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Der Aufgang des Abendlandes

Karl Bleibtreu: Der Aufgang des Abendlandes - Kapitel 36
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authorKarl Bleibtreu
titleDer Aufgang des Abendlandes
publisherWilhelm Borngräber Verlag
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firstpub1925
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V

Laut 4 entdeckten Fundamentzylindern des Babylontempels herrschte der Weise Sargon der Akkader schon 3000 Jahre vor dem von Cyrus besiegten Babelkönig, Statuen zu Tellot aus grünem Sinaistein entstanden gleichzeitig mit den Pyramiden, Stadt Erida an der Euphratmündung schon 5000 v. Chr., die »Berechnungen des Bai« beweisen, daß die Sonne damals bei Frühüngsäquinoktien nicht im »Fisch« oder »Widder«, sondern im »Stier« stand, jedenfalls reichen die historisch bekannten ersten 4 Pharaonendynastien viel weiter zurück als die z.B. von Spengler benutzten falschen Jahreszahlen. Für Tertiär schwanken nun die Geologen zwischen 2 und 15 Millionen Jahren, Atlantis soll schon im Eozän erste Anzeichen des Versinkens gegeben haben, wir bevorzugen nach unserem Ermessen ein mittleres, doch sehr verkürztes Maß. Abkühlung des Planeten vor 20 Milionen Jahren (Helmholtz), 70 (Croll), 10–100 (Thompson), 240 (Lyell), 300 (Darwin), 350 (Bischoff), 500 (Reade), 1000 (Huxley)!! Nach so bunter Speisekarte wissenschaftlicher Exaktheit haben wir uns auf 320 verständigt. Bildung der Kontinente vor 650+000 bis 27 ½ Millionen Jahren, sogar 37 (Houghton), nach anderer Berechnung gar 131+½ für sedimentäre Verkrustung! Eiszeit 80–240+000, seither 20–240+000 verstrichen! Also völliger Wirrwarr, jedenfalls belächeln Indologen grundlos die großen Zahlen indischer Mythologie, Wissenschaft ergeht sich in gleich ungeheuren Zeiträumen, wo Darwinisten behaglich mit ihrer Allmählichkeit lustwandeln. Und wie außerhalb der Erde? Der Inder Planetengeister (Dzyan Cohans) sind nur in unserm eigenen Planetensystem zu Hause gedacht, doch die Vorstellung, daß im All kein Leben herrscht als auf unserer lange unbewohnten Erdkugel, ist einfach komisch. Hat jedes Atom Bewußtsein wie Haeckel so treuherzig bekennt, wieviel stärker sind dann erst die Planeten von lieben besät! Wir kennen nicht mal unser Ich, unsere Schlafträume zeigen Vorstellen des Bewußtseins ohne sinnliche Wahrnehmung, wie können wir über Bewußtsein anderer Organismen und gar erst der Planeten etwas wissen! Sonne, Mond, Venus, Merkur als Wohl-, Mars, Saturn, Neptun als Übeltäter sind wahrscheinlich geistige Prinzipien, ihre Geister in der Lage, auf die kleine Erde ständigen Einfluß zu üben, was ja auch physikalisch für Sonne und Mond feststeht. Leider verirrte sich hier Swedenborg und lieferte ein trauriges Beispiel zur Vermenschlichung submundaner Begriffe, was er auf Übersinnliches übertrug, das sich notwendig von irdischer Auffassung unterscheidet. Davon hielt sich, obschon er sich über solche Verschiedenheit klar ist, auch Flamarion nicht frei, denn er nimmt menschliche Lebensbedingungen für Behausung anderer Planeten an (Pluralité des Mondes). Die Erde selbst unterliegt ja mannigfacher Zerstörung, richtiger Verdunklung und Herabsinken, jedenfalls physischer Veränderung der Lebensmöglichkeit – wie erst Gleiches auf andern Planeten!

