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Gutenberg > Gerhart Hauptmann >

Der Bogen des Odysseus

Gerhart Hauptmann: Der Bogen des Odysseus - Kapitel 7
Quellenangabe
authorGerhart Hauptmann
titleDer Bogen des Odysseus
printrun
editorHans-Egon Hass
publisher
year1965
isbn3549051427
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170203
projectid8d5112a3
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Fünfter Akt

Der gleiche Raum wie im vierten Akt. Odysseus sitzt neben dem Feuerfaß, Telemach umarmt seine Knie. Beide weinen. Leukone und Eumaios stehen in der Entfernung.

Odysseus

Hör, wie die Nacht aufatmet, Telemach.
Laß nun auch uns aufatmen und uns fassen.

Telemach

O heiliger Mann, o Vater, strafe mich,
denn sieh, im Herzen hatt' ich dich verraten.

Odysseus

Nichts werde dir zur Strafe, Telemach,
an meiner Wiederkehr. Du braver alter
Eumaios, stelle Wachen aus, daß uns
die Fresser unsres Guts nicht überraschen.
Wie voller Zauberei sind doch die Pfade,
die Menschen wandeln müssen. Ist mir nicht,
als streckt' ich jetzt mein Haupt aus einem Traum
als wie aus einem Meer empor ins Wache?
Und wieder glaub' ich nur zu träumen, wenn
ich meinen Sohn dich nenne, starker Jüngling,
der, als ich ging, ein lallender Säugling war.
Und diese Freier! Freier meines Weibes!
Könnt' ich sie je zu treffen meinen, da
ich selbst noch lebe auf dem Rund der Erde?
Füllen, die ich mit Backwerk fütterte
dereinst in meiner Koppel – bissige Hengste,
verwildert jetzt in schrankenloser Freiheit.
So geht es jedem zahmen Haustier – und
der Mensch ist auch nicht mehr –, das seine Hürde,
vom Völkerhirten nicht bewacht, durchbricht.
Der Wachthund, der die Herde hütet, wird
zum Wolf, der diese selbe Herde anfällt;
die Biene kehrt sich wider ihren Stock.
Welch ein entartet Raubgesindel! – Viel
Blutarbeit gibt's zu tun in meiner Heimat.

Telemach

Vater, nun mich dein Geist so nah erfüllt,
ist's mir, als zeugtest du auch meinen Leib
erst jetzt: denn jetzt erst spür' ich ganze Mannheit.
Statt vieler Ziele lockender Gaukelei
steht mir der Weg nun fest und offen da.
Der Blick ist klar, und jede Muskel harrt
gespannt und fest der Arbeit, die zu tun ist.

Odysseus

Laß dich's nicht irren, wenn mein ganzer Leib
noch wie geworfen bebt von innren Kräften.
Mich überwusch wohl tausendfach die Flut,
doch nicht wie diese letzte Woge, die
mir zwanzig Jahre wilder Irrfahrt abwäscht.
O Telemach, mir ist so jung zu Sinn.
Trotzdem die Schicksalsstunde mich durchschüttert,
hüpft mir, von heiliger Mordlust froh, das Herz.
O Kind, o Sohn! o welche Wollust! o
welch ein Geschenk der Götter, Rache üben.
Was ist mir nun der Irrfahrt Trübsal: nichts.

Telemach

Und wie gedenkst du uns zu rächen, Vater?

Odysseus

Durch Blut! durch Blut! wodurch denn sonst? durch Blut!
Ist deine Mutter wirklich noch so schön,
wie ihre Freier sagen, Telemach?

Telemach

Ein Glanz ist um sie, wo sie geht und steht.

Odysseus

Wird sie mich nicht verachten und verfolgen?
Du schweigst. Erkläre du dich, schlanke Magd,
durch deren Mund Athene zu mir sprach,
als ich vor dieses Hofes Schwelle hinsank.
Vielleicht wird diesmal dich, Reinstirnige,
die heilige Jungfrau wiederum beraten,
wie sie dir einst schon Weisheitsworte eingab.

Leukone

O König, was ich sprach, vergiß es mir.
Nun bist du da, der Mann, der göttliche.
Wer fühlt, was wir jetzt wurden, nun du da bist,
weiß auch, was wir sein mußten, als du fern warst,
und auch die Mutter Königin wie wir.
Nie kehrt' sie ihre Feindschaft gegen dich,
denn nun du hier bist, steht sie da als Göttin,
in Irrungen und Duldung groß wie du
und neben dir aufwachsend zu den Sternen.

