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David Copperfield. Teil II

Charles Dickens: David Copperfield. Teil II - Kapitel 13
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typefiction
authorCharles Dickens
titleDavid Copperfield. Teil II
publisherDiogenes
year1982
isbn9783257210347
firstpub1910
translatorGustav Meyrink
correctorJodef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20121119
modified20180709
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43. Kapitel
Wieder ein Rückblick

In schemenhaftem Zug wandern die Phantome jener Tage an mir vorüber. Wochen und Monate verrauschen. Sie kommen mir wenig länger vor als ein Sommertag und ein Winterabend. Jetzt ist die Haide, wo ich mit Dora wandle, ein Blumenfeld so hell wie Gold, und dann liegt wieder alles unter einer Decke von Schnee. Im Augenblick wälzt der Fluß, der eben noch in der Sommersonne glänzte, bewegt von Winterstürmen, dicke Eisschollen vor sich her.

Nicht das mindeste ändert sich im Haus der beiden kleinen vogelähnlichen Damen. Die Uhr tickt über dem Kamin, das Wetterglas hängt in der Vorhalle. Weder Uhr noch Wetterglas zeigen jemals richtig, aber sie genießen das allgemeine Vertrauen.

Ich bin mündig geworden. Ich habe die Würde des Einundzwanzigjährigen erlangt. Aber es ist eine Würde, die jeder erlangen kann. Was habe ich also vollbracht?

Ich habe das schreckliche stenographische Geheimnis bemeistert. Ich beziehe ein anständiges Einkommen infolgedessen. Ich stehe bei allen Genossen der Kunst wegen meiner Fertigkeit in hohem Ansehen und bin, neben elf andern, Parlamentberichterstatter für eine Morgenzeitung. Abend für Abend schreibe ich Voraussagungen nieder, die niemals eintreffen, Glaubensbekenntnisse, nach denen nie ein Mensch handelt, und Aufklärungen, die nur irreführen sollen. Ich wate in Worten. Britannia, dieses unglückliche Frauenzimmer, liegt immer vor mir wie ein zugerichtetes Huhn, über und über gespickt mit Bureaufedern und an Händen und Füßen mit rotem Band festgebunden. Ich sehe genügend tief hinter die Kulissen, um den Wert des politischen Lebens zu durchschauen. Ich bin in dieser Hinsicht ein Ketzer durch und durch und werde mich niemals bekehren lassen.

Mein guter alter Traddles hat die Sache auch versucht, aber sie liegt ihm nicht. Er ist trotz des Mißlingens gut aufgelegt und erinnert mich daran, daß er sich von jeher für einen Menschen von langsamen Begriffen gehalten habe. Gelegentlich ist er bei derselben Zeitung damit tätig, Tatsachen über trockene Themen zusammenzustellen, damit fruchtbarere Geister sie weiter ausführen können. Er ist bei Gericht angestellt und hat sich mit bewunderungswürdigem Fleiß und großer Selbstverleugnung wieder hundert Pfund zusammengescharrt, um einen Conveyancer zu bezahlen, in dessen Kanzlei er mitarbeitet. Wir tranken sehr viel Glühwein zur Feier seines Antritts.

Ich habe mich auch in andern Richtungen versucht. Mit Furcht und Zittern bin ich ans Schriftstellern gegangen. Ich schrieb insgeheim eine Kleinigkeit und schickte sie an eine Zeitschrift, und sie wurde angenommen. Seitdem habe ich den Mut gehabt, ziemlich viele derartige Kleinigkeiten zu schreiben. Jetzt werde ich dafür regelmäßig bezahlt. Im ganzen stehe ich mich recht gut dabei. Wenn ich mein Einkommen an den Fingern meiner linken Hand abzähle, komme ich über den dritten Finger hinaus bis zum Mittelglied des vierten.

Wir sind aus der Buckingham-Straße weggezogen und wohnen in einem hübschen kleinen Häuschen nicht weit von dem, wo mich die Begeisterung zuerst ergriff. Aber meine Tante, die ihr Haus in Dover mit gutem Gewinn verkauft hat, bleibt nicht und gedenkt in ein noch niedlicheres Häuschen dicht daneben zu ziehen. Was hat das zu bedeuten? Meine Verheiratung? Ja!

