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Denkwürdigkeiten des Pickwick-Klubs. Zweiter Teil

Charles Dickens: Denkwürdigkeiten des Pickwick-Klubs. Zweiter Teil - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorCharles Dickens
titleDenkwürdigkeiten des Pickwick-Klubs. Zweiter Teil
publisherGutenberg-Verlag
addressHamburg
seriesDickens Werke
volume2
editorDr. Paul Th.Hoffmann
translatorDr. Carl Kolb
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Achtunddreißigstes Kapitel.

Erteilt genügende Auskunft über Herrn Wellers Abwesenheit und enthält die Beschreibung einer Soiree, zu der er eingeladen war. Zugleich berichtet es, wie ihm von Herrn Pickwick eine geheime Sendung von großer Wichtigkeit und Zartheit anvertraut wird.

»Herr Weller«, sagte Frau Craddock am Morgen dieses verhängnisvollen Tage«, »hier ist ein Brief für Sie.«

»Das ist sehr kurios«, meinte Sam. »Ich fürchte fast, es muß etwas dahinter stecken, denn ich erinnere mich in meinem Kreis von Bekanntschaften keines Gentlemans, der imstande wäre, einen Brief zu schreiben.«

»Vielleicht hat sich etwas Außerordentliches ereignet«, bemerkte Frau Craddock.

»Das muß freilich etwas Außerordentliches sein, was einem meiner Freunde einen Brief ablocken könnte«, erwiderte Sam, zweifelhaft den Kopf schüttelnd. »Von meinem Vater kann der Brief auch nicht kommen«, fügte er hinzu, indem er die Handschrift betrachtete; »der druckt immer, weil er das Schreiben an den großen Anschlagzetteln vor den Buchhandlungen gelernt hat. Es ist mir ganz unerklärlich, woher der Brief wohl kommen mag.«

Zugleich tat Sam, was sehr viele Leute tun, wenn sie über den Schreiber eines Billetts im Ungewissen sind, d. h. er beschaute das Siegel, sodann den vorderen, dann den hinteren Teil, hierauf die Seiten und endlich die Überschrift; für das allerletzte Auskunftsmittel mochte er wohl den Inhalt ansehen, um ganz gewiß aus der Sache klar zu werden.

»Er ist auf goldgerandetes Papier geschrieben«, sagte Sam, als er ihn entfaltete, »und mit braunem Siegellack petschiert, und zwar mit der Spitze eines Türschlüssel«. Nun, wir wollen einmal sehen.«

Und mit sehr ernstem Gesicht las Herr Weller langsam wie folgt:

»Eine auserlesene Gesellschaft von den Bather-Lakaien empfiehlt sich Herrn Weller und bittet um das Vergnügen seiner Gesellschaft auf diesen Abend zu einem freundschaftlichen Schmause, bestehend aus einer gekochten Hammelkeule nebst dem übrigen Zubehör. Präzis halb zehn Uhr wird serviert.«

Diese Einladung war in ein anderes Billett folgenden Inhalts eingeschlossen:

»Herr John Smauker, der Gentleman, der das Vergnügen hatte, Herrn Weller vor einigen Tagen im Hause ihres gemeinschaftlichen Bekannten, des Herrn Bantam, kennenzulernen, gibt sich die Ehre, Herrn Weller die beifolgende Einladung zuzuschicken. Wenn Herr Weller Herrn John Smauker um neun Uhr abholen will, so wird Herr John Smauker das Vergnügen haben, Herrn Weller einzuführen.

(Unterzeichnet) John Smauker.«

Die Adresse lautete: »An Weller, Esquire bei Herrn Pickwick«, und in der linken Ecke stand als Instruktion für den Überbringer in Paranthese das Wort: »Dienerglocke«.

»Gut«, sagte Sam; »das gefällt mir nicht übel. Ich habe mein Lebtag noch nie gehört, daß man eine gekochte Hammelkeule einen Schmaus genannt hätte. Wie würden sie wohl eine gebratene nennen?«

Ohne sich jedoch lange den Kopf darüber zu zerbrechen, begab sich Sam sogleich zu Herrn Pickwick und bat ihn für den Abend um Urlaub, der gern bewilligt wurde. Mit dieser Erlaubnis und dem Hausschlüssel in der Tasche ging Sam Weller etwas vor der bestimmten Zeit aus und schlenderte gemächlich dem Queensquare zu, wo er kaum angelangt war, als er das Vergnügen hatte, Herrn John Smauker in einiger Entfernung seinen bepuderten Kopf an einen Laternenpfahl lehnen und aus einer Bernsteinröhre eine Zigarre rauchen zu sehen.

»Guten Tag, wie geht's, Herr Weller?« rief ihm Herr John Smauker zu, mit der einen Hand graziös den Hut lüftend, während er ihm mit der andern freundlich und herablassend zuwinkte. »Wie geht's, Sir?«

»Recht ordentlich«, erwiderte Sam. »Und wie geht es Ihnen, lieber Kamerad?«

»So so, la la«, sagte John Smauker.

