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Gutenberg > Christoph Martin Wieland >

Das Urtheil des Midas

Christoph Martin Wieland: Das Urtheil des Midas - Kapitel 1
Quellenangabe
typecomedy
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Achtundzwanzigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleDas Urtheil des Midas
pages20
created20131112
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Christoph Martin Wieland.

Das Urtheil des Midas.

Ein komisches Singspiel in einem Aufzuge.

 


 

Personen.

Apollo.
Thalia.
Ein junger Faun.
Pan.
König Midas.
Chor der Faunen.
Chor der Musen.
Edelknaben und Volk.

Die Scene liegt in Phrygien.

 


 

Eine Gegend am Ufer des Paktols, mit Gebüschen und Bäumen geziert. Zu beiden Seiten Anhöhen und Rasensitzen. In der Mitte erhebt sich ein Thron von Rasen und Laubwerk, über welchem ein mit Rosen durchflochtener Epheukranz aufgehängt ist. In der Ferne zeigt sich der Palast des König Midas.


Erste Scene.

Thalia tritt lachend auf.
Ha, ha, ha, ha!
O, das ist gar zu schön! Wer hilft mir lachen?

Ein Faun (aus einem Busche hervorspringend).
Um einen Kuß, Thalia, lach' ich mit
Und frage nicht, warum?

Thalia.
Um einen Kuß? Nein, schönes Faunchen, nein.
So theuer nicht: ich kann ja Solo lachen.

Der Faun.
So viel du willst. Ein Kuß ist ohne das
Zum Ernst zu wenig und zu viel zum Spaß;
Ich möchte mir damit den Mund nicht wässern machen.

        Ein Küßchen ist
        Auch gar zu bald geküßt!
        Kaum spitz' ich die Lippen,
        Es schlürfend zu naschen,
        Kaum glaub' ich's zu haschen,
            So ist es entschlüpft.
        Weg ist die Lust, sobald wir zählen müssen!
        Wie leicht wird von gezählten Küssen
            Einer überhüpft?

Thalia (mit einer Pantomime, welche die Anspielung auf die bekannte Fabel vom Fuchs und der zu hoch hangenden Traube deutlich macht).
Die Traube mag ich nicht!
Sie würde mir nur stumpfe Zähne machen.
Wie schlau, Herr Fuchs! – Allein, auch ungeküßt,
Mein guter Faun, sollst du mir helfen lachen!
Ha, ha, ha, ha!

Der Faun (lacht auf eine erzwungene und burlesque Art mit).

Thalia.
Der große Spaß,
Zu wiehern, wie du thust, und nicht zu wissen,
Warum! – Warum ich lache, Faun,
Das ist's – ha, ha, ha, ha!
Es ist zum Bersten! – Was doch Eigendünkel nicht vermag!
Sprich, lud nicht euer Pan auf diesen heut'gen Tag
Den Musengott zum Kampf' im Singen ein,
Und soll nicht Midas – Richter seyn?

Der Faun.
So? ist's nur das? Ich dachte, was es wäre!

Thalia.
Ich denke, Freund, es ist sehr viel
Und viel zu viel für eures Ordens Ehre.
Wir setzen nichts dabei aufs Spiel,
Und so ein Sieg kann wenig uns vergnügen.
Blos euer Wahn, im Kampf mit uns zu siegen,
Der ist belachenswerth.

Der Faun.
Nur nicht zu früh gelacht, mein schönes Kind!
Der lacht am besten, der am letzten lacht!
Das Kichern soll dir bald genug vergehen.

Thalia.
Ihr habt euch freilich vorgesehen;
Die Wahl des Richters zeigt's!

Der Faun.
Wie so? wie so? Was wäre gegen
Den König Midas einzuwenden?
Besinne sich das Fräulein, was sie spricht!
Die Könige sind Herrn von langen Händen –

Thalia.
Wir Andre fürchten uns vor ihrer Länge nicht.

        Ein Diadem ist keine Zauberbinde,
        Um welchen Kopf es auch sich winde.
            Es ziert die Stirne zwar
        Und hält das Haar zusammen:
            Allein der Kopf,
        Und sollt' er auch vom großen Belus stammen.
            Der Kopf, der Kopf,
            Ist er ein Tropf,
        So bleibt er, was er war.

Der Faun.
Bei meinem Schlauche! Nennt ihr das
Nicht gar – verzeih mir's Pan! – philosophiren?
Mein Kind, du kennst den König Midas nicht.
Sein Kopf hat nichts beim Wetten zu verlieren.

