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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 14
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Vierter Auftritt

Die Zufriedenheit. Wurzel.

Zufriedenheit.
Wer lärmt denn so entsetzlich?

Wurzel.
Der Aschenmann ist da, Euer Gnaden Fräulein Köchin. Sie werden noch nicht die Ehre haben, mich zu kennen? Ich bin ein neuer, der alte ist gstorben, ich habs erst heute übernommen. Ich bitt um Verzeihung, ich hab noch keine Visitkarten herumgeschickt. Ich heiße Fortunatus Wurzel.

Zufriedenheit.
Er ist mein einst so fröhlicher Bauer? Ich hätte Ihn nicht erkannt.

Wurzel.
Ich weiß, wenn man einmal so ausschaut, kennen einen die Weibsbilder nicht mehr.

Zufriedenheit (für sich).
Nu, den haben die Geister schön zugerichtet. (Laut.) Du armer Narr!

Wurzel.
Jawohl, arm bin ich, und ein Narr bin ich auch gewesen! Ja meine liebe Köchin, ich hab schön abgekocht, mit mir ists vorbei.

Zufriedenheit.
Wie alt bist du denn?

Wurzel.
Ich hätte sollen die Vierziger kriegen, aber die Zeit hat sich vergriffen und hat mir einen Hunderter hinaufgemessen, und den halt der Zehnte nicht aus. Die Zeit ist ein wahrer Korporal, der mit die Jahr zuschlägt. Im Anfang hat s' ein Rütchen von lauter Maiblümeln, da gibt s' einem alle Jahr so einen leichten Tupfer, das gfreut einem, da springt man wie ein Füllerl. Hernach kommt s' mit einen Besen von lauter Rosen, da sind schon Dorn dabei, nach und nach schlagen sich die Rosen weg, ist der Haslinger da. Endlich kommt s' mit einem Wiesbaum daher, laßt ihn nur umfallen, aus ists. Aber es gschieht mir recht, warum bin ich kein Bauer geblieben? Den Fischer da drinn wirds akkurat so gehen.

Zufriedenheit.
Kennst du den Fischer?

Wurzel.
Freilich. Er hätt ja mein Schwiegersohn werden sollen. Wenn ich ihm s' nur geben hätte! Viel tausendmal hats mich schon gereut.

Zufriedenheit (für sich).
Er dauert mich. (Laut.) Ist dir diese Äußerung ernst?

Wurzel.
O meine liebe Jungfer Köchin, wenn Sie mein verwurlte Geschicht wußten, so täten S' nicht so dumm fragen.

Zufriedenheit.
Ich weiß deine Geschichte, ich habe sie in dem Buche des Schicksals gelesen.

Wurzel.
So? Sind Sie auch eine solchene, die statt dem Kochen liest?

Zufriedenheit.
Bereuest du, was du getan hast?

Wurzel.
Von ganzem Herzen.

Zufriedenheit.
Beneidest du den Fischer um sein Glück?

Wurzel.
Um kein Schloß nicht! Den wirds reuen, das ganze Dorf redt davon. Ich kenn s' schon, die Geister die einem solche Häuser schenken. Heut nach haben s' ihms aufgebaut von Diamanten und rote Rüben, glaub ich. Wie s' ihm erwischt haben, weiß ich nicht.

Zufriedenheit.
Würdest du ihm jetzt deine Ziehtochter geben?

Wurzel.
Um kein Preis. Erstens weil ich s' nicht habe, zweitens weil s' mit den Reichtum eine unglückliche Person würde.

Zufriedenheit.
Wenn er aber wieder würde, wie er war?

Wurzel.
Nachher soll er s' haben, aber suchen muß er s' zuerst, denn die ist vielleicht gar in der chinesischen Schweiz.

Zufriedenheit.
Er wird sie finden, und ist er ihrer Liebe würdig, so seid ihr alle gerettet, und auch du wirst wieder glücklich werden.

Wurzel.
Wär das möglich! Ausgstanden hätt ich mir schon genug. Aber was können Sie wissen? Reden wir von was Gscheiden. Haben S' keinen Aschen?

Zufriedenheit.
Ich wollte, ich könnte schon die Asche dieses Schlosses in deinen Kübel leeren.

Wurzel.
O meine liebe Mamsell Köchin, das war ein schöne Gegend. Ein jedes Stammerl kenn ich davon, der einzige Baum da drauß ist stehngeblieben. Sehen S' den Baum? da dran ist die Fischerhütten gstanden, da ist just ein Rosenberg darüber zaubert, der Gipfel ist grad so hoch, als das Dach von der Hütten war.

