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Das Pfarrhaus von Skalunga

Elsa Beskow: Das Pfarrhaus von Skalunga - Kapitel 40
Quellenangabe
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typenovelette
authorElsa Beskow
titleDas Pfarrhaus von Skalunga
publisherAgentur des Rauhen Hauses
printrunSechstes bis achtes Tausend
year1926
firstpub1922
translatorM. E. Fischer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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39.

Helwig erfuhr erst durch die Zeitung, was geschehen war. Sie geriet so außer sich, daß die Mutter für ihren Verstand fürchtete.

Leichenblaß kam sie mit der Zeitung zur Mutter hinein und, ohne ein Wort zu sagen, zeigte sie ihr die Stelle, wo von der Gewalttat in Skalunga zu lesen war. Starr stand sie daneben, während die Mutter las.

»Ich fahre heute mit dem Nachtzug,« sagte Helwig, als die Mutter ausgelesen hatte.

»Überlege dir gut, was du tust. Was werden die Leute sagen? Was wird er selbst denken?«

»Ich muß zu ihm fahren, und es geht kein Zug vor heute abend.«

»Aber du bist doch nicht seine Braut. Du wolltest ihn ja nicht, überlege dir das doch! Was für ein Recht hast du nun, zu ihm zu fahren?«

»Wollte ich ihn nicht? Ach!«

Helwig wandte sich trauernd ab. Sie war blind gewesen, nun wurden ihr die Augen geöffnet, und sie sah. Sie hatte sich eingebildet, ohne ihn leben zu können. Nun begriff sie, daß sie es die letzten Monate nur deshalb gekonnt hatte, weil sie wußte, daß er sie die ganze Zeit dort oben in Skalunga vermißte, und daß sie jederzeit ihre Hand ausstrecken und die seine fassen könne.

Aber nun hatte ihn das Unglück getroffen, er lag krank, vielleicht im Sterben, und sie war nicht bei ihm! Sie lebte hier in einer fremden Welt, getrennt von ihm und bildete sich ein, das sei Leben!

»Laß uns telegraphieren und hören, wie es geht,« sagte die Baronin.

»Ich reise jedenfalls heute abend.«

Sie telegraphierten, und die Antwort kam, ehe Helwig abfuhr. Es ginge schlecht, aber es bestände keine unmittelbare Lebensgefahr.

»Siehst du nicht ein, daß ich reisen muß, Mutter?«

»Was kannst du tun? Und du gehörst doch gar nicht zu ihm.«

»Gehöre ich nicht zu ihm? Ach, Mutter, du ahnst nicht, wie ganz ich ihm gehöre! Ich selbst habe es erst jetzt begriffen. Ich fahre zu ihm, um ihn nie wieder zu verlassen.«

Die Baronin fühlte sich machtlos. So hatte sie ihre Tochter noch nie gesehen. Nichts erreichte sie bei der Unvernünftigen!

Sie wollte sie begleiten, aber davon wollte Helwig nichts wissen. Die Reise wäre zu ermüdend für die Mutter und würde auch langsamer gehen, wenn sie mitführe, und Helwig mußte sogleich hin.

Dann sagte sie ihrer ängstlichen Mutter Lebewohl und reiste ab. Sie selbst kannte keine Angst.

Wie war ihr damals zumute gewesen, als der Schnellzug sie von Skalunga und ihm entfernt hatte! Es war ihr bei jener Abreise gewesen, als hätte sie alle Fühlung mit der dortigen Gegend verloren. Jetzt war sie auf dem Wege zu ihm zurück, und allein der Umstand verlieh ihr Sicherheit. Er war krank, würde vielleicht sterben, und doch fuhr sie mit der Gewißheit zu ihm, daß sie bei ihm die Hilfe finden würde, um das Unvermeidliche zu tragen. So stark stand seine Persönlichkeit und die Macht seines Einflusses vor ihr. Selbst, wenn er sterben sollte, würde das Beisammensein mit ihm ihr helfen, die Trennung zu überleben. Und wenn er am Leben bliebe, wie leicht könnte sie dann alles opfern, um bei ihm sein zu dürfen!

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