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Das vierte Gebot

Ludwig Anzengruber: Das vierte Gebot - Kapitel 4
Quellenangabe
typedrama
booktitleDas vierte Gebot
authorLudwig Anzengruber
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000418-7
titleDas vierte Gebot
pages1-6
created19990513
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1878
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Zwölfte Szene

Johann, Barbara, Stolzenthaler, Josepha.

Barbara (läßt Josepha und Stolzenthaler eintreten und bleibt noch außen). Geht's nur hinein, Kinder. Es will schon finster werden, ich mach' uns nur ein Licht.

Josepha (in teuerem, aber nicht geschmackvollem Putz). Herr Johann.

Johann (hinzueilend). Da bin ich, Fräuln Pepi.

Josepha (nimmt Hut und Tuch ab und gibt ihm beides). Da, – legen S' mir's auf mein Bett.

Johann (geht mit den übergebenen Gegenständen Seite links ab und kehrt gleich wieder ohne dieselben zurück).

Josepha (läuft, wie sie abgelegt hat, sofort nach dem Sofa, läßt sich in den Sitz fallen und stützt den Kopf in die Hand).

Stolzenthaler (ein junger Mensch, ebenfalls ohne Geschmack geputzt, die Hand voll schwerer Ringe, eine auffallende Uhrkette, zwischen den Zähnen eine kostbare, aber sehr massive Zigarrenspitze; er lümmelt sich über den Tisch und spricht über selben zur Josepha). Weißt, Mauserl, ich kann mir schon denken, wie dir is, denn solchene, wie ich bin, rennen wenig in Wean herum. Aber nur a Einsehn und kein Flehnerei, dös vertragt unsereins net.

Barbara (kommt mit einer Lampe, die sie auf den Tisch stellt). Machen Sie's nur aus, Herr von Stolzenthaler, wann s' etwa wieder dalket war. – Wie schaust denn du aus? Du hast ja g'weint.

Stolzenthaler. Weil s' a fads Ding is, drum hab' ich s' a heut früher als sonst heimg'führt.

Barbara. Was war denn wieder?

Stolzenthaler. Na ja, Frau Mutter, alles, was recht is, es war schon a Schub! Aber ich bin a aufrichtiger Kerl, ich hab' ihr's doch früher sagen müssen, eh ihr's fremde Leut' zutragen. Mein Alter will mich verheiraten, und da ich ihm schon mehr zu Trutz als z' G'fallen tan hab', so hab' ich da net nein sagen mögen. Is a wieder a Abwechslung, und a Abwechslung muß der Mensch hab'n, sonst wird 's Leben öd.

Barbara (neugierig). Wer is denn die Braut, wenn man's wissen därf?

Stolzenthaler. Die Hutterische von daneben.

Barbara. Die is sauber, und ihre Leut' sein reich.

Stolzenthaler. Na, mit einer andern hätt' mir mein Alter a nit kommen derfen.

Josepha (weint in ihr Sacktuch).

Stolzenthaler. Da hörn S' Ihnen dös an. Es kann ja ein Menschen recht sein, daß mer ihm merken laßt, mer weiß, was er für a Mensch is, aber mit einer Handvoll davon hat man gnug, auf die Dauer wird's langweili.

Barbara. Pepi.

Josepha (weinend). I lass' mir's nit verbieten, von niemandem, von ihm schon gar nit, ich kann weinen, soviel i will.

Johann (aus Mitgefühl ebenfalls weinend). Das wird der Fräuln Pepi doch erlaubt sein?

Stolzenthaler. Ui jegerl, jetzt fanget noch eins zum Musiziern an, ah, da wird's mer doch zu unterhaltlich. (Nimmt seinen Zylinder – Stößer – vom Tisch, drückt ihn schief auf den Kopf.) Gute Nacht, Frau Mutter! (Geht, eine eben gang und gäbe Melodie pfeifend, durch die Mitte ab.)

Barbara (steht bei Josepha). Gute Nacht, Herr von Stolzenthaler.