»Sie haben sich gewiß zu sehr angestrengt«; bemerkte Sam. »Ich fürchtete es immer; aber es führt zu nichts; Sie müssen Ihrem Eifer und Fleiß Zaum und Gebiß anlegen.«

»Ach nein«, erwiderte Herr John Smauker, »es kommt nicht sowohl davon her, als von dem schlechten Wein; ich glaube, ich bin ein bißchen liederlich gewesen.«

»Aha, geht's da hinaus?« sagte Sam. »Das ist freilich eine schlimme Sache.«

»Aber«, bemerkte Herr John Smauker, »Sie wissen ja, daß die Verführung immer so groß ist.«

»Freilich«, erwiderte Sam.

»Wenn man so mitten in den Wirbel der Gesellschaft hineingezogen wird, Herr Weller, – Sie wissen ja schon«, sagte Herr John Smauker mit einem Seufzer.

»Ja, es ist schrecklich«, meinte Sam.

»Aber es geht immer so,« sagte Herr John Smauker, »wenn das Schicksal einen ins öffentliche Leben und in eine öffentliche Stellung führt. Da ist man Versuchungen ausgesetzt, von denen andere Leute nichts wissen, Herr Weller.«

»Gerade das sagte auch mein Onkel, als er ins öffentliche Leben getreten und ein Wirt geworden war«, bemerkte Sam; »und der alte Herr hatte ganz recht; denn in weniger als einem Vierteljahr trank er sich tot.«

Herr John Smauker sah sehr entrüstet aus über die zwischen ihm und dem besagten seligen Herrn gezogene Parallele. Da indessen Sams Gesicht in dem unveränderlichen Zustand der Ruhe blieb, so besann er sich eines bessern und wurde wieder freundlich.

»Es wird wohl Zeit, zu gehen«, sagte Herr Smauker und zog eine kupferne Uhr, die auf dem Grunde einer tiefen Uhrtasche wohnte und vermittels eines schwarzen Bandes an die Oberfläche heraufgezogen wurde, auch am andern Ende mit einem kupfernen Schlüssel versehen war, zu Rate.

»Ich denke auch«, erwiderte Sam; »das Essen möchte sonst kalt werden.«

»Haben Sie den Brunnen schon getrunken, Herr Weller?« fragte sein Kamerad, als sie nach der Hochstraße zuschritten.

»Ein einziges Mal«, erwiderte Sam.

»Und wie fanden Sie ihn, Sir?«

»Ganz abscheulich widerlich«, erklärte Sam.

»Ah«, sagte Herr John Smauker, »vielleicht behagt Ihnen der Mineralgeschmack nicht?«

»Davon verstehe ich nichts«, sagte Sam, »aber es kam mir vor, als hätte der Brunnen einen scharfen, brandigen Geruch, wie von glühenden Bügeleisen.«

»Das ist eben das Mineralische, Herr Weller«, bemerkte Herr John Smauker verächtlich.

»Meinetwegen; es ist aber ein sehr unverständliches Wort«, sagte Sam. »Es mag aber schon so sein, denn ich verstehe nicht viel von chemischen Geschichten, kann also nichts sagen.«

Und nun begann Sam Weller zum großen Entsetzen des Herrn John Smauker zu pfeifen.

»Ich bitte um Entschuldigung, Herr Weller«, sagte Herr John Smauker, schaudernd über die nicht eben lieblichen Töne. »Darf ich Ihnen meinen Arm anbieten?«

»Danke, Sie sind gar zu gütig: ich will Sie nicht bemühen«, erwiderte Sam. »Wenn Sie nichts dagegen haben, so stecke ich lieber meine Hände in die Taschen.«

Sam tat das auch sogleich und pfiff noch lauter als zuvor.

»Auf diesem Weg«, sagte sein neuer Freund, dem es offenbar viel leichter ums Herz wurde, als sie in eine Nebenstraße kamen, »auf diesem Weg werden wir bald dort sein.«

»So?« sagte Sam, ganz ungerührt durch die Ankündigung seiner unmittelbaren Nähe bei der auserwählten Gesellschaft der Bather-Lakaien.

»Ja«, sagte Herr John Smauker. »Seien Sie nur nicht zu schüchtern, Herr Weller.«

»O gewiß nicht«, sagte Sam.

»Sie werden einige sehr schöne Uniformen sehen, Herr Weller«, fuhr Herr John Smauker fort, »und vielleicht werden Sie auch finden, daß etliche von diesen Herren die Nase ein bißchen hoch tragen; allein Sie werden sie schon zu gewinnen wissen.«

»Das wäre sehr schön«, erwiderte Sam.

»Und Sie wissen«, fuhr Herr John Smauker mit erhabener Protektormiene fort, »Sie wissen, da Sie ein Fremder sind, so wird man Ihnen im Anfang vielleicht scharf zu Leib gehen.«

»Sie werden doch nicht gar grausam gegen mich sein?« fragte Sam.

