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Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)

Theodor Däubler: Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe) - Kapitel 9
Quellenangabe
typeepic
booktitleDas Nordlicht (Genfer Ausgabe)
authorTheodor Däubler
year1921
firstpub1921
publisherInsel Verlag
addressLeipzig
titleDas Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)
pages1239
created20120317
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20140924
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Roland

        » D er letzte Himmelsstern beginnt sich zu ereifern,
Die Nacht wird sich nicht lange mehr zu weichen sträuben!«
So spricht der Nachhut Hauptmann jetzt zu seinen Pfeifern:
»Drum fangt zu spielen an, den Nachtspuk zu betäuben!«

»O Herr!« sagt einer von den Heerzugsmusikanten,
»Ich will ein Siegerlied, die Christenhymne, spielen,
So wie es heißt, daß Heiden sich zum Heiland wandten
Und die Moscheen rings in unsre Hände fielen!

Der Tag, der anbricht, sieht das Maurenheer geschlagen:
Bald sinkt die bleiche Mondscheinfestung der Kalifen,
Doch gegen Mittag läßt die Nacht Gespenster ragen,
Und Träume scheu ich nicht, die ihrem Leib entschliefen!

Die Flammenhähne, die auf Allahs Häusern rauften
Und sich die Zunderfetzen aus den Krallen zerrten,
Die einen Weltentag verkündend, bleich verschnauften,
Verschafften mir den Einblick zu den Spukkonzerten.

Das Schandpack Satans sah ich prachtvoll überglastet,
Rasch über Zacken, wie im Wald die Affen, tanzen.
Von Grat zu Grat hat manches nackte Paar gehastet,
Mit Firlefanzern schlossen Weiber Fleischallianzen!«

»Das, was ich sah, war furchtbar,« sagt ein andrer Spieler.
»Die Dulzaina wurde viel und wild geschlagen,
Wie Waldgebraus entrauschte ihr Gesaus, doch vieler
Verhexter Menschen Stimmen schienen durchzuklagen.

Die Eulenschreie einstger Heidenweiser schrillten
Durch dumpfes Schweinegrunzen christlicher Vampire,
Die Rom verstieß; und ekle Hexerwitwen drillten
Sich drinnen ein, und Kuppler bildeten Spaliere.

Um Baal-Zebub selber wimmelten die Wichte,
Und manches Weib von Stand war da mit ihrem Schraten.
Bestimmt verlor der Leib von seinem Fleischgewichte,
Denn Diebsgesindel wirbelte zum Galgenpaten.

Agaras kam mit Chax im Priesterkleid und taufte
Die liederliche Unzuchtbrut aus seinem After,
Und als sein Segen aus den Eingeweiden schnaufte,
Da sank die Täuflingsschar sogleich um sechzig Klafter.

Marchozias, Sabnak, Furfur, Ipes, Malphas brachten
Das Weib Glasialábolas vor unsern Kaiser,
Der sprach: »Ihr werdet nimmer lang nach Freiheit schmachten!
Mein Zepter ist der Schicksalsuhr Sekundenweiser.«

Da jauchzte Áamon, und aus der Taufspukjauche
Schrie Gómory: »Was fletscht jetzt Zabans Hasenlippe?«
»Die Pest! Den Vatermord!« so unkte es: »Ich tauche
Als Kröte auf!« Und Weiber schrien: »Filippe!«

Da gab ihnen gleich Gáab eine schmutzge Kröte,
Und alle geiferten, indem sie sie zerrissen:
»So wie ich dich, verrenktes Sumpftier, töte,
So täte ich das lieber dir, du Urgewissen!«

»Hei!« ruft jetzt ein Soldat: »Die Wachtfeuer verstummen,
Die Flammenzungen fuchteln unvernehmbar weiter,
Die Geister aber wollen sich noch nicht vermummen
Und treiben dreister selbst ihr Spiel, als Besenreiter!«

Wahrhaftig über Felsenspitzen fliegen Zwitter:
So Schatten, Halbgestalten, wie aus Grau und Galle.
Ja, ja, das ist ein andres Schlachtenungewitter:
Was jener Spuk ist, scheint mir eine Wahnsinnskralle.

Verfolgt mich jetzt der große Teufelsungedanke,
Nachdem die Sorge um den Morgen mich verlassen?
Ich glaubte doch, die ungeheure Weltnachtschranke
Wird nimmermehr, in sich zerrüttet, bang erblassen!

Das Schloß, der Harem unten ließ mir keine Ruhe.
Alektryomantie zwar gab mir gute Zeichen,
Doch ich besann mich fort, wie ich es eben tue:
Nun endlich aber weiß ich, daß die Heiden weichen.

Ich habe heute nacht auch tapfer dreingeschlagen.
Die Burg muß fallen, doch die Weiber sollen leben,
Das war mein Wunsch: und Roland durfte nicht verzagen,
Die Flammen sollten sich vom Männertrakt erheben!

»Horch, Roland, horch doch, höre, wenn Trompeten rufen!«
Was ist denn das! Hei, nochmals wagen es die Heiden,
Hervorzubrechen! Stampft sie mit den Pferdehufen!
Ich reite vor, daß alle Streiter mich beneiden.

Versinke, ekler Mohr, dich andern schlag ich blutig!
Das blitzt nur so! Sind das da Augen oder Splitter?
Ihr Funken, stiebt! So merk es, Feind: der Christ ist mutig!
Eunuchen, sterbt, es übertrumpft euch heut ein Ritter

Erbarmungslos und toll! Wie, ist mein Schwert magnetisch?
Der Feind verdirbt, wird auch sein Heerzug länger.
Ich kneble euch, ich stürze euren Lästerfetisch,
Da habt ihr es, ihr dreisten Frankenlandbedränger!

Haut ein, auch ihr, ich bin euch vor um zwanzig Männer!
Ein wuchtger Schlag! Ich bin allein: das ist nicht schade,
Denn rings ist nichts, als gottverlaßne Fluchbekenner:
Mir hilft der Herr, mein Pferd selbst überkommt die Gnade!

Die Flammen rascheln rasch aus allen Mauerscharten,
Wie Blut entsickert Glut den offnen Schmelzgeschwüren,
Auch flattern Feuerfledermäuse roter Arten
Aus Sprühglastnestern, wo sie ihre Glutbrut schüren.

Versinke, Burg, du Herd der Schlechtigkeit auf Erden,
Du Festungsturm, wo man die Weiblichkeit begraben,
Bordell, in dem die Laster sich als Herr gebärden,
Du Haremswand, brich ein, ich will die Rache haben.

Du schwarzer Hund, steht noch dein Dach, so kracht dein Schädel!
Du Dreckbrut du, auch du verreckst durch Säbelhiebe!
Das trifft des Feldherrn Herz, sprecht, ist der Christ nicht edel?
So merkt es denn, wie sehr ich euer Springblut liebe.

Rings um mich her verspritzt ihr es, ihr hundert Hunde,
Und sollt, ein Hauch, im Höllenloch die Huris küren!
Gar rührig fließt das Blut aus meiner Vollbrustwunde:
Das schwächt mich nicht, erst sprenge ich die Festungstüren.

Selbst drinnen noch vertilg ich euch, Saharakatzen,
Ich fürchte nichts, es hilft mir, schützt mich Christi Segen!
Was Roland, Roland! weg mit diesen Heidenfratzen,
Zur Kasba darf mir niemand klug den Weg verlegen.

»Horch, Roland, horch, du selber hast Pardon versprochen,
Wirk nicht allein, du Held, die Festung ist gefallen!«
Ich horche auf, doch höre ich das Herz nur pochen,
Dann fangen die Fanfaren an, laut zu erschallen.

Gesiegt hat Christus, unser Herr! wir danken, beten
Zu ihm, der diese Burg in unsre Hand gegeben.
Jetzt tretet ein, ihr Christenheere, mit Trompeten
Verkündet Sieg, laßt Schallkometen sich erheben.

Ein schöner Tag! besetzt die Festung, die Gefangenen
Schafft fort! ich selber geh zurück ins Lager.
Den Harem laßt! Den schleier- und den schamverhangenen
Beherrscherinnen einen Gruß vom Alleswager!

Ich reite fort: mein Kaiser ist bestimmt zufrieden.
Man jubelt rings. »Heil, Roland!« hör ich rufen:
»Ein Heilandsstreiter, wie du bist, lebt nicht hienieden!«
Das weiß ich wohl, ich steige noch auf Ruhmesstufen!

Doch jedem Sieger folgt ein Zwerggespenst beständig,
Die Sonne ging rasch auf: der Kleine will mich packen!
»Heil, Roland, Heil!« Mein Schatten wird lebendig.
»Hoch, holder Held!« Soldaten hockt er schon im Nacken!

Vor diesem Zelte wird der Kaiser mich empfangen.
Da steht er hehr: sein Spuk verrenkt sich kleinlich, spöttisch.
Ich fühle nun in mir ein stilles Seelenbangen.
Sein Schatten platzt, lieb ich den Kaiser auch abgöttisch!

Der Kaiser spricht: »Ich fühle, wie mein Herz sich weitet,
Du mußt in ihm, am Schlachtfeld, deine Ruhstatt nehmen!«
Im Perlenteppich, den die Sonne ausgebreitet,
Verkrampfen glatte Schatten sich wie Silberschemen!

