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Das stählerne Geheimnis

Hans Dominik: Das stählerne Geheimnis - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleDas stählerne Geheimnis
publisherVerlag Scherl
printrun81. bis 90. Tausend
yearo.J.
firstpub1934
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151105
projectid5a00a962
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Kurz nach Tagesanbruch stieg in Tainan auf Formosa ein Geschwader von zehn japanischen Flugzeugen auf. Ernst und entschlossen war die Stimmung der Besatzungen, denn sie wußten alle, daß es einen Flug auf Leben und Tod galt, von dem wohl manche Maschine nicht zurückkehren würde. In einem kühnen überraschenden Überfall sollten sie das verhaßte Werk Roddingtons zerstören, bevor es sich zur Stärkung amerikanischer Macht auszuwirken vermochte.

Die Führung des Geschwaders hatte Major Kyushu. Nach so vielen vergeblichen Versuchen, den Bau des gefährlichen Schachtes zu verhindern, setzte er seine Ehre und sein Leben jetzt für diesen letzten Schlag ein. Mißlang auch der, dann hatte das Leben für Kyushu keinen Wert mehr. Zusammen mit ihm befand sich Oburu im Führerstand des Spitzenflugzeuges, der darauf bestanden hatte, das gefährliche Unternehmen mitzumachen.

»Es muß uns gelingen Oburu«, sagte Kyushu, während das Geschwader auf Kurs Südsüdwest in fünftausend Meter Höhe dahinstürmte. »In den ersten Nachmittagsstunden können wir an Ort und Stelle sein. Dann im Sturzflug hinunter. So tief wie möglich hinunter, mögen die amerikanischen Zerstörer auch feuern, was ihre Rohre hergeben. Ganz dicht an den Schacht müssen die Wasserbomben fallen.«

»... und Roddingtons Schacht zerschmettern, Kyushu. Unseren neuen Bomben widersteht sein Stahlrohr nicht, wenn sie in einer Wassertiefe von zweitausend Meter detonieren.«

Kyushu nickte. »Dafür haben wir Gewißheit, Oburu. Es war gut, daß Itomo in Trenton die Rohre kaufte. So konnten unsere Techniker die Wirkung genau studieren.« Die verschlossenen Mienen Kyushus hellten sich auf, während er weitersprach. »Ich habe die Rohre gesehen, als sie nach den Bombenabwürfen wieder aus zweitausend Meter Tiefe emporgehißt wurden. Alle zehn waren zerfetzt und zerrissen wie dünnes Blech. Erreicht auch nur eine einzige unserer Bomben ihr Ziel, dann ist der Schacht erledigt.«

»Erledigt, Kyushu. In zweitausend Meter Seetiefe können die Yankees das zerrissene Rohr nicht flicken. Sie müßten einen neuen Schacht bauen.«

»Wir werden ihnen keine Zeit dazu lassen, Oburu. Die Stunde des Handelns ist gekommen. Heute ebenso wie damals, als unsere Torpedoboote die russischen Panzer im Hafen von Port Arthur versenkten. Schnell und vernichtend muß der Schlag jetzt geführt werden, komme danach, was kommen muß.«

Für eine längere Zeit ruhte das Gespräch zwischen den beiden. Durch die Funkstation ließ Kyushu in verschlüsseltem Text genaue Weisungen für die bevorstehende Aktion an die Piloten des Geschwaders geben. Nach Erreichung des zehnten Grades nördlicher Breite sollte das Geschwader sich in Kiellinie formieren und auf achttausend Meter steigen. So bestand die Möglichkeit, das Ziel ungehört und ungesehen anzufliegen. Auf ein gegebenes Signal dann dem im Sturzflug niedergehenden Führerschiff dicht aufgeschlossen folgen und gleich nach ihm die Bomben abwerfen.

Kyushu ließ sich den Empfang seiner Weisungen von den einzelnen Flugzeugen bestätigen, bevor er sich wieder seinem Gefährten zuwandte.

»Mögen die Götter geben, Oburu, daß die Amerikaner heute ebenso sorglos sind wie die Russen damals vor Port Arthur. Wenn uns das Feuer ihrer Zerstörer nicht während der wenigen Minuten des Sturzfluges packt, muß unser Unternehmen gelingen.« –

Was sich während der nächsten Minuten ereignete, sollte außer mancherlei anderen Folgen auch die von Mr. Collins gänzlich unerwartete nach sich ziehen, daß ihm der größte Teil seiner Gefängnisstrafe erlassen wurde. Während die einzelnen Piloten des japanischen Geschwaders noch dabei waren, den Funkspruch Kyushus zu bestätigen, lag dessen Text schon auf dem Schreibtisch von Kapitän Bancroft, und eifrig war er dabei, ihn zu entschlüsseln. Ein Großalarm des Marineamtes in Washington war die nächste Folge, und dann flog der Funkspruch Kyushus, diesmal nach einem amerikanischen Schlüssel chiffriert, über den Pazifik zurück zu den Antennen der Zerstörerflotte.