Sogar die jüngste verworrenste der archaischen Schriften, die hebräische, entnimmt älteren Quellen die Aufzeichnung, daß die erste Wurzelrasse der »Könige von Edom« ausstarb, daher an Kontinuität in darwinischem Sinne gar nicht zu denken ist. Spricht der Herr zu Rebekka: »2 Völker sind in deinem Leibe«, so mag dies auf Übergang von 4. zu 5. Rasse Bezug haben, die 4. ist außer jenen wenigen Exemplaren, die als göttliche Könige und Hohepriester von Noahs Geschlecht die Führung übernahmen, sicher ausgestorben. Manche Gelehrte geben heute zu, daß der Mensch in sehr verschiedenen Adams und Evas zahlreicher Rassen gleichzeitig auftrat. Laut Baumgarten befanden sich die ersten Menschen in Larvenzustand, zu so künstlichen Vorstellungen (siehe auch Steiner) kommt, wer das nämliche in viel prägnanterer Form, nämlich Astralmenschen der Geheimlehre, nicht kennt oder als Hirngespinst verwirft. Um Urzeugung kommt man nicht herum, selbst Huxley, Tyndall, Büchner nicht, auf Befruchtung durch Meteoriten (Thompson) hat man verzichtet und wer legte das Urei für den Befruchter? Jedenfalls gab es sehr verschiedene Protoplasmas an sehr verschiedenen Stellen für den Menschen, der rein spontan aus sich heraus in die Erscheinung trat. Vorkommen miozäner Pflanzen in Grönland, Ähnlichkeit amerikanischer und japanischer Flora (Botanik von Heer und Unger) mit Westeuropa legen nahen Zusammenhang dieser Punkte mit Atlantis fest, dessen untergehende Flora an die Küsten dieser neuen Länder angespült sein mag. Japans vulkanische Inselgruppe, vielleicht ein Atlantiszipfel, gleicht polynesischen Eilanden: Zersprengung durch submarine Erschütterung, die britischen Inseln sind viermal versunken und wieder aufgetaucht. Nordsüdeuropa gab es erst zur Zeit der 5. Rasse, von Nordafrika nur Insel Abessinien, von der die Erde sich ausbreitete und die Wasser verdrängte. Als der Pas de Calais noch trocken war, gaben Eindringlinge aus Arabien und Nubien Anlaß zum Begriff Hamosemiten, wahrscheinlich hoben sich Zentral und Südafrika aus den Wellen nach Versinken Lemuriens, von dem im afrikanischen Gewässer Madagaskar übrig blieb. Durch Atlantis' Sturz erfolgte natürlich ein großer Riß, die wenigen Geretteten übermittelten nur nach tropischen Gegenden, auch zu Azteken und Peruanern, ihre Geheimnisse, doch im neuen Europa der Eiszeit unter kümmerlichen Verhältnissen treffen wir trotzdem Künstler und Techniker, auch diese hartbedrängte Rasse bewies sogleich ihre Ausstattung mit hohen Fähigkeiten. Kein Fachmann dürfte bestreiten, was der Naturforscher Rollstone andeutet, daß »intellektuelle und moralische Eigenschaften die erste statt der zweiten Rolle im progressiven System spielen«. Tatsächlich spürt man beim Kinde zunächst intellektuelles, erst viel später physisches Wachstum, ganz wie es die Geheimlehre bei vegetativ-geistigen Menschen beschreibt, auch hier wissenschaftlicher als die Wissenschaft. Vergeistigung der Ursprungsmenschen hielt trotz zunehmender Verkörperlichung noch so lange vor, daß sie schon früh eine Schreibart anwendeten, von der die gefundenen »Kerbholze« ein späteres Zeugnis geben. Wenn bei dreimaliger astronomisch nachweisbarer schiefer Ekliptik der Erdachse vertilgende Erschütterungen den größten Menschheitsteil wegrafften, so muß die 5. Rasse sich nach früher vorhandenem Typ neu entfaltet haben. Von den Tierformen erhielten sich wohl meist die Fische, doch wer weiß, welch gräßliche Ungetüme bei Aufwühlung der Meere untergingen! Die Reptile sind nur noch in beschränkter Zahl und kleineren Maßstäben da, die Zwischenart der Riesenvögel erlosch, der Papagei scheint aber vor Beginn historischer Zeit erkennbar. Dem Pferd verschaffte man einen variablen Stammbaum, doch weil der Typus Pferd sich erneuerte, ist keineswegs gesagt, daß dieser so spät in Europa auftretende Vierfüßler noch mit den zerstörten problematischen Formen eines Acht- und Zwölffüßlers zusammenhing. Für den Menschen hat nicht der Naturalist, sondern der Historiker das Wort, indem er alle ethnologischen Urkunden pietätvoll sammelt, ohne sich Glossen zu erlauben, die nicht am Platze sind. Überlieferungen hat er hinzunehmen ohne Fragezeichen und Achselzucken.

