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Der Aufgang des Abendlandes

Karl Bleibtreu: Der Aufgang des Abendlandes - Kapitel 18
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authorKarl Bleibtreu
titleDer Aufgang des Abendlandes
publisherWilhelm Borngräber Verlag
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firstpub1925
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IV

Erst durch Darius kamen die Indogermanen wirklich an die Reihe. Die Perser übernahmen die Führung, obschon die Hauptstadt des Weltreichs in Elam blieb. Diese wirklichen freien Monotheisten, die allein Ormuz den Lichtgott des Edlen anbeteten, fühlten sich keineswegs von Jave angezogen, wahrscheinlich betrachteten sie die Juden überhaupt nicht als Monotheisten. In den drei Jahrtausenden der Semitenzeit stand die Kultur still. Erst die Perser räumten das Trümmerfeld auf, doch ihr gesundes Staatswesen auf föderativer Grundlage wurde bald vom überkommenen assyrischen Imperialismus entkräftet und zerfressen. Der übliche Arierzwist (Vorbild der Germanenzwietracht) schädigte Perser und Griechen wechselseitig. Nur närrischer Einfall Gobineaus erhöht die Perser über die Griechen. Der allgemeine Rückschritt durch Semitenwirtschaft, entfremdet von Kunst und Wissenschaft, gierige Räuberei und Händlerei, wurde durch die Perser nicht aufgehoben, und diese ganze Völkerwelt erhielt durch Alexanders Gräkisierung nur scheinbare Verjüngung. Das ergab nur eine alexandrinisch nachahmende Epoche, die keinen Homer erzeugte, sondern nur schwache Epigonen. Der semitische Kaufmannsgeist herrschte vom Euphrat bis Tunis. Ägypten baute keine Cheopspyramide mehr, nur den Obelisk der Kleopatra. Ob der Perser in Persepolis, der Parther in Ktesiphon oder später der Araber in Bagdad und der Türke in Stambul hausten, es bleibt ununterbrochener atavistischer Rückfall aus Hochkultur in Halb- oder Ganzbarbarei. Und das alles, damit das auserwählte Volk der Europäer die Kultur allein für sich pachte?