Ja! Ich stehe im Begriff, mich mit Dora zu verheiraten. Miss Lavinia und Miss Clarissa haben ihre Einwilligung gegeben, und wenn jemals Kanarienvögel aufgeregt waren, so sind sie es. Miss Lavinia, die die Oberaufsicht über die Garderobe meines Lieblings an sich gerissen hat, schneidet beständig Brustharnische aus braunem Papier aus und streitet sich beständig mit einem hochrespektablen jungen Mann mit einem Ellenmaß unter dem Arm herum. Eine Nähterin, in deren Brust stets eine Nadel mit Faden eingestochen ist, wohnt und ißt im Hause und scheint weder beim Essen noch beim Trinken oder Schlafen den Fingerhut abzulegen. Sie machen aus meinem Herzensschatz eine Gliederpuppe. Sie lassen sie immerwährend holen, um ihr etwas anzuprobieren. Des Abends können wir nicht fünf Minuten zusammen glücklich sein, ohne daß nicht irgendein zudringliches Frauenzimmer an die Türe klopft und ruft: »Ach bitte, Miss Dora, möchten Sie nicht einmal heraufkommen?«

 

Miss Clarissa und meine Tante machen ganz London unsicher, um für Dora und mich Möbel zu besichtigen. Es wäre viel besser, wenn sie blind drauflos kauften; denn als wir uns einmal einen Speiseschrank besichtigen, erblickt Dora ein chinesisches Hundehaus für Jip mit kleinen Glöckchen auf dem Dach und zieht dieses allem andern vor. Wir kaufen es, und es dauert lange Zeit, ehe sich Jip an sein neues Heim gewöhnt. So oft er aus- und eingeht, läuten die kleinen Glocken und er gerät außer sich vor Angst.

Peggotty kommt auch, um sich nützlich zu machen, und stürzt sich sofort kopfüber in die Arbeit. Ihr Departement scheint es zu sein, alles wieder und wieder zu reinigen. Sie reibt alles ab, was sich abreiben läßt, bis es glänzt wie ihr ehrliches Gesicht. Und jetzt sehe ich wieder ihren Bruder einsam des Nachts durch die dunklen Straßen wandern und die vorüberstreifenden Gesichter mustern. Ich rede ihn nie in solcher Stunde an. Ich weiß zu gut, was er sucht und was er zu finden fürchtet.

Warum nimmt Traddles eine so wichtige Miene an, als er mich eines Nachmittags in den Commons abholt, – wohin ich immer noch der Form wegen gehe, wenn ich Zeit habe? Meine knabenhaften Träume werden zur Wirklichkeit. Ich will mir den Trauschein holen. Es ist ein kleiner Zettel trotz seiner Wichtigkeit. Und Traddles betrachtet ihn, wie er auf meinem Pult liegt, voll Bewunderung und Ehrfurcht. Da stehen die Namen in der schönen alten geträumten Verbindung, David Copperfield und Dora Spenlow; und dort in der Ecke sieht das väterliche Institut, das Stempelamt, das an den verschiednen Verhandlungen des menschlichen Lebens so wohlwollend Anteil nimmt, auf unsern Bund herab, und dort bittet der Erzbischof von Canterbury gedruckt um Segen für uns und tut es so preiswert, als man es billigerweise erwarten darf.

Aber dennoch bin ich wie im Traum; in einem hastigen, aufgeregten, glücklichen Traum! Ich kann gar nicht fassen, daß es wirklich sein kann, und doch bilde ich mir ein, jeder Vorübergehende müßte irgendwie gewahr werden, daß ich übermorgen Hochzeit halten will. Der Beamte kennt mich, als ich zum Schwur zu ihm komme, und macht die Sache so schnell und selbstverständlich ab, als ob ein freimaurerisches Einverständnis zwischen uns herrsche. Traddles ist gar nicht notwendig, sondern begleitet mich nur der Form wegen.

