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De Urgeschicht von Meckelnborg

Fritz Reuter: De Urgeschicht von Meckelnborg - Kapitel 24
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDe Urgeschicht von Meckelnborg
authorFritz Reuter
year1994
publisherHinstorf Verlag
addressRostock
isbn3-356-00573-1
titleDe Urgeschicht von Meckelnborg
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1874
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As Dörchläuchten Gomer desen Breiw lesen hadd, kniffte hei em tausam un säd tau den Pyramiden-Preister: »Worum nicht? Es ist mich jedesmal ein großes Plesier, wenn ich meinen Herrn Bruder Pharao gefällig sein kann.« Un hei let Hinne Schulten raupen und säd: »Wir sünd dir in Gnaden gewogen; aber du kannst einen neuen Glanz auf Unser geliebtes Vaterland smeißen, wenn du Babylon eroberst. Gah mal hen, Hinne, wis' em dor mal, wat 'ne Hark is! Äwer täuw dor nich tau lang', wi möten nahsten noch Pritzwalk unnerjochen. Un – un« – hir satt hei in deipen Bedenken – »un, Hinne, nimm di en Armvull von uns' lütten Junkers mit nah de egyptische Armee, dat sei so bi Lütten ok de Heldentaten lihren. – Süh, du wardst nu ok all olt un haddst verleden Frühjohr den ollen eklichen Haust. Wir als Landesvater müssen aber dafür sorgen, daß die Heldentaten in Unsern Landen erblich werden, und zwar nicht im bürgerlichen, sondern im adligen Stande – du büst 'ne Utnahm, Hinne -, dieweil es ein vor Gott und Menschen gerechtfertigter Wunsch is, daß sich Unsere Ritterschaft auch in ritterlichen Tugenden auszeichnet – de börgerlichen Ritter mein ick dor nich mit. – Nu gah, Hinne, un bring' de beiden Esellasten mit un, wenn't mäglich is, ok den Obelisken, denn – täuw' mal, wo seggt min Herr Bruder Pharao noch so sihr schön?« Un hei slog den Breiw wedder utenanner: »Ja, hir steiht 't – car tel est notre plaisir.«

Hinne Schult un mit em de lütten Junkers gungen nu also nah Egypten. Hinne Schult föll nu verdull äwer den Suezkanal – d.h. den ollen, de ni was dunn noch nich – un äwer dat steinige Arabien in Mesopotamien in un namm Babylon mit meckelnbörgsche Kriegslisten, wat weck Geschichtsschriwers nich recht glöwen willen, indem dat sei seggen: von Listen wir äwerall in Meckelnborg nich vel de Red'. – Hei namm't äwer un grep sick den dunnmaligen König Bel tau Babel, den säbenuntwintigsten sines Namens, de grademang von Belborg un sine Sippschaft afstammte, let em binnen, wil 't Undirt tau unbännig was, un kamm mit dit saubere Present un de beiden Esellasten – den Obelisken wullen sei em nahschicken – nah Meckelnborg vör Gomern sinen Paleh. Äwer Gomer was nich mihr; hei hadd up de Letzt säben Dag' un säben Nächt slapen, bet dat em tau 'ne Gewohnheit worden was, un hadd so wider slapen, bet hei nich mihr upwakt was. As hei storben was, makte de dunnmalige Hofpoet en Heldengedicht in virbeinige Jamben un gaww em dorin den Ihrenbinamen »Slummerkopp«. Nah em kamm sin Sähn Askenas, von den wider nicks nich tau vertellen is, as dat sick unner sine Regierung mit Hülp von de lütten meckelnbörgschen Junkers, de an den Nil Kriegsdeinsten deden, en enger Verhältnis tau Egypten utbilden dedGrad' as dat nu mit Östreich is, blot dat Pharao vel mihr Geld hadd as de Kaiser von Östreich un dornah ok Traktementen betalte. De Heldentaten mägen sick äwer woll so tämlich glik bliwen. un dat de steinernen, massiven Grundsätze von de egyptische Regierung unner den Namen »Kasten« in Meckelnborg inführt würden. As de irste Kast würden tau dunnmalen de Preisters taxiert, un irst de tweite was de Ridderschaft. – »Gottlob!« röppt hir de selige Eddelmann ut, »nu sünd wi de irst, un de Preisters sünd de tweit un möten dauhn wat wi willen.«

