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Das Pentameron

Giambattista Basile: Das Pentameron - Kapitel 45
Quellenangabe
typefairy
titleDas Pentameron
authorGiambattista Basile
translatorFelix Liebrecht
publisherPhilipp Reclam Jun.
addressLeipzig
year1979
firstpub1634
senderreuters@abc.de
created20040720
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Fünfter Tag

Bereits statteten die Vögel der Gesandtin der Sonne Bericht ab von all den Schlichen und Kniffen, die während der Nacht ausgeführt worden waren, als Prinz Thaddäus und Prinzessin Lucia sich auch schon in aller Frühe an den gewöhnlichen Ort begaben, wo bereits neun Frauen sich pünktlich eingestellt hatten und nur eine noch fehlte. Der Prinz fragte daher, warum Ghiacova nicht erschienen wäre, und als er erfuhr, daß sie von einem Schnupfen befallen worden, so befahl er, irgendein anderes Frauenzimmer ausfindig zu machen, das ihre Stelle ersetzen könnte. Um daher nicht weit in der Ferne zu suchen, wurde Zoza, die dem königlichen Palast geradeüber wohnte, geholt und vom Prinzen, teils wegen der Verpflichtungen, die er gegen sie hatte, teils wegen der Zuneigung und Liebe, die er für sie empfand, mit großer Zuvorkommenheit empfangen. Von den Frauen nun pflückte die eine sich blühende Ackerminze, eine zweite Spiekenarde, eine dritte fünfblätterige Raute und die eine dies, die andere jenes; wieder eine flocht sich einen Kranz, als wenn sie etwas deklamieren wollte, diese machte sich einen Strauß, jene steckte sich eine aufgeblühte Rose vor die Brust, und wieder eine andere nahm eine bunte Nelke in den Mund. Da aber noch fast vier Stunden bis zu dem Mittagsabschnitt des Tages fehlten, befahl der Prinz, damit die Zeit bis zum Essen rascher verginge, daß zur Unterhaltung seiner Gemahlin irgendein Spiel veranstaltet werde, und forderte den Hausmeier Jacovo, einen Mann von großem Scharfsinn, auf, eines vorzuschlagen, worauf dieser, als hätte er alle Taschen damit angefüllt, alsbald etwas ausfindig machte und sprach: »Die Vergnügungen, die nicht mit irgendeinem Nutzen verbunden waren, haben immer für abgeschmackt gegolten, daher hat man die Unterhaltungen und Abendgesellschaften nicht zu zweckloser Zeitverschwendung erfunden und eingeführt, sondern vielmehr das Vergnügen, das sie gewähren, ersprießlich zu machen gesucht, weil durch diese Art von Spielen die Mußestunden nicht nur auf angenehme Weise hinschwinden, sondern auch der Geist geweckt und geschärft wird, damit er sich an rasche Entschlüsse gewöhne und auf vorgelegte Fragen rasch zu antworten verstehe, wie dies besonders bei dem schönsten aller Spiele der Fall ist, das ich jetzt vorschlagen will und dessen Anordnung folgende ist. Ich werde nämlich jeder der gegenwärtigen Frauen irgendein Spiel vorschlagen, worauf sie mir sogleich und ohne nachzudenken erwidern muß, daß es ihr nicht gefällt, und die Ursache anzugeben hat, warum es ihr nicht zusagt; die aber, die mit ihrer Antwort zögert oder ungeschickt antwortet, muß die Strafe oder Buße erdulden, die die Frau Prinzessin ihr auferlegen wird; und um mit dem Spiel einen Anfang, zu machen, so wollte ich gern mit Frau Zeza eine Partie TRUMPF um eine Kleinigkeit spielen«; und Zeza antwortete sogleich: »Das ist kein Spiel für mich, denn ich bin kein Räuber.«

– »Bravo«, sagte Thaddäus, »denn wer raubt und mordet, der trumpft und sticht.« – »Wenn das so ist«, versetzte Cola Jacovo, »so habe ich ein paar Groschen bei mir, um sie an die Frau Cecca im BANKROTTSPIEL zu verlieren.« – »Dazu kriegt ihr mich nicht«, entgegnete Cecca, »denn ich bin kein Kaufmann.« – »Sie hat recht«, sagte Thaddäus, »denn dieses Spiel ist nur für Kaufleute.« – »Wir wenigstens, Frau Meneca«, fuhr Cola Jacovo fort, »wollen doch ein paar Stunden beim VERDRIESSLICH zubringen.«

