galeria geografica ebendaselbst sind den florentinischen kaum gleichzustellen und interessieren mehr durch die Ansichten römischer Gebäude und die Landschaften des Matthäus und Paul Bril, welche wenigstens in der Geschichte der Landschaft eine bestimmte Stelle einnehmen. – Von Cherubino Alberti und seinem Bruder Durante ist zu wenig vorhanden; die Decke der Cap. Aldobrandini in der Minerva verrät einen sehr tüchtigen Dekorator; ebenso die der Sagrestia de' Canonici im Lateran.

Im ganzen aber unterliegt die römische Arabeske zu sehr dem Sachlichen, den geschichtlichen und symbolischen Zutaten, und verliert darob ihre Heiterkeit. Wie sollte sie z. B. in der Gal. geografica zwischen der ganzen Kirchengeschichte (in den Bildern des Tempesta) mit ihrem echten Spiel aufkommen können? Raffael hatte in den Loggien so weislich das Heilige von der Arabeske getrennt gehalten.

Auch in Venedig war bald von der Dekoration, wie sie noch in der Scala d'oro und in den oben (S. 272, e und f) genannten paduanischen Werken lebt, grundsätzlich keine Rede mehr. Man gewöhnte sich daran, die Gewölbe weiß zu lassen (Kirchen Palladios), die flachen Decken aber mit großen Ölgemälden zu überkleiden. (Räume des Dogenpalastes seit den Bränden von 1574 und 1577, Scuola di S. Rocco, viele Sakristeien, kleinere Kirchen usw.) Die Zweckmäßigkeit von Deckengemälden überhaupt und den hohen Wert mancher der betreffenden insbesondere zugegeben, bedurfte es doch eines idealen Stils, um selbst die idealen allegorischen Szenen erträglich zu machen, geschweige denn die schwer auf dem Auge lastenden historischen. Statt dessen wird eine naturalistische Illusion erstrebt; die einzelnen Geschichten machen den Anspruch, durch Goldrahmen hindurch als wirkliche Vorgänge gesehen zu werden, wovon bei Anlaß der Malerei das Nähere. Die Rahmen selber bilden eine bisweilen großartige Konfiguration, allein ihre Profilierung ist schon höchst barock und (zu Vermeidung des Schattens) meist flach. Nebenfelder werden wohl mit einfarbigen Darstellungen (bronzefarben, blaugrau, braun) einfacherer Art ausgefüllt, allein die starke goldene Einrahmung macht jeden zartern dekorativen Kontrast zu den farbigen Hauptbildern unmöglich. – Immerhin sind wenigstens die Räume im Dogenpalast von den prächtigsten dieser Zeit; das stattliche untere Wandgetäfel, die Türen mit ihren Giebelstatuen, die pomphaften Kamine mit allegorischen Figuren oben und Marmoratlanten unten vollenden den Eindruck von Machtfülle, der in diesen Sälen waltet. Wenn es sich aber um wohltuende, reine Stimmung handelt, so wird diese in den Räumen der raffaelschen Zeit sich eher finden lassen.

Außer diesen Wand- und Deckenverzierungen gab es schon seit Anfang der Renaissance eine Verzierung der Fassaden, wie sie dem schmucklustigen Jahrhundert zusagte.Für diese ganze Gattung vgl. bei Vasari die Biographien des Vincenzo da S. Geminiano, des Peruzzi, des Polidoro und Maturino, des Fra Giocondo und Liberale, des Christofano Gherardi genannt Doceno (für die ganze gemalte Dekoration wichtig), des Samnicheli, des Garofalo und anderer Lombarden, des Taddeo Zucchero usw. – Dieser Quelle zufolge muß das Erhaltene zum Verlorenen in einem winzigen Verhältnis stehen. Die Fassadenmalerei bestimmte noch um 1550 offenbar die Physiognomie mancher Städte in wesentlichem Grade.