Da war auch hier Alarm. Signale schrillten, die Mannschaften traten auf Deck an, die Munitionsaufzüge begannen zu arbeiten. Wie Teleskope spielten die langen Rohre der Flak-Geschütze nach allen Seiten, zu hohen Stapeln häuften sich neben ihnen die Granaten. Und nicht nur die Abwehrkanonen, auch Dutzende scharfer Fernrohre suchten das Himmelsgewölbe ab, um den Gegner frühzeitig zu entdecken. Onkel Sam schlief nicht wie damals der Russe bei Port Arthur, sondern bereitete alles vor, um das japanische Luftgeschwader heiß zu empfangen. –

MacLane fuhr zur »Blue Star« hinüber, um Roddington von dem, was bevorstand, Kenntnis zu geben. Er traf ihn in der Gesellschaft von Dr. Wegener auf dem Achterdeck, von wo aus die beiden mit wachsendem Erstaunen die Gefechtsvorbereitungen auf der Zerstörerflotte beobachteten.

»Was gibt's denn bei euch, Freddy«, begrüßte ihn Roddington, »ihr benutzt wohl die Gelegenheit, hier ein kleines Flottenmanöver abzuhalten ...«

Er stutzte, als er die ernste Miene MacLanes bemerkte, und vernahm mit Bestürzung, was ihm der zu berichten hatte.

»Ja, so stehen die Dinge, mein lieber James«, schloß MacLane seine Mitteilungen. »In einer knappen Stunde dürfte das japanische Geschwader hier erscheinen. Die Schüsse unserer Abwehrkanonen werden vielleicht das Signal zu einem neuen Weltkrieg geben. Es wird hart auf hart gehen, aber ich vertraue auf die Tüchtigkeit unserer Artilleristen. Sie werden diesen Feind hoffentlich vernichten, bevor er Schaden anrichten kann. Trotzdem möchte ich dir empfehlen, die ›Blue Star‹; zu verholen. Wenn es doch zu einem Bombenabwurf kommen sollte, werden sie sicher hier in der Nähe des Schachtes fallen.«

MacLane mußte an Bord von »A 17« zurückkehren. Schweigend drückte Roddington ihm die Rechte.

»Kopf hoch, James!« rief MacLane noch zum Abschied und stieg an dem Fallreep hinab.

Roddington kehrte zu Dr. Wegener zurück. Der hatte den Bericht MacLanes mitangehört, ohne ein Wort zu sagen. Den Kopf in die Hände gestützt, saß er jetzt am Tisch und grübelte vor sich hin. Als Roddington zum Telephon griff, fuhr er aus seinem Nachdenken auf.

»Was wollen Sie tun, Roddington?«

»Den Rat MacLanes befolgen, mit der ›Blue Star‹; ein Stück vom Schacht fortgehen.«

»Wenn Sie durchaus wollen, meinetwegen, aber lassen Sie vorher die Barkasse klarmachen.«

»Warum? Was haben Sie vor, Doktor Wegener?«

»Das Gegenteil von dem, was Sie wollen, Mr. Roddington. Ich beabsichtige, mir die Ereignisse der nächsten Stunden eben gerade von unserm Schacht aus anzusehen.«

»Sind Sie des Teufels, Doktor?« Roddington warf ihm einen erstaunten Blick zu. »Gehen Sie mit Selbstmordgedanken um, daß Sie sich ausgerechnet auf die Schießscheibe setzen wollen?«

Mit einer jähen Kopfbewegung warf Dr. Wegener das Haar aus seiner Stirn.

»Falsche Diagnose, Roddington. Ich gedenke, dieses schöne Leben noch recht lange mitzumachen. Fahren Sie mit mir zum Schacht. Sie werden es nicht bereuen, ich verspreche Ihnen das interessanteste Schauspiel Ihres Lebens.«

Während der Doktor sprach, hatte er sein Taschenfeuerzeug hervorgeholt. Spielerisch ließ er es ein paarmal auf und zu schnappen und schien seine helle Freude an den kräftigen Funken zu haben.

Nun schob er es in seine Tasche zurück und fragte:

»Wie ist es, Mr. Roddington? Wollen Sie mitkommen? Ich versichere Ihnen, es wird sich für Sie lohnen.«

Ein kurzes Zögern und Überlegen, dann hatte Roddington seinen Entschluß gefaßt.

»Gut, Doktor, ich will Sie begleiten, wenn ich auch keine Ahnung habe, was das Ganze bezwecken soll.«

Während er mit dem Doktor zusammen in die Barkasse stieg, setzte sich die »Blue Star« auf seinen Befehl in Bewegung und dampfte ein paar Kilometer von dem Schacht fort. Der Doktor warf ihr einen Blick nach, öffnete die Lippen, als ob er etwas sagen wolle, und zog es dann doch vor, nicht auszusprechen, was er dachte. – – –

Es waren fast die gleichen Gedanken, die Major Kyushu in dieser Minute entwickelte. Auf eine Frage Oburus, warum das Geschwader auch noch Thermitbomben mitgenommen habe, erwiderte er:

»Wenn unsere Wasserbomben den Schacht in der Tiefe aufgerissen haben, werden ihm sofort Riesenmengen von Treibstoff entströmen. Es können viele tausend Kubikmeter sein. Der Treibstoff, den unsere Gelehrten aus den Gesteinsproben entwickelten, war viel leichter als Seewasser, und hier wird es natürlich ebenso sein. Er wird also schnell zur Meeresoberfläche emporsteigen und sich weithin über die See verbreiten. Eine einzige Thermitbombe darauf, Oburu, und die Zerstörerflotte ist geliefert. Auf viele Kilometer hin wird die See danach ein Feuermeer sein. Was nicht verbrennt, wird ersticken.«

Vergeblich versuchte Oburu, die Furcht zu unterdrücken, die in ihm aufkam. Er vermochte nicht, den Gedanken zu verscheuchen, daß solch ein Riesenbrand auch den eigenen Flugzeugen verhängnisvoll werden könnte. Daß alle Maschinen, die etwa niedergehen mußten, verloren waren, daß ihre Besatzungen einem schauervollen Tode verfallen seien. Er verhielt sich während des weiteren Fluges schweigsam und hörte nur noch mit halbem Ohr, was Kyushu sagte. – – –

Die Barkasse der »Blue Star« lag am Schacht, auf der Plattform standen Roddington und Dr. Wegener. Tiefblau wogte die See um den Schacht, wie ein Azurschild wölbte sich der Himmel über ihr. Mit einem scharfen Glas suchte der Doktor den Horizont in der Richtung ab, aus der das japanische Geschwader zu erwarten war.

»Wollen Sie mir jetzt endlich sagen, Doktor Wegener, was Sie vorhaben«, fragte Roddington ungeduldig.

»In wenigen Minuten werden Sie es erfahren, Mr. Roddington!«

Während der Doktor es sagte, preßte er das Glas noch dichter an die Augen, spähte schärfer hindurch und ließ es dann sinken. Ganz in der Ferne, dicht über der Kimme im Norden, hatte er zehn winzige silberne Pünktchen erschaut.

»Der Feind ist da, Roddington. Jetzt los!«

Mit einem Sprung war er an dem Handrad, welches das große Treibstoffventil der Schachtkuppel bediente. Fest packten seine Fäuste in die Speichen und begannen es aufzudrehen.

Roddington wollte etwas sagen, doch jeder Versuch war vergeblich. Über dem geöffneten Ventil heulte und brüllte es auf, als ob zehntausend Sirenen auf einmal schrien. Zwanzigtausend Kubikmeter Luft auf einen Druck von siebenhundert Atmosphären zusammengepreßt, entwichen explosionsartig aus dem Schacht. Und dann war dichtes schweres Schneegestöber mitten in der sonnigen Südsee über ihnen. In dicken Flocken rieselte es herab. Bald bedeckte eine Schneeschicht die ganze Plattform. Trotz der tropischen Wärme blieb sie liegen, denn dieser Schnee war reichlich hundert Grad kalt. Sobald die aus dem Schacht herauspuffende Preßluft sich in der freien Atmosphäre ausdehnte, mußte sie ja eine Abkühlung erfahren, die jede Spur von Wasserdampf in der Umgebung sofort in Schneekristalle verwandelte. – –

Ebenso schnell wie dies überraschende Schneetreiben auftrat, verschwand es auch wieder. Innerhalb weniger Sekunden war die Preßluft dem Schacht entströmt, und Treibstoff folgte ihr. In diesem Augenblick ließ das ohrenbetäubende Brausen und Dröhnen nach und ging in ein scharfes Zischen über, das freilich nicht minder an den Nerven riß.

Ein schenkelstarker, wasserklarer Strahl schoß aus dem Ventil, stieg hoch und immer höher. Eine Riesenfontäne, die in den Himmel ragte ... und deren Strahl nicht wieder zur Erde zurückfiel.

Vergeblich mühte sich Roddington, die Höhe zu schätzen, mindestens fünftausend Meter mochte sie betragen. Sechstausend ... siebentausend ... achttausend Meter konnten es auch wohl bis zu jener Stelle im Äther sein, wo der Strahl sich verbreiterte, sich nach allen Seiten hin in Wolkenform dehnte und in dem blauen Firmament verschwand. Er wollte etwas sagen, wollte den Doktor etwas fragen. Es war unmöglich bei dem nervenzerrüttenden Pfeifen und Schrillen, mit dem der Treibstoff aus dem Schacht zum Himmel schoß.

Dr. Wegener wandte ihm halb den Rücken zu. Die Linke auf den Augen spähte er scharf nach den feindlichen Flugzeugen aus. Seine Rechte hielt etwas umschlossen, was Roddington nicht erkennen konnte.

Viel näher war das japanische Geschwader jetzt herangekommen, doch in gewaltiger Höhe flog es dahin. Auch jetzt noch war es nur zehn Silberfleckchen. In einer geraden Linie, als wären es Perlen, die auf eine Schnur gereiht sind, zog das Geschwader am Firmament daher. Keinen Moment ließ der Doktor es aus den Augen, während er langsam rückwärts schritt, bis er dicht neben dem Treibstoffstrahl stand.