»Ich hoffe, das nächste Mal stehst du hier, lieber Freund«, sage ich zu Traddles, »und ich hoffe, es wird recht bald sein.«

»Ich danke dir für deine guten Wünsche, lieber Copperfield. Ich hoffe es auch. Es ist so beruhigend zu wissen, daß sie geduldig auf mich wartet. Sie ist wirklich ein so liebes Mädchen –«

»Wann sollst du sie an der Landkutsche abholen?« frage ich.

»Um sieben«, sagt Traddles und schaut auf seine alte, silberne Uhr – dieselbe Uhr, aus der er in der Schule einmal ein Rad herausnahm, um eine Mühle zu bauen. »Das ist fast dieselbe Zeit, wo Miss Wickfield ankommt, nicht wahr?«

»Ein wenig früher. Sie kommt erst um halb neun.«

»Ich kann dir versichern«, sagt Traddles, »ich freue mich fast ebenso sehr, wie wenn ich selbst zur Hochzeit ginge. Ich empfinde es aufs tiefste, daß du Sophie zu diesem Freudenfest zusammen mit Miss Wickfield als Brautjungfer eingeladen hast.«

Ich höre ihn an und schüttle ihm die Hand. Wir reden und gehen und essen, und doch kann ich nicht begreifen, daß es Wirklichkeit ist. Sophie kommt in die Wohnung von Doras Tanten. Sie hat das angenehmste Gesicht von der Welt, ist nicht gerade schön, aber außerordentlich gewinnend. Sie ist das natürlichste, freundlichste, ungezierteste Wesen, das ich je gesehen habe. Traddles ist sehr stolz, als er sie uns vorstellt, und reibt sich genau nach der Uhr zehn Minuten lang die Hände, und jedes einzelne Haar auf seinem Kopf steht auf der Zehenspitze, als ich ihn in einer Ecke zu seiner Wahl beglückwünsche.

Ich habe Agnes von der Canterbury-Kutsche abgeholt. Agnes hat eine große Neigung für Traddles gefaßt, und es ist herrlich anzusehen, wie sie sich begrüßen, und mit welch stolzer Freude er ihr seine Braut vorstellt.

Aber immer noch kann ich es nicht glauben. Der Abend ist wundervoll, und wir sind unendlich glücklich. Aber ich kann es noch nicht glauben. Ich kann es nicht fassen. Ich bin wie in einem halben Rausch, als ob ich seit vierzehn Tagen nicht schlafen gegangen wäre. Ich kann nicht herausbringen, wann gestern war. Mir ist, als ob ich den Trauschein schon monatelang in der Tasche herumtrüge.

Und auch, als wir am folgenden Tage alle zusammen das Haus besichtigen gehen, ist es mir ganz unmöglich, mich dort als seinen Herrn zu sehen. Ich erwarte, der wirkliche Eigentümer werde jeden Augenblick nach Haus kommen und über meinen Besuch erfreut sein. Das Häuschen ist wunderschön. Es sieht so glänzend und neu aus mit den Blumen auf den Teppichen, die wie frisch gepflückt sind, und den grünen Blättern auf den Tapeten. Und die fleckenlosen Musselinvorhänge! Die rosafarbenen Möbel sehen aus, als erröteten sie, und Doras Gartenhut mit dem blauen Band, in dem ich sie das erste Mal erblickte, hängt wirklich und wahrhaftig hier an seinem Haken. Das Gitarrenfutteral steht in einer Ecke, und jeder stolpert über Jips Pagode, die viel zu groß für das Haus ist.

 

Noch ein zweiter glücklicher Abend, ebenso traumhaft wie der erste, und ich trete verstohlen ins Zimmer, ehe ich weggehe. Dora ist nicht da. Ich vermute, sie sind noch nicht mit Anprobieren fertig. Miss Lavinia äugt herein und sagt mir geheimnisvoll, daß sie nicht lang bleiben werde. Aber doch bleibt sie recht lang. Endlich höre ich ein Rauschen vor der Tür und es klopft.

