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Das stählerne Geheimnis

Hans Dominik: Das stählerne Geheimnis - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleDas stählerne Geheimnis
publisherVerlag Scherl
printrun81. bis 90. Tausend
yearo.J.
firstpub1934
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151105
projectid5a00a962
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Noch am Abend des gleichen Tages, an dem er in Washington ankam, suchte Roddington MacLane in dessen Wohnung auf. Mit heiterer Miene empfing ihn der Kapitänleutnant, aber immer ernster wurde sein Gesicht, je länger die Unterredung zwischen den beiden Freunden andauerte. Nach einer Stunde erst war Roddington mit dem, was er zu sagen hatte, zu Ende. Mit einem langen Blick schaute ihn MacLane an, und geraume Zeit verstrich, bevor er zu sprechen begann.

»Wenn dir dein Plan gelingt, James, wird man deinen Namen in die Ehrentafeln unseres Landes einmeißeln. In einem Atem wird man dich mit den großen Führern unseres Volkes nennen. Aber wenn er dir nicht gelingt?«

»Dann, Freddy, werde ich ein armer Mann sein. Das Vermögen, das ich durch den Verkauf meines Konzerns an die Grand Corporation bekam, geht nach den Kostenanschlägen für meine Arbeiten so ziemlich drauf.«

Nachdenklich wiegte MacLane den Kopf.

»Bist du dir klar darüber, daß die Aussichten auf Gelingen oder Mißlingen ungefähr wie fünf zu hundert stehen?«

»Nein, Freddy! Fünfzig zu fünfzig habe ich sie zusammen mit Doktor Wegener errechnet. Sonst hätte ich das Unternehmen nicht gewagt. Du siehst die Dinge zu schwarz.«

»Und du, James, fürchte ich, viel zu rosig. Es wäre ein Geschenk des Schicksals, über alles Erwarten groß, wenn dir dein Vorhaben bis zum letzten Ende glückte. Vergiß es nicht, daß es hier um das Letzte geht ... Alles könnte dir gelingen, und wenn die geologische Theorie, die dein deutscher Berater aufgestellt hat, nicht zutrifft, wäre schließlich doch alles umsonst.«

»Ich weiß es, Freddy! Die Gefahr muß ich laufen. Jetzt handelt es sich um das Nächste. Du weißt, welche Unterstützung ich von euch erbitte. Ist Aussicht vorhanden, daß man sie mir gewährt?«

Nach kurzem Überlegen erwiderte MacLane: »Jetzt will ich einmal Optimist sein und sage dir: Ja! Es wird nicht leicht sein, aber es wird und muß uns gelingen. Morgen werde ich mit Kapitän Bancroft zu dem Admiral unseres Departements gehen. Ist der gewonnen, dann werden wir den Staatssekretär des Marineamtes in die Arbeit nehmen. Es trifft sich gut, daß Mr. Harding die Schwächen unserer Stellung auf den Philippinen genau kennt und schon seit langem auf eine Abhilfe sinnt. Ich hoffe deshalb, daß es gelingen wird, ihn auf unsere Seite zu bringen. Ist das aber geschehen, dann haben wir gewonnenes Spiel. Das Gesamtkabinett würde Mr. Harding, wie ich ihn kenne, nicht mehr bemühen, sondern alle Verantwortung auf seinen eigenen Kopf nehmen.«

Roddington atmete erleichtert auf und drückte dem andern die Rechte.

»Ich danke dir von ganzem Herzen, Freddy. Deine Worte geben mir neue Spannkraft. Welche Zeit wird das alles nach deiner Meinung beanspruchen?«

MacLane zuckte die Achseln.

»Schwer zu sagen, lieber Freund. Vielleicht drei Tage ... vielleicht drei Wochen. Leicht wird die Aufgabe durchaus nicht sein, alle diese hohen und höchsten Instanzen, die ich dir eben nannte, zu gewinnen. Wir wollen es mit Mut und Gottvertrauen versuchen. Hoffentlich bleibt uns der Erfolg nicht versagt.« –

»James Roddington ist in Washington ... James Roddington hat lange Konferenzen mit Kapitän Bancroft und Admiral Jefferson ... James Roddington wurde heute von Staatssekretär Harding empfangen ...«

Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich diese Nachrichten, obgleich alle Beteiligten sorgfältig bestrebt waren, die Vorgänge geheimzuhalten. Mit knapper Not wurde vermieden, daß etwas darüber in die Presse kam. Aber in der japanischen Botschaft und auch in den Ministerien mehrerer anderer Staaten war man über jeden Besuch unterrichtet, den Roddington in den Ämtern der Bundeshauptstadt machte, und mit wachsendem Verdruß empfing Präsident Price die täglichen Berichte Bartons, die ihn über jede neue Verbindung, die Roddington aufnahm, informierten.

