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Denkwürdigkeiten des Pickwick-Klubs. Zweiter Teil

Charles Dickens: Denkwürdigkeiten des Pickwick-Klubs. Zweiter Teil - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorCharles Dickens
titleDenkwürdigkeiten des Pickwick-Klubs. Zweiter Teil
publisherGutenberg-Verlag
addressHamburg
seriesDickens Werke
volume2
editorDr. Paul Th.Hoffmann
translatorDr. Carl Kolb
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Zweiundvierzigstes Kapitel.

Wie es Herrn Pickwick in Fleet erging; was für Schuldner er daselbst antraf, und wie er die Nacht zubrachte.

Herr Tom Roker, der Gentleman, der Herrn Pickwick ins Gefängnis begleitet hatte, wandte sich unten auf der kurzen Treppe nach rechts und führte ihn durch ein offenstehendes eisernes Tor, sodann eine andere kurze Treppe hinauf in einen langen, engen, schmutzigen, niedrigen, mit Steinen bepflasterten Gang, der bloß durch ein einziges Fenster an jedem Ende ein höchst spärliches Licht erhielt.

»Dies«, sagte der Gentleman, seine Hände einsteckend und Herrn Pickwick nachlässig über die Schulter ansehend; »dies ist der Weg zur Halle.«

»So«, erwiderte Herr Pickwick, eine dunkle, schmutzige Treppe hinabblickend, die zu einer Reihe dumpfer, düsterer unterirdischer Steingewölbe zu führen schien: »und dies da sind wohl die kleinen Keller, wo die Gefangenen ihre geringen Kohlenvorräte aufbewahren? Der Zugang ist sehr garstig: doch mögen sie zu diesem Zwecke wohl passen.«

»Ei, warum sollten sie nicht passen?« meinte der Gentleman, »es wohnen ja mehrere Leute ganz hübsch darin; das dürfen Sie mir wohl glauben.«

»Mein Freund«, sagte Herr Pickwick, »es wird Ihnen doch nicht ernst damit sein, daß menschliche Wesen in diesen Löchern wohnen?«

»Ei, warum denn nicht?« erwiderte Herr Roker mit unwilliger Verwunderung, »warum denn nicht?«

»Da unten leben also wirklich Menschen?« rief Herr Pickwick.

»Ja, sie leben da unten, und sehr oft sterben sie auch da unten«, erwiderte Herr Roker. »Was liegt denn daran? Wer kann etwas dagegen einwenden? Dies ist ein ganz guter Platz zum Leben.«

Da Roker bei diesen Worten sich etwas barsch gegen Herrn Pickwick umwandte und noch überdies in aufgereiztem Tone gewisse unfreundliche Äußerungen über seine Augen, seine Glieder und seine zirkulierenden Flüssigkeiten murmelte, so hielt es letzterer für ratsam, das Gespräch nicht weiter zu verfolgen. Herr Roker stieg sofort abermals eine Treppe hinauf, die so schmutzig war wie die letzte, und die Herren Pickwick und Weller folgten ihm auf der Ferse.

»Hier«, sagte Herr Roker, indem er Atem schöpfte, als sie eine andere Galerie von demselben Umfang wie die untere erreicht hatten: »hier ist der Gang ins Wirtszimmer! es sind noch zwei darüber, und das Zimmer, wo Sie heute nacht schlafen werden, gehört dem Gefängniswärter! hier bitte, treten Sie ein.«

Nachdem er das alles in einem Atem gesagt, stieg Herr Roker mit seinen Begleitern von neuem eine Treppe hinauf.

Diese Treppe erhielt ihr Licht von einigen niedrig angebrachten Fenstern, die auf einen mit Kies bedeckten und von einer hohen Backsteinmauer mit eisernen spanischen Reitern umgebenen offenen Raum sahen. Das war, wie aus Herrn Rokers Erklärung hervorging, der Ballplatz, und nach dem Bericht dieses Gentlemans befand sich in dem zunächst an die Farringdonstraße stoßenden Teile des Gefängnisses ein ähnlicher aber kleinerer Hofraum, der »gemalte Platz« genannt, weil man an seinen Mauern früher mehrere Abbildungen von Kriegsschiffen unter vollen Segeln sowie andere Kunstleistungen erblickt hatte, wodurch sich ein eingesperrter Maler in seinen Mußestunden hier verewigte.

Nachdem Herr Roker diese Notiz, augenscheinlich mehr um sein Gemüt durch Mitteilung einer wichtigen Tatsache zu erleichtern, als in der speziellen Absicht, Herrn Pickwick aufzuklären, mitgeteilt hatte, ging er mit ihm in eine andere Galerie und lenkte in einen kleinen Nebengang am äußersten Ende desselben ein; hier öffnete er eine Tür und erschloß ein Zimmer von keineswegs einladendem Aussehen, worin acht bis neun eiserne Bettstellen standen.

