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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 1
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Heinrich Steinhöwel

Äsop
1474

Von dreien Gesellen, einem Bauren und zween Bürgern

Oft geschieht, daß einer selber in ein Gruben fällt, die er einem andern hat gemachet; davon höre ein ArgumentBeispiel:

Drei Gesellen, zween Bürger und ein Bauer, gingen miteinander kirchfahrten andächtiglich in die Stadt Mech. Unterwegen ward ihnen Speis gebrechen, daß sie nit mehr Mehl hatten, denn daß sie ein einziges, nit sehr großes Brot daraus machen mochten.

Die zween Bürger waren böslistig und sprachen zusammen: »Wir haben nicht Speis denn nur zu einem kleinen Brot. So ist dieser Bauer fräßig. Wir sollten einen Weg finden, daß wir zween das Brot allein behalten.«

Da der Teig geknetet ward und das Brot geformet in den Ofen gelegt, gedachten die zween, wie sie den dritten von dem Teil schielten, und sprachen zusammen: »Wir haben ein kleines Brot, das uns allen dreien nit genugsam ist. Wir wollen also, daß wir uns alle drei schlafen legen, und welcher unter uns allen den wunderlichsten Traum sieht, der soll das Brot allein haben.« Das gefiel ihnen allen.

Da aber die zween meinten, daß der dritt hart entschlafen wäre, legten sie es miteinander an, daß der ein sprechen wollte, wie er geträumet hätte, daß ihn zween Engel hätten aufgeführet durch die offenen Pforten der Himmel vor den Thron Gottes.

Da sprach der ander: »So will ich sagen, wie mich zween Engel in Weiß wie dich haben durch das gespalten Erdreich ab in die Hölle geführet. Wunderlichere Träume mag der Bauer nit erdenken.«

Da aber der Bauer das erhöret, stund er heimlich auf und nahm das Brot aus dem Ofen, ehe das genug gebacken war, und aß das ganz und legt sich wieder schlafen.

Nicht lang danach ruften die zween Gesellen den dritten.

Der stellet sich in Maß, als ob er aus dem Schlaf sehr erschrocken wäre, und sprach: »Wer rufet mich?«

Sie sprachen: »Wir sind dein Gesellen.«

Der Bauer sprach: »O lieben Gesellen, wie sind ihr wiederkommen?«

Sie antworten und sprachen: »Wir sind doch nie von dieser Statt geschieden. Wie fragst du denn, wie wir wiederkommen sind?«

Da sprach der Bauer: »Mich hat bedünket, wie zween Engel den einen aufgeführt haben vor den obersten Gott in die Himmel. Und zween ander Engel haben den andern abgeführt durch die Klunsen der Erden in die Hölle. So ich aber nit gehört habe, daß jemand aus dem Himmel oder aus der Hölle wiederum auf das Erdreich komme, so bin ich aufgestanden und hab das Brot allein gessen.«

Also schlug Untreue ihren eigenen Herrn.

(1)

Von der Frauen und ihrem Mann in dem Taubenhaus

Der Frauen Aufsatz und Böslist kränken die starken Gemüt der Mannen. Davon höre ein Schimpfred Poggii:

Petrus, sein Gesell, hatt zu tun mit einer Frauen, die einen Bauren zum Mann hatte, nit übrigens weise, der von Geldschuld wegen nicht wohl getorstdurft in der Stadt und seinem Haus bleiben, sondern lag er manche Nacht auf dem Feld.

Auf ein Zeit, als ihr Buhl in das Haus zu ihr kommen war, kam von geschichtungefähr an dem Abend ihr Mann auch angegangen.

Zuhand verbarg sie ihren Buhlen unter das Bett, kehret sich gegen den Mann und strafet ihn schwerlich, warum er wiederkommen wäre, sie meinet, er wollte gern in dem Kerker liegen, denn die Richterknecht wären erst dagewesen und hätten das ganz Haus durchsucht, ihn zu fangen und einzulegen. »Und mit Worten«, sprach sie, »hab ich sie gemachet hinweggehn, denn ich sprach, du lägest allweg aus der Stadt; doch dräuten sie, bald herwieder zu kommen.«

Der gut Mann erschrak und sucht Weg, wie er entrinnen möcht, aber das Tor der Stadt war geschlossen. Da aber der gut Mann zitternd das Weib bat um Hilf und Rat, sprach sie: »Bald steig auf in das Taubenhaus, da bleibest du wohl diese Nacht, so beschließe ich die Tür auswendig und tu die Leitern von dannen, daß dich niemand geargwohnen mag, daß du darin seiest.«

Der gut Mann folget dem Rat des Weibes und stieg auf in das Taubenhaus. Die Frau beschloß das auswendig gar wohl, daß der Mann nit herausmocht, und nahm die Leitern hinweg. Und ließ da raus ihren verborgenen Buhlen, der erzeiget sich ungestümlich mit lautem GebrächteLärm in Maß, als ob die Richterknecht wiederkommen wären und mit der Frauen von des Mannes wegen redeten. Damit sie dem verborgen Mann große Furcht einstießen. Da aber das Gebrächt ward gestillet, legten sie sich zusammen in das Bett und dienten der Göttin Veneri nach ihrem Vermögen und ließen den Mann in dem kotigen Taubenhaus verborgen liegen, daß er nit gefangen würde.

(2)

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