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Das schwarze Dekameron

Leopold Frobenius: Das schwarze Dekameron - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
authorLeo Frobenius
titleDas schwarze Dekameron
publisherEugen Diederichs Verlag
addressDsseldorf - Kln
editorUlf Diederichs
year1969
firstpub
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100529
modified20140825
projectid6da5f9a2
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Amazonenlegende I

Nupe

In alter, alter Zeit waren die Frauen in einem Lande für sich und die Männer in einem Lande für sich. Die Stadt der Männer war sehr, sehr groß. Die Stadt der Frauen war sehr, sehr groß.

Einmal ging ein Jäger aus. Er ging weit durch das Land. Er kam in das Land der Frauen. Die Frauen sahen den Mann. Die Frauen fielen über den Mann her und die Frauen schlugen den Mann. Der Mann rannte schnell fort. Der Mann flüchtete in seine Stadt. Der Mann lief zu seinem König und sagte: »Ich bin weit, weit fortgegangen. Ich bin in ein anderes Land gekommen. In dem anderen Lande fielen die Menschen über mich her und schlugen mich. Ich rannte, so schnell ich konnte, von dannen.« Der König fragte den Jäger: »Wie waren denn die Leute, die dich wegtrieben?« Der Jäger sagte: »Die Leute waren anders als wir. Sie hatten hier (auf eine Brustseite zeigend) ein Stück Fleisch und hatten hier (andere Brustseite) ein Stück Fleisch. Dann hatten die Leute lange, lange Haare. Es war ein schönes Volk.«

Der König sagte zu dem Jäger: »Ich möchte dieses Volk sehen. Wie kann ich dieses Volk sehen?« Der Jäger sagte: »Man kann die Leute nicht sehen. Jeder Mann, der nur immer dort hinkommt, wird von diesen Leuten geschlagen und vertrieben werden.« Der König sagte: »So fangt doch einige und bringt mir diese hierher!« Der Jäger sagte: »Mein König! Das ist nicht möglich. Das ist nicht möglich!« Der König sagte: »So kämpft mit ihnen. Kämpft oder tut mit ihnen, was ihr wollt. Ich muß aber einige von diesen Leuten sehen!« Der Jäger sagte: »So werden wir es auch nicht können, denn diese Leute sind wohl stärker als wir. Laß mich aber jetzt gehen. Ich will diese Sache bis morgen bedenken und dann wiederkommen.«

Der König sagte: »Das ist gut.« Der Jäger ging nach Hause.

Am anderen Tage kam der Jäger wieder zum König und sagte: »Du willst einige von diesen Leuten sehen?« Der König sagte: »Ja, ich will einige von diesen Leuten sehen!« Der Jäger sagte: »Wenn du mir guten Honig und Zuckerrohr besorgen kannst, will ich einen Versuch machen, dir diese Leute oder einige von ihnen herzubringen.« Der König sagte: »Honig und Zuckerrohr sollst du haben. Ich werde sogleich danach senden.« Der König sandte zwei Leute in den Busch, um Honig zu suchen. Die beiden Leute gingen in den Busch. Die Leute fanden Honig. Sie brachten eine große Kalebasse voll Honig zum König. Der König sandte Honig zu dem Jäger. Der Jäger kochte den Honig mit Wasser. Er nahm auch Wabenwachs, in dem noch Honig war, und steckte es in seine Schultertasche. Das Honigwasser gab er aber dem König. Dann ging der Jäger hinaus und schnitt sehr süßes Zuckerrohr ab. Das Rohr schnitt er in kleine Stücke und steckte sie in seinen Schultermattensack. Damit machte sich der Jäger wieder auf den Weg.

