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Das Schöne Mädchen von Pao

Otto Julius Bierbaum: Das Schöne Mädchen von Pao - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Schöne Mädchen von Pao
authorOtto Julius Bierbaum
year1910
publisherSchuster & Loeffler
addressLeipzig
titleDas Schöne Mädchen von Pao
pagesI-III
created20020707
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1899
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XIII.
Ihr Debüt.

Der Kaiser regierte grade. Er unterschrieb eine Anzahl Todesurteile und scherzte: – Unglaublich, wieviel Köpfe es in China gibt. Freuen Sie sich, lieber We. daß Sie nicht Kaiser sind. Sie würden gar keine Zeit mehr zum Dichten haben.

Jetzt erst blickte er auf.

– Ah! Ahh!! Ah!!! Was ist . . . was ist . . . das für eine entzückende kleine Person? Komm her, mein Schatz, laß dich näher ansehn! Oh! Oh! Das ist ja die leibhaftige Blume Wunderhold! Oh du süßes Ding du! Heiliger Himmel, wie wird mir? Ein roter Nebel vor den Augen mit goldenen Säumen . . . Wo schweb ich hin? Was drängt so in mir! Mädchen! Mädchen! Halt . . . mich . . . fest . . .! Ich . . . wanke . . . ja . . .

Pao-Szö trippelte sogleich auf den Kaiser zu und umschlang ihn.

– Oh, oh, wie wohl das tut! Wie hold das ist! Mädchen, Mädchen, sprich ein Wort, daß ich weiß, wie die lebendigen Blumen der Götter sprechen!

– Ich will dein sein, Kaiser.

– Du . . . willst . . . mein sein? . . . Du . . . Du . . . willst mein sein? . . . We, mein lieber We, haben Sie 's gehört! Sie will mein sein! Ah, nun weiß ich, was es ist, wenn die Wälder brennen. Mein Herz stößt in Flammen ins Hirn! Meine Augen sehen nichts als Glut und Glanz . . . Komm! komm, Mädchen! Allein mit dir! Allein mit dir!

Der Kaiser nahm Pao-Szö auf den Arm und trug sie, ohne Herrn We nur noch einen Blick zu schenken, aus dem Zimmer. Sie aber sandte ihrem Entdecker, fröhlich wie ein Kind mit den Beinen zappelnd und laut auflachend, einen Schwarm von dankbaren Kußhänden.

– Daß ich nicht ins Eunuchenkorps komme, ist sicher, dachte sich Herr We; ob es aber Se. Majestät unter diesen Umständen nicht vergißt, daß er mich zum Hausminister ernennen wollte, ist nicht so ganz ausgemacht. Nun, warten wirs ab. Gut gegangen ist die Geschichte jedenfalls. Ich werde ein paar Ahnenopfer bringen müssen.

Der Hofdichter rieb sich die Hände und lächelte das vergnügteste Dichterlächeln. Aber plötzlich wurde das Lächeln boshaft, und Herr We summte, indem er das Zimmer Seiner Majestät verließ:

Wo trug der Kaiser das Mädchen hin?
Wohin, eija, wohin?
Gott sei Dank, daß ich nicht die Kaiserin bin,
Eija, die Kaiserin!

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