Zwar gelang es nicht, irgend etwas über die Geschäfte zu erfahren, die Roddington betrieb, aber die Tatsache allein, daß er Verhandlungen mit dem Marineamt führte, genügte, um die Neugierde gewisser interessierter Kreise aufs höchste zu spannen. –

»Was haben Sie Neues in Erfahrung gebracht?« fragte Kyushu, als er in Oburus Zimmer kam. Oburu schob ihm eine Meldung hin.

»Roddington hat in den Häfen der Westküste zwölf große Frachter für unbestimmte Zeit gechartert.«

Kyushu überflog die ihm gereichte Liste. Schiffsnamen und Tonnagen fielen dabei von seinen Lippen. »... zwölftausend Tonnen ... zehntausend Tonnen ... fünfzehntausend Tonnen ... eine stattliche Flotte, die sich Mister Roddington nach der Aufstellung hier zugelegt hat«, wandte er sich an Oburu. »Ist ihr Ziel bekannt?«

»Alle Schiffe haben Order nach Davao, Herr Kyushu.«

Der Major gab ihm den Bericht zurück, während er weitersprach.

»Ich habe es mir gedacht, Oburu. Brachten Ihnen Ihre Agenten aus Panama noch weitere Nachrichten?«

Vicomte Oburu nickte und suchte ein anderes Schriftstück aus einem Stapel von Papieren heraus.

»In der vorletzten Nacht haben vier Flugzeugmutterschiffe der amerikanischen Atlantikflotte den Kanal passiert«, las er daraus vor. »Ihnen folgte eine Flottille von zwölf Zerstörern. Voraussichtliches Ziel für alle Schiffe sind die Philippinen.«

Kyushu wartete, ob noch mehr käme, doch der Bericht war zu Ende ...

»Die Meldung sagt nichts darüber, ob die Mutterschiffe ihre Flugzeuge an Bord hatten?« fragte er. Vicomte Oburu schüttelte den Kopf.

»Nein, Herr Kyushu, darüber ist nichts vermerkt.«

Nachdenklich sah Kyushu vor sich hin. Wie mit sich selbst sprechend, fuhr er dann fort:

»Vier Mutterschiffe aus dem Atlantik ... vier andere von der Westküste sind auf dem Wege nach den Philippinen ... jedes Schiff hat fünfundzwanzigtausend Tonnen ... zusammen eine Tragkraft von zweihunderttausend Tonnen ... die Schiffe werden zusammen eine imposante Plattform für die Arbeiten Roddingtons bilden ...«

»Sie meinen, Kyushu, daß die neuerlichen Bewegungen der amerikanischen Kriegsmarine mit Roddington in Verbindung zu bringen sind?« fragte Oburu.

»Ihr letzter Bericht, den Sie mir eben vorlasen, hat mich davon überzeugt, mein lieber Vicomte. Bis dahin hätte ich es immer noch nicht für möglich gehalten. Mister Harding riskiert viel, indem er Roddington Kriegsschiffe der amerikanischen Union für seine Zwecke zur Verfügung stellt. Glückt der Plan, so wird er der große Mann sein, mißlingt er, dann dürfte es ihn wohl sein Amt kosten.«

Oburu machte eine ungeduldige Bewegung.

»Sie entnehmen aus den Berichten meiner Agenten mehr als ich selbst, Kyushu. Wollen Sie es nicht endlich aufgeben, mich Rätsel raten zu lassen?«

»Sie werden sehr bald selber sehen, Vicomte Oburu, was gespielt wird. Ihre letzten Mitteilungen haben mich in meinem Entschluß bekräftigt. In Washington ist vorläufig nichts Wichtiges für uns beide zu tun. Während der nächsten Zeit muß unser Platz dort sein, wo Roddington arbeitet.«

»Sie meinen in Davao?« fragte Oburu.

»In der Nähe von Davao, mein lieber Vicomte.« Kyushu blickte auf seine Uhr. »In drei Stunden geht das Flugschiff nach Frisco. Wir wollen es benutzen. Haben Sie die Güte, sich danach einzurichten.« –

Um zwei Uhr nachmittags verließen die beiden Attachés der japanischen Botschaft Washington mit dem flugplanmäßigen Schiff. In Frisco erwartete sie bereits ein japanisches Flugzeug, mit dem sie die Reise über den Pazifik in westlicher Richtung gleich nach ihrer Ankunft fortsetzten. Ihr Ziel war die Insel Jap.

* * *

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