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Der Aufgang des Abendlandes

Karl Bleibtreu: Der Aufgang des Abendlandes - Kapitel 23
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authorKarl Bleibtreu
titleDer Aufgang des Abendlandes
publisherWilhelm Borngräber Verlag
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firstpub1925
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6. Der Ursprung der Religion.

I

Gott hat uns verlassen!« soll Ludendorff in einer Kirche ausgerufen haben, jedenfalls kennzeichnet dies die naive Oberflächlichkeit gedankenloser »Religiosität«. Wenn es uns schlecht geht, hat uns Gott verlassen. Indessen gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist Gott und dann »verläßt« der notwendigerweise Allgerechte nichts und niemanden, oder er ist nicht und dann kann er uns auch nicht »verlassen«. Ohne ihn aber wird jede moralische Weltordnung zur Chimäre und ein Idealist müßte sich ohne weiteres zum Selbstmord entschließen, da der Anblick einer entgötterten mechanischen Welt das Bewußtsein zu einer Hölle macht und jede Hoffnung auf Gerechtigkeit aufhebt. Denn da die durchschnittliche Menschennatur auf nacktem Egoismus beruht und die allermeisten Schufte würden, wenn sich ihnen die Gelegenheit zu schuftigem Vorteil bietet, so müßte der kleine Prozentsatz von ethisch Veranlagten geradeso als ein krankhaftes Naturspiel betrachtet werden wie die kleine Rasse der Genialen, die mitten zwischen die Mittelmäßigkeit hineinschneit. Es muß immer wieder betont werden, daß diese doppelte Auslese nie auf mechanischem Wege erzielt werden konnte und nur durch das Karmagesetz, d. h. individuelle Entwicklung der Wiedergeburten erklärbar wird. Denn die Phrase Evolution war nur der letzte Strohhalm, an den sich der ertrinkende Unglaube an transzendente Leitung klammerte. Selbst wenn der Darwinismus zoologisch richtig und beweisbar wäre, so hülfe er uns rein gar nichts zur Deutung der Menschheitsgeschichte. Denn so wenig die anthropoiden Affen jemals, wie wir sie geschichtlich seit Ägyptens und Indiens uralter Zeit kennen, irgendwelche Neigung spürten, ihren Zustand zu verändern und sich ihren Menschenvettern anzupassen, ebenso wenig zeigte der Mensch sich fähig, seine Psyche zu verbessern.

Ob sein rudimentärer Schwanz einschrumpfte, ihm vor Zeiten eine Rippe fehlte, seine Kinnbacken hervor und seine Stirn zurücktraten, sein Knochengerüst des Beins sich erst später straffte und seine anschwellende Gehirnmasse die Ganglien des Rückenmarks derart stärkte, um ihm allmählich aufrechten Gang zu gestatten, all diese Vorgänge liegen so fern, daß sie nur naiven Superklugen als irgendwie dokumentiert gelten. Die spärlichen Skelettfunde besagen an sich nichts, denn dies könnten ja zufällige Überbleibsel individueller Einzeltypen gewesen sein. Was würde man zu der Einfalt sagen, wenn die ganze weiße Rasse durch geologische Katastrophen verschwände und ein Zukunftsforscher nach 20&nspb;000 Jahren das Wesen der heutigen Menschen nach zufällig gefundenen Schädelresten eines irgendwie in einer Höhle erfrorenen ehemaligen Zuchthäuslers konstruieren wollte! Darwinische Hypothesen schmeißen zwar großartig mit