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David Copperfield. Teil I

Charles Dickens: David Copperfield. Teil I - Kapitel 17
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typefiction
authorCharles Dickens
titleDavid Copperfield. Teil I
publisherDiogenes
year1982
isbn9783257210347
firstpub1910
translatorGustav Meyrink
correctorJodef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20121119
modified20180709
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16. Kapitel
In mehr als einer Hinsicht bin ich ein Neuling in der Schule

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück begann das Schulleben für mich. Begleitet von Mr. Wickfield ging ich nach dem Schauplatz meiner künftigen Studien, einem ernsten, von einem Hof umgebenen Gebäude von gelehrtem Aussehen, zu dem sehr gut die Krähen und Dohlen paßten, die von den Türmen des Doms herabgeflogen kamen, um mit magisterhafter Haltung auf dem Rasenfleck herumzustolzieren. Sodann wurde ich meinem Lehrer Dr. Strong vorgestellt.

Dr. Strong sah in meinen Augen fast so rostig aus wie die hohen Eisengitter und Pforten vor dem Hause und fast so steif und gewichtig wie die großen Urnen, die neben dem Eingangstor und ringsherum auf der Ziegelsteinmauer wie steingewordne Kegel zum Spielen für den Geist der Zeit standen.

Dr. Strong befand sich in seiner Bibliothek, die Kleider nicht besonders gut gebürstet, das Haar nicht besonders glatt gekämmt, die Hosen an den Knien nicht zugebunden, die langen, schwarzen Gamaschen aufgeknöpft und die Füße ohne Schuhe, die statt dessen auf dem Kaminteppich lagen und wie zwei Höhlen gähnten.

Er blickte mich mit glanzlosen Augen, die mich an ein längst vergessenes blindes altes Pferd auf dem Kirchhof von Blunderstone erinnerten, an und sagte, er freue sich, mich kennenzulernen. Dann gab er mir seine Hand, mit der ich nichts anzufangen wußte, da sie selbst nichts mit sich anfing.

Nicht weit von Dr. Strong saß eine sehr hübsche junge Dame, die er Ännie nannte, und die ich für seine Tochter hielt. Sie kniete jetzt nieder, um ihm die Schuhe anzuziehen und die Gamaschen zuzuknöpfen, was sie sehr fröhlich und flink verrichtete. Als sie fertig war und wir in die Schulstube gehen wollten, überraschte es mich sehr, als Mr. Wickfield sie als Mrs. Strong ansprach, und ich grübelte nach, ob sie wohl Mr. Strongs oder vielleicht dessen Sohns Gattin sei. Ein Gespräch Dr. Strongs klärte mich darüber auf.

»Übrigens, Wickfield«, sagte er nämlich, in einem Gange stehenbleibend, die Hand auf meine Schulter gelegt, »haben Sie noch keine passende Versorgung für den Vetter meiner Frau gefunden?«

»Nein«, sagte Mr. Wickfield. »Nein. Noch nicht.«

»Ich wäre froh, wenn es möglichst bald geschehen könnte, denn Jack Maldon ist bedürftig und arbeitet nicht gern, und so etwas endet oft schlimm. Doktor Watts sagt schon«, fuhr er fort, indem er mich ansah und den Kopf nach dem Rhythmus des Verses bewegte: »Mit Unbeschäftigten stets weiß Satan Unheil zu schaffen.«

»Na, Doktor«, entgegnete Mr. Wickfield, »wenn Dr. Watts ein Menschenkenner wäre, hätte er geradeso gut sagen können: Mit Geschäftigen stets weiß Satan Unheil zu schaffen. Die geschäftigen Leute richten ihren Teil Unheil in der Welt schon an, darauf können Sie sich verlassen. Was haben die angestiftet seit ein paar Jahrhunderten, immer mit Jagd nach Reichtum oder Macht beschäftigt. Vielleicht kein Unheil?«

»Jack Maldon wird in keiner dieser beiden Richtungen besonders tätig sein«, sagte der Doktor, sein Kinn gedankenvoll reibend.

»Vielleicht nicht«, meinte Mr. Wickfield. »Übrigens kommen wir wieder zur Sache! Also, ich habe noch nichts für Mr. Jack Maldon tun können. Ich glaube«, setzte er nach einigem Zögern hinzu, »ich durchschaue Ihren Beweggrund, und das erschwert die Sache.«

»Mein Beweggrund ist der Wunsch, für einen Vetter und Jugendgespielen Ännies eine passende Versorgung zu finden.«

»Ja, ich weiß schon«, sagte Mr. Wickfield, »hier oder im Ausland.«

»Jawohl«, entgegnete der Doktor, anscheinend überrascht durch den Nachdruck, den Mr. Wickfield auf seine Worte legte. »Im Inland oder im Ausland.«

»Ganz wie Sie sagen«, wiederholte Mr. Wickfield. »Oder im Ausland.«

»Ja, ja«, gab der Doktor zur Antwort, »gewiß ja. Eins oder das andere.«

»Eins oder das andere? Geben Sie keinem von beiden den Vorzug, Doktor Strong?«

»Nein.«

»Nein?« fragte Mr. Wickfield nicht ohne Verwunderung.

»Nicht im geringsten.«

»Keinen Beweggrund, Doktor Strong, das Ausland dem Inland vorzuziehen?«

»Nein.«

»Ich muß Ihnen natürlich glauben«, sagte Mr. Wickfield, »und tue es auch. Die Sache wäre aber viel einfacher gewesen, wenn ich das früher gewußt hätte. Ich gestehe, ich hatte andere Vermutungen.«

Dr. Strong betrachtete ihn mit einem bestürzten und fragenden Blick, der fast unmittelbar darauf in ein Lächeln überging, das mich sehr angenehm berührte. Es war voller Liebenswürdigkeit und Güte, und es lag eine Schlichtheit darin, wie überhaupt im ganzen Wesen des Doktors, wenn die gelehrte, frostige Hülle durchbrochen war, die außerordentlich gewinnend und für einen so jungen Schüler wie mich sehr vielversprechend war.

Immer »nein« und »nicht im mindesten« und ähnliche Äußerungen wiederholend, ging Dr. Strong in einem seltsam ungleichen Schritt vor uns her, und wir folgten, Mr. Wickfield mit ernstem Blick und den Kopf schüttelnd.

Die Klasse war ein ziemlich großer Saal auf der stillsten Seite des Hauses. Gegenüber sahen stolz etwa ein halbes Dutzend der großen Urnen auf ein Eckchen des alten stillen Gartens, der dem Doktor gehörte, und wo Pfirsiche an der Sonnenseite reiften, herab. Zwei große Aloes in Kübeln auf dem Rasen vor dem Fenster, die breiten, harten Blätter wie aus lackiertem Blech, erschienen mir später immer wie Symbole des Schweigens und der Zurückhaltung.

Ungefähr fünfundzwanzig Knaben waren eifrig mit ihren Büchern beschäftigt, als wir eintraten. Sie standen auf, um dem Doktor Guten Morgen zu wünschen, und blieben stehen, als sie Mr. Wickfield und mich erblickten.