»Nein, nein«, erwiderte Herr John Smauker, den Fuchskopf hervorziehend und eine gentlemanische Prise nehmend; »doch es sind einige lustige Käuze darunter, die werden ihren Witz an Ihnen auslassen wollen, aber Sie müssen sich nur nicht darum kümmern.«

»Ich werde es ihnen schon heimzugeben wissen«, erwiderte Sam.

»Das ist recht«, sagte Herr John Smauker, den Fuchskopf einsteckend und seinen eigenen emporhebend; »ich werde Ihnen beistehen.«

Inzwischen hatten sie einen kleinen Gemüseladen erreicht; in den Herr John Smauker eintrat, gefolgt von Sam, der, während er hinter ihm herging, ganz offen und unwillkürlich zu lachen begann und durch andere Zeichen verriet, daß er sich in einem sehr beneidenswerten Zustande inneren Vergnügens befand.

Sie gingen durch den Laden, legten ihre Hüte in dem kleinen Gang dahinter ab und kamen in ein kleines Zimmer, allwo der volle Glanz der Szene Herrn Weller alsbald in die Augen sprang.

Mitten in der Stube waren ein paar Tische zusammengerückt, bedeckt mit drei oder vier Tüchern von verschiedenem Alter und verschiedenem Datum der Wäsche, die jedoch so arrangiert waren, daß sie so sehr wie möglich über ihr verschiedenes Aussehen hinwegtäuschten. Auf den Tischen lagen Messer und Gabeln für sechs oder acht Personen. Einige von den Messergriffen waren grün, andere rot und noch andere gelb; die Gabeln dagegen waren sämtlich schwarz, und diese Farbenkombination bildete einen sehr scharfen Kontrast. Die Teller für eine entsprechende Anzahl Gäste wurden hinter dem Kaminrost gewärmt, und die Gäste selbst wärmten sich vor demselben. Der Angesehenste und Bedeutendste unter ihnen schien ein stattlicher Herr in karmoisinrotem Rock mit langen Schößen, hellroten Hosen und mit einem aufgestülpten Hut zu sein, der mit dem Rücken gegen das Feuer stand, und offenbar soeben erst gekommen sein mußte; denn er hatte nicht nur seinen aufgestülpten Hut noch auf dem Kopf, sondern auch in seiner Hand einen langen Stab, wie ihn die Gentlemen seiner Profession schief über die Kutschendächer hinauszuhalten pflegen.

»Smauker, alter Kerl«, sagte der Gentleman mit dem aufgestülpten Hut.

Herr Smauker fügte das oberste Gelenk des kleinen Finger seiner rechten Hand in das entsprechende des Gentleman mit dem aufgestülpten Hut und sagte, »er sei entzückt, ihn so wohl zu sehen.«

»Ja, die Leute sagen, ich sehe recht blühend aus«, begann der Mann mit dem aufgestülpten Hut, »und das ist wirklich ein Wunder. In den letzten vierzehn Tagen bin ich tagtäglich zwei Stunden hinter unserer alten Dame hergelaufen; und wenn man ständig sehen muß, wie sie ihr verteufeltes altes, lavendelfarbiges Kleid hinten zu hat; wenn das einen braven Kerl auf die Dauer nicht in die bitterste Verzweiflung bringt, so verzichte ich auf meinen nächsten Arbeitslohn.«

Die versammelten Notabilitäten lachten herzlich, und ein Gentleman in einer gelben, mit einer Kutscherborte besetzten Weste flüsterte einem Nachbar in grünsamtenen Kniehosen zu, »Tuckle sei heute abend sehr aufgeräumt.«

»Unter uns gesagt«, bemerkte Herr Tuckle, »mein lieber Smauker, Sie – –«, der Rest des Satzes wurde Herrn John Smauker ins Ohr hineingeflüstert.

»Ach, wahrhaftig, das habe ich ganz vergessen«, sagte Herr John Smauker. »Meine Herren – mein Freund, Herr Weller.«

»Es tut mir leid, Weller, daß ich Ihnen vor dem Feuer stehe«, sagte Herr Tuckle herablassend. »Ich hoffe, es wird Ihnen nicht zu kalt sein, Weller?«

»Nicht im geringsten, Feuerbrand«, erwiderte Sam. »Das müßte doch ein recht frostiger Bursche sein, den es frieren könnte, wenn Sie ihm gegenüberstehen. Mit Ihnen könnte man Kohlen ersparen, wenn man Sie in einem Wirtshaus hinter das Kaminfeuer stellte.«

Da diese Bemerkung offenbar eine persönliche Anspielung auf Herrn Tuckles karmoisinrote Livree enthielt, so blickte dieser Gentleman einige Sekunden lang majestätisch drein, schob sich jedoch allmählich vom Feuer weg, brach in ein erzwungenes Lachen aus und sagte, »der Witz gefalle ihm nicht übel«.