Daß die griechischen Arier die Menschheit auf eine höhere geistige Stufe hoben, als es die ältere Mittelmeerrasse vermocht hätte, ist beweislos, da Hellas in viel späteres Zeitalter fällt, wo die Mykener vielleicht ähnliche Dichter und Denker erzeugt hätten. Nur in Indien bedeutet Ankunft der Arier unter Austreibung negroider Völker, die nach Australien und Ozeanien abwanderten, scheinbare Evolution einer tatsächlich schon vorhandenen Urkultur. Nachdem die Inder sich unter Asoka der gräkopersischen Sphäre anschlossen, herrschten nun die Arier vom Nil bis zum Ganges, ohne aber wirkliche Eigenkultur ohne Beihilfe der älteren zu schaffen. In dieser Hinsicht stehen, wie die Griechen unter den Ägyptern, die jüngeren Italer tief unter den Griechen. Die arischen Sabeller und ihre Vorläufer bevölkerten Italien schon ziemlich früh, blieben aber primitives Hirtenvolk, nur Ägäer, später Achäer und Dorier (Gründung Tarents 700) pflanzten einige Zivilisation an beiden Küsten. Schon 1250 konsolidierte sich der athenische Staat unter dem legendären Theseus, doch die Tradition von Roms Gründung 753 scheint noch sehr vordatiert, da die Sabeller erst um 400 feste Staatsgemeinden erwarben. Die Arier erwiesen sich als Lateiner kulturrückständig. Sie verlegten sich im Jahrtausend ihrer Welteroberung auf eine nur besser organisierte und mit kräftigerem Menschenmaterial versehene Razzia wie die Semiten und äußerlich materielle Zivilisierung, nicht auf wirkliche Kulturpflege, worin sie von Anfang bis Ende unschöpferische Affen der Griechen blieben. Daß sie Hellas ganz von der Bühne verdrängten, ist Evolution zum absolut Schlechterem. Dagegen hatte die ligurische Mittelmeerrasse nördlich des Appenin im Stein- und Bronzezeitalter selbständige Pfahlbautenkultur, desgleichen die eingewanderten Etrusker, wahrscheinlich Abspliß der Ägäer. Beide erlagen den wilden Galliern, die 390 bis Rom vordrangen, sich aber später auf Besitz der Poebene beschränkten. Vermutlich übertrugen Überreste der Ligurer ihre Pfahlbautentradition ein Jahrtausend später auf Venedig, die einzige norditalische Stadt, die eigenständige Kultur erwarb, während die ungewöhnliche Begabung der Toskaner vielleicht ebensoviel etruskischer Blutmischung als späterer ostgotischer verdankte. Die Gallier hatten freilich einen Ostflügel von Regensburg bis zur Donaumündung, der sich erheblicher Zivilisation erfreute, teils durch Vermittlung der Ägäer im Adriatikum teils durch ältere Errungenschaften der Neanderthalrasse (Krapinafund in Kroatien). Durch gallische Zwischenhändler sandten die zwischen Oder, Pripet und Dnystr sitzenden Teutonen Bernstein ins Mittelmeer (leere Sage, daß karthagischer Seehandel hier im Spiel). Die von Skythen (Vorläufer der Hunnen?) am Schwarzen Meer verjagten Gallier warfen sich nach Kleinasien hinein, wo sie 650 die Lyder überrannten und Assyrien mit zerstören halfen. Arisches Blut, obschon sich ins Dunkel verlierend, wird in Vorderasien schon früh bemerkt, möglichenfalls sind die Galliläer als gallische Abkömmlinge anzusprechen, zumal 279 ein anderer Gallierschwarm bis Delphi in Hellas vordrang und »Galatia« in Kleinasien gründete. 235 aus der Poebene durch Rom und über den Rhein durch die Teutonen vertrieben, breiteten die Kelten sich in Frankreich, Spanien (Keltiberer), Belgien, Britannien aus, bis Cäsar ihrer Siedlungslust ein Ende machte und den bretonischen Venetern auch ihre atlantische Seemacht abnahm.