»Ein neuer Schüler, ihr jungen Herrn«, sagte der Doktor. »Trotwood-Copperfield.«

Ein gewisser Adams, der der Erste in der Klasse war, verließ seinen Platz und begrüßte mich. Er sah in seiner weißen Halsbinde wie ein junger Geistlicher aus, war aber sehr liebenswürdig und freundlich. Er wies mir meinen Platz an und stellte mich den Lehrern vor, alles in einer so noblen Weise, daß es eigentlich jeden Druck hätte von mir nehmen sollen.

Ich war so lange nicht unter Knaben meines Alters mit Ausnahme Mick Walkers und Mehlkartoffels gewesen, daß ich mich höchst verlegen fühlte. Ich hatte so viel Lebensszenen durchgemacht, die meinen jetzigen Kameraden fremd waren, und Erfahrungen gemacht, die so gar nicht für mein Alter, mein Äußeres und meine gegenwärtige Lage paßten, daß es mir fast wie Betrug vorkam, mich als einfacher Schulknabe hier einzudrängen. Bei Murdstone & Grinby jeglicher Spiele entwöhnt, fühlte ich, ich würde in allem, was meinen Kameraden hier selbstverständlich scheinen mußte, linkisch und unerfahren sein. Was ich früher gelernt hatte, war mir unter den drückenden Sorgen des Lebens vollständig verlorengegangen, so daß ich jetzt bei der Prüfung nichts mehr wußte und in die unterste Bank kam.

So peinlich mir das Gefühl meiner Ungeschicklichkeit im Spiel und meine Unwissenheit waren, so quälte mich doch der Gedanke noch viel mehr, daß ich gerade durch das, was ich wußte, meinen Kameraden noch ferner gerückt war als durch das, was ich nicht wußte.

Was würden sie sich wohl denken, wenn sie von meinen guten Bekannten im Kings-Bench-Gefängnis wüßten? Ob sie mir wohl etwas anmerkten von meinem Verkehr mit der Familie Micawber, von dem Versetzen, dem Zugeldmachen und den Abendessen hinterher!? Gesetzt, einer oder der andere hätte mich müde und zerlumpt durch Canterbury gehen sehen! Was würden sie, die mit dem Geldausgeben so bei der Hand waren, sagen, wenn sie wüßten, wie ich meine Halfpence hatte zusammenhalten müssen, um mir ein ärmliches Mittagessen kaufen zu können! Wie würde es sie, die so wenig vom Londoner Straßenleben wußten, berühren, wenn sie erführen, wie gut ich leider die tiefsten Seiten dieses Lebens kannte?

Alles das ging mir am ersten Tage so sehr im Kopf herum, daß ich jeden meiner Blicke und alle meine Gebärden mißtrauisch bewachte und mich scheu in mich selbst zurückzog, wenn einer meiner neuen Schulkameraden sich mir näherte. Unmittelbar nach Schluß der Lehrstunde eilte ich davon, aus Furcht, mich durch eine Antwort auf eine freundliche Annäherung zu verraten.

Aber Mr. Wickfields altes Haus machte auf mich einen so beruhigenden Eindruck, als ich die Schulbücher unter dem Arm an die Türe klopfte, daß ich alle Beklemmung in mir schwinden fühlte. Beim Hinaufgehen in mein luftiges altes Zimmer schien der ernste Schatten der Treppe auch auf meine Sorgen und Zweifel zu fallen und die Vergangenheit zu verwischen. Ich studierte emsig bis zum Abendbrot – die Schule war um drei Uhr aus – und ging hinunter, Hoffnung im Herzen, mit der Zeit noch einmal ein ganz leidlicher Schüler werden zu können.

Agnes wartete im Besuchszimmer auf ihren Vater, der in der Kanzlei von jemandem aufgehalten wurde. Sie kam mir mit freundlichem Lächeln entgegen und fragte mich, wie es mir in der Schule gefallen habe. Ich sagte ihr, sehr gut, nur käme ich mir noch etwas fremd vor.

»Du bist nie in der Schule gewesen?« fragte ich.

»O ja. Täglich.«

»Ja, aber du meinst hier im Hause?«

»Papa konnte mich doch nicht weglassen«, antwortete sie und schüttelte lächelnd den Kopf. »Seine Haushälterin muß natürlich daheim bleiben.«

»Er hat dich gewiß recht lieb?« fragte ich.

Sie nickte, ja, und ging nach der Türe, um zu sehen, ob ihr Vater noch nicht komme, und ihm entgegenzugehen. Aber er kam noch nicht, und sie kehrte wieder zurück.

»Mama ist schon seit meiner Geburt tot«, erzählte sie mir in ihrer ruhigen Weise. »Ich kenne nur ihr Bild unten. Ich bemerkte, wie du es gestern betrachtetest. Errietest du, wer es ist?«

Ich sagte ja – weil es ihr so ähnlich sähe.

»Papa sagt das auch«, bestätigte Agnes, der die Antwort offenbar gefiel. »Horch. Jetzt kommt Papa.«

Ihr Gesicht strahlte vor Freude, als sie Mr. Wickfield entgegenging und mit ihm Hand in Hand hereintrat.

Er begrüßte mich herzlich und sagte mir, ich würde mich bei Dr. Strong, der einer der sanftesten Menschen sei, sicherlich sehr wohl fühlen.

»Es gibt Leute, die seine Güte mißbrauchen«, sagte er. »Tue du das niemals, Trotwood! Er ist das argloseste aller Menschenkinder, und ob das jetzt ein Vorzug oder ein Fehler ist, jedenfalls muß man darauf Rücksicht nehmen, wenn man mit ihm verkehrt.«

Er sagte das, wie mir vorkam, mit einem Ausdruck der Verstimmtheit, aber ich dachte nicht weiter darüber nach.

Es wurde gemeldet, daß aufgetragen sei, und wir gingen hinunter in das Speisezimmer.

Kaum hatten wir uns gesetzt, als Uriahs roter Kopf und seine magere Hand an der Tür erschienen.

»Mr. Maldon möchte ein Wort mit Ihnen sprechen, Sir.«

»Ich bin Mr. Maldon doch eben erst losgeworden«, sagte Mr. Wickfield.

»Ja, Sir«, antwortete Heep, »aber Mr. Maldon ist umgekehrt und wünscht noch ein Wort mit Ihnen zu reden.«

Als Uriah die Tür mit der Hand offenhielt, beobachtete er mich, Agnes und den gedeckten Tisch und jeden einzelnen Gegenstand im Zimmer, – wenigstens kam es mir so vor – und doch schien er nicht hinzublicken; er tat, als ob er die ganze Zeit seine roten Augen respektvoll auf seinen Herrn richte.

»Ich bitte um Entschuldigung«, bemerkte eine Stimme hinter Uriah, dessen Kopf sofort verschwand und einem andern Platz machte. »Ich wollte nur noch bemerken, – bitte, entschuldigen Sie, wenn ich störe, da mir sonst keine Wahl bleibt, ist es wohl am besten, ich gehe ins Ausland, so bald wie möglich. Meine Kusine Ännie sagte zwar, als wir darüber sprachen, daß sie ihre Freunde lieber in der Nähe hätte, als sie in der Verbannung zu wissen, und der alte Doktor –«

»Doktor Strong meinen Sie«, unterbrach Mr. Wickfield ernst.

