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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 7
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Zwölfter Auftritt

Lottchen. Karl im Kasten.

Lottchen (die Hände ringend).
Ach, was muß ich erleben!

Karl (pocht heftig im Kasten).
Auf, Lottchen! Auf!

Lottchen.
Bleib ruhig, ich bitte dich, um alles in der Welt!

Karl (sprengt den Kasten).
Nein, ich kann nicht länger bleiben, es schlägt in mir wie der Eisenhammer unseres Gebürgs. Seinen ehrlichen Namen so herabgesetzt zu hören von diesen Faulenzer und ruhig bleiben! Leb wohl, Lottchen, du siehst mich nie mehr. (Will fort.)

Lottchen.
Karl, wenn du mich liebst, so gehst du jetzt nicht durch diese Tür.

Karl.
So spring ich durch das Fenster.

Lottchen.
Am hellen Tag?

Karl.
Ich bleib nicht länger hier, du siehst mich reich oder nie wieder! (Er steigt zum Fenster hinaus.)

Lottchen.
Karl, wenn du fällst – halt dich an das Gitter.

(Es geschieht ein plötzliches Gekrache, ein Schrei und zugleich ein Fall. Dann Geschrei von mehrern Stimmen.)

Lottchen (sehr stark aufschreiend).
Himmel! was ist das? (Eilt sehr schnell zur Tür hinaus.)

Dreizehnter Auftritt

Sehr schnelle Verwandlung in einen großen schönen Platz der Stadt. Links Wurzels prächtiges Haus mit Schalougittern, wovon eines durch Karls Fall herabgerissen ist und nebst einem Stück Gesimse, welches er herabgetreten, an seiner Seite liegt, aber sogleich von einem Zuschauer aufgehoben wird, der es den noch dazu Kommenden zeigt.

Karl liegt auf der Erde, und Wurzel hält ihn an der Brust.
Zuschauer vollenden das Tableau.
Der Lärm, welchen man im Zimmer unter der Verwandlung schon hörte, dauert nach derselben einen Augenblick noch fort.

Wurzel.
Um die Wache fort! der Bursch ist ein Räuber. (Zwei Bediente laufen ab.) Er ist in mein Haus eingebrochen. ich massakrier ihn. Fallt mir der Kerl auf den Kopf.

Karl (hat sich aufgerafft und packt Wurzel).
Spitzbube! willst du mir meinen guten Namen wiedergeben?

Lottchen (stürzt aus dem Hause und ruft).
Himmel! Karl, was tust du – mein Vater.

Karl (im höchsten Zorn).
Wart, Schuft! du sollst den Bauer kennenlernen. (Eilt ab.)

AlleS (ruft).
Halts ihn auf! (Einige eilen ihm nach.)

Lottchen (stürzt in Verzweiflung zu Wurzels Füßen).
Vater! was haben Sie getan?

Wurzel (schleudert sie vom Tor weg).
Fort! Satan! (Er läuft schnell ins Haus und schlägt das Tor hinter sich zu.)

Lottchen (eilt ihm nach und will hinein).
Er hat das Tor abgeschlossen, wie wird das enden? Vater! Vater! Verzeihung! Hören Sie mich!

Wurzel (erscheint am Fenster mit dem Bünkel, in welchem sich Lottchens Bauernkleider befinden, außen ist der Strohhut aufgebunden).
Du bist nicht mein Kind, du bist eine angenommene Kreatur! Hinaus mit dir in den Wald, zu deinen Gespielinnen, zu die Wildgäns, wo ich dich gfunden hab, du Waldschnepf, (wirft ihr die Kleider hinab) in mein Haus kommst du nimmermehr! (Schlägt das Fenster zu.)

Lottchen (weint).
Ich unglückliches Kind! (Zu einem Schlosser.) Ach mein Herr, nehmen Sie sich doch an um mich.

