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Das Schöne Mädchen von Pao

Otto Julius Bierbaum: Das Schöne Mädchen von Pao - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Schöne Mädchen von Pao
authorOtto Julius Bierbaum
year1910
publisherSchuster & Loeffler
addressLeipzig
titleDas Schöne Mädchen von Pao
pagesI-III
created20020707
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1899
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XXXII.
Die nackte Kaiserin.

Die Kaiserin war nun wieder froh, ja, ein lachender Übermut war über sie gekommen; Tanz und Gesang ging durch das Kaiserschloß.

Der Alte im Barte, ob er gleich ein sehr moralischer Dichter war und das Ende immer im Auge hatte, hat sich doch dieser Stimmung nicht ganz entziehen können, als er darüber dieses Gedicht schrieb:

Zum zweiten Male blühte der Purpurkelch,
Als Heiterkeit mit lachendem Licht ihn traf,
Den ganzen Himmel und alle Seligkeiten
Schlürfte er ein.

Das ganze Leben war ihr ein Schwebetanz,
Sie warf den Kopf mit Lachen zurück und sang:
All meine Adern strömen voll rotem Weine,
Leben ist Rausch!

In ihrer Schönheit war jetzt die Glut des Sommers, und sie schritt wie eine Siegerin, die nichts zu fürchten hat. Am liebsten ging sie nackt mit lang herabfallenden Haaren, und hatte gerne große reife Früchte in der Hand und schwere, farbenglühende Blumenkränze auf dem Scheitel.

Was ihr früher ein Entsetzen gewesen war, wurde ihr jetzt höchste Lust. Tausend riesige Drachen ließ sie aus Gold bilden und in einem Kreise um eine Wildnis roter Rosen herumstellen. Die Rosen umwandelnd grüßte sie die Drachen mit heißen Umarmungen ihrer Nacktheit. Und laute, brausende Musik mußte wie in schmetternden Strahlen immer um sie sein.

Für den Kaiser hatte sie ein gütiges Lächeln, doch durfte er nicht mehr Schatz und Maus zu ihr sagen. Vielmehr war es ein heroischer Ton, auf den sie jetzt alles stimmte.

Und als die Kunde kam, daß die Vasallen sich empört hätten und unter Führung des Grafen Schên mit den Yungs und Tis gegen die Hauptstadt heranrückten, da wurde ihr Jubel zur Ekstase.

– Nackt auf einem schwarzen Hengste möcht ich ihnen entgegen reiten und mit großen goldenen Äpfeln auf sie zielen, rief sie, und der Kaiser mußte ihr ein Schwert machen lassen, das nannte sie Ta-hsiao, das große Lachen.

Dem Kaiser aber war das Weinen näher, denn, je näher der Feind heranrückte, umso wilder gärte es auch in der Hauptstadt. Er hatte kaum mehr als seine Garde, sich den Empörern entgegenzustellen.

– Ah bah, rief die Kaiserin, was tuts? Und wenn wir niemand haben, als meine tausend goldenen Drachen, so will ich mich zwischen die Rosen stellen, und meine Drachen werden die Feinde verzehren. Ta-hsiao, mein Schwert, Ta-hsiao: wir zweie wollen lachen!

Sie ist verrückt, dachte sich der Kaiser und übte seine Garde ein.

Herolde vom Feinde kamen und verkündeten: Wenn der Kaiser zugunsten seines Sohnes I-tschiu abdankte und die Dame aus Pao verstieße, so sollte er persönlich freien Abzug haben und ein Schloß als Verbanntensitz erhalten.

Seine Majestät war nicht abgeneigt, darauf einzugehen, wenn er nur mit der Kaiserin Pao und seinem Sohn Lu abziehen dürfte.

Die Kaiserin aber lachte: Willst du Gutsbesitzer werden, Kaiser? Geh, zieh ab! Mich aber laß bei meinen Drachen! Ah, wie freue ich mich, wenn die Barbaren kommen! Nackt zwischen Rosen sollen mich die haarigen Tölpel sehen! Was für Gesichter werden die Struppigen machen! Lustig. Kaiser, lustig! Ich will den Borstentieren das Tanzen beibringen!