 
Dreizehnte Szene

Vorige ohne Stolzenthaler.

Barbara. Aber Pepi, was hast denn?

Josepha (aufspringend und durch das Zimmer laufend). Frag'n S' doch nit! I soll mich etwa nit kränken? Zwei Jahr' geh' i jetzt mit dem Menschen, hab' alle seine schrecklichen Launen ertrag'n, weil ich denkt hab', wenn er sich g'wöhnt, so nimmt er mi am End' doch und i wurd' glücklich und Hausfrau und könnt' alle andern auslachen.

Barbara. Dös hast du glaubt? Für so dumm hätt' i di nit g'halten.

Josepha. Und Sö, Mutter, hab'n's im voraus g'wußt, daß's so kommt?

Barbara (wie selbstverständlich). Aber Kind...

Josepha. Und da haben Sö ihn ins Haus lassen?

Barbara. Hab' ich 'n Hausherrnssohn aus der Wohnung weisen können, wo wir dreiviertel Jahr Zins schuldig warn?

Josepha. Deswegen hätten S' mi do unter d'Augen b'halten können, nit, daß S' Landpartien mitmachen, mit dö andern im Wirtshaus sitzenbleiben und uns allein herumlaufen lassen.

Barbara. Aber liebs Kind, wenn mer die Leut' braucht, därf man sich mit ihnen nit verfeinden, da muß man schon a Aug' zudrucken, und du bist a jung und lustig, verlangst dein Vergnügen und ein bissel ein Putz, das hätt'n mer dir net beschaffen können und zu keiner Arbeit bist net erzog'n.

Josepha. Und warum – warum bin ich denn zu keiner erzog'n?

Barbara. A harte hätt' sich für di nit g'schickt, und was Feins konnt' mer dich nit lernen lassen, hätten überhaupt keine Not gehabt und könnten anders dastehn, hätt' der Mann net allweil Geld aus'm Haus trag'n. Dein Vater, der is an allem schuld.

Josepha. Was hab' i jetzt davon? Das G'fetzwerk und der G'schmuck werd'n bald versetzt oder verkauft sein, i steh' da als a arms verlassene G'schöpf, das nix hat als a üble Nachred' und um das sich ka Mann mehr umschaut.

Barbara. Gehst denn nit! Dir werd'n noch gnug kommen. So a Madel, wie du eins bist, dös mag sein, wie's will, und is noch allweil für kein z' schlecht! Aber wenn dir gar so um ein Mann is... Muß's gleich sein?...

Josepha. Lassen S' mi mit Fried'.

Barbara. Im Ernst, da hätt' i ein bei der Hand, derfst nur zugreifen.

Josepha. Möcht' wissen, wer?

Barbara. Dreh' dich nur um! (Wendet sich gegen Johann.)

Johann (hat Gegenstände, die teils auf, teils neben der Drehbank lagen, aufgegriffen und in Ordnung gebracht, – zuckt erschreckt zusammen). Aber Meisterin! – (Steht mit gebogenen Knien, hat die Oberarme an den Leib gepreßt und Unterarme und Hände quer über der Brust liegen.)

Josepha (in fröhlichen Leichtsinn umschlagend). Unser Johann? Hahaha! (Sie gibt ihm einen leichten Backenstreich.) Tschapperl!

Barbara. Hahaha!

Johann (stimmt dumm in das Gelächter der beiden ein). Ja – hehe – ja, he!

 
Vierzehnte Szene

Vorige, Schalanter und Martin (durch die Mitte).

Schalanter. Hallo, da geht's ja lustig zu! Da sein mer.

Barbara. Na, kommt's endlich daher? Was is's denn?

Schalanter (zeigt auf das Rekrutensträußchen, das Martin am Hute trägt). Siehst es nit? B'halten hab'n s' ihn. Natürlich. Net werd'n s' 'n b'halten, wie der a Bursch is?

Barbara (nähert sich Martin und hält dabei die Schürze für etwaige Tränen in Bereitschaft). Mußt also richtig von uns fort, Martin?

