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Der Aufgang des Abendlandes

Karl Bleibtreu: Der Aufgang des Abendlandes - Kapitel 35
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authorKarl Bleibtreu
titleDer Aufgang des Abendlandes
publisherWilhelm Borngräber Verlag
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firstpub1925
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IV

Natürlich ficht der Darwinist mit Händen und Füßen gegen das »Märchen« atlantischer Hochkultur, verfällt aber beim paläolithischen und neolithischen Menschen, die er huldvoll anerkennt, alsbald in naive Widersprüche. Daß die Inder schon in sehr früher Zeit gewaltige Metaphysik und Astronomie pflegten, kümmert die Herren nicht, zumal die teils den Theologen teils den Darwinisten gefälligen Indologen es möglichst leugnen. Dagegen gesteht man den Neolithen Acker- und Pfahlbau, Weber- und Töpferei zu, was samt Kunsthandwerk hervorragender Waffen- und Gerätetechnik doch sicher auf lange Vorarbeit der Vergangenheit schließen läßt, was aber wissen sie von Paläolithen? Daß sie als Wilde in Höhlen lebten und gar nichts Kulturelles hatten als – erstaunliche Kunstarbeit! Da der Neolith im Besitz gezähmter Haustiere trotzdem kannibalische Neigungen hegte, die seinen wilden Vorgängern ganz fehlten, unter Abwesenheit jedes Kunsttriebs (Gould), so ist das ein Schlag ins Gesicht der Evolution. Denn erfahrungsgemäß stellt sich Kunsttrieb am spätesten ein, er ist – den Gelehrten sei es gesagt – die vornehmste Seelenblüte, die nur in besonders begabten und hochgestimmten Gemütern Platz findet. Nun wohl, »die Renntierweide«, »der laufende Mann«, alle bisher bekannten Schnitzereien und Gravierungen jener Wilden übertreffen himmelhoch jede ägyptische Wandmalerei und zwar, was psychologisch am auffälligsten, nicht nur in künstlerischer Auffassung, sondern nach der sozusagen wissenschaftlichen Seite der Kunst hin: in Proportion und Perspektive. Sonst kennen wir von diesen Künstlern nur kleine Steinbeile. Daß sie in schutzgewährenden Höhlen wohnten, wäre begreiflich, wo es weder Seen noch Biberbeispiele gab und man gegen Raubtiere dort am sichersten sein Lager aufschlug. Wissen wir aber, ob wir nicht nur nach zufälligen Funden urteilen und sie nicht doch andere Wohnungen hatten und auch andere Waffen, sich des Höhlentigers zu erwehren? Jedenfalls schmückten sie die Höhlen mit sinnigen Zeichen ihrer bildungsfrohen Seele. Hatten sie keine gezähmten Haustiere, so würde eben das entsprechende Rindvieh noch nicht aus Asien eingewandert sein, doch sie hatten ja das Renntier, was will man mehr? Schwere Not und Klimawechsel mögen sie in ihren Bergasylen physisch herabgedrückt haben, doch ihr Kunsttrieb konnte nur das Erbe einer langen Kulturvergangenheit sein, eher beweist dies also für den Psychologen klar das Vorherbestehen einer hohen untergegangenen Rasse. Der Neolith scheint dagegen trauriger Rückfall zum Lemurier ohne jede geistige Evolution, er bildete nur praktische Fähigkeiten aus, muß aber auch hierin Vorgänger gehabt haben. Übergang vom Wilden wäre viel zu schnell erfolgt, um einem Prinzip langsamer Entwicklung zu genügen. Vom Paläolithen wissen wir viel zu wenig, um zu beurteilen, ob er nicht als atlantisches Erbe Eigenschaften besaß, die für ihn Ackerbau unnötig machten, ihm auch hypnotischen Schutz gegen Raubtiere sicherten. In einer Höhle fand man Skelette von sieben zusammenhockenden Menschen neben Hyänen und Löwen, wir möchten dies als gemeinsame Flucht vor Erdbeben deuten, indessen bleibt doch seltsam, daß die Raubtiere augenscheinlich einträchtig mit den Menschen sich verständigten statt sie zu fressen. Was beweisen die Steinbeile und Eolithenkiesel bis ins Eozän? Daß es damals Wilde gab wie heute! Ein Naturforscher nach 100+000 Jahren, wenn Europa vielleicht unterging, könnte ebenso logisch aus Zigeunerüberbleibseln schließen, daß es dort keine Zivilisation gab. Verschlänge heute ein Erdbeben alle Küsten Australiens und nur der »Busch« mit Papuabewohnern bliebe übrig, so könnten spätere Forscher das Märchen eines »Commonwealth of Australia« verlachen. Gewöhne man sich doch endlich den Wahn ab, daß die Urrassen in eintöniger Uniformität eine sich überall ähnliche Menschheit bildeten. Hohe und niedere Rassen lebten nebeneinander wie heute, in Alteuropa die Großen von Cro Magnon Krapila, Mentone neben Kleinen und Verwilderten in belgischen und Tyroler Höhlen.