Die Mörtelflächen zwischen den Fenstern, auch Bogenfüllungen, Friese usw. wurden, wo man es vermochte oder liebte, mit Ornamenten oder mit Geschichten bedeckt. Dies geschah teils al Fresco, teils allo Sgraffito (d. h. die Wand wurde schwarz bemalt, ein weißer Überzug darauf gelegt und dann durch teilweises Wegschaben des letztern die Zeichnung hervorgebracht). Natürlich haben alle diese Arbeiten mehr oder weniger gelitten, auch wohl totale Erneuerungen erduldet. Es ist eine schwierige Frage, wie weit die architektonische Komposition auf diesen Schmuck rechnete; an der Farnesina zu Rom z. B., für welche bestimmte Aussagen existieren, vermißt doch das Auge denselben nicht, obschon er verschwunden ist (mit Ausnahme der Bogenfüllungen auf der Tiberseite im Garten, welche noch Viktorien, Abundantien usw. von raffaelischer Erfindung enthalten). In Rom war das Sgraffito und das einfarbige Fresko damals sehr beliebt; doch hat sich von Polidoro da Caravaggio und seinem Gehilfen Maturino nicht viel mehr erhalten, als der Fries mit der Geschichte der Niobe (an dem Hause Via della maschera d'oro, N. 7), welcher als große mythologische Komposition eines der besten Werke der raffaelischen Schule ist; außerdem einiges an Pal. Ricci (Via Giulia).

Ein Hauptsitz der Gattung aber wurde, wiederum wohl durch Perin del Vaga, Genua, wo noch an der Gartenseite des Pal. Doria Außenmalereien von der Hand jenes erhalten sindDen S. Georg von Carlo Mantegna, an der Stadtseite des Pal. di S. Giorgio, kann man kaum mehr erkennen. . Die genuesischen Paläste, welchen bei dem vorherrschenden Engbau die kräftigere architektonische Ausladung versagt war, bedurften am ehesten eines Ersatzes durch Malereien. Das Ornament nimmt hier nur eine untergeordnete Stelle ein; es sind vorherrschend ganze große heroische und allegorische Figuren, selbst Geschichten, in mäßiger architektonischer (d. h. bloß gemalter) Einrahmung. Das Vollständigste und Beste, was mir aus der Zeit Perins selber in dieser Art vorgekommen ist, sind die Malereien am jetzigen päpstlichen Konsulat (Piazza dell' Agnello, N. 643); zwischen Friesen und Trophäen und andern von Putten sieht man Heldenfiguren, Schlachten, Gefangene, mythologische Siege usw. noch recht gut dargestellt. Auch die grau in grau gemalten Siege des Herkules, an der Rückseite des Pal. Odero (jetzt Mari, von Salita del Castelletto aus sichtbar), sind von ähnlichem Werte. Dann folgt Pal. Imperiali (Piazza Campetto), vom Jahre 1560, mit seinen teils bronze-, teils naturfarbenen Außenmalereien; – Pal. Spinola (Str. S. Caterina, N. 13); – die Stadtseite des Gasthofes Croce di Malta; – Pal. Spinola (Str. nuova), sehr vollständig durchgeführt, auch im Hofe. – Der Inhalt ist bisweilen speziell genuesisch; berühmte Männer und Taten der Republik. Oft aber auch sehr allgemein, so daß man in Ermangelung anderer Gedanken z. B. mit den zwölf ersten römischen Kaisern vorlieb nahm, die in der Profankunst dieser Zeit ja ein förmliches Gegenstück zu den zwölf Aposteln bilden – der architektonisch sehr bequemen Zahl zuliebe, in der uns nun einmal ihre Biographien bei Sueton überliefert sind. (Man hat sie im 16. und 17. Jahrhundert auch unzählige Male neu in Marmor dargestellt.)