»Hier«, sagte er, die Tür offen haltend und Herrn Pickwick triumphierenden Blickes anschauend: »hier ist ein Zimmer.«

Herrn Pickwicks Gesicht verriet indessen ein so durchaus geringes Maß von Zufriedenheit, daß Herr Roker in den Mienen Samuel Wellers, der bis jetzt ein würdevolles Schweigen beobachtet hatte, nach Sympathie suchte.

»Hier ist ein Zimmer, junger Mann«, bemerkte Herr Roker.

»Ich sehe es«, erwiderte Sam mit einem freundlichen Kopfnicken.

»Was meinen Sie? So ein Zimmer würden Sie im Farringdon-Hotel nicht finden«, sagte Herr Roker mit selbstgefälligem Lächeln.

Statt aller Antwort drückte Herr Weller auf eine behagliche und unstudierte Weise ein Auge zu, was entweder bedeuten konnte, er denke auch so, oder er denke nicht so, oder er habe überhaupt noch gar nicht darüber nachgedacht, wie es der Beobachter nun auslegen mochte. Nachdem er das vollbracht und sein Auge wieder geöffnet hatte, fragte er Herrn Roker, welches die merkwürdige Bettstelle sei, worin es sich nach seiner lockenden Beschreibung so herrlich schlafen lasse.

»Diese da«, erwiderte Herr Roker, auf eine sehr rostige Bettlade in einem Winkel zeigend. »Jedermann schläft darin ein, er mag wollen oder nicht.«

»Dann wären ja«, meinte Sam, mit einem Blick unendlichen Widerwillens das fragliche Möbel betrachtend: »dann wären ja Mohnköpfe nichts dagegen.«

»Das ist wahr«, versetzte Herr Roker.

»Und«, fügte Sam mit einem Seitenblick auf seinen Herrn hinzu, ob er bei diesem nicht etwa einige Merkzeichen eines erschütterten Entschlusses zu erkennen vermöchte, »die andern Gentlemen, die hier schlafen, sind doch hoffentlich Gentlemen?«

»Das versteht sich«, sagte Herr Roker. »Einer von ihnen trinkt Tag für Tag zwölf Kannen Ale und läßt seine Pfeife nie kalt werden, nicht einmal beim Essen.«

»Das muß ja ein außerordentlicher Mann sein«, meinte Sam.

»Ja freilich, ich bin es selbst.«

Keineswegs eingeschüchtert durch diese Nachricht, kündigte Herr Pickwick seinen Entschluß an, die Wunderkräfte des narkotischen Bettes auf die nächste Nacht zu erproben; Herr Roker sagte ihm, er könne sich ohne weitere Anzeige oder Formalität zu jeder beliebigen Stunde zur Ruhe begeben und ließ ihn sofort mit Sam auf dem Gange stehen.

Es wurde dunkel, das heißt, an diesem niemals hellen Platze wurden aus Artigkeit gegen den Abend, der sich außen eingestellt hatte, einige Gaslichter angezündet. Da es ziemlich heiß war, so hatten die Bewohner einiger von den zahlreichen, auf beiden Seiten in den Gang sich öffnenden Stuben ihre Türen mehr oder weniger weit aufgemacht, und Herr Pickwick schaute im Vorübergehen mit großer Neugier und vielem Interesse hinein. Im ersten saßen vier oder fünf mäßig große Burschen, durch eine Wolke von Tabaksrauch beinahe unsichtbar gemacht, in lärmender, schreiender Unterhaltung über halbleeren Bierkannen und spielten mit schmutzigen Karten »Allevier«. Im nächsten Zimmer erblickte er einen einsamen Bewohner, der beim Schein eines schwachen Talglichts einen Packen beschmutzter, verwitterter, mit gelbem Staub bedeckter und vor Alter beinahe zerfallener Papiere studierte und zum hundertstenmal ein langes Verzeichnis seiner Beschwerden für irgendeinen bedeutenden Mann niederschrieb, dessen Augen dies Schreiben niemals lesen, dessen Herz nie dadurch gerührt werden sollte. In einem dritten wohnte ein Mann mit seinem Weibe und einem ganzen Haufen Kinder, und bereitete für die jüngsten ein ärmliches Nachtlager auf der Erde oder auf ein paar Stühlen. Im vierten, fünften, sechsten und siebten wiederholte sich das Geschrei, das Biertrinken, der Tabaksrauch und das Kartenspiel in verstärktem Maße.