Zufriedenheit.
Gut, auf die Spitze dieses Hügels setze dich und erwarte meinen Wink. Siehst du die Sonne untersinken, und ich habe dich noch nicht gerufen, so sehe es als ein Zeichen an, daß dein und andrer Glück mit ihr hinuntersinkt, doch wirst du sie in unserer Mitte schauen, so geht dir eine neue auf, dafür bürge ich dir mit meinem Wort.

Wurzel.
O du mein Himmel, was reden Sie für eine schöne Sprach, als wie ein verkleideten Professor. Gelten S', Sie sein keine Köchin?

Zufriedenheit (lächelnd).
Nein, das bin ich nicht.

Wurzel.
Was sein S' denn?

Zufriedenheit.
Das wirst du erfahren. Jetzt befolge, was ich dir befahl.

Wurzel.
Ja, ich wills gern tun. Aber wenn ich etwa ein paar Monat oben sitzen muß, bis Sie mich rufen, so bringt mich der Hunger um. Haben S' denn gar nichts für meinen aschgrauen Magen?

Zufriedenheit (Lächelnd).
Nun so warte. (Sie geht in die Tür ab.)

Wurzel.
Das ist eine gute Person. Wenn ein Herr so eine Köchin hätte, wär s' manchen lieber als der gschickteste Koch.

Zufriedenheit (kommt zurück und bringt ihm eine Linzertorte und eine Flasche Wein).
So, mein Alter, labe dich. (Sie hält ihm die Torte hin.)

Wurzel.
Werfen S' die Torten nur in die Butten hinein.

Zufriedenheit.
Sie ist ja voll Asche.

Wurzel.
Das macht nichts, das ist gut für die Brust, den Wein schütten wir vorn hinein. So, ich danke.

Zufriedenheit.
Nun leb wohl. Tröste dich und hoffe. (Sie geht in den Palast, nicht in das Nebengebäude, ab.)

Wurzel.
Ich hab die Ehre zu sehen. Wenn s' nur nicht auf mich vergißt, daß ich etwa aufs Jahr um die Zeit noch oben sitze. Wegen meiner, ich bleibe halt oben sitzen, schau hinunter, auf die Leut, und wenn ich was Dalkets sieh, so schrei ich: Einen Aschen!

Arie
          So mancher steigt herum,
Der Hochmut bringt ihn um,
Trägt einen schönen Rock,
Ist dumm als wie ein Stock,
Von Stolz ganz aufgebläht,
O Freundchen, das ist öd!
Wie lang stehts denn noch an,
Bist auch ein Aschenmann!
    Ein Aschen! Ein Aschen!

Ein Mädchen kommt daher,
Von Brüßlerspitzen schwer,
Ich frag gleich, wer sie wär?
Die Köchin vom Traiteur!
Packst mit der Schönheit ein,
Gehst gleich in d' Kuchel 'nein!
Ist denn die Welt verkehrt?
Die Köchin ghört zum Herd.
    Ein Aschen! Ein Aschen!

Doch vieles in der Welt,
Ich mein nicht etwa 's Geld,
Ist doch der Mühe wert,
Daß man es hoch verehrt.
Vor alle braven Leut,
Vor Lieb und Dankbarkeit,
Vor treuer Mädchen Glut,
Da zieh ich meinen Hut.
(Nimmt den Hut ab.)
    Kein Aschen! Kein Aschen! (Ab.)

Fünfter Auftritt

Verwandlung

Zimmer im Palast mit grellroten Tapeten, ober der Tür in der Superporte das Sinnbild des Hasses. In der Ecke ein weißer schöner irdener Ofen, oben mit einer Vase. An der ersten Kulisse ein Fenster. Eine Seiten- und eine Mitteltür mit Vorhang. Auf der anderen Seite ein großer Alkoven mit einem Vorhang.

Die Zufriedenheit tritt zur Seite ein und geht ans Fenster.

Zufriedenheit.
Umsonst, der Abend kömmt und er noch nicht. Wär ich nicht die Zufriedenheit selbst, ich würde ihr schon nicht mehr angehören. Wo nur der unglückselge Magier weilt?

Ajaxerle (öffnet ein Türchen im Ofen und sieht mit dem Kopfe heraus).
Pst! Verzeihe Sie, sind Sie die Zufriedenheit?

Zufriedenheit.
Ja, mein Herr.

Ajaxerle.
Warte Sie, ich komm gleich. Friesele, sauf, Öfele, tu dich gschwind auf! (Donnerschlag. Der Ofen teilt sich in der Mitte auseinander, so zwar, daß das rußige Innere des ganzen Ofens sichtbar wird. Der gemauerte Herd in der Mitte bleibt aber stehen, auf welchem Ajaxerle auf einem eisernen Dreifuß sitzt und das kleine Zauberbüchlein und den Stab in der Hand hält.) Nun, dem Himmel sei Dank, daß wir uns einmal sehe! Ich sitze schon über eine halbe Stunde da im Ofen und tu auf Sie passe.