Ich rufe »herein«, aber wieder klopft es. Ich gehe zur Türe und öffne neugierig; dort begegne ich ein paar glänzenden Augen und einem errötenden Gesicht; es ist Dora, und Miss Lavinia hat ihr das Brautkleid angezogen, damit ich es sehe. Ich drücke mein kleines Weibchen ans Herz, und Miss Lavinia schreit vor Schreck auf, weil ich den Hut verderbe; und Dora lacht und weint zu gleicher Zeit, weil ich mich so freue. Alles kommt mir weniger glaubhaft vor als je.

»Sieht es hübsch aus, Doady?« fragt Dora.

»Hübsch! Das will ich meinen.«

»Und weißt du gewiß, daß du mich sehr liebst?«

Die Antwort ist gefahrdrohend für den Hut, so daß Miss Lavinia wieder aufschreit und mir zu verstehen gibt, daß Dora nur zum Ansehen da ist. Dora bleibt in allerliebster Verlegenheit ein paar Minuten, um sich bewundern zu lassen; dann nimmt sie ihren Hut ab, läuft davon und kommt in ihrem gewöhnlichen Kleid in ein paar Minuten wieder heruntergetanzt und fragt Jip, ob die kleine Gattin, die ich bekomme, wirklich hübsch sei und ob er ihr verzeihe, daß sie heiratet. Dann kniet sie nieder, damit er zum letzten Mal in ihrem Mädchenleben auf dem Kochbuch aufwarte.

Ich verfüge mich, immer noch ungläubig, in meine Wohnung in der Nähe und stehe zeitig morgens auf, um nach Highgate zu fahren und meine Tante abzuholen.

In solchem Staat habe ich meine Tante noch nie gesehen. Sie trägt ein lavendelfarbiges Seidenkleid und einen weißen Hut. Es ist zum Erstaunen. Janet hat sie angekleidet und ist noch da, um mich zu sehen. Peggotty hat sich fertig gemacht, um in die Kirche zu gehen, denn sie will die Feierlichkeit von der Galerie aus mitansehen. Mr. Dick, der Brautführer sein soll, hat sich das Haar brennen lassen. Traddles, den ich der Verabredung gemäß am Schlagbaum getroffen habe, stellt eine blendende Zusammenstellung von Creme und Hellblau dar. Er und Mr. Dick sehen aus, als wären sie ganz Handschuh.

Ich sehe das alles, weil ich weiß, es ist so, aber ich bin ganz wirr und mir ist, als sähe ich nichts. Aber doch ist der Traum wirklich genug, um mich, als wir in einem offnen Wagen durch die Straßen fahren, mit verwundertem Mitleid für die unglücklichen Leute zu erfüllen, die keinen Anteil an dieser Feenhochzeit haben, sondern die Läden auskehren und ihrer täglichen Beschäftigung nachgehen.

Während der ganzen Fahrt hält meine Tante meine Hand in der ihrigen. Als wir in der Nähe der Kirche anhalten, um Peggotty, die auf dem Bock mitgefahren ist, abzusetzen, drückt sie mir die Hand und gibt mir einen Kuß.

»Gott segne dich, Trot! Mein eigner Sohn könnte mir nicht lieber sein! Ich muß immerwährend an das arme, liebe Kind, deine Mutter, denken.«

»Ich auch! Und an alles, was ich dir verdanke, liebe Tante!«

»Still, Kind«, sagt meine Tante und gibt ihre Hand in überströmender Herzlichkeit Traddles. Allgemeines Händeschütteln. So kommen wir ans Portal.

Die Kirche ist ruhig genug, aber mir kommt sie vor wie eine Webfabrik in voller Tätigkeit, so aufgeregt bin ich.

Das übrige ist ein mehr oder weniger unzusammenhängender Traum. Sie kommen mit Dora herein, die Beschließerin ordnet uns vor dem Altargeländer wie ein Unteroffizier, und ich frage mich verwundert, warum die Schließerinnen immer die denkbar unangenehmsten Frauenzimmer sein müssen und ob es denn notwendig ist, den Weg zum Himmel mit Essigtöpfen zu flankieren.

Es ist ein Traum, in dem der Geistliche und der Küster erscheinen, ein paar Fährleute und andere hereinkommen, ein alter Seemann, die Kirche mit Rum durchduftend, hinter mir steht. Der Gesang beginnt mit einem Baß, und wir alle sind sehr aufmerksam.