Auf den Gängen selbst und besonders auf den Treppen standen eine Menge Leute, die hierher kamen, einige, weil ihnen ihr Zimmer zu leer und zu einsam, andere, weil sie zu voll und zu heiß waren, die meisten aber, weil sie keine Ruhe fanden, sich unbehaglich fühlten und das Geheimnis nicht besaßen, mit Bestimmtheit zu wissen, was sie mit sich selbst anfangen sollten. Es waren Leute aus allen Klassen da, vom Arbeiter in der Barchentweste bis zu dem ruinierten Verschwender in seinem tuchenen Schlafrock mit den zerrissenen Ellenbogen. Aber alle hatten dieselbe Art sich zu benehmen, eine gewisse, leichtfertige Galgenvogelsorglosigkeit, ein großtuerisches, vagabundenhaftes Wesen, das sich mit Worten schlechterdings nicht beschreiben läßt. Doch jeder, der Lust hat, kann sogleich Einsicht nehmen, wenn er einen Fuß in den nächsten besten Schuldturm setzt und die nächste beste Gruppe, die er erblickt, mit ebensoviel Interesse anschaut, wie Herr Pickwick es tat.

»Sam«, sagte Herr Pickwick, sich an das eiserne Geländer oben an der Treppe lehnend, »es scheint mir, als wenn die Einsperrung wegen Schulden kaum eine Strafe genannt werden könnte.«

»Meinen Sie das wirklich, Sir?« fragte Herr Weller.

»Du siehst, wie diese Burschen trinken, rauchen und schreien«, fuhr Herr Pickwick fort. »Ihre Lage kann ihnen unmöglich sehr zu Herzen gehen.«

»Das ist's ja, Sir«, erwiderte Sam. »Die machen sich freilich nicht viel daraus, sondern haben alle Tage blauen Montag, saufen den ganzen Tag Porter und kegeln: aber es gibt auch noch andere, die kein Bier trinken und nicht Kegel schieben können, die gern bezahlen würden, wenn sie das Geld dazu hätten, und die ganz traurig und kleinmütig werden, wenn man sie einsperrt. Ich will Ihnen sagen, wie die Sachlage ist, Sir: denen, die den ganzen Tag in den Wirtshäusern herumliegen, schadet es nichts, denen aber, die immer arbeiten, wenn sie Gelegenheit haben, schadet es vielzuviel. Es ist gar zu ungleich, wie mein Vater zu sagen pflegte, wenn sein Grog nicht gerade halb Rum und halb Wasser war, es ist gar zu ungleich, und da liegt der Hase im Pfeffer.«

»Du hast recht, Sam«, sagte Herr Pickwick nach einigen Augenblicken des Nachdenkens, »du hast ganz recht.«

»Vielleicht gibt es dann und wann auch einige ehrliche Leute, denen es gefällt«, bemerkte Herr Weller gedankenvoll: »aber ich habe noch von keinem gehört, ausgenommen von dem kleinen Mann mit dem schmutzigen Gesicht und dem braunen Rock, und da war es die Macht der Gewohnheit.«

»Wer war es denn?« fragte Herr Pickwick.

»Eben das ist die Sache, die kein Mensch jemals erfahren hat«, erwiderte Sam.

»Was hat er denn getan?«

»Was manche viel berühmtere Leute ihrer Zeit auch getan haben, Sir; er hat seine Ausgaben und seine Einnahmen nicht ins rechte Verhältnis zueinander zu setzen gewußt.«

»Das heißt, er hat Schulden gemacht?« fragte Herr Pickwick.

»Eben das, Sir«, erwiderte Sam; »und so kam er endlich im Verlauf der Zeit hierher. Es war nicht viel – Pfändung wegen neun Pfund geradeaus, multipliziert mit fünf Pfund Unkosten, und doch mußte er siebzehn Jahre lang hierbleiben. Wenn er Runzeln ins Gesicht bekam, so wurden sie mit Schmutz verstopft, denn das schmierige Gesicht wie der braune Rock hatten ganz dieselbe Farbe am Ende dieser Zeit wie im Anfang. Er war ein stilles, harmloses kleines Männchen, das sich immer etwas zu schaffen machte oder Ball spielte und nie gewann, bis endlich die Schließer sich ganz in ihn vernarrten und ihn jeden Abend auf ihr Zimmer kommen ließen, wo er mit ihnen schwatzen und Geschichten erzählen mußte und dergleichen. Eines Abends war er wie gewöhnlich auch da, und ganz allein mit einem alten Freunde, der gerade die Schlüssel hatte: da fing er auf einmal an und sagte: ›Bill, ich habe den Markt draußen schon siebzehn Jahre nicht mehr gesehen‹, (dazumal war gerade der Fleetmarkt). – ›Ich weiß wohl‹, sagte der Schließer und rauchte seine Pfeife. – ›Ich möchte ihn gar zu gern auf eine Minute wiedersehen, Bill‹, fuhr der Kleine fort. – ›Glaub's wohl‹, sagte der Schließer und dampfte mächtig, um sich das Ansehen zu geben, als ob er den kleinen Mann nicht verstände. – ›Aber‹, sagte dieser immer dringlicher, ›ich habe es mir nun einmal in den Kopf gesetzt. Laßt mich die Straße noch einmal vor meinem Tode sehen, und wenn mich der Schlag nicht rührt, so bin ich in fünf Minuten wieder da.‹ – ›Aber‹, sagte der Schließer, ›was soll aus mir werden, wenn der Schlag Euch wirklich rührt?‹ – ›Ach‹, erwiderte das kleine Männchen, ›wer mich findet, der wird mich schon bringen, denn ich habe meine Karte in der Tasche: Nr. 20, Gefängnishallengang.‹ Und das war wirklich so, denn wenn er mit einem Neuangekommenen Bekanntschaft machen wollte, so zog er jedesmal eine kleine biegsame Karte mit den obengenannten Worten und sonst gar nichts darauf aus der Tasche, daher sie ihn auch die ›Nummer 20‹ nannten. Der Schließer sah ihn scharf an und sagte zuletzt sehr feierlich: ›Zwanzig, ich will Euch trauen: Ihr werdet Euren alten Freund nicht in Verlegenheit bringen.‹ – ›Nein, mein Schatz‹, antwortete das kleine Männchen, ›ich hoffe, es steckt etwas Besseres hier unten‹, dabei schlug er mit Macht auf sein kleines Westchen, und in jedem Auge stand ihm eine Träne, was ganz außerordentlich war, denn er galt dafür, daß nie Wasser sein Gesicht berührte. Er schüttelte dem Schließer die Hand, ging hinaus –«