        Herr Midas, durch der Sterne Gunst,
        Ist Meister jeder freien Kunst
            Und Kenner aller schönen Sachen.

Thalia (ironisch).
            Das ist bekannt!
        Wer gibt uns öfter was zu lachen?

Der Faun.
            Er ist kein bloser Dilettant.
        Er kann dir Alles besser machen.

Thalia.
        Ja wohl! den Klugen was zu lachen!

Der Faun
            Er hat Verstand!

Thalia.
            Das ist bekannt!

Der Faun.
        Macht er nicht Verse?

Thalia.
                                              Schlecht genug.

Der Faun.
        Und spricht von Allem?

Thalia.
                                                Superklug!

Der Faun.
        Tanzt wie ein Faun, singt –

Thalia.
                                                      Wie ein Rabe?

Der Faun.
        Und spielt die Flöte schier wie Pan?
            Er ist ein Herr von seltner Gabe?

Thalia.
            Man sieht's ihm an!

Der Faun.
        Bei meinem Thyrsusstabe!
        Ein Herr von großer Gabe.

Thalia.
        Ja wohl! Ein feiner Knabe!
            Man sieht's ihm an!

Der Faun.
Bald sollst du es auch hören – Ha!
Sie kommen schon – Von allen Seiten strömt
Das Volk herbei; der Schauplatz füllet sich
Mit Zeugen unsres Siegs – Thalia, horch' empor!
Des Krummhorns Ton! der Klapperbleche Klirren!
Sie kommen! Siehe da, der Faunen muntres Chor,
Und Pan in ihrer Mitte!

(Der Schauplatz füllt sich mit einer Menge Volkes von beiderlei Geschlecht und jedem Alter.)


Zweite Scene.

Pan, vom Chor der Faunen umgeben. Die Vorigen.

Chor der Faunen.
                Platz gemacht, ihr Leute!
                    Platz dem Sieger Pan!
                Unser Tag ist heute!
                Wie zur sichern Beute
                Ziehen wir zum Streite
                    Im Triumph' heran!
                Platz gemacht, ihr Leute!
                    Platz dem Sieger Pan!

Thalia.
Das nenn' ich das Gewissre spielen!

Pan. (zu Thalien).
Ah, sa! Mein schönes Kind, was machst du hier?
Du kommst doch nicht, den Kampf uns abzusagen?

Thalia.
Wie schön ist dieses Selbstvertraun!
Wie glücklich ist ein Faun,
Der immer sich gefällt, den keine Zweifel plagen,
Der urtheilt, wie man Kegel schiebt,
Und Unsinn spricht, so viel als ihm beliebt!
Was darf ein Mann mit langem Ohr nicht wagen!

                    Ein Faun
                    Ist, traun!
            Im glücklichsten Zeichen geboren!
                In seine Faunheit eingehüllt,
                Trägt er sein Hörnchen übergüld't,
                    Reckt hoch empor
                    Sein langes Ohr
            Und spottet der kleineren Ohren.

Pan.
Ich glaube gar, die Dirne will uns necken?
Gut! gut! das Omen nehm' ich an.
Ja, recken wollen wir die Ohren, recken,
Bis in die Wolken sie, wenn's möglich ist, verlängen,
Und hängen, hängen, bis zur Erde hängen
Sollt ihr die eurigen!

(Man hört Trompeten und Pauken von fern.)

Chor der Faunen.
                Platz gemacht, ihr Leute!
                Macht euch auf die Seite!
                    König Midas naht!
                Herr Midas, unser Gönner,
                Der größte aller Kenner,
                    Der je auf Leder trat.
                Platz gemacht, ihr Leute.
                    König Midas naht!


Dritte Scene.

König Midas in einem langen Talar, dessen Schleppe ihm zwei Edelknaben nachtragen, kommt sehr eilfertig herbei gewackelt. Die Vorigen.

Thalia (bei Seite).
Der Spaß wird ernst. Apollo darf nicht länger säumen.
        (Sie schleicht sich weg.)

König Midas (zu Pan).
Verzeihung, guter Pan! Wir ließen uns ein wenig
Zu lang' erwarten.

Pan.
                                Ist bei hohen Standspersonen
Nichts Ungewöhnliches.