Nichts spricht dafür, daß jene nachdenklichen Weisen an kindlichem Wunderglauben litten, vielmehr hätten sie katholische Wunder ausgelächelt, die sich das Landvolk noch heute aufbinden läßt, bis ins 16 Jahrhundert von Gelehrten eifrig verteidigt. Wenn jene für uns Wunderbares berichten wie Vater Herodot, so verzeichneten sie einfach Tatsachen mit chronistischer Ruhe; wo sie Allegorien anwandten, geschah es für die Plebs exoterisch, während sie esoterischen Schlüssel für sich behielten. Was anders als Wunderglauben ist das angebliche Gesetz, Materie steige von einfachen zu komplizierten Gebilden auf? Das Riesenfaultier war minder einfach als das heutige elende Geschöpf dieses Namens, der Flügeldrache komplizierter als ein Alligator, der fingierte Dryopitekus anatomisch bedeutender als der Gorilla. Es ist durchaus logisch, daß der Mensch selber damaliger Riesenfauna und -flora entsprach, da er sich sonst nicht halten konnte, er degenerierte einfach mit gleicher Antientwicklung wie die Fauna immer schwächer und kleiner, auch war ein zyklopischer Magier sicher psychisch komplizierter als unsere einseitigen Verstandesdrechsler. Verlegt man Evolution ins Geistige, so ist beim besten Willen nicht einzusehen, warum einstige Raub- und Weidetiere dümmer gewesen sein sollten als heutige oder unsere Vögel klüger als Vogel Greif, da diese Symbole (Wotans Rabe, Athenes Eule) auf Erfahrung besonderer Vogelklugheit beruhen, wie denn der erste Papagei wohl geradeso dämonisch klug gewesen sein wird wie mancher heutige, der altindische Elefant als Weisheitssinnbild galt, während Nashorn und Flußpferd gerade so dumm waren wie heute. Über den Urmenschen, Originalschöpfer aller Kultur mit geringen Mitteln, schritten die Nachfahren überhaupt nicht fort, um das mindeste zu sagen, ihre endlos angesammelten Fertigkeiten wurden zehnmal aufgewogen durch Mangel an Intuition und Originalität, man darf ruhig sagen: Jene waren genial, die Modernen nur talentvoll. Nur in der Kunst gibt es insofern keinen Rückschritt, weil einzelne Hochbegnadete in jedem Zeitalter geboren werden, indessen darf man auch hier das Kunstmilieu der Ägypter und Griechen höchstens mit der italienischen Renaissance vergleichen.