»Und kam nie wieder?« fragte Herr Pickwick.

»Diesmal haben Sie fehlgeraten, Sir«, erwiderte Herr Weller, »denn er erschien zwei Minuten vor der Zeit, kochend vor Wut, wieder und sagte, eine Mietkutsche habe ihn beinahe überfahren; er sei an so etwas nicht gewöhnt und er wolle ein schlechter Kerl sein, wenn er es nicht dem Lordmayor schreibe. Sie beschwichtigten ihn endlich, aber fünf ganze Jahre hernach hat er nie mehr auch nur ein einziges Mal zum Tore hinausgeschaut.«

»Und nach Verlauf dieser Zeit ist er wohl gestorben?« fragte Herr Pickwick.

»Nein, Sir, das nicht«, erwiderte Sam. »Er bekam ein Gelüst, in dem neuen Wirtshaus über der Straße am Eingang das Bier zu versuchen, und dort war ein so hübsches Zimmer, daß er sich's in den Kopf setzte, jeden Abend dahin zu gehen, was er eine geraume Zeitlang tat. Regelmäßig etwa eine Viertelstunde vor Torschluß kam er dann immer wieder zurück. Das war nun alles ganz schön und gut, aber endlich wurde er so lustig und ausgelassen, daß er die Zeit ganz vergaß oder sich gar nichts mehr daraus machte, und immer später und später zurückkam, bis er zuletzt eines Abends vor dem Tore erschien, als sein guter Freund eben zuschließen wollte und bereits den Schlüssel umgedreht hatte. – ›He da, Bill, halt!‹ ruft er ihm zu. – ›Seid Ihr denn noch nicht zu Hause, Zwanzig?‹ sagte der Schließer; ›ich dachte, Ihr wäret längst da.‹ – ›Nein, noch nicht‹, erwiderte der Kleine und lächelte. – ›Dann will ich Euch etwas sagen, guter Freund‹, sprach der Schließer und machte das Tor sehr langsam und gemächlich wieder auf: ›ich habe mit großem Leidwesen gesehen, daß Ihr in der neuesten Zeit in schlechte Gesellschaften geraten seid. Ich will nun nicht hart mit Euch verfahren, aber wenn Ihr Euch nicht zu gesetzten Leuten haltet und zur regelmäßigen Stunde wieder heimkommt, so schließe ich Euch ganz und gar aus, so wahr ich da stehe.‹ Der kleine Mann fing heftig an zu zittern und zu beben und verließ seitdem nie wieder die Gefängnismauern.«

Als Sam geendet hatte, ging Herr Pickwick langsam die Treppe wieder hinab, und nachdem er einige Male auf dem bemalten Platz, wo er, da es jetzt dunkel war, beinahe allein sein konnte, gedankenvoll auf und ab gegangen, sagte er zu Herrn Weller, es scheine ihm hohe Zeit zu sein, zu Bett zu gehen; er solle in einem nahen Wirtshaus eine Unterkunft suchen und am andern Morgen beizeiten wieder kommen, um für die Herbeischaffung seiner Garderobe aus dem Georg und Geier Sorge zu tragen. Herr Samuel Weller schickte sich an, diesem Befehl mit so gutem Anstand wie er anzunehmen vermochte, zu gehorchen, legte aber dennoch einen bedeutenden Widerwillen an den Tag. Er ging sogar so weit, durch allerhand wirkungslose Winke anzudeuten, daß es passend wäre, wenn er sich für heute nacht auf den Kiesboden hinstreckte; da er aber Herrn Pickwick für alle solche Anspielungen hartnäckig taub fand, so zog er sich endlich zurück.