»Du hast dich«, sagt mir Karl, »wie Gabriel geschlagen!
Es gleicht dein Wesen einem vollen Sommermorgen,
In dir ist keine Furcht, kein Tadel, kein Verzagen,
Wie warm du bist, so klar und ohne Wolkensorgen.«

»O Magne!« meine ich: »Die Mannen alle stritten
Mit Herz und Kopf, ganz Männlichkeit und Frische,
Sie sind bereit, auf allen ihren Lebensschritten,
Sich zu behaupten, fest zu stehn, als kriegerische

Gesellen, vollerwogt zu ihrem Sein und Schaffen.
Doch ich, mein Oheim, bin bloß eine Adlerfeder.
Ich kann und will mich nicht dem Schicksalshauch entraffen
Und werde nie des großen Geistes Widerreder.

Sankt Georg selber wirkt und webt in meinem Wesen:
Ich kann im Schlachtgetümmel ihn zu Pferd erkennen,
Er hat zu seinem Arm und Degen mich erlesen,
Und Durendal hörte ich ihn mein Schwert benennen!«

»Du frommer Held!« sagt Ganelon: »Die Sarazenen,
Der Drache, den der Heilige durch dich besiegte,
Beginnen sich nach Christi Leib und Blut zu sehnen,
Marsilius selber, der uns stets bekriegte,

Schickt Abd ur Rahman aus, den Sternpropheten,
Der ihm geraten, sich mit Jesu zu versöhnen.
Er läßt sich taufen, mit des Reiches ersten Räten,
Und schwört, er komme bald mit seinen sieben Söhnen!

So wendet euch an Karolus, er möge gnädig,
Wie ihr es immer wart, den Feind verschonen.
Die holde Tochter des Kalifen ist noch ledig,
Sie mag mit Roland bald in Zaragoza thronen!«

»O Ganelon, sprich gradewegs zu deinem Kaiser!«
Ruft Karolus und blickt voll Zorn auf den Vasallen.
Er streichelt seinen Bart und sagt dann etwas leiser:
»Allein in meine Macht ist Frankreichs Feind gefallen.

Ihr alle seid nur meiner Herrlichkeit Trabanten!
Selbst Roland muß, dem Monde gleich, sein Licht erborgen.
Von Rom, wohin sich diese Mohren flehend wandten,
Empfängt sein Traum, wie alle Dunkelheit, den Morgen.

Ich selber aber bin der Tag, die Macht, das Leben.
Mein Silberhaar ist Winterschnee der Pyrenäen,
Der Bart die alten Gletscher, die zu Feuerreben
Die Frische ihrer ewgen Jugend munter wehen.

Mein Haar, mein Bart sind auch des Frühlings Guterblühen,
Die weiße Fülle, die ein fruchtbar Jahr verkündet,
Mein Wollen Flüsse, wo sich Flotten vorwärtsmühen,
Und mein Gemüt das Meer, in das die Weltflut mündet!«

Fanfaren melden jetzt die Ankunft der Gesandten,
Sie stehen mit gefangnen Heiden noch beisammen,
Und alle Rassen, die sich taub zu Allah wandten,
Sind da, ob sie aus Asien oder Tanger stammen.

In Purpur nahen blasse Perser. Ihre Bärte
Sind schwarz und schwer und scheinen sie herab zu zerren.
Mit ihnen gehen gelbgekleidete Gelehrte
Und gleich daneben splitternackte Berberherren.

Den Turban tragen auch die schlankgewachsnen Mohren:
Wie strahlt ihr Augenpaar! Es glänzen ihre Zähne.
Jetzt kommen auch Mongolen aus den Festungstoren,
Und selbst ein Blonder folgt, mit großer Löwenmähne.

Gefesselt sind die meisten: wen'gen kleben Flecke
Von Schmutz und Blut am Feldzugskleid, in dem man streitet.
Ob hoch, ob nieder, jeder Dickwams, jeder Recke
Hat seinen Negerzwerg, der ihn umsonst begleitet!

Ich selber habe meinen Mantel umgeschlagen
Und mag somit jetzt dem Dreiviertelmonde gleichen.
Was kann ich tun, daß mich die Schatten nimmer plagen?
Den Mittag in der eignen Tiefe ganz erreichen!

»Gesandte des Marsilius, eure Unterwerfung
Braucht ihr mir nicht zu melden, kommt und fleht um Schonung:
Mein Urteil über euch erfährt keine Verschärfung,
Rebellen, in der Kasba nehm ich meine Wohnung!«

Das sagt der Kaiser. Und die heidnischen Gestalten
Sind wie vom Schlag gerührt und stürzen wimmernd nieder.
Doch endlich kann sich einer wieder aufrechthalten
Und spricht im Ruckbesitze seiner armen Glieder:

»O großer Herr, das Schwert allein darf nicht befehlen!
Drei Monde nur laß uns durch Geistliche belehren,
Dann werden wir das Heil aus eignem Drange wählen,
Das Kreuz und dich allein in unsern Ländern ehren.

Laß Roland hier, magst du nicht selbst in Spanien weilen,
Er kann bei uns die schönste Königstochter freien.
Und sie mag dann getauft des Landes Plagen heilen,
Gibt deine Wunderhand der weiblichen die Weihen!«

»Ihr Paladine, ihr Gesandten, meine Kinder!«
Sagt Karol ernst: »Sprecht eure Wünsche aus, ich höre!
Auch eure Ratschläge bringt vor, ich bin kein Blinder,
Der ohne Freisicht zuläßt, daß man ihn betöre.

Doch merkt euch dies: was meine Lippen ausgesprochen,
Bleibt wahr und recht, ist einwandfrei, für euch geheiligt!
Was ratet ihr, soll ich ganz Spanien unterjochen?
So sprecht, ihr seid mit Leib und Seele dran beteiligt!«

»O großer Herr, gestatte, daß wir uns bewähren!«
Ruft Ganelon: »Wir fürchten nichts im eignen Lande,
Laß uns den Bischof hier, die Heiden zu bekehren,
Verzagtheit ist des Franken allerärgste Schande.«

»Nun!« flüstert Nemo, Bayerns Fürst in meiner Nähe,
Daß ich es kaum vernehme, zu des Kaisers Ohren:
»Dem Roland kannst du vollauf trauen, ich gestehe,
Dem Ganelon nicht ganz: er hat an Wucht verloren!«

Ich trete weg und höre dennoch Nemos Worte:
»Laß Roland hier zurück und kehr dem Land den Rücken,
In Deutschland gärt es abermals an manchem Orte,
Dort müßt uns noch ein allerkühnster Feldzug glücken,

Bevor wir großen Frieden unserm Reich bescheren.
Unheimlich bleibt der Rhein: Gebirge, feste Grenzen!
Die Pyrenäen stehn und werden Schutz gewähren,
Doch in Gefahr sind die Ardennenresidenzen!«

»O Magne!« sage ich: »So lasse mich alleine,
Gib deinen Segen mir, und Gott mag mich beschützen:
Ich bleibe gern in Spaniens holdem Sonnenscheine,
Bloß Olivier, der Gute, soll mich unterstützen.

Dann streite ich mit Durendal, dem edlen Schwerte,
Mit Hauteclaire steh Olivier mir froh zur Seite.
Und Marchegai, sein starkes Pferd, ein Schlachtgefährte,
Befreunde sich mit Veillentif, das ich bereite.

Dann ziehn wir in den Herbst hinein! Das Reisig,
Das dick die Erde deckt, zerknickt am Wege.
Schon schwitzt das Pferd, der Wind aber wird eisig,
Und immer ists, als ob ein Reh sich wo bewege.

Die gläubgen Tannen bleiben grün und überleben
In ihrer Unschuldwucht den Fall des alten Laubes,
Ihr Wesen ist erstaunlich frommes Sicherheben.
Sie fühlen: Herr, du sagst: auch du bist gut, ich glaub es!«

»Wie frei«, ruft Olivier, »erscheint mir solch ein Leben!
Mein Kaiser, lasse uns zurück in diesen Tälern,
Wohl wagt der Heide kaum, sich rächend zu erheben,
Durch Christum heilen wir ihn mild von Fluch und Fehlern!«

»Mein Olivier!« so spreche ich mit Herzensfreude:
»Wir müssen dann nach Flüssen und nach Gründen spüren
(Aus edelsten Gesteinen türme ich Gebäude),
Um Aude, deine Schwester, würdig heimzuführen.«

»Turbin!« sagt Karol nun: »Verschweigst du deine Meinung?
Du Kirchenfürst, wie glaubst du, würde Rom jetzt raten?
Du weißt, ich bin kein Freund von Furcht und Wunschverneinung,
Doch zaudre ich, mir ahnt von grausen Waffentaten!«

»Mein Herr!« sagt da der Bischof frei zu seinem Kaiser:
»Vernunft und Vorgefühle muß ein Christ verneinen,
Den Krieg zu Ende führen, halte ich für weiser,
Doch unnütz würden etwa tausend Mütter weinen!

Vertrauen wir dem Kreuz. Du magst die Heimat grüßen.
Ich bleibe hier und will in Frieden Heiden taufen:
Viel besser jetzt, als in der Hölle einst zu büßen,.
Drum laß uns Mannen, um mit Abtrünngen zu raufen!«

»Gestrenger Kaiser!« sagt der vornehmste Gesandte:
»Du kannst dein Heer, wenn du es willst, im Lande lassen,
Die Franken seien hier daheim, nicht als Verbannte,
Wir werden nimmermehr die Christenstämme hassen!