»Natürlich Doktor Strong. Ich nenne ihn den alten Doktor. Das ist doch dasselbe –«

»Das finde ich nicht«, bemerkte Mr. Wickfield.

»Nun also meinetwegen, Doktor Strong«, sagte der andere. »Doktor Strong war derselben Meinung, glaube ich, aber seitdem Sie mit ihm gesprochen haben, scheint er andern Sinnes geworden zu sein, deshalb reise ich wohl am besten so bald wie möglich ab. Ich bin umgekehrt, um es Ihnen zu sagen. Wenn man ins Wasser springen muß, hat es keinen Zweck, erst lange am Ufer zu warten.«

»Sie sollten es so wenig wie möglich hinausschieben, Mr. Maldon«, sagte Mr. Wickfield.

»Dank schön. Sehr verbunden. Man soll einem geschenkten Gaul nicht ins Maul sehen! Es schickt sich nicht, sonst möchte ich sagen, meine Kusine Ännie hätte es leicht anders arrangieren können. Ich glaube, Ännie hätte bloß zu dem alten Doktor sagen brauchen –«

»Sie meinen wohl, Mrs. Strong hätte nur zu ihrem Gatten sagen brauchen – verstehe ich recht?« sagte Mr. Wickfield.

»Sehr recht. Hätte nur zu sagen brauchen, daß sie das so und so zu haben wünsche, und es wäre selbstverständlich so und so ausgefallen.«

»Und warum selbstverständlich, Mr. Maldon?« fragte Mr. Wickfield, ruhig weiter essend.

»Nun, weil Ännie ein entzückendes junges Mädchen ist, und der alte Doktor – Dr. Strong meine ich – kein entzückender junger Mann«, antwortete Mr. Jack Maldon lachend. »Ich will niemand beleidigen, Mr. Wickfield. Ich meine nur, daß bei einer derartigen Ehe ein gewisser Ausgleich recht und billig ist.«

»Ein Ausgleich zugunsten der Dame, Sir?« fragte Mr. Wickfield ernst.

»Zugunsten der Dame, Sir«, erwiderte Mr. Jack Maldon und lachte. Als er bemerkte, daß Mr. Wickfield mit derselben unbeweglichen Miene zu essen fortfuhr und keine Hoffnung vorhanden war, er würde auch nur einen Muskel seines Gesichts verziehen, setzte er hinzu:

»Ich habe also gesagt, was ich sagen wollte, und bitte wegen der verursachten Störung um Entschuldigung. Ich werde natürlich die Angelegenheit als lediglich zwischen Ihnen und mir abgemacht betrachten, da sie vor dem Doktor nicht zur Sprache kommen soll.«

»Haben Sie schon gespeist?« fragte Mr. Wickfield mit einer Handbewegung nach dem Tisch.

»Dank schön. Ich esse bei meiner Kusine Ännie. Adieu.«

Mr. Wickfield blickte ihm, ohne aufzustehen, gedankenvoll nach. Mir kam Mr. Maldon wie ein ziemlich oberflächlicher Mann mit hübschem Gesicht, schneller Redeweise und dreister zuversichtlicher Miene vor.

Nach dem Mittagessen gingen wir wieder hinauf, und alles verlief genau so wie am Tag vorher. Agnes setzte die Gläser und Karaffen in dieselbe Ecke, und Mr. Wickfield setzte sich hin und trank ziemlich viel. Agnes spielte ihm auf dem Klavier vor, setzte sich neben ihn, arbeitete und plauderte und spielte dann einige Partien Domino mit mir. Später bereitete sie den Tee, und als sie uns dann verlassen hatte, gab ich Mr. Wickfield die Hand, um ebenfalls zu gehen. Er hielt mich aber fest und fragte: »Möchtest du bei uns bleiben, Trotwood, oder woanders wohnen?«

»Hier bleiben«, erwiderte ich rasch.

»Weißt du das sicher?«

»Ja! Wenn ich bleiben darf.«

»Ich fürchte nur, wir führen hier ein zu eintöniges Leben für dich, mein Junge.«

»Es ist nicht eintöniger für mich als für Agnes, Sir. Es ist durchaus nicht eintönig.«

»Als für Agnes«, wiederholte er, ging langsam nach dem Kamin und lehnte sich an das Sims. Er hatte diesen Abend so viel getrunken, daß seine Augen ganz gerötet aussahen. Ich konnte sie jetzt nicht beobachten, denn sie waren zu Boden gesenkt und er hielt sich die Hand davor, aber ich hatte es kurz vorher bemerkt.

»Ich möchte gerne wissen«, murmelte er, »ob meine Agnes meiner müde ist. Wann würde ich ihrer je müde sein! Aber das ist etwas anderes. Etwas ganz anderes.«

Er sprach dies nachdenklich vor sich hin, deshalb schwieg ich. »Ein ödes altes Haus«, fuhr er fort mit sich zu reden, »und ein eintöniges Leben! Aber ich muß sie in meiner Nähe haben. Ich muß sie um mich haben. Wenn der Gedanke, daß ich sterben könnte und meinen Liebling verlassen müßte, oder daß mein Liebling sterben und mich verlassen könnte, wie ein Gespenst kommt und mir die glücklichste Stunde trübt, und nur zu ertränken ist in –«

Er vollendete nicht, ging langsam an den Tisch, griff mechanisch nach der leeren Karaffe und wollte einschenken, dann schritt er wieder auf seinen Platz zurück.

»Wenn man es schon kaum ertragen kann, während sie hier ist, wie würde es erst werden, – nein, nein, nein, ich kann das nicht versuchen!«

Er lehnte sich wieder an den Kamin und brütete so lange, daß ich mich nicht entschließen konnte wegzugehen, weil ich fürchtete, ihn zu stören. Endlich raffte er sich auf und sah sich im Zimmer um, bis er meinen Augen begegnete.

»Also bei uns bleiben, Trotwood«, sagte er in seiner gewohnten Art, und als ob er auf das, was ich eben gesagt, antworte. »Das freut mich. Da haben wir beide ein wenig Gesellschaft. Es ist gut für uns, wenn wir dich hier haben. Gut für mich, gut für Agnes, gut vielleicht für uns alle.«

»Für mich ist es gewiß gut, Sir«, sagte ich. »Ich bin so gern hier.«

»Ein braver Junge«, sagte Mr. Wickfield, »solange es dir hier gefällt, kannst du hier bleiben.« Er schüttelte mir die Hand, klopfte mir auf die Schulter und sagte, wenn ich abends etwas zu tun hätte oder etwas zur Unterhaltung zu lesen wünschte, sollte ich nur in sein Zimmer kommen, wenn er dort sei und ich Lust fühlte, und ihm Gesellschaft leisten. Ich dankte ihm für die Erlaubnis. Da er später hinunterging und ich nicht müde war, ging ich ebenfalls hinunter, nahm ein Buch zur Hand, um für eine halbe Stunde von seiner Erlaubnis Gebrauch zu machen.

Da ich aber in der kleinen runden Stube Licht sah und mich zu Uriah Heep, der fast eine Art Zauber auf mich ausübte, gezogen fühlte, trat ich dort hinein.