Martin. Ja, aber tu sich d'Frau Mutter deswegen net 's neuche Schürzel naß machen. 's zahlet sich net aus.

Barbara. Kommt's dir denn nit hart an, daß d' von deine Leut' weg sollst?

Martin. Ewig kann mer sowieso net auf der Welt beieinander bleiben. Was anders wär's, wenn s' uns weitmächtig von der Weanerstadt, weiß Gott wohin, verlegen täten; aber so bleib'n mer ja vorläufig da.

Barbara. Na, hast recht. Und wer weiß, wozu 's gut is, daß d' amal von dein Vatern fortkommst?!

Schalanter. Weil vielleicht bei dir 's Madl so gut aufg'hob'n is?! (Zu Johann.) Aber was machen denn Sö noch da, Johann, nach 'n Feierabend? Gehen S' in a Wirtshaus, daß S' auch a Mensch wern!

Johann (wechselt den Rock, nimmt später den Hut. Beide hängen an einem Haken an der Wand links).

Schalanter' Laßt's euch erzähln! Wir sein von die ersten g'wes'n, dö drankommen sein. Nur angeschaut hab'n s' ihn, den Martin, gleich hat's g'heißen: »Der Mann wird genommen.« »Den Mann nimm ich zu mein Regiment.« A völligs G'riß war um ihn. Ich hab's allweil g'sagt, und ich bleib' dabei, der bringt's zu was. Dazu hat er 'n Verstand und die Reschen, und mehr braucht er nit. Meine Bikennten hab'n mir's übelg'nommen, daß i ihn mit der Volksschul' hab' aufhörn lassen und nit in die Realschul' geschickt, i hab' drauf g'sagt: A Esel wird nit gescheiter, und wann er gleich auf 'n Doktor studiert, für ein findigen Kopf aber is die Volksschul' in d'Haut hinein gnug. Das wird sich auch da weisen. Ein Geist braucht's halt, ein Geist und a Couraschi! Was hilft's denn, wenn ich noch so viel weiß und noch so schön reden kann, deßtweg'n kann doch jeder mit mir auf Mord und Brand dischpatiern, lass' ich ihm aber, wo der G'spaß aufhört, ein Deuter zukommen, dann gilt, was i sag'.

Johann. Ich empfehl' mich! (Geht Mitte ab.)

Schalanter. B'hüt Ihner Gott! Den Menschen kann i nit leiden, wenn er nit wie a Vieh bei der Arbeit alles z'sammreißet, er wär' bei mir nit dö vierzehn Tag' alt word'n, die er da is.

Josepha (zu Martin). Hast du a Freud' zum Soldaten?

Martin. A Freud'? Hat schwerlich einer, wo a Muß dabei is.

Schalanter. Mach' dir nix draus. (Klopft ihm auf die Achsel.) Da steht einer, aus dem noch was wird, dazu is er der Bursch, sagt's, i hab's g'sagt. (Zu Barbara.) Aber jetzt, Waberl, tu dich um! Auf das viele Trinken wird man nur no durstiger, und 'n ganzen Tag hab'n wir nix zum Beißen g'habt, also schaff was her!

Barbara. Ich hab' ka Geld.

Schalanter. Ka Geld?!

Barbara. Hast ja keins da lassen.

Schalanter. Da lassen werd' i no eins! Leerst du mir nit die Geldladeln aus, wenn i nur ein Schritt aus 'm G'wölb' mach'?

Barbara. Heut is nix eingegangen.

Schalanter. Nix eingegangen wär' heut? Gut, nimm's nur auf dein G'wissen! Je mehr du uns herunterbringst, nimm's nur auf dein G'wissen! Wenn du dein'm Kind den heutigen Tag verderben willst, so muß halt i mi opfern. Da – (wirft eine Brieftasche auf den Tisch) – i hab' eine Lieferung übernehmen wolln – da liegt die Kaution, gut, ich reiß' sie an. Brauch' die Lieferung gar nit. Der heutige Tag is mir heilig. (Gibt Barbara eine Banknote.) Nimm und hol' ein Wein und was zu essen was Guts, bitt' i mir aus! A Tag, wie der heutige...