Dem Ganelon, der uns versteht, sind wir verpflichtet,
Er wird uns immer mehr mit seinem Volk verbinden.
Auch Roland hat schon manchen Maurentrumpf vernichtet
Und mag die Herrschaft nun auf Männerachtung gründen!«

»Fürwahr, ein großer Freudentag ist angegangen!«
Ruft Olivier: »O großer Herr, wir flehen alle,
So laß die Hand bald die erbangte Frucht erlangen,
Doch was du sagst, ist gut: tu, daß es uns gefalle!«

»Dem Vater wird der Abschied schwerer als den Kindern!
So bleibt denn hier!« sagt Karol sanft: »Ich werde scheiden.
Bloß Nemo soll den Schmerz der langen Trennung lindern,
Auch Ganelon kommt mit, ich mag ihn hier nicht leiden.

Nur eines haben Herz und Geist sich vorbehalten:
Ich ziehe heim, doch folgt ihr gleich, wenn ichs bestimme!
Mein Machtentschluß ist heut zum erstenmal gespalten:
Ich wähne Sieg und Glanz, doch seh ich auch das Schlimme!«

O Gott, jetzt heißt es, vom geliebten Kaiser scheiden!
Ich werde ihn voll Glaubenskraft und Mut vertreten,
O Gott, ich kann verschiedne Stimmung unterscheiden,
So hilf mir, Herr, ich fleh zu dir in meinen Werkgebeten.

O Herr, der Drache hat sechshundert giftge Zungen
Und viele tausend, abertausend falsche Augen!
Mein Seelenblick hat meinen Feind erkannt, durchdrungen:
Er steht so grad und kann zu keiner Tugend taugen.

Mein Herr, du wirst dein Werk am besten schützen!
Ich fürchte keinen Feind, auch kann ich nimmer helfen.
Der Kaiser sprach sein Wort, kein Einspruch dürfte nützen,
Nun bangt vor mir, ihr Drachen, Teufel, Elfen!

Jetzt reicht mir Nemo scheidend seine Hand. Ich fühle
Von ganzem Herzen: »Lebe wohl!« das ich ihm sage.
Dem Kaiser tränt das Auge, düstre Abschiedsschwüle
Bedrückt uns alle, doch ich fürchte keine Klage.

Mein Olivier, auch du bleibst stark, du bückst dich nieder
Und läßt vom Kaiser dich umarmen und erheben.
O Ganelon, dein Kuß ist mir warum? zuwider:
Nicht fühl ich mich in Freundschaftsinnigkeit erbeben.

Dein Reichtum ist mir fremd. Die grünen Edelsteine
Durchfrösteln mich. Opale lachen geil wie Greise.
Auch Kröten gelb und fahl, falsch sind Topasenscheine:
Doch das ist Spaß! ich wünsch dir eine gute Reise!

Mein Kaiser, nun empfang ich deinen Weihesegen!
O weine keine Kleinodien zurück ins Innre.
Die Lippen, die sich sanft auf meine Stirne legen,
Sind schwer, weil ich mich an die Taufe sanft erinnre.

Fürwahr, wir haben uns nun tief durchglückt vernommen.
So gehe, Herr. Dein Zwerggespenst wird dich begleiten
Das meine bleibt bei mir, es muß mir eben frommen,
Doch volle Sehnsucht wird uns zueinander weiten!

 

        » E s leben die Quellen, sie rascheln und rauschen:
So trinkt doch, erschöpft uns, um Menschen zu taufen,
Ihr seht uns das Wasser, die Namen vertauschen;
Wir warten als Schnee, um als Bach fortzulaufen!

Wir gleichen als Flüsse der christlichen Lehre,
Die bald alle Sünde der Welt überwindet,
Wir rasten erst ferne, im ewigen Meere,
In dem Gottes Himmel sein Spiegelbild findet!«

So singen die Christen und ziehen mit Zweigen
Erblühenden Glühens des Südens herüber.
Ich sehe sie kühn über Felstürme steigen
Und wünsche, ach, würde ihr Lied nimmer trüber!

Jetzt bringt Olivier aus dem Wald einen Falken
Und sagt mir: »Mein Freund, den da hab ich gefangen!«
Ich blick auf den garstigen Nachtschattenschalken,
Der knapp sich dem Mann hintenan angehangen

Und sage: »Mein Freund, unser Ruhm kann sich mehren,
Gar bald schickt uns Karol nach Spanien Gesandte
Und fordert, wir sollen zurück zu ihm kehren,
Da Frankreich sich hier in ein Wirrsal verrannte!«

»Nun gut, wie es sei!« ruft nun Olivier munter:
»So wollen wir heute noch streiten und reiten.
Und steigen wir dann in die Heimat hinunter,
So soll uns der herrlichste Weltruf begleiten!«

»Drum lassen wir«, sag ich, »für heute das Jagen:
Es bangt mir nach Wahrheit und christlichen Taten,
Ich kann nicht den Sabbat des Landes vertragen,
Auch wars, als ob tanzende Schatten uns nahten!

Turbin, der den Kaiser drei Meilen begleitet,
Wird bald wieder da sein und langsam beginnen,
Das Maurenvolk, das jetzt dem Kreuze zuschreitet,
Mit Beispiel und Lehre dem Heil zu gewinnen!«

»Ich sandte schon Boten, die sollten Propheten
Und Priester der Stadt Zaragoza mitbringen!«
Berichtet mein Freund: »Ich will wetten, die beten
Zu Sternen und Steinen und herzlosen Dingen!«

»Wir streiten für Christum, so glühn unsre Seelen.
O zückten sie, sprühten sie flammende Zungen!
Wir wollen die Braut unserm Heiland vermählen.
Die Braut ist die Kirche!« wird munter gesungen.

»Nun hör, Olivier, eine seltsame Jugend
Entkleidet sich plötzlich der täglichen Träume:
Denn sieh, ich entsinne mich urkeuscher Tugend,
Ich weiß eine Mutter und Träume und Bäume!«

Erzähl ich. »Wo war das?« fragt rasch mein Genosse.
»Daheim, irgendwo in entschlummernden Zeiten:
Entnebelter Menschen, verschwommener Rosse
Entsinne ich mich, auf belichteten Weiten!«

»Wohl wispeln die Wipfel, auch sprechen die Sprudel,
Es lispelt der Wind, wo die Lichtlerchen nisten,
Nun fiepst eine Ricke und sucht ihren Rudel,
Drum knistern die Zweige, doch schweigen die Christen!

Aufs Blatt geht der Damhirsch, das Rind auf die Weide,
Der Tod folgt der Sünde, der Schlechte den Sternen,
Dem Monde der Tolle, noch trotzt bloß der Heide!«
So höre ich Stimmen sich singend entfernen,

»Ich selber weiß ferne und liebliche Lieder,«
Erzähle ich weiter; »die Mäher der Mutter
Berichteten ängstlich und doch immer wieder
Vom Kobold Merlin, einem Spender von Futter.

Einst blühten die Wälder und glühten die Felder,
Ich hörte im Dickicht die Rehkitzen schmälen,
Wohl zirpten und quiekten die Regenanmelder,
Da wollte ich mich von den Wohnstätten stehlen.

Auf einmal erschallten im Walde Weltlaute!
Was stöhnte wie Holz und erdröhnte wie Eisen?
Unglaublich wars, was da mein Auge erschaute:
Ich sah mich von Reitern im Harnisch umkreisen.

Es kann nur der Satan, so schien mirs, so lärmen!
Von Teufelgepolter erzählten mir Schnitter,
Doch braucht ich mich kaum um fünf Männer zu härmen,
Ich wünschte, ich schlüge ihr Rüstwerk in Splitter!

Doch als mir die Reiter fast nahe gekommen,
Da dachte ich: Ehrfurcht! Denn Engel sind diese.
Nur Gottesgesandten mag Sonnenpracht frommen!
Rasch kniete ich hin vor dem Glanz auf der Wiese.

Zur Huldigung konnte doch Gott selber nahen!
Da sprach gleich der schönste der glänzenden Reiter
Zu denen, die ferner mich Knaben kaum sahen:
»Das Kind ist erschrocken, drum reitet nicht weiter!«

»Erschrick nicht, mein Kind!« ward ich sanft angeredet.
Ich sagte drauf: »Nein, denn Gott bist du, der Gute.«
»Ich bin nur ein Ritter, der Böse beredet!«
Sprach jener: »Drum sei dir auch munter zumute!«

»Ein Ritter?« Ich fragte und dachte: Ein Ritter!
Was ist das? Wie schön muß das sein! »Herr, o wär ich
Wie ihr so ein Ritter, dann trüg ich ein Gitter:
So nehmt mich zu euch, denn ich bin gar gelehrig.«

Doch ward ich befragt: »Sahst du eben fünf Reiter,
Mit drei jungen Damen?« Jetzt weiß ich die Frage,
Doch damals bedünkte mich andres gescheiter,
Ich griff und ich frug nach dem Panzerbeschlage.

Die Lanze, der Schild, alles schien mir gewichtig.
Und wieder befragt, wollt ich selber nur wissen.
Das fremde Begehren, wie schien es mir nichtig,
Ich wurde fast wild, ich war tief hingerissen.

