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Das Pfarrhaus von Skalunga

Elsa Beskow: Das Pfarrhaus von Skalunga - Kapitel 43
Quellenangabe
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typenovelette
authorElsa Beskow
titleDas Pfarrhaus von Skalunga
publisherAgentur des Rauhen Hauses
printrunSechstes bis achtes Tausend
year1926
firstpub1922
translatorM. E. Fischer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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42.

Die Verbrecher wurden ergriffen. Sie versuchten, alles zu leugnen, aber es gelang ihnen nicht. Der Rothaarige wurde als derselbe Mensch wiedererkannt, der einst auf des Pastors Aussage verhaftet und verurteilt worden war. Man konnte seine Rachedrohung bezeugen. Einige Tage vor Ausübung des letzten Verbrechens hatte er zufällig bei Eline in der Seehofskate gearbeitet. Sie war erst einige Jahre nach des Mannes erstem Verbrechen in das Kirchspiel gezogen, wußte also nichts von ihm. Sie konnte bezeugen, daß er an dem Tage seit Mittag nicht mehr zu Hause gewesen war. Seinen Kameraden hatte man mit ihm zusammen in der Gegend gesehen.

Die beiden Verdächtigen wurden unter starker Bewachung in das Pastorat geführt, um ihrem Opfer gegenübergestellt zu werden.

Ols sah die Kerle einen nach dem anderen an.

»Wir sind uns früher begegnet,« sagte er zu dem Rothaarigen.

»Vor sieben Jahren,« antwortete der kurz und trotzig.

Es hätte nichts genutzt, zu leugnen, da alle hier ihn wiedererkannten.

»Und vor einigen Tagen,« fiel Ols ein.

»Nicht, daß ich wüßte,« sagte der Rothaarige frech.

Nun sah Ols den Kameraden an.

»Ich erinnere mich, daß ihr zwei um mich waret.«

»Ich war nicht dabei,« versicherte der Mensch.

Was Ols mit den Fragen hauptsächlich beabsichtigte, war, die Männer zum Sprechen zu bringen. Im Wald war es düster gewesen, er hatte ihre Gesichter nicht klar gesehen, aber ihre Stimmen waren deutlich an sein von Schmerzen umhülltes Bewußtsein gedrungen. Er erkannte sie wieder und erinnerte sich der ungleichen Rollen, die sie bei Verübung der Gewalttat gespielt hatten.

Er bat den Gerichtsdiener, den Rothaarigen hinauszuführen und den anderen drinnen zu lassen.

»Der Mann wollte mich befreien,« bezeugte Ols von dem bei ihm gebliebenen.

Der fuhr zusammen und sah den Pastor verdutzt an.

»Er fand das, was sie mir taten, grausam, und war nach allem zu urteilen, vom anderen gezwungen worden,« sagte Ols aus und ließ den Gerichtsdiener die Aussage aufschreiben.

Er sagte nicht, auf welche Weise der Kerl ihn hatte befreien wollen, und daraus schloß der Mensch, daß der Pastor seine Strafe lindern wollte. Etwas Ähnliches hatte der Verbrecher nie erlebt. Ein Mensch, der mit seiner Hilfe an einen Baum festgenagelt worden war, suchte mildernde Umstände für ihn und brachte sie vor, und verschwieg das, was die Strafe verschlimmert hätte! Das war so unerhört und kam so unerwartet, daß der Mensch überrumpelt wurde. Daß sein Opfer so großmütig handelte, ergriff sein fast erstorbenes Gewissen und trieb ihn auf der Stelle zum Bekennen.

Als er gestanden hatte, half es dem anderen Übeltäter nicht, noch länger zu leugnen.

Der war währenddessen in das Zimmer geführt worden, in dem Mons schon den vierten Tag nach seinem Tode als Leiche lag. Man meinte, der Vater müsse seinen Sohn ein einziges Mal sehen.

Mutter Ols und Helwig standen darinnen, als der Verbrecher hineingeführt wurde. Die Ähnlichkeit zwischen ihm und dem toten Kind war auffallend. Dieselbe Haarfarbe und dieselben Gesichtszüge.

Mutter Ols heftete ihre Augen auf den Mann.

»Das ist dein eigener Sohn, der da liegt,« sagte sie.

Der Mensch ließ keine Bewegung merken. Tückisch stand er da und sah das Kind an, das er mittels eines Verbrechens ins Dasein gerufen hatte. Friedvoll lag Mons vor seines Vaters Augen im Sarg. Viel Schlechtes hatte er von ihm geerbt, aber das Erbe war jetzt von ihm genommen. Seine letzte Tat im Leben hatte das bewiesen.

»Er war außer Gott der einzige, der dein Verbrechen sah, und er holte Hilfe,« erklärte Mutter Ols. »Er lief den weiten Weg hin und zurück so schnell, daß es ihm aufs Herz schlug. Dein Sohn gab sein Leben, um den zu retten, den du töten wolltest.«

Ein gehässiger Blick flog aus des Verbrechers Augen erst auf Mons, dann auf Mutter Ols. Der Blick zeugte gegen ihn, und die, die ihn sahen, behielten ihn in ihrem Gedächtnis.

Als der Mann nachher erfuhr, daß der andere gestanden hatte, trat derselbe Blick nur noch haßerfüllter in seine Augen. Sein Leugnen wurde noch hartnäckiger, aber das half ihm nicht. Es kamen immer mehr und immer stärkere Beweise gegen ihn auf. Endlich bequemte er sich zum Geständnis und wurde zu einer viel härteren Strafe verurteilt als sein Kamerad, dem mildernde Umstände zugebilligt werden konnten.

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