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Leonid Nikolajewitsch Andrejew: Das rote Lachen - Kapitel 25
Quellenangabe
typefragment
authorLeonid Andrejew
titleDas rote Lachen
publisherScholz & Co. (Verlag »Snanije«)
addressBerlin S. 59
printrun4. Tausend
year
firstpub
translatorAugust Scholz
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100401
projectiddd03b8bf
secondcorrectorgerd.bouillon
secondcorrection20120112
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Stimmen der Presse über »Das rote Lachen«

Münchener Neueste Nachrichten

»Wahnsinn und Schrecken!« lautet das Leitmotiv dieses Buches, des furchtbarsten Pamphlets, das je gegen den Krieg geschrieben worden ist. Vielleicht kann man es Mitleid nennen, was Leonid Andrejew hier die Feder geführt hat, aber nicht jenes fromme, weiche Gefühl, das kleine Pflästerchen auf klaffende Wunden klebt, dem Nietzsches zornige Philippika galt. Dieses Mitleid hebt blutrote Fahnen und bewehrte Fäuste zum Himmel empor. Es greint nicht, sondern es knirscht mit den Zähnen, es faltet nicht die Hände, sondern es schwingt Schild und Schwert. Es ist zornig und voll unbändigen Trotzes, und es läuft Sturm wider die grinsenden Palastlöwen der Macht. Der Grimm ist sein Bruder, und seine Tochter ist die Revolution. – Die russischen Behörden haben das verstanden. Und sie nahmen ihre Handschellen her, dieses plumpe, lächerliche Werkzeug, mit dem noch niemals eine Wahrheit geknebelt worden ist, und schlugen die Hände in Fesseln, welche diese blutrünstigen und von grimmigem Herzweh zitternden Worte niedergeschrieben hatten. Aber die Worte selbst flogen wie Sturmmöwen hinaus ins Volk und vereinten sich mit den zahllosen Flüchen, die da aus der Menge emporstiegen und diesen entsetzlichen, sinnlosen Krieg verwünschten, dieses Ungeheuer, das sich mit Blut und Tränen mästet, das nicht nur tötet, sondern seine Opfer quält, bis sie nicht mehr Menschen, sondern winselnde Tiere und – Wahnsinnige sind. Das rote Lachen – es ist das Grinsen, das vom vergossenen Blute ausgeht, das Grinsen, das nur das verwirrte Gehirn wahrnimmt. Es ist das schneidende Gelächter des Wahnsinns, es ist das letzte Geheimnis dieses fürchterlichsten aller Kriege, der mit vollen Backen die schwarzen Schlachtbataillone kaut und den kein Preis, kein Erfolg je wird rechtfertigen können.

Andrejew predigt nicht, sein Buch ist kein Plaidoyer. Er hält keine Rede gegen diesen Krieg. Er stellt nur sein Bild, seine scheußliche Fratze vor uns auf. Aber jeder Tropfen Blut zittert bei seinem Anblick vor Leid, jedes Herz krümmt sich vor Zorn und Trauer.

Kein schönrer Tod ist in der Welt, Als wer vorm Feind erschlagen!

sang der deutsche Landsknecht in früheren Zeiten. »Krieg ist das Prinzip des Lebens,« sagen heute noch viele Halb-Gelehrte und rollen dazu hinter mächtigen Brillengläsern die kurzsichtigen Augen. Ein einziges Bild Andrejews, wie der vom Hitzschlag betroffene und gleich einem Sack umstürzende Soldat, widerlegt diese Poesie und diese Theorie so bündig, daß uns sogar der darin allenfalls sich aussprechende Mut nur ein Lächeln zorniger Verachtung entlockt. Andrejews Buch ist eine Tat, eine so gute Tat, wie nur je eine mit Schwert und Spieß, mit Hammer und Hebel, mit Bombe und Bajonett vollbracht wurde.

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