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Das Schöne Mädchen von Pao

Otto Julius Bierbaum: Das Schöne Mädchen von Pao - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Schöne Mädchen von Pao
authorOtto Julius Bierbaum
year1910
publisherSchuster & Loeffler
addressLeipzig
titleDas Schöne Mädchen von Pao
pagesI-III
created20020707
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1899
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IV.
Die roten Vögel.

Aber der Mann war eben leider nicht geköpft, ja nicht einmal arretiert. Er konnte davonlaufen und lief davon.

Mit gemischten Gefühlen. Einesteils tat es ihm leid, daß seine Frau arretiert war, aber andernteils war er froh, daß er nicht arretiert war.

So, mit geteilter Seele, kam er in seinem Laufe an das Ufer des Flusses, der »Klarwasser« geheißen ist und betrachtete sein halb wehmütiges halb vergnügtes Antlitz im hellen Spiegel des Gewässers. Da bemerkte er ein seltsames Schauspiel, das ihm bald interessanter vorkam, als sein Gesicht: Ein großer Schwarm flatternder roter Vögel war bemüht, ein Strohmattenbündel von der Mitte des Flusses nach dem Ufer zu ziehen. Die einen hatten Mattenflechten im Schnabel und zerrten so das Bündel hinter sich her, die anderen flogen schreiend drum herum. So wurde das Bündel vor dem Manne gelandet.

Ei, dachte sich der, was mag da drinnen sein, daß sich so viel Vögel darum bemüht haben!

Und siehe da: es war ein kleines Mädchen.

– Schau! Mein altes Weib hab ich verloren, und Vögel haben mir ein jung Maidlein dafür gebracht. Das ist am Ende kein so übler Tausch, und mit dem nackenden Dingschen da muß es wohl eine eigene Bewandtnis haben, denn um gewöhnliche Menschenkinder bekümmert sich kein Vogel. Hm! Hm! Hm! Was tu ich mit dem Fratz! Soll ichs da liegen lassen und schreien? Das Gescheidteste wärs am Ende . . . aber mich erbarmt des Würmchens. Nehm ichs halt und trags in die nächste Stadt!

Die nächste Stadt aber war – Pao, dasselbe Pao, aus dem die Drachen aufgeflogen waren. Der alte Bauer wußte das freilich nicht, und es wäre ihm wohl auch gleich gewesen. Er war froh, daß er das schreiende kleine Ding bald anbrachte, gab sogar noch ein paar Stück Baumwollzeug dem Manne zu, ders ihm abnahm. Dieser Mann hieß Szö-ta und nahm das Mädchen, weil seine Frau ihr eigenes eben geborenes Kind gleich nach der Geburt durch den Tod verloren hatte.

Damit verschwindet der Yen-Bogen-Verkäufer aus unsrer Geschichte, die nun wieder in höhere Sphären, an den Kaiserhof, steigt.

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