Die Tatsache darf nicht verschwiegen werden, daß Herr Pickwick äußerst niedergedrückt war und sich durchaus unbehaglich fühlte – nicht wegen Mangels an Gesellschaft, denn das Gefängnis war sehr voll, und mit einer Flasche Wein konnte er sich ohne alle förmliche Einführungszeremonie die beste Kameradschaft einiger auserwählten Geister erkaufen. Allein er fühlte sich einsam unter einem rohen Gesindel, und der Gedanke, ohne Aussicht auf Befreiung eingekäfigt zu sein, benahm ihm allen frohen Mut. Dessenungeachtet fiel es ihm aber nicht von ferne ein, sich damit loszukaufen, daß er der Betrügerei Dodsons und Foggs Vorschub leistete.

In dieser Stimmung begab er sich noch einmal in den Gefängnishallengang und spazierte langsam auf und ab. Der Platz war unerträglich schmutzig und der Tabaksdampf beinahe erstickend. Die Leute warfen unaufhörlich die Türen zu, wenn sie aus- und eingingen, und das Geräusch ihrer Stimmen und Fußtritte hallte beständig durch den Gang. Eine junge Frau mit einem Kind auf den Armen, das vor Magerkeit und Elend kaum kriechen zu können schien, ging mit ihrem Manne, der keinen andern Platz hatte, um sie zu sehen, den Gang auf und ab. Als sie an Herrn Pickwick vorbeikamen, konnte er die Frau bitterlich schluchzen hören, und einmal brach sie in ein so heftiges Jammern aus, daß sie sich an der Wand halten mußte, während der Mann das Kind in seine Arme nahm und sie zu beruhigen versuchte.

Herrn Pickwicks Herz war wirklich zu voll, um das zu ertragen: er ging die Treppen hinauf und ins Bett.

Obgleich nun das Zimmer des Gefängniswärters in Beziehung auf Möblierung und Einrichtung durchaus unwohnlich und um mehrere hundert Grad schlechter war als das gemeinste Krankenzimmer in einem Grafschaftsgefängnis, so hatte es doch für den Augenblick den Vorzug, ganz verlassen und nur von Herrn Pickwick bewohnt zu sein. Er setzte sich am Fuß seiner kleinen eisernen Bettstelle nieder und begann zu berechnen, wieviel der Gefängniswärter wohl jährlich aus diesem schmutzigen Zimmer lösen könne. Er brachte auf mathematischem Wege heraus, daß es vielleicht soviel eintrage, wie eine kleine Straße in den Vorstädten Londons. Dann fing er an, sich zu wundern, warum wohl eine düster blickende Fliege, die auf seinen Beinkleidern herumkroch, in ein so enges Gefängnis gekommen sein mochte, während sie doch unter so vielen luftigen Wohnungen die Wahl habe: eine Betrachtung, die ihn zu dem unausweichlichen Schluß leitete, das Insekt müsse verrückt sein. Nachdem er darüber ins reine gekommen, merkte er, daß er schläfrig sei. Er zog daher seine Nachtmütze aus der Tasche, die er morgens einzustecken die Vorsicht gebraucht, kleidete sich gemächlich aus, ging ins Bett und schlummerte ein.

»Bravo! die Füße in Schwung! Munter! Juchheisa, Zephyr! Ich will mich hängen lassen, wenn nicht das Opernhaus Ihre eigentliche Heimat ist. Holla ho!« Diese und ähnliche mit dem tobendsten Geschrei hervorgelärmte und von lautem, schallendem Gelächter begleiteten Ausdrücke erweckten Herrn Pickwick aus einem jener gesunden Schlummer, die in Wirklichkeit nur eine halbe Stunde andauern, dem Schläfer aber drei bis vier Wochen lang gewährt zu haben scheinen.

Die Stimme hatte nicht sobald aufgehört, als das Zimmer mit solcher Heftigkeit erschüttert wurde, daß die Fenster in ihren Rahmen rasselten und die Bettstellen erzitterten. Herr Pickwick schrak auf und blieb einige Minuten lang in stummes Erstaunen über die seinen Augen sich darstellende Szene versunken.

In seinem eigenen Zimmer nämlich führte ein Mann in einem grobgesäumten schwarzen Rock, manchesternen Kniehosen und grauen wollenen Strümpfen die gewöhnlichste Art eines Hornpipetanzes mit einer spitzbübisch-burlesken Karikatur von Anmut und Leichtigkeit auf, die, verbunden mit dem eigentümlichen Charakter seines Kostüms, unaussprechlich abgeschmackt war. Ein anderer Mann, der offenbar sehr betrunken und wahrscheinlich von seinem Kameraden in ein Bett geworfen worden war, saß zwischen den Tüchern und trillerte, soweit es ihm sein Gedächtnis erlaubte, ein komisches Lied mit den sentimentalsten Empfindungen und Phrasen, während ein dritter, der gleichfalls auf einem Bette saß, den beiden Künstlern mit tiefer Kennermiene zujubelte und sie durch solche Aufwallungen von Gefühl, die Herrn Pickwick bereits aus dem Schlafe gestört hatten, ermutigte.