Odysseus

O Mißtraun, das in meiner Seele nistet
und wie ein bittres Gift im Blute kreist.
Wie könnt' ich atmen, könnt' ich nicht auch mißtraun:
den Göttern, wieviel mehr den Menschen, ja
selbst mir. Und nun gar Weibern! Heißen sie
nicht Kirke und Kalypso, Helena
und Klytaimnestra? Dennoch hatte keine,
so arg sie war, solch einen schlimmen Hofstaat
wie diese Frevlerin, die einst mein Weib war.
Ist es in Wahrheit noch Penelopeia?
Mein Innres schaudert auf bei ihrem Namen.

Eumaios

König! Ich bin dein Knecht, der dir stets treu blieb.
Laß mich mit Freimut sagen, was mein Herz denkt.
Auch unsre Königin ward dir nie untreu.
Ich weiß es, der ich deiner Rückkehr harrte
und grade darum also wohl von ihr
gehalten ward wie außer mir kein andrer.
Nie ward zum Ärgernis ihr meine Treue.
Du selber hast mir einst von ihr erzählt,
vor vielen Jahren, als du sie heimbrachtest
von Sparta einst, die neuerworbne Gattin.
Im Hause des Ikarios, ihres Vaters,
umgab sie eine Schar von jungen Werbern,
so sagtest du, die sich in Glut verzehrten,
indes Penelope, sich kühl bewahrend,
umloht von Flammen, unberührbar blieb.
Du nannt'st sie damals Kirke, und erst jetzt
begreif' ich deiner dunklen Rede Sinn,
die du jüngst an die Freier richtetest.
Denn oft erklärtest du mit wildem Lachen
vor Zeiten, wie du dir das Weib erwarbst,
und sprachst: »Ich zwang mein Liebchen mit dem Schwert,
das rote Blümlein Moly in den Händen,
sonst wär' ich nur ein nurksend Ferkel noch
in Aphroditens Heiligtum zu Sparta.«

Odysseus

Ich lache. Denn du sprichst die Wahrheit, Sauhirt.

Eumaios

O Herr! Sieh hier: dein Vater, der hier ausruht.

Er zeigt ihm den hinter einem Vorhang auf einem Haufen trockenen Laubes entschlummerten Laertes.

Odysseus

O ja, ich sah ihn schon, ich kenne ihn.
Wie es auch sei, sein altes Herz hielt aus.
So haltet ihr denn auch aus, meine Augen,
und schmelzt nicht hin vor diesem schmerzenden Licht.
O bleiches Antlitz, krank und wetterhart
zugleich, o du gekrümmter armer Rücken!
Erdwühlerhände, braun und rissig! Füße,
rissig, zerschnitten und vernarbt, wie Leder
hart und von eingefreßnem Schmutz entstellt!
Ja, du und ich, und ich und du, wir beide
mußten uns wühlen durch das wirre Dasein
und mußten Stollen graben bis hierher:
wir Maulwürfe! Faßt an die Erde, die wir
aufstießen! haltet sie in eurer Hand
und weissagt Tiefes von dem Schacht des Lebens!

Eumaios

Ja, Herr, mit seinem Horn hat er geweissagt
und wie ein blinder Seher dich verkündigt.

Odysseus

Was trieb ihn unterm goldnen Dach hervor
und in die Wildnis?

Eumaios

Herr, er wartete.
Niemand hielt ihn zurück, auch nicht die Fürstin,
weder mit güt'gem Zuspruch noch im Ernst.
Im Heiligtum des kriegerischen Pan,
hoch zwischen Felsen, nahm er seine Ruhstatt.
Von dort aus hielt er Auslug übers Meer.
Ein jedes neue Segel faßt' er fest
ins Auge, stundenlang, ja ganze Tage.
Er flüsterte, oft sprach er laut mit ihm,
in trügerischer Hoffnung endlich winkend,
als wärest du es wirklich, den ihm endlich
Woge und Wind heimführten. Immer fragte
das Auge, was der Mund nie eingestand –
denn niemals sprach er laut von seinem Leiden –,
ob noch der Rest von Hoffnung in mir glimme
auf deine Wiederkunft. Sonst blieb er stumm,
fragte wohl etwa, ob das süße Heu,
das bittre Laub ein beßres Lager wäre.
Nicht mehr! Er steckte Bohnen, pflanzte Zwiebeln
und Lauch und war dem schlechtsten Bauer gleich.
Doch wo er geht und steht, träumt er von dir,
und auch im Schlaf, jetzt eben, bist du bei ihm.