Uriah las in einem dicken Buch mit solch offenkundiger Aufmerksamkeit, daß sein magerer Zeigefinger Zeile um Zeile verfolgte, feuchte Spuren wie eine Schnecke auf dem weißen Papier zurücklassend. So kam es mir wenigstens vor.

»Sie arbeiten heute abend lange, Uriah«, sagte ich.

»Ja, Master Copperfield.«

Als ich mich auf den Stuhl gegenüber setzte, um besser mit Uriah Heep reden zu können, fiel es mir auf, daß er nie lächeln konnte, sondern statt dessen nur den Mund öffnete und zwei tiefe schmale Falten auf den beiden Backen sehen ließ.

»Ich mache keine Bureauarbeit, Master Copperfield«, sagte er.

»Was denn?«

»Ich vermehre meine juristischen Kenntnisse, Master Copperfield. Ich studiere Tidds Praktik. O wie herrlich Mr. Tidd schreibt, Master Copperfield.«

Mein Stuhl war wie ein Beobachtungsturm, und wie ich sah, las Heep nach diesem begeisterten Ausruf weiter und folgte den Zeilen mit seinem Zeigefinger. Seine Nasenlöcher, scharf und schmal geschnitten, hatten eine sonderbare häßliche Art, sich auszudehnen und zusammenzuziehen. Sie schienen zu zwinkern anstatt seiner Augenlider, die sich nie bewegten.

»Sie sind wohl ein sehr großer Jurist«, sagte ich, nachdem ich ihm eine Zeitlang zugesehen hatte.

»Ich, Master Copperfield?« sagte Uriah, »ach nein; ich bin sehr eine niedrige Person.« Er drückte häufig die Flächen seiner Hände aneinander, als wollte er sie trocknen und wärmen, und oft wischte er sie verstohlen an seinem Taschentuch ab. Ich hatte mir also doch nichts eingebildet.

»Ich bin mir wohl bewußt, daß ich die geringste Person auf der Welt bin«, sagte Uriah Heep bescheiden. »Mögen andere Leute sein, was sie wollen. Meine Mutter is auch sehr eine niedrige Person. Mir leben in einer ganz schlechten Wohnung, Master Copperfield, aber mir haben dafür dankbar zu sein. Meines Vaters Gewerbe früher war sehr gering. Er war Totengräber.«

»Was ist er jetzt?« fragte ich.

»Er ist jetzt Anteilhaber am himmlischen Ruhm, Master Copperfield«, sagte Uriah Heep, »und mir haben alle Ursache, dafür dankbar zu sein. Wie sehr muß ich dankbar sein, daß ich bei Mr. Wickfield bin.«

Ich fragte Uriah, ob er schon lange bei Mr. Wickfield sei.

»S geht jetzt ins vierte Jahr, Master Copperfield«, sagte Uriah und machte das Buch zu, nachdem er sich vorher sorgfältig angezeichnet, wo er stehengeblieben war. »Seit einem Jahr nach meines Vaters Tod. Wie sehr muß ich dankbar sein für Mr. Wickfields gütige Absicht, mir die Unterrichtskosten zu schenken, die meiner Mutter und meine eignen bescheidnen Mittel nie nicht erschwingen könnten.«

»Wenn Ihre Lehrzeit vorüber ist, werden Sie wohl ein richtiger Advokat sein, nicht wahr?« fragte ich.

»Mit dem Segen der Vorsehung, Master Copperfield!« entgegnete Uriah.

»Vielleicht werden Sie einmal Teilhaber in Mr. Wickfields Kanzlei?« sagte ich, um Uriah etwas Angenehmes zu sagen. »Das würde dann heißen Wickfield & Heep, oder Heep vorm. Wickfield.«

»O Gott, nein, Master Copperfield«, entgegnete Uriah und schüttelte den Kopf. »Ich bin viel zu gering für so was.«

Er sah wahrhaftig dem geschnitzten Gesicht an dem Balkenkopf vor meinem Fenster außerordentlich ähnlich, als er so dasaß in seiner Unterwürfigkeit und mich von der Seite anschielte, den Mund offen und die Falten in den Backen.

»Mr. Wickfield ist ein außerordentlich hervorragender Mann, Master Copperfield«, sprach Uriah weiter. »Da Sie ihn schon so lange kennen, wissen Sie es selbst viel besser, als ich es Ihnen sagen könnte.«

Ich erwiderte, daß ich davon überzeugt sei, aber Mr. Wickfield noch nicht lange kenne und daß er ein Freund meiner Tante sei.

»Wirklich, Master Copperfield?« forschte Uriah. »O Ihre Tante ist eine entzückende Dame, Master Copperfield!«

Er hatte eine scheußliche Art, sich zu winden, wenn er Begeisterung ausdrücken wollte, und ich beachtete das Kompliment, das er meiner Tante machte, nicht, weil ich durch die schlangenhaften Bewegungen seiner Kehle und seines Körpers ganz abgelenkt war.

»O eine entzückende Dame, Master Copperfield! Sie hegt eine große Bewunderung für Miss Agnes, Master Copperfield, nicht wahr?«

Ich sagte keck, ja, obgleich ich keine Ahnung davon hatte.

»Ich hoffe, Sie auch, Master Copperfield, gewiß Sie auch.«

»Wohl jedermann«, entgegnete ich.

»O ich danke Ihnen, Master Copperfield, für dieses Wort«, sagte Uriah Heep. »Es ist so wahr! Eine niedrige Person wie ich bin, weiß ich doch, es ist so wahr. O tausend Dank, Master Copperfield.«

Er wand sich förmlich in seiner Verzückung vom Stuhle herunter und traf dann Anstalten, nach Hause zu gehen.

»Mutter wird auf mich warten«, sagte er, warf einen Blick auf seine abgegriffne, unansehnliche Taschenuhr und wurde unruhig. »Wenn mir auch sehr niedrige Leute sind, Master Copperfield, so hängen mir doch sehr aneinander. Wenn Sie uns einmal nachmittags in unserer armseligen Wohnung besuchen und eine Tasse Tee bei uns trinken wollten, so würde Mutter ebenso stolz auf Ihren Besuch sein wie ich.«

Ich sagte, ich würde gerne kommen.

»Tausend Dank, Master Copperfield!« erwiderte Uriah und legte das Buch in ein Fach. »Ich vermute, Sie bleiben einige Zeit hier, Master Copperfield?«

Ich sagte, ich würde hier wohnen bleiben, solange ich die Schule besuchte.

»Ach wirklich!« rief Uriah aus. »Ich glaubte, Sie würden mit der Zeit ins Geschäft eintreten, Master Copperfield?«

Ich beteuerte, daß weder ich noch sonst irgend jemand an dergleichen dächte, aber auf alle meine Versicherungen antwortete Uriah sanft: »O doch, Master Copperfield, ich glaube bestimmt. Sie werden es noch tun.« Immer und immer wieder.