Vom König erfuhr ich zum Schluß, der zum Ritter
Kann schlagen! Ich lief zu der Mutter, die weinte,
Als ich mich beklagte, daß sie einen Schnitter
In mir, nicht den herrlichsten Ritter vermeinte.

Sie hatte den Gatten, die Brüder verloren
Und hielt mich drum ferne von Krieg und Turnieren,
Doch da mich der Zufall zum Ritter erkoren,
So zog ich von ihr und den lieben Waldtieren.

Ich sah meine Mutter dann nimmer im Leben.
Wie sollte ich weiter mich ihrer entsinnen?«
»Du sprachst mir noch nie von den Schleiergeweben!«
Sagt kurz Olivier: »Jetzt denke ans Minnen!«

 

        F anfaren melden uns die Ankunft der Gesandten.
Gefangne, Geiseln, stark bewaffnete Trabanten
Des Ostmonarchen kommen stolz auf Elefanten,
Als Vortrab weiser Staatsrepräsentanten.

Damastgewänder, Schleier, Sklavinnen und Affen,
Gestickte Seidenkissen, Wollstoffe, Eunuchen,
Geschirre, Schmuck, Kyneden, Lampen, Prachtkaraffen
Sind aufgehäuft, das Schönste sich herauszusuchen.

Ein Lasttier bringt eine Moschee mit Sternjuwelen,
Mit Goldkometen und auch drehbaren Planeten.
Sie hält vor uns. Und ihren innern Rätselsälen
Entsteigen sieben reichgeschmückte Weltpropheten.

Jetzt spricht der Älteste der Weisen uns zum Gruße:
»Es wollte Olivier, daß wir vor euch erschienen,
Da nehmt, was euch gefällt von unserm Überflusse
Und sagt nur, kann ich, Abd ur Rahman, sonst euch dienen?«

»Der Kaiser mag Tribut und Abgaben empfangen!
Bist du getauft, so magst du unser Heer beschenken.
Mit euren Lehren weiß das Herz nichts anzufangen,
Doch sprich mir, wenn du willst, von deinem eignen Denken!«

Beginne ich. Worauf der Heide mir erwidert:
»Du reiner Tor, du Sonnenheld, der sich verdunkelt,
Du hast wohl manchen tiefen Himmelswunsch befiedert,
Doch wähnst du nicht, was als Vernunft und Einsicht funkelt!

Vom gleichen Schicksal sind wir beide hier getragen:
Es muß der Mohr den Christ, der Christ den Mohr ergänzen.
Der Kampf, mein Sohn, ist wie das Wechselspiel der Wagen,
Kein guter Tag, o glaube mirs, wird uns erglänzen.

Auch was uns schlecht bedünkt, ist in euch aufgespeichert,
Was nicht der Franke mag, in mir sieht ers vereinigt.
Der Krieg bringt Not, doch er ist es, der uns bereichert,
Vom andern will man das, wofür man oft ihn steinigt.

Doch glaubt mir, Christen, jene bleichen Weltschreckwesen,
Die oft gespensterhaft die ganze Nacht durchtanzen,
Aus beiden Lagern hat ein Zwang sie aufgelesen,
Und selbst der Tag verscheucht sie nicht aus ihren Schanzen.

Sie sind die Schuld, der dumme Haß von allen beiden,
Und drum das Unheil, das da droht, uns zu verschlingen:
Wir achten euch als Schriftbesitzer, doch als Heiden
Verketzert ihr uns, statt uns christlich zu bezwingen!«

»O sprich!« erwidre ich, »was sind die Tanzgestalten?
Sind sie aus Fleisch gewalkt? bloß Blasen? böse Träume?
Entsteigen sie als Geister dunklen Felsenspalten?
Bewohnt der Troß der Demeter verhexte Bäume?«

»Phantome sind es, unsre böse Vorbedeutung,«
Werd ich belehrt; »nichts ist an ihnen noch leibhaftig:
Gespenster, Zeugen scheinen sie der Seelenhäutung,
Längstüberwundenes, das unser noch teilhaftig:

So wie die Starrnatur durch Wellen und durch Zacken
Sich ewig weiß in Maß und Einheit festzuhalten,
So muß das Geistige durch Hexen, Huckepacken
Und Buckelkobolde sich ineinander halten.

Was da noch walzt, ist unerhaschbar, qualmig, spukhaft!
Doch einstmal quirlen Menschen in dem Hexentrubel,
Und was der Druck von unten schafft, das wird dann schluckhaft,
Samt aller Würde eingeschlürft vom Höllenstrudel.«

»So haben diese Geister keinen eignen Schatten?«
Entschlüpft mirs rasch: »Und können deshalb überpurzeln?«
»Das da sind Schattenmassen,« heißt es, »ohne platten
Gefolgschaftsschatten und auch ohne Sturzwuchtwurzeln.«

»Mein Herr, nach einer Mustrung geilen schon die Weiber,«
Quiekt jetzt ein Männchen, zu dem Sprechenden gewendet.
Und wirklich, richtig spricht der Haremspackzutreiber:
Die Nymphen wetzen sich, durch Eitelkeit verblendet.

Sie scheinen fast ob unsres Zwiegesprächs zu lachen,
Denn unnütz dünkt es sie, nicht bloß an Lust zu denken,
Ein wenig ungeduldig sind auch ihre Wachen,
Und darum trachten sie den Blick aufs Fleisch zu lenken.

»Nun, Roland, schenke diese Weiber den Soldaten,«
Sagt Abd ur Rahman schlagfertig und doch verlegen:
»Dir will ich, Held, zu einer Neigungsheirat raten,
Für Fatime wirst du die reinste Liebe hegen.«

»Geschlechterumgang ist mit Heidinnen verboten!«
Erwidre ich: »Und läßt sich Fatime auch taufen,
Befreie, schütz ich sie vor ruchlosen Despoten:
Ihr Jungfraudasein wird dann rein und stolz verlaufen,

Doch eine Fränkin nur will ich als Weib erküren,
Nicht bloß, weil ich mich schon verlobt habe, gelobe
Ich solchen Treusinn meinem Blute durchzuführen,
Auch sonst bestände ich die Brunstverlockungsprobe!«

»Nein, Roland, Fatime, das Weib der Weiber, einigt
In bleichem Leibe, was die Erde Hehres spendet!«
Erwidert ihr Prophet: »Sie ist durch Glut gereinigt,
Die Weißheit ihrer Haut hat Spaniens Tag vollendet.

Ich sah sie nur in einer Nacht, als sie erwachte,
Und bin auch damals knapp in ihren Hof getreten,
Ein wunderbarer Sternenhimmel überdachte
Das Wesen Welt, aus dem Gebete zu ihm wehten:

Da rührte sich das Weib, der Türe gegenüber.
Ich sah den Rumpf allein und weder Kopf noch Füße.
Ich bin kein Lüstling und kein wüster Wutverüber
Von Wagnissen, damit ich mir die Nacht versüße:

Ich blieb gebannt dort vor der Kemenate stehen.
Die Nacktheit dieses Weiberleibes war unendlich.
Ich sah die Liebe ihrem Busen sanft entwehen:
Das Schicksal, das ihr Bauch vergrub, schien unabwendlich!

O hätte ich die Sohlen, das Gesicht gesehen!
Doch nein, im Sternenlichte regten sich die Glieder,
Dann blieb sie still und ließ den Schlaf mit sich geschehen:
Sie glich der Milchstraße! Ich kniete draußen nieder.«

»Fürwahr!« ruft Tip jetzt, ein Eunuch, »das Weib ist prachtvoll!
Was ich dir rasch zur Auswahl zeige, ist Gesindel,
Als Preis für Fatime verlangt ich einen Schacht voll
Von Edelerz, und glaube mir, es wär kein Schwindel!«

»So viel Dukaten, als am Himmel Sterne glänzen,«
Ruft Kip, ein anderer Kastrat, »müßte man zahlen!
Ich durfte manches Mal um sie herumscherwenzen:
Ich sah sie einst im Bad, nicht sag ichs, um zu prahlen!«

»Ihr fetten Kerle ihr,« ruft Olivier, »erzählt, was ihr gesehen!
Sagt, Hämmlinge, wie könnte sie euch auch gut schmecken?
Entblößt sie mir, durchs Wort, vom Kopf bis zu den Zehen,
Doch dürft ihr nicht das saftge Mittelstück verstecken.«

»O Herr!« ruft Tip sogleich, »Ihr mögt mir freundlich glauben,
Wenn auch Kastrat, besitz ich dennoch einen Kiefer,
Kann ich ein Weib auch nicht der Fleischfrische berauben,
So bin ich doch im Dienst nicht blindes Ungeziefer.«

»Und voll Ästhetik gar«, fällt Kip jetzt ein, »sind beide!
Wir Haremswachen hören morgens keine Hähne.
Die Herrin ist der Tag! Glüht unsre Augenweide,
Auroren gleich, des Weibes Leib gleißt die Fontäne

Im Vorhof, bald und langsam schlafen auch die Sterne!
Von Fatime allein mag ich den Strahl empfangen.
Die Ampel selbst erblaßt vor ihrer Nacktheit gerne,
Und auf den Marmorträumen glimmen Tageswangen!«

»Wie eine Tropfsteingrotte ist die Kemenate!«
Kommt Tip dem Kip zuvor: »Aus Alabasterbrüsten
Ergießt Frühmorgenmilch sich auf Brokatornate
Der Standeswachen, die sich ihrer Würde brüsten!«