»Ich bin Ihnen sehr verbunden für Ihre gute Meinung, Sir«, entgegnete Sam. »Wir werden schon warm miteinander werden.«

Hier wurde die Unterhaltung durch die Ankunft eines Gentleman in orangefarbigen Plüschhosen unterbrochen, der ein anderes Kabinettstück in purpurfarbigem Rocke und mit ungeheuren langen Strümpfen mit sich brachte. Nachdem die neuen Gäste von den alten bewillkommt waren, schlug Herr Tuckle vor, mit dem Essen zu beginnen, was einstimmig angenommen wurde.

Der Gemüsehändler und seine Frau trugen jetzt die gekochte Hammelkeule, noch siedendheiß, mit einer Kapernsoße nebst Rüben und Kartoffeln auf den Tisch. Herr Tuckle nahm den Präsidentenstuhl ein und ans andere Ende des Tisches setzte sich als Vizepräses der Gentleman in den orangefarbigen Plüschhosen. Der Gemüsehändler zog waschlederne Handschuhe an, um die Teller umherzureichen, und stellte sich hinter den Stuhl des Herrn Tuckle.

»Harris!« sagte Herr Tuckle in befehlendem Tone.

»Sir«, antwortete der Gemüsehändler.

»Haben Sie die Handschuhe angezogen?«

»Ja, Sir.«

»So nehmen Sie den Deckel hinweg.«

»Sehr wohl, Sir.«

Der Gemüsehändler tat mit großer Unterwürfigkeit wie ihm befohlen wurde und reichte Herrn Tuckle dienstbeflissen das Vorlegemesser, wobei er jedoch zufällig gähnte.

»Was soll das bedeuten, Sir?« ließ ihn Herr Tuckle sehr rauh an.

»Ich bitte um Verzeihung, Sir«, erwiderte der erschrockene Gemüsehändler, »ich habe es nicht absichtlich getan, Sir; ich war in der letzten Nacht so lange auf, Sir.«

»Ich will Ihnen sagen, was ich von Ihnen denke, Harris«, sagte Herr Tuckle mit höchst nachdrucksvoller Geberde: »Sie sind ein ganz dummer Kerl.«

»Meine Herren«, antwortete Harris, »ich hoffe, Sie werden nicht so streng mit mir verfahren, meine Herren. Ich bin Ihnen wirklich sehr verbunden, meine Herren, für Ihre Gönnerschaft und auch für Ihre Empfehlungen, meine Herren, wenn irgendwo zur Aushilfe ein Aufwärter nötig ist. Ich hoffe, meine Herren, daß ich Sie zur Zufriedenheit bediene.«

»Nein, das tun Sie nicht, Sir«, antwortete Herr Tuckle; »weit gefehlt, Sir.«

»Wir halten Sie für einen unachtsamen Bengel«, sagte der Gentleman in den organgefarbigen Plüschhosen.

»Und für einen niederträchtigen Dieb«, fügte der Gentleman in den grünsamtenen Kniehosen hinzu.

»Und für einen unverbesserlichen Taugenichts«, rief der Gentleman in dem Purpurgewand.

Der arme Gemüsehändler verbeugte sich demutsvoll, während er im echten Geist kleinlicher Tyrannen mit diesen hübschen Ehrentitelchen belegt wurde. Als nun jeder, um seine Oberherrlichkeit über ihn zu beweisen, etwas gesagt hatte, begann Herr Tuckle die Hammelkeule zu tranchieren und der Gesellschaft vorzulegen.

Kaum war dieses wichtigste Geschäft des Abends angefangen, als die Tür hastig aufgerissen wurde und ein anderer Gentleman in hellblauem Rock mit bleiernen Knöpfen hereintrat.

»Gegen die Ordnung«, sagte Herr Tuckle. »Zu spät, zu spät.«

»Nein, nein; ich konnte wahrhaftig nicht anders«, erwiderte der Blaue. »Ich appelliere an die Gesellschaft – ein galantes Abenteuer – ein Stelldichein im Theater.«

»Wirklich?« fragte der Gentleman in den orangenen Plüschhosen.

»Ja, auf meine Ehre«, sagte der Blaue. »Ich hatte versprochen, unsere jüngste Tochter um halb zehn Uhr abzuholen, und sie ist ein so schönes Frauenzimmer, daß ich es nicht übers Herz bringen konnte, sie warten zu lassen. Ich wollte die Gesellschaft dadurch nicht beleidigen, Sir, aber eine Schürze, Sir – eine Schürze, Sir, da kann man nicht widerstehen.«

»Sie Schwerenöter, Sie«, sagte Tuckle, als der neue Ankömmling sich neben Sam setzte. »Es ist mir schon ein paarmal aufgefallen, daß sie sich sehr fest an Ihre Schultern lehnt, wenn sie in den Wagen hinein- oder heraussteigt.«

»Ja freilich, freilich, Tuckle; aber von so etwas darf man nicht reden«, sagte der Blaurock; »es schickt sich nicht. Ich habe vielleicht zu einem oder zwei Freunden gesagt, daß sie ein göttliches Geschöpf ist, und ohne einleuchtende Gründe schon einen oder zwei Anträge zurückgewiesen hat; aber – – nein, nein, nein, wahrhaftig, Tuckle – und besonders vor Fremden – das ist nicht recht – Sie sollten es nicht tun. Zartgefühl, mein teurer Freund, Zartgefühl!«

Und der Blaurock ordnete sein Halstuch, zupfte seine Handkrausen zurecht, blinzelte und schnitt dabei Grimassen, als ob er noch viel sagen könnte, wenn er wollte, und wenn ihm nicht die Ehre zu schweigen geböte.