Als er endlich zum Fortgehen bereit war, fragte er mich, ob es mir passen würde, daß er das Licht ausbliese, und als ich bejahte, tat er es auf der Stelle. Dann gab er mir die Hand. Sie fühlte sich im Dunkeln an wie ein Fisch. Er öffnete das Tor ganz wenig, schlüpfte hinaus und schloß es sofort wieder, so daß ich mich im Finstern aus dem Zimmer tappen mußte und dabei über einen Stuhl fiel.

Das war wohl die Ursache, daß ich dann fast die ganze Nacht von Uriah träumte. Unter anderm, daß er Mr. Peggottys Haus mit einer schwarzen Flagge und der Inschrift »Tidds Praktik« an der Mastspitze flottgemacht und einen Piratenzug angetreten habe und mich und die kleine Emly ins Meer hinausschleppte, um uns zu ertränken.

Am nächsten Tag kam ich schon etwas weniger gedrückt in die Schule, und es wurde immer besser, so daß ich mich in kaum zwei Wochen unter meinen neuen Schulkameraden bereits ganz wohl fühlte.

Ich war bei den allgemeinen Spielen linkisch genug und im Lernen sehr zurück, aber ich hoffte, daß Übung und Fleiß beides bald bessern würde. So ging ich ordentlich an die Arbeit und erntete großes Lob. In sehr kurzer Zeit trat das Leben bei Murdstone & Grinby für mich so in weite Ferne und mein gegenwärtiges wurde mir so vertraut, daß ich den Zeitabschnitt in London zuweilen kaum mehr als Wirklichkeit empfand.

Die Schule Dr. Strongs war vortrefflich und so verschieden von Mr. Creakles wie Gut und Böse. Überall herrschte ernste und zielbewußte Ordnung und ein gesundes System. In allen Dingen appellierte man an das Ehrgefühl und den guten Willen der Knaben und rechnete so lange mit dem Vorhandensein solcher Eigenschaften, als sich nicht direkt das Gegenteil herausstellte. Und das wirkte Wunder. Wir fühlten alle, daß wir ein Interesse daran hatten, den Ruf der Schule und ihr Ansehen aufrechtzuerhalten, und hingen mit warmer Liebe an ihr. Von mir wenigstens kann ich es sagen, und ich lernte während der ganzen Zeit nicht einen einzigen Knaben kennen, von dem man das Gegenteil hätte behaupten können.

Nach den Lehrstunden hatten wir schöne Spiele und viel Freizeit und standen dennoch im besten Ruf in der Stadt und machten selten durch unser Benehmen oder Aussehen Dr. Strong und seiner Schule Unehre.

Einige der älteren Schüler waren in des Doktors Haus in Pension, und durch sie erfuhr ich gewisse Einzelheiten über Mr. Strongs Geschichte. Zum Beispiel, daß er noch nicht ein Jahr mit der schönen jungen Dame, die ich im Studierzimmer gesehen, verheiratet sei, und sie aus Liebe genommen habe, denn sie besäße keinen Sixpence. Statt dessen sei aber ein Haufen armer Verwandten da, die ihn am liebsten von Haus und Hof verdrängen möchten. Ferner, daß an des Doktors nachdenklichem Wesen hauptsächlich seine Forschungen nach griechischen Wurzeln Schuld wären. Ich hielt das in meiner Unschuld und Unwissenheit für eine botanische Manie des Doktors, um so mehr, als er beim Spazierengehen immer auf den Boden sah, bis ich dahinterkam, daß sie Wurzeln von Wörtern meinten und daß er sich mit der Idee, ein neues Wörterbuch herauszugeben, trug.

Adams, der Erste in der Klasse, der eine Vorliebe für Mathematik besaß, hatte einmal ausgerechnet, daß, wenn der Doktor mit seiner gegenwärtigen Schnelligkeit fortarbeite, er bis zur Vollendung des Wörterbuchs, von seinem zweiundsechzigsten Geburtstage an gerechnet, 1649 Jahre brauchen müßte.

Der Doktor selbst war der Abgott der ganzen Schule, wie auch nicht anders möglich bei seiner unendlichen Herzensgüte und einer Gemütseinfalt, die selbst die steinernen Herzen der Urnen auf der Mauer hätte rühren müssen.

Wenn er auf dem Teil des Hofs, der an der andern Seite des Hauses lag, auf und ab ging, während die Krähen und Dohlen ihm mit schlau seitwärts gelegten Köpfen nachsahen, als ob sie recht gut wüßten, wieviel gescheiter sie in irdischen Dingen seien als er, war jeder Vagabund, der ihm nahe genug kommen konnte, um auch nur einen Satz seiner Leidensgeschichte vorzubringen, für die nächsten zwei Tage ein gemachter Mann. Das war in der Schule so bekannt, daß die Unterlehrer und ältesten Schüler immer Sorge trugen, unverschämte Bettler, noch ehe sie sich dem Doktor bemerklich machen konnten, zu vertreiben; und das geschah oft in seiner unmittelbarsten Nähe, und ohne daß er, vertieft auf- und abschreitend, das Geringste davon merkte.

Außerhalb der Schule und unbewacht war er ein verlorner Mann. Er hätte die Gamaschen von den Beinen weg verschenkt. Tatsächlich soll er sie einmal vor einigen Jahren an einem kalten Wintertag einer Bettlerin geschenkt haben, die in der Nachbarschaft später damit Ärgernis erregte, indem sie ein hübsches Kind in diese Gamaschen gewickelt von Haus zu Haus trug. Jedermann in der ganzen Umgebung erkannte natürlich die Gamaschen als die des Doktors, bloß er selbst erkannte sie nicht, als sie später an der Tür eines Trödelladens, der nicht in besonders gutem Rufe stand, und wo derlei Sachen gegen Branntwein eingetauscht wurden, hingen. Er soll sie wohl mit beifälligen Blicken betrachtet und an ihnen eine merkwürdige Neuheit des Musters bewundert und sie für viel besser als seine eignen gehalten haben, – aber er erkannte sie nicht.

Ein Vergnügen war es, den Doktor mit seiner jungen, hübschen Frau gehen zu sehen. Er hatte eine väterliche wohlwollende Art, seine Liebe zu ihr an den Tag zu legen, die an und für sich schon den guten Menschen verriet. Ich sah sie oft im Garten bei den Pfirsichen nebeneinander wandeln. Sie schien mir sehr fürsorglich zu dem Doktor zu sein und ihn sehr gern zu haben, wenn sie sich auch nicht sehr lebhaft für das Wörterbuch zu interessieren schien, von dem er immer sehr umfangreiche Fragmente in den Taschen und im Hutfutter trug und sie ihr bei den Spaziergängen erklärte.

Ich sah Mrs. Strong ziemlich häufig, teils weil sie von meinem ersten Besuch an Gefallen an mir gefunden hatte und immer freundlich gegen mich war, teils weil sie Agnes sehr liebte und uns alle Augenblicke besuchte. Zwischen ihr und Mr. Wickfield, vor dem sie sich zu fürchten schien, bestand etwas Gezwungenes, das nie verschwand. Wenn sie abends zu uns kam, lehnte sie stets seine Heimbegleitung ab und lief lieber mit mir fort. Manchmal, wenn wir lustig über den Domhof sprangen, stießen wir ganz unerwartet auf Mr. Maldon, der jedesmal sehr überrascht war, uns zu sehen.