»Jawohl!« ruft Kip, »wie man erst früh die Meeresstürme
Der fernen Nacht erkennt, am Gang der Wogen,
Verrät der Atem Fatimes, ob ihre Träume Türme,
Ihr Sehnsuchtsbann ein Christenherz zum Fall bewogen!«

»Durch eine Laube dringt das Licht zu ihrem Bade,«
Sagt Tip, »ein Spitzenhemd aus zartverzackten Schatten
Umschlingt des Leibes Weichheit bis hinab zur Wade,
Die Füße aber zündeln fast aus blanken Platten.«

Und Kip fährt fort: »Der warme Himmel schaut ins Wasser,
Erst überträufelt er den Leib wie kühle Trauben,
Doch dann, ach dann, wird er ein Lachopalverprasser:
Er kann die Wanne allen Wonnestaubs berauben!«

Und Tip meint rasch: »Ich will die Flechten noch erwähnen:
Fast honigbraun umgaukeln sie den blassen Nacken,
Mit Schildpattkämmen müssen Mohrinnen sie strähnen,
Und alles Haargeschmeide rahmen Bernsteinzacken.«

 

        E in Kirchenlied klingt tief, zu tief mir zum Herzen!
Ein klarer Choral wird im Walde gesungen.
Turbin muß es sein, denn es ist »Tal der Schmerzen!«
Der liebste Gesang meines Bischofs erklungen.

Nun lauschen die Christen. Schon horchen die Heiden.
Hat jemals ein Lied so den Menschen erschüttert?
Die Seele entschwingt sich aus irdischen Leiden,
Verachtet den Tod, der die Aasgeier füttert.

Mir ist es, als stiegen die Tannen hernieder,
So hehr und so mächtig erzittern die Stimmen!
Das ist das Leid Christi, mein Lied aller Lieder:
Ich sehe die Strophen den Himmel erklimmen.

Wir lauschen vollendeten Heimatsgeschichten:
»Hold preist dich die Schöpfung, mein Gott, den wir loben.
Der Schnee schmilzt, und lichterloh grünen die Fichten,
Denn Sommer wirds oben, am Firne dort oben!

Der Himmel entwölbt sich aus Höhen noch höher,
Und birgt er als Gipfel mein Flehn, unser Bangen,
So wünschte mein Herz: ach, entweht er, entflöh er,
O könnte er, Herr, bis zu dir hingelangen.

Betrübt sind die Engel, wir sehn ihre Tränen
Frühmorgens den Sündenpfuhl Erde benetzen.
Nur wenige sind wir, die Gott tief ersehnen,
Und groß ist des Heilandes Schmerz und Entsetzen!«

Wahrhaftig, das sangen erhabene Tannen,
Nun werden sie bald in das Tal niedersteigen,
Dann mag sich die Christenheit heilwärts ermannen:
Erbarmen, ihr Tannen, umwallt uns im Reigen!

»Das Jahr ist erwachsen!« erschallt es: »Im Bache
Versiegt schon das Wasser, doch oben wirds Sommer!
Der Tag sagt zur Felsöde: träum nicht, erwache!
Und alles lebt Gott zu, der Mensch wird nicht frommer!«

Entsteigt euern Gipfeln, ihr christlichen Fichten,
So kommt, wie ein Pilgerzug, furchtbar hernieder,
Kommt, wuchtige Riesen, zu nichtigen Wichten,
O lehrt uns der Urwelt unendliche Lieder!

»Herr Zebaoth, der du die Wälder erdachtest,
Die keusch sind, so unschuldsvoll, nur Gott zu finden,
O lasse auch uns, die du wandelbar machtest,
In sich Gott erschaun, ihrer Welt zu erblinden!«

So singt man, und Männer entwirbeln den Wäldern:
Wie Fallobst der Stammbäume, seh ich die Krieger,
Die morgen verhauchen, sich tiefum in Feldern
Verlieren: o harre, Wald: Wald Zeitbesieger!

Beschwert durch den zwerghaften Hintermannsschatten,
Erleichtert durch Kränze und duftende Zweige,
Erscheinen nun Menschen, als Sänger auf Matten,
Das wimmelt und drängt sich auf stufendem Steige.

Turbin wird nun sprechen, vom Muß gebeugt, handeln,
Dabei auch für mich Strahlen Schicksal enthüllen.
Ich sehe ihn steil mit der Priesterschaft wandeln,
Was will unser Kaiser, was mag sich erfüllen?

»Gelobt sei der Herr Jesus Christus!« ertönt es,
»Der Kaiser, o Freunde, schickt hold seinen Segen!«
Ich liebe Turbin, denn sein fröhlich getöntes
Organ hört sich an wie ein Fastenzeitregen.

Ich sehe dabei auch den Lenz froh ersprießen.
Ich fühl ein Erblühen in treuen Gemütern.
Noch welkt und verdirbt keine Seele, ergießen
Sich Jesu Heilslehren aus hohen Lichthütern!

Er spricht: »Meine Kinder, viel Schlimmes erspäht ich,
Gespenster mit Buckeln und wackelnden Bäuchen!
Seitdem ich vom Kaiser zurückkehre, bet ich,
Gott möge mir helfen, den Spuk zu verscheuchen!

Ich wurde erhört, und ich dankte der Fügung,
Im Augenblick, als ich die Heiden gewahrte,
Dafür, daß dem Kreuze gebührend Genügung
Ersprießt, da Gott Täuflinge rings um euch scharte!«

Ich sage: »Turbin, arge Schlachtgreuel nahen!
Ich freue mich schon, für den Heiland zu kämpfen.
Die Geister, für die künftge Dinge geschahen,
Versuchen im Vorblick die Schrecken zu dämpfen.

Sie sandten die Heiden, damit du sie taufest,
Auf daß sich die Hölle nicht allzusehr fülle:
Doch geht Christi Schiff gut und hält jedes Tau fest,
So kümmert kein Spuk uns, kein Nachtsturmgebrülle!«

Nun spricht Abd ur Rahman: »Es hat uns der Kaiser
Drei Monde Bedenkzeit und Lernfrist beschieden.
Auch mich dünkt, Geduldung macht besser und weiser:
Übt Freundschaftsverkehr vor dem bindenden Frieden.

Betrachten wir denn diese atmenden Tage
Und suchen wir, einig, den Spuk zu vertreiben:
Verschwindet er, glaubt mir, gelingt eine Sage,
Die waldwundertraurig als Lied uns mag bleiben!«

Turbin zürnt: »Ihr Heiden, Bedenkzeit gewährte
Der Kaiser, ich weiß es, doch einzig die Taufe
Kann helfen, den Spuk zu vertreiben: Gelehrte
Des Korans, springt zu, daß kein Schaf sich verlaufe!

O seht, unsre Lehre, ein Glaube der Gnade,
Verträgt keinen Aufschub und keine Bedingung.
Schon mahnt uns der Heiland, durch manche Tanzschwade,
Ans Lehramt und auch an Bekehrungserzwingung!«

Da meint Abd ur Rahman: »Nein, Herr, denn viel besser
Als Ihr kenn ich beider Geschicke: den Sternen
Entlehn ich mein Wissen: ein Strauß bis aufs Messer
Mag kommen, bevor wir Gepsalme erlernen.

Doch lese ich oben, noch strahle auf Erden
Ein Ding, nur ein Stein, den die Engel uns ließen,
Der könnte aus Kriegen von Streit und Beschwerden
Uns retten und allen die Freiheit erschließen!

Die Boten der Gottheit erflogen die Reinheit
Der himmlischen Heimat, vom Licht hingezogen,
Sie glühen mit ihr in erblumender Einheit,
Doch hüten den Stein wir, bleibt Gott uns gewogen!«

Turbin ruft: »Verrucht ist das Gucken zum Himmel!
Ein trügerisch Blendwerk, der Schein, nach Gesetzen
Zu leben! Was Wissen schafft, schmeckt bloß den Schimmel
Und Krankheiten, die heile Dinge zersetzen.

Den Raum könnt ihr messen, den Zufall erweisen,
Was Weltschranken sprengt, in Gesetzschränke drängen,
Als Sünde, ums Eigengrab, zeitzählend kreisen,
Dem Tod zu, stets Übel an Übel anhängen,

Doch leuchtet durchs Kreisen die Ewigkeit Gottes.
Die Tat ohne Augenblick: Reue und Taufe,
Entreißt unsre Seele dem Weltsitz des Spottes,
Der kärglichen Kenntnis der Sachen im Laufe.«

»So tauft, wer sich taufen läßt, wir ziehn von dannen!«
Sagt kurz Abd ur Rahman: »Wir suchten den Frieden,
Doch fanden wir alberne Wortbruchtyrannen,
Für uns sind drei Monde drei Monde hienieden!«

»Halt ein, Abd ur Rahman, du fahre zur Hölle!«
Ruft nun Olivier: »Doch die andern verbleiben:
Zuvörderst die Weiber, denn wahrhaft sonst schwölle
Der Sündenpfuhl gar zu arg an. Euer Treiben

Im Harem ist gottlos. Unwürdig selbst eurer!
Wir lassen nicht wieder die Weibheit entweihen.
Turbin, tauf die Frauen: ihr Heil sei uns teurer;
Wir wollen uns kennen, bevor wir sie freien.«

»Verrat, Schurkerei!« rufen laut tausend Heiden;
»Ihr Christen seid Schufte! wo bleiben die Pakte?
Ihr wollt unsre Schätze! Wie könnten wirs leiden!
So sind eurer Handlungsart kurze Extrakte!«

Ich dröhne hinein: »Das Schwert wird uns zeigen,
Wer hier der Verräter ist: einzig Ordalien
Entscheiden den Rechtsstandpunkt. Ihnen nur neigen
Die Christen sich immer, nicht Tanzsatanalien,

Die ihr aus der Erde, durch Unzucht, gegeistert:
Wir hassen euch, freche und garstge Barbaren.
Wir ächten dich, Mann, der den Höllenspuk meistert:
Fahr hin, dich mit Waldlarven heimlich zu paaren!

