Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hans Dominik >

Das stählerne Geheimnis

Hans Dominik: Das stählerne Geheimnis - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleDas stählerne Geheimnis
publisherVerlag Scherl
printrun81. bis 90. Tausend
yearo.J.
firstpub1934
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151105
projectid5a00a962
Schließen

Navigation:

Zuversicht und Lebensmut strahlten aus Roddingtons Augen, als er in Dr. Wegeners Kabine trat.

»Fürs erste sind wir die Sorgen los«, rief er vergnügt, eine Depesche schwenkend, »Freund Blake hat unter großartigen Bedingungen zehn Millionen beschafft. Wollen Sie sich nicht mit mir freuen, Doktor Wegener?« fuhr er fort und stutzte, als er das verbissene Gesicht des Doktors sah.

Der war wieder mit einem Experiment beschäftigt. Auf einer Asbestplatte lag ein faustgroßes Stück eines glasigen halbdurchsichtigen Minerals, die letzte Gesteinsprobe, die erst vor einer Viertelstunde bei Station Null an das Licht der Sonne gekommen war. Nadelscharf wie die Spitze eines Dolches stach die ultraheiße Flamme eines Knallgasbrenners an einem Punkt auf das Probestück. In einem für das Auge unerträglich hellen Glanz leuchtete die von der Flamme getroffene Stelle. Dr. Wegener beobachtete sie durch das Rohr eines optischen Photometers. Seine Stirn war gefurcht. Knirschend preßte er von Zeit zu Zeit die Kiefer zusammen. Das Eintreten und die Worte Roddingtons schien er überhört zu haben.

Roddington trat näher und legte ihm die Hand auf die Schulter.

»Hallo, Doktor Wegener! Was gibt's? Wie steht's im Schacht?«

Der Doktor trat von dem Instrument zurück und trocknete sich die feuchte Stirn. Ein paarmal schöpfte er tief Atem, bevor er antwortete.

»Ich weiß nicht mehr, Roddington, was ich von der Sache denken soll. Das Magma dort«, er wies auf den Lichtfleck der Gesteinsprobe, »... glüht unter dem Knallgasbrenner mit einer Temperatur von viertausenddreihundert Grad und fließt nicht. Es bleibt dabei fest.«

Roddington lachte. »Vorzüglich, Doktor Wegener! Solch feuerfestes Material kann man in der Technik gebrauchen. Wir werden das geförderte Gestein nicht mehr in die See werfen, sondern an die Besitzer von Hochöfen verkaufen. Man wird es uns teuer bezahlen.«

Dr. Wegener rang die Hände.

»Aber begreifen Sie doch, Mr. Roddington! Meine ganze Theorie kommt durch die unerwartete Erscheinung ins Wanken. Ich sagte Ihnen doch eben, daß dies Magma bei viertausenddreihundert Grad noch fest bleibt ...«

Roddington nickte. »Gewiß, Doktor. Ich habe Sie sehr gut verstanden.«

»Sie haben mich nicht verstanden!« schrie Dr. Wegener verzweifelt. »Wenn das Gestein bei viertausenddreihundert Grad fest bleibt, muß es früher einmal bei einer noch höheren Temperatur zu diesem glasigen Fluß, so, wie es hier vorliegt, verschmolzen worden sein. Dann hätte aber die Umwandlung, die ich nach meiner Theorie erwartete, schon längst eintreten müssen.«

Mutlos ließ Dr. Wegener sich in einen Stuhl fallen und bedeckte die Augen mit der Hand.

»Ich werde an mir selber irre«, kam es matt von seinen Lippen.

Roddington stellte die Flamme des Knallgasbrenners ab. Schnell ließen Glanz und Glut nach. Er griff das Probestück mit einer Zange und betrachtete es sorgfältig, während er wie zu sich selbst sagte: »Glutflüssige Schmelze ... Es braucht nicht so entstanden zu sein ... Könnte es nicht auch unter dem riesigen Druck der Tiefe plastisch und glasig geworden sein?«

Dr. Wegener sog die Worte Roddingtons ein wie ein Verdurstender. Mit einem Ruck sprang er auf.

»Sie haben recht, Roddington! So muß es gewesen sein. Ich habe mich mit meiner Annahme in eine Sackgasse verrannt. Meine Theorie ist doch richtig. Wir werden sehen!«

Er wollte den Raum verlassen.