Jahrbillionen herum, innerhalb welcher sich ihre Wunder vollzogen haben sollen, man darf sie aber darauf festnageln, daß ihre Exempel des Urmenschen höchstens 20&nspb;000 Jahre zurückdatieren, während wir mit ziemlicher Sicherheit schon auf 10&nspb;000 Jahre »Geschichte« in Asien und Afrika blicken, wo Staaten, Religionen, Künste, Handwerke bestanden. Der angebliche Halbaffenmensch (d. h. im Knochenbau und Schädelform vom heutigen verschieden) brauchte also nur 10–15&nspb;000 Jahre, um sich zum »Ebenbild Gottes«(!) zu erheben? Diese erstaunliche Leistungsfähigkeit verließ ihn dann plötzlich über Nacht, wahrscheinlich hat ihn »Gott verlassen«! Außerdem scheint unsere Geschichtsrechnung falsch. Denn so keck man die auch von Plato erwähnte Insel Poseidonis, die in einem bestimmten namhaft gemachten Jahre vor 9–10&nspb;000 Jahren unterging, für bloßen Mythos ausgibt, so liegen zu viel Anhalte für die Existenz eines uralten Kulturreiches Atlantis vor (am ehemaligen Bestehen dieses versunkenen Weltteils besteht geologisch überhaupt kein Zweifel ), um mystischer Geheimlehre darüber (Blavatzky, Donelly, Sinnett usw.) zu bedürfen. Daß gerettete Atlantier ihre Kultur nach Ägypten brachten (von dort in den eleusinischen Mysterien nach Europa getragen), bleibt Hypothese, indessen ist Gleichmäßigkeit des Pyramidenbaus in Ägypten und Mexiko gewiß nicht zufällig, zumal das astronomisch-mathematische Rätsel der Cheopspyramide als ein theosophisches erkannt. Kurz, eine Menschheitskultur hohen Grades reicht vermutlich schon ins Tertiär zurück. Wo aber findet sich seither geschichtlich irgendein Anzeichen so erstaunlicher Evolutionssprünge, wie sie der Tiermensch vollbracht haben müßte, wenn er wirklich auf so niedriger Stufe stand, wie ihn die Biologen nur wegen anatomischer Kleinigkeiten an zufällig vorhandenen Überbleibseln degradieren? Wir bestreiten zwar letzteres, jedenfalls müßte aber nach dem Gesetz der rollenden Kugel die Entwicklung sich immer rapider vollzogen haben, während ihr geschichtliches Nichtvorhandensein nur von Unwissenden und Denkfaulen geleugnet wird. Wir rekapitulieren hier das früher von uns Bewiesene zu anderem Zweck.

Wenn wir die Schöpfer der Cheopspyramide und die altindischen Theosophen für geradeso große Genies halten wie Shakespeare und Leonardo, in der ägyptischen und altindischen Kultur etwas der unsern mindestens Ebenbürtiges, wo nicht Überlegenes erkennen, so wendet man ein, daß doch das Ideal der »Humanität« sich geläutert habe. Doch wie der moderne Staats- und Rechtsbegriff sich von der Gewalthaberei früherer Zeitalter nur äußerlich unterscheidet und die von Ideologen verdammte antike oder Negersklaverei sich unvergleichlich weniger grausam gestaltete als die »Hölle« (Hyndman) der englischen Industriesklaverei mit ihrer scheußlichen Kinderarbeit, so zeigte der Weltkrieg deutlich das unveränderte Fortleben satanischer Triebe. Ob wir heute keine gerichtliche Folter mehr kennen, sondern nur seelische Torturen von gleicher Perfidie, so sind höllische Grausamkeiten (siehe St. Grahams Kriegstagebuch) an Gefangenen verübt und überhaupt das »Kriegsrecht« so gehandhabt worden wie in barbarischsten