Erstick im Genusse mit Brunstsalamandern,
Doch nimmer verbiete du, Gott anzuflehen:
Er möge heut abend das Schlachtfeld durchwandern
Und helfen, daß Tausend zum Heile eingehen!

Ich werde für euch, wie für mich, bald verbluten.
Für dich sei mein Schwert, das dich umbringt, gezogen.
Wie kannst du uns Duldung von Unzucht zumuten,
Ist morgen doch Hoffnung in Gott schon verflogen.«

Ich höre ein Seufzen durchs Heidentum fluten.
Wie klingts an mich an! Wohl verfolgts eine Richtung.
Ein Fluchttuen ists unter Fluchttunichtguten:
Ihm nach aber stürzt eine Erdgeistverdichtung.

Ein furchtbarer Greis überwindet die Menge.
Den schneeweißen Bart überflimmern dicht Tränen.
Aus Wuchtaugen fuchtelt ihm List und Lichtstrenge.
Die Glieder sind klein und dabei strack an Sehnen.

Nun ruft er: »Entsetzliches Schlachtengetümmel
Wird, ach, bald die Starken und Schwachen wegraffen!
Der Muselmann lauert, der christliche Lümmel
Durchschaut ihn und greift zu den Waffen!

So packt lieber Weiber, entführt sie den Hütern,
Zu schwer inseln Leiber im Ursee der Seele:
Drum wühlt Wucht und glüht Wut in beiden Geblütern:
Das Weltschicksal heischt, daß sich Buntes vermähle.

O Mann und Weib, tretet euch geisteinig näher!
So laßt nicht die Schlacht unter Männern entflammen!
O tut mir, dem Seher, nicht schmerzreich noch weher,
Da alle doch Gott, unserm Vater, entstammen!«

»Wer bist du, wie heißt du, wem dienst du im Himmel?«
Fragt rasch Olivier diesen fremdartgen Alten:
»Vielleicht hintertreibst du das Schlachtengewimmel,
Vermagst du bald Heiden dem Heil zu erhalten.«

»Du fragst, wer ich bin? Was ich glaube und heiße?
Haha!« faucht der Greis: »Hier fällt Babel zusammen!
Den Juden beschimpft mich! Ich bins und verbeiße
Die Leiden, die alt meinem Glauben entstammen!«

»Du Zeuge der Wahrheit der christlichen Lehre,«
Ruft hurtig Turbin, »so lasse dich taufen,
Denn sieh, dann gewinnst du das Heil, deine Ehre,
Du mußt auf der Wanderfahrt endlich ausschnaufen.«

»Du lügst, denn du irrst dich!« erwidert der Fremde:
»Die furchtbare Wahrheit, vernimm sie und bebe:
Das Welttal durchschweif ich, sieh da, in dem Hemde
Und Leibe, durch den ich am Irdischen klebe!

Zu Gott, der Ureinheit, muß unser Volk leben!
Doch wann kann das sein? da doch ahnende Geister,
Aus Hochmut, am Ich und der Zeitlichkeit weben.
Wann kommt der Messias, der herrlichste Meister?

Bis dann bleibt dem Geist unsre Rückkehr zum Leibe.
Erinnerungsfrei kommt der Mensch immer wieder:
Ich selbst bin Gespenst, und ihr seht, ich verbleibe
Auf Erden und habe als Mensch meine Glieder.«

»Wir haben seit Adam wahrhaftig an Gaben
Gar manche«, sagt rasch Abd ur Rahman, »verwandelt,
Vielleicht auch vernichtet, wir haben zum Laben
Der Kranken verschiedne Heilkräutlein verhandelt.

Auch du, alter Jude, bist elend verwittert.
Doch sag, überkamst du von Adam die Schale,
In der noch der Saft langen Daseins erzittert:
Verrate, was nimmst du am Tage zum Mahle?«

»Hebräer,« ermahnt unser Bischof, »Hebräer,
Du kommst aus dem Heidenland, dort hast du Brüder,
So bringe die Abtrünngen Gott sorgsam näher:
Die Welt ist verrucht und zerirrt glaubensmüder!

Du weißt wohl, du darfst noch im Irrtum beharren!
Wer blind ist, dem kann Gott das Augenlicht schenken.
Doch Heiden sind starrköpfge, lichtscheue Narren,
Die selbst aus der Schrift ihr Gesetz herausdenken!«

»Ich weiß nichts! Mein Fuß hat am Sinai geblutet.
Es stach mich dereinst am Hymet eine Hummel.
Ich weiß nichts! Ich wurde vom Mahlstrom umtutet
Und bleibe nur Jude und dumm beim Weltbummel.«

So spricht nun der Alte und lacht und wagt weiter:
»Was wollt ihr denn wissen, ihr Flachlandbeschauer,
War je euch der Ursturm ein guter Begleiter?
O sprecht, wart ihr einst Pyramidenerbauer?

Ich weiß nichts! Doch seht, ihr seid vieles gewesen!
Ich musterte damals umgrämt euren Dünkel.
Ihr wart selbstgefällig-einfältige Wesen
Und schlüpftet auch später aus finsterm Weltwinkel.

Das Jüngste Gericht wird euch endlich erleuchten.
Erst dann gibt es friedsam ein Wiedererkennen.
Einst wird euch so mancher bekannter bedeuchten,
Ihr werdet ihn Mutter und Kind endlos nennen.

Ihr werdet erschauen Geburten im Fleische,
Beschneidungen, Taufen und heidnische Sitten.
Ich weiß nichts! doch eines gewährt, was ich heische:
O laßt meine Meinung für nun unbestritten!«

Wie früher durchgellt uns ein furchtbarer Schauer.
Ein Seufzer entschleppt schrill den sehenden Alten.
Uns wird gar, als ob er im Lärm sich verkauer,
Ich sah kaum, wie Fäuste sich krampfhaft aufballten!

Da flucht nun Turbin: »Heide, laß die Versuche,
Durch Spuk uns und Zauber zur Furcht zu verleiten:
Du stehst im Verrufe und Magiergeruche,
Du darfst solche Trugwege nimmer beschreiten!«

»Was wollt ihr?« sagt drauf Abd ur Rahman im Zorne:
»In unserem Lager gibts keine Hebräer.
Als Zauberer hab ich euch lang auf dem Korne.
Daß ihr Hexerei treibt, weiß Schwätzer und Seher.

Übt lieber Gerechtigkeit! Laßt eure Künste,
Dann mögt ihr euch klug dreiste Tapferkeit schenken!
Und braucht keine Feinde durch Kriegsfeuersbrünste
Und Auftritt von Juden mit Spuk zu bedenken.«

»Fürwahr, das ist furchtbar, ihr spottet der Christen!«
Ruft wütend Turbin: »Der Spaß darf nicht dauern,
Ihr wollt euer Recht schlau und ruchlos erlisten,
Doch sollt ihr vor ehrlichem Wandel erschauern!«

»Ihr Priester, zieht heim!« ruf ich laut: »Geht von dannen,
Es sei euch die Freiheit zu irren gelassen,
Doch schuldlose Wesen, so Weiber wie Mannen,
Verbleiben, damit sie die Heilkraft erfassen!«

Verrat, Schurkerei! hör ich Volkshälse kreischen.
Die Leidenschaft scheint jeder Zucht auszureißen.
Was hilft Ruheheischen: ich seh, es zerfleischen
Bereits ein'ge Weiber die Wachen und beißen

Sich wütend zurück einen Weg zu den Heiden.
Umdroht uns nun Morden und gräßliches Schlachten?
Mein Blick kann Geplänkel im Tal unterscheiden.
Fanfaren erschallen, die heißt es beachten!

Zwei Boten des Kaisers erscheinen und sagen:
»Hiermit sei dir, Roland, mein Wollen beschieden:
Den Frieden verwirf, ohne Schlachten zu wagen:
Im Schicksal der Zufall sei sorglich vermieden.

