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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Achter Auftritt

Lorenz. Voriger.

Lorenz.
Was schaffen S'?

Wurzel.
Wo steckst denn, daß dich um mich nicht umschaust?

Lorenz.
Grad bin ich hinausgangen. Die Fräulein Lottel war vorher da und hat mit Ihnen reden wollen.

Wurzel.
Untersteh dich nicht, daß du ein Wort von ihr redst, ich will nichts wissen von der Wasserprinzessin. Ist das ein Betragen für ein Haus wie das meinige? Statt daß ein vampirenes Kleid anleget und mit ihren Vatern auf d' Promenad ging', bleibt s' das ganze Jahr zu Haus hocken und geht in einem spinatfarben Überrock herum.

Lorenz.
Sie taugt halt nur aufs Land. Sie will halt eine niedrige Person sein.

Wurzel.
Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt. Was ist denn heut für ein Tag?

Lorenz.
Freitag.

Wurzel.
Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch wieder vom Land herein. Und wenn er seine Fisch verkauft hat, ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drüben auf den Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr Fenster herüber wie ein Aff – Mit der Wacht laß ich ihn noch wegführen.

Lorenz.
Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.

Wurzel.
So laßt ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei Stühl auf der Erde. Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt. Ich laß ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts. Statt daß sie schöne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet s'? was stickt sie? lauter Fisch. Zu meinen Namenstag stickt sie mir ein Polster – was ist drauf ? ein großmächtiger Backfisch, aber ohne Kopf, – wie ich meinen drauflegen ist der ganze fertig. – Sie muß den reichen Juwelier heiraten.

Lorenz.
Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten? Sie sind ja so ein steinreicher Mann.

Wurzel.
Eben. Damit ich das bleib, darf sie den Burschen nie nehmen.

Lorenz.
Ich bin ein gscheider Mensch, aber das versteh ich nicht. So wenig als ich weiß, wo Sie auf einmal das viele Geld hergnommen haben damals, wie mir den Tag drauf die Hütten stehn haben lassen, das Vieh verschenkt, und sein über Hals und Kopf in die Stadt gezogen.

Wurzel.
Das werd ich dir jetzt alles erklären, weil ich durch so lange Zeit gfunden hab, daß du ein treuer Kerl bist, der mich nie betrügen wird, (gutmütig) nicht wahr, Lenzl?

Lorenz (heuchlerisch).
Hören Euer Gnaden auf, oder mir kommen die Tränen in die Augen.

Wurzel.
Es war so: Vor zwei Jahren, da geh ich so in der Dämmerung zwischen acht und neun ganz verdrüßlich von meinen Krautacker nach Haus. Auf einmal machts was: Pst! Pst! Ich schau mich um, so sieh ich quer übern Acker einen magern Mann auf mich zueilen, ein gelblicht grünes Gwand an mit goldenen Borten, so, daß ich ihn anfangs hab für einen Leibhusaren von einer Herrschaft ghalten, er aber bitt mich, ich möchte niemand etwas davon sagen, und er wär ein Geist, und durch die Borten wollt er mir andeuten, wie außerordentlich er für mich bordiert wär, kurz, er wär der Neid und wollt mich glücklich machen.

Lorenz.
Das ist eine schöne Bekanntschaft.

Wurzel.
Nur still. Er sagt, er hätte einen alten Schatz, den er gern los sein möcht, und den wollt er mir schenken, ich müßte aber in die Stadt ziehen und recht aufhauen damit, was ich nur kann, und besonders das Mädel soll ich recht herausstaffieren und solls nur ja nicht zugeben, daß sie den Fischer heirat, soll mich aber nie unterstehen zu sagen, daß ich mein Glück verwünsche, sonst verschwindet alles, und ich müßt betteln gehn. Jetzt möcht ich aber gleich nach Haus gehn, der Schatz wird schon zu Haus sein. Darauf ist er unter die Krauthappeln verschwunden, und ich hab ihn nimmer gesehen.

Lorenz.
Nun, und wo war denn der Schatz?

Wurzel.
Ich geh nach Haus, such 's ganze Haus aus – find nichts. Endlich kommt mir der Gedanke, schau auf den Treitboden hinauf. Hörst, ist dir der ganze Boden voll, und mit was? Mit lauter Galläpfel. Jetzt gschieht mir recht, denk ich mir, was kann man vom Neid anders erwarten als Gall und Verdruß, komm in Zorn und beiß einen auf. Was ist drinn? Ein Dukaten! Ich nimm noch einen – noch einen – lauter Dukaten! Lenzl, jetzt hättest du die Beißerei sehen sollen. Ich kann sagen, ich hab mir mein Vermögen bitter erworben. Vierzehn Tag nichts als Galläpfel aufreißen, das wird doch eine hantige Arbeit sein. Mordsakerlot!