Und sie ließ ins feindliche Lager melden: Die Kaiserin Pao freut sich auf den Besuch der Hunde und Schweine, sie hat schon lange eine Menagerie haben wollen.

Dieser Hohn entflammte die Wut der Heranrückenden aufs äußerste. Am nächsten Tag war die Kaiserstadt umzingelt. Die Fanfaren der Vasallen und Barbaren dröhnten bis in die innersten Gemächer.

– Nun, Kaiser, nimm dein Schwert und deinen Sohn und kämpfe. Ich mit meinem Schwerte warte hier auf dich oder – die Barbaren.

Der Kaiser tat, wie sie befahl, machte einen Ausfall und wurde mit dem kleinen Kronprinzen getötet. Zwei rote Pfeile hatten ihn und seinen Sohn getroffen, noch ehe die Truppen recht auf einander gestoßen waren.

Kein Mann war in der Kaiserstadt; nur Palastdamen und Eunuchen. Im östlichen Palaste lagen wimmernd zu einem Haufen zusammen gedrängt die sechshundert Damen der sechs Serails und stöhnten und schrien: Was wird aus uns werden! Was wird aus uns werden!

Die fetten Eunuchen aber trippelten hin und her und fistelten: Habt euch nicht so! Für euch ist immer gesorgt; die Barbarenhäuptlinge werden schon wissen, wie sie euch plazieren sollen. Aber wir! Wir! Was wissen Barbaren von der Mission kaiserlich chinesischer Eunuchen? Gott weiß, zu was sie uns benutzen werden! Wir haben zu viel Kultur! Ach, ach, – werden die Barbaren uns zu würdigen wissen? Ach hätten wir doch so viel Kurage, wie Herr A-yu, der Zauberkünstler, der sich an seinem ledernen Gürtel aufgehängt hat!

Indessen ging die Kaiserin Pao ruhig und mit einem seltsamen Lächeln auf den Lippen in den Juwelenpavillon, sah sich in der Thronhalle kopfnickend um und setzte sich auf den Thron.

– Nun sitze ich allein unterm Himmel! sagte sie ganz laut und langsam vor sich hin.

– Wie sie draußen toben! Wie schön das klingt! Die Hörner dröhnen Wut und Kraft, und die Fanfaren der Posaunen sind wie wehende gelbe Tücher. So winken meine Drachen.

Sie ergriff den Klöppel und schlug dreimal das Gong. Es hallte durch den Raum.

– Wie die leere Luft bebt und alle Geister in ihr rufen!

Sie schloß die Augen.

– Wer die Augen schließt und in sich vollendet hat, der sieht sein Herz . . .

– Was seh ich? Ein tiefer Kelch ist aufgetan und strudelt Blut in sich ein. Das dampft. Und aus den Dämpfen steigen meine Drachen. Und einer faßt mich und hebt mich hoch und setzt mich auf seinen Rücken und trägt mich fort.

– Wohin? Da rauscht ein Fluß, und rote Vögel singen. Und ich liege in Binsen und schlafe so süß.

– Und nun? Wolken wehen vom Monde, und eine Brust gibt sich mir zu trinken.

– Und nun? Meine Knie drücken sich in feuchte Erde, und meine Hände mähen hohes Gras. Duft und Helle! Lachen fliegt im Winde. Ich singe ein Lied:

Sichel, Sichel durch die Saat,
Alle Halme fallen,
Heute ist die große Mahd,
Heute gilt es Allen:
Gras im Felde: Dir, eija,
Magd im Feld: mir, eija, –
Müssen alle fallen,
Denn der Tag ist da.

– Wie wunderlich! Ein Beben und eine Lust . . . Ich schneide mich in den Finger und trinke mein Blut. Da nicken Drachen aus Wolken, und ein Wetter kommt.

– Und nun? Wie klingt das andere Lied?

Es steigt der Mond,
Die Sonne sinkt . . .

– Und sieh: Die Drachen tragen mich hoch, und unter mir glüht mich die Sonne an und bettelt: komm!

– Was weiter? Weiter? Pah! Ich tue meine Augen auf und lache!

Die Kaiserin öffnete die Augen, lehnte sich breit in den Thron zurück und lachte laut auf.