Odysseus

der die Füße des Laertes weinend mit Küssen bedeckt

Lebe! Warte auf mich, bis wir dies Eiland
von Schmach und Blut gereinigt haben. Dann
will ich mit dir auf trocknem Laube ruhn,
die heilige Rebe des Dionysos
schneiden, die Hacke schlagen in den Erdgrund.
Und wahrlich, dann soll uns die karge Kost
des Landmanns wohltun wie ein üppiges Gastmahl.
Der Herrschersitz ist dein, o Telemach.
Hier, dieser hat das beßre Teil erwählet,
und sein Teil will ich mit ihm teilen, Sohn.
Und wie ich seine harten Füße wasche,
die Striemen kühle und die Wunden ihm
mit Balsam heile, will ich unser Land,
das ausgesogne, ausgemergelte,
verwundete, mit Striemen überdeckte,
nähren, hüten und pflegen, bis es heil
dasteht, von Kräften strotzend wie zuvor.

Eumaios

O König, die Saupacker ließ ich schon
frei von der Kette, und sie streifen rings
um das Gehöft, und niemand kann entweichen,
und diese Freier sind der Freier Häupter.
Schwerlich kehrt je der Augenblick zurück,
wo wir ihr Leben so in Händen halten.
Sind sie geopfert, sind die andern machtlos.

Odysseus

Nein, nein! Noch nicht! Ihr Leben ist verwirkt.
Doch mahnt mich Pallas, sie zu schonen, ihnen
Frist einzuräumen bis auf einen Tag,
wo alle, die den Herd mir schändeten,
aushauchen müssen unter einem Schwertstreich.

Man hört Gekreisch von Weiberstimmen, Lachen und Schreien der Männer. Noemon tritt ein.

Noemon

O ihr Unflätigen! ihr Viehischen!
Sie rammeln wie die Hasen in der Brunftzeit.
Die Magd Melantho geht von Hand zu Hand,
Glaukos warf seine Syrinx fort und floh.

Odysseus

Sie nahen sich.

Telemach

Hört, wie sie scheußlich rülpsen,
sich würgen und ausschütten Wein und Mahlzeit.

Noemon

Sie sind wie aufgereizte Stiere, sinnlos
vor Wut, und schworen Telemach den Tod.

Die vier Freier treten wiederum ein, von Trunk, Haß, Erotik und Nacht in einen furchtbaren Wahnwitz gehüllt.

Antinoos

Bürschchen, den Bogen her, den heiligen,
den du uns vorenthieltest.

Amphinomos

Du mußt springen
wie ein Lustknabe, den ich mir gekauft
und der zur Liebe mir zu schlecht ist.

Ktesippos

Gib
den Bogen deines schurkischen Vaters uns,
doch so, daß er die Hand uns nicht besudelt.
Wir wollen mit Pfeilen schießen: und nach dir.

Eurymachos

Du sollst den Hades kennenlernen und
uns fürderhin das Licht nicht mehr verpesten,
du niedriger Verräter, Telemach,
der du hinkriechst gen Sparta wie ein Hündlein,
um Mörder winselnd, die uns meuchlings abtun.
Gebt mir den Bogen, mir zuerst, nur mir!
Das Urteil fällten wir gemeinsam, doch
nur einer, ich nur, darf der Henker sein.

Antinoos

Wein! Wein!

Odysseus

Gib ihnen nun den Bogen, Sauhirt.

Eumaios

legt Köcher und Bogen vor Antinoos

Held, nur der kühle Schütz verfehlt sein Ziel nicht.

Antinoos

Ja, du hast recht. Der Schwächste denn zuvor:
Ktesippos, festige du des Bogens Senne!

Ktesippos

Ein Kinderspiel.

Er versucht es vergeblich.

Amphinomos

Ein zweiter Telemach
bist du, Ktesippos. Laß die Hand vom Bogen.