Zeiten. Gas-, Flieger- und U-Bootangriffe, Minen und Flammenspritzer entfesselten ein Triumphgeheul. Wer verkennt echten Sadismus in den langfristigen Daumschrauben des Nachkriegs, um deutsche Nerven zu zermürben, und der Hungerblokade, von der ein englischer Arzt frohlockte, die Deutschen würden dauernd rachitisch werden! Wenn wir keine Hexen mehr verbrennen, so steckt gleiche Trottelei und Bosheit im Verfolgen jeder eigenartigen Persönlichkeit. Das Verbrennungswürdige der Hexen bestand darin, daß sie sich mit Heilkräutern befaßten, und »die ihr Wahrgefühl dem Pöbel offenbarten, hat man von je gekreuzigt und verbrannt« von Jesus bis Giordano physisch, sonst aber nach wie vor psychisch. Auch anerkennen wir zwischen jüdischen Pharisäern und Kirchenchristen, die von Nächstenliebe überfließen, seit sie nicht mehr verbrennen dürfen, nur einen formalen Unterschied. Beide schlossen mit ihrem Herrgott einen Pakt persönlicher Eitelkeit. Von der Menschheit an sich wäre also auf keinem Wege Ethik zu erwarten, nur Gotterkenntnis könnte ihren bösen Willen brechen. Abstrakte, nur auf sich selbst gestellte Ethik, wie Kant sie träumte, ist leerer Wahn, dieser ehrwürdige Ethiker scheint ein von Erdenschwere Belasteter, der ohne Flügel jenseits der »praktischen Vernunft« fliegen will. Nietzsches Anmaßung, sich jenseits von Gut und Böse stellen zu wollen, als ob ein Diesseitswurm die Fähigkeit hätte, ein Jenseits aus eigener Kraft zu finden, hat allerdings in klarerer Auslegung gesunden Sinn, uralt wie alles Neue Nietzsches, sobald man es des hochtrabenden Prophetentons entkleidet. »An sich ist nichts gut und bös, das Denken macht es erst dazu.« Dies aus Bruno entlehnte Hamletwort bezieht sich auf die Relativität aller Moralbegriffe und ihre Hinfälligkeit, sobald nur aus praktischem Bedürfnis der Gesellschaft abgeleitet. Verwechslung von Ethik mit menschlichen Nützlichkeitsgesetzen änderte sich nie. Noch heute fehlt Verständnis, warum Jesus den Schacher am Kreuz segnete und den Pharisäer zur Hölle verdammte. Letzterer bedeutet den allgemeinen Menschentyp, der sich für »gut« hält, weil er äußerliche Gesetze hält, d. h. seine Mitmenschen nicht gar zu arg übers Ohr haut oder Wohltätigkeit praktiziert, um sein Ansehen zu fördern. Die unbewußten Heuchler überwiegen weit die bewußten, sind aber vor Gott noch verdammenswerter, weil der aus Berechnung heuchelnde Schuft wenigstens vor sich selber ehrlich ist und sich keineswegs als gut empfindet, wenn er die Welt zum besten hält. Eine Handlung des Sünders kann hingegen böse sein, ohne daß er selber diese Bezeichnung verdient. Denn, wie es im Streit Duthers mit Katholiken und Calvinern über die Opera operata unklar empfunden wurde, es kommt nur auf die innerste Gesinnung an, was man unter Umständen auch mit fragwürdigem Ausdruck »Glauben« umhüllen mag. Denn es ist der Erkenntnisglaube der ostasiatischen Weltanschauung an das Karmagesetz der Wiedergeburten als Selbstkausalität, was sie wirklich jenseits von Gut und Böse, Schuld und Strafe des unreifen Allzumenschlichen stellt. Das organische lieben als verkörperter Egoismus kann keine angeborene moralische Anlage in sich tragen, wie schottische Metaphysik im 