Neue Bewegung kam plötzlich in das Geschwader. Die Linie der Flugzeuge knickte nach unten um. Die erste Maschine setzte zum steilen Sturzflug an. Die zweite ... die dritte ... in dem Augenblick zuckte die Rechte des Doktors zu dem Strahl hin. Roddington erkannte, was er in der Hand hielt, und ein tödlicher Schrecken ließ seinen Herzschlag stocken. Er wollte hinzuspringen, wollte den Doktor zurückreißen ... zu spät ...

Das Feuerzeug in dessen Hand schnappte auf, ein Funkenstrom schlug blitzend heraus und traf den Strahl. Wie gelähmt stand Roddington, außerstande, ein Glied zu rühren, unfähig, sich von der Stelle zu bewegen. Mit aufgerissenen Augen starrte er auf das Wunderbare.

Wabernde Lohe flammte auf, wo die Funken in den Strahl fielen. Ein Feuerstrom schoß in den Himmel, blitzartig zuckte es in schwindelnder Höhe meilenweit über das Firmament. In einer einzigen fürchterlichen Explosion verpufften die riesigen Mengen von Knallgas, die sich in jener Höhenschicht gebildet hatten. Dunstig grau lag der eben noch strahlende Himmel über der See. Wie ausgelöscht, wie weggewischt war das feindliche Geschwader. Senkrecht über dem Schacht stand in fünftausend Meter Höhe frei in der Luft ein lodernder qualmender Riesenbrand. Dort fraß das Feuer die Treibstoffmengen, die der Schacht ihm unaufhörlich entgegenschleuderte ... Wasserhell und klar stand der Strahl bis zu dieser Stelle hin. Schneller stieg er bis dorthin nach oben, als die Flamme sich an ihm nach unten fressen konnte. – – –

Im Pilotenraum des Führerflugzeuges stand Kyushu, die Sauerstoffmaske vor dem Gesicht. Seine Blicke gingen hin und her zwischen dem Höhenzeiger, der achttausend Meter wies, und der amerikanischen Zerstörerflotte, deren Schiffe immer deutlicher und größer wurden. Er nahm ein Glas zu Hilfe, suchte die See ab, sah den Schacht, die schwarze Stahlkuppel, die gelbe Plattform ringsherum. Sah zwei schwarze Punkte auf der Plattform sich bewegen, die nur Menschen sein konnten.

Roddington und der deutsche Doktor! schoß es ihm durch den Kopf, sie werden den Untergang ihres Werkes nicht überleben. Einen Augenblick empfand er Mitleid mit den beiden Männern, die dort auf einem verlorenen Posten standen und die nach menschlichem Ermessen in Kürze ein schauriges Ende in den Flammen finden würden. Eine Veränderung ließ ihn schärfer hinblicken. Verschwunden war plötzlich der Schacht, nur eine weiße, wirbelnde Wolke dort, wo er eben noch stand.

Ein Dröhnen und Brausen kam plötzlich auf, hier oben in der verdünnten Luft bei weitem nicht mehr so stark wie unten unmittelbar am Schacht, doch immer noch stark genug, um den Propellerlärm des Geschwaders zu übertönen.

Dann war die weiße Wolke verschwunden, und senkrecht wie ein Baum stand der Treibstoffstrahl in der Luft. Wie ein Baum breitete er eine mächtige Krone aus, genau in der Höhe des anfliegenden Geschwaders.

Unwillkürlich machte Major Kyushu beim Anblick des unheimlichen Schauspiels eine Bewegung. Einer der Zerstörer geriet dadurch in das Blickfeld seines Glases. Flak-Geschütze sah er drohend auf sein Geschwader gerichtet, Granaten danebenliegen, die Mannschaften bei den Kanonen. Er erkannte, daß sein Unternehmen verraten war, daß das Abwehrfeuer der Gegner im nächsten Augenblick einsetzen könnte, daß ihm nur noch Sekunden für die Durchführung seines Planes blieben.

Im Sturzflug schoß seine Maschine nach unten, im gleichen Moment, in dem die Hand Dr. Wegeners zum Strahl hin zuckte. Es war, als ob das Flugzeug gegen einen massiven Fels anrannte, der es jäh in seinem Lauf aufhielt. Für einen Augenblick stand es in den detonierenden Gaswolken still. Von allen Seiten preßte der Explosionsdruck den Körper des großen Vogels zusammen. Ein Gewirr von zerbrochenem, zerfetztem Metall war es nur noch, das abstürzte.

Major Kyushu sah nichts mehr davon. Der erste Zusammenprall der Maschine mit den explodierenden Gasmassen hatte ihn mit unwiderstehlicher Gewalt gegen die Vorderwand des Führerstandes geschleudert. Mit gebrochenem Genick lag er da, über ihm die Leiche Oburus, während die Ruine des Flugzeuges in die Tiefe wirbelte. Neun andere Trümmerstücke folgten ihr. Das ganze Geschwader war in Bruchteilen einer Sekunde von der ungeheuren Explosion vernichtet worden. – – –

Auf den Zerstörern wollten die Geschützführer noch letzte Richtungsbefehle geben. Die Ausführung verzögerte sich, weil das schrille Pfeifen des ausströmenden Treibstoffes die Verständigung fast unmöglich machte. Da trat schon die Katastrophe ein, die Riesenflamme, die Explosion. Verschwunden war das Ziel, nach dem sie die Rohre richten wollten. Noch standen Offiziere und Mannschaften wie erstarrt bei den Geschützen und spähten vergeblich nach dem feindlichen Geschwader, als grollender, rollender Donner vom Firmament auf die See brach. So stark traf die aus der Höhe kommende Explosionswelle noch das Meer, daß es weithin aufschäumte und im Augenblick von tausend kämmenden Wogen bedeckt war.