Die Menschheit kam bei so endlosen Kämpfen nicht auf ihre Kosten, nur äußerliche Zivilisierung hielt das Römerreich zusammen, dessen Fäulnis die Christianisierung beförderte und das die Germanen mit einem Fußtritt begruben. Sie teutonisierten fast ganz Europa und verjüngten allerdings das Europäerblut,Man darf sich dies aber nicht im Übermaß denken. So träumt Löhers Buch über die Kanarischen Inseln die dortigen »Wandschen« als Vandalen, während es sich natürlich um »weiße« Berber der alten Mittelmeerrasse handelt. Doch gleiches könnte man für Asien von der neuen Semitenrazzia des Islam behaupten oder gar der hunnisch-tartarischen und mongolischen Invasion. Daß die byzantinische Hyperkultur vor altarabischer und türkischer Unkultur Stück für Stück zusammenbrach, wird man wohl schwerlich für eine glückliche Evolution halten. An Stelle der römischen Nivellierungsordnung trat im verarmten Europa feudale Anarchie. Nachdem die Mongolen die neupersische, indische, arabische Zivilisation (letztere nur ein äußerlicher Abklatsch der alten Kulturen) zerstampften, die Türken ihre Balkanvölker (in Serbien schon prähistorische Bildungsanfänge) und die verwandten Magyaren zu gleichen Barbaren wie sie selber herunterdrückten, wuchs von der Donau bis zur chinesischen Mauer, von Gibraltar bis Suez vier Jahrhunderte Gras auf den Grabstätten jener hohen Vergangenheit, zu der schon die Steinzeit ein festes Fundament legte, die im Bronze- bis ins Eisenzeitalter sich sichtlich aufwärtsbewegte, dann aber von Stufe zu Stufe sank. Nur ein Narr kann das christliche Mittelalter und selbst die Renaissance, wenn man sie richtig kennt, für einen Fortschritt über Indiens und Hellas' Großzeit halten. Selbst die durch Rasseninstinkt gerechtfertigte Austreibung der Mauren und Juden aus Spanien (der einzigen Stelle, wo die Semiten einen höheren Aufschwung nahmen) bedeutet doch nur den gleichen Sieg barbarischen Aberglaubens wie die Ausrottung der Azteken und Inkas zum unendlichen Schaden der Menschheit, wodurch Mexiko und Südamerika noch heute herabgedrückt. Plünderungszüge der Sarazanen und Normannen, vererbt in den Kreuzfahrern, zerstörten mehr als je die Seeräuberei der Achäer. Als seit dem 16. Jahrhundert die »weißen Teufel« den ganzen Erdball unterjochten, dienten sie wahrlich nicht der Kultur, sondern profitwütiger Scheinzivilisierung, die erst 2000 Jahre später den ägypto-phönikischen und griechischen Seewelthandel wieder aufnahm. Wer die Neuzeit mit den Anfängen der Geschichte vergleicht, entdeckt relativ keinen, absolut nur einen winzigen Unterschied seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch äußere Technik, Weltkriegsbarbarei erinnert an hunnisch-mongolische. Den Evolutionisten, der sich damit zufrieden gibt, beneiden wir nicht. Nur ein hoffnungsloser Pessimist mag seine Ableugnung moralischer Weltordnung darin bestätigt finden. Wir hingegen sehen in Niedergang und Fall hochverdienter Rassen nur ein Karmagesetz zweifelloser Gerechtigkeit. Deutet die Minotaurussage und die von Sodomiterei der Minosgattin nicht auf Grausamkeit und sadistische Wollust kretischen Kulturträger hin? Sind die Sünden der seit lange nicht mehr rassenechten und semitisch angefaulten Ägypter oder der späteren Hellenen und Römer nicht offenkundig? Karmamäßige Transformation dünkt uns natürlicher und weiser als Aufwärtsevolution, die dem wahren Weltprozeß zuwiderhandeln würde.

Auf den römischen Exilinseln (Ponzagruppe, heute Zuchthauskolonie) finden sich sogenannte Zyklopenbauten der Volsker, Spuren prähistorischer Magdalenier oder noch viel älterer Jahrtausende, noch heute sind dort Höhlen als Behausung beliebt, kühler im Sommer und wärmer im Winter. Höhlenwohnung und dem Biber nachgeahmte Pfahlbauten waren damals passender als heutige Paläste. Städte entstanden erst in Ebenen, wo es nicht Berge und Seen gab, durch Zwang der Übervölkerung, hygienisch ein Rückschritt, für kunstliebende und forschungseifrige Urrassen so wenig brauchbar wie moderne Technik, diese Notfolge des Maschinenzeitalters, das einem Mittelmeermenschen Grauen eingeflößt hätte als Werk böser Geister. Vielleicht sind die Pyramiden mit ihrem Geheimnisinnern und die Höhlentempel bei Luxor nur Anknüpfung an verflossene Steinzeit in pietätvoller Erinnerung an die großen Ahnen, die wahren Kultur bringer. Was nach den Sumerern kam, ist nicht Kultur, sondern jenes fragwürdige Danaergeschenk, das alle nicht zur weißen Rasse Gehörigen aufreibt. Was wirklich Kultur bedeutet, nämlich Kunst jeder Art, diese Urseele der Menschheit, und höheres Denkertum, hat sich mühsam inmitten dieser rein materiellen Zivilisierung behauptet. Es gibt manche, die in der griechischen eher einen Rückschritt neben altägyptischer Kunst sehen.Uns aber fällt nicht ein, den deutschen romanischen Stil und die französische Gotik(seltsame Namensumdrehung des Rassemäßigen) neben der antiken Architektur herabzusetzen, weil alles relativ und milieumäßig. Was Michelangelo mit seinen Schöpfungsfresken aussprach, taten die Ägypter mit der Wüstensphinx. Einem oder dem andern den Vorzug zu geben ist sinnlos. Gewiß gehört zur Geschichte der verlehrten Dummheit, wenn Humanisten und Philologen Homerische Epen und griechische Tragiker hoch über Nibelungenlied und Shakespeare setzten. Doch umgekehrt wäre töricht, Shakespeare, weil unserm Ideal entsprechender und relativ reicher, für größer als Äschylos, den Urvater und Gründer des Dramas, zu halten. Daß moderne Dichterkraft an sich der antiken nicht überlegen, zeigt Vergleich von Goethes Iphigenie mit jedem bessern Hellenendrama. Euripides war gewiß so geistreich wie irgendein Moderner und Aristophanes relativ so witzig wie Swift, Herodot, ein Repräsentant historischer Morgendämmerung, vollbrachte als Gründer der Geschichtswissenschaft relativ das Hundertfache als jeder spätere Historiker. Übrigens ist ergötzlich bei Thukidides und Tacitus zu beobachten, wie antike Historiker und Politiker geradeso vor politischen Verbrechen und Unsinnigkeiten warnten wie heutige vor dem Weltkrieg. Einzelschriften wie A. Schwan: »The great Solution« und politische Artikel der »English Revieu« bis 1914 stellten das Unheilvolle der Deutschenhetze in helles Eicht, sicher war auch die Mehrzahl der Engländer gleicher Meinung, dennoch siegte die Unvernunft. Denn der Homo sapiens ändert sich nie.