– Fort mit der Seide! Thron und Kleider sind eng. Alle meine Poren wollen Luft und Sonne.

Mit einem starken Risse teilte sie ihr Gewand, warf es hinter sich auf den Thron und stand nackt.

– Nun bin ich ich! Nun bin ich frei! Nun tanz ich meinen letzten Tanz und weiß – wohin.

Sie nahm ihr Schwert in die rechte Hand und schulterte es.

– Dein Rücken ist kalt, mein Schwert Ta-hsiao, und meine Schulter ist heiß. Bald wird dir warm sein, mein großes Lachen.

Sie trat in den leeren Garten. Grelle Sonne lag auf dem gelben Kies, der unter ihren dunkelroten Pantoffeln knirschte. Das Getöse der Kämpfenden klang nahe her: schwach die Signale der Kaiserlichen, dröhnend voll die Hörnerstöße der Rebellen und Barbaren.

Die Kaiserin stieg auf den Hügel des Ahnentempels, ging in den kühlen Tempelvorsaal und sprach vor sich hin: Kühl habens die Ahnen und kühl hats nun mein guter Yu, – er und der Kleine. Werden sie ihm auch eine Tafel aufstellen?

Die Tür zum Saal, in dem die Tafeln standen, war verschlossen. Sie legte das Schwert ans Schloß, und leise taten sich die beiden mit Goldblech beschlagenen Flügel auf. Da lehnten rund herum an den dunklen Wänden die hellen Tafeln des Hauses Tschou.

Die Kaiserin ging bis in die Mitte des Saales und sah sich um.

– Wo stehen die Tafeln meiner Ahnen?

Sie ging die Tafeln entlang und las die großtönenden Namen und Devisen. Eine leere Tafel schloß die Reihe. Die Kaiserin kauerte sich vor ihr nieder, nahm ihr Schwert und schrieb in großen Zügen die purpurrot leuchteten, als hätte der Stahl Blut aus dem Steine geritzt, dies:

Es steigt der Mond,
Die Sonne sinkt;
Die Seligkeiten
Sind erfüllt.
Das große Lachen schallt und schwillt,
Verhallt und lebt in letzter Lust,
Die nackte Kaiserin grüßt den Mond
Und geht.

Dann richtete sie sich hoch auf, schwang das Schwert langsam über ihrem Haupte und lachte laut.

Ein wunderliches Echo klang – wie fernes Wolfsbellen.

Die Kaiserin schritt langsam hinaus und die Turmtreppe hinauf. Oben, auf dem Turmumgang blieb sie stehen und lehnte ihre Arme auf die Brüstung. Mit großen, ruhigen Augen sah sie in die Schlacht vor den Mauern: auf die Flucht der kaiserlichen Garden. An die Mauer gedrängt, entwichen sie rechts und links; wie ein riesiger Stierschädel stieß breit mit gewaltigen Hörnern das Heer der empörten Vasallen und Barbaren vor. Ein riesiger Barbarenhäuptling. ein schwarzes Fell um die Schultern und sitzend auf einem breiten schwarzen Gaule, hielt die eroberte Standarte des kaiserlichen China. Wie ein gelber Baldachin wehte das Feldzeichen des Himmelssohnes über der schwarzen Gestalt.

Die Kaiserin lehnte sich über die Brüstung vor und rief: Hebt eure Hauer, Schweine des Waldes, wittert empor, Giernüstern der hungrigen Hunde: Da steht die Beute und wartet auf eure blutigen Zähne!

Dann wandte sie sich um und schlug mit ihrem Schwerte auf die große Glocke, genannt Klingdonner des Himmels, und die Glocke hob sich und klang gewaltig und tief: Pang-pong! Pang-pong! Pang-pong!

Alle Köpfe im feindlichen Heere erhoben sich und starrten zum Turme des kaiserlichen Ahnentempels, und ein Geheul klang auf wie von einer hunderttausendköpfigen Meute wuttoller Hunde. Mit einem Satze, als wollte sie sich in die Tiefe stürzen, sprang die Kaiserin auf die Brüstung, so daß ihr Haar sich wie ein schwarzer Strudel über sie hob und dann vornüber fiel. Und, nackt vor allen Feinden stehend, hoch oben im klingenden Donner der großen Glocke, breit die Füße gestellt, das Schwert geschultert und die linke Hand in die Hüfte gestemmt, jauchzte sie hinunter: Heioh! Heioh! Heioh! Ich bin die Beute! Ich bin die Braut! Setzt über die Mauer und kommt!