Da der Blaue ein blondlockiger, steifnackiger, munterer, unbefangener Bursche von keckem, prahlhansigem Aussehen war, so hatte er gleich im Anfang Herrn Wellers besondere Aufmerksamkeit erregt. Als er sich aber vollends auf diese Art auszulassen begann, fühlte Sam noch größere Lust, seine Bekanntschaft zu machen, und knüpfte daher mit seiner charakteristischen Ungezwungenheit ohne weiteres eine Unterhaltung mit ihm an.

»Ihre Gesundheit, Sir«, sagte er zu ihm. »Sie gefallen mir. Wir müssen Freundschaft schließen.«

Der Blaurock lächelte, als wäre er an Komplimente dieser Art längst gewöhnt, blickte jedoch Sam freundlich an und sagte, »er hoffe, näher mit ihm bekannt zu werden, denn er scheine ihm ohne alle Schmeichelei ein ganz angenehmer Bursche zu sein – ganz der Mann nach seinem Herzen.«

»Sie sind gar zu gütig, Sir«, erwiderte Sam. »Was für ein Glückskind Sie sind!«

»Wie meinen Sie das?« fragte der Gentleman im blauen Rock.

»Ich meine die junge Dame«, erwiderte Sam. »Die wird schon wissen, was sie zu tun hat. Ich verstehe wohl.«

Herr Weller schloß ein Auge und schüttelte seinen Kopf auf eine Art, die für die persönliche Eitelkeit des Gentleman im blauen Gewand höchlich befriedigend war.

»Ich fürchte, Sie sind ein verfluchter Kerl, Herr Weller«, sagte er.

»Nein, nein«, erwiderte Sam. »Ich überlasse das Ihnen. Sie haben weit mehr davon als ich, wie der Gentleman auf der sicheren Seite der Gartenmauer zu dem Manne draußen sagte, während der wütende Stier die Gasse hinaufjagte.«

»Na schön, Herr Weller«, sagte der Blaurock, »ich dächte wenigstens, sie hat meine Art und mein Wesen wohl bemerkt, Herr Weller.«

»Das soll mich nicht im geringsten wundern«, erwiderte Sam.

»Haben Sie auch so eine kleine Geschichte dieser Art, Sir?« antwortete der begünstigte Gentleman im blauen Rock, indem er einen Zahnstocher aus seiner Westentasche zog.

»So eigentlich nicht«, antwortete Sam. »In meinem Hause gibt es keine Töchter, sonst würde ich mich natürlich auch an eine herangemacht haben. So aber würde ich es unter einer Marquise nicht tun. Doch ließe ich mir zur Not noch eine junge Dame mit großem Vermögen gefallen, wenn sie auch keinen Titel hätte, aber recht rasend in mich verliebt wäre, sonst durchaus nicht.«

»Das will ich doch meinen, Herr Weller«, sagte der Blaue. »Man darf sich nicht wegwerfen, und wir, wir als Männer von Welt und Erfahrung, wissen, Herr Weller, daß eine hübsche Uniform bei den Damen früher oder später immer ihre Wirkung tut. Unter uns gesagt, das ist auch das einzige, warum es sich der Mühe lohnt, in einen Dienst zu gehen.«

»Ganz recht«, sagte Sam, »so denke ich auch.«

Als dieses vertrauliche Zwiegespräch so weit gediehen war, wurden Gläser gebracht und jeder der Gentlemen bestellte, was er wollte, bevor das Wirtshaus geschlossen wurde. Der Blaue und der Orangefarbene, die die Häupter dieser auserlesenen Gesellschaft waren, bestellten »kalten Shrub«Zucker, Branntwein und Zitronensaft. und Wasser; das Lieblingsgetränk der andern aber schien Wacholderbranntwein und Zucker zu sein. Sam nannte den Gemüsehändler einen fürchterlichen Dummkopf und bestellte eine große Bowle Punsch, zwei Heldentaten, die ihn in den Augen dieser Notabilitäten sehr zu heben schienen.

»Meine Herren«, rief der Blaurock mit dem Anstand und den Gebärden des vollendetsten Dandy, »die Damen sollen leben!«

»Hört, hört«, sagte Sam. »Die jungen Bälger.«

Jetzt wurde laut zur Ordnung gerufen, und Herr John Smauker, als der Gentleman, der Herrn Weller in die Gesellschaft eingeführt hatte, nahm sich die Freiheit, ihm zu bemerken, der Ausdruck, dessen er sich bedient, sei unparlamentarisch.