18. Jahrhundert naiv lehrte. Adam entdeckt erst, daß er »nackt« sei, daß es ein ethisch Gut und Böse gebe, nachdem er Erkenntnis aß und »Gott« vor ihm stand. Jede Ethik kann nur aus dieser Offenbarung stammen, in welcher das lieben durch Leiden sich selbst erkennt. Jesu Satz, kein »Reicher« komme »ins (inwendige) Himmelreich« ist zwar wörtlich gemeint, besagt aber vor allem, daß eudämonistisches Behagen ohne genügende Leiderfahrung nichts erkennen, daher kein Verhältnis zu Gott gewinnen könne. Der Anstoß zur Ethik, ihr Grund und Sinn liegt daher außerhalb des Ichs, das von sich aus nie ethisch fühlt, und gewissermaßen auch außerhalb des Gebens, denn sie kann sich nur auf ein Leben-in-Gott beziehen. Ethik ohne Religion ist eine Orchidee ohne Baum, um den sie sich ranken darf, ohne Beziehung auf eine Tatsache, nämlich eine für Gläubige und Erkennende gültige göttliche Weltordnung, auf welche allein sich die Forderung des »Guten« berufen darf. Denn wenn es innerhalb der Sansarabegriffe (indische Benennung des Materiescheins) weder Gut noch Böse gibt, erkennt der tiefer Prüfende ein transzendental Gutes und Böses. Gut ist alles, was zur Einheit mit »Gott« führt, schlecht alles, was davon abführt. Jeder Exzeß der Selbstsucht vergrößert die Entfernung. Sogar die entschuldbare Selbstbehauptung, der nicht nur Petrus, sondern auch Jesus ihren Fleischeszoll entrichteten (»laß den Kelch von mir vorübergehen!« »mein Gott, warum hast du mich verlassen?«), ist ein von Mystikern und Buddhistenheiligen durchschauter feiger Täuschungswahn. Verbrechen, Sünden, jede Form der Selbstsucht, sind als kausal bestimmt nicht an sich strafwürdig und »schlecht«, da sie ja dem Ich-Vorteil »zugute« kommen sollen, den eine Materie ohne Gott als »gut« für sich auffassen sollte. Sondern sie sind schlecht (und ihr Gegensatz gut) nach höherem transzendenten Gesetz, das man geradezu physikalisch nennen könnte. Sie erscheinen optisch als Flecken in der Reinheit des Ätheralls, beleidigen sozusagen die göttliche Ästhetik und vollziehen als Abfall von Gott, d. h. von der Allerhabenheit, die innere Vergeltung an sich selbst. Der überzeugteste Atheist und gewissenloseste Verbrecher ahnt nämlich mindestens in seiner Todesstunde als Gewißheit, was er krampfhaft verleugnete und doch nie ganz bezweifelte: daß die Materie nicht das letzte Wort sei. Nicht irgendwelche Ethik ist dem Menschen angeboren, wohl aber das Gefühl seiner hilflosen Nichtigkeit im Unendlichen. Aus diesem handgreiflichen Sichtbaren stellt sich sofort die Voraussetzung eines noch viel unendlicheren Unsichtbaren ein. Je bleierner Dummheit und Unwissenheit diese Ahnung niederwuchten, die sich aber schon beim rohesten Wilden nicht ersticken läßt, desto dumpfer und plumper wird die Beziehung zur »Religion«. Je klarer die Vernunft sich ausstrahlt, desto deutlicher wird ihr die Gewißheit des Transzendentalen. Adam fühlt »Gottes Auge« und schämt sich, daß er nackt ist, verfertigt sich daher einen Lendenschurz ethischer Grundsätze. Kain würde allzeit mit befriedigtem Instinkt den schwächeren Abel auffressen, wenn er nicht eine unirdische Stimme hörte: »Wo ist dein Bruder?« Warum und woher tönt diese Stimme?