Lorenz.
Ah, das ist ein Unterhaltung. Nu, jetzt werd ich den Fischer jagen, wenn sich der noch einmal sehen läßt.

Wurzel.
Schau aufs Mädel, und wie du was siehst, sagst mirs!

(Trinkt aus einem Fläschgen.)

Lorenz.
Aber müssen Euer Gnaden denn immer naschen?

Wurzel.
Still! ich nimm ein zum Gscheidwerden.

Lorenz.
Und gibst denn da eine Medizin dafür?

Wurzel.
Freilich, ich habe den Doktor so lang sekkiert, bis er mir was geben hat, was mich gscheid macht. Da krieg ich alle Wochen so ein Flaschel voll, das kost vierzig Dukaten, das treibt den Kopf auseinander. Das soll ich nur ein paar Jahr fortnehmen, sagt er, und wenn ich einmal ein paar tausend Dukaten drauf spendiert hab, so wird mir auf einmal ein Licht aufgehen, und da werd ich erst einsehen, wie dumm als ich war.

Lorenz.
Ich wünsch Ihnens, es wär die höchste Zeit. Lassen mich Euer Gnaden auch trinken, ich möcht auch recht abgwixt werden.

Wurzel.
Das kost zu viel. Ich werd dich schon so einmal recht abwixen, daß du auf eine Weil gwitzigt bist, nachher wirst schon wissen, wieviels gschlagen hat. Ich geh jetzt aus, ich muß mir Sporn kaufen. Und du gehst zum Tandler in die Vorstadt hinaus und laßt die vielen Bücher hereinführen, die ich gestern bei ihm kauft hab, sperrst dann das Zimmer auf, was ich zur Biberlithek bestimmt hab, und schüttest die Bücher ordentlich hinein auf einen Haufen und zahlst ihm s'.

Lorenz.
Schon recht!

Wurzel.
Und daß er mich nicht betrügt, ordentlich messen, ich hab sie buttenweise gekauft, die Butten um fünfundzwanzig Gulden – keinen Kreuzer gibst mehr. Und wennst unten durchgehst, sagst den Koch, daß die Tafel gut ausfällt, heute Mittag im Gartensaal auf zwanzig Personen, und auf die Letzt soll er ein kleines Faßl Punsch machen. Allez! (Lorenz ab.) Ich mag halt reden, von was ich will, ich komm halt immer aufs Essen zurück. Selbst wie ich noch im Wald war, wenns gschneit hat, und ich bin auf dem Feld gstanden, ist mir die ganze Erden vorkommen, als wenn s' ein großer Tisch wär, wo ein weiß Tischtuch drauf ist, und alle Leut auf der Welt zum Essen eingeladen wären.

Arie
                  Die Menschheit sitzt um billgen Preis
Auf Erd an einer Tafel nur,
Das Leben ist die erste Speis,
Und 's Wirtshaus heißt bei der Natur.
Die Kinder klein noch wie die Puppen,
Die essen anfangs nichts als Suppen,
Und bloß nur wegn dem boeuf à la mode
Schaun d' jungen Leut sich um ein Brot.
Da springt das Glück als Kellner um,
Bringt öfters ganze Flaschen Rum,
Da trinkt man meistens sich ein Rausch
Und jubelt bei der Speisen Tausch.
Auf einmal läßt das Glück uns stecken,
Da kommen statt der Zuspeis Schnecken.
Von Freunden endlich oft verraten,
Riecht man von weitem schon den Braten,
Und bis erst bringen das Konfekt,
Gschiehts oft, daß uns schon nichts mehr schmeckt.
Der Totengräber, ach herrje!
Bringt dann die Tasse schwarz Kaffee
Und wirft die ganze Gsellschaft 'naus.
So endigt sich der Lebensschmaus. (Geht ab.)

Neunter Auftritt

Lottchen kömmt herein.

Lottchen.
Der Vater ist an mir vorübergepoltert, ohne auf meinen guten Morgen zu hören, er will in lauter glückliche Augen schaun, er geht aus. (Geht an das Fenster und erschrickt.) Ach, dort ist Karl! er hat seine Fische schon verkauft. Wer ist denn der fremde Mann, der bei ihm ist? Sie werden doch nicht heraufkommen? Himmel, wenn ihn der Vater sieht! Wie unvorsichtig! Hier sind sie schon.

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