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Das Seidene Buch

Otto Julius Bierbaum: Das Seidene Buch - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
authorOtto Julius Bierbaum
firstpub1904
year1904
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart und Leipzig
titleDas Seidene Buch
pages3-10
created20060125
sendergerd.bouillon
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Der begossene Pudel

            Schön sind Sie, mein Fräulein, und ich könnte
Stundenlang in Ihre Augen schauen,
Drüber sich die schönsten Brauen bauen,
Wenn's das böse Schicksal mir vergönnte.

Aber ach, aus Amors Gnaden bin ich
Längst gefallen; seine holden Gaben
Gönnt er jungen, tanzbeflißnen Knaben,
Und im Winkel Trübsalsverse spinn' ich.

Ihre schönen Augen woll'n nicht sehen,
Wie ich Armer mich um Sie verzehre, –
Wenn ich jung noch und ein Schwätzer wäre,
Würde wohl die Sache besser gehen.

O, das ist betrüblich zu erfahren,
Daß man nicht mehr wie in jungen Tagen
Bloß sein Sprüchlein frech braucht herzusagen, –
Weh, die Liebe rechnet nach den Jahren.

Und so will ich denn zur Seite treten
Und mich herzhaft auf die Lippen beißen:
Klirre nicht, verworfnes altes Eisen!
Höre auf zu lieben, lerne beten!

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