Cro-Magnon-Leute hält man für Verwandte der Basken, Kanarischen Guanchos und sogar Amero-Indianer, miozänische Flora Frankreichs wird als afrikanisch angesprochen, jedenfalls saßen allerlei fremde niedere und höhere Rassen in Europa bunt durcheinander, zumeist aus Asien eingewandert. Also ist es unmöglich, aus europäischen Fossilien, und das sind die allermeisten, einen allgemeinen Zustand zu begründen und Stammväter zu suchen. Saispriester erzählten Solon, daß ein kleiner Rest erhabener Atlantier sich nach dem neuaufgetauchten Hellas rettete. Von den neuentstandenen Unterrassen besuchten Semiten nur als Händler Europa, dagegen macht der Negertyp von La Noulette in Belgien möglich, daß Afrikaner von der damals trockenen Gadesenge herüberkamen und dann von den Ariern vertrieben wurden. Diese Hochgewachsenen stammen sicher nicht vom älteren Cannstadt- und Engismenschen ab, die arische Völkerflut kam vom Hindukusch, wohin sich die Nordländer vor der Eiszeit flüchteten. Die Zyklopenbauten der Pelasger in Hellas und Italien ähneln nun überraschend den Architekturen in Mexiko, Yukatan, Peru, dortige Rassen waren aber alt genug, um Erinnerung an die Zeit zu bewahren, wo die Anden sich plötzlich aus dem Meer erhoben, während Atlantis zu sinken begann. Kein Vernünftiger darf mehr daran zweifeln, daß ein geheimnisvolles Kulturband zwischen China, Ägypten, Amerika sich nur vom gemeinsamen Zentrum Atlantis herleiten konnte. Hiermit wird frühe Gleichzeitigkeit des Menschen mit größten und ältesten Tieren möglich (Quatrefages), da einer solchen Kultur doch längere Halbbarbarei vorhergehen mußte. Betrachten wir noch die fast historische Eiszeit, so schätzt sie Draper in Europa auf 200+000 Jahre (für viel ältere Besiedlung des Niltals schätzen wir das Doppelte), diese ungenaue Ziffer trennt aber noch 1-Mill.-Jahres-Kluft vom Spättertiär, wir glauben daher nicht an Reise von Isispriestern nach Carnac und Stonehenge, sondern diese Bauten wurden viel früher von atlantischen Emissären errichtet oder vielmehr die Urmysterien waren damals gleichmäßig in allen Landen verschwistert. Laut Nilson-Lubbok grub man 1807 sogar ein neolithisches Skelett von ungemeiner Größe aus, selbst der spätere Mentonemann maß 7 Fuß, auch hört man ja von Enaksöhnen der Philister, wohl versprengten Ariern, doch Davids und Goliaths gab es überall; daher ist sinnlos, allgemeingültige Europäerrasse unter Verbindung mit altern »Tyrolern«, »Heidelbergern« zu konstruieren. Alles spricht für tertiäre Existenz einer besondern Riesenrasse. Ihr Eifer für Donnellys »Atlantis« reißt die Bl. zu weit fort, wenn sie die Babelhure der Apokalypse darauf bezieht, doch lassen sich Anspielungen dort und im Alten Testament auf 7 Runden, 7 Kontinente, 7 Rassen nicht verkennen, was dann freilich über Sinn und Zweck dieser »Offenbarung« ein anderes Licht verbreiten würde. Jedenfalls nahmen Kabbalisten und Gnostiker, während exoterisches Judentum in Jahvepartikularismus sich versteifte, jene uralte Esoterik in sich auf, die sich überall auf Erden glich. Die »Hünengräber« der Dolmen mögen in besonderen Fällen späterer Zeitalter Leichen großer Häuptlinge aufgenommen haben, sonst dienten sie lediglich religiösen Symbolen, »Allegatorhügel« am Mississippi, »Schlangenhügel« am Ohio machen dies klar genug. Man trifft dort einen Lindwurm von 250 Fuß, eine Schlange von 1100 Fuß Länge, deren offener Rachen ein Ei von 100 Fuß Durchmesser verschlingen will: Zeit, die den Kosmos verschlingt, Warnung für die Zukunft. Diese großartige Allegorie ist mit erstaunlicher Geschicklichkeit in Stein gehauen, also standen die Atlantiernachfahren in Neuamerika schon auf sehr hoher Stufe, was gewissen Aztekensagen entspricht. Mit welchen Werkzeugen physische und intellektuelle Giganten diese für uns unmöglichen Felsmonumente schufen? Mit außerordentlichen, uns unbekannten.