Mrs. Strongs Mutter war eine Dame, mit der ich sehr viel Spaß hatte. Sie hieß Mrs. Markleham, aber unsere Jungen nannten sie den »General«, wegen ihres Feldherrntalents und der Geschicklichkeit, mit der sie große Heere von Verwandten gegen den Doktor zu führen verstand. Sie war eine kleine Frau mit lebhaften Augen und trug, wenn sie sich in großem Staat befand, immer denselben mit künstlichen Blumen und ein paar künstlichen schwebenden Schmetterlingen verzierten Hut. Es ging die Sage, der Hut sei aus Frankreich und könne nur aus den Werkstätten dieser erfinderischen Nation stammen. Gewiß ist, daß er abends immer erschien, wo sich Mrs. Markleham im großen Staate zeigte, daß sie ihn zu geselligen Zusammenkünften immer in einem Bastkörbchen trug, und daß die Schmetterlinge die Gabe hatten, rastlos zu zittern.

Ich beobachtete den »General« besonders genau an einem Abend, der mir noch durch einen andern Vorfall erinnernswert geworden ist.

Es war während einer kleinen Gesellschaft beim Doktor anläßlich der Abreise Jack Maldons nach Ostindien. Mr. Wickfield hatte nämlich die Angelegenheit endlich in Ordnung gebracht. Zugleich war auch des Doktors Geburtstag. Wir hatten frei bekommen, ihm Geschenke am Morgen gebracht und bei der Ehrenrede des ersten Schülers so lange Hoch gerufen, bis wir heiser waren – und Dr. Strong weinte. Jetzt abends waren Mr. Wickfield, Agnes und ich zum Tee geladen.

Mr. Jack Maldon war schon da. Mrs. Strong in weißem Kleid mit kirschroten Bändern saß am Klavier, als wir eintraten, und er hatte sich über sie gebeugt, um die Blätter umzuwenden.

Die blühende Farbe ihres Gesichts war nicht so lebhaft wie gewöhnlich. So schien es mir wenigstens, als sie sich umdrehte. Aber sie sah sehr hübsch aus, wunderbar hübsch.

»Ich habe vergessen, Doktor«, sagte Mrs. Strongs Mama, als wir uns gesetzt hatten, »Ihnen meine Komplimente anläßlich des heutigen Tages abzustatten. Obgleich sie, wie Sie mir gewiß glauben werden, von meiner Seite nicht bloße Komplimente bedeuten. Erlauben Sie mir, Ihnen also recht häufige Wiederkehr des heutigen Tages zu wünschen.«

»Ich danke Ihnen, Ma'am«, erwiderte der Doktor.

»Recht, recht, recht häufige Wiederkehr«, sagte der »General«. »Nicht nur Ihretwegen, sondern auch wegen Ännie und Jack Maldon und mancher anderer. Es ist mir noch wie gestern, Jack, als du noch ein kleiner Knabe warst, einen Kopf kleiner noch als Master Copperfield, und Ännie hinter den Stachelbeerbüschen deine Liebe gestandest.«

»Liebe Mama«, sagte Mrs. Strong. »Laß das doch sein.«

»Ännie, sei nicht einfältig! Wenn du jetzt erröten willst als alte verheiratete Frau, wann willst du dann bei so etwas nicht mehr erröten!«

»Alt?« rief Mr. Jack Maldon aus. »Ännie, hörst du?«

»Ja, Jack«, antwortete der »General«. »Wirklich eine alte verheiratete Frau, wenn auch nicht den Jahren nach alt. Wann hätte ich je ein Frauenzimmer von zwanzig Jahren den Jahren nach alt genannt! Aber deine Kusine ist doch die Frau des Doktors und als solche eine alte Frau. Und wie gut ist es für dich, Jack, daß deine Kusine die Frau des Doktors ist! Du hast in ihm einen einflußreichen und gütigen Freund gefunden, der gewiß noch mehr für dich tun wird, wenn du dich dessen würdig zeigst. Ich habe keinen falschen Stolz und gestehe offen zu, daß in unserer Familie manche Mitglieder sind, die einen Freund sehr nötig haben. Du selbst warst eins davon, ehe der Einfluß deiner Kusine dir einen solchen verschaffte.«

Der Doktor winkte in seiner Herzensgüte abwehrend mit der Hand, um Mr. Jack Maldon mit einer weiteren Erwähnung dieser Sache zu verschonen. Aber Mrs. Markleham verließ ihren Stuhl, setzte sich neben ihn, legte ihren Fächer auf seinen Arm und sagte: »Nein, wirklich, lieber Doktor, Sie müssen es mir schon zugute halten, wenn ich immer wieder darauf zurückkomme, denn ich fühle es so tief innerlich. Es ist geradezu meine Monomanie, dieses mein Lieblingsthema. Sie sind ein wahrer Segen für uns! Ein Geschenk des Himmels!«

»Dummes Zeug, dummes Zeug«, sagte der Doktor.

»Nein, nein, ich bitte um Verzeihung«, gab der »General« zur Antwort. »Da niemand zugegen ist, außer unserm lieben vertrauten Freund, Mr. Wickfield, kann ich mich nicht so abspeisen lassen. Wenn Sie so weitermachen, werde ich mein Privilegium als Schwiegermutter geltend machen und Sie ausschelten. Ich bin eine offene Natur und spreche immer geradeheraus. Was ich sagen will, ist, was ich immer schon sagte, als Sie mich damals in so großes Erstaunen versetzten, – Sie wissen, wie überrascht ich war, – und um Ännie anhielten. Nicht, daß etwas Erstaunliches dabei gewesen wäre, wenn jemand um Ännie anhielt – so etwas zu sagen, wäre lächerlich –, sondern weil Sie es waren. Sie haben doch schon ihren seligen Vater und sie selbst in einem Alter von sechs Monaten gekannt. Wie konnte ich da in Ihnen einen Bewerber erwarten!«

»Ja, ja«, erwiderte der Doktor gutmütig, »denken Sie nicht mehr daran.«

»Aber ich denke doch daran«, sagte der »General« und legte ihm den Fächer auf die Lippen. »Ich erinnere an diese Sachen nur, damit man mir widersprechen kann, wenn ich unrecht habe. Gut. Ich sprach also mit Ännie und erzählte ihr den Vorfall. Liebes Kind, sagte ich, Dr. Strong ist dagewesen und hat um deine Hand angehalten. Habe ich ihr im geringsten zugeredet? Nein! Ännie, sag mir die Wahrheit, sagte ich, ist dein Herz frei? Mama, sagte sie weinend, ich bin noch so jung, – und das war doch wahr – ich weiß es nicht. Dann kannst du dich darauf verlassen, sagte ich, daß es frei ist. Jedenfalls, liebes Kind, muß Dr. Strong eine Antwort erhalten, da er sich in einem erregten Gemütszustand befindet. Man darf ihn in einer solchen Spannung nicht lassen. Mama, sagte dann Ännie, noch immer weinend, wäre er ohne mich unglücklich? Wenn es der Fall ist, so achte und ehre ich ihn zu sehr, als daß ich nicht ja sagen sollte. So war die Sache abgemacht. Und dann und nicht früher sagte ich zu Ännie: Ännie, sagte ich, Dr. Strong wird nicht nur dein Gatte sein, sondern er wird auch deinen seligen Vater vertreten, wird das Haupt unserer Familie sein, die Weisheit, Position, ich möchte sagen, das Vermögen unserer Familie repräsentieren, kurz, mit einem Wort, er wird ein Segen für uns sein.

