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Das Seidene Buch

Otto Julius Bierbaum: Das Seidene Buch - Kapitel 174
Quellenangabe
typepoem
authorOtto Julius Bierbaum
firstpub1904
year1904
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart und Leipzig
titleDas Seidene Buch
pages3-10
created20060125
sendergerd.bouillon
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Licht

                Ich lag in Trübsinns Klammer
In dicht verschloßner Kammer,
Nacht war es um mich her.
Nur auf der Fensterschwelle
Lag breit ein Streifen Helle,
Als wär von Lichte draußen groß ein Meer.

              Da sprach eine Stimme:

Das Licht liegt auf der Schwelle,
Da draußen ist es helle,
Soll's bei dir dunkel sein?
Mach auf, mach auf den Laden,
Und sieh, in Schwall und Schwaden
Fließt dir das Licht in Aug und Seele ein.

              Da schloß ich die Augen.

Ich will das Licht nicht haben,
Ich fühle mich begraben
In eine tiefe Nacht;
Was ich genoß im Lichte,
Das ward in mir zunichte,
Mir hat ein Schmerz die Seele blind gemacht.

              Da sprang der Laden auf.

Rot drang's durch meine Lider,
In alle meine Glieder
Floß es wie heißer Wein.
Soll ich es wirklich wagen,
Die Augen aufzuschlagen?
Soll ich dem Licht noch einmal gläubig sein?

        Da gingen mir die Augen auf:

Die mir im Herzen saßen,
Trübsinn und Gram, zerblasen
Wie Nebel vor dem Wind,
Verwehten vor der Helle;
Der Sonne sandt' ich schnelle
Kußhände lachend wie ein frohes Kind.

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