Virchow konnte in europäischen Gräbern keine Riesenknochen finden, denn die Atlantier wohnten woanders, spätere Geschlechter mögen die magischen Tempel gelegentlich zu Kirchhöfen benutzt haben, in Urzeit verbrannte man aber wahrscheinlich die Toten, wie pelasgische Griechen und Römer den Brauch übernahmen. Dies beweist, daß die Urreligion auf den Körper keinen Wert legte. (Wir werden also schwerlich Atlantierskelette erhalten, außer angespülten Deichen in Strandhöhlen.) Ägyptische Mumienbalsamierung wollte freilich die Reinkarnierung unterstützen. Die Riesenschlange am Ohio wäre das Wappen der Atlantis, »die große Schlange der Zeit«, gewesen, für welche Behauptung wir der Bl. die Gewähr überlassen. Die Bewohner des neuen Kontinents waren demnach immer noch Kunstbegabte, Techniker von gewaltiger Körperkraft, wie man in Kansas Fußtapfen von Riesen gefunden haben will. Betreffs der von Spengler für Aztekenreiche bevorzugten geringen Zahlen leiteten spanische Chronisten irre, deren kirchliche Verdummung vor allzu großen Ziffern erschrak. So versetzt man heute auch das Maja-Manuskript Zentralamerikas (Rettung nach Ägypten) auf ein lächerlich spätes Datum. Fossilien verweisen Amerikas Entstehen an den Schluß des Sekundärs, jedenfalls siedelten Menschen auch dort im ganzen Spättertiär. Später lernten sie zwar Eisen nicht kennen, entwuchsen aber dem Steingebrauch, hatten Waffen von Obsidian und Goldrüstungen, ihre Staatsverfassung näherte sich in Peru (damals ein mächtiges Reich bis Mitte Brasilien) kommunistischer Sozialisierung, in Mexiko römischem Cäsarismus, das nur dort vorkommende Menschenopfer hat nichts mit Kannibalismus zu tun, sondern mit Imperialismus und Schwarzer Magie.

Magier nannte Plinius auch die Druiden, verwandt mit thrakischen Orphikern. Bei Seneka findet man brahmanische Anschauung, daß Jupiter, nachdem die Erde schmolz, sich in sich sammelt, in Betrachtung seiner selbst versunken: Einatmen Brahmas nach einem Manvantara. Der ungelehrte Petrus weissagt, daß einst die Elemente vor Hitze verbrennen, bis eine neue Erde kommt. An allen Enden der Erde fließen die gleichen Anschauungen zusammen. Zendavesta und Ringveda wissen von 3 übereinanderliegenden Schichten versunkener Erdbürger, Zoroaster predigt Siebenfältigkeit der siderischen Erdkette, getrennt durch Raumozean. Ähnlich dachten laut Strabo und Diodor die Druiden, ihr Wiedergeburtkult glich dem von Samotrake. Steine auf den Kanarischen Inseln und dem kanadischen Lake Superior tragen die gleichen Symbolikskulpturen. Die von Frobenius an westafrikanischer Küste entdeckten verfeinerten Geräte und Poseidonbüsten beweisen den Kulturzusammenhang des großen Kontinents, der von Kap Verde bis an die Ränder des heutigen Amerika, von Grönland bis Irland reichte (das vulkanische Westindien ist ähnliche Zersprengung wie Japan und Ozeanien). Mit solcher Feststellung begnügen sich Geologen, uns scheint wichtiger, daß diese uralte Rasse eifrig Skulpturen und Büsten anfertigte, etwa im äginetischen Stil, also schon auf jener höchsten Stufe stand, wo Daseinswille sich in ästhetisches Anschauen glättet. Wie Kunsttrieb nur Begnadeten verliehen, so populäre Kunstausübung nur Völkern in seelischer Vollkraft. Da auch die Riesenstatuen der Osterinsel dem Tertiär angehören, fehlt jede Möglichkeit, sich auch den möglichen Sekundärmenschen noch als sprachlosen Wilden vorzustellen, und wäre er es im Primär gewesen, so entwurzelt auch dies den Darwinismus, denn der erfundene Affenahne müßte dann bis ins Primordial geschoben werden, wo es noch gar keine Säugetiere gab, der Traum gradueller Entwicklung wird auch so zerstört. Da der Makiaffe noch gar nicht da war, müßte sich der Uraffe aus dem Urschleim erhoben haben, als »Krone der Schöpfung«, lange vor dem Beuteltier!