Verständen aber die Mittelmäßigen, die im Geleise ihrer Examina trotten, etwas von Psychologie und Ästhetik, so verständen sie, daß die Künstler, die nach damaliger Gepflogenheit auf Renntiergeweihen ihre Meisterwerke einritzten, nie und nimmer Wilde waren oder von so besonderer Kulturart, daß jede äußere Zivilisierung sich vor ihnen verstecken muß. Wir brauchen aber die kunstfremden Neolithen nicht für Degenerierte zu halten, sondern nur, was in gleicher Weise das Evolutionsprinzip schädigt, die natürliche Ungleichheit nebeneinander stehender oder aufeinander folgender Rassen seit Anbeginn voraussetzen. Der Paläolithenmann, der mit einem Steinmesser sein Renntier anatomisch proportional und Gras und Bachrand perspektivisch schraffierte – was die Malerei erst seit Leonardo kennt –, tat ein Wunder wie etwas Selbstverständliches und stieg unendlich höher als die ganze Durchschnittsmenschheit eines späteren Europa. Wer weiß übrigens, ob er sich nicht den Berglöwen als Hauskatze und Jagdgefährten hielt und sein Lager mit ihm teilte, geborgen in »magischer« Unverletzbarkeit, und den Elefas für sich arbeiten ließ! Rawlinson macht sich über den »ursprünglichen Wilden« lustig, der wohl nie als allgemeiner Typ bestanden habe. Jawohl, aus einer devonischen Kalksteinhöhle bei Torquay fand man übereinander gelagert eine neolithische Schicht mit ausgezeichneten Geräten und darunter eine andere mit Knochen ausgestorbener Riesentiere nebst kleinen Steinbeilen, für die daher, wie wir ergänzen, nur Hände kleiner Menschen passen. Glaubt man, daß diese Kerlchen damit im Mammutzeitalter ihre Tiergegner erlegten, während ihre fleißigen Hände zugleich Fresken einritzten? Nein, neben den mächtigen Ariern besiedelte damals Westeuropa der fälschlich sogenannte Mittelmeermensch aus älterem Zeitalter, allmählich bis nach Afrika hinausgedrängt, er ist der eigentliche Neolith, der noch später als Mykenokreter bedeutende Technik erwarb, doch keine seelische Kultur. So falsch der Arier als Kulturbegründer gilt, zeichneten ihn doch von Anbeginn Kunsttrieb und Phantasie vor allen andern Rassen aus, wovon Homer und Mahabaratta bald Zeugnis ablegten. Daß die barbarischen Achäer so früh das formal und inhaltlich gleich unübertreffliche Wunder Homer hervorbrachten, ist wieder ein Evolutionsskandal, besonders wenn diese Meistergesänge eine Sammlung vieler Barden waren, solche Menschen machten einen ebenso unbegreiflichen Aufwärtssprung aus Barbarei in höchste Seelenkultur, wie ihre Ahnen von der Renntierweide. Logik: Die uralten Arier müssen bereits vom Tertiär eine hohe Geistesstufe übernommen haben. Wie in Afrika die gigantischen Umjamwewe und Pygmäen ziemlich nahe beieinander nisten (glänzende Ehrenrettung Herodots), so gab es laut Broca und Pryère in Alteuropa stets zwei verschiedene Rassen. –