Er nimmt den Bogen, versucht vergeblich, ihn zu spannen.

Eurymachos

Du bist ein dritter Telemach, mir scheint.

Amphinomos

Nie spannte diesen eines Menschen Arm.

Eurymachos

Außer der meinige.

Er nimmt den Bogen und versucht, ihn zu spannen.

Antinoos

höhnisch zusehend

Zieh fester an.
Hier kannst du nicht einmal das Krummholz spannen
mit einem Schafsdarm, der den spitzen Pfeil
abschnellen soll zu sichrem Schuß ins Schwarze.
Die Magd trafst du im Dunkeln, wackrer Kriegsheld.
Für dich 'ne üble Vorbedeutung und
für mich 'ne gute. Eine Königin,
ja eine Göttin ist mehr als 'ne Magd.

Amphinomos

Viel leichter wurde dir das Hüpfen mit
den Hirten um den Priap. Und nun mußt
du dafür schwitzen, Held Eurymachos.

Antinoos

Gebt endlich mir das Ding, daß es zum Schuß kommt
und ihr erfahrt, wer hier der Meister ist.

Er nimmt den Bogen und bemüht sich vergeblich, ihn zu spannen. Gelächter der Freier.

Telemach

Wenn ihr mich töten wollt, so tut's, ihr Fürsten.
Mir ist dies Leben schon seit langem unwert.
Laßt mich die Waffe richten obendrein
und nachsehn, was dem Bogen etwa mangelt.

Antinoos

Noch ist das Weib nicht in der Welt, ihr Fürsten,
das einen Mann gebären wird, wie der
es müßte sein, der von sich rühmen könnte,
er spanne dieses Bogens Kraft allein.

Ktesippos

So tun wir's denn gemeinsam.

Alle vier machen wütend und lachend die entsprechenden Versuche.

Odysseus

schreit laut

Telemach!

Telemach

Ja, Vater.

Odysseus

wie vorher

Telemach, Odysseus ist
wiedergekehrt.

Antinoos

Was hast du da gerufen?

Amphinomos

Des Sauhirts Haus ist voller Greise, Kinder
und Narren.

Odysseus

Knabe, gib den Bogen mir.

Telemach tritt zwischen die Freier, nimmt den Bogen und legt ihn samt dem Köcher vor Odysseus.

Eurymachos

Dies kindische Bogenspiel für jetzt beiseite.
Nehmt Platz! die Stunde des Gerichts ist da,
und dieses Knäblein mag sich nun verteidigen.

Odysseus

Die Stunde des Gerichts ist da. Du sagst es.

Er legt mit Festigkeit und Leichtigkeit die Senne um beide Enden des Bogens.

Amphinomos

Was tut der Bettler dort? Nehmt euch in Obacht!

Telemach

Haltet Gericht, ihr Herrn, und fällt das Urteil.

Odysseus

Hörst du nicht, Telemach, Odysseus ist
zurückgekehrt in seine Heimat.

Telemach

Ja,
er ist zurückgekehrt, ich weiß es, Vater.

Amphinomos

wie die anderen in grauenvolles Gelächter ausbrechend

Die Stunde macht uns wirr, ihr Herrn. Der Wein,
die Nacht, die Liebe! Laßt uns heimgehn!
Sie haben's leicht, mit ihrer Narretei
uns zu besiegen, daß wir lachen müssen,
statt eine blut'ge Strafe zu vollstrecken.

Antinoos

Ihr Herrn, geht heim: ich schlafe bei Leukone.

Eurymachos

zusammenknickend, sich wieder erhebend

Was tust du, Wein? Ich trage dich, und du,
du willst mich niederwerfen! Laß das, Wein!

Amphinomos

Kommt heimwärts.

Antinoos

Geht, ich schlafe bei Leukone.

Odysseus

Odysseus ist zurückgekehrt! Hört ihr!?

Ktesippos

wirft einen Kuhfuß nach Odysseus und trifft ihn

So hatt' ich mir Odysseus wohl gedacht:
ein schlechtes, wurmzerfreßnes Aas, wie du bist.

