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Das Pfarrhaus von Skalunga

Elsa Beskow: Das Pfarrhaus von Skalunga - Kapitel 11
Quellenangabe
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typenovelette
authorElsa Beskow
titleDas Pfarrhaus von Skalunga
publisherAgentur des Rauhen Hauses
printrunSechstes bis achtes Tausend
year1926
firstpub1922
translatorM. E. Fischer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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10.

Seitdem Helwig entdeckt hatte, daß ihr Hauswirt eine Singstimme besaß, sehnte sie sich danach, mit ihm zusammen zu musizieren.

Sie hatte das Klavier des Küsters gemietet. Es stand jetzt in dem großen Zimmer, und Helwig spielte oft darauf und sang dazu, seit sie ihre Noten aus Stockholm bekommen hatte. Die Musik, die sie eigentlich schon beiseite gelegt hatte, verkürzte ihrer Mutter die Zeit und füllte auch ihr selbst den Tag angenehm aus. Ja, sie wurde durch die Klänge wieder gefesselt, unwiderstehlicher und inniger als je. Nur in der Musik fand sie Ausdruck für all das Neue und Mächtige, das hier oben in ihre Seele eingezogen war.

Durch die Entdeckung von Pastor Larssons Singstimme erhielt ihr wieder erwachtes musikalisches Interesse neue Anregung. In allem, was die Musik betraf, war Ols Helwig gegenüber sehr bescheiden. Von dem ersten Augenblick an, als er sie singen hörte, hatte er eingesehen, daß sie in dieser Beziehung hoch über ihm stand. Er zeigte sogar etwas Schüchternheit, als sie ihn bei der ersten Gelegenheit nach dem Gottesdienst bat, ihn begleiten zu dürfen. Aber er ließ es bald zu, denn er wollte sich gern im Singen üben. Da er zu wenig Unterweisung gehabt hatte, wußte er, daß er Fehler machte, und nun bat er sie, diese zu verbessern.

Während seiner Studienzeit in Upsala hatte er Unterricht in Orgelspiel und Gesang genommen. Sonst hatte er nie Stunden gehabt, wenn man gerade nicht das mitrechnete, was ihm der Küster seines Heimatsortes während seiner Kindheit zum Vergnügen beigebracht hatte. Hier in Skalunga hatte er für sich allein weiter geübt, wenn er Zeit gehabt hatte.

Helwig fand vieles zu verbessern; aber auch vieles, woraus sich etwas machen ließ. Das machte ihr Freude. Er war ihr sehr dankbar für ihre Mühe, und die erste Frucht der Dankbarkeit war, daß er sich die Zeit nahm, ihr im Krankenzimmer Modell zu sitzen.

Zwar konnte er nicht begreifen, daß sie ihn malen wollte, aber da sie es durchaus wollte, mochte sie es tun. Das Interesse der Baronin und der belebte Ausdruck, den ihr müdes, bleiches Gesicht während der Sitzungen annahm, waren ihm Belohnung genug für die Unannehmlichkeit, auf dem Präsentierteller zu sitzen und seine Häßlichkeit bis in die kleinste Einzelheit von Helwigs schönen, scharfblickenden Augen betrachten zu lassen.

Sie saß so, daß ihre Mutter die Malerei sehen und, wenn sie wollte, jedem Pinselstrich folgen konnte.

»Das ist mir eine große Selbstüberwindung,« vertraute sie Ols an, als sie einmal außer Hörweite der Mutter waren. »Ich hasse es, daß mir jemand zusieht, wenn ich male. Aber es macht ihr Spaß, jetzt, wo sie solche Schmerzen hat und sich so langweilt, und da kann ich es nicht übers Herz bringen, ihr das Vergnügen zu nehmen.«

Bei den Sitzungen im Krankenzimmer plauderten sie oft lebhaft, denn das hinderte Helwigs Arbeit nicht und brachte Leben in sein Gesicht. Solange der Pastor daran dachte, daß er Modell saß, zeigte er einen Ausdruck hölzerner Starrheit. Helwig aber lag daran, diesen durch muntere Unterhaltung zu vertreiben.

»Ich finde, es ist ein solcher Wirrwarr in Ihren Namen,« erklärte Helwig eines Tages. »Die Leute nennen Sie ›unser Ols‹, Ihre Mutter nennt Sie Erik, und solche, wie meine Mutter und ich, nennen Sie Pastor Larsson. Wie heißen Sie denn am meisten?«

»Ols ist mein Familienname, Erik mein Taufname, und Larsson heiße ich nach meinem Vater, der Ols Lars Jonsson hieß.«

»Wie wird Ihre Frau denn heißen?«

»Ols Larsson. Und dazwischen wird ihr Taufname stehen.«

»Wenn sie nun aber nicht Larsson heißen will?«

»Dann ist es ihr wohl auch nicht Ernst damit, meine Frau zu werden.«

»Daß Sie keinen anderen Namen annahmen, als Sie Pastor wurden!«

»Es ist keine Schande, Ols Larsson zu heißen.«

»Nein, eine Schande ist es nicht. Aber Sie hätten wohl einen schöneren und weniger gewöhnlichen Namen haben können, als einen, der auf ›son‹ endigt.«

»Was man schön findet, ist Ansichts- und Geschmackssache. Es hat doch Sinn, mit der Endung ›son‹ (Sohn) nach seinem Vater zu heißen. Aber was für Sinn hat es, Furuclou (Föhrenklau) zu heißen? Weder haben die Föhren Klauen, noch gibt es Klauen aus Föhren.«

Helwig und ihre Mutter lachten beide über seine Entgegnung. Jedesmal, wenn er seine Anlage für Scherz und Humor zeigte, war Helwig entzückt. Wie deutlich man auch in seiner Nähe erkannte, daß der Grundzug seines Wesens der Ernst war, so wurde man doch nicht beständig durch seine Worte oder seine Art daran erinnert. Seine menschliche Natürlichkeit sprach Helwig an, so daß sie ihm gegenüber ungezwungen war, trotz des starken Einflusses, den seine gesetzte Persönlichkeit auf sie ausübte.

»Aber Furuclou ist trotz seiner Sinnlosigkeit ein schöner Name, das müssen Sie doch zugeben,« beharrte Helwig.

»Es kommt ganz darauf an, wer einen Namen trägt und wie er getragen wird, ob ich ihn schön finde oder nicht,« antwortete er und machte sein Gesicht undurchdringlich, damit sie nicht aus seinem Ausdruck schließen könnte, wie er ihren Namen fände.

Er merkte, daß sie es gern wissen wollte, und es belustigte ihn, ihre Neugier nicht zu befriedigen.

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