»Wo wollen Sie hin?« fragte Roddington.

»In den Schacht. Ich muß selber sehen, wie es jetzt vor Ort ausschaut. Ich glaube, Roddington, wir stehen dicht vor unserm Ziel. Der veränderte Charakter des Magmas, nicht mehr schwarz ... durchsichtig wie Kristall ... weit können wir von dem, was wir suchen, nicht mehr entfernt sein.«

Er trat durch die Tür auf den Schiffsgang hinaus.

»Seien Sie vorsichtig, Doktor Wegener! Setzen Sie sich keinen Gefahren aus! Ich brauche Sie noch!« rief ihm Roddington nach. Dr. Wegener hörte es nicht mehr. Er kletterte bereits über das Fallreep der »Blue Star« in die Barkasse, um sich zum Schacht fahren zu lassen. –

Nach langer Seilfahrt verließ Dr. Wegener auf Station V die Förderschale und stieg über die eiserne Leiter in die untere Hälfte der Stahlkugel hinab. Mit der Sonde wollte er von hier aus den letzten Teil des Weges durch die unterste eingeschnürte Strecke des Schachtes zurücklegen.

Bei der Fördermaschine traf er auf Ingenieur Larking und MacAndrew, einen Mann von der zweiten Schicht des Stollens, der um diese Zeit eigentlich hätte unten vor Ort sein müssen. Beide waren in einen heftigen Wortwechsel verwickelt, der in Tätlichkeiten auszuarten begann.

Mit einem kräftigen Stoß schleuderte MacAndrew den Ingenieur zur Seite, griff nach dem Steuerhebel der Fördermaschine und ließ sie angehen. Dabei hörte Dr. Wegener ihn mit Brown, dem andern Mann der Schicht vor Ort, durch das Schachttelephon sprechen, und er sah gleichzeitig an dem Tiefenanzeiger der Fördermaschine, daß die Sonde mit der für Personenfahrt vorgeschriebenen Geschwindigkeit nach oben kam. Larking hatte sich inzwischen wieder aufgerafft und wollte sich auf MacAndrew stürzen. Mit einer Handbewegung verwies der Doktor ihn zur Ruhe und trat selbst an die Fördermaschine. Kurz und knapp kam die Frage von seinen Lippen.

»Warum fahren Sie während der Schicht aus, MacAndrew?«

»Weil der Teufel da unten los ist!« schrie der Schotte, ohne die Hand vom Steuerhebel zu lassen.

»Hm! Wie sieht denn der Teufel aus?« fragte Dr. Wegener. Sein unerschütterlicher Gleichmut brachte den andern noch mehr in Harnisch.

»Er stinkt, Sir!« rief er erbittert. »Es stinkt da unten vor Ort, wie nur der Teufel stinken kann!« Er brüllte die Worte heraus, daß die stählerne Wand des engen Raumes erdröhnte.

»Aber gesehen haben sie ihn nicht?« fragte der Doktor phlegmatisch weiter. MacAndrew wurde unter seinem kühlen, forschenden Blick kleinlaut.

»Habe nicht darauf gewartet, Sir, bis er mich holte«, knurrte er mißmutig. »Bin getürmt, als der verfluchte Gestank losging. Hole jetzt auch Brown mit der Sonde nach oben, 's ist Christenpflicht«, fuhr er, auf einen neuen scharfen Blick des Doktors, entschuldigend fort. »Da unten ist's nicht mehr geheuer.«

Der Doktor wollte noch weiter fragen, als die Sonde aus dem Schachtmund auftauchte. Jimmy Brown entstieg ihr und schüttelte sich wie ein Pudel, der aus dem Wasser kommt.

»Brrr! Mac, habt ihr einen ordentlichen Whisky hier? Ich werde den verfluchten Geschmack und Gestank aus der Kehle nicht los.«

Erst jetzt erblickte Brown den Doktor und schwieg. Er wußte, daß mit dem bisweilen nicht gut Kirschenessen war. Erstaunen malte sich in seinen Zügen, als Dr. Wegener in seine Brusttasche griff, eine flache Whiskyflasche hervorzog und sie ihm hinhielt.