Odysseus

Dein Blick ist scharf, Ktesippos, und zum Dank
fährst du zuletzt zum Hades. – Siehst du auch
so klar wie dieser da, Antinoos?
Nicht? Kennst du diese Braue nicht und nicht
den Mann, den Schützen, der den Pfeil jetzt aufhebt
und ihn auf einen heiligen Bogen legt,
der wie Apollons Bogen und die Pfeile
der Artemis des Ziels stets sicher ist?
Held, glotz nicht so und werde nüchtern! Wisse,
von wessen Hand du stirbst, bevor du aushauchst!

Antinoos

der ihn angestiert hat, plötzlich aufspringend, ihn erkennend

Schlächter! Trojanischer Schlächter! Ja, er ist's,
der unsre Jünglinge fortführte und
hinwürgen ließ für Helena! So recht,
du schmachbedeckter, lügnerischer Schurke!
So gönn' ich dich der Viper im Palaste!
Kriech und besudle sie, kriech in ihr Eh'bett!

Odysseus

indem er die Sehne mit dem Pfeil anzieht und auf Antinoos zielt

Und du, Verhängnis, schlag in seine Brust!

Antinoos fällt getroffen über den Tisch.

Antinoos

Mörder!

Odysseus

hat blitzschnell den zweiten Pfeil auf den Bogen gelegt und Eurymachos durchschossen, der, getroffen, sich mit herausquellenden Augen aufrecht zu halten sucht

Ich bin ein wenig schnell, Eurymachos,
und als die Nacht begann, da dachtest du
wohl nicht an das, was sie dir jetzt gebar,
und daß sie dir nun nie mehr enden würde.

Eurymachos

Mörder!

Amphinomos

Seid ihr betrunken? Fällt euch Wahnwitz
an; Fürsten, oder treibt ihr wilde Späße?

Odysseus

Es ist ein wilder Spaß, Amphinomos,
den sich die Götter mit euch machen. Siehe
die Himmlischen, wie sie uns lachend zuschaun.

Melantheus

fällt vor Odysseus nieder

Bist du Odysseus, hab Erbarmen. Ich
bin nur ein armer und geringer Hirt,
wie sollt' ich mich auflehnen gegen Fürsten?
Doch schone mich, und wie der Schweinehirt,
so liefre ich andre in die Hände dir,
daß du wie diese sie im stillen abtust.

Odysseus

Hängt ihn, und an den gleichen Ast Melantho,
die Magd!

Eumaios und Noemon schleppen Melantheus hinaus.

Amphinomos

Bist du Odysseus? Ist es wirklich
der Zorn des Schrecklichen, der hier so rast,
so sage mir, was ich dir tat. Bin ich
schuldig etwa, weil ich in deinem Hause
genoß des heiligen Gastrechts?

Odysseus

Nein doch, Held,
du bist mir nur zu jung, zu geil, das ist es.

Ktesippos

Waffen! Was geht hier vor?

Amphinomos

Das frag' ich, Fürst,
wie du. Wir träumen oder sind wahnwitzig.
Eurymachos! Antinoos! Was schweigt ihr?
Was brennt die Flamme denn so grün und schwelend?

Odysseus

's ist gift'ges Holz von einem Schiffe, das
scheiterte, und ihr müßt dran ersticken.

Er durchschießt Amphinomos.

Amphinomos

um sich tastend

Licht! Licht! ich sehe nichts! es ist stockfinster!

Odysseus

Nein, hell! denn Helios stieg zum Acheron
und leuchtet nun den Toten! – Nun, Ktesippos,
zeig, daß du laufen kannst! Du zögerst? Flieh!
Du bist ein Wild, das man nur jagt, nicht etwa
von vorn wie einen wackren Keiler abfängt.
Besinnst du dich? Nur zu: mach lange Beine!

Ktesippos

Zu Hilfe!

Er entschließt sich zur Flucht und rennt durch die Tür in den Hof davon. Ruhig tritt Odysseus mit gespanntem Bogen in die Türöffnung und schießt ins Dunkel.

Odysseus

Rufe nur: der Hades hört dich.

Er steht lange unbeweglich.

Telemach

tritt zum Vater

Mein Schwert hat nichts verrichtet. Du tatst alles.

Odysseus

Geduld! Geduld! Noch gibt es viel zu tun,
auch deine Waffe soll sich sättigen.
Was wird die Mutter sagen, Telemach,
daß ich ihr schönstes Spielzeug schon zerschlug?

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