»Packt eure Granaten wieder ein. Roddingtons Schacht schützt sich selbst«, brüllte MacLane dem Kommandanten Ferguson ins Ohr. Der hörte es, ohne den Sinn der Worte zu fassen. Seine Blicke – die Augen von dreitausend amerikanischen Matrosen folgten den Trümmerstücken, die immer noch brennend und qualmend niederstürzten, auf die See aufschlugen, in den Fluten verschwanden.–

Mit dem jähen Absturz in den Ozean endete die Tragödie des japanischen Luftgeschwaders, ein anderes Schauspiel folgte ihr. Langsam begann die Flammenwolke, die in Alpenhöhe über dem Schacht stand, tiefer zu sinken, kleiner wurde sie dabei, während das pfeifende Brausen nachließ. Ein einzelner schwacher Mensch meisterte den wilden Ausbruch der Naturkraft und legte dem Element wieder stählerne unzerreißbare Fesseln an.

Langsam und stetig drehte sich das große Rad des Treibstoffventils unter den Fäusten Dr. Wegeners, Zoll um Zoll sperrte das Ventil dem Treibstoff den Weg ins Freie. Immer geringer wurde die ausströmende Menge, aber immer tiefer senkte sich das feurige Gebilde, das in der Luft noch brannte, auf den Schacht herab. Würde es gelingen, ihn ganz zu schließen, ohne daß das Feuer auch seinen Bändiger fraß?

Hunderte von Gläsern waren von der Zerstörerflotte her auf den Mann gerichtet, der dicht neben der Schachtkuppel stand und unentwegt das Spindelrad drehte.

Nur noch hundert, jetzt nur noch fünfzig Meter stand die brennende qualmende Flammenmasse über ihm. Schon mußte die strahlende Hitze des gewaltigen Feuers ihn treffen. Würde er aushalten oder die Rettung seines Werkes mit dem Leben bezahlen müssen?

Noch schwebte die Frage auf tausend Lippen, da stand plötzlich eine zweite Gestalt neben dem Doktor. Roddington war ihm zu Hilfe gesprungen, gemeinsam griffen sie in die Speichen des Rades. Mit der letzten Aufbietung aller Kräfte ließen sie es in rasendem Spiel kreisen, die Leiber weit vorbeugen, die Köpfe gesenkt. Einen harten Ruck gab's, als das Ventil sich schloß. Verschwunden war das Feuer. Schwarz und dunkel lag der Schacht wieder in der See.

Keuchend richteten sie sich auf, standen einen Moment atemlos. Ein schneller Griff von Roddingtons Hand riß dem Doktor die Mütze vom Kopf, in weitem Bogen flog sie in die See, zog Streifen von Rauch und Qualm hinter sich her, bis sie aufs Wasser fiel. – –

MacLane beobachtete diese Szene von der Brücke von »A 17« aus durch sein Glas.

»Gott sei gelobt! James ist heil davongekommen«, murmelte er vor sich hin.

»Was meinten Sie, MacLane?« fragte der Kommandant.

»Roddington und Doktor Wegener scheinen unverletzt zu sein, Kapitän Ferguson, aber ... aber ich fürchte ...«

»Was fürchten Sie, MacLane?« fiel ihm Ferguson ungeduldig ins Wort.

»Ich fürchte, Kapitän, der Doktor wird sich die Haare schneiden lassen müssen, sein Schopf ist hart mitgenommen.« – –

Die Beobachtung MacLanes war richtig. Kopf und Rücken hatten die beiden auf der Plattform beim Schließen des Ventils der strahlenden Hitze der zum Schacht zurückkehrenden Flamme aussetzen müssen. Nur drei höchstens, vier Sekunden hatte das gedauert, aber die kurze Zeit hatte genügt.

»Sie sind hübsch angesengt«, sagte Dr. Wegener und strich Roddington mit der Hand über den Rücken. Wie Zunder fiel der Stoff von dessen Rock unter der Berührung auseinander.

»Bei Ihnen ist es nicht anders«, gab Roddington zurück, und machte den gleichen Versuch bei dem Doktor, »wir sehen beide nicht sehr gesellschaftsfähig aus, lassen Sie uns zur ›Blue Star‹; zurückfahren.«

Die »Blue Star« hatte ein gutes Stück verholt. Sie mußten die Linie der Zerstörer kreuzen, um zu ihr zu gelangen. Dicht gedrängt standen die Besatzungen an den Relings der Kriegsschiffe, donnernd brausten Hurrarufe auf, als die Barkasse sich ihnen näherte, und pflanzten sich von Bord zu Bord über den ganzen Ring der Zerstörer fort. Und dann – war's eine Idee von MacLane, war's ein Einfall von Kapitän Ferguson – »A 17« dippte dreimal das Sternenbanner, als die Barkasse vorüberfuhr, und die andern Schiffe folgten den Beispiel. Zwei Männern, die in zerrissener Kleidung verrußt und unansehnlich in einem unscheinbaren Motorboot daherfuhren, bereitete die amerikanische Kriegsmarine durch diesen Gruß eine Ehrung, die in den Annalen ihrer Flotte nicht ihresgleichen hatte.