»Da, Mann! Nehmen Sie mal erst einen Schluck und dann erzählen Sie vernünftig, was da unten eigentlich los ist.« Jimmy Brown ließ sich das nicht zweimal sagen. Er tat einen Zug von beträchtlicher Länge, schluckte, schnalzte und stöhnte befriedigt.

»Ah! Jetzt wird mir besser, Sir. Jetzt ist der ekelhafte Geschmack weg.«

Dr. Wegener nahm die Flasche an sich und versenkte sie wieder in seine Tasche. Mit vielen Fragen holte er Stück um Stück aus Jimmy Brown heraus, was sich vor Ort eigentlich zugetragen hatte, und das war ungefähr folgendes:

Heller und endlich glasklar war das Gestein im Stollen vor Ort geworden, gleichzeitig auch immer härter, so daß die Bohrer immer langsamer vorwärts kamen. Um ein knappes Meter nur hatte man den Stollen während der letzten vier Stunden vortreiben können. Dann änderte das Gestein plötzlich seinen Charakter. Es wurde wieder undurchsichtig, ähnelte etwa feinkörnigem Sandstein und setzte den Bohrern einen geringen Widerstand entgegen.

Der feine Staub aber, der bei jedem Wechsel der Bohrer mit Preßluft aus den Bohrlöchern geblasen wurde, zeigte Eigenschaften, die MacAndrew und Brown bewogen, ihren Arbeitsplatz fluchtartig zu verlassen. Harmloser Gesteinsstaub schien es zu sein. Sobald er den beiden aber in Mund und Kehle geriet, gab es ein schauderhaftes Jucken und Brennen und gleichzeitig einen Geruch und Geschmack, der einigermaßen an Petroleum oder Benzin erinnerte. Unangenehm war das in Mund und Nase, viel unangenehmer noch an den Augen.

Als Dr. Wegener sich daraufhin die geröteten Lider von Brown genauer ansah, fühlte er sich gedrungen, ihm die Whiskyflasche noch einmal hinzureichen, und merkte es kaum, daß der sie bis auf den Grund leerte. Fieberhaft verarbeitete sein Hirn das eben Gehörte. Trockener Gesteinsstaub kommt auf die Schleimhäute, kommt mit Feuchtigkeit zusammen und erfährt dabei diese merkwürdige Umsetzung ... es brennt ... es ätzt ... es riecht nach Petroleum oder Benzin ... Kein Zweifel mehr, er war am Ziel, dem die gigantische Arbeit dieses letzten Jahres, dem all sein Planen und Trachten während so vieler vorangegangener Jahre gegolten hatte. Der Stollen hatte jene Tiefenschicht erreicht, auf deren Existenz er aus wissenschaftlichen Überlegungen geschlossen hatte und von deren Vorhandensein er schließlich auch Roddington überzeugte.

Stärkste Glut hatte vor Jahrmilliarden einmal in dieser Schicht geherrscht, und anders hatten die Elemente sich hier verbunden als an der Erdoberfläche ... Das Ziel, das heiß ersehnte Ziel war erreicht! ... Er strich sich über die Stirn und blickte auf, als wenn er aus einem Traum erwache. Da stand Jimmy Brown vor ihm und hielt ihm mit einem etwas verlegenen Gesicht sie leere Flasche hin. Der Doktor achtete nicht darauf. Mit seinen Gedanken war er schon wieder im Stollen, vor Ort. Fragen, Entschließungen, Anweisungen kamen in schneller Folge von seinen Lippen.

»Wie tief sind die Bohrlöcher? Können wir sofort sprengen?« Brown machte eine abwehrende Bewegung. Dr. Wegener begriff, was er meinte. »Natürlich muß von jetzt an mit Gasmasken gearbeitet werden ... sie wurden ja längst beschafft.«

»Perkins auf Schleuse II hat sie unter Verschluß«, mischte sich Larking ein.

Dr. Wegener griff zum Telephon und sprach mit Schleuse II. Eine Viertelstunde später brachte die Förderschale von dort ein halbes Dutzend Gasmasken zu Station V. Der Doktor griff eine davon und zwängte sich in die Sonde.