Barbara. Ich bitt' dich gar schön, du tragst dein Geld ins Wirtshaus, als hätten wir jeds Jahr dreihundertfünfundsechzg Bub'n und alle Tag' Assentierung. (Wendet sich zum Gehen.)

Schalanter. Du! (Auf das Kaffeegeschirr zeigend.) Das könnt'st wohl mitnehmen.

Barbara (nimmt das Geschirr vom Tisch). Geniert's dich?

Schalanter. Ja, weil ich ein Ordnung verlang'! Matz will ich heißen, wenn das nit schon zwei Stunden am Tisch steht.

Barbara. Ja freilich. (Durch die Mitte ab.)

Schalanter (läuft zur Mitteltüre, reißt sie auf und ruft hinaus). Mußt 's letzte Wort hab'n?!

Barbara (von außen). Matz!

Josepha (geht kurz darnach links ab und kehrt erst beim Eintreten der Herwig zurück).

Schalanter. Nur 'n Fuß därf man ins Haus setzen, so muß man sich schon ärgern, und da traun sich die Leut' mir was nachzusagen, weil ich lieber auswärts bin! Ja, wann dös Hauswesen a Hauswesen wär', aber schau' nur amal, wie's d'r da ausschaut, – ka Ordnung und ka Geld vorhanden. Wann das Hauswesen g'führt word'n wär, hätt' ma am Madel nit die Schand' zu erleben braucht und du hätt'st nit not, drei Jahr' 'n Schießprügel z' schleppen, den einjährigen Freiwilligen hätt's uns auch noch trag'n. Aber wer is an allem Schuld? Dein Mutter, an allem!

Martin (wirft sich lässig auf das Sofa). Streiten S' nur nit wieder mit ihr, wenn s' zurückkommt. Dö paar Täg', die ich noch frei bin, will i a Ruh' hab'n.

Schalanter. Und weil du a Ruh' hab'n willst, soll i ka Wort reden derfen?

Martin. Gegen 's Reden hab' ich ja nix, nur gegen 's Streiten. D'Nachbarschaft wird sich auch nit ängstigen, wann s' uns a Weil' nit hört, und wenn i fort bin, können Sie's ja wieder einbringen, aber bis dahin leid' i's nit.

Schalanter. Du willst's nit leiden? Ja, wer is denn eigentlich der Herr da zwischen dö vier Mäuer, i frag', wer?

Martin. Na, fangen S' etwa gar mit mir an.

Schalanter. Mit dir? Fallet mir ein! Sein mir uns gleich? Derfst du dir a Antwort gegen mich herausnehmen? Wär' schön! Mit dir hab' ich, Gott sei Dank, noch anz'schaffen! Streiten werd' i mi mit dir! Wer bist denn du gegen meiner, dummer Bub!?

Martin (fährt empor, mit zornfunkelnden Augen). Was hab'n S' g'sagt? (Schiebt den Tisch von sich und tritt auf Schalanter zu.)

Schalanter (zurückweichend). Na, na – i hab' mi halt vergessen – ich weiß schon, daß man das nit zu dir sagen derf.

Martin. So sag'n Sie's a nit, das därf mir niemand sag'n! Das hab' ich schon vor Jahren nit g'litten.

(Es klopft.)

 
Fünfzehnte Szene

Schalanter, Martin, Josepha, Herwig.

Herwig (altes, ärmlich gekleidetes Mütterchen, geht mit einem Stock, tritt durch die Mitte ein). Guten Abend!

Josepha (von links zurück).

Schalanter (beiseite). Ui, die Schwiegermutter! (Laut.) Guten Abend! Sie entschuldigen schon, i muß a bissel Luft schöpfen. (Geht durch die Mitte ab.)

Herwig. Lassen S' Ihnen nit abhalten – ich komm' nur wegen die Kinder. (Geht nach vorne.) Grüß eng Gott! (Droht Martin mit dem Finger.) Di hab' i bis in die Kuchel 'naus schreien g'hört, Gifthahn.