Ohne freie (nicht erzwungene) Anerkennung einer höhern sittlichen Allordnung hängt auch jedes Streben nach sozialer Verbesserung in leerer Luft und Bedürfnis nach »geistigen Führern« wäre gegenstandlos, wenn man diese nur als Förderer des Wohlbehagens wünschen würde. Denn alle eudämonistischen Werte scheinen dem blinden Zufall überlassen, sobald man materialistisch denkt, ein Japan- und Messinaerdbeben könnte jede Minute die Menschheit wegraffen, wie im Untergang Sodoms die Bibel andeutet. Da bedarf man keines Geistes und keines Führers, es sei denn ein Leithammel der tibetanischen Riesenwidder, dem die Herde gehorsam in den Abgrund nachspringt, um der Jägerkugel zu entgehen. So etwas setzt sich in »Mannentreue« um, wo man sich dem »Herrn« opfert und den »König« als mystischen Popanz anbetet. Das ist aber kein altruistischer Affekt, sondern Fortsetzung des primitiven Fetischkult. Der sonst edle Wilhelm I. schrieb mal bei Wiederkehr des 18. August: »Tausende braver Leute fielen bei Gravelotte für mich«, welch ruchlose Naivität! Wo immer man die Sonde ansetzt, kann die Menschennatur aus sich keine Ethik gebären. Allerdings deutet die Genesis an, daß schon in Urzeit Abel neben Kain stand, neben einer Masse von Wilden auch andere, die über das Tierleben hinausstrebten und als Priester, Sterndeuter, Skalden den Geistesfunken weckten. Solche Anfangsverschiedenheit der Anlage müßte schon im Protoplasma entstanden sein, was mechanistisch undenkbar, da der Materialismus psychische Befruchtung ausschließt, wird aber durch die Geheimlehre des Karmagesetzes verständlich, die nicht Protoplasmen, sondern Materialisierung von »geistigen Naturen« (Kant) voraussetzt. Die Nachkommen Abels könnten nun den amoralischen Wilden nicht Ethik beigebracht haben, wenn sie sich nicht auf Etwas außerhalb der Materie bezogen hätten und dies Etwas als Ursprung der Religion nicht dem Rohsten und Dümmsten eingeleuchtet hätte. Diesen Überbegriff müssen wir dort suchen, wo allgemeine sinnliche Wahrnehmung sich zu natürlicher übersinnlicher Folgerung entwickelte. Dann werden wir bewiesen haben, daß zunächst immer nur Religion, d.h. Gottglaube entstand und menschliche Ethik nur mit Bezug darauf möglich ist, eine »gottlose« Menschheit daher auf jede soziale Verbesserung verzichten muß.

Wenn Taine meint: »Laster und Tugend sind Naturprodukte wie Vitriol und Zucker«, Larochefoucould die Tugend verfeinerten Egoismus nennt, so übersieht solche Oberflächlichkeit folgendes. Ist die weit häufiger unbewußte als bewußte Heuchelei die Verbeugung des Lasters vor der Tugend, warum hält sie sich die Hintertür offen, hält also die Tugend für das ihr unerreichbare Richtige? Jedes Naturprodukt ist zwar untereinander gleichwertig, der Vergleich aber obendrein übel gewählt, denn Vitriol ist ein künstliches, Zucker ein natürliches Gebilde, Laster vergleichsweise kein Naturprodukt, obwohl Folge kausaler Ursachen. Produziert die Natur irgendwo qualitativ ganz Entgegengesetztes, d.h. durchaus Schädliches neben dem Nützlichen? Das Raubtier ist nötig, Wälder und Pflanzen gingen sonst zugrunde durch Überhandnehmen des Wildes. Die Schlange in den Tropen auszurotten wäre unheilvoll, sie versieht den wichtigen hygienischen Polizeidienst, unzählige Bakterienträger zu vertilgen. Welchen Nutzen bringt aber das Laster? Die bitter ironischen Romantitel »Das Entzücken des Lasters, das Unglück der Tugend« des Revolutionärs de Sade bezeichnen nur eine Dokumentsammlung gegen das verrottete ancien Regime, malen die Hölle, in die das Laster führt, und deren nahe Explosion. Nicht die Natur schafft unnatürliche Wollust und »viehische« Grausamkeit, die das Vieh nicht kennt, sondern der Mensch, nicht aus seiner physischen (die es ihm verbietet), sondern psychischen Anlage: Sobald er Gott abschwört, verfällt er der »Schwarzen Messe« des Teufels, da nur Gottglaube ihn zur Ethik zwingt.

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