*

Durch das Telegraphenbüro des amerikanischen Marineamtes wurde die folgende Nachricht an die Presse gegeben:

»Zwei Uhr nachmittags, Ortszeit Manila. Östlich von Mindanao geriet ein Flugzeuggeschwader unbekannter Nationalität innerhalb der amerikanischen Hoheitsgrenze in einen Wirbelsturm und stürzte ab. Amerikanische Schiffe, die zufällig in der Nähe waren, bemühten sich vergeblich um die Rettung. Die Flugzeugtrümmer versanken in der Tiefsee, bevor Hilfe zur Stelle war.

gez. Bancroft.«

Die amerikanischen Zeitungen veröffentlichten die Depesche auf der dritten Seite, ohne eine Sensation daraus zu machen, in Tokio wirkte sie alarmierend. Die leitenden Staatsmänner und die Führer der Wehrmacht des asiatischen Inselreiches waren ratlos. Man hatte stärksten Verdacht, daß nicht verantwortungslose Naturgewalt, sondern amerikanische Granaten den Untergang des Geschwaders verursacht hätten, aber man hatte keinen Beweis dafür.

Kaum fünf Minuten vor der in der amerikanischen Nachricht angegebenen Zeit hatte Major Kyushu zum letztenmal gefunkt. Er meldete knapp und zuversichtlich: »Schacht in Sicht, wir greifen an.«

Die kommenden Minuten mußten also über den Erfolg oder Mißerfolg des Unternehmens entscheiden. Mit steigender Spannung harrten die japanischen Empfangsstationen auf die nächste Meldung des Majors, doch kein weiteres Lebenszeichen kam. Vierundzwanzig Stunden lang war das Geschwader verschollen, bis nun die amerikanische amtliche Verlautbarung diese Aufklärung brachte.

Mehr als unwahrscheinlich war ihr Inhalt, doch kein Überlebender war da, der die Yankees Lügen strafen könnte. Mit unheimlicher Treffsicherheit mußten die amerikanischen Granaten ihr Ziel gepackt haben, so schnell und so vernichtend, daß keins der zehn Flugzeuge mehr in der Lage war, einen Funkspruch abzugeben. Wäre auch nur ein einziges dem Feuer entronnen, hätte auch nur ein einziges vor dem Absturz noch funken können, so hätte Tokio der Union unvermeidlich den Krieg erklärt. So aber fehlte der Anlaß dazu.

Und noch etwas anderes hinderte das Inselreich, sofort loszuschlagen. Man wußte in Tokio nicht, wie es um den Schacht Roddingtons stand, aber das eine wußte man sehr genau: War er unbeschädigt geblieben, dann war die amerikanische Stellung auf den Philippinen unangreifbar und der Zeitpunkt für eine Kriegserklärung so ungünstig wie möglich. Bevor diese Kraftquelle nicht zerstört war, durfte man die große Auseinandersetzung nicht wagen.

Mit verbissenem Ingrimm entschloß man sich in Tokio, die friedliche Maske zu wahren und ein Geschwader der Luftmacht als verloren abzubuchen. Von »unbekannter Nationalität« war in der amerikanischen Depesche die Rede. Das enthob die japanische Botschaft in Washington der bitteren Notwendigkeit, sich für die Rettungsversuche der amerikanischen Marine bedanken zu müssen.

Bestehen blieb die politische Hochspannung zwischen der gelben und der weißen Großmacht zu beiden Seiten des Pazifik. Wer kurz oder lang mußte sie zur Entladung kommen, aber die stärkeren Trümpfe in dem Spiel hatte vorläufig die Union in der Hand. – – –

Staatssekretär Harding hatte eine Karte von Mindanao und den Bericht Roddingtons vor sich liegen, dessen wichtigste Zahlen von Dr. Wegener stammten.

»Heute können wir die Entscheidung über die Tankanlagen auf den Philippinen treffen«, eröffnete er die Besprechung mit den Admiralen Jefferson und Burrage. »Hier werden wir sie errichten«, er setzte dabei den Finger auf einen Punkt der Karte. »Hier an der Nordostküste von Mindanao. Der Plan, den uns Kapitän Craven für die Anlagen in Manila entworfen hat, kann dabei mit geringen Abänderungen benutzt werden.«

Die beiden Admirale studierten die Karte. Der von Harding bezeichnete Ort lag knapp fünfzehn Seemeilen von dem Tiefseeschacht entfernt.

»Sie nehmen an, daß die neue Quelle genügend Treibstoff liefern kann, um die Anlagen von jeder andern Versorgung unabhängig zu machen?« fragte Jefferson.