Blavatzky betont »die ungeheure Kluft zwischen arischem und semitischem Denken, Aufrichtigkeit und Unehrlichkeit«, das sind aber verschwommene Ethnologien, da Ägypter und Chaldäer später mit Semiten gemischt waren, die hebräischen Kabbalisten das sie nördlich und südlich umgebende Urwissen aufschnappten und, genau wie arische Griechen in eleusinischen Mysterien, wenig verändert nachbildeten. Wenn hier Jehova nur einen weiblichen (Binah) und männlichen Sephirot bedeutet, d. h. die Menschheit, dagegen Lucifer den wahren Gottschöpfer, so müssen die Esoteriker des Neuen Testaments dies auch gewußt haben. Groteske Unverschämtheit christlicher Missionare, die Inder hätten aus dem Neuen Testament entlehnt, verbirgt ihre staunende Wut, so viel kirchliche Symbole bei den »Heiden« wiederzufinden. Ein katholischer Marquis als Dämonologe versichert die Teufelslist, daß die Alten längst vor Jesus schon Christi Leben und Lehre plagiierten! Man muß lachen, aber es ist ein trauriges Lachen. Sir Johnes und der von den Brahminen gehänselte Wilford äußerten über Indien kaum minder Lächerliches, und als Blavatzky die Ignoranten grausam heimschickte und sie geradezu barbarisch zurichtete, ließ sich kein Wissenschaftler herab, davon Notiz zu nehmen. Denn es gibt nichts Unduldsameres, Kasten- und Pfaffenmäßigeres als die Gelehrtenzunft. Ob der Buddhismus unmittelbar auf die Evangelien einwirkte, ist bedeutungslos, denn obschon Maria nicht Maja bedeutet, sondern Mara das Meer »die große Täuschung«, so geht dieser gleiche Gedankengang, daß die Heilande als Menschen in der Illusion geboren werden, offenbar auf allgemeine Geheimlehre zurück. Für diese zeugen noch ungeheure Bibliotheken in Gebirgskrypten des Himalaja und in Zentralasien, wo einst nachweislich in Mongolien und Turkestan glänzende Kulturstädte thronten zur Zeit der vierten und vielleicht schon dritten Rasse. Auch gab es ursprünglich allgemeine Priestersprache (Senzar), vermittels welcher, wie im Mittelalter durch Latein, sich die Initierten am Euphrat, Nil, Ganges verständigten. Hierdurch kannten die Hellenen die Hyperboräa als Reich Appollos und einen zweiten Hauptkontinent Atlantis.

Kants elementar primitives Fluidum, Keplers Systemwirbel und Ähnliches von Galilei bis Swedenborg sind schon in indischen »Mantras« enthalten. Beginnen wir damit, daß die Kabbala vier Adame lehrt:

  1. göttliches Phantom, das verschwand;
  2. transplastische Androgyne;
  3. Staubadam;
  4. angeblich gefallener Adam der Erkenntnis, beide unter Einwirkung geschlechtlicher Fortpflanzung.

Die hebräische Bundeslade (Arche) mit zwei Elohim emblemierte den Zeugungsakt mit Penis und Gebärmutter. Die Inder fügen hinzu das daraus entsprungene Karma als Vorbereitung transzendenter Entwicklung. Die fünfte Rasse ist noch nicht voll ausgewachsen: ägyptisches Symbol fünf ausgespreizter Finger, kleiner Finger nur halb mit fünf Hieroglyphen, fünf Vokalzeichen in antiken Tempeln und fünf »Zweige« der Gnostiker sind gleich fünf Wurzelrassen. Arche Noah symbolisiert das Schiff der Mondscheibe, wo Astarte schwebt, Mutter der Götter, Königin der Fruchtbarkeit, später fortgesetzt als Gottesmutter Maria. Ihr entsprießt Isis in Dreieinigkeit mit Osiris und Thot-Hermes. Die Juden unterschieden sich so wenig von andern »Heiden«, daß die architektonischen Maße des mythischen Salomotempels gleich sind mit denen der Pyramide. Adam ist ein Priapusprinzip, Jahve als »Bild Gottes« mit ihm eins, der Atlantier Noah eine Art Heiland, der in seiner Mondarche Keime alles Lebendigen rettend trägt, Schöpfer der fünften Rasse. Bei Indern und Ägyptern ist der Geist des Allerheiligsten rein metaphysisch, bei den Juden, die dies internationale Symbol übernahmen, realistisch physisch. »Harter Realismus, Selbstsucht, Sinnlichkeit« brandmarkt Blavatzky dies erst 8000 Jahre alte Volk, dessen Entstehung und Herkunft unbekannt, während indische Arier wohl eine Million Jahre bestanden, ohne die voraufgehenden (lemurischen?) Dravidas zu rechnen, die unstreitig auch schon geoffenbarte Urreligion besaßen.