Verrat droht! Drum folge mir gleich mit dem Heere.
Und hör ich dein Horn mich von ferneher rufen,
So weiß ich, ihr streitet: dann wißt auch, daß Speere
Sich nähern und merkt immer klarer das Trampeln von Hufen!«

Ich rufe: »Sofort alle Heiden entlassen!
Bei furchtbarer Strafe darf niemand mehr raufen.
Der Kaiser verbietet uns, Blut zu verprassen.
Ich führe euch heimwärts, ihr waghalsgen Haufen!«

 

        » E s ist mir peinlich, meinem Zwerge nachzusteigen.
Solang er mich verfolgte, war der Spuk erträglich,
Doch so scheint man dem Boden gradezu leibeigen:
Mit einem Zerrbild ist selbst Heldenfreiheit kläglich.«

»Fürwahr, wir sollten dort im Walde rasten!«
Erwidert Olivier: »Wir werden heute abend kämpfen,
Es mag sich Spanien unserer Daseinsfracht entlasten,
Es ist, als läge das Gebirge knapp vor Krämpfen!«

»Auch du, mein wackrer Freund, beginnst nun gut zu sehen.
Das freut mich!« sage ich: »Ach, könnten wir schon handeln.
Fürwahr, es liegt der Wald, die stille Welt, in Wehen,
Die Franken aber seh ich fast im Tal lustwandeln.«

»Ach, hätte jeder sich ein Heidenweib genommen!«
Meint lachend Olivier: »Wie hätten sie's getrieben!
In mir ist auch, was einer Liebe nennt, erglommen,
Hätt ich ein Liebchen nur, wir wären blind geblieben!«

»Ob uns der Berg«, ein Krieger rufts, »jäh überrumpelt?
Wie faß ichs, sind das Moslems, die uns kühn umzingeln,
Erscheint ein Spuk, der auf dem Eigenschatten humpelt,
Vielleicht nur Würmer, die sich über Felsen ringeln!«

»Herbei, herbei!« ertönt der Braus im Frankenzuge:
»Wir sind verraten, alle Schluchten spucken Schurken.
Ein feiger Kämpe lugt aus steiler Felsenfuge!
Die Turbane entwuchern feistgereift wie Gurken!«

Kein Ordnen meines Heeres könnte noch gelingen,
Drum dreingehaun und schnaufend Mut zur Wut erhitzen,
Bleibt mir als einzge Art, den Sieg doch zu erringen:
Hallo, da seh ich hundert Hellebarden blitzen.

Nun hat schon Olivier schlank seinen Grat erklommen.
Er ruft: »Fürwahr, wir sind von Ganelon verraten:
Des vollen Ostens Schildersonnen sind erglommen,
Die Heiden, ihre Rosse, starren in Brokaten.«

Die großen Kriegstrompeten höre ich erschallen.
Die schönsten Rüstungen erglühen in der Ferne.
Ich wähn auch eines Volkgewolks Nachobenwallen:
Das sind Erheldbare aus tiefstem Heereskerne!

Auch Olivier sieht Fels und Feind, die finster nahen.
Er ruft hinab: »Die Erde speit die Edelsteine,
Die wir erträumten, aber niemals strahlen sahen:
Wie klar! Die Heidenschaft erprahlt im Mittagscheine!«

Da lachen meine Franken, und ich lausche sagen:
»Bei Gott, für solche Beute lohnt es sich zu streiten.«
Nun rufe ich: »Ihr dürft euch euer Glück erjagen
Und kämpfend schon den Greisenfrieden vorbereiten.«

Nun stürzt sich Olivier herab in unsre Mitte
Und ruft: »Ich habe Heiden, Heiden, rings gesehen,
Noch nie gewahrte ich so viele Fröner böser Sitte,
Wir müssen kühn den alten Prüfungstag bestehen.«

Da sagen meine Franken: »Niemand wird sich schämen,
Weil er nicht froh zum Tode hat für Gott gefochten,
Wohl mögen Weiber sich um den Ernährer grämen,
Weil wir im Feindgefels nicht feig zu fliehn vermochten!«

Doch meint nun Olivier: »Du mußt um Rettung tuten!
O blase doch ins Horn, der Kaiser kann uns hören!«
Drauf sage ich: »Was wagst du da mir zuzumuten,
Muß ich denn meinen Ruhm, durch einen Ruck, zerstören?«

»So blase doch ins Horn, ganz nahe sind die Franken!«
Sagt wieder Olivier. »Das will ich nimmer tuen!«
Erwidre ich beherzt: »Mein Mut beherrscht sein Schwanken:
Im Blute schlummernd werden bald die Heiden ruhen.«

»O laß doch Olifant, dein großes Horn, ertönen!«
Sagt nochmals Olivier. »Wie könnte das geschehen!«
Erwidre ich voll Zorn: »Soll mich mein Volk einst höhnen,
Weil ich für Gott versäumt, in Gott fromm einzugehen?«

»Montjoie!« hör ich nun hold den Ruf der frohen Franken.
Wir kämpfen beieinander, können nicht verzagen.
Für meine Tapferkeit wird mir süß Frankreich danken.
Hier liegt ein Heide schon, ein andrer dort erschlagen.

Soll gar mein Ahnenland durch mich an Ruhm verlieren?
Und meine Mutter einst sich ihres Sohnes schämen?
Das fürcht ich nur. Mit meinen wackern Kavalieren
Befehd ich Allahs Heer, samt allem Spuk und Schemen.

Mein Olivier, du raufst schon wie ein durstger Tiger,
Du hast wohl sieben Schädel mit dem Schwert zerspalten!
Du scheinst mit Hauteclaire der allerschönste Krieger:
Auch Durendal birgt Wunder alter Schlachtgewalten!

Turbin ermuntert auch, zu Pferd, zu mutgem Ringen,
Beredt verspricht er uns Vergebung aller Sünden.
»Montjoie et Saint-Denis!« Den Ruf hör ich erklingen.
O Gott, o laß uns hier ein Christenreich begründen!

Ich fäll dir mit dem Schwert das Haßgezücht der Heiden;
Du Schwarzer, teufelsrot sei du und reif zum Braten!
Beschnittnes Pack, ich kann dir Hand und Haupt beschneiden!
Dich, Alter, spieß ich auf: dein Bauch ist feist geraten.

Turbin hat nicht das Wort zum Herzen dir gefunden,
Ich will mir diese Burg mit meinem Schwert auskratzen.
Vereitre du aus gelben eklen Schenkelwunden.
Und du da magst aus Wut auf grausem Schlachtfeld platzen.

Im Bache staun sich steil gar blutge Roßkadaver.
Kaum gibt es eine Pfütze, Heiden zu ersäufen.
So füllt sich froh die Bucht, daheim in meinem Hâvre
Erscheinen Frachtenflotten fremd zu Tausch und Käufen.

Wie herrlich meinem Heer als Sieger ich erscheine:
Es kann kein Gott aus Licht an Helle je mir gleichen!
Wir wetzen niemals Spuk dumpf über Eckensteine:
Aus Purpur schlepp ich bloß als Schattenmantel Leichen!

Mein Licht empfängt auch Olivier, dem Monde ähnlich,
Auch er ist blond und schlank, gar tapfer, wenn ich rase,
Nur wünscht er Schlachtgetümmel nicht so freiheitsehnlich,
Und wenn er muß, beschirmt er seine feine Nase!

»Du wolltest nicht ins Schlachthorn stoßen!« hör ich rufen:
»Ich hab dich tief gewarnt, wir werden alle fallen!«
Ich habe keine Antwort: bloß vor Thronesstufen
Darf einst der Freunde Blut unendlich rot aufwallen!

Die Feinde sterben hin, wie Sperlinge im Winter.
Gar mancher zeigt bereits den Arsch in Pluderhosen.
Doch Finsternis wolkt hoch, ein Spuk steckt wohl dahinter:
»Du bist verwundet, Roland!« hör ich, Wirbeltosen.

Den Kaiser überraschen jetzt die Mittagsschrecken.
Wie Heuschrecken umtummeln ihn die Blutbachlarven.
Beim Berg Sankt Michael kann sich die See aufrecken,
Von selbst ertönen dort die Glocken und die Harfen.

»Zurück, mein Freund, du kannst das Heidenheer nicht schlagen!«
Durchdringt mich jetzt die Stimme von Turbin. Ich lausche
Nicht hin und drauf. Ich schau in Xanten tausend Plagen,
Dort ists, als ob der Rhein aus altem Bette rausche.

»Das ist ein Rachetag!« erschallen tapfre Stimmen.
Ich selber aber rase, kann gar deutlich sehen,
Wie fern im Grimme Wellen Frankreichs Strand erklimmen:
Wohl ahnt man in Calais die Schlacht der Pyrenäen.

»Mein Roland, stoße doch ins Horn, damit ich komme!«
Das ruft mein Kaiser klar aus meiner armen Seele.
Ich aber weiß, ob mir sein Nahen heilvoll fromme:
Ich sehe in Burgund nun Spuk- und Luftkrakeele.

Schon wird es finster um uns her. Die Mohren kann ich
Nur noch an ihren blanken Waffen ernst erkennen,
Denn aus dem Blutbachsumpfe steigt ein Abendkranich,
Mit rotem Schopf und Krallen, die wie Lohe brennen.

Wohl sausen Pfeile rings, auch klingen unsre Lanzen.
Ich weiß, ich weiß wohl klar, daß ich noch weiter töte,
Doch jetzt umschwingt mich eine Wucht: im Rosenkranze
Vom Schlachtgesicht geschieht mir eine Schönheitsröte.

»Du bist verwundet!« sagt mir sanften Freundes Stimme,
Und Silberfrische spüre ich auf Blut und Stirne.
Ich blick empor: was klimmt, als ob die Sonne glimme?
Noch wach ich wahr und folge forsch dem Taggestirne.