König Midas.
                                          Nicht wahr, Ihr dachtet nicht,
Daß Midas, wie Ihr ihn hier seht,
Dem Tage selbst zuvor kam, bei der ersten Rose,
Die ihm Aurora an die Nase warf,
Sich aus den Federn machte!
        (Die Faunen lachen laut auf.)
                                                »O, das stellt
Kein Menschenkind sich vor, was unser einer
Den ganzen langen Tag bis in die späte Nacht
Zu thun hat! Wie man immer zehnerlei
Auf ein Mal thun und immer da und dort
Und allenthalben seyn soll, oft nicht weiß, wo einem
Der Kopf steht und am Ende, seht Ihr, doch
Nie fertig wird, doch immer
Das Nöthigste versäumt und überall zu spät kommt.
Bei meiner Treu'! es ist ein saures Leben!
Die Welt beneidet uns?
Sie hätt' uns wahrlich viel heraus zu geben!« –
Doch, was ich sagen wollte,
Wo bleibt Apollo? – Ha! probirt vermuthlich
Sein Stückchen noch! –Hat's Ursach! – Was Geschmack betrifft,
Da bin ich, unter uns gesagt,
Ein wenig eigen!
Er kann es trefflich machen, und noch kommt's drauf an,
Ob's mir gefällt. Ich war von Kindesbeinen an
Liebhaber – Kenner will ich just nicht sagen;
Doch Ohren bring' ich mit, verlaßt Euch drauf!

Pan.
Oh, wenn man solche Ohren
Zu Richtern hat, dann ist's nur Spaß ums Singen.

König Midas.
Ich sage nichts – Genug, ich weiß wohl, was ich weiß;
Freund Pan, wir kennen uns – Apollo mag nur kommen!

Der Faun.
Da kommt er wirklich schon.

König Midas.
Lupus in Fabula!Der Wolf im Gespräch; sprüchwörtliche Redensart von Einem, der eben erscheint, da von ihm gesprochen wird. Das Sprüchwort beruht, wie Servius sagt (Virg. Ecl. 9, 54), auf dem Glauben der Alten, daß der Anblick eines Wolfes die Stimme hemme, und deutet also auf ein durch die Dazwischenkunft dessen, von dem geredet wurde, unterbrochenes Gespräch. G. Ha, ha, ha, ha!

(Alle Faunen lachen mit.)


Vierte Scene.

Apollo. Thalia. Chor der Musen. Die Vorigen.

Apollo.
Herausgefordert komm' ich, nicht aus Wahl;
Pan will den Kampf, Pan wählte sich den Richter.
Mir gilt ein jeder gleich, vorausgesetzt,
Er hat ein Herz und nicht zu dicke Ohren.

König Midas.
Nicht präludirt! Zur Sache! Frisch gewagt,
Ist halb gethan!
Ich setze mich – (Er besteigt den Thron.)
        (Zu Apollo und Pan.)
                            Ihr tretet in die Mitte –
Ihr Andre lagert euch zu beiden Seiten.
        (Musen und Faunen nehmen auf den Rasenbänken Platz.)
Und nun laßt hören, wem der Kranz gebührt!

Apollo (zu Pan).
Du singst zuerst!

Pan.
                              Gut, weil du, wie es scheint,
Den Vortheil haben willst, nach mir zu singen,

Thalia (zu einer ihrer Schwestern).
Da wird es was zu lachen geben.

Pan (mit viel Gesticulationen).
        O Nymphe mit dem Lilienbusen,
            Wie lange willst du grausam seyn?
        Sieh, wie dein Pan die ganze Nacht
        An deinem Ufer sitzt und wacht,
            Vom Mond bescheint,
            Und seufzt und weint
        Und klagt dir seine Pein!
        Wie kann dein Herz so fühllos seyn
            In einem solchen Busen?
                So zart,
                So fein
        Und doch so hart,
        Als wär's in Stein
            Verwandelt von Medusen.

König Midas.
O, bravo, bravo, Pan! das nenn' ich singen!
Das heißt Musik! – Ancora, guter Pan!
Das mußt du uns noch einmal bringen!

Pan (mit Variationen).
        O Nymphe mit dem Lilienbusen,
            Wie kannst du unerbittlich seyn?
        Ich spiel' auf meinem Haberrohr
            So manch herzbrechend Lied dir vor,
                Und du, und du,
                Du lachst dazu
            Und höhnest meine Pein!
        Wie kann dein Herz so fühllos seyn,
                Als wär's in Stein
            Verwandelt von Medusen?
                So warm, so zart
                Und doch so hart,
            In einem solchen Busen!