Josepha (setzt einen Stuhl in die Mitte der Bühne).

Herwig. Ich dank' dir, Pepi. (Setzt sich.) So, da habt's wieder die Alte, und jetzt laßt's mit euch reden. – Wie's noch klan wart's, da bin ich da im Haus g'wesen und hab' euch aufwachsen g'sehn. Wenn fremde Leut' alle Unarten von die Kinder lieb finden, so ist das eine Gustosachen, wenn's aber die eigenen Eltern tun, so is das a Malör. – Es war a Malör. – Man hat von euch so wenig wie von andere Kinder sagen können, daß's ös amal schön und g'scheit werden müßt's, aber ös allzwei seid's aufzog'n word'n, (deutet auf Josepha) du als die Schönste (auf Martin weisend) und der als der G'scheiteste! So is mit eng a Stolz herangewachsen, der gefährlichste, der, der selber nit weiß, auf was und warum. Ich hab' gnug dageg'n g'redt und hätt' a nit aufg'hört damit, bis's eng amal z'wider word'n wär' und ihr doch darnach tan hätt's, es is aber früher euern Eltern z'wider word'n, und es hat g'heißen: Hört's net auf die Alte! Na, da hat die Alte ihr Sacherl g'nommen und is gangen, reden hätt' s' nix sollen und ruhig zuschaun, das war ihr net gegeb'n. Sie war halt a Großmutter, die Alte. (Stampft mit dem Stock bekräftigend auf.) Dann bin ich erst wiederkommen – wie ös schon die Kinderschuh' vertreten g'habt habt's – nachschaun, was aus euch word'n is. I hab' mer gnug g'sehn. Du bist schön word'n, aber noch lang nit die Schönste, und du warst net dumm, aber noch lang nit der G'scheiteste. Dös habt's ös a ganz gut verspürt, aber keins hat sich's eing'stehn wolln. (Zu Josepha.) Mit ein ehrlichen G'werbsmann hätt'st di nit verkünden lassen – wohl aber ausrichten mit ein Hausherrnssohn. (Zu Martin.) Und du bist gleich blindwütig über jeden herg'falln, der nur mit ein Wörtel den großen Herrn beleidingt hat, der du ganz einwendig vor dir selber warst. Der nämliche Stolz, von dem ich vorhin g'redt hab', hat das eine von euch zum Leichtsinn, das andere zum Jächzorn bracht. Dich, Pepi, hab' ich damals gleich 's erstemal g'warnt: Laß di auf die Landpartien nit ein, bleib brav! Und 'm Martin hab' ich g'sagt: Die Leut' wissen ja weiter nix von dir, als daß du nebenher ein Wirtshausbruder und ein Raufhansl bist, und dadrauf brauchst dir just nit viel einzubilden, überheb dich net! Aber da hat's wieder g'heißen: Hört's nit auf die Alte! – Na und so hab'n wir sich halt in eure Kindertäg'n öfter g'redt, spätere Zeit weniger, und dasmal dürft' wohl 's letztemal sein! I bin kommen, weil ich g'hört hab', daß s' dich zum Militär nehmen und (zu Josepha) daß zwischen dir und 'in jungen Stolzenthaler alles vorbei is.

Martin. Also doch amal? – G'schiecht dir recht.