Die letzte Ausrede, Evolution bewege sich wellenförmig in Kurven, nach jedem Rückstoß gebe es wieder einen Aufwärtsruck, ist so sinnlos wie alle andere Evolutionsmythologie. Denn da alles relativ, kann es wirkliche Aufwärtsbewegung nicht geben, immer nur Oberflächenwertung einseitiger Beobachtung. Tröstet es über den Verfall altägyptischer und akkadischer Hochkultur, umrahmt vor- und rückwärts teils von Urkultur der Aurignacier, teils von mykenisch-kretischer, daß nach Jahrtausenden steriler Rauferei eine kurze hellenische Blüte sich aufreckte, um in sieben Jahrhunderten kulturloser Römerzivilisierung zu versinken? Tröstet es über ein Jahrtausendmittelalter relativen Rückschritts, daß Renaissance und Reformation einen rund hundertjährigen relativen Aufstieg brachten? Tröstet es über den Menschheitszusammenbruch des Weltkriegs, daß dem öden Maschinenzeitalter des technischen Spezialismus eine Krampfanstrengung der Napoleon- und Goethe-Zeit voraufging, die ihrerseits einer widrigen Epoche der Pedanterie und übertünchten Gemeinheit folgte? Nach jedem Fort- und Rückschritt ist die Menschheit genau so weit wie vorher, selbst der Begriff Transformation ist einzuschränken, denn umgewandelt werden nur Milieustände, nie ethisch und intellektuell die Menschen. Die Assyrer waren ein hartes Militaristenvolk wie Preußen, aber Ehrfurcht vor literarischem Streben ist ihnen nicht abzusprechen, und sie gingen viel würdiger unter als die Neudeutschen. Assurbanipal würde einen Wilhelm verachten und seine eigene Bemühung um Literatur und Kunst für viel kultureller halten als die Berliner Mischpoke. Das äußere Milieu von Ninive und Babel war unendlich glanzvoller und einem Künstlerauge angenehmer als ein Berlin mit Siegesspargel und Puppenallee.