»Welchen andern hätte ich denn wählen sollen, Sir?« fragte Sam.

»Bälger, Sir?« erwiderte Herr John Smauker mit beunruhigendem Stirnrunzeln. »Wir erkennen solche Definitionen nicht an.«

»Ah, sehr gut«, sagte Sam, »so will ich die Bemerkung verbessern und sie mit Erlaubnis des Herrn Feuerbrand süße Engelein nennen.«

Im Gemüt des Gentleman mit den grünen Samthosen schien einiger Zweifel vorzuwalten, ob man den Präsidenten füglich Feuerbrand nennen könne; da die Gesellschaft sich aber nicht daran stieß, so wurde die Frage nicht aufgeworfen. Der Mann mit dem aufgestülpten Hut atmete kurz und blickte Sam lange an, hielt es aber offenbar für geratener, nichts zu sagen, um nicht noch schlimmer wegzukommen.

Nach einer kurzen Pause rührte ein Gentleman mit einem bordierten Rock, der ihm bis an die Fersen ging, und ebensolcher Weste, die eine Hälfte seiner Beine warm hielt, mit großer Energie seinen Wacholderbranntwein und Wasser, erhob sich dann auf einmal mit gewaltiger Anstrengung und sagte, er wünsche der Gesellschaft einiges mitzuteilen, worauf der Herr mit dem aufgestülpten Hut durchaus nicht zweifelte, daß die Gesellschaft sich sehr glücklich schätzen werde, einiges zu hören, was der Herr mit dem langen Rock ihr vorzutragen wünsche.

»Meine Herren«, begann dieser; »nur mit großer Schüchternheit wage ich es, vor Sie zu treten, da ich das Unglück habe, ein Kutscher zu sein und nur als Ausnahmegast zu diesen angenehmen Schmausereien zugelassen bin. Aber, meine Herren, ich fühle mich verbunden – in die Ecke getrieben – wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf – eine betrübende Tatsache bekanntzumachen, die mir zu Ohren gekommen ist, und von der ich wohl sagen darf, daß sie mir den ganzen Tag vor den Augen geschwebt hat. Meine Herren, unser Freund, Herr Whiffers (aller Augen richteten sich auf den Orangefarbigen), unser Freund, Herr Whiffers, hat gekündigt.«

Allgemeines Erstaunen lag über den Zuhörern. Jeder sah seinen Nachbar an und ließ dann die Blicke wieder auf den stehenden Kutscher gleiten.

»Ja, meine Herren«, fuhr dieser fort, »Sie haben Ursache, verwundert zu sein. Ich will es nicht wagen, mich über die Gründe dieses unersetzlichen Verlustes für den Dienst auszulassen, aber ich möchte Herrn Whiffers bitten, dieselben zur Belehrung und Nachahmung seiner bewundernden Freunde selbst anzugeben.«

Da der Antrag mit lautem Beifall angenommen wurde, so erklärte sich Herr Whiffers bereit. Er sagte, er hätte allerdings wünschen können, den Posten, den er nunmehr aufgegeben, länger zu behalten. Die Uniform sei glänzend und kostbar gewesen, die Frauenzimmer in der Familie äußerst angenehm und die Pflichten seiner Stellung, wie er nicht anders sagen könne, keineswegs zu beschwerlich, denn sein Hauptdienst habe darin bestanden, in Gesellschaft eines andern Gentleman, der ebenfalls gekündigt habe, soviel wie möglich aus dem Fenster neben dem Hausflur hinauszusehen. Er hätte der Gesellschaft gern die widrigen und empörenden Details, auf die er eingehen müsse, erspart, da man aber eine Erklärung von ihm gefordert, so habe er keine andere Wahl, als deutlich und geradeheraus zu gestehen, daß man ihm zugemutet habe, kalte Küche zu essen.

Es ist unmöglich, die Entrüstung zu begreifen, die diese Mitteilung in den Busen der Zuhörer erweckte. Ein lautes Geschrei: »Pfui! pfui!« mit Murren und Gezische vermischt, dauerte wenigstens eine Viertelstunde.

Herr Whiffers fügte jetzt hinzu, er fürchte, einen Teil dieser Schmach durch sein nachgiebiges und geduldiges Wesen selbst verschuldet zu haben. Er erinnere sich deutlich, daß er sich einmal herabgelassen habe, gesalzene Butter zu essen, und ein andermal, als jemand im Hause plötzlich erkrankt sei, habe er sich sogar soweit vergessen, einen Kohleneimer in den zweiten Stock hinauf zu tragen. Er hege die Zuversicht, daß er durch dieses offene Geständnis seiner Fehler in der guten Meinung seiner Freunde nicht gesunken sei, oder wenn dies geschehen sein sollte, so hoffe er, daß die Schnelligkeit, womit er die soeben erzählte letzte schamlose Verletzung seiner Gefühle gerächt habe, ihn in ihre Achtung wieder einsetzen werde.

