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Das Pfarrhaus von Skalunga

Elsa Beskow: Das Pfarrhaus von Skalunga - Kapitel 46
Quellenangabe
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typenovelette
authorElsa Beskow
titleDas Pfarrhaus von Skalunga
publisherAgentur des Rauhen Hauses
printrunSechstes bis achtes Tausend
year1926
firstpub1922
translatorM. E. Fischer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid7cf56d80
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45.

Helwig hatte eine innere Erleuchtung. Der kritische Geist, der in ihrer Seele wohnte und immer bereit war, mit höhnischem, eiskaltem Blick jedes tiefere Gefühl, das sich ihrer bemächtigen wollte, zu ertöten, war verwandelt. Die Liebe war ihm zu stark geworden. Der kritische Geist selbst war nicht vertrieben, aber der Hohn seines Blickes und die Eiseskälte war bei der Verwandlung zu innerer Klarheit geworden.

Die zeigte Helwig jetzt ein Entweder-Oder, das wie ein Verhängnis über ihrer Zukunft geschrieben stand. Entweder würde der Mann, den sie liebte, ihr durch seinen Tod großen Schmerz bereiten, oder, wenn er am Leben bliebe, würde sie die vielen Sorgen einer Hausfrau auf sich nehmen müssen, die ihrer Natur sehr entgegen waren.

Mit ihrer Künstlernatur paßte sie besser zur großen Trauer als zu den vielen Sorgen. Erstere würde sie in höhere Sphären versetzen und sie schließlich zu einem ganzen Menschen machen, die letzteren könnten ihr unerträglich werden.

Die Liebe würde aber doch in jedem der beiden Fälle bleiben, entweder als Beseelung der großen Trauer, oder als tragende Kraft der vielen Sorgen. In letzterem Fall würde sie aber auf die Probe gestellt und vielleicht verzehrt werden, während sie im ersteren durch und durch idealisiert werden würde.

Helwigs ganzes Wesen streckte sich nach dem, den sie liebte, um ihn festzuhalten. Aber in jener Klarsicht fragte sie sich, ob sie nicht noch mehr Gefahr liefe, ihn in den vielen aufreibenden Kleinlichkeiten des Alltagslebens als in der großen Trauer zu verlieren.

Sie betete beständig um sein Leben, aber jene Frage lag doch während des Gebets in ihrem Herzen. Und sie wurde stiller und weniger trotzig. Dadurch wurde das Gebet aber nicht matter, im Gegenteil nahm es an Kraft zu. Sein Weihrauch stieg immer gerader auf, und ein neuer Duft, der echte, machte sich darin bemerkbar.

»Ich sehe nicht, was das Beste ist. Ich kann nicht wählen. Ich bete für den, den ich liebe. Mache ihn glücklich, selig. Du siehst am besten, wie das geschehen kann.«

So betete sie. Und immer weniger Worte hatte ihr Gebet und immer kräftiger wurde es, je mehr und inniger sie für den Geliebten betete. Zuletzt ergoß es sich in drei Worten, Worte, die nur im Allerheiligsten ihres Herzens zu hören waren: Dein Wille geschehe!

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