Bei den Alten bedeutete niedriger Eingang zum Sarkophag der Königskammer Wiedergeburt, nur bei den Juden Zeugungsdienst eines anthropomorphischen Gottes, daher der Name Monotheismus! Auch die Inder hatten Phalluszeichen, doch ihr Weltsymbol war der Lotus. Philo, selbst Rabbi, gibt zu, daß Haß gegen alle andern Rassen jüdisches Gebot war. Die Sadduzäer verwarfen jeden religiösen Glauben außer dem »Gesetz« (siehe später), erst die Kabbala suchte hinter dem auf Zeit gepachteten Stammgott den Ain Suph, die von Ägyptern und Chaldäern entlehnte Offenbarung. Erst 3-800 Jahre nach Moses – wohlgemerkt nach Bibelchronologie, denn die Mosesmythe reicht in unergründliche Vorzeit – schuf David nationalen Judaismus, die sogenannte Bibel brachte man aus babylonischer Gefangenschaft als kein autochtones Gewächs. Hier verschwand der alte Jav der Mysterien für einen politischen Nationalkönig Jehova, den spätere kabbalistische Gnostiker »Abrasenz« tauften, alles eher als monotheistisch. Bei allen Semiten galt der Erdgeist Satan als Sohn und Engel Gottes, Zwilling des Himmelreichs, der Talmud untersagt geradezu, den Teufel zu verfluchen. Er ist sozusagen Karma, verwoben mit dem Menschen, »Dämon« ist bei allen Alten transzendentales Ego, »Deus is Demon inversus«. Zoroasters Ferouer entsprechen dem, im Christenmythos vergröbert zu St. Michael, der ursprünglich den Planeten Merkur, den Hermes der Gnostiker bedeutet. Desgleichen schöpften Evangelien und Apokalypse aus dem uralten Buch Enoch eines vorsintflutlichen Patriarchen, Kopie aus Urreligion. Wenn Bossuet den »Fallenden Stern« der Apokalypse naiv für den Herätarchen Theodosius ausgab, so möchten wir freilich auch nicht anerkennen, daß die 7 Häupter des Drachen und seine 5 Könige den Zyklus der 7 Rassen und 5 davon, die nichts taugen, repräsentieren oder der 3. Teil der Sterne, der zur Erde her abgeworfen wird, neu zu inkarnierende Monaden bedeuten. Hier gibt es andere Deutung. Dagegen bedeutet der biblische Fall der Engel offenbar Inkarnierung von Göttern in Menschen, keinen Sündenfall, sondern eine Tat des Erbarmens von Prometheus, Krischna, Osiris und den Buddhas. Wenn Jahve »wie ein Blitz« vom Himmel stürzt, so soll ja Christus dasselbe tun (Math. 24), sie werden also seltsam veralgamiert.

Laut den Akkadern sind die Götter zugleich wohltätig und bös, denn Kosmos liegt stets im Kampf mit Chaos, und Karma birgt Böses im Dienst des Guten. Man atmet auf, wenn man aus düsterer jüdischer Stickluft in dies Hochland einfachen und um so tieferen Denkens hinaustritt. Diese Alten verstanden, daß die äußere Natur unter anmutiger Maske nur ein »steinkaltes Schlachthaus«, die abstrakte Natur aber jenseits sinnlicher Täuschung ein Arbeitshaus des Karma ist, worin Leid erhaben notwendig, ohne welches nur Stillstand und Seelentod wäre. »Wehe denen, die ohne Leid leben!« Ariman ist der Schatten des Ormuz, mit ihm gleich, die Elohim, die indischen Asaras, die 6 geistigen Engel Zoroasters, die zugleich mit dem ewigen laicht in 7 Tagen (Zyklen) das All schaffen – sie alle sind »Söhne der Finsternis«, aus der allein das Dicht kommen kann, weshalb Satans Name »Engel der Finsternis« nichts weniger als ein Schimpf. Darf man solche Anschauungen wissenschaftlich antasten? Nichts davon! Apokryph? d. h. Geheimbuch, das Wort wird falsch mißbraucht, ein solches fand man in Abessinien: »Enoch« heißt Adept, wie Orpheus mit der 7 fältigen Leier die 7 Initiationen eines orphischen Kults bedeutet, der sich mit allen andern Mysterien deckte und heute vielleicht noch bei Papuas und Negern ein Asyl fand. Aberglauben? Inwiefern war der Intellekt einst geringer als heute? Schädelindex, da Wissenschaft sich immer nur auf äußere Merkmale einläßt, ist ein zweischneidiges Beweisstück, denn er ist bei den alten Germanen nach Höhe und Breite gemessen einen halben Zoll größer als bei heutigen Europäern, die hierin ihrerseits noch nicht um anderthalb Zoll den Hottentotten überragen. Gewiß beharren wir dabei, daß alle Quantitäten fragwürdig und nur Qualität des dem Hirn zugeführten Blutes entscheidet, doch wenn Wissenschaft alles Unkontrollierbare verachtet, darf sie sich hier nicht auf äußere Kennzeichen berufen, da schneiden die Modernen schlecht ab! Nichts berechtigt zu der Anmaßung, sie seien scharfsinniger als ihre Urahnen, die vermutlich viel mehr wußten als wir, weü unverbüdeter und der Urzeit näherstehend.