König Midas (indem er ganz außer sich vom Thron herabsteigt).
Genug! genug! es ist nicht auszuhalten!
        (Er zieht sein Schnupftuch hervor und wischt sich die Augen.)

Thalia.
Ja wohl! die Nymphe muß von Alabaster seyn,
Die so was hören kann und nicht zerschmilzt.

König Midas (den Gesang Pans nachahmend).
»O Nymphe mit dem Lilienbusen,« –
Das nenn' ich reine Melodie!
Das heißt Musik! – »Und du, und du,
Du lachst dazu!« – Da ist Natur und Ausdruck!
        (Die Musen können das Lachen nicht länger zurück halten.)
Was gibt's zu kichern? he? – Die Närrinnen!
Zu lachen, wo sie weinen sollten! Ha, ha, ha, ha!
Das hat kein Eingeweide, keine Seele!
Das schmeckt und fühlt nicht! – Basta! desto schlimmer
Für euch! – »Und du, und du,« –
        (Zu Pan)
                                                        Ist nicht
Die SyrinxLüstern verfolgte Pan einst die Najade Syrinx bis an den Fluß Ladon, wo sie, für ihre Keuschheit verzweifelt, von den Schwestern in Rohr verwandelt wurde. Der Liebhaber schnitt sich zum Andenken einige Halme davon, blies hinein und kam dadurch auf die Erfindung der mehrröhrigen Hirtenpfeife oder Syrinx. Ovid. Met. 1, 707. G. hier gemeint?

Pan.
Ja wohl! Die spröde Nixe hat
Mir, leider! manches schöne Lied
Gekostet! – Wißt Ihr, was ihr Unglück war?
Sie liebte die Musik nicht. Ihrethalben
Hätt' ich mich heiser singen können, – sie,
Sie hätte sich nicht so viel drum bekümmert.

König Midas.
Ist's möglich? Was es doch für Leute gibt!
Kein musikalisch Ohr! kein Herz im Leibe!
Was sahst du denn am Gänschen? – Doch davon
Ein Andermal! Jetzt muß ich, Amtes halben,
        (Die Achseln zuckend)
Auch deinem Gegentheil' ein Ohr verleihen.
Wohlan, Apoll! Die Reih' ist nun an dir;
Der Sieg ist schwer – ich sage weiter nichts –
Doch, wenn du etwa eines Andern dich
Besonnen hättest – wie du meinst, Apoll!

Apollo (lächelnd).
Der Sieg ist, wie ich seh', entschieden; der Triumph
Fehlt noch allein; und, diese Freude nicht
Dem Sieger zu verkümmern, will ich singen.
Der Richter spreche dann – wie er's versteht.

König Midas.
Schon gut, schon gut!
So wie du geigen wirst, so werd' ich tanzen.

(Die Musen begleiten den Gesang Apollo's mit Flöten und Saiten-Instrumenten.)

Apollo.
Vom schlummerlosen Lager hob
Ismene sich, die lieblichste
Der Schäferinnen
An Ladons Ufer. Lange schlich ihr schon
Amynt, der schönste Hirt, vergebens nach;
Gefühllos blieb bei seinem stillen Leiden
Die Schäferin.
Doch endlich überwältigt sie
Der Gott der Liebe, und am frühsten Morgen
(Noch schien der Mond, noch schlief der ganze Hain)
Ging sie mit leisem Tritt, verschämt und schüchtern,
Dem Haine zu, wo unter dunkeln Myrten
Cytherens Marmorbild im blassen Lichte
Selenens glänzt.
Sie nähert sich, pflückt halb entfaltete,
Vom Morgenthau geschwellte Rosen, kränzt
Der Göttin Haare, bücket dann
Mit Wangen, die in schnellem Wechsel bald
Der Purpurrose, bald der Lilie gleichen,
Auf ihren Busen sich
Und betet so zu Cyperns Königin:

        Holde Königin der Liebe,
        Nein, nicht länger soll Ismene,
            Deiner Allmacht widerstreben!
            Göttin, kannst du ihr vergeben?
            Laß sie, laß sie dich versühnen,
        Diese erste stille Thräne,
                Hingeweint auf deine Brust!
        O, zu welchem neuen Leben,
        Göttin, läßt du mich erwachen!
        Konnt' ich je dir widerstreben?
        O, zu welchem neuen Leben,
            Göttin, läßt du mich erwachen!
        Alles scheint mir zuzulachen,
                Alles athmet Götterlust.