Herwig. Sei nit schadenfroh, Martin. – Ich komm', weil ich's für mein Pflicht halt, ich komm' – und wenn's auch gleich wieder heißt: Hört's nit auf die Alte! – um euch zu sagen: Kinder, es ist jetzt Gelegenheit und die höchste Zeit, daß's g'scheit werdt's! Ös habts mir schon viel Sorg' g'macht und manche schlaflose Nacht kost't, ös wißt ja nit, was der Leichtsinn und der Jähzorn aus ein Menschen machen können! (Sie erhebt sich.) Ich bitt' euch mit aufgehobenen Händen, daß i mir noch Guts von euch auf der Welt erhoffen kann, werdt's g'scheit! (Tritt zu Josepha.) Schau', Pepi, mein liebs Kind, du bist jetzt wieder freiledig. Du warst jung, so viel jung und unbehüt, – viel schlimmer noch, – ich will's nit bereden, – laß dich jetzt auf kein so zweites Stückl ein, das eine verzeiht man dir, wann's dein einzigs bleibt, nach ein zweiten möcht' man sich schon besinnen, weil man fürcht, das Verzeihen und die Leichtfertigkeit könnten fortdauern, daß kein Herrgott für a End' stünd', und du selber nit. Sei g'scheit, und wie damal sag' ich dir: bleib brav! (Wendet sich an Martin.) Und du, Martin, mein liebs Enkelkind, du kommst jetzt unter lauter fremde Leut', zum Militär, und da tragt man zwar Handschuh', aber nur zur Paradi, hab' ich mir sagen lassen, und für g'wöhnlich faßt mer kein mit zarte Händ' an. Denk', wohin dich der Zornteufel bringen könnt', wenn du dich für besser halten möchst als die andern! Du hast's nit Ursach'. Schau', wie dich dein Vater vorhin hat ein dummen Bub'n g'heißen, hast g'schrien, daß man's bis in d' Kuchel 'naus g'hört hat. Meinst wirklich, damit beweist man, daß man a Mann und g'scheit wär', wenn man herumschreit, wie a Wildling!? Drum sei g'scheit, Martin, wie damal sag' ich dir: überheb di nit. (Alle sind unterdem etwas nach rückwärts gekommen, sie trippelt nach der Tür, wo ein Weihwassergefäß hängt, sie macht Josepha das Zeichen des Kreuzes auf die Stirne.) So, Pepi! (Sie geht zu Martin.) Bei dir reich' ich nit so hoch. (Sie macht ihm das Kreuzeszeichen auf die Brust.) So. Und jetzt b'hüt' euch Gott! Seid's g'scheit, Kinder, – seid's g'scheit. (Ab durch die Mitte.)

Martin (langsam vorkommend). Du, Pepi.

Josepha. Ja.

Martin. Ich weiß nit, ob's gut war, daß die Großmutter von uns Kindern fortkommen is!

 
Sechzehnte Szene

Martin, Josepha, durch die Mitte treten Schalanter und Barbara ein, welche Weinflaschen und Schüsseln mit Speisen tragen.

Schalanter. Mir sein da! Die Predigt habt's überstanden, jetzt könnt's euch drauf stärken.

Barbara (ordnet Geschirr und Gläser auf dem Tische). Ich weiß ja, wie die Mutter is, nach der müßt' das Madl so heilig tun wie a Klosterfrau.

Schalanter (füllt die Gläser). Und der Martin wie a Kartauser und Duckmauser. Mein Gott, 's is a alts Weib, das sich in der heutigen Welt gar nimmer auskennt.

Schalanter und Barbara. Hört's nit auf die Alte!

Martin und Josepha (sehen sich an und müssen lachen).

Schalanter. Us braucht's niemand zu g'fallen, als euern Eltern. Laßt's euch nit irrmachen. (Zu Martin.) Du bist allweil wer, a wenn d' nix bist, noch allweil mehr als die andern! (Auf Josepha.) Und wenn die will, kann s' heut noch a Volkssängerin werd'n, a Stimm' braucht 's nit, nur um die Text' handelt sich's und um a Erfahrung: daß man s' zur Geltung bringt. – Ang'stoßen, daß mer a Freud' a unsern Kindern erleb'n. (Singt.) Hoch solln sie leben, hoch solln sie leben, dreimal hoch! (Das Orchester nimmt die Melodie auf.)

Alle (stimmen ein und stoßen an. Das Glas Martins bricht in Scherben).

(Der Vorhang fällt rasch.)

(Das Orchester bringt den schrillen Klang des zerspringenden Glases und knüpft daran gleich die Zwischenaktmusik.)

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