Der Sekretär schlug eine Seite in Roddingtons Bericht auf.

»Hier können Sie es lesen. Der Schacht liefert in vierundzwanzig Stunden mehr als dreihunderttausend Kubikmeter Treibstoff. Im Laufe von zehn Tagen können wir den Bedarf für ein Kriegsjahr in die Tanks füllen. Dies Fassungsvermögen müssen die Anlagen im ersten Ausbau bekommen. Im zweiten soll es verdoppelt werden. Damit wird unsere Stellung auf den Inseln unangreifbar sein.«

»Es wird notwendig werden, auch den Schacht unangreifbar zu machen«, sagte Admiral Burrage nachdenklich. »Was unseren Gegnern einmal mißglückte, kann ihnen das nächste Mal gelingen.«

»Sie glauben, daß die Versuche sich wiederholen werden?« fragte Harding.

»Ich bin der festen Überzeugung, Mr. Harding. Die Gegenseite muß das letzte daransetzen, die Quelle unserer Kraft auf den Philippinen zu zerstören. Wir dürfen es uns nicht verhehlen, daß sie in den Tiefseebomben eine fürchterliche Waffe besitzt und hundert Möglichkeiten hat, sie anzuwenden. Ein U-Boot kann sich an den Schacht heranschleichen und Bomben sinken lassen. Irgendein Fischerboot könnte sie unauffällig verlieren. Ein neuer Flugzeugangriff könnte unternommen werden. Wie sollen wir uns dagegen schützen?«

Während Admiral Burrage sprach, schlug Staatssekretär Harding einen andern Teil des Berichts auf.

»Auf Ihre Fragen, Admiral Burrage«, erwiderte er, »hat Roddington schon die Antwort gegeben. Hier sehen Sie seine Pläne für eine Befestigung des Schachtes. Eine schwimmende gepanzerte Insel fest mit dem Schachtkopf verbunden. Sie deckt ihn gegen jeden Luftangriff. Ein starkes stählernes Netz, mit Minen gespickt, hängt von ihren Ufern fünfhundert Meter tief in die See hinab und bedeutet Vernichtung für jedes U-Boot, das mit ihm in Berührung kommt.«

Für eine geraume Zeit vertieften sich die beiden Admirale in die Pläne und Berechnungen Roddingtons.

»Noch eine letzte Frage, Herr Staatssekretär«, sagte Burrage. »Das Schachtrohr bildet die Ankertrosse für die Panzerinsel. Wird es standhalten, wenn Stürme an ihr zerren?«

»Mit zehnfacher Sicherheit, Admiral Burrage. Hier sehen Sie die Anfangsstellungen Doktor Wegeners. Er hat seinen Berechnungen die größten jemals bei den Philippinen beobachteten Sturmstärken zugrunde gelegt. In sich federnd, wird das mächtige Stahlrohr jedem Angriff der Elemente Trotz bieten und die Insel fest an ihrer Stelle halten.«

»So bleibt uns nur noch eins zu tun, Mr. Harding, unsere Pläne, die Pläne Roddingtons, so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.«

»Deswegen bat ich Sie zu mir«, beendete Staatssekretär Harding die Besprechung. »Nehmen Sie die Pläne Cravens und Roddingtons an sich und lassen Sie die Projekte ausarbeiten. Es bleibt uns auch noch etwas anderes zu tun«, sagte er beim Abschied noch zu Burrage. »Die Abrechnung mit Roddington, der Dank für das, was er dem Vaterland geleistet hat.« – – –

Die Abrechnung mit Roddington. Schon seit Tagen beschäftigte den Staatssekretär der Gedanke an sie. Ließ sich der Wert dessen, was James Roddington in dem verflossenen Jahr für die amerikanische Union geschaffen hatte, überhaupt in Dollar und Cent ausdrücken? Es gab zu viele unberechenbare ideale Werte dabei. Er fand keinen Ausgangspunkt, an dem er eine Rechnung ansetzen konnte.

Es blieb die andere Möglichkeit, rein kaufmännisch den materiellen Wert zugrunde zu legen; doch wie sollte das geschehen? Es war ausgeschlossen, daß das Marineamt mit Roddington wie mit irgendeinem beliebigen Treibstoffverkäufer verhandelte und ihn für jeden gelieferten Liter bezahlte. Und wenn man dem Abkommen etwa die Lieferung für einen zweijährigen Kriegsbedarf zugrunde legte, dann sprang eine Summe heraus, vor deren Höhe der Staatssekretär erschrak. – – –

Heute sollte die Frage geklärt werden. Um elf Uhr vormittags verließen Jefferson und Burrage Hardings Zimmer. Für zwölf Uhr stand der Besuch von Roger Blake auf seinem Terminkalender notiert. Es würde das beste sein, erst dessen Vorschläge zu hören und dann eine Entscheidung zu treffen. – –

Auf die Minute pünktlich wurde ihm der Bevollmächtigte Roddingtons gemeldet. Warum kommt Roddington nicht selber? dachte Harding, während er den Besuch bitten ließ. Schickt er erst seine Vorposten, um das Gelände zu klären? Er wurde angenehm enttäuscht, als Roger Blake vor ihm saß und das Angebot Roddingtons auf den Tisch legte.