Laut den von Bl. emsig zusammengetragenen Angaben der Symbologen bot griechische Astronomie recht verwickelte Deutungen. Zeus entführt den »Wassermann« Ganymed über den Horizont des Nordpols und wirft Asträa, Sternbild der Gerechtigkeit, auf die Erde: Ekliptik parallel zum Meridian, Morgenstern in Konjunktur mit Sonne ersetzt den »Stier«, der »Löwe« stürzt in die Acherongrube unter dem Südpol, Plejaden und Hyaden als Regen- und Flutgestirne neigen sich zum Drachen. Aus diesen Aspekten der großen Flut beginnt die Zyklenberechnung der Welterneuerung. Daß die Alten keine ausführliche Atlantisschilderung hinterließen, erklärt sich leicht als Schweigegebot für die Initierten, Plato erwähnt Poseidonis nur als philosophisches Beispiel ohne geographisches Interesse, indessen weiß sein Kritias, daß Atlantis so groß war wie ganz Asien und Lybien zusammen. Übrigens erwähnt schon Homer die Atlantiden, und versteht man Diodor recht, so rühmten sie sich göttlicher Abkunft von Uranus Äther, ihrem ersten König, der sie in Astronomie unterrichtete! Wie trakische Zauberer den Mond, wollten sie die Sonne dienstbar machen (Elektrizität?), ihr Dünkel verfluchte täglich die Sonne, wie Herodot von den afrikanischen Atlasbewohnern berichtet, die Vegetarier und traumlos gewesen seien. Traumlos? Wir erklären uns die merkwürdige Anspielung so, daß sie schon wachend im Unbewußten lebten, daher nicht zu träumen brauchten. Vegetarier, also Adepten. Atlas als Berg ist offenbares Symbol, man schrieb ihm allgemeine Erkenntnis zu, Meerestiefe sei ihm entschleiert: wo Atlantis auf Wiedergeburt harrt. Nicht umsonst ist Kalypso seine Tochter. Homer nennt ihn Wächter, Träger, Stütze, Pfeiler zwischen Himmel und Erde. Daß er den Himmel auf den Schultern trug, verdeutlichten am Atlantisstrand Berggipfel »bis in die Wolken«, deren Wurzeln bis auf den Meergrund reichten. Deshalb bettet sich Atlas nachher zu seinem Bruder Japetus in die Unterwelt. Die Bl. sieht darin Symbolisierung, daß Atlantis alle folgenden Kontinente geistig auf den Schultern trug, wir aber auch Allegorie für himmelhohen Ehrgeiz und moralischen Abgrund, analog den Nimrods, die den Babelturm bauen, oder den Titanen, die den Ossa auf den Pelion stülpen, und den germanischen Jötuns, alles historische Nachklänge der Atlantis. Daß Atlas als Himmelssäule (Pindar und Herodot nannten auch Ätna himmlischer Pfeiler) noch aus Lemurien stammte, verwerfen wir als Verwirrung. Er und Teneriffapick gestatten nicht diese Hypothese als offenbar äußerste südliche Atlantiszipfel, von hier flüchteten Noahheilige nach Ägypten. Dorthin verlegt auch Theopompus Geheimreisen der Phöniker, so geheim, daß Fremde nie auf ihre Spur kamen: Umschreibung für Geheimhaltung der Poseidonismysterien, deren Wohnort man nicht verraten durfte bei Todesstrafe, weil diese letzten Atlantier übernatürliche Kräfte besaßen. Uns scheint auch das Geheimnis der Säulen des Herkules, über die man nicht hinausfahren dürfe, damit zusammenzuhängen. Weiter als bis Poseidonis (nördlich der Azoren) kamen die Phöniker kaum, Vorkommen südlicher Magiersteine auf Irland erklärt sich einfacher durch den früheren Landweg.