Der Jäger ging denselben Weg, den er zuerst gegangen war. Der Jäger kam wieder in das Land der Frauen. Die Frauen sahen den Jäger, sie liefen auf ihn zu. Sie wollten ihn fangen und schlagen. Der Jäger rief: »Schlagt mich nicht! Ich habe etwas ganz Besonderes. Ich habe etwas sehr, sehr Süßes, das will ich eurer Königin geben. Ich bin geschickt von einem anderen König!« Die Frauen sagten: »Der andere König ist uns ein Nichts. Zeige aber einmal das sehr, sehr Süße her. Denn wenn wir dich zur Königin bringen und die Sache ist dann nicht so süß und unwahr, dann tötet die Königin dich und wird auch über uns unwillig!« Der Jäger sagte: »Ich will euch gern ein wenig geben, denn ich habe genug davon bei mir.« Der Jäger brach ein wenig von der gefüllten Wabe ab und gab es den Frauen. Die Frauen nahmen es. Die Frauen versuchten es. Die Frauen sagten: »Das ist wahr! Das ist ganz ausgezeichnet.« Die Frauen kosteten noch ein wenig davon und fragten: »Was ist das?« Der Jäger sagte: »Das ist der Schmutz des Penis (eba) meines Königs. Den soll ich eurer Königin bringen.« Die Frauen fragten: »Hast du denn den Eba deines Königs auch bei dir?« Der Jäger sagte: »Ja, den Penis meines Königs habe ich auch bei mir. Der ist hier oben in der Schultertasche und macht da seinen Schmutz (tschöki). Er macht da den Schmutz, den ihr eben versucht habt.« Die Frauen sagten untereinander: »Dann wollen wir diesen Mann zu unserer Königin bringen. Denn was er da von seinem König bringt, ist so gut, daß unsere Königin es unbedingt versuchen muß.« Die Frauen sagten untereinander: »Ja, unsere Königin muß den Penis des Königs und seinen Schmutz versuchen.«

Die Frauen sagten: »Komm mit uns!« Die Frauen nahmen den Jäger in ihre Mitte und brachten ihn in die Stadt. Sie brachten ihn in das Haus der Königin. Die Königin sagte: »Was ist das für ein Mensch? Was willst du?« Der Jäger sagte: »Ich bin aus einem anderen Lande. Mein König sendet mich. Mein König sendet dir, der Königin, ein Geschenk. Ich bringe dies Geschenk. Das Geschenk ist sehr süß.« Die Königin sagte: »Was ist das?« Die Frauen, die den Jäger gebracht hatten, sagten: »Töte ihn nicht, denn sein Geschenk ist in der Tat sehr süß. Er hat den Eba seines Königs mitgebracht. Den Eba hat er in seiner Tasche. In der Tasche macht der Eba seinen Schmutz. Wir haben nur den Schmutz versucht. Aber auch dieser Schmutz übertrifft an Süße alles, was wir essen. Töte den Mann nicht!« Die Königin besah den Jäger.

Die Königin sagte zu dem Jäger: »Dann gib her, was dein König mir Süßes schickt. Ich will es versuchen.« Der Jäger sagte: »Meine Königin, laß uns in das Haus gehen.« Die Königin sagte: »Es ist gut, wir wollen in das Haus gehen! Ihr Frauen könnt in der Katamba (Durchgangshaus) bleiben.« Die anderen Frauen blieben in der Katamba. Die Königin ging mit dem Jäger in ihr Haus. Die Königin setzte sich auf ihr Bett. Der Jäger setzte sich neben sie auf das Bett. Die Königin sagte: »Nun gib her.« Der Jäger sagte: »Versuche den Tschöki-ba!« Der Jäger brach ein gutes Stück Wabe ab und gab es der Königin. Die Königin nahm es in den Mund. Die Königin sagte: »Das ist süß.« Die Königin kaute es. Die Königin sagte: »Das ist ausgezeichnet. Gib mir mehr!« Der Jäger gab der Königin den Rest der Wabe. Die Königin aß die Wabe auf. Die Königin sagte: »Das ist ausgezeichnet. Das ist also der Schmutz des Eba! Was ist nun ein Eba? Kann ich nicht einen Eba bekommen?«

Der Jäger sagte: »Du willst einen Eba versuchen? Gewiß habe ich Eba bei mir. Bei uns hat jeder einen Eba. Ich habe aber auch die Eba meiner verstorbenen Großväter (Dako) bei mir! Versuche erst einmal die Eba der Dako.« Die Königin sagte: »Es ist recht! Gib mir nur her!« Der Jäger griff in seine Tasche und nahm ein Stück Zuckerrohr heraus. Der Jäger gab der Königin ein Stück Zuckerrohr und sagte: »Kaue diesen Eba meines Dako.« Die Königin nahm das Zuckerrohr und kaute es. Die Königin sagte: »Das ist gut. Das ist sehr gut. Das ist süß. Gib mir mehr davon.« Der Jäger gab der Königin alle Zuckerrohre, die er bei sich hatte. Die Königin aß alles auf. Die Königin kaute alles Zuckerrohr. Sie sagte: »Gib mir noch mehr Eba deiner Dako.« Der Jäger sagte: »Mehr Eba meiner Dako habe ich nun nicht bei mir. Denn jeder meiner Dako hat nur einen Eba gehabt, wie ein jeder Mensch bei uns nur einen Eba hat und nicht mehr.«