Ein kurzer bündiger Vertragsentwurf war es, der nur drei Paragraphen enthielt: Die Erstattung der für den Schachtbau verauslagten Unkosten; dafür den bedingungslosen Übergang des Schachtes in den Besitz der Union; schließlich die Übertragung der Schachtbefestigung an das Werk in Trenton. Eine genaue Aufstellung der Unkosten lag bei. Sie schloß mit der Summe von hundertundfünf Millionen Dollar ab. Das war nur ein Bruchteil der Beträge, mit denen Harding vorher in Gedanken gerechnet hatte.

»Würde Ihr Vollmachtgeber nicht besserfahren, wenn er uns den Treibstoff der neuen Quelle zum Marktpreis verkaufte?« Der Staatssekretär konnte die Bemerkung nicht unterdrücken, obwohl sie gegen die Interessen seines Ressorts ging.

»Mr. Roddington hat nicht die Absicht, Gewinne auf Kosten seines Landes zu machen«, wies Blake den Einwand zurück. »Er wünscht nur die Erstattung der Kosten, die er für dessen Verteidigung verauslagt hat. Einen andern Vertrag, als den hier, bietet er der Bundesregierung nicht, einen andern wird er auch nicht annehmen. Treffen Sie danach Ihre Entscheidung, Herr Staatssekretär.«

Harding stand auf und ergriff die Rechte Blakes.

»Meine Entscheidung ist getroffen, Mr. Blake. Ich nehme den Vertrag an. Ich bin sicher, daß das Kabinett mir darin folgen wird. Wie soll ich, wie sollen Regierung und Land James Roddington für diese selbstlose Tat danken?«

»Indem Sie das, was er Ihnen zu treuen Händen überläßt, in seinem Sinn verwenden. Zum Schutz und zur Wohlfahrt unseres Landes, für das er es schuf. Das wird der beste Dank für ihn sein.« – – –

Ohne Zwischenfall rollten die Ereignisse während der nächsten Wochen ab. Mit einer in der Geschichte der amerikanischen Union seltenen Einmütigkeit nahmen Senat und Kongreß die Vorlage der Regierung an, durch die zum Gesetz erhoben wurde, was Staatssekretär Harding und Roger Blake vereinbart hatten. Einstimmig beschlossen beide Parlamente der Union eine Adresse, in der James Roddington der Dank des Vaterlandes ausgesprochen wurde.

Nur einmal war bisher in den Vereinigten Staaten etwas Derartiges geschehen. Vor mehr als hundertundfünfzig Jahren, als George Washington nach der Befreiung des Landes vom fremden Joch den Oberbefehl in die Hände der Regierung zurückgab.

Bedrückt von der Größe der einzigartigen Ehrung nahm Roddington das Dokument in Washington aus der Hand des Staatspräsidenten entgegen. Freier atmete er auf, als er nach langer Abwesenheit wieder sein Werk in Trenton betrat. In reichem Flaggenschmuck grüßten ihn hier die mächtigen Hallen, mit brausenden Jubelrufen empfingen ihn seine Werkleute, als er durch ihre Reihen schritt. Und über die Stimmen der Menschen hinweg umbrauste ihn das Lied der Arbeit. Essen rauchten, Hämmer dröhnten. Gewaltige Pressen reckten den glühenden Stahl. Viele tausend Hände waren geschäftig dabei, die Wehr zu schmieden, die den Schacht unangreifbar machen sollte.

*

Präsident Price hatte Telephonverbindung mit Roger Blake.

»Sie deuteten damals an, Blake, daß die Corporation das Trentonwerk jetzt übernehmen könne. Wie steht's damit?« fragte Price in den Apparat.

»Ich bedauere, Ihnen keine Auskunft geben zu können, Mr. Price. Sie müssen sich an Roddington selber wenden. Meine Vollmacht ist erloschen.«

Ein Knacken in der Leitung verriet, daß Blake abgehängt hatte. – –

Am nächsten Vormittag war Price in Trenton. Lange ließ Roddington ihn reden. Endlich war Price fertig, und Roddington nahm das Wort.

»Das Trentonwerk bekommen Sie nicht, mein lieber Price, und ebensowenig meinen Freund, den Doktor Wegener. Die beiden behalte ich.

Sie liefern jetzt die Tankanlagen auf Mindanao, ich baue die Verteidigungswerke für den Schacht. Die nächste Zukunft wird uns noch große Aufgaben und Aufträge bringen. Es ist Raum und Arbeit genug für uns beide in den Staaten. Lassen Sie uns Frieden schließen.«

Er streckte dem Präsidenten die Rechte hin. »Schlagen Sie ein, Price, auf das künftige Zusammenarbeiten unserer Werke.«

Langsam legte Price seine Hand in die des andern.

»So soll es sein; Roddington. Sie waren der Stärkere in diesem Spiel. In Zukunft wollen wir zusammengehen.«

Roddington drückte die dargebotene Hand.

»So soll es sein, Price, zum Besten unseres Vaterlandes wollen wir zusammenarbeiten.«

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