Ich brauchte damals die Worte und brauche sie heute wieder. Wenn ich ein Verdienst habe, so liegt es nur in meiner Beharrlichkeit!«

Die Tochter hatte während dieser Rede ganz stumm und die Augen zu Boden gesenkt dagesessen. Ihr Vetter stand neben ihr und schlug ebenfalls die Augen nieder. Sie sagte dann sehr leise mit bebender Stimme:

»Mama, ich hoffe du bist jetzt endlich fertig.«

»Nein, meine teure Ännie«, gab der »General« zur Antwort, »ich bin noch nicht ganz zu Ende. Da du mich fragst, so erwidere ich: Nein. Ich beklage mich, daß du ein wenig rücksichtslos gegen deine Familie bist. Und da das Klagen bei dir nichts hilft, werde ich mich bei deinem Gatten beschweren.«

»Sehen Sie einmal, lieber Doktor, Ihre kleine kindische Frau an!«

Als der Doktor sein freundliches Gesicht mit harmlosem und gütigem Lächeln Ännie zuwandte, da ließ sie den Kopf noch mehr sinken.

Ich bemerkte, daß Mr. Wickfield Mrs. Strong scharf beobachtete.

»Als ich dem nichtsnutzigen Ding am nächsten Tag sagte«, fuhr die Mutter fort und drohte ihrer Tochter scherzhaft mit dem Fächer, »daß sie Ihnen in einer gewissen Familienangelegenheit einen Wink geben könnte, meiner Meinung nach sogar zu geben verpflichtet sei, – da sagte sie, einen solchen Wink geben, hieße eine Gunst verlangen, und sie weigerte sich, eben weil Sie zu großherzig wären, ihr irgendeinen Wunsch abzuschlagen.«

»Ännie, mein Herz!« sagte der Doktor. »Das war unrecht. Du hast mich einer Freude beraubt.«

»Das sind doch fast dieselben Worte, die ich brauchte!« rief die Mutter triumphierend aus. »Aber wirklich, wenn ich wieder etwas weiß, was sie Ihnen sagen könnte, aber doch nicht tut, habe ich große Lust, lieber Doktor, es Ihnen selbst vorzutragen.«

»Das soll mich sehr freuen«, sagte der Doktor.

»Darf ich wirklich?«

»Gewiß.«

»Nun. Dann will ichs tun«, sagte der »General«. »Abgemacht!« Da sie vermutlich ihren Zweck erreicht hatte, tippte sie mehrere Male mit ihrem Fächer, den sie zuerst geküßt hatte, auf die Hand des Doktors und kehrte siegesbewußt auf ihren Platz zurück.

Da jetzt mehr Gäste kamen, unter ihnen die zwei Lehrer und Adams, wurde die Unterhaltung allgemein und drehte sich naturgemäß um Mr. Jack Maldon und seine Fahrt, sein Reiseziel, seine verschiedenen Pläne und Aussichten. Er wollte noch am Abend nach dem Essen mit der Post nach Gravesend zum Schiff und sollte eine ziemliche Anzahl Jahre fortbleiben, falls er als Kadett keinen Urlaub erhielte. Ich erinnere mich noch, daß es hieß, Indien sei ganz fälschlicherweise übel beleumundet; außer ein paar Tigern und ein bißchen Hitze zu Mittag habe es keinerlei Mängel. Ich für meinen Teil sah in Mr. Jack Maldon einen modernen Sindbad und stellte mir ihn bereits als Busenfreund aller Radschas des Orients, unter Baldachinen, ungeheure Pfeifen rauchend, vor.

Mrs. Strong konnte sehr hübsch singen, wie ich genau wußte, denn sie sang oft, wenn sie allein war. Ob sie aber vor Leuten nicht gerne sang oder diesen Abend nicht bei Stimme war, jedenfalls konnte sie es heute gar nicht. Sie versuchte einmal mit ihrem Vetter Maldon ein Duett, brachte es aber nicht über den Anfang hinaus. Und als sie es später allein versuchte, fing sie zwar herrlich an, brach aber plötzlich verwirrt ab und blieb, den Kopf traurig gesenkt, am Piano sitzen. Der gute Doktor sagte, sie sei nervös, und schlug, um sie aufzuheitern, ein allgemeines Kartenspiel vor, von dem er soviel verstand wie von der Kunst des Posaunenblasens.

Ich bemerkte, daß der »General« ihn sofort unter seine Obhut nahm und sich als ersten Schritt in der neuen Lehre von ihm alles Silbergeld, das er in der Tasche hatte, geben ließ.

Das Spiel gestaltete sich sehr lustig, besonders infolge der Fehler des Doktors, deren er unzählige beging, trotz der Wachsamkeit der Schmetterlinge und zum großen Ärger ihrer Besitzerin.

Mrs. Strong spielte nicht mit, weil sie sich nicht ganz wohl fühlte, und Mr. Maldon entschuldigte sich auch, weil er zu packen hatte.

Als er damit fertig war, kam er wieder, und sie sprachen miteinander.

Von Zeit zu Zeit trat sie an den Spieltisch und sah dem Doktor in das Blatt und riet ihm, was er spielen sollte. Sie sah sehr blaß aus, und wenn sie auf die Karten wies, kam es mir vor, als ob ihre Finger zitterten. Aber der Doktor war ganz glücklich über ihre Aufmerksamkeit und bemerkte es nicht.

Beim Essen waren wir schon nicht mehr so heiter. Jeder fühlte, daß ein Abschied eine unangenehme Sache ist, die immer unangenehmer wird, je mehr die Zeit vorrückt.

Mr. Jack Maldon bemühte sich, möglichst gesprächig zu sein, aber es gelang ihm nicht, und er machte die Sache nur noch schlimmer. Auch der »General« verbesserte sie dadurch nicht, daß er Geschichten aus Mr. Jack Maldons Jugend aufwärmte.

Nur der Doktor merkte nichts, war frohen Mutes und lebte in der Meinung daß alle in der heitersten Stimmung wären.