Die Königin sagte: »Jeder Mensch hat bei euch einen Eba, den man essen kann?« Der Jäger sagte: »Ja, jeder Mensch hat bei uns einen Eba, den man essen kann. Man kann den Eba eines Menschen aber nicht nur einmal essen. Sondern man kann den Eba immer wieder essen, jeden Tag ein- oder zweimal.« Die Königin fragte den Jäger: »Hast du denn auch einen Eba?« Der Jäger sagte: »Ja, ich habe auch einen Eba.« Die Königin sagte: »Kann ich nicht deinen Eba auch einmal essen?« Der Jäger sagte: »Du kannst meinen Eba einmal essen. Aber man ißt den Eba eines lebenden Menschen anders.« Die Königin fragte: »Wie ißt man den Eba eines lebenden Menschen?« Der Jäger sagte: »Soll ich es dir zeigen?« Die Königin sagte: »Ja, zeige es mir!« Der Jäger sagte: »Dann lege dich auf das Bett.« Die Königin legte sich auf das Bett. Das Bett der Königin war sehr schön. Der Jäger legte sich zu der Königin.

Er legte sich neben die Königin. Der Jäger sagte: »Schlage deine Beine über mich.« Die Königin legte das eine Bein über den Jäger. Der Jäger sagte: »Fühle hierher.« Die Königin faßte den Eba des Jägers. Die Königin führte den Eba des Jägers in ihre Vagina. Der Jäger beschlief die Königin. Die Königin sagte: »Ist das süß! Ist das süß!« Die Königin sagte: »Das übertrifft die Süßigkeit aller Ebas der Dako! Laß mich deinen Eba noch einmal essen!« Darauf beschlief der Jäger die Königin noch ein zweites Mal.

Die Königin sagte: »Bei euch hat ein jeder solchen Eba? Und man kann ihn immer wieder genießen?« Der Jäger sagte: »Ja, bei uns hat ein jeder einen solchen Eba. Der Eba meines Königs ist aber noch viel süßer als der meine.« Die Königin sagte: »Ich möchte den Eba deines Königs auch einmal essen.« Der Jäger sagte: »Wenn du den Eba meines Königs essen willst, so komme zu ihm. Ich will morgen sogleich zu ihm gehen und sagen, daß du kommst!« Die Königin sagte: »Ja, du kannst zu deinem König gehen und kannst ihm sagen, daß ich mit meinen Frauen zu ihm kommen will, seinen Eba einmal zu essen. Bleibe erst aber noch bei mir, denn ich will noch einige Male deinen Eba essen.« Der Jäger blieb noch zwei Nächte bei der Königin und beschlief sie jede Nacht.

Der Jäger sagte: »Nun will ich zu meinem König zurückgehen.« Die Königin sagte: »Bleibe noch zwei Nächte bei mir, damit ich deinen Eba noch essen kann.« Der Jäger sagte: »Ich kann nicht länger bleiben. Sonst wird mein König über mich böse. Mein König wird mich dann strafen. Willst du, daß mein König mich straft? Habe ich dir nicht Süßes gebracht?« Die Königin sagte: »Du hast mir mehr Süßes gebracht, als ich vorher wußte. Ich will nicht, daß dein König dich straft, aber bleibe noch bei mir.« Der Jäger sagte: »Kannst du nicht leicht zu uns kommen? Wirst du dann nicht noch mehr Süßes haben als von mir?« Die Königin sagte: »Es ist gut, gehe also zu deinem König zurück. Ich will mit dir gehen!« Der Jäger sagte: »Laß mich vorausgehen und dem König sagen, daß du kommst.« Die Königin sagte: »Es ist gut, geh voraus und sage zu deinem König, daß ich komme. Sage ihm, daß ich mit meinen Leuten komme. Sieh zu, daß meine Frauen auch den Eba kennenlernen, denn bei euch hat ja ein jeder seinen Eba.« Der Jäger sagte: »Jede deiner Frauen soll einen Eba versuchen. Es hat keine Schwierigkeit. Wir haben genug davon.« Die Königin ging zu ihren Frauen heraus und sagte: »Ich habe den Eba versucht. Er übertrifft an Süße alles. Der Jäger geht nun voraus und sagt seinem König, daß ich komme und euch mitbringe. Der Jäger wird für jede von euch einen Eba haben, wenn wir kommen.« Die Frauen riefen: »Jede von uns wird einen süßen Eba haben! Jede von uns wird einen Eba haben!« Der Jäger ging.

Der Jäger ging über das Land zurück. Der Jäger kam wieder in seine Stadt. Der Jäger ging zu seinem König. Der Jäger sagte zu seinem König: »Ich bin wieder bei diesen Leuten gewesen.« Der König sagte: »Werde ich diese Leute sehen können?« Der Jäger sagte: »Ich habe mit diesen Leuten Freundschaft geschlossen. Die Königin will mit ihren Leuten kommen. Die Königin will deinen Penis essen. Die anderen Frauen wollen auch die Penisse kennen lernen. Sorge also, daß, wenn die Leute kommen, jeder von unseren mit einer von denen zur Seite geht und daß die zwei dann ungesehen von den anderen miteinander schlafen können. Das andere wird dann alles werden. Es ist ganz einfach und sehr angenehm.« Der König sagte: »Hast du es versucht? Ist es nicht unangenehm?« Der Jäger sagte: »Es ist sehr angenehm. Es ist so angenehm wie sonst nichts.« Der König sagte: »Dann will ich alle Leute zusammenrufen und es ihnen sagen, wie du angabst. Wann kommen die Leute?« Der Jäger sagte: »Ich kann sogleich zurückgehen und sie rufen!« Der König sagte: »Ja, gehe nur schnell.« Der Jäger ging wieder zurück.

Der Jäger kam wieder zu den Frauen. Der Jäger sagte zu der Königin und ihren Frauen: »Mein König bittet euch, nun zu ihm zu kommen. Eine jede von euch wird nicht nur den Schmutz des Penis, sondern einen eigenen Penis erhalten.« Die Königin sagte: »Es ist gut. Wir wollen jetzt schnell gehen.« Die Frauen sagten: »Jede von uns wird einen süßen Eba haben! Jede von uns wird einen süßen Eba haben!« Die Königin sagte: »Wir wollen zwei Monate lang bei den Männern bleiben, dann werden wir wieder zurückgehen!« Die Frauen packten ihre Kalebassen und nahmen sie auf den Kopf. Der Jäger ging mit den Frauen fort.

Der Jäger kam mit der Königin und den Frauen in die Stadt des Königs. Der König empfing die Königin. Alle Männer waren mit dem König. Der König führte die Königin in sein Haus. Jeder Mann nahm eine Frau mit in sein Haus. Der König beschlief die Königin. Jeder Mann beschlief eine Frau. Die Frauen sagten: »Das übertrifft an Süße alles andere.« Die Königin sagte zum König: »Ich will zwei Monate lang bei dir bleiben, dann will ich mit meinen Frauen wieder zurück in meine Stadt gehen.«

Die Königin blieb mit ihren Frauen zwei Monate lang in der Stadt der Männer. Als die zwei Monate vorüber waren, sagte die Königin: »Wir wollen noch zwei Monate hier im Lande bleiben. Dann will ich mit meinen Frauen wieder in unsere Stadt gehen.« Die Königin blieb mit ihren Frauen noch zwei Monate in der Stadt der Männer. Als die zwei Monate verstrichen waren, sagte die Königin: »Wir wollen noch zwei Monate bleiben.« Die Frauen blieben noch im Lande der Männer.

Die Frauen wurden schwanger. Die Frauen gebaren Kinder. Die Kinder wuchsen heran. Die Kinder schliefen auch wieder miteinander und gebaren Kinder. Es blieb so. Männer und Frauen gingen nicht wieder auseinander. Die Frauen gingen nicht wieder von den Männern fort.

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