Unner Askenassen sine Regierung sturw denn ok – olt an Johren un rik an Ihren – de brave Feldmarschall Hinne Schult. Den Ihren-ObeliskenWenn doch de Herr Perfesser Brugsch oder süs en anner von de Herrn Egyptologen un Hieroglyphen doch en beten dorup passen wull, denn wir dat doch mäglich, dat nah 4000 Johr doch noch de Schulten-Fomili in Meckelnborg desen Ihren-Obelisken kreg. Wo hei steiht, weit ick nich; hei is äwer doran tau erkennen, dat de Hauptperßohn dorup 'ne stuwe Näs' hett un en meckelnbörgschen Kringel in sin Wapen führt, wil dat sin Urururöllervader tau de Tid von de Sprakverbisternis tau Babel en riken Bäcker an den Mark was. ut Egypten hett hei äwer seindag' nich kregen, denn de lütte Junkerschaft in Egypten hinnerdrew dat un makte uterdem bi Askenassen vörstellig, dat von nu an doch kein Börgerliche tau so'ne grote Ihren upfödd warden süll, de von Rechtswegen blot för de Ridderkast bestimmt wiren. Askenas gung dorup in un makte dat taum Landsgesetz. – Hinne Schult tog sick in de letzten Lewensjohren ganz von de öffentlichen Geschäften taurügg un bugte sick an den Malchiner See 'ne Borg, de hei »Borg Schulz« näumen ded; ut »Schulz« würd mit de Tid »Schilz« un ut »Schilz« »Schliz«. Wil dat hei nu den groten Obelisken ut Egypten nich kreg, argerte hei sick, let sick dat äwer nich marken un läd sick en Lustgoren an; äwer dat Gedächtnis an den groten Obelisken späukte doch sihr in em, un wil hei den groten nich hewwen kunn, bugte hei sick luter lütte un stellte sei in sinen Lustgoren.Dese Sak is richtig, denn ick heww all dese ollen lütten Obelisken noch seihn. Up den einen stunn in egyptische Hieroglyphen de Inschrift: »Licht, Kraft! Dem König Pharao, der ägyptischen Priester- und Ritterkaste, ihnen verdanke ich sie.« Also de Preisters dat Licht un de Ridders de Kraft. 't was dunn just so as nu. – Up den annern stunn en Offeziersdegen, de an 'ne Ked' leggt was, wil em de Bristowschen Jungs vördem ümmer stahlen hadden, un dor stunn up tau lesen: »Ruhe hier aus, wackerer Flammberg, der du in fernen Nilländern in meinem Portepeh gestochen hast!« – De drüdde was en Obelisk in Gestalt von einen Wegwiser, un dor stunn up: »Nach Ägypten 453¼ Meilen«, un up de annere Sid: »Nach Teterow ¾ Meilen.« –'t is mäglich, dat sei noch stahn, un wenn sick de Herr Archivrat Lisch man halw so gaud up Hieroglyphen as up »Pfahlbauten« versteiht, denn künn hei sinen Faats dor maken.