Posaunen und Tuben, Hörner und Trompeten dröhnten auf, und hunderttausend Trommeln rasselten Angriff. Die Barbaren stießen ihr Kampfgebell aus, die Truppen der Vasallen brüllten: Das Reich dem Kaiser I-tschiu!

Der riesige Stierkopf stemmte sich gegen die Mauer der Kaiserstadt.

Ruhig drehte sich die Kaiserin um und sprang von der Brüstung. Ganz langsam umwandelte sie den Turmumgang und überschaute die Palaststadt mit ihren Palais, Pavillons, Kiosken, Gärten, Seen und Flüssen. Dem Juwelenpavillon sandte sie noch eine lachende Kußhand, dann schritt sie die Treppe hinab.

Trällernd ging sie den Weg zum Drachenrund. Der Weg lag wie beblutet von der untergehenden Sonne, und die tausend goldenen Drachen leuchteten wie gelber Wein aus einem roten Glase.

Zwischen den Rosen und Drachen schreitend sang die Kaiserin so:

Meine Drachen, meine Treuen!
Meine Rosen, meine Geliebten!
Könnt nicht lachen mit den Lippen,
Euer Lachen ist die Röte,
Rot vor Lachen liegt die Welt.

Da drang ein Rasseln, Keuchen, Gemurmel heran, und die Kaiserin blieb lauschend vorgebeugt stehen. Sie hörte:

– Wer warf die Garden? Wir, die ihr Barbaren schimpft!

– Woher die Pfeile, die den Kaiser trafen? Von uns, den Vasallen!

– Zurück mit euch! Die Kaiserstadt ist unser!

– Unser ist der Kaiser I-tschiu!

– Macht, was ihr wollt mit dem! Wir wollen die nackte Kaiserin!

– Macht, was ihr wollt mit der! Wir wollen den Thron!

– So geht in den Palast und laßt uns hier das Feld! Wir wollen nichts als die nackte Kaiserin.

– Gut so! Hahaha!

– Lacht immer! aber geht!

Es waren die Vasallenfürsten und die Barbarenhäuptlinge, die da aneinander gerieten.

Nach einer Weile ward es ruhig, die Vasallenfürsten zogen ab: zum Thronpalast. Die beiden Häuptlinge murmelten miteinander:

– Laß du sie mir, Njang-Purr! Nimm alle sechs Serails dafür.

– Das möchte dir gefallen, Ak-Pjörl, – haha! Redlich mitsammen gehauen, redlich mitsammen geteilt!

– Der Weiber drüben sind über fünfhundert! Die alle du! Ich bloß die Eine, – ist das nicht redlich geteilt?

– Ich will die Nackte, die auf dem Turme stand, die schöne Pao!

– Du Ziegenkäsfresser?

– Was sagst du, räudiger Hund? Sauf Stutenmilch und troll dich!

Ein Keuchen, Ächzen, Grunzen, – sie lagen sich wohl in den Haaren.

Die Kaiserin lächelte: das sind aimable Freier. Aber es wäre schade, wenn sie sich auffräßen, ehe ich sie sehe.

Sie sprang in das Rund zwischen den Rosen und rief: Ei da, ihr Helden da draußen, was laßt ihr mich solange warten, die nach euch schmachtet? Kommt, meine riesigen Recken und holden Herren! Kommt alle Zweie und laßt mich den Schönsten von euch wählen!

Njang-Purr ließ die Gurgel Ak-Pjörls los, die er eben zwischen den Fäusten hatte, und Ak-Pjörl hörte auf, die Weichen Njang-Purrs zu quetschen.

– Sie hat Recht!

– Gehen wir zusammen!

Schnaubend, mit wuchtig stampfenden Schritten, hochrot und schwitzend vom Kampfe traten sie in das Drachenrund, zwei massige schwarzhaarige Gesellen mit langen struppigen Bärten, fellumhangen, eisenbehelmt, an den Beinen stahlbebuckelte Lederbinden, unter den Füßen dicke, metallbeschlagene Holzsohlen, in der linken Hand einen breiten krummen Säbel, über und über, wo man das Nackte sah, an Armen, Beinen und Brust, schwarzborstig behaart.

– Huh! Welcher mag der Hund sein, welcher das Schwein? dachte sich die Kaiserin zwischen den Rosen. Nach dem Stalle riechen alle beide.

Sie hatte sich geduckt, so daß sie von den Barbaren nicht gleich gesehen werden konnte.

Die ließen die Blicke wild und gierig herumrollen und riefen:

– Wo steckst du, Nackte?

– Komm, zeige dich, komm!

– Zwischen Rosen sitzt die Braut! lachte die Kaiserin und erhob sich.

– Hah! keuchten die Beiden und verschlangen die Kaiserin mit ihren Blicken.

Die hatte die Arme hinters Haupt gelegt und lächelte.

– Soll ich euch eins tanzen?

Und sie begann, sich in den Hüften zu wiegen, und schwang die Arme und bog und drehte sich und lachte dabei leise, heiß.

Die beiden Barbaren standen wie angeheftet breitbeinig da, nur ihre Brust hob sich wild.

Plötzlich grunzte Njang-Purr heiser auf, machte einen Satz und sprang vor. Aber Ak-Pjörl fuhr hinter ihm drein, erwischte ihn am Fell und brüllte: Halt da! Zurück!

Njang-Purr holte mit dem Schwert aus und schlug nach hinten. Krach! höhnte der Schild Ak-Pjörls, und nun haute der zu.

Hieb und Krach und Krach und Hieb, – es entwickelte sich ein Kampf auf Leben und Tod zwischen den Zweien, und sie jagten sich unter wildem Geknurr und Gekeuch zwischen den Rosen und Drachen herum.

Die Kaiserin stand hoch aufgerichtet da und sah mit lautem Lachen großäugig zu.

Da traf Ak-Pjörl seinen Gegner am Halse, und ein dicker Blutstrahl sprang aus der Wunde. Der Getroffene brüllte auf und sank nieder, Ak-Pjörl stürzte sich mit einem heulenden Jauchzer über ihn und riß die Wunde mit beiden Händen auseinander.

Starr sah die Kaiserin, wie das Blut über die Hände des Siegers quoll. Sie schloß die Augen, kauerte nieder, lachte gellend auf und stieß sich mit beiden Händen das Schwert in die Brust.

Da hob sich ein Rauschen von zweitausend ehernen Schwingen, und die tausend goldenen Drachen stiegen empor, und zwei große rote Vögel flogen in das Rosenrund.

Ak-Pjörl ließ von dem Erschlagenen und sprang heulend mitten in die Rosen. Die Vögel flogen auf.

Der Barbar, von tausend Dornen gerissen, wand sich durch den Busch und warf sich in die leere Blutlache.

Nichts! brüllte er, nichts! Drachenflug und Gespenster! Genarrt! Genarrt! Genarrt!

Und er erhob das Kriegsgebell seines Stammes.

Von allen Seiten wimmelten die Barbaren heran. Über und über mit Blut besudelt, zerfetzt am ganzen Leibe, mit halbem Barte und halb nackt schrie Ak-Pjörl: Betrogen die Yung! Betrogen die Ti! Feuer, Feuer, Feuer in die Stadt der Paläste! Alles zertreten, zerstampft, zerhackt! Niedergemäht alles Volk! Alles zur Wüste gemacht und zernichtet! Auf! Auf! Auf!

Und wie sich der Abend senkte und es dunkel werden wollte, flammte die Palaststadt auf, und in der Volksstadt erhob sich das Gemetzel zwischen den Barbaren und Chinesen.

Der Alte im Barte hat es kurz in Verse gebracht:

Die eine gab sich selbst den Tod,
Nun ist der ganze Himmel rot
Vom Blute.

Dreihunderttausend starben da,
Kein Lachen war, wie das geschah
Voll Blute.

Barbaren bellten durch die Stadt
Und soffen sich mit Heulen satt
Im Blute.

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