»Liebe Ännie«, sagte er endlich, sah nach der Uhr und füllte sein Glas. »Es ist jetzt Zeit für deinen Vetter Jack, und wir dürfen ihn nicht länger aufhalten, da die Zeit und die Flut – mit beiden muß er rechnen – auf niemand warten. Mr. Jack Maldon, Sie haben eine lange Reise und ein fremdes Land vor sich. Aber vielen Menschen ist es schon so gegangen und vielen wird es noch so gehen. Der Wind, dem Sie sich anvertrauen wollen, hat viele Tausende schon dem Glück entgegengetragen und Tausende schon glücklich zurückgebracht.«

»Es ist rührend«, bemerkte Mrs. Markleham, »wie man es auch immer betrachtet, s ist rührend, wenn ein hübscher junger Mann, den man schon von Kindheit an gekannt hat, ans andere Ende der Welt geht, alle zurückläßt und nicht weiß, was ihm die Zukunft bringt. Ein junger Mann, der solcher Opfer fähig ist«, setzte sie mit einem Blick auf den Doktor hinzu, »verdient Unterstützung und ständige Hilfe.«

»Die Zeit wird Ihnen schnell vergehen, Mr. Jack Maldon«, fuhr der Doktor fort, »und uns auch. Mancher von uns wird, wie es in der Natur der Dinge liegt, Ihre Rückkehr kaum erwarten können. Das Beste, was wir tun können, ist beständig darauf zu hoffen, und das tue auch ich. Ich will Sie nicht mit guten Ratschlägen langweilen. Sie haben so lange in Ihrer Kusine Ännie ein so gutes Beispiel vor Augen gehabt. Ahmen Sie ihrem Vorbild nach, so sehr wie Sie können.«

Mrs. Markleham fächelte sich und nickte mit dem Kopf.

»Leben Sie wohl, Mr. Jack«, sagte der Doktor und stand auf, und wir folgten seinem Beispiel. »Eine glückliche Reise, ein erfolgreiches Wirken da drüben und glückliche Wiederkehr!«

Wir alle tranken den Toast und schüttelten Mr. Jack Maldon die Hand, worauf dieser hastig von den anwesenden Damen Abschied nahm und zur Türe eilte. Als er in den Wagen stieg, wurde er von den Schülern, die sich vor dem Hause versammelt hatten, mit einem donnernden Hoch empfangen. Ich eilte unter sie und stand nahe beim Wagen, als er fortfuhr.

Inmitten des Lärms und des Staubes kam es mir vor, als sähe ich Mr. Jack Maldon mit sehr aufgeregtem Gesicht und etwas Kirschrotem in der Hand wegfahren.

Nach einem zweiten Hoch für den Doktor und einem für seine Frau zerstreuten wir uns, und ich ging in das Haus zurück, wo die Gäste den Doktor umstanden und über die Abreise Mr. Jack Maldons sprachen. Mitten in der Unterhaltung rief Mrs. Markleham: »Wo ist Ännie?«

Ännie war nicht da, und niemand antwortete, als man nach ihr rief. Als sich alle erregt zur Türe hinausdrängten, um sie zu suchen, fand man sie bewußtlos in der Vorhalle liegen. Anfangs herrschte große Bestürzung, bis man sah, daß sie nur ohnmächtig war und sich nach den gewöhnlichen Mitteln bald erholte. Der Doktor hatte ihren Kopf auf seinen Schoß gelegt, strich ihr die Locken aus dem Gesicht und sagte:

»Die arme Ännie. Sie ist so weichherzig und anhänglich! Der Abschied von ihrem alten Gespielen und Freund – ihrem Lieblingsvetter – ist schuld daran. Ach, sie tut mir so sehr leid.«

Als Mrs. Strong die Augen wieder aufschlug und sah, daß wir alle um sie herumstanden, erhob sie sich mit Hilfe der andern und legte den Kopf an des Doktors Brust. Ich weiß nicht, ob sie es nicht tat, um ihr Gesicht zu verbergen. Wir begaben uns in das Gesellschaftszimmer, um sie mit ihrem Gatten und ihrer Mutter allein zu lassen, aber sie sagte, es sei ihr schon viel besser, und sie wolle lieber bei uns bleiben. So brachten sie sie denn herein, – wie mir schien, sehr blaß und angegriffen, – und setzten sie auf ein Sofa.

»Liebe Ännie«, sagte ihre Mutter und machte sich an ihrem Kleide etwas zu schaffen. »Schau nur, du hast eine Schleife verloren. Möchte nicht jemand so gut sein und nach dem Band suchen? Es ist ein kirschrotes Band.«

Es war das, was sie vorher an der Brust getragen hatte. Wir suchten alle danach – ich selbst habe genau überall nachgesehen – aber finden konnte es niemand.

»Erinnerst du dich, wo du es zuletzt gehabt hast, Ännie?« fragte die Mutter.

Es kam mir so vor, als ob Mrs. Strong rot und blaß würde, als sie sagte, sie habe es vor einer Weile noch gehabt, aber es sei nicht der Mühe wert, danach zu suchen.

Dennoch wurde es gesucht, aber nicht gefunden. Sie bat, man möge sich doch nicht weiter bemühen. Aber trotzdem sah man sich zuweilen danach um, bis sie sich ganz erholt hatte und die Gäste sich verabschiedeten.

Mr. Wickfield, Agnes und ich gingen sehr langsam nach Hause. Agnes und ich bewunderten den Mondschein, nur Mr. Wickfield sah kaum vom Boden auf.

Als wir an unsere Haustür kamen, bemerkte Agnes, daß sie ihre Tasche vergessen hatte. Erfreut, gefällig sein zu können, lief ich zurück, um sie zu holen.

Ich trat zuerst in das Speisezimmer. Es war finster und leer. Eine Tür, die in das Studierzimmer des Doktors führte, stand jedoch offen, und ich bemerkte dort Licht. Ich ging hinein, um zu sagen, was ich suche, und um eine Kerze zu holen.

Der Doktor saß in seinem Lehnstuhl am Kamin und seine junge Frau auf einem kleinen Sessel zu seinen Füßen. Mit vergnügter Miene las ihr der Doktor aus einem Manuskript einen Abschnitt aus dem Wörterbuch vor, und sie sah zu ihm hinauf. Aber mit einem Gesicht, wie ich es noch nie gesehen habe. Es war so schön in seinen Linien, so aschfahl und ganz geistesabwesend und voll von einem wilden traumverlorenen Entsetzen, daß ich gar nicht wußte, was ich mir dabei denken sollte. Ihre Augen standen weit offen, und ihr braunes Haar fiel in zwei dichten Wellen auf ihre Schultern und ihr weißes Kleid herab, das durch den Verlust der Schleife in Unordnung gebracht war.

Ich sehe noch deutlich ihren Blick vor mir und kann doch nicht sagen, was er eigentlich ausdrückte. Reue, Ergebenheit, Scham, Stolz, Liebe und Vertrauen und unter all dem jenes gewisse unbestimmte Entsetzen.

Mein Eintreten weckte sie auf. Ich störte auch den Doktor, und als ich zurückkehrte, um das Licht wieder auf seinen alten Platz zu stellen, streichelte er ihr gerade in seiner väterlichen Weise das Haar und sagte, es sei unbarmherzig von ihm, sich so von ihr zum Weiterlesen verleiten zu lassen, und sie möchte doch zu Bett gehen.

Aber sie bat ihn in hastiger, dringlicher Weise, sie dazulassen. Er möge ihr immer wieder sagen, daß er ihr vertraue. Als ich das Zimmer verließ, sah ich, daß sie ihre Hände auf seinen Knien gefaltet hatte, und mit demselben, nur etwas ruhiger gewordnen Ausdruck im Gesicht zu ihm aufblickte, wie er wieder zu lesen anfing.

Es machte einen tiefen Eindruck auf mich und fiel mir wieder ein bei einer Gelegenheit, von der ich später einmal erzählen werde.

 

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