– »Schönen Dank«, antwortete Meneca, »ich bin kein öffentliches Frauenzimmer.« – ,,Das war der Nagel auf den Kopf getroffen«, sagte Thaddäus, »denn dieses Volk ist nie gut aufgelegt.« – »Ich weiß«, begann Cola Jacovo wieder, »daß Frau Tolla mit mir um einige Dutzend Pfennige eine Partie Bock machen wird.« – »Beileibe nicht«, entgegnete Tolla, »denn dies Spiel ziemt sich für Ehemänner, die schlechte Frauen haben.« – »Ihr hättet nicht besser antworten können«, sagte Thaddäus, »denn dieses Spiel ist für die Ehemänner, weil sie sehr oft Hörner bekommen.« – »Wenigstens, Frau Popa«, sprach nun Cola Jacovo, »wollen wir ein Spiel Zwanzig Figuren machen, ich gebe Euch die Vorhand.« – »Mit mir nicht«, erwiderte Popa, »das Spiel paßt für Schmeichler.« – »Ihr habt gesprochen wie Salomo«, sagte Thaddäus, »denn diese spielen Zwanzig und dreißig Figuren, indem sie sich, wenn sie wollen, verwandeln und die armen Fürsten an der Nase herumführen.« – »Frau Antonella«, fuhr Cola Jacovo fort, »ich bitte Euch um alles in der Welt, lasset uns die schöne Zeit nicht verlieren, sondern spielen wir lieber um eine Schüssel Pfannkuchen eine Partie Schmuggler.« – »Ei, was Ihr saget«, antwortete Antonella, »das fehlte gar noch, daß Ihr mich für ein Freudenmädchen hieltet.« – »Ihr habt nicht unrecht«, sagte Thaddäus, »denn dieses Gezücht sollte auch unter die verbotene Ware gehören.« – »Hol's der Kuckuck«, sprach Cola Jacovo, »ich sehe schon, daß die Zeit ohne allen Spaß vergehen wird, wenn nicht Frau Ciulla mit mir um ein Maß Bohnen ein Spiel Zitier ihn macht.« – »Bin ich denn ein Gerichtsdiener?« erwidert Ciulla, und der Prinz setzte sogleich hinzu: »Gut abgeführt; denn den Häschern und Bütteln liegt es ob, die Leute vor Gericht zu zitieren.« – »Kommt, Frau Paola«, fuhr Cola Jacovo fort, »wir wollen eine Partie Pikett um einen Zwanziger machen.« – »Weit gefehlt«, versetzte Paola, »denn ich bin kein Hofmann.« – »Geantwortet wie ein Däuschen«, rief der Prinz aus, »denn an keinem Orte werden der Ehre des Nebenmenschen mehr die Augen ausgepickt als in den fürstlichen Palästen.« – »Ohne Zweifel«, sprach nun Cola Jacovo, »wird Frau Ciommetella es zufrieden sein, mit mir eine Partie Musikus zu machen.« – »Ich dächte gar«, entgegnete Ciommetella, »das Spiel ziemt sich für einen Schulmeister.« – »Die muß die Strafe leiden«, rief Cola Jucovo, »denn die Antwort paßt nicht.« – »Da bist du weit links«, sprach Thaddäus, »die Antwort kann nicht besser passen; denn die Schulfüchse spielen so gern den Musikus, daß sie den ganzen Tag lang die Pauke schlagen.« Hierauf kehrte sich nun Cola Jacovo zur letzten der Frauen und sprach: »Ich kann nicht vermuten, daß Signora Zoza mir wie die anderen meine Bitte abschlagen wird, vielmehr wird sie gewiß mit mir um einen Groschen eine Partie Hosen runter machen.« – »Ei, das wäre«, versetzte Zoza. »das ist ja ein Kinderspiel.« – »Ihr freilich müsset nun schon die Strafe dulden«, rief hier der Prinz aus, »denn dieses Spiel spielen auch erwachsene Leute, und daher, Frau Prinzessin, leget ihr eine Buße auf!« Alsbald erhob sich Zoza und kniete vor Lucia nieder, worauf diese ihr als Strafe befahl, eine neapolitanische Villanella zu singen. Zoza ließ sich daher sogleich eine Schellentrommel holen, und während der Kutscher des Prinzen auf der Zither spielte, sang sie das verlangte Liedchen. Es wurde von allen Anwesenden mit großem Vergnügen angehört und endete gerade, als die Tafel angerichtet war, bei der gut geschmaust, noch besser aber getrunken wurde. Sobald jedoch der Magen voll und der Tisch abgeräumt war, befahl Thaddäus der Zeza, daß sie den Vortrab der Erzählungen herbeiführen sollte, worauf diese, obwohl sie etwas im Kopfe, eine sehr dicke Zunge und kleine Ohren hatte, dennoch sogleich dem Gebot Folge leistete und also begann:

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