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Das Schöne Mädchen von Pao

Otto Julius Bierbaum: Das Schöne Mädchen von Pao - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Schöne Mädchen von Pao
authorOtto Julius Bierbaum
year1910
publisherSchuster & Loeffler
addressLeipzig
titleDas Schöne Mädchen von Pao
pagesI-III
created20020707
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1899
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XXVI.
Das Konzert am Goldkarpfenteiche.

Am nächsten Tage ließ der Kaiser die Palastkapelle aufmarschieren und lud die Kaiserin zu einem kleinen Konzert am Gold-Karpfenteiche ein.

– Der berühmte Schi-ling-ßê wird die viola d'amour spielen, Schatz, der einzigartige Tu-yi-lê wird ein Flötensolo blasen, und das Trommlerkorps wird die von mir selbst arrangierten Wirbelpotpourris exekutieren. Paß auf, das wird dich erheitern. Das Programm ist durchaus heiter und leicht. Ich freue mich selber darauf.

Die Kaiserin nickte schwermütig und sagte: Wir wollen sehn.

Alles war wunderschön arrangiert. Auf der kleinen Insel mit dem Lotosboskett stand die kaiserliche Tafel, auf der nichts fehlte, was Pao-huan gerne hatte. Niedliche Pagen in Rot warteten mit süßen Weinen auf. In Gondeln umkreisten die Musiker die Insel, während am Ufer das Trommlerkorps hinter seinen Pauken und Trommeln stand. Der ganze Teich war damit umstellt.

– Siehst du, Maus, die große Pauke dort, mit dem goldenen Schild, das ist die Wung-pong-tang, vor deren Schall ein Heer von achtmalhunderttausend Barbaren floh. Daher heißt sie: Das Grauen der Hunde. Die etwas kleinere mit den Tschinellen heißt Bäng-täng-hui; sie hilft gegen die Geister, die sofort tausend Li weit wegfliehen, wenn sie losgeht. Deshalb führt sie den Namen: Der rasselnde Spukbesen. Sie wird von einem musikalischen Theologen gerührt. Die kleinen Trommelchen aber, die, wie du gleich hören wirst, fast wie die Vogelscheuchklappern klingen, dienen dazu, vor der Schlacht die Raben aufzurufen, die bestimmt sind, die Leichen der erschlagenen Feinde zu fressen. Daher ihr Name: Rabentriller. Sie werden mit Menschenknochen geschlagen.

– Willst du mir vielleicht die ganze Instrumentalmusik auch vorstellen? meinte Pao-huan und führte ein Stück Tausendschichtenkuchen zum Munde. Laß anfangen!

Der Kaiser schwang ein gelbes Tuch, und sofort näherten sich die Geigengondeln und begannen eine Art Serenade, die von einem Solo des berühmten Schi-ling-ßê beschlossen wurde.

– War das nicht schön? meinte der Kaiser. Ja, der lange Herr Schi verstehts! Einen Strich hat er, – einen Strich!

– Es klingt, wie wenn hunderttausend Kinder weinten.

Der Kaiser schwang schnell ein rotes Tuch, und die Flötengondeln kamen. Was sie zu Gehör brachten, war eine Art Tanz, aber zum Schlusse blies Herr Tu-yi-lê eine Kette unglaublicher Coloraturen.

– Ah! Ah! rief der Kaiser, unvergleichlich! Zehntausend Nachtigallen sitzen in der Flöte des unnachahmlichen Tu-yi-lê.

– Es klingt, wie wenn zehntausend Nachtigallen gerupft würden. Laß die Leute abgondeln! Laß trommeln!

Der Kaiser schwang ein blaues Tuch.

Sofort erhoben die großen Pauken ein Gebrüll, als wenn der Himmel einstürzen wollte. Tschinellen zischten wie Blitze hinein, große und kleine Trommeln rumpelten, rasselten, rollten, ratterten, pumperten, knatterten, – es war ein unbeschreiblicher Lärm.

Der Kaiser reckte sich imperatorisch auf in hingegebenem lauschenden Entzücken und sprach: Wenn du jetzt gestatten wolltest, daß die Posaunen, Helikons und Bombardons einfielen, – das wäre ein himmlischer Ohrenschmaus!

– Ich bitte dich vielmehr, diesem abscheulichen Spektakel Einhalt zu tun. Das einzige lustige ist der Theologe, der so wütend auf seine große Pauke haut. Aber, daß ich über so etwas lachen sollte, – nein: So lustig ist es doch noch nicht.

Der Kaiser schwang ein weißes Tuch. und wie mit einem Stoße brach das Getrommel und Gepauke ab. Nur der fanatisch gewordene Theologe paukte weiter.

– Ruhe an der Bäng-täng-hui! brüllte der Kaiser.

Der Theologe paukte weiter.

– Ruhe! Ruhe! heulte Seine Majestät.

– Tsching-geräng-pum! Tsching-geräng-pum! machte der Theologe, der nun auch über die Tschinellen kam.

– Werft den Rebellen ins Wasser! zischte der Kaiser.

Der Theologe wehrte sich mit beiden Klöppeln wie ein Rasender und schlug auch noch auf das Wasser los, als hätte er seine Pauke vor sich. Dann sank er unter und paukte nicht mehr. Und nun wars still.

– Na, Schatz, das war doch wenigstens lustig?

– Ganz nett! meinte Pao-huan. Aber bis zu einem Lächeln kams nicht.

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