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David Copperfield - Teil 1

Charles Dickens: David Copperfield - Teil 1 - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorCharles Dickens
titleDavid Copperfield - Teil 1
publisherMax Hesses Verlag
volume1
editorRichard Zoozmann
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060608
modified20180604
projectiddd23577b
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Vorwort.

Eine Auswahl des Besten und Gediegensten, was der berühmte humoristische Novellist geschrieben hat, wird der deutschen Leserwelt gewiß um so willkommener sein, als sich die Anteilnahme für Dickens, die in Deutschland wohl nie ganz erloschen war, seit einigen Jahren wieder so bedeutend erhöht hat, daß man geradezu von einer Dickensrenaissance sprechen kann. Denn schien es noch vor zehn, zwölf Jahren, als ob die Popularität dieses Autors bei uns und auch unter seinen Landsleuten etwas nachgelassen habe, so hat seit einigen Jahren eine kräftige Gegenbewegung eingesetzt, die den Londoner Sittenschilderer wieder auf eine selbst zu seinen Lebzeiten kaum erreichte Höhe der Beliebtheit emporgehoben hat, die schon durch den bloßen buchhändlerischen Erfolg zu beweisen ist, wonach in den letzten zwei Jahren in England allein ungefähr anderthalb Millionen Exemplare von seinen Skizzen und Romanen abgesetzt worden sind. Darum soll ihm auch jetzt in London ein eigenartiges Denkmal errichtet werden, in Gestalt einer Dickensbibliothek, der National Dickens Library, um deren Begründung sich namentlich die Dickensgesellschaft und der Boz-Klub bemühen. Den Grundstock soll die reichhaltige Dickenssammlung bilden, die der vor einigen Jahren verstorbene M. F. G. Kitton zusammengebracht hat. Alle Ausgaben der Dickensschen Schriften in Original und Übersetzung, alle literarischen Veröffentlichungen über ihn, alle Plagiatversuche in Gestalt von »Fortsetzungen« seiner Romane, Parodien, Porträts, Illustrationen, Karikaturen, Kuriositäten usw. sollen dies Museum füllen, zu dessen Aufnahme die Guildhall-Bibliothek die erforderlichen Räume zur Verfügung gestellt hat.

Kein anderer Autor hat je einen solchen Grad von Volkstümlichkeit erreicht wie Dickens. Welcher Erzähler hätte es ihm auch gleichgetan? Welchem Erzähler hat je ein größeres und dankbareres Publikum gelauscht? Und wer hat solche andächtige Aufmerksamkeit und Liebe mehr verdient, als Dickens? Selten hat wohl auch einem Autor die Natur alle dem erzählenden Dichter unentbehrlichen Eigenschaften so verschwenderisch in den Schoß geschüttet, wie ihm. Vornan steht da die Schärfe seiner alles durchdringenden Beobachtungsgabe und die staunenswerte Gewandtheit in der Behandlung der Sprache, dann die Milde seiner Weltanschauung und der gesunde Humor, durch den er alle Gegensätze im Leben wohltuend zu versöhnen weiß. Und sind auch nicht wegzuleugnende Mängel in seiner Darstellungsweise vorhanden, so werden seine Werke doch immer infolge der erwähnten überwiegenden Vorteile zahlreiche und begeisterte Leser finden, und vor allem wegen der überall durchblickenden warmen Menschenliebe, die von jeher die Aufmerksamkeit auf die Armen und Verlassenen zu lenken wußte und schließlich deshalb, weil auch die Jugend und die Frauenwelt jeden, aber auch jeden seiner Romane ohne Scheu in die Hand nehmen kann, trotzdem der Dichter seine Leser häufig genug in die Niederungen des menschlichen Lebens, ja selbst in die Höhle des Verbrechens führt.

Bereitwillig bin ich daher dem Ansuchen der Verlagshandlung nachgekommen, eine Auswahl der Dickensschen Werke neu herauszugeben. Ich habe bei meiner Arbeit gute ältere Übersetzungen mitbenutzt, diese aber genau mit dem Original verglichen, überarbeitet und ergänzt; dies erschien um so nötiger, als viele der mir vorliegenden früheren Übersetzungen Auslassungen größerer und kleinerer Stellen zeigen. Möge der alte liebe Dichter in diesem Gewande seine früheren Freunde wiedergewinnen und sich zahlreiche neue dazu erwerben, wie er es wahrlich verdient in Deutschland, das ihm und seines Geistes anmutigen Kindern seit seinem ersten Auftreten vor fünfundsiebzig Jahren eine dauernde Stätte und zweite Heimat bereitete.

Berlin, 13, März 1909.

R. Z.

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