Thalia (zu einer der Musen).
Siehst du, Terpsichore, wie vor Vergnügen
Sogar der Faunen lang gespitztes Ohr
Wollüstig wackelt?

König Midas.
                                  Hübsch! Nicht übel, in der That!
Ganz hübsch in seiner Art, ich muß bekennen!
Doch, freilich! – nimm es mir nicht übel,
Apollo! – zwischen ihm und dir –
Ich denke, wir verstehn uns? – Kurz und gut,
Pan ist mein Mann, und ihm gebührt der Kranz.

(Er steigt vom Thron herab und setzt dem Pan den Kranz auf.)

Chor der Faunen.
        Wohl gesprochen! wohl gesprochen!
        Das heißt in den Ring gestochen!
            Unser Richter Midas lebe!
            Midas, der so weislich spricht,
        König Midas leb'! Er lebe,
            Und sein Same sterbe nicht!

Apollo.
Dem weisen Spruch zufolg' ist Pan gekrönt;
Mir lohnt der Musen und mein eigner Beifall;
Und unbelohnet sollte nur
Der Richter, der so weislich sprach,
Von hinnen gehen? Nein! das soll er nicht!
Sein angebornes Ohr, das so gelehrt entschied,
Ist fürderhin für ihn zu klein.
Wir wollen ihn, zum Angedenken
An diesen Tag, mit einem Ohrenpaar,
Das seiner würdig ist, beschenken.

(Apollo berührt des Königs Haupt, und plötzlich dehnen sich seine Ohren zu Eselsohren von der ersten Größe aus. Musen und Faunen lachen überlaut.)

König Midas.
Was ist's? Was ist's? Was lacht man hier?

Thalia.
Glück zu dem schönen neuen Ohrenpaar',
Herr König Midas! – Sagtest du's nicht, Faun,
Der lacht am besten, der am letzten lacht?

König Midas (sich an die Ohren greifend).
Beim Element! was soll die Schäkerei?
Nehmt mir die Ohren ab!

Apollo.
                                          Sie sind nun dein,
Und weder Sterblicher noch Gott vermöchte sie
Dir wieder abzunehmen.

König Midas.
            Ei, ei, ei, ei!
        Was soll die Schäkerei?
            Nehmt mir die Ohren ab!

Apollo.
            Herr Aldermann, verzeih'!

König Midas.
        Ei was! bei meinem Königsstab,
            Wozu die Schäkerei?
                Nehmt mir die Ohren ab!

Apollo.
        Herr Aldermann, verzeih!
            Sie wieder abzunehmen,
                Das geht nicht an.

König Midas (zu Pan).
            Und du, Gevatter Pan,
        Du läßt mich so beschämen?

Pan.
        Ei, hat sich was zu schämen!
            Sie stehen deiner Majestät
                Nicht übel an.

König Midas.
        Ein Wort für zehn, mir steht
            Die Schäkerei nicht an.

Thalia, der Faun.
        Herr Aldermann, verzeih!
            Die Ohren stehn dir an.

Chor der Musen (mit einer Verneigung).
        Wir bitten nur, damit
            Vorlieb zu nehmen.

König Midas.
        Verdammter Streich!
        Ich möchte gleich
            Vor Aerger bersten!

Pan, Thalia, der Faun.
        Der lust'ge Streich!
        Man möchte gleich
            Vor Lachen bersten!

Pan.
Gib dich zufrieden, Freund, und, statt zu murren,
Sey stolz auf deiner Ohren Majestät!
Du bist dadurch wie unser Einer worden,
Und mit Vergnügen nehmen wir dich auf
In unsern lang geöhrten Orden.

Chor der Faunen.
        Wohl gesprochen! Wohl gesprochen!
        König Midas, hochgeboren,
        Midas, unser Bruder, lebe,
        Und mit seinen Ohren wachse
            Auch sein Nachruhm himmelan!

Thalia.
        Weiser Midas, groß von Ohren,
        Nimm zu dieser neuen Würde
            Unsern warmen Glückwunsch an!

Beide Chöre.
        { Lebe, Bruder Midas, lebe!
        { Lebe, weiser Midas, lebe!
        Trage leicht die neue Bürde,
        Und mit deinen Ohren wachse
            Auch dein Name himmelan!

(Die Musen und Faunen schließen tanzend einen Kreis um König Midas.
Der Vorhang fällt.)

 


 








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