Dieser letztere war ein bewunderungswürdiges Musterstück von einer Klasse Leute, die in ihrer gänzlichen Vollkommenheit nur an solchen Orten zu sehen sind; – im unvollkommenen Zustand kann man sie gelegentlich auch in der Gegend von Viehställen und in öffentlichen Häusern treffen, aber ihre volle Blume erhalten sie nur in diesen Mistbeeten, die von der Gesetzgebung klüglicherweise einzig und allein zu ihrer Erzielung geschaffen zu sein scheinen.

Er war ein langer Kerl von olivenartiger Gesichtsfarbe, hatte lange dunkle Haare und einen sehr dicken, buschigen Schnurrbart, der unter dem Kinn zusammenlief. Er trug kein Halstuch, da er den ganzen Tag Ball gespielt hatte, und sein offener Hemdkragen enthüllte die volle Üppigkeit seines Nackens. Auf dem Kopf hatte er eine gewöhnliche französische Mütze zu achtzehn Pence sitzen, mit bunten Trotteln daran, die ihm zu dem gemeinen Barchentrock sehr hübsch stand. Seine Beine, die lang und schwach waren, schmückten ein Paar Oxforder Pumphosen, geeignet, die ganze Symmetrie seiner Glieder ins gehörige Licht zu stellen. Da sie indessen etwas nachlässig geschnallt und außerdem auch unvollständig zugeknöpft waren, so fielen sie in einer Reihe nicht eben sehr anmutsvoller Falten über ein Paar Schuhe gerade so weit auf die Ferse herab, um ein Paar schmutzige, weiße Strümpfe zu zeigen. In seinem ganzen Wesen sprach sich eine gewisse gaunerhafte, vagabundenmäßige Lebhaftigkeit und eine Art großtuerischer Spitzbüberei aus, die wenigstens eine Goldmine wert war.

Diese Person war die erste, die bemerkte, daß Herr Pickwick zuschaute: sie winkte hierauf dem Zephyr zu und bat ihn mit drolliger Gravität, den Herrn nicht aufzuwecken.

»Gott segne den ehrlichen Gentleman in Zeit und Ewigkeit«, rief der Zephyr sich abwendend und die äußerste Überraschung an den Tag legend, »der Gentleman ist bereits erwacht. Hallo, Shakespeare! Wie geht es Ihnen, Sir? Was machen Marie und Sara, Sir? und die liebwerteste alte Madame zu Hause, Sir? – He, Sir? Wollen Sie die Güte haben, in das erste Paketchen, das Sie abschicken, meine Komplimente zu legen und dabei zu melden, ich würde sie schon früher abgesandt haben, wenn ich nicht gefürchtet hätte, sie möchten im Wagen zerbrochen werden. Nicht wahr, Sir?«

»Belästigen Sie den Gentleman nicht mit gewöhnlichen Höflichkeiten, da Sie sehen, daß er ungemein durstig ist«, sagte der Schnurrbart in scherzhaftem Tone. »Warum fragen Sie den Gentleman nicht, was er befehle?«

»Beim Himmel, das habe ich ganz vergessen«, erwiderte der andere. »Was wollen Sie trinken, Sir? Wollen Sie Portwein, Sir? oder Xeres, Sir? Auch das Ale kann ich empfehlen, Sir; oder vielleicht wünschen Sie lieber Porter, Sir? Gönnen Sie mir das Glück, Ihre Nachtmütze aufzuhängen, Sir.«

Mit diesen Worten schnappte der Sprecher den genannten Artikel von Herrn Pickwicks Kopf weg und setzte ihn in einem Nu dem Betrunkenen auf, der im festen Glauben, eine zahlreiche Versammlung zu ergötzen, fortfuhr, in möglichst melancholischen Tönen sein Lied abzuleiern.

Jemanden mit Gewalt die Nachtmütze vom Kopf reißen und einem unbekannten Schmutznickel aufsetzen, mag an und für sich ein geistreicher Witz sein, gehört aber unstreitig in die Klasse der handgreiflichen Späße. Auch Herr Pickwick betrachtete die Sache von diesem Gesichtspunkte aus. Ohne seine Absicht im mindesten vorher zu verkünden, sprang er wie ein Blitz aus dem Bett und versetzte dem ZephyrDer Zephyr ist der Frühlingswind, der in den Dichtungen der Griechen und Römer viel gepriesen wird. einen so derben Schlag auf die Brust, daß er ihm einen bedeutenden Teil der Bequemlichkeit raubte, die zuweilen sein Name mit sich bringt; sodann riß er seine Mütze wieder an sich und nahm kühn eine defensive Stellung an.