Herrn Whiffers Rede belohnte schallender Bewunderungszuruf, und voll Enthusiasmus wurde die Gesundheit des hochsinnigen Märtyrers getrunken. Der Märtyrer dankte und brachte einen Toast auf ihren Gast, Herrn Weller, aus – einen Gentleman, den er zwar nicht das Vergnügen habe, genauer zu kennen, der aber der Freund des Herrn John Smauker sei, was in jeder Gesellschaft von Gentlemen als ein hinreichender Empfehlungsbrief betrachtet werden müsse. Deshalb würde er sich gedrungen gefühlt haben, Herrn Wellers Gesundheit mit allen Ehren auszubringen, wenn seine Freunde Wein tränken; da sie aber der Abwechslung halber Branntwein vorgezogen, und es nicht ratsam sein möchte, bei jedem Toaste einen Humpen zu leeren, so schlage er vor, die Ehren stillschweigend vorauszusetzen.

Beim Schluß dieser Rede schlürften alle zu Ehren Sams ein wenig aus ihren Bechern, und nachdem Sam sich selbst zu Ehren zwei volle Gläser Punsch herausgeschöpft und hinabgestürzt hatte, dankte er in einer wohlgesetzten Rede.

»Kameraden«, begann er, indem er so unbefangen wie möglich sein Glas füllte; »ich bin sehr verbunden für dieses Kompliment, das mich beinahe zu Boden drückt, da es von solchen Ehrenmännern kommt. Ich habe schon viel von Ihnen als Korporation gehört, aber das muß ich sagen, ich hätte nie geglaubt, daß Sie so außerordentlich angenehme Leute wären, wie ich jetzt in Ihnen gefunden habe. Ich hoffe nur, daß Sie acht auf sich selbst nehmen und Ihrer Würde nichts vergeben, denn es ist sehr hübsch anzusehen, wenn einer auf der Straße geht, und dieser Anblick hat mir von jeher sehr viel Vergnügen gemacht, schon als ich noch ein Knabe war und kaum halb so hoch als der mit einem Messingknopf versehene Stock meines ehrenwerten Freundes Feuerbrand da. Was das Opfer der Unterdrückung in dem Schwefelkleide betrifft, so kann ich weiter nichts sagen, als daß ich hoffe, er werde einen so guten Platz bekommen, wie er es verdient, in welchem Fall man ihm sehr wenig mit kalter Küche beschwerlich fallen wird.«

Hier setzte sich Sam mit einem anmutsvollen Lächeln; seine Rede wurde stürmisch beklatscht, und ein Teil der Gesellschaft machte Anstalt, aufzubrechen.

»Wie, Sie werden doch nicht im Ernst schon gehen wollen, alter Kollege«, sagte Sam Weller zu seinem Freunde, Herrn John Smauker.

»Ach Gott, ich muß«, erwiderte Herr Smauker: »ich habe es Bantam versprochen.«

»Dann ist's was anderes«, erwiderte Sam. »Vielleicht würde er kündigen, wenn Sie lange auf sich warten ließen. Aber Sie gehen doch noch nicht, Feuerbrand?«

»O freilich«, erwiderte der Mann mit dem aufgestülpten Hut.

»Wie, und Dreiviertel einer Punschbowle zurücklassen?« eiferte Sam. »Das wäre ja Unsinn! Setzen Sie sich wieder.«

Herr Tuckle vermochte dieser Einladung nicht zu widerstehen. Er stellte den aufgestülpten Hut sowie den Stock, den er soeben ergriffen hatte, wieder auf die Seite und sagte, um der guten Kameradschaft willen wolle er noch ein Gläschen trinken.

Da der hellblaue Gentleman denselben Heimweg hatte wie Herr Tuckle, so ließ auch er sich überreden, noch zu bleiben. Als der Punsch etwa halb getrunken war, bestellte Sam noch Austern aus des Gemüsehändlers Laden, und die Wirkung von beiden war so außerordentlich erheiternd, daß Herr Tuckle mit seinem aufgestülpten Hut und Stock auf dem Tische zwischen den Austernschalen den Froschhornpipe tanzte, während ihm der hellblaue Gentleman auf einem sinnreichen Instrument, bestehend aus einem Haarkamm und einem Papierstreif, dazu aufspielte. Endlich, als der Punsch getrunken und die Nacht so ziemlich vorüber war, machten sie sich auf, in der Absicht, ein Haus weiterzugehen. Kaum war Herr Tuckle an der frischen Luft, als ihn auf einmal der Wunsch ankam, sich auf das Straßenpflaster niederzulegen, und Sam, der es für eine Sünde gehalten hätte, ihm zu widersprechen, ließ ihn gewähren. Da jedoch der aufgestülpte Hut leicht hätte verdorben werden können, wenn man ihn hier ließ, so drückte er denselben klugerweise dem hellblauen Herrn auf den Kopf, gab ihm den dicken Stab in die Hand, lehnte ihn an seine Haustür, läutete und ging ruhig nach Hause.