Eine andere, eigentümliche Ausbildung dieses Zweiges zeigt Florenz, wo wiederum der schon genannte Poccetti darin das Beste scheint geleistet zu haben. Schon die Frührenaissance hat hier in bloß ornamentalen Sgraffiti einiges Treffliche aufzuweisen, wie z. B. die Fassaden Borgo S. Croce N. 7894 und Via de' Guicciardini N. 1696 beweisen, beide wohl noch aus dem 15. Jahrhundert. In der Folge wurden phantastische Figuren, Pane, Nymphen, Medaillons in dem noch schönen beginnenden Barockstil, auch ganze große historische Kompositionen einfarbig an den Fassaden angebracht, wo sie zu den derben Fenstereinfassungen, Nischen mit Büsten, Wappen u. dgl. recht glücklich wirken. Haus via della Scala N. 4372; mehrere Paläste Ammanatis, wie Pal. Ramirez, Borgo degli Albizzi N. 440 usw. (Wozu noch der große Palast auf Piazza S. Stefano in Pisa zu rechnen.) – Aber auch die Bemalung in Farben wurde nicht selten versucht und hat sich verhältnismäßig besser gehalten, als man denken sollte. Wir nennen nur die Fresken (nach Salviati) an Pal. Coppi, Via de' Benci N. 7912 und den sehr auffallenden Pal. del Borgo auf dem Platz vor S. Croce, dessen Malereien unter Leitung und Teilnahme des in seiner Art großen Giov. da San Giovanni zustande kamen. Ihr Zweck war gleichsam, die mangelnde Raumschönheit der nordisch fensterreichen Fassade zu ersetzen. (Die zwei kleinern, farbig bemalten Paläste in Pisa auf dem genannten Platz sind sehr verwittert.)

Das Anmutigste dieser Richtung ist vielleicht der Fries mit Genien in dem hübschen kleinen Hof der Kamaldulenser (Via degli Alfani) links von der Kirche, nach 1621. In der zweifarbigen Malerei tönt hier ein Echo der Robbia nach, obwohl die Formen der Putten schon maniriert sind. Mit der völligen Ausbildung des Barockstiles (seit etwa 1630) nahm diese Art von Dekoration auch in Florenz ein Ende; man scheint sie als etwas Kleinliches oder Kindisches verachtet zu haben; mit ihr zehrt die Architektur das letzte freie Zierelement auf. An ihre Stelle tritt, wo man der Dekoration bedurfte, die Perspektivenmalerei, in welcher sich einst schon Baldassare Peruzzi auf seine Weise versucht hatte. Wir werden bei Anlaß der spätem Epochen darauf zurückkommen.

Venedig besitzt in dieser Gattung nur noch Weniges und im Zustande fast totaler Zerstörung durch die Feuchtigkeit, aber von so großen Meistern, daß man gerne auch die Trümmer aufsucht. So war der Fondaco de' Tedeschi am Rialto (jetzige Dogana), ein großes einfaches Gebäude des Fra Giocondo vom Jahr 1506, vollständig bemalt von Tizian und seinen Schülern; hier und da ist noch ein schwacher Schimmer zu erblicken. Etwas besser erhalten sind die Malereien an der Oberwand des Klosterhofes von S. Stefano, von Giov. Ant. Pordenone, teils alttestamentliche Geschichten, teils vorzüglich schön belebte nackte Figuren (meist Kinder) und Tugenden. Dieser Rest ist vielleicht die bedeutendste Außenmalerei der goldenen Zeit, welche überhaupt erhalten ist, und wiegt alles Gleichartige in Genua weit auf.

Endlich muß Verona vor allen Städten Italiens durch Menge und Wert bemalter Fassaden ausgezeichnet gewesen sein. Eine besondere klimatische Ursache oder irgendein Fehler des Mörtels hat leider bei weitem das meiste davon zerstört, und auch das Erhaltene ist nur dürftig erhalten, ungleich weniger als z. B. ähnliche Malereien in Florenz. An vielen Häusern ist nur etwa das Hauptbild seines religiösen Inhaltes wegen geschont und (freilich auch durch Übermalung) gerettet worden, während man die unscheinbar gewordenen Malereien der ganzen übrigen Fassade der Übertünchung preisgab. Und doch wäre gerade das Ganze dieser Dekoration unentbehrlich; mehr als irgendwo in Italien ist das Architektonische darauf berechnet, ja der Renaissancebau tritt aus keinem andern Grunde in Verona so mäßig und einfach auf, als weil ihm die Malerei zur wesentlichen Ergänzung diente.