Zufriedenheit.
Endlich einmal! Sie sind doch –

Ajaxerle.
Freilich! ja, ich bin der Magier Ajaxerle und muß Ihnen Nachricht bringe.

Zufriedenheit.
Sprechen Sie schnell.

Ajaxerle.
Ein schönes Kompliment von die Geister, und der Fischerkarl hat von dem Spitzbuben, von dem Haß, einen Ring bekommen, der ihn so reich macht, und Sie sollen alles aufbiete, daß er ihn wegwerfe tut. Und dann sollen Sie die zwei Leutle gleich herunter vermähle, sonst ist alles verlore. Sein Reichtum tut nur so lange dauern, als er den Ring am Finger hat. Kurz, wenn Sie die Geister brauchen sollten, so möchten Sie da die Schnur Perle voneinander reiße, da sind zwölf Geister angefädelt, die werden alles vollbringen. Die andern stehen auch schon auf der Paß. (Gibt ihr eine Schnur Perlen.)

Zufriedenheit.
Aber warum haben Sie uns denn nicht abgeholt?

Ajaxerle.
Weil ich mich verschlafe hab. Ich hab mich über den Bauer so zürnt, daß mir völlig übel war, und da bin ich nach dem hohen Berg, nach dem Geisterscheckel, und hab mit die Geister erst den Plan abgemacht, bin wieder fortgloffe und hab ein Würstle bestellt, und dann hab ich aus Müdigkeit mich auf ein paar Minute niedergelegt und bin erst heute in der Früh munter worde, und derweile hat der Haß den Fischer abgfangt, und wie ich daher komme bin, hab ich den Palast gesehen, und er war mit dem Haß nach der Stadt gfahren. Da bin ich gleich zu die Geister hinaufgsprungen und hab ihnen alles erzählt, da haben sie mich brav ausgemacht, haben Ihnen den Amor geschickt, und mich haben sie mit einem kleinen Scheckle über den großen heruntergeplescht, daß ich da auf Ihnen warte soll. Sie haben zwar anfangs durchaus wem anderen schicken wollen, aber ich hab mirs nicht nehme lasse, ich muß mein Bäsle retten.

Zufriedenheit.
Und wie kommen Sie denn dort hinein? (Auf den Ofen deutend.)

Ajaxerle.
Wie ich da über die Stiege herauf bin, ist mir einer mit einem Prügel nachgelaufen und da bin ich geschwinde in den Ofen hineingschlupft und bin nimmer heraus. Ich hab mir gedacht, Sie müssen schon zufälligerweise heraufkomme.

Zufriedenheit.
Wenn ich nun aber nicht gekommen wäre?

Ajaxerle.
Ja, da wär ich drin steckenbliebe, ich werd mich doch wegen Ihne nicht schlagen lasse.

Zufriedenheit.
Wissen Sie ihn denn nicht zu finden? Es ist die höchste Zeit.

Ajaxerle.
Er muß gleich komme. Der Bustorius ist ihm schon nach in die Stadt, der wird ihn schon herprügle.

Lärmen (von außen).
Er kommt! Vivat der gnädige Herr!

Zufriedenheit.
Er kommt, machen Sie, daß Sie fortkommen, und die Geister sollen in der Nähe sein.

Ajaxerle.
Ja, wie komm ich denn hinaus? Die Kerls passen ja auf mich!

Zufriedenheit.
So machen Sie sich unsichtbar.

Ajaxerle.
Das kann ich ja nicht. Ich bin ja nur ein Magier, ich bin ja kein Geist. Ich muß mich ja in etwas verwandle.

Zufriedenheit.
Nun so verwandeln Sie sich, aber nur geschwind.

Ajaxerle.
Ja, das geht ja nicht so geschwind, ich lern ja die Zauberei erst drei Jahr, ich bin ja nicht freigesprochen noch. Ich muß erst nachschlagen. Wissen Sie was? Ich geh wieder hinein (deutet auf den Ofen) und verwandle mich drinnen in ein Ofenruß. In einer halben Stunde kommt der Rauchfangkehrer und kehrt mich hinaus. So, jetzt lebe Sie wohl. (Er steigt in den Ofen, welcher sich wieder schließt.)

Zufriedenheit.
Endlich ist er fort.

(Man hört von außen Böller lösen und Vivatgeschrei. Lottchen stürzt zur Mitte herein.)

Lottchen.
Er kommt! Er kommt! (Sie öffnen hastig das Fenster.) Er ists! Er ist allein! (Sie streckt die Arme nach ihm aus.) Ach Karl!

Zufriedenheit (zieht sie schnell vom Fenster zurück).
Du verdirbst alles. Folge mir! (Zieht sie schnell in den Alkoven und läßt den Vorhang vor.)

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