Zweifellos hatten ägyptische Priester ausführliche Nachrichten, doch Cäsar verbrannte 700+000 Papyrusrollen, Diokletian alle Geheimschriften, die Römer hatten starke politische Gründe dafür, während Bigotterie der Mohammedaner und Byzantiner, die noch im 8. Jahrhundert 300+000 nach Byzanz gebrachte Papyruse zerstörten, mit dem Rest aufräumte. Da begreift man, daß man sich für Geheimlehre meist nur auf Inder und Zoroastrier verlassen kann. Indessen blieb so viel übrig, daß A. Erman eine Literaturgeschichte der Ägypter 1923 herausgab, in der freilich nur Weisheitsbücher aus der 23. Dynastie und Ähnliches über Erziehung zitiert werden können, immerhin auch Vorpythagoräisches 2000 v. Chr., das an spätere Gnostiker erinnert und griechische Denksysteme vorwegnimmt, d.h. letztere bis auf Plato und Plotin nährten sich von der Urlehre. Komisch berührt es, wenn ein Beurteiler (der sonst vortreffliche Naturforscher France) meint, das alte Nilvolk werde jetzt um viele Stufen der Wertschätzung höher steigen, als ihm bisher zugebilligt wird! Wer hieß denn trockene Philologen am allegorischen Tiefsinn klauben! »Dilettanten« wie Chamberlain krähen nach, was alberne Spezialisten an Griechen und natürlich Ägyptern auszusetzen haben, daß sie nämlich nicht Laboratorienschulmeister waren. Sie könnten sich aber mächtig täuschen, da die Ägypter sich bestimmt anmaßten, ihre eigene Chemie zu haben, von deren Geheimnissen man nichts weiß. Die absolute Einheit esoterischer Vorstellungen bei Ägyptern und Griechen belegt deren gemeinsamen Ursprung bis Indien hin. Poseidon gründet die erste physische Menschenrasse Lemuriens, vermacht dem Sohn Atlas den neu aufsteigenden Kontinent, identisch mit dem indischen Idaspati »Meister der Wasser«. Planetarisch herrschen über Lemurien Kronos und Saturn, über Atlantis Neptun und Jupiter, vor allem Uranus, identisch mit dem Astronomielehrer Yotis-Brahma und dem chinesischen Thian. Das reinseelische Astralwesen Uranus brauchten die bösen Titanen Kronos Saturn nicht mehr, da sie in physische Zeugung verfielen: sie verstümmelten es. Die 3. Rasse verlor ihre Eingebungen des Unbewußten, die Polyphemzyklopen erbten von Neptun nur Beherrschung der Meeresfläche. Wohin wir in den Ursagen blicken, immer stoßen wir auf Atlantis. Plato wußte mehr davon, als er verraten darf, bloß auf Poseidonis paßt nicht seine Angabe von 1 Million stehendes Heer 240+000 Seesoldaten auf 1200 Schiffen und von Gräben um die Hauptstadt von 1250 Meilen Länge. Man hielt dies für Märchen, als ob der ernste Plato sich an derlei ergötzt hätte, er verzeichnet offenbar unbefangen überlieferte Statistik. Jedenfalls behaupteten Griechen, Ägypter, Phöniker, deutlich auch Inder, Chinesen, Sumerochaldäer, Baktrier ihre Verbindung mit Atlantis, wie entfernt verschwägerte arme Verwandte eines Hochadels. Hier mögen 7 Plejaden diese 7 Teile der 5. Rasse bedeuten.

Der hyperboräische Apollo tötet die einäugigen Arimaspen mit den Pfeilen allzumenschlicher Leidenschaften, in der Polyphemsage spiegelt sich das Erblinden d. h. die Geistesverdüsterung der Zyklopen, während Odysseusgefährten von Kirke zu Schweinen verwandelt werden: die Menschheit wird immer tierischer. Doch der auserwählte Held lernt bei der Atlastochter Kalypso »gerade in der Mitte des Meeres«, d.h. Atlantis. Glaubt ein Vernünftiger, Homer und Hesiod, deren vollendete Sprachbeherrschung mit hoher Denkkraft psychologisch eins, hätten sich vergnügt, wie arabische Scheherezade bloße Fabeln zu spinnen? Deutlich kleiden sie Esoterisches als Künstler in exoterische Versinnlichung, worüber später griechische Philosophen sich erbosten, diese Poesie sei Mysterienentweihung. Ihr Deukalion lehrte den Osiris-Adoniskult der verlorenen und wiedererweckten Sonne, Verweisung auf den Nordpol, wohin sich einst Hyperborea erstreckte. Denn die Pelasger-Achäer kamen aus Norden wie alle Arier auf dem Umweg über »Asia«, deren Sohn der am Kaukasus gefesselte Prometheus ist, wie auch die 7 indischen Rischis das nördliche Sternbild des großen Bären mitbrachten. So löst sich Zwiespalt der Thesen, daß die Indogermanen vom Indus oder vom hohen Norden kamen, sie sind beide richtig. Der von Goethe, Byron, Shelley besungene Prometheus ist der Erzpatriarch der Arier, er brachte als Verbannter Atlantier ihnen das geistige Feuer. Die atlantischen Magier scheinen eher Naturforscher und Techniker gewesen, deren Übermut zu lasterhafter Selbstvernichtung führte. Daß die Gräcopelasger uralte Überlieferungen mit sich trugen, zeigt die Allegorie Apollo-Phaethon. Apollos Mutter Latona ist der Polarkreis, aus dessen Schoß sich die Sonne erhebt, um alle 26000 Jahre durch ihre Stellung die Klimate zu ändern, ihr Gott ist zugleich der große geistige Seher und Dichtervater. Die in Bernstein verwandelten Tränen der Phaethonschwestern deuten aufs baltische Meer, der eigenmächtige Usurpator wollte den erfrorenen Sternen der Nordregion wieder Wärme verleihen, er stürzt: Erste Eiszeit! Die Poseidonenkelin und Atlastochter Latona wird verfolgt vom Drachen der eifersüchtigen Juno, der sie hindern will, ihr Ätherkind Sonne vom Zeus zu gebären: Der Nordpol vertreibt die Hyperboreer. Doch der Meergott rettet Latona auf die neue mythische Insel Delos, wo sie den Sonnengott gebärt: Die Sonne geht gewaltig auf über den neuen Kontinent Atlantis, wo der Alldurchsonner, dessen Aspekt die heilige Zahl 7, »mit eiserner Rute« herrscht, daher verwünscht wird. Latona liegt im Streit mit der hochmütigen Niobe Atlantis, deren 7 Teile (Kinder) von den Kindern der gekränkten Latona getötet werden: Sonne und Mond ändern die Erdachse und ersäufen Atlantis in Niobes »unaufhörlichen Tränen«!

Möchte man uns zweierlei beantworten: Welcher Ödipus löst klarer und genauer das Sphinxrätsel dieser sonst ganz unverständlichen Allegorien und aus welcher andern Ursache hätten sie entstehen sollen? Ein Kind sieht doch, daß »Mythen« nicht ins Blaue hinein zum Zeitvertreib erfunden werden, sondern zur Verbildlichung einer historischen oder physikalischen Tatsache; wer erfindet Derartiges ohne Sinn und Beweggrund ins Gelach hinein? Jede alte Nation hat den Allgemeinbestand des Urwissens bei sich lokalisiert und akklimatisiert, um sie exoterisch dem Volke mundgerecht zu machen, daher verschiedene Ausschmückung für das Gleiche. So kleidete der bildnerische Hellengeist in der Phaethon- und Niobemythe das Entstehen und Vergehen von Hyperboräa und Atlantis in die anschaulichste Plastik. So wenig Shakespeare seine Fabeln erfand, doch sie als Gewand der Wahrheit benutzte, so wenig schuf Homer den Olymp und Äschylos den Prometheus; all diese Poesie, auch von Hesiod und Pindar, ist sozusagen Entfaltung von innen nach außen, exoterisches Versinnlichen esoterischer Wahrheit. Wir gehen so weit zu behaupten: die nur so verständliche Latona-Niobeallegorie ist der stärkste dokumentäre Beweis für die Atlantisgeschichte, wichtiger als alle Berichte von Solon, Herodot, Plato, Diodor. Denn Symbologie hat mehr Scharfsinn als Hypothesenwissenschaft, Mythen sind nicht Vermutungsbrücken, sondern Tatsachenpfeiler.

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