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Das verbrannte Bett

Alice Berend: Das verbrannte Bett - Kapitel 13
Quellenangabe
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typefiction
authorAlice Berend
titleDas verbrannte Bett
publisherS. Fischer Verlag A.G.
printrunNeunte bis zwölfte Auflage
year1926
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
thirdcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20090225
modified20150128
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Telegramme waren dem Herrn Kanzleioffizial Boten des Schreckens.

Er hatte darum die Möglichkeit außer acht gelassen, daß Konstanzes Antwort auf diese beschleunigte Weise zu ihm gelangen konnte.

Es ging ihm daher wie manchem seiner Art, er hielt sein Glück erstmals für einen Irrtum.

Selbst dann noch, als er diesen Papierstreifen, der umständlich ineinandergeschlungen war wie eine Damenschleife und damit jedem Willen zur Eile Hohn sprach, gewissenhaft auseinandergefaltet hatte und das einzige kurze Wort deutlichster Bejahung, in Verbindung mit Konstanzes Namen, vor sich hatte.

Genau seinem Wunsch gemäß. Klipp und klar in schmuckloser Einfachheit.

Gerade darum zweifelte Herr Blümel daran.

Nicht etwa, weil er doch auf die Umrankung eines zarten Wortes oder gar mehrerer gehofft hätte.

Sondern, weil er auch der bestgeratensten Frau diese männliche Kurzentschlossenheit nicht zutraute. Wenigstens nicht ohne zweifachen Beweis.

So telegraphierte er zurück, daß er briefliche Bestätigung drahtlicher Zusage erbitte.

Allzuviel Vorsicht ist nicht weniger gefährlich als Leichtsinn.

Konstanze war längst beunruhigt, bedrückt, verwundert ob der Geschwindigkeit ihres gestrigen Entschlusses. Sie zögerte einen ganzen Tag lang, ob sich nicht alles wieder rückgängig machen lassen könnte und ihre Sehnsucht wieder frei im Blauen schwimmen dürfe, auf den Wellen ihrer Wünsche.

Aber auf dem kleinen Schreibtisch, im Ladenwinkel, standen schon kleine Verlobungsgeschenke, gebracht von Herrn Kilian und der schlanken Nachbarin. Ein Lederband von Büttenpapier zur Eintragung wichtiger Daten und lieber Ereignisse und ein Amor, teils aus Schokolade und teils aus Marzipan.

Dafür hatte sich Herr Kilian erlaubt, den Globus wieder zu sich hinüberzuschaffen, damit Fräulein Konstanze mehr Platz gewann im engen Raum.

Mittags schon bedauerte er dies.

Er hätte Fräulein Konstanze gern die Stelle auf der Weltenkugel gezeigt, woher ihm heute eine bunte Karte zugekommen war.

Wieder ein Gruß Udo von Silkens. Meereswellen und ein beängstigend schiefes Segel waren darauf zu sehen. Dazwischen stand schwer leserlich geschrieben, daß Herr Udo zurückzukehren gedenke, um sein Geschlecht ehelich fortzupflanzen, auch wenn das Ahnenschloß seiner Urenkel nur ein Vorlegeschloß vor dunkler Kellertür sein würde.

Herr Kilian fühlte sich geehrt über das Vertrauen des Herrn Barons.

Das Schokoladenfräulein aber hielt diese Nachricht für Verspottung.

Da Herr Kilian höchsten Respekt vor dem sicheren Urteil des gescheiten Fräuleins hatte, schwieg er sofort überzeugt.

Beschämt bot er Konstanze wenigstens an, sich drüben im Laden des Globusses bedienen zu wollen, um den Punkt zu betrachten, von dem aus das schiefe Segel gekommen. –

Konstanze dankte mit Lächeln. Sie hätte nach Wien zu schreiben.

Sie legte vor den Augen der gescheiten Nachbarin ein Seidenbändchen, geformt zum Ring, in einen Briefumschlag . . .

Konstanze glaubte blitzschnell geantwortet zu haben. Aber die Sonne hatte doch viermal auf- und niedergehen müssen, bevor der Herr Kanzleioffizial diesen Brief endlich in Händen hatte.

Seine Unruhe war groß gewesen. Am dritten Tag fühlte er geradezu Übelkeit im Magen. Er führte sie auf den Umstand zurück, daß ihm die gewohnte Morgenzigarre fehlte.

Er hatte sie dem Postboten angeboten, als dieser verneinte, einen Brief für Herrn Blümel zu haben, und dieser ihn ersuchen mußte, die Postsachen noch einmal gründlich durchzusehen.

Im Büro verriet der Herr Kanzleioffizial seine Unruhe mit keinem Wort.

Er sprach nur ganz im allgemeinen von Lebensbündnissen zwischen Mann und Weib besonderer Art und den Hindernissen, die sich solchen leicht entgegentürmten. Er verfehlte auch nicht, auf berühmte Vorbilder des Menschentums hinzuweisen und war gerecht genug, zuzugeben, daß ein gefestigter Charakter berechtigt wäre, die Zahl dieser Ausnahmen zu erhöhen in eigener Person.

Man kam auf Einzelheiten zu sprechen, symbolische wie praktische, aus dem Geschicke erweckter Herzen.

Auch hier bedeutete Wissensaustausch Zulernen, Bereicherung.

Herr Blümel bezweifelte, ob er ohne diese Gespräche so einfach verstanden hatte, was der Seidenring zu bedeuten habe und von ihm verlangte.

So aber wurde schon am Abend des andern Tages ein Goldring im gleichen Format an Fräulein Konstanze abgesandt.

Mit der Mitteilung, daß das Seitenstück besagten Gegenstandes an der linken Hand des Herrn Kanzleioffizials glänze.

Als Herr Blümel am anderen Morgen die Glückwünsche der Herrn Kollegen in lächelnder Zurückhaltung abwehrte, konnte er sich nicht enthalten, auch andere von seiner neuen Lebenserfahrung Gewinn ziehen zu lassen.

Er verhehlte nicht, daß er ein Übereinkommen zum Lebensbund auf schriftlichem Weg für etwas so Einfaches, Empfehlenswertes halte, daß er sich wundere, daß man dergleichen jemals auf andere Weise vollziehen könne . . .

*

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