»Nehmen Sie sich auch Masken und kommen Sie mir schnellstens nach«, rief er MacAndrew und Brown zu. »Los, Mr. Larking, Personenfahrt nach Station VI!«

Vorbei an den Steinbrechern und Ventilatoren eilte Dr. Wegener in den Stollen hinein. Es war ein langer und nicht unbeschwerlicher Weg, den er zurücklegen mußte. Ein tüchtiges Stück war man hier in den vergangenen Wochen vorangekommen. Über eine Länge von rund zwei Kilometer streckte sich der Stollen vom Schacht aus in das Urgestein, mit einer Neigung von fünfundvierzig Grad senkte er sich dabei in die Tiefe. Der Doktor mußte langsam gehen, um nicht zu fallen. Bisweilen verhielt er den Schritt und sog prüfend die Luft ein. Jetzt erblickte er weit vor sich die Bohrmaschinen und verspürte gleichzeitig einen eigenartigen Geschmack im Mund. Mit einem Ruck stülpte er sich die Maske über, schritt weiter und stand vor Ort.

Er nahm sich nicht die Zeit, auf Brown und MacAndrew zu warten, sondern machte sich sofort an die Arbeit, soweit er sie allein bewältigen konnte. Schon hatte er die Bohrlöcher mit dem Sprengstoff geladen und war dabei, die Zündschnur zu legen, als erst Brown und einige Zeit später auch MacAndrew erschien.

Zu dritt ging es leichter und schneller. Schon waren die Bohrmaschinen zurückgezogen, war alles zum Schießen bereit. Ein letzter Warnruf nach rückwärts in den Stollen herauf, ein Druck auf den Zündknopf, und die Kraft des entfesselten Sprengstoffes zerriß die Eingeweide der Erde. Der Doktor deutete auf das Gewirr von Brocken und Blöcken, welche die Sprengung in den Stollen geworfen hatte.

»Nichts davon in das Meer werfen! Alles zu mir auf die ›Blue Star‹; bringen lassen!« befahl er MacAndrew und Brown, griff dabei bereits selber nach einem ansehnlichen Brocken und eilte damit in den Stollen aufwärts. Den Leuten bei den Steinbrechern wiederholte er den Befehl, wiederholte ihn weiter noch fünfmal auf jeder der Stationen, die er auf der langen Seilfahrt passieren mußte, bis er auf Station Null das Tageslicht wieder erreichte.

Über Tabellen und lange Zahlenreihen gebeugt, saß Roddington in seiner Kabine, als Dr. Wegener hineinstürmte. Das Haar hing dem Doktor wirr in die Stirn, sein Gesicht war gerötet, seine Augen glänzten wie im Fieber.

»Wir sind am Ziel, Roddington!« Er stieß die Worte hervor und ließ sich erschöpft von der Erregung der letzten Stunden in einen Sessel fallen.

»Wirklich am Ziel, Doktor Wegener?«

»Am Ziel, Roddington! Kommen Sie mit mir, sehen Sie es selber.«

Er raffte sich wieder auf und eilte, von Roddington gefolgt, zu seiner Kabine. Gesteinsbrocken lagen hier zwischen Gläsern und Flaschen auf dem Tisch.

»Mit eigenen Augen müssen Sie das Wunder sehen, Roddington«, rief Dr. Wegener und drückte ihm einen Stein in die Hand; ein Stück Sandstein schien es zu sein. Während Roddington das Mineral noch betrachtete, griff der Doktor nach einem weiten hohen Glas und einer Flasche, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt war.

»Das hier, Roddington«, erklärte er, während er das Glas zur Hälfte aus der Flasche füllte, »ist Seewasser, ganz gewöhnliches Seewasser, eben erst aus dem Pazifik in die Flasche gefüllt. Und das hier ...« Er nahm Roddington den Stein wieder aus der Hand. »Ein maßloses Glück haben wir gehabt, Mr. Roddington. Das Mineral hier ist, soweit ich es in der Eile analysieren konnte, ein Karbidgemisch. Lithiumkarbid, Tantalkarbid, Vanadkarbid sind bestimmt darin enthalten ... und nun sollen Sie das Wunder sehen.«

Dr. Wegener ließ den Stein in das Glas fallen. Bis auf den Grund des Gefäßes sank er hinab, scheinbar ruhig und in Wirklichkeit doch nicht ruhig. Zusehends wurde er kleiner, wie wenn ein Stück Zucker sich in Wasser auflöst. Eigenartig schimmernd hob sich dabei etwas von seiner Oberfläche ab, stieg in zahllosen feinen Streifen durch das Wasser nach oben und bildete über ihm eine neue Schicht. Glasklar durchsichtig stand diese über dem Seewasser, das sich milchig trübte.