Schon zur Zeit des gotischen Stiles war es in diesen Gegenden zur Gewohnheit geworden, die Wandflächen mit regelmäßig, teppichartig wiederholten buntfarbigen Ornamenten zu bedecken und diese mit reichern, bewegtern Friesen und Bändern zu umziehen; das Mittelalter konnte des Bunten viel vertragen, zumal da letzteres unter der Herrschaft eines gesetzmäßigen Farbensinnes stand. Zur Zeit der Renaissance dauerte ein ähnlicher Schmuck fort: nur tritt jetzt das Figürliche erst in sein volles Recht. Man begnügt sich nicht mehr mit dem einzelnen Bild einer Madonna zwischen zwei Heiligen, sondern die ganze Fassade wird zum Gerüst für ruhige und bewegte, heilige und profane, einfarbige und vielfarbige Darstellungen.

Und zwar sind es großenteils Arbeiten von sehr tüchtigen, selbst hier und da von großen Künstlern. Schon im 14. Jahrhundert schuf z. B. ein Stefano da Zevio die Fresken einer thronenden Madonna zwischen Heiligen und einer Geburt Christi an dem Hause N. 5303Das jetzige Telegraphenamt. – Ich bedaure, nur nach den Hausnummern zitieren zu können, die in Verona wie in mehrern andern Städten Italiens auffallend und sträflich vernachlässigt, ja halbe Gassen entlang nicht mehr sichtbar sind. , noch ist genug davon erhalten, um die süße Schönheit der Jungfrau, den Jubel der blumenbringenden Engel zu erkennen. Im folgenden Jahrhundert hat Andrea Mantegna selber diese Fassadenmalerei nicht verschmäht, und seine besten veronesischen Nachfolger fanden daran eine ganz wesentliche Beschäftigung; bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts folgen dann die veronesischen Schüler der Venezianer. Es erhellt hieraus schon, welchen Wert diese bemalten Fassaden auch in technischem Betracht haben müssen; mehrere derselben enthalten von den bestkolorierten Fresken der damaligen Zeit.

Von Mantegna selbst soll Casa Borella, N. 1310, bemalt sein; die größern Wandflächen, durch goldfarbige Pilaster mit Arabesken abgeteilt, enthalten geschichtliche Szenen, auf baulichem Hintergründe mit blauem Himmel; ein Fries ist mit Fruchtschnüren und Putten belebt, die Räume über den Fenstern mit Medaillons, welche Halbfiguren enthalten und von Putten auf dunklem Grunde begleitet sind. – Wie hier durchgängige Farbigkeit, so herrscht dagegen an Pal. Tedeschi, N. 962 (bei S. Maria della Scala) das Bestreben, die Wirkung dem Relief zu nähern durch einfarbige Darstellung und zwar in Gelb. Der Inhalt ist, wie es diese Schule ganz besonders liebte, klassisch-historischer Art, die Allokution eines Kaisers. Nur die Arabesken über den Fenstern sind Gelb auf Blau. – (N. 835, wieder mit Malereien Mantegnas selbst, hat Verfasser dieses nicht finden können.) – Noch aus dem 15. Jahrhundert stammt auch die Bemalung des Häuschens N. 4800 mit farbigen Novellenszenen, eingefaßt von farbigen Pilastern und grauen Friesen; – ebenso der Fries von N. 73 (bei Ponte della Pietra): auf violettem Grund steinfarbige Putten in allen möglichen Verrichtungen des Pizzicarol-Gewerbes darstellend. – Aus der besten Zeit, etwa bald nach 1500, sind die Malereien zweier kleinen Häuser auf Piazza delle Erbe; eines mit Maria Krönung, zwischen festonhaltenden Putten usw.; – und ein anderes, wo das obere Bild eine biblische Szene, das untere eine Madonna zwischen Aposteln, der Zwischenfries einen von Putten begleiteten Medaillon enthält, wahrscheinlich eine der schönsten Arbeiten des Caroto. – Wie sonderbar aber bisweilen in dieser goldenen Zeit Heiliges und Profanes gemischt wurden, zeigen die Malereien eines Hauses zwischen diesem Platz und der Aquila nera, von Aliprandi und andern: man sieht den Sündenfall nach Raffaels Bild in den Loggien, eine Madonna mit S. Antonius von Padua, weiter oben aber tanzende Bucklige, eine Bauernhochzeit und eine Wasserfahrt. – Ganz farbig, wie an den drei letztgenannten Häusern, sind auch die kolossalen mythologischen Malereien des Cavalli an einem Eckhaus der Piazza delle Erbe (Casa Mazzanti), worunter sich auch eine Darstellung des Laokoon befindet. – Es ist zu bemerken, daß an all diesen Fassaden kein Versuch vorkommt, eine perspektivische gemalte Architektur mit scheinbar an Balustraden und Fenstern sich bewegenden Figuren illusionsmäßig zu beleben. Hans Holbein, der dieses Ziel mehr als einmal verfolgte, muß die Anregung dazu anderswoher empfangen haben.