Erwiesenermaßen setzte das Leben ohne geschlechtliche Fortpflanzung ein, diese sogar exoterische Lehre der Inder wird wissenschaftlich anerkannt, der »bei weitem größte Teü der Lebensformen brauchte keine geschlechtliche Hilfe« (Laing), Haeckels Moner vermehrte sich durch Selbstteilung. Nach unserer Meinung gehören auch hierher die Experimente, wonach abgetrennte Glieder an anderer Stelle wieder anwachsen oder Selbstloslösen von Gliedern wie der Eidechsenschwanz: sie beweisen funktionelle Selbstbestimmung von innen nach außen ohne geschlechtliche Beimischung, eingeborene Plastik ohne Sexualprozeß. Vergegenwärtigt man sich die ungeheure Tragweite? Zunächst stellen wir fest, daß Geheimlehre über die ersten geschlechtslosen Menschenrassen hochwissenschaftlich begründet ist. Dies ist aber das physische Fundament der ganzen Lehre: steht es fest, kann der Bau nicht einstürzen. Der Übergang zu Doppelgeschlechtlichkeit ist gleichfalls erwiesen durch Hermaphroditentum vieler Pflanzen und einiger Tiere, jungfräuliche Fortpflanzung besteht in der niedern Lebewelt, wo scheinbare Eizellen ohne Befruchtung Individuen hervorbringen. Der Mensch muß nach eigener darwinischer Theorie diese Stadien durchgemacht haben wie jedes andere Lebewesen und siehe da, im Embryo zeigen sich Geschlechtsunterschiede erst ganz zuletzt! Den Menschen von diesem biogenetischen Gesetz auszuschließen wäre also höchst unwissenschaftlich. Durchlief er aber Phasen der Selbstteilung, des Hermaphroditischen, der jungfräulichen Fortpflanzung, so bedurften er und alle andern Organismen gar keiner mechanischen Entwicklung, es könnten sich neue Rassen jungfräulich gebildet haben unter unbekanntem geistigen Antrieb. Das Modell als Urtyp muß vorhanden sein, ehe die Monade es verfestigt, sowie der Künstler ein Modell geistig vor sich sieht, ehe er es dimensional objektiviert. Aus Adams Rippe wird die Idee Eva herausgezogen und manifestiert, somit scheint die sumerische Genesis ebenso tiefsinnig wie wissenschaftlich, denn das Gebären des Androgynen kam erst in der 3. Runde. Da Sexualität die derbste Verknotung der Materie bedeutet, so ist durchaus natürlich, sich ein asexuelles Urwesen als feinstofflich und »himmlisch« zu denken, der ganze Manvantaraprozeß der Menschheit dreht sich anscheinend darum, zu diesem Frühstadium endlich zurückzukehren, gestärkt und geläutert durch unablässige Karmaschule. Solche Weltanschauung, die erhabenste denkbare, durchzieht alle Esoterik der Urväter, lebt fort in Buddhas Nirwana und dem Christos der Gnostiker, jungfräulich geboren und geschlechtslos zum Himmel heimkehrend.

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