Nichts komischer als der frühere Hereinfall mit der angeblichen Gehirnzunahme des modernen Menschen, siehe die Neanderthaler, dabei wissen wir noch gar nicht, wie vollendet die inneren Gehirne der Ägypter, Chaldäer, Hellenen ausgesehen haben mögen. Die Moderne endete als Größenwahn wie der Turmbau zu Babel, nach welchem die Völker zerstreut wurden, solchen Aufwand von Bosheit, Grausamkeit, Perfidie wie der Weltkrieg hat relativ kein Altertum und Mittelalter aufzuweisen. Als Frucht solcher Entwicklung macht das jüngste Geschlecht auch den Spruch »Not lehrt beten« zunichte, Wut und Verzweiflung der Besiegten und Raub- und Prahlsucht der Sieger verdoppelten nur ihre Herzenshärtigkeit und geile Genußsucht. Sodom und Gomorra müssen ihre wenigen Gerechten zusammentrommeln, um dem Pech und Schwefel den Rücken zu wenden. Nur Hyänen des Schlachtfelds schleichen als Leichenschänder herum, jeder sucht aus dem Augiasstall sein goldenes Schäfchen ins Trockene zu bringen. Als die Griechen das Märchen von Sardanapal erfanden, wie er sich mit Ninive verbrannte, um nicht dem Feinde einen Triumph zu gönnen, lehrten sie, was sich zieme. Heute desertiert man mit Millionen ins Ausland und läßt die Dummen daheim verbrennen. Das ist Evolution der christlichen Seele.

Im Essay über »Self Reliance« sagt Emerson: »Jeder will die Gesellschaft verbessern, keiner verbessert sich selbst. Die Gesellschaft schreitet nie vor, geht in einer Richtung so schnell zurück, wie sie in anderer vorrückt. Sie unterliegt beständigem Wechsel, ist barbarisch, zivilisiert, christianisiert, wissenschaftlich, doch dieser Wechsel ist nicht Verbesserung. Für jedes Gegebene wird etwas genommen. Die Gesellschaft ist eine Welle, die dahinströmt, doch die Wassermenge, aus der sie besteht, bewegt sich nicht.« Im Essay über Geschichte: »Die Natur ist endlose Wiederholung sehr weniger Gesetze, sie summt die alte Weise durch unzählige Varianten. Die Geschichte hat Veränderungen nur auf der Oberfläche, im Zentrum größte Einfachheit der Ursachen.« Diese Zitate dienen als Beweis, daß jeder ehrliche Denker, wie es Emersen trotz seines antithesensüchtigen Wortschwalls immerhin war, unsern Standpunkt teilt: Verwerfung jedes Evolutionsbegriffs im Fortschrittsinne.

Im Genesis-Gespräch erklärt Buddah, die Erde werde einmal verschwinden, ihre Bewohner auf andern Planeten wiedergeboren werden, die Urwesen seien leuchtend immateriell gewesen, jedoch durch die Erdatmosphäre entleuchtet und materialisiert worden. Ist also Zweck der transzendentalen Evolution, diese Materialisierung aufzuheben? Für soziale Weltverbesserer sollte es ein Wink sein, daß Buddhismus, dem Torheit das Gegenteil vorwirft, sich auch weltlich weise als staatsbegründend erwies. Erst er einte das zerklüftete Indien im Heüreich des Kaisers Asoka als eine durch »Norm« verbundene brüderliche Gemeinschaft. Die Christenkirche versuchte Ähnliches ohne Erfolg. Denn der Buddhist will nicht Ruhe und Frieden durch Resignation, wie man irrig glaubt, sondern heroische Überwindung der Materieunrast und ihrer Drehungen in Wechsel und Bewegungen. Er reitet auf dem Sturm als ruhiger Meister im Mantel der Weisheit. Buddha verfemte jedes träge Mönchtum, verlangte Aposteltum von den Arrahant. Dem Buddhisten gilt ununterbrochen lehrende und wirkende soziale Tätigkeit als Attribut eines Buddha und Asoka: Wer nicht für Erlösung der Menschheit sich müht und nur sich selbst erlösen will, erfüllt nicht die ganze »Norm«. Ob Buddha 624 bis 544 v. Ch. oder 563–483 lebte, letzteres wahrscheinlicher (Asokas Krönung 218 Jahre nach Buddhas Tod), jedenfalls schien das »Licht Asiens« zu einer Zeit, wo die arischen Griechen und Perser anderswo die Herrschaft antraten. Deren Glaube war so wenig evolutionistisch wie die Urweisheit, denn alle Arier glaubten an ewiges Werden unter der Anangke, dessen Wechsel auch die Götter wegwischt, doch nie sich ändert, an ewigen Kampf von Nacht und Licht. Nirgendwo bis ins 19. Jahrhundert begegnen wir dem modernen Aberglauben. Genau genommen, dachte nur der jüdische Messiaswahn evolutionistisch, indem er wüst selbstisch irdische Herrschaft eines auserwählten Volkes in Aussicht stellt. Leicht möglich, daß in unterirdischen Kanälen das Europa durchsickernde Judentum auch für den Fortschrittsevolutionsschwindel die Verantwortung trägt. Dessen letzter Zweck bedeutet, alles Transzendentalstreben zu entwurzeln und dem Menschen eine irdische Gottwerdung auf rein materieller Basis vorzugaukeln, was sich der Sozialismus zunutze machte. Das ist nicht des Ariers Kampfstimmung für das Heil, sondern Blendwerk der Begierde. Sozialisierung ist auf keinem andern Wege möglich als aus dem des Buddha-Asoka, aber auch dies transformiert sich in ewigem Drehen des Rades, jenseits alles immer gleichen Wechsels auf gleichem Fleck ruht nur unveränderlich das keiner Evolution Bedürftige, Unnennbare.