»Da haben Sie es, Roddington!« Dr. Wegener hielt ihm das Glas unter die Nase. »Riechen Sie es? Ein prima Leichtbenzin! Ein idealer Treibstoff für alle Motoren. Es ist mehr, als ich jemals zu hoffen wagte, Roddington! Keine Spur von Gas bildet sich, nur klares reines Benzin entsteht, wenn Seewasser mit diesem Gestein zusammentrifft.«

Während der Doktor sprach, stellte er das Gefäß wieder auf den Tisch und füllte die obere Flüssigkeitsschicht mit einer Pipette in eine Flasche über.

»Sie sind Ihrer Sache sicher, Doktor Wegener? Eine Täuschung ist ausgeschlossen?« Langsam kamen die Fragen von Roddingtons Lippen.

»Ein Zweifel ist ausgeschlossen, Mr. Roddington. Ich hab's schon analysiert. Ein reines Hexan ist es.«

Dr. Wegener goß aus der Flasche ein wenig Flüssigkeit in eine Platinschale und brachte ein brennendes Streichholz daran.

Hell flammte es über der Schale auf. Leuchtend, kaum rußend brannte es, bis der letzte Tropfen der Flüssigkeit verzehrt war.

»Wünschen Sie noch andere Beweise, Mr. Roddington? Wir könnten den Treibstoff in einem unserer Motoren auf der Plattform ausprobieren ...«

»Später, Doktor Wegener, wenn wir mehr davon haben, jetzt nicht ... lassen Sie mich einen Augenblick überlegen.«

Roddington lag in einem Sessel halb nach hinten gelehnt, als habe das Erlebnis dieser letzten Minuten ihn niedergeworfen. Wie befreit von einem lastenden Druck, atmete er in tiefen Zügen, ruhig ließ der Doktor ihn gewähren. Fast körperlich fühlte er mit, was jetzt Roddingtons Seele bewegte. Reinste, tiefste Freude über den gewaltigen Erfolg ... ein tiefes befreiendes Aufatmen nach einem Jahr drückender Sorge und Ungewißheit ... und doch eine neue Sorge schon wieder, ob auch das weitere gelingen würde, was jetzt noch zu tun war ...

»Es wird glücken, Roddington! Keine Sorge darum!«

Dr. Wegener sprach die Worte, als ob er jeden Gedanken Roddingtons gehört hätte, langsam richtete der den Kopf auf.

»Was ist das nächste, Doktor Wegener?«

»Den Stollen weiter in die Karbidschicht vortreiben, Querstollen von ihm abzweigen, so wie ich's Ihnen vor fünfzehn Monaten einmal in New York aufzeichnete. Das wäre hier zu tun, Mr. Roddington. In Trenton müssen die Rohre für die neue Leitung in Angriff genommen werden und das Gußstück für den Schachtverschluß über Station Null.«

Dr. Wegener trat an Roddington heran, ergriff dessen Rechte und drückte sie fest.

»Noch einen Monat, Mr. Roddington, und wir haben es erreicht. Dann wird die neue Quelle so fließen, wie wir's dies lange Jahr hindurch erhofften.«

Während der Doktor es sagte, spürte er, wie Roddington den Druck seiner Hand fest erwiderte.

»Sie haben recht, Doktor Wegener. Noch dürfen wir nicht feiern. Wir wollen wieder an unser Werk gehen.«

Ein wenig später begann die Funkstation der »Blue Star« zu arbeiten. Aus der Antenne der Jacht flogen neue Aufträge für das Trenton-Werk mit Lichtgeschwindigkeit um den halben Erdball. Eine verschlüsselte Depesche war für Washington bestimmt. Sie meldete den eben errungenen Erfolg und befreite auch Staatssekretär Harding von seinen Zweifeln und Sorgen.

* * *

 << Kapitel 16  Kapitel 18 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.