Der Palazzo del consiglio, erbaut von Fra Giocondo da Verona, hat an den freien Mauerflächen nur gemalte Ornamente, diese aber durchgängigBei diesem Anlaß nennen wir einige Häuser, an welchen nur noch die Hauptbilder erhalten sind: N. 2987 auf Piazza Brà: Madonna von Monsignori; – N. 2988: Madonna von Caroto; – N. 5522 jenseits Ponte delle navi: Madonna mit Heiligen, Hauptwerk von Franc. Morone; – N. 4562: der Gekreuzigte mit Gottvater zwischen zwei Heiligen, von Bart. Montagna; – das Haus neben N. 1140 unweit Ponte nuovo: treffliche Pietà mit Heiligen. Manches Gute ist dem Verfasser entgangen. .

Gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts hin gewinnt die Gattung eine neue Ausdehnung und einen fast ausschließlich mythologischen Inhalt; die einfarbige Darstellung, und zwar nach Stockwerken und Abteilungen in den Tönen wechselnd (Grün, Rot, Grau, Violett, Goldbraun usw.), beginnt entschieden vorzuherrschen. Allerdings büßten die venezianisch geschulten Maler hierbei einen ihrer besten Vorteile ein, ohne daß ein Ersatz eingetreten wäre durch jene höhere klassische Auffassung, wie sie etwa in Polidoros Niobidenfries lebt. Allein je nach der Begabung des einzelnen kam es doch zu sehr bemerkenswerten Schöpfungen. Unter diesen ist vorzüglich die Bemalung zu nennen, womit Domenico Brusasorci den Pal. Murari della Corte völlig bedeckte. (N. 4684, jenseits Ponte nuovo.) Die Straßenseite enthält in farbigen, die Fluß- und Rückseite in einfarbigen Bildern und Friesen eine ganze Mythologie, die Geschichten der Psyche, die Zentauren- und Lapithenkämpfe, die Hochzeit des Seegottes Benakus (Lago di Garda) mit einer Nymphe, Tritonenzüge usw.; von Historischem den Triumph des Paulus Aemilius und die Gestalten berühmter Veroneser. – Außerdem gehört zum bessern: die Bemalung von N. 1878, Opfer und Waffenweihe, von Torbido: – N. 5502, Allegorisches und eine Szene aus Dante, von Farinati; – N. 5030, Casa Murari bei SS. Nazario e Celso, mit umständlichen mythologischen Malereien und farbigen Friesfiguren, von Canerio und Farinati; – N. 1579 große Fassade mit lauter Einfarbigem in der Art von Palazzo Murari; – N. 4195, Casa Sacchetti mit einfarbigem Fries von Battista dal Moro. U. a. m.

Mit dem Ende des 16. Jahrhunderts stirbt die Gattung aus. Sie teilt das auffallende Schicksal der ganzen Kunst des venezianischen Gebietes, welche es nach 1600 in keiner Weise mehr zu einer Nachblüte brachte, wie wir sie in Bologna, Florenz, Rom und Neapel anerkennen müssen.

In Brescia war diese Fassadenmalerei einst ebenfalls sehr im Schwunge; ein bedeutender Lokalmaler, Lattanzio Gambara, hat sogar die beiden Häuserreihen einer Straße (eines Teiles des jetzigen Corso del teatro) mit fortlaufenden farbigen Darstellungen mythologischen Inhaltes versehen. (Manches von ihm außerdem in Torhallen, Höfen usw., z. B. N. 318.) Neuerer Umbau hat das meiste zerstört.

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