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Das Schöne Mädchen von Pao

Otto Julius Bierbaum: Das Schöne Mädchen von Pao - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Schöne Mädchen von Pao
authorOtto Julius Bierbaum
year1910
publisherSchuster & Loeffler
addressLeipzig
titleDas Schöne Mädchen von Pao
pagesI-III
created20020707
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1899
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XXIX.
Die Witzkonkurrenz.

So war auch das Unternehmen mit der Ausmerzung der Familie Schên fehlgeschlagen, und die Kaiserin wurde immer düsterer, launenhafter, unangenehmer.

Da sagte der Kaiser: Jetzt kann nur noch ein Edikt helfen, und er ließ an allen Straßenecken anschlagen, was folgt:

An mein Volk!

Mein kaiserliches Herz ist in tiefste Betrübnis dadurch versetzt, daß meine hohe Gemahlin Pao, der Purpurkelch aller Seligkeiten, das Lachen verlernt hat. Der Rat meiner Weisen hat versagt; keiner wußte Hilfe. In dieser Not wende ich mich an mein getreues Volk, an den Mutterwitz des ganzen Landes. Meine teuern Untertanen! Strengt euren Verstand an! Sinnt etwas recht, recht Lächerliches aus! Wer es dahin zu bringen weiß, daß der Purpurkelch aller Seligkeiten ein einziges Mal lacht, der soll 1000 Taels und den violetten Mützenknopf erhalten.

Der Sohn des Himmels.

Man kann sich wohl denken, wie es in den witzigen Köpfen von China nach diesem Edikt aussah.

Es gab damals noch keine Journale mit Preisausschreiben (weil es überhaupt noch keine Journale gab), und die witzigen Leute wußten daher durchaus nicht, wo sie ihre scherzhaften Einfälle abladen sollten. Nicht einmal gratis waren sie anzubringen, und der Spießkäfig konnte doch nicht eigentlich als Honorar angesehen werden. Und nun plötzlich, wie eine Himmelserscheinung, wie ein Strahlenfächer von der Sonne her, dieses Edikt. Tausend Taels und der violette Knopf!

Alles, was Witz hatte in China, geriet in einen Taumel. Handel und Gewerbe stockten, denn es galt jetzt, einen Witz ad usum des Hofes zu machen, und das war wichtiger, als Filzsohlen auf Schuhe kleben, Zucker abwiegen, Fächer malen und dergleichen.

– Schulfrei! Schulfrei! riefen die Buben und schwangen ihre Tafelkäscher, der Herr Lehrer muß einen Witz machen!

Die Zivil- und Kriminalgerichtshöfe schlossen gleichfalls ihre Tore, denn vom Herrn Präsidenten bis hinab zum Gerichtsschreiber war die gesamte Justiz nur darauf bedacht, etwas Ulkiges zu erfinden. Selbst die Scharfrichter stellten ihre Beile in die Ecke, legten den Finger an die Stirn und sannen nach, ob ihnen nicht etwas Urkomisches einfallen möchte. Und die Verurteilten waren nicht minder heiß hinter Witzen her; selbst die, die im Bock hingen, strengten sich nach Möglichkeit an; nur die Spießkäfigleute hatten Wichtigeres zu tun.

Daß alle Glieder der Regierung, vom Reichskanzler bis zum letzten Subkalkulator hinunter, kein wichtigeres Staatsgeschäft kannten, als Witze ergrübeln, versteht sich am Rande.

Wie viele Suppen um diese Zeit versalzen wurden, weil die Köche, die freilich nicht feiern durften, wie abwesend ins Herdfeuer starrten, ist, bei dem niederen Stand der Statistik damals, nicht überliefert worden, aber soviel steht fest: es waren sehr viele, und mit dem Kochsalze wurde nicht minder verschwenderisch umgegangen, als mit dem Salze des Witzes.

Natürlich erforderte es eine bis ins kleinste ausgearbeitete Organisation, die einlaufenden komischen Einfälle zu sammeln und zu sichten. Ein eigener Beamtenkörper, mit dem Kultusminister an der Spitze, wurde dazu gebildet. Er erhielt den Titel: Kaiserliche Witzsichtungskommission und bestand aus acht Rangklassen. Die einlaufenden Einfälle wurden nach einem scharfsinnig entworfenen Schema eingeteilt und jeder sub rubro so und so registriert. Eine fieberhafte Tätigkeit herrschte in den Bureaus der Kommission, in denen über dreitausend Schreiber Tag und Nacht den Pinsel schwangen.

Als die Arbeit beendigt war, stellte es sich heraus, daß von diesen Schreibern zweitausend blödsinnig geworden waren, und der Kultusminister reichte seine Entlassung ein.

Auf dreihundert Ochsenwagen wurden die mit Witzen bedeckten Schriftballen in die Kaiserstadt gekarrt.

– Grundgütiger Himmel! rief Seine Majestät aus, ich habe meine Untertanen ja immer für sehr drollige Leute gehalten, aber daß sie solche Massen von Komik produzieren würden, hätt ich doch nicht gedacht. Jetzt werde ich allein ein paar Jahre brauchen, um mir über diese Literatur Vortrag halten zu lassen, und bis dahin wird mir mein süßer Purpurkelch schwarz vor Melancholie. Sagen Sie mir um Gotteswillen, lieber Reichskanzler, was soll ich tun? Ich kann doch unmöglich das Zeug alles durchlesen?

– Das ist in der Tat ganz ausgeschlossen, oh Sohn des Himmels, antwortete Graf We. Schon das Sachregister allein erfordert ein Studium von Monaten. Ich habe mir erlaubt, es in meiner Kanzlei von den besten Köpfen meines Ressorts bearbeiten zu lassen, und muß leider gestehen: Es läßt wenig Hoffnung auf viel Gutes zu. Der Witz in seiner Überanstrengung und geblendet von der glänzenden Aussicht auf kaiserliche Belohnung ist meistens übergeschnappt, ganz abgesehen von den allzu naiven Äußerungen der Volksseele, die z. B. in den Rat ausklingen, Seine Majestät möge doch einfach Ihre Majestät kitzeln.

– Das habe ich aber wirklich auch schon versucht, lieber Graf, aber Ihre Majestät hat keineswegs darüber gelacht, mir vielmehr eine –, aber genug davon! Was meinen Sie also?

Graf We befand sich in einer etwas schwierigen Situation. Er hatte selbst einen Witz eingesandt. Natürlich nicht wegen der 1000 Taels oder gar, um den violetten Knopf zu bekommen, sondern ehrenhalber und zum Beweise seiner unablässigen Gedankenarbeit für das Wohl der Dynastie. Sollte, durfte er nun einfach sagen: ganz China hat nur einen guten Einfall produziert, und das ist meiner . . .? Das wäre doch am Ende auffällig erschienen. So beschloß der kluge Mann, erst einen Vortrab fremder Einfälle vorauszusenden und mit dem seinen erst dann nachzurücken, wenn sie, wie er voraussetzen durfte, sämtlich abgelehnt wären. Um aber auch für den Fall, daß ein fremder Einfall angenommen werden sollte, ein weniges davon zu profitieren, nahm er sich vor, nur solche Einfälle zu nennen, die, wenn auch nicht von ihm selber, so doch von Beamten seiner Kanzlei stammten.

Er sprach: Wenn ich Ew. Majestät in dieser überaus schwierigen Angelegenheit meine untertänige Meinung unter die Sohlen der erhabenen Pantoffeln legen darf, so ist es diese: Eine systematische Prüfung des gesamten Materials zum Zwecke einer Sichtung und engeren Wahl ist unangängig, weil sie zuviel Zeit und Ew. Majestät kostbare Gehirntätigkeit kosten würde. Ich halte es für das zweckmäßigste, mit Stichproben vorzugehen, aber so, daß die Stichproben sich nicht sogleich auf die ganze unabsehbare Masse erstrecken, sondern kategorienweise vorgenommen werden. Die kaiserliche Witzsichtungskommission hat die eingereichten Einfälle mit feinem volkspsychologischen Takte nach dem Stande der Einsender rubriziert. Es gibt da z. B. eine Hauptabteilung: Handwerkereinfälle, die in zahlreiche Unterabteilungen wie: Schuster-, Schneider-, Friseur-, Kaminfegerwitze usw. zerfällt.

– Das ist nicht übel, warf der Kaiser ein: die Friseurwitze könnten mich reizen.

– Dann gibt es eine Hauptabteilung: Gelehrteneinfälle, mit Unterabteilungen wie: Schullehrer-, Philosophen-, Mathematikerwitze usw.

– Darauf verzichte ich unbesehen, meinte der Kaiser.

Ferner ist natürlich die Beamtenschaft mit ihren Einsendungen systematisch geordnet nach Justiz, Steuer, Zoll usw., und alles, was mit der Regierung direkt zusammenhängt, ist wiederum und zwar nach den Ressorts der Ministerien geordnet.

– Löblich, löblich. Wie denken nun Ew. Durchlaucht, wo wir mit der Stichprobe beginnen sollen?

– Mich dünkt, oh Sohn des Himmels, daß es der Weisheit Ew. Majestät am meisten entsprechen würde, wenn wir, wie es in Staatsdingen ja immer geschieht, oben anfangen, d. h. bei Einsendungen von Angehörigen der Reichskanzlei, wobei ich nur, um die Objektivität dieses meines Vorschlages zu erhärten, bitten möchte, daß mein persönlicher Einfall fürs erste hors concours bleibe, um erst dann beigegeben zu werden, wenn die andern sich als unzulänglich erwiesen haben sollten.

– Sie sind wirklich ein Muster von Edelmut, lieber Graf, Ihr Vorschlag hat meinen ganzen Beifall. Man bringe die Witze der Reichskanzlei.

Graf We beauftragte einen Eunuchen, die Ochsenwagen der Reichskanzlei herbeizurufen, und es dauerte nicht lange, so fuhren diese vor.

– Hilf Himmel, was hat sich Ihre Kanzlei angestrengt! rief der Kaiser aus, als er die riesigen Fuhrwerke mit den zahllosen Ballen erblickte. Und da soll ich nun stichproben? Zu diesem Behufe müßte ja erst abgeladen werden, und das allein kann drei Stunden dauern. Nein, lieber Graf, das geht auch nicht! Nennen Sie mir auf gut Glück ein paar Einfälle Ihrer Beamten.

– Wie Majestät befehlen! Ich habe mir einige notiert.

– Lesen Sie, mein Lieber, lesen Sie!

– Der Unter-Staatssekretär Hao-bo-schên meint: Wenn man die Eunuchen als Palastdamen und die Palastdamen als Eunuchen anzöge und beide Hofkategorien demgemäß agieren ließe, so müsse das unendlich komisch wirken.

– Der Unter-Staatssekretär Hao-bo-schên verdient für diesen Einfall selber als Eunuch angezogen zu werden. Der Vorschlag ist so albern, wie der Herr, der ihn gemacht hat.

– Der Geheimrat Bo-to schlägt vor. einen Kronrat aus dressierten Affen zusammentreten zu lassen, und meint, das müsse furchtbar lustig sein.

– Der Geheimrat Bo-to ist selber ein dressierter Affe und scheint bei dieser Gelegenheit sein Mütchen am Kronrat kühlen zu wollen, weil er nicht dazu gehört. Der Vorschlag sieht ihm zu ähnlich, als daß er lustig sein könnte.

– Der Supernumerarius Kui-ping hat die sonderbare Idee, alle Hunde und Katzen der Kaiserstadt gelb und blau anmalen zu lassen und behauptet, es gäbe nichts komischeres auf der Welt, als diesen Anblick.

– Dieser Supernumerarius muß ein ausbündiger Schafskopf sein, daß er auf einen solchen witzlosen Einfall kommen konnte. Ich hätte nicht übel Lust, ihn dafür zu entsupernumeraren . . . Nein, teurer Graf, wenn Ihre Beamten nichts besseres vorzuschlagen wissen, so will ich doch lieber die Handwerkereinfälle prüfen. Ich bin überzeugt, daß jeder Schuster in China besseres eingesandt hat. Zuvor aber Ihren Vorschlag, lieber Reichskanzler! Wenn er auch nicht akzeptabel sein sollte, so wird er mich doch auf alle Fälle nach diesem Wust von Hirnverbranntheiten erquicken.

Graf We hatte natürlich mit gutem Vorbedacht die törichtsten Einfälle seiner witzlosesten Beamten ausgewählt, um für seinen Vorschlag einen günstigen Hintergrund zu haben, und er schickte sich nun mit dem sicheren Gefühle, mindestens nicht abzufallen, an, seinen Vorschlag kund zu tun.

Über diesen Vorschlag selber ist aber vorher einiges zu sagen.

Er war gar nicht vom Reichskanzler selber, sondern ging nur unter dessen Flagge, und Graf We, so gescheit er im übrigen war, wußte nicht, was für schlimme Pläne er mit seinem Namen deckte. Der Gedanke stammte von einem jungen Kanzleiaspiranten, namens Pa-ni, der zum Bunde der blühenden Talente gehörte und im Einvernehmen mit der Partei des Grafen Schên handelte. Dieser Herr Pa-ni hatte, nachdem ihm der Inhalt jener politischen Rede des Grafen Schên bekannt geworden war, nur das eine Ziel im Auge: Die Lehnsfürsten müssen gegen den Kaiser aufgebracht werden. Und dieser Absicht sollte auch der scheinbar ulkige Vorschlag dienen, den er ausgeheckt hatte. Da er wohl wußte, daß der Einfall eines jungen Kanzleiaspiranten blutwenig Aussicht hatte, dem Kaiser bekannt zu werden, und da er vielmehr der Überzeugung war, daß doch nur der Vorschlag angenommen werden würde, den der Reichskanzler machte, so hatte er seine Idee dem Grafen We persönlich überschickt und erklärt, er werde der Glücklichste aller Sterblichen sein, wenn sie sein erhabener Chef zur seinigen machen wollte. Das Wohlwollen Seiner Durchlaucht sei ihm tausendmal mehr wert, als der violette Knopf und tausend Taels. Diesem Wohlwollen aber sich zu empfehlen, sei der Grund dieses seines Schrittes. Der Reichskanzler war erfreut über diesen Beweis löblicher Gesinnung und fand überdies, daß die Idee des Herrn Pani einen gewissen Zug von grotesker Größe und Originalität habe. So machte er sie zu der seinigen und ihren Urheber zum Kanzleirat.

Dem Kaiser aber trug er den Vorschlag folgendermaßen vor: Es ist unmoralisch und beweist eine geringe Vertrautheit mit den Geboten des Anstandes, die unsere Klassiker aufgestellt haben, wenn jemand die Posaune seines eigenen Lobes ist. So ziemt es mir also nicht, den Vorschlag, den ich sogleich die Ehre haben werde, in den Lichtschein der Betrachtung Ew. Majestät zu rücken, als etwas besonders witziges hinzustellen. Aber das mag mir erlaubt sein zu sagen: auf der Stufe maskierter Eunuchen, dressierter Affen und angemalter Quadrupeden steht er nicht.

– Daran habe ich nie gezweifelt, lieber Graf. Sie ahnen nicht, wie gespannt ich bin, erklärte der Kaiser.

– Ich sagte mir: Wenn eine Kaiserin lachen soll, so muß der Anlaß durchaus außerhalb des Gewöhnlichen liegen, er muß einer Sphäre angehören, die sich im erhabenen Gesichtskreis der unvergleichlich hohen Persönlichkeit befindet, für die die ganze Sache arrangiert werden soll. Ist es schon ein Witz, so muß es ein Staatswitz sein, ein Witz von politischer Perspektive, ein Witz, der gewissermaßen von den höchsten Staatsangehörigen agiert wird, kurz: eine Staatsaktion als Witz!

– Sublim, lieber Graf, sublim! Sie spannen mich aufs angenehmste.

– Es ist freilich keine Frage, daß es etwas Gefährliches hat, mit staatlichen Dingen Witze zu treiben und den Geist des Ulkes auf das ernste Gebiet der Reichspolitik zu übertragen, und wenn ich schon als Autor dieses Witzes ihn in aller Untertänigkeit zu empfehlen die Verwegenheit habe, so muß ich doch gleichzeitig als Reichskanzler darauf hinweisen, daß er, staatsmännisch angesehen, sein Bedenkliches hat.

– Bah, bah, bah, bah! Machen Sie keine politischen Umschweife, lieber Freund; es handelt sich darum, daß die Kaiserin lächelt; alles übrige ist Nebensache. Heraus mit dem Witz!

– Nun also denn! Ew. Majestät wissen, daß am Berge Li, unweit der Hauptstadt, zwanzig Feuerobelisken und vierzig Riesentrommeln aufgestellt sind, und daß in diesen Feuerobelisken unter andauerndem Getöse der Riesentrommeln Wolfsmist, als welcher die stärkste Flamme erzeugt, angezündet wird, um beim Einfalle der Barbaren die zunächst sitzenden Hauptvasallen Ew. Majestät herbei zu signalisieren. Mein Vorschlag geht nun dahin: Brennen wir die Feuerobelisken an! Lassen wir den Wolfsmist dampfen! Rühren wir die vierzig Trommeln! Und – sehen wir uns die verblüfften Mienen von Ew. Majestät getreuen Vasallen an, wenn sie in Wehr und Waffen atemlos herbeirücken und sehen, daß sie gefoppt sind! Wenn Ihre Majestät darüber nicht lacht, so lacht sie überhaupt über nichts mehr.

Der Kaiser sprang mit einer ungewohnten Behendigkeit vom Throne, umarmte den Reichskanzler gegen alle Gesetze der Zeremonie stürmisch und rief: Mensch, Mensch, wo kriegen Sie nur die Einfälle her!? Das ist ja großartig! Das ist ja ein Riesenulk! Ein geradezu dämonischer Witz! Ein Witz, der in die Annalen des Reiches gehört! Dafür mache ich Sie zum Fürsten! Und erkläre die Reichskanzlerschaft als erblich in der Familie We! Nein, nein, wehren Sie nicht ab! Dafür gibt es ja gar nicht genug Ehren und Gnadenbeweise! Das ist . . . das ist . . . das ist einfach unsagbar! Genial! Genial! sag ich! . . . Das ganze übrige Witzzeug brauchen wir nun nicht mehr. Wir schleppen die Witzballen von ganz China auf den Berg Li und lassen sie mit dem Wolfsmist um die Wette gen Himmel stinken, als ein Flammenmal für Ihren genialen, alles in den Schatten stellenden Geist. Gott, was bin ich froh, daß ich so einen Reichskanzler habe! Ich muß Sie küssen! Kommen Sie her, lieber Fürst! Ein noch nie dagewesener Kuß für einen noch nie dagewesenen Witz!

Und der Kaiser küßte tatsächlich den Reichskanzler auf den Mund.

Der Alte im Barte hat darüber dieses Gedicht hinterlassen:

        Es hätte geziemt, mit glühenden Messern
Die giftigen Lippen ihm abzuschneiden
Dem schnödesten Mann.

Indessen: der Kaiser, der Sitte vergessend,
Bedeckte die giftigen Sprudler des Unheils
Mit schnödestem Kuß.

Nun kauert das Unheil gleich schwangerem Drachen,
Die Flanken zum Sprunge gespannt, heiß gierig
Am Flamm-Berge Li.

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