Beistand » außerirdischer Intelligenz« anzurufen kann Wallace nicht umhin für den als Ur-Faust erfundenen »Dryopithekus«, der nachher seine Menschwerdung vergaß. Denn selbst Huxley erklärte die Schwierigkeit für unübersteiglich, da der Gorillaknochen Zeichen trägt, denen im Alter immer deutlicher rein Tierisches anhaftet. Quatrefages verwarf solch umgekehrte Reihenfolge: beim Affen erschienen zuerst Windungen des mittleren Hirnklappens, beim Menschen die des Stirnbogens. Andere vergleichen die Knickung der Stirnachse, daß des Menschen Wachstum immer menschlicher, des Anthropoidem immer tierischer werde, Romanus und Dickson verspotteten natürliche Zuchtwahl. Gewiß, » zufällige Divergenzen« und inverse Konträrentwicklung sind so undenkbar, wie Owens »Vervollkommnungstrieb« in der Mechanik. Die Idee Affe projiziert sich ins All wie eine Psychopathia Sexualis, die eine Kopie von bestialem Sadismus verewigen wollte. Affe ist des Tigers Leibgericht, während er den Menschen höchstens aus Blutrache als alten Tigerjäger anfällt (vgl. Ossendowski). Der Kannibale verbannt diesen Braten von seiner Tafel, älteste Feuerstätten bieten keine Affenknochen, dieser Verwandtenliebe lüstert es nie nach gegenseitiger Berührung. Ursagen hätten sich gewiß nicht geniert, solchen Stammvater zu allegorisieren wie andere leibhaftige Tatsachen von Riesen und Zwergen. Unser Embryo enthält ja auch Lefebvres »Vegetabil mit Blättchen«, warum hütet man sich, auch pflanzliche Ahnengalerie in den Stammbaum aufzunehmen? Francé's These (ähnlich Bansens 15 Erdteile), jeder Boden habe besondere Rasse, setzt unzählige Protoplasmen voraus. Nun wohl, die Fötusvorgänge lassen nur eine Erklärung zu, die wir künstlerischem Verfahren entleihen. Ein Maler verfertigt Aktstudien zu jeder Figur und Skizzen der Gesamtkomposition; wirft er sie nachher weg als wertlose Atelierschnitzel? Mit nichten, er sammelt sie in Mappen für persönliche Erinnerungsorientierung. So skizziert Schöpfungskunst ihre Ideen, wie sie sich Aufbau tauglicher Körper denkt, ins Embryonotizbuch, ihre Sparsamkeit bewahrt und verwendet sie zur Knetung der Formen aus unzähligem Protoplasmateig. Gleiche Struktur der Wirbeltiere scheint nur Abspliß vom menschlichen relativen Vollendungsmodell.

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