Auch strahlt mirs klar: das kämpft und stirbt! Dort bringt man Tote:
Die tapfersten Gefährten sind für Christ gefallen!
Mein Olivier froht auf, als ob sein Ende drohte.
Nun sage ich: »Ich lasse gern das Horn erschallen!«

»Zu spät, mein Blut! Turbin ist schon vom Roß gestiegen,
Um die Verwundeten noch eilig zu versehen!«
Sagt Olivier: »Gar manchen, die im Grase liegen,
Genügt ein Halm, um heil zu Jesu einzugehen!«

Fürwahr, der Bischof schreitet zwischen seinen Leichen.
Ich selbst bedarf des Trostes und muß weiterstreiten.
Nun kenne ich das Herz: ein Stern gestrahlt auf Streichen.
Mein Blut erfunkelt Glut, zum Heil der Heidenheiten.

Ein Pfeil hat Olivier im Herzenskreis getroffen.
Ich spring aufs Roß. Turbin ist da mit Seelenlabe.
Froh mag nun Olivier auf Gottes Gnade hoffen,
Auch mir reicht er das Heil, bevor ich weitertrabe.

Du Strolch, du hast vielleicht den edlen Freund verwundet,
Ich hau dich rot und tot, noch kann ich weiterfällen!
Auch dir sei kurz die Frist im Blutfleisch abgerundet:
Zur Hölle denn mit euch satanischen Gesellen!

Ich blicke auf: Was hat uns Schicksal zugetragen?
Es stöhnt Turbin in seines Herzenssprudels Blute.
Bei Gott, ich stoß ins Horn, das ist ein Schall voll Klagen,
Wie wird dem Kaiser mein, der eignen Brust zumute?

Mein Gott, mein Gott, ich töte fort: ich weiß, ich rase!
Wie kann ich mir des Abendmahles Kraft erhalten?
Mein Gott, ein andrer Hieb, nun blutet meine Nase.
Ich haue noch, doch schal sind fahle Flachgestalten.

 

        I ch reite in roter Gewandung zum Grale.
Da steht Montsalvage, aus den Steinen erleuchtet.
Was glüht dort im Saale? man sitzt wohl beim Mahle.
Die Bäume sind Träume, mit Perlen befeuchtet.
*
Ich schlage um mich her und treffe blasse Schatten:
Ich hasse euch, ihr leibhaftfeisten Wuchtgesellen;
Ihr schient so stark und deckt als Leichen blutge Matten,
Bloß um den treuen Schatten läßt kein Leib sich prellen.
*
Die Wahrheit erblaut schon im innigsten Wesen:
Ein irdisches Feuer beflügelt mein Dasein,
Ich kann alte Echtheit aus Zweifeln entlesen:
Mein Ursprung greift rings in das urfreie Maß ein!
*
Umhautetheiten, die wie Flattermäuse schwärmen,
Zerschleiße ich mit heilig hehrem Richterschwerte,
Das heitre Blut verspritzt ein Stich aus Stinkgedärmen:
Ihr fleischgewalkten Menschen habt bloß Satanswerte.
*
Das Tal, das sich schwarz unterm Burgbau verschluchtet,
Wird böse und furchtbar genannt, sei gemieden!
Es hat sich am Kreuzigungstag eingebuchtet:
Ist nun das Gewissen und scheucht meinen Frieden!
*
Ihr alphaft Gestalteten schlaft bald erschlagen;
Von Roland durch Gott, für den Kaiser bezwungen.
Den Gralwächtern kann ich, zum Schwur befugt, sagen:
Der Geist ist in Blut, das nun leuchtet, gedrungen.

Halunken, sterbt: ihr habt den Kaiser feig verraten,
So nehmt dafür den Lohn von seinem Erzvasallen!
O Gott, du berufst mich zu christlichen Taten,
Ich rette das Schloß, einst dem Zauber verfallen!

*
Die Sonne ist lange schon untergegangen.
Nach Châteaumerveille ist mein Freund abgezogen.
Er darf dort am Mund junger Heidinnen hangen,
Doch bleibe ich bloß meinem Weibe gewogen.

Ich weilte schon da. Einst im Traume geschah es.
Ich frug nicht den König, was heilt deine Leiden?
Ich dachte gar gierig, ein prachtsäliges, nahes
Geschick meinem Weibe und mir zu bescheiden.

*
Ihr schattenden Gestalten müßt wie Rauch verschwinden,
Ihr Heiden wagt es, euch vor meinem Sinn zu mehren,
Doch seid ihr kaum, könnt nie für diese Welt erblinden:
So stürzt und löst euch auf, ihr kennt nicht Christi Lehren!
*
Ich harre: wann darf ich durchs Gralgitter gehen:
Im innersten Dunkel entflammen, erstehen
Glastherzen, die Gott für den Menschen beflehen.
Nun prunken auch, glühen die Eispyrenäen.

Ach, Blut liegt im Schnee. Alte Gletscher erglimmen.
Mein Herz, das Gemüt, unsre Liebe weilt ferne.
Der Glanztag ist fort, aber Erdgluten klimmen
Hinan, still hinan, und ich folgte so gerne.

Das Blut hoch am Himmel, die Glut auf dem Eise
Erfüllen mit Wehmut die einsamen Seelen:
Mein Weib, ach, mein Weib, nun erscheine so leise,
Wie Urglut und Ehrfurcht vor Gottes Befehlen.

Im Glauben erglühen die eisstarren Riesen.
Ein herrliches Weib ruht, in Blutschnee gekleidet,
Im Nachtschloß und träumt mich, zur Welthut gewiesen.
Ach Weib, du vergißt, wie mein Fürstenherz leidet.

*
Entferne dich von mir, so grauser Schattenritter,
Dem noch ein Zwerg nachhumpelt, Sonnenunsinn du.
Ergeben tust du, doch ich trau dir nicht, Trachtzwitter:
Ich bring dich um, da liegst du, bist vielleicht ein Hindu?
*
Mein Weib, sage Weib, warum muß ich dich minnen?
Als du mich ersahst, bist du schamrot verschwunden.
Ich hab dich zur Hochzeit, o holdes Entsinnen,
So rosig im Ampellicht wiedergefunden.
*
Auf einmal kommt ein Feind, – ich hatte endlich Frieden!
Was, zweie seid ihr? Und dazu noch Kopfputzdiebe!
Ihr Spuk, bleibt, fremd und feig, vom Christen doch verschieden,
Was ihr nicht stehlen könnt, empfangt: zwei Frankenhiebe!
*
Mein Weib, ohne dich tret ich wund vor die Ritter
Des Grales, beim Mahle, im prachtvollen Saale.
Mein Weib, steige auf aus dem Urglutgewitter,
Erstrahle, entwalle dem Flammenportale.
*
»Du fieberst, Roland, und nun wirst du bald verscheiden!«
Dies hör ich wohl und fühle eine leise Frische.
Ich blicke auf und spüre heiße Tagesleiden.
Mir ist, als ob Turbin den Schweiß der Stirn abwische.

Er ist es, denn er spricht: »Wir werden beide sterben.
Wir siegten, denn die Heiden sind vor uns geflohen.
Du rastest, und du jagtest toll uns in Verderben,
Doch mag ich dir nicht bös mit Höllenqualen drohen.

Du schlugst zwar eben noch zwei Franken fiebernd nieder.
Und wärest du nicht selbst gestürzt, ich lebte nimmer.
Ich schließe dir, mein Freund, die Sündenaugenlider.
Dein Totschlag ist verziehn: erblicke Gnadenschimmer!«

*
Als Parzival kann ich zum Gralsaal gelangen.
Da flammen entfernt all die Heilsaftpokale.
Mein Weib darf mich wahr und erstrahlend empfangen.
Mit Durendal kam ich, als Kampfpreis, zum Grale.

Nun soll dieses Schwert alle Schwachen verteidgen!
Ich mag, um ihr Leid, Jesu Arme befragen.
Mein Bann trifft die Falschen und forsch die Meineidgen:
Kommt, Knaben, ich mag euch zu Gralrittern schlagen!

 

        E ntsetzlich! Das da sind nur Blutdurstgespenster.
Sie lösen sich auf, hoch im Schlundkuppeldome.
Die Wahrheit ist da! Ein Grab gradumgrenzter
Erzwecknisse, Wecker erregter Phantome
Ist alles! Bald schließt sich mein Sonnausblickfenster,
Denn langsam erstarren die Araratgnome.
Jetzt legen die albernen Kämpen die Trachten
Matt ab und sind alle fürwahr zum Erbarmen.
Kastrat, alter Magier, zum Brandschatzen, Schlachten
Bezahltest du Mannen: dein Schatz gab den Armen,
Die dir, reicher Lacher, den Harem bewachten,
Für Qualen, die Nahrung. Mit Überkraftarmen
Beschützten sie dich, stürzten Tannen: und Reiser
Nur brachten sie heim, um sich müde zu wärmen.
Für dich fochten Heiden. Ich selbst und ein Kaiser,
Wir standen stark ein, mit Gehirn und Gedärmen!
Jetzt stürzt du ins Nichts, du ein Zaubrer und Weiser:
Der Tartarus klafft und besteht auf Scheinschwärmen!
Was bleibt? Hölleneinsicht? Verschweig es dem Toten:
Ein Halbalp von mir strahlt geschmackgar beim Mahle.
Wo gar nichts zu sagen ist, wandern die Boten.
Unleiblich, erhielt ich die Gunst, beim Gemahle
Zu thronen, und bloß