An diesem Morgen war Herr Pickwick früher als gewöhnlich aufgestanden; er ging vollständig angekleidet die Treppen hinab und läutete.

»Sam«, sagte er, als Herr Weller auf das Geklingel erschien, »schließ die Tür zu.«

Herr Weller tat es.

»Wir haben«, fuhr Herr Pickwick fort, »heute Nacht einen unglückseligen Vorfall gehabt, infolgedessen Herr Winkle Gewalttätigkeiten von Herrn Dowler befürchten muß.«

»Ich habe es schon von der Alten unten gehört«, erwiderte Sam.

»Und«, erzählte Herr Pickwick mit höchst verdrießlicher Miene weiter, »ich muß leider hinzufügen, daß Herr Winkle sich aus Furcht vor diesen Gewalttätigkeiten davongemacht hat.«

»Davongemacht?« sagte Sam.

»Er hat diesen Morgen sehr früh, ohne die geringste Beratung mit mir, das Haus verlassen«, erklärte Herr Pickwick. »Und er ist davongegangen, ohne daß ich weiß, wohin.«

»Er hätte dableiben und die Sache ausfechten sollen, Sir«, versetzte Sam verächtlich. »Ich wollte mit diesem Dowler schon fertig werden, Sir.«

»Gut, Sam«, sagte Herr Pickwick; »auch ich habe meine Zweifel an seiner großen Tapferkeit und Entschlossenheit. Aber dem sei wie ihm wolle, Herr Winkle ist nun einmal nicht mehr da. Er muß aufgesucht und zu mir zurückgebracht werden, Sam.«

»Wenn er aber nicht mehr kommen will, Sir?« fragte Sam.

»So muß man ihn dazu zwingen, Sam«, sagte Herr Pickwick.

»Und wer soll das tun, Sir?« fragte Sam mit einem Lächeln.

»Du«, erwiderte Herr Pickwick.

»Sehr wohl, Sir.«

Mit diesen Worten verließ Herr Weller das Zimmer, und man hörte ihn bald nachher die Haustür schließen. Zwei Stunden nachher kehrte er so ruhig zurück, als hätte man ihn mit dem allergewöhnlichsten Auftrag abgesandt, und brachte die Nachricht, ein Individuum, dessen Beschreibung in jeder Beziehung auf Herrn Winkle passe, sei heute morgen mit der Postkutsche von Royal- Hotel weg nach Bristol gefahren.

»Sam«, sagte Herr Pickwick, seine Hand ergreifend: »du bist ein Kapitalkerl, den man in Gold fassen sollte. Du mußt ihm nachreisen, Sam.«

»Sehr wohl, Sir«, erwiderte Herr Weller.

»Sobald du ihn entdeckst, schreibst du es mir auf der Stelle, Sam«, fuhr Herr Pickwick fort: »und wenn er einen Versuch macht zu entfliehen, so schlägst du ihn zu Boden oder sperrst ihn ein. Du hast meine unumschränkte Vollmacht, Sam.«

»Ich werde alles getreu befolgen«, erwiderte Sam.

»Sage ihm«, setzte Herr Pickwick hinzu, »ich sei im höchsten aufgebracht, erzürnt und empört über das äußerst auffallende Benehmen, das er sich habe zuschulden kommen lassen.«

»Das will ich, Sir«, erwiderte Sam.

»Sage ihm ferner«, fuhr Herr Pickwick fort, »wenn er nicht mit dir in dieses Haus zurückkehren wolle, so werde er mit mir zurückkehren müssen, denn ich würde selbst kommen und ihn holen.«

»Ich werde es ausrichten, Sir«, versprach Sam.

»Meinst du wirklich, daß du ihn finden werdest, Sam?« fragte Herr Pickwick, ihm scharf in's Gesicht sehend.

»O ich will ihn schon finden, er mag sein, wo er will«, erwiderte Sam mit großer Zuversicht.

»Sehr gut«, sagte Herr Pickwick; »so reise je eher, je lieber ab.«

Mit diesen Instruktionen drückte Herr Pickwick seinem getreuen Diener eine Summe Geldes in die Hand und befahl ihm, sogleich nach Bristol abzureisen, um den Flüchtling einzuholen.

Sam packte einige notwendige Sachen in einen Koffer und war bereit aufzubrechen. Am Ende des Ganges blieb er stehen, kehrte noch einmal um und steckte den Kopf durch die Tür.

»Sir«, flüsterte Sam.

»Was ist'«, Sam?« erwiderte Herr Pickwick.

»Ich habe doch meine Instruktionen recht verstanden, Sir?« fragte Sam.

»Ich hoffe wenigstens«, sagte Herr Pickwick.

»Habe ich das mit dem Niederschlagen buchstäblich zu verstehen?« fragte Sam weiter.

»Allerdings«, erwiderte Herr Pickwick: »ganz buchstäblich. Tu, was du für nötig hältst. Du hast meine Vollmacht.«

Sam nickte einverstanden, zog seinen Kopf aus der Tür und begab sich leichten Herzens auf seine Wanderschaft.

 

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