Miss Lavinia, der die Rolle einer Vizeersatzbrautjungfer zugefallen ist, fängt zuerst zu weinen an und bringt, wie ich vermute, dem Gedächtnis Mr. Pidgers in Schluchzen eine Huldigung dar; Miss Clarissa greift zum Riechfläschchen; Agnes nimmt sich Doras schützend an; meine Tante bemüht sich, ein Muster von Ungerührtheit zu sein, während ihr Tränen die Wangen herabrinnen, und meine kleine Dora zittert sehr und flüstert kaum hörbar die Responsen.

Ich träume, daß wir nebeneinander knien. Dora zittert immer weniger und weniger, hält aber immer noch Agnes fest bei der Hand. Die Feierlichkeit ist still und ernst vorübergegangen, und wir alle sehen uns an in einer Aprillaune von Tränen und Lächeln, dann liegt meine junge Frau halb ohnmächtig in der Sakristei und ruft nach ihrem armen, ihrem guten Papa.

Sie ist schnell getröstet, und wir schreiben nacheinander unsere Namen in das Kirchenbuch ein. Ich gehe auf die Galerie hinauf zu Peggotty, damit sie sich ebenfalls einschreibe, und sie umarmt mich in einer Ecke und sagt mir, sie habe auch der Trauung meiner armen Mutter beigewohnt.

Ich gehe im Traum stolz und zärtlich mit meinem geliebten Weib am Arm durch die Kirche, durch einen Nebel von halb unsichtbaren Leuten, Kerzen, Taufsteinen, Grabplatten, Kirchenstühlen, Orgeln und farbigen Fenstern, und eine leise Erinnerung an die alte Kirche meiner Kinderzeit schwebt an mir vorüber.

Ich höre im Traum die Leute flüstern, was für ein junges Paar wir seien und wie hübsch meine kleine Gattin aussähe.

Auf der Rückfahrt sind wir alle sehr lustig und gesprächig. Sophie erzählt uns, daß sie fast in Ohnmacht gefallen sei, als man von Traddles, dem wir den Trauschein anvertraut hatten, dieses Dokument verlangte, denn sie sei überzeugt gewesen, er habe es verloren oder sich die Brieftasche stehlen lassen.

Ich genieße wie im Traum ein Frühstück mit einer Überfülle von Speise und Trank, ohne das mindeste zu schmecken; ich halte eine Rede in derselben traumhaften Weise, ohne den geringsten Begriff von dem zu haben, was ich sagen will. Und Jip wird mit Hochzeitskuchen gefüttert, der ihm nicht gut bekommt.

Ein paar Postpferde stehen bereit, und Dora geht hinauf, sich umzukleiden.

Sie kommt wieder herunter, umhüpft von Miss Lavinia, die so ungern das hübsche Spielzeug verliert, das ihr so viel Freude gemacht hat.

Alles drängt sich um Dora nach langem Umherrennen nach vergessenen Kleinigkeiten, und alle sehen in ihren hellen Farben und Bändern wie ein Gartenbeet aus. Mein Liebling wird fast von Blumen erdrückt und kommt endlich, halb lachend, halb weinend in meine eifersüchtigen Arme.

Ich will Jip tragen, doch Dora muß es selbst tun, sonst würde er denken, sie habe ihn nicht mehr gern, seit sie verheiratet ist, und das würde ihm das Herz brechen.

Arm in Arm gehen wir fort, und Dora bleibt noch einmal stehen, sieht sich um und sagt: »Wenn ich je unfreundlich oder undankbar gewesen bin, so laßt es vergessen sein.« Und sie bricht in Tränen aus.

Und noch einmal bleiben wir stehen, sie sieht sich um, eilt zu Agnes und gibt ihr vor allen andern die letzten Küsse und Abschiedsworte.

Wir fahren zusammen fort, und ich erwache aus dem Traum. Endlich glaube ich es. Ich habe wirklich meine teure kleine Gattin neben mir, die ich so sehr liebe.

»Bist du jetzt glücklich, du närrischer Junge«, fragt Dora, »und wirst du es auch nicht bereuen?«

 

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