Schlosser (recht derb).
Ja, da muß man halt gut tun, mein Schatz, wenn man von ander Leut Gnaden lebt. Was soll denn unsereiner sagen, der sich vor Kummer nicht aus weiß? da heißts fleißig sein! (Im nämlichen Ton fort zu einem vorübergehenden Tischlergesellen.) Franzl, wo gehst denn hin?

Tischler (schon an der Kulisse).
Ins Wirtshaus! (Geht hinein.)

Schlosser (ruft ihm nach).
Wart, ich geh auch mit, leih mir zwei Gulden. (Geht ihm nach.)

(Alle Zuschauer lachen und verlieren sich.)

Lottchen (allein).
Also so weit ist es mit mir gekommen? Gibt es denn kein Wesen, das Erbarmen mit mir hat? O daß die Nacht niedersinken möchte, um mich und meine Schande zu verhüllen.

(Dumpfer Donner. Musik. Graue Wolkenschleier senken sich langsam über die ganze Bühne herab. Dann sinkt die Nacht personifiziert nieder. Eine kolossal gemalte Figur, welche an Breite den größten Teil der Mitte des Theaters einnimmt. Sie ist in graues faltiges Gewand gehüllt, mit ausgestreckten Armen, einen schwarzen Mantel ausbreitend. Bleiches Angesicht und geschlossene Augen. Auf dem Haupte eine schwarze Krone, in der rechten Hand einen eisernen Zepter, dessen Knopf ein Mohnkopf bildet. Mit der Linken gebietet sie Schweigen. Sie schwebt ernst und feierlich herab und sinkt in das geöffnete Podium. Die Nebel vergehen und lassen die vorige Straße im Mondenglanz zurück. Die Luft ist rein und mit transparenten Sternen besäet, auch die Mondessichel ist transparent auf der Hinterkortine sichtbar.

Während diesem singen die Geister der Nacht folgenden Chor in der Kulisse.)

Chor.
In dem finstern Reich der Klüfte,
Die dem Glanz zum Hohn erbaut,
Herrscht die Königin der Grüfte,
Sie des Lichts verstoßne Braut.
Nur wenn durch der Unschuld Rufen
Sich ihr düstrer Busen hebt,
Kommts, daß über Tagesstufen
Sie zu ihrer Rettung schwebt.

(Auf dem vordern Fluggang schwebt ein Genius nieder mit einem glänzenden Brillantstern auf dem Haupte, er ergreift Lottchens Hand und führt sie während dieses Chores ab, welcher gleich aus dem ersten übergeht.)

Chor.
Darum folge ihren Sternen,
Sie erglänzen dir allein,
Führen dich in weiten Fernen
In das Tal der Ruhe ein.

(Der Genius führt sie fort. – Der Sturm heult, schreckliches Gewitter tritt ein, die Sterne verlöschen, der Mond wird rot.

Unter folgendem Chor kommen zwölf Geister der Nacht in grauem Flor, das Haupt mit Schleier verhüllt, das Antlitz bleich, jeder einen transparenten Stern auf dem Haupte, sie laufen auf der Bühne durcheinander und gruppieren sich endlich nach der Breite des Theaters gegen Wurzels Haus in drohender Stellung. Ober ihnen fällt, so breit als die Bühne ist, ein Chaos von Wolken ein, in welchen grau gemalte Geister den andern ähnlich schweben und sich so verschlingen, daß die Sterne auf ihren Häuptern die transparenten Worte bilden:

Entflieh nur der Pracht,
Dich rächet die Nacht.

Währenddessen folgender Chor.)

Chor.
Doch ihn zu verderben,
Der Lust zu enterben,
Verschwört sich die Nacht,
Ergreifet die Freude,
Stürzt sie als Beute
In grundlosen Schacht.

(Wenn die transparenten Worte erscheinen, singt der Chor die folgenden Worte und läßt sie schauerlich verklingen.)

Chor.
Entflieh nur der Pracht,
Dich rächet die Nacht.

(Auf Wurzels Fenster fliegt eine Nachteule mit glühenden Augen und schlägt mit den Flügeln an die Glasscheibe. Die Kortine fällt schnell.)

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