»Nur herbei!« rief Herr Pickwick keuchend vor Zorn wie infolge des ungewöhnlichen Kraftaufwandes: »kommt nur alle beide!«

Diese kecke Aufforderung begleitete der würdige Gentleman mit wiederholten Schwingungen seiner geballten Fäuste, um seinen Gegnern durch Entwicklung seiner Kunstfertigkeit Schrecken einzujagen.

War es Herrn Pickwicks höchst unerwartete Tapferkeit, oder war es die verwickelte Art, wie er aus dem Bett gesprungen und ohne Umstände den Hornpipemann überfallen hatte, was seine Gegner rührte – kurz und gut, gerührt waren sie, und statt Mordversuche zu machen, wie Herr Pickwick unbedingt von ihnen vorausgesetzt, wurden sie auf einmal still, starrten einander ein paar Augenblicke an und begannen dann aus vollem Halse zu lachen.

»Sie sind ein wackerer Mann«, sagte der Zephyr zu ihm, »und gefallen mir sehr wohl. Gehen Sie jetzt nur wieder ins Bett, sonst erkälten Sie sich. Sie werden doch hoffentlich keinen Zorn auf uns haben.« Zugleich streckte er ihm eine Hand hin, ähnlich dem gelben Fingerklumpen, den man hier und da über dem Laden eines Handschuhmachers hängen sieht.

»O gewiß nicht«, sagte Herr Pickwick recht munter; denn jetzt, da die Aufregung vorüber war, begann er Kälte in seinen Füßen zu verspüren.

»Gestatten Sie mir die Ehre, Sir«, sagte der Gentleman mit dem Schnurrbart, ihm seine rechte Hand anbietend.

»Mit vielem Vergnügen, Sir«, erwiderte Herr Pickwick und stieg nach einem langen, feierlichen Händeschütteln wieder in sein Bett.

»Mein Name ist Smangle, Sir«, sprach der Mann mit dem Schnurrbart.

»Ah, schön«, sagte Herr Pickwick.

»Ich heiße Mivins«, sprach der Mann mit den Strümpfen.

»Freut mich, es zu hören«, erwiderte Herr Pickwick.

»Hm«, hustete Herr Smangle.

»Sagten Sie etwas, Sir«, fragte Herr Pickwick.

»Nein, Sir«, erwiderte Herr Smangle.

»Dann habe ich mich geirrt, Sir«, versetzte Herr Pickwick.

Alles das war sehr artig und angenehm; um aber auf einen noch freundlicheren Fuß zu gelangen, versicherte Herr Smangle den Herrn Pickwick zu wiederholten Malen, daß er eine sehr hohe Verehrung für die Gefühle eines Gentleman hege: eine Gesinnung, die wirklich laut zu seinen Gunsten sprach, da durchaus kein Grund war, vorauszusetzen, daß er dieselben verstanden hätte.

»Kommen Sie durch den Hof hierher, Sir?« fragte Herr Smangle.

»Durch was?« sagte Herr Pickwick.

»Durch den Hof – Portugalstraße – Sie wissen ja schon.«

»O nein«, erwiderte Herr Pickwick.

»Das Geld ausgegangen vielleicht?« erwiderte Mivins.

»Ich fürchte nicht«, erwiderte Herr Pickwick. »Ich weigere mich bloß, Schadenersatz zu bezahlen und bin deshalb hier.«

»So?« sagte Herr Smangle. »Mein Verderben war Papier.«

»So sind Sie vielleicht ein Buchhändler, Sir?« fragte Herr Pickwick unschuldig.

»Buchhändler? Gott bewahre. Nichts so Niederträchtiges. Kein Geschäftsmann. Wenn ich Papier sage, so meine ich Wechsel.«

»Aha, jetzt verstehe ich Sie«, sagte Herr Pickwick.

»Gott straf mich, ein Gentleman muß Unglücksfälle zu ertragen verstehen«, fügte Smangle hinzu. »Was ist es auch? Ich bin hier im Fleetgefängnis; nun gut, bin ich deswegen schlimmer daran als vorher?«

»Nein, um kein Haar«, versetzte Herr Mivins.

Und er hatte ganz recht: Herr Smangle war sogar weit besser daran, weil er, um sich für seinen neuen Wohnort zu versorgen, in den unentgeltlichen Besitz gewisser Schmucksachen gekommen war, die schon lange vorher den Weg zu einem Pfandleiher gefunden hatten.

»Schön, aber kommen Sie«, sagte Herr Smangle; »das ist trockene Arbeit. Spülen wir den Mund mit einem Tröpfchen Glühwein aus; der letzte Ankömmling hat ihn zu bezahlen, Mivins wird ihn holen, und ich helfe ihn austrinken. Das ist, Gott straf mich, eine billige und gentlemanische Teilung der Arbeit.«

Herr Pickwick, der keine Lust hatte, sich abermaligen Handgreiflichkeiten auszusetzen, nahm den Vorschlag mit Vergnügen an, gab Herrn Mivins Geld, und dieser verlor, da es nahe an elf Uhr war, keine Zeit, sondern eilte sogleich in die Restauration.

»He, was haben Sie ihm gegeben?« flüsterte Smangle im Augenblick, wo sein Freund das Zimmer verlassen hatte.

»Einen halben Sovereign«, sagte Herr Pickwick.

»Er ist ein verteufelt angenehmer, gentlemanischer Kerl«, fuhr Herr Smangle fort – »ganz höllisch angenehm. Ich kenne keinen besseren Kameraden, aber –«

Hier brach Herr Smangle kurz ab und schüttelte bedenklich den Kopf.

»Sie werden damit doch nicht sagen wollen, daß er imstande wäre, das Geld für sich selbst zu verwenden?« fragte Herr Pickwick.

»O nein, Gott bewahre, das sage ich nicht; ich sage ausdrücklich, daß er ein verteufelt gentlemanischer Kerl ist«, erwiderte Herr Smangle. »Aber ich denke, wenn vielleicht jemand hinunterginge, um zu sehen, ob er nicht zufälligerweise seinen Schnabel in den Krug steckt oder tölpelhaft genug ist, die Treppe herauf das Geld zu verlieren, so könnte das nicht schaden. He da, Sie, gehen Sie hinab und sehen Sie nach diesem Gentleman.«

Diese Aufforderung galt einem kleinen, schüchtern um sich blickenden, nervenschwachen Manne, dessen ganze Erscheinung große Armut verriet, und der sich die Zeit über offenbar völlig betäubt über die Neuheit seiner Lage auf einem der Betten zusammengeduckt hatte.

»Sie wissen doch die Restauration?« sagte Smangle. »Laufen Sie hinunter und sagen Sie jenem Herrn, Sie kämen, um ihm den Krug herauftragen zu helfen. Doch wie? – warten Sie noch einmal – ich will Ihnen etwas sagen – ich will Ihnen sagen, wie wir ihn bekommen werden«, fügte Smangle mit einem pfiffigen Blick hinzu.

»Und wie denn?« fragte Herr Pickwick.

»Lassen Sie ihm sagen, daß er für das übrige Geld Zigarren kaufen solle. Ein großartiger Einfall! Laufen Sie schnell hinab und melden Sie es ihm. Sie sollen nicht zugrunde gehen; ich werde sie rauchen.«

Dieses Manöver war so ausnehmend scharfsinnig und wurde mit so unerschütterlicher Ruhe und Kaltblütigkeit ausgeführt, daß Herr Pickwick es nicht stören wollte, wenn es auch in seiner Macht gestanden hätte. In kurzer Zeit kam Herr Mivins mit dem Getränk zurück, das Herr Smangle in zwei kleine, zersprungene und schmutzige Krüge schüttete. Er machte dabei die kluge Bemerkung, ein Gentleman müsse unter solchen Umständen nicht zu ekel sein: wenigstens er für seine Person schäme sich nicht, aus einem irdenen Kruge zu trinken. Um seine Aufrichtigkeit sogleich zu beweisen, tat er der Gesellschaft Bescheid mit einem Zuge, der seinen Krug zur Hälfte leerte.

Nachdem nun auf diese Weise ein vortreffliches Einverständnis herbeigeführt worden war, begann Herr Smangle seine Zuhörer mit einem Bericht von verschiedenen romantischen Abenteuern zu unterhalten, die er seinerzeit bestanden, und ließ dabei allerhand interessante Anekdoten von einem Vollblutpferde einfließen, sowie von einer prachtvollen Jüdin, beide von ausnehmender Schönheit und sehr gesucht von dem hohen und niederen Adel dieser Königreiche.

Lange bevor diese eleganten Auszüge aus der Biographie eines Gentleman zu Ende waren, hatte sich Herr Mivins ins Bett begeben und schnarchte; dem schüchternen Fremdling und Herrn Pickwick gönnte er den vollen Genuß von Herrn Smangles Erfahrungen.

Übrigens wurden auch die zwei letztgenannten Gentlemen von den rührenden Aussagen, die man ihnen vortrug, nicht halb genug erbaut. Herr Pickwick war schon geraume Zeit in einem Zustande von Halbschlummer und hatte nur noch eine dunkle Vorstellung davon, daß der Betrunkene aufs neue mit seinem komischen Lied losbrach, worauf er von Herrn Smangle mit dem Wasserkrug die artige Andeutung erhielt, daß die Zuhörerschaft für den Augenblick nicht musikalisch gestimmt sei. Er, das heißt Herr Pickwick, nickte aber gleich wieder ein und hatte dabei noch das verschwommene Bewußtsein, daß Herr Smangle immer noch eine lange Geschichte erzähle, deren Hauptpunkt sich darauf belief, daß er bei gewissen ausführlich auseinandergesetzten Gelegenheiten eine Zeche und zugleich einen Gentleman gemacht habe.

 

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