Nah Askenassen kamm Japhet II., dorup Japhet III., dorup Japhet IV. un so wider bet up Japhet XV. Von de annern Japhets is rein gor nicks tau seggen, wil dat de ein ümmer dörch Regierungsreskripten dat wedder taurügg namm, wat de anner anordniert hadd, so dat einer tauletzt gor nich mihr weit, wer den Verstand un wer den Unverstand von de Sak hatt hett. De selige Eddelmann seggt utdrücklich: »Hier ist eine Lücke in der Geschichte und somit auch in der Verfassung, denn diese beruht durchaus auf historischem Boden«; hei seggt dit up hochdütsch un deiht dat jedes Mal, wenn em irnstliche Bedenken upstigen. Dit was nu äwer ok bi Dörchläuchten Japhet den XVsten de Fall, hei let also sine Ministers des Nahmiddags Klock twei taum Koffe tausamkamen un höll ehr 'ne Red': »Meine Herrn Ministers, ich habe Ihnen zusammenkommen lassen. Herr Minister des Auswärtsigen, nehmen Sie sich Rohm – weit der Deuwel, de 's all wedder sur. 't kümmt von dat oll Gewitter hüt morrn, 's ist ein Übelstand – und grade wegen verschiedener Übelstände, die sich in meinen Landen, ja sogar in mein durchlauchtigstes Haus eingeschlichen haben, habe ich Sie zusammenberufen. Aber nicht die augenblicklichen Zustände bewegen meine Seele, sondern auch die zukünftigen, denn mein Blick geht weit. Nun sagen Sie aber, was soll daraus werden, wenn Wir so mit dem Namen Japhet in Unserm Hause beibleiben? Wir und Unsere durchlauchtigsten ungeborenen Nachkommen kommen ja in dieser Weise bis auf Heinrich den LXXIVsten von Reuß-Lobenstein. Wie sollen aber spätere Geschichtsschreiber Unsere und Unserer durchlauchtigsten Vorfahren und Nachkommen Geschichte wahrheitsgetreu und würdig schreiben können, wenn – wie es auf der Hand liegt – allerlei verdrießliche Verbiesterungen zwischen Japhet den LXIVsten und Japhet den LXXIVsten vorkommen? Diesen Geschichtsschreibern, diesen würdigen Männern zu Liebe, von denen Unser gutes Renommée eigentlich abhängt, haben Wir beschlossen, daß von jetzt an keine mecklenburgischen Durchlaucht mehr auf den Namen Japhet getauft werden soll. Wir werden demnach fördersamst zu Unserm Herrn Bruder Pharao nach Ägypten reisen und Uns dort über den dort herrschenden Dynastienkram instruieren, auch mit allem Fleiß diese wichtige Frage studieren.« – »Herre Jesus«, säd de dunnmalige Hofmarschall un stödd den dunnmaligen Minister »des Hauses« in de Rippen, »dese deipe Weisheit!« –«Ja, kosten ward't wat«, säd de; un de Minister von de utwartsigen Angelegenheiten säd: »Schön, Dörchläuchten, äwer Sei möten inconito reisen, as Graf von Criwitz, süs giwwt dat 'ne entfahmte Schriweri.« – Dunn tred de dunnmalige Direkter von den Patriotischen Verein vör, de dunnmalen noch tau dat Minister-Gremium hürte – wat nu wedder ganz anners is, indem dat up »patriotsch« nich mihr gewen ward -, un säd: »Dörchläuchten, wenn Sei nah Egypten denn doch einmal reisen willen, dauhn S' mi den Gefallen, reisen S' äwer Mesopotamien. Dor sall en ollen Judenerzvader assistieren mit Namen Abraham, de sall dor Wunnerding' mit de Schapweid' upstellen un sall de Holsteinsche Koppelwirtschaft, elben Släg' un drei Saaten, inführt hewwen.« – »Ja«, rep de Minister von de inwartsigen Angelegenheiten, »un hei sall en Patriarch sin. Dörchläuchten, studieren S' de patriarchalischen Taustän'n dor en beten genauer! Dat wir en Glück, wenn wi de so bi uns landlöpig maken künnen! Denken S' sick blot, wenn nu so bi uns jeder Landdrost in sinen Amt, jeder Ridder up sinen Gaud, jeder Burmeister in sine Stadt en Patriarch wir! Denken S' sick, dat denn dat Ganze mit en lütten Ruhrstock un mit de mildesten patriarchalischen Prügel regiert warden künn! Denken S' sick dat schöne idyllische Bild, wenn so'n Ridder-Patriarch des Morgens upsteiht, sinen Koffe drinkt, sinen Äwertrecker antreckt un unner den sick sin lütt patriarchalisches Ruhrstöckschen knöpt un nu unner sine kindlichen Daglöhners un Kotsassen trett un mit 'ne lütte väterliche Hand- un Stock-Bewegung hir un dor en beten tau de Arbeit upmüntert oder hir un dor en loses Mul stoppt – weinen müggt ick, vör pure Rührung weinen, Dörchläuchten! – Un nu denken S' sick, bi swore Verbreken: wenn de lütte hübsche Wirtschafterin nich dauhn will, wat de Patriarch ehr heit; wenn de Wirtschafter för sin Pird 'ne Matt Hawern mihr giwwt, as hei sall; wenn de Kannedat tau den lütten Patriarchensähn 'dumme Jung' seggt – wenn denn en Gerichtsdag afhollen ward, wo de Patriarch presidiert, de Smidt ut den Dörp Akzesser is un de Gärtner dat Protokoll führt, wo erhaben kindlich ward sick dat utnemen! – Äwer dit is jo natürlich blot de Schattensid, wil dat hir blot von de ungehorsamen Kinner de Red' is; nu denken S' blot, wenn de patriarchalische Gehursam irst ordentlich in'n Swung is! Dörchläuchten, denn känen Sei dat Landarbeitshus in Güstrow, dat Kriminalgefängnis tau Dreibargen un de ganze Festung Däms ingahn, un dat sei nich leddig stahn, känen Sei dor noch drei adlige Jungten laten. – Un nu denken S' sick mal dit schöne Bild: De Patriarch hett grad' mit sine Fomili tau Middag afeten, hei hett Rehbraden hatt, hett sinen Rodwin dortau drunken un is in 'ne beglückende Stimmung. Fru un Kinner sünd 'rute gahn, un dat Stuwenmäten kümmt 'rinne taum Afdecken, 't is Fiken Brümmers, 'ne lütte nüdliche Dirn von achtteihn Johr; de Patriarch geiht an ehr 'ranne un seggt tau ehr so recht väterlich: 'Fiken, wat büst du för 'ne lütte nette Dirn! Süh, ick bün din Herr un Patriarch, un ick gew di den Rat, lat di mit den Bengel, den Jochen Smidten, nich wider in, denn de kriggt in sinen Lewen kein Hüsung bi mi. – Hir hest en Daler, Fiken!' – un hei strakt ehr äwer un seggt tau ehr, wil dat hei Schillern lesen hett:

'Nimm dieses preußsche Talerstuck!
Gehorsam ist der Christin Schmuck;
dein Herr verlangt in seiner Größe
Von deiner schwachen Knechtesblöße,
Zu bändigen den eig'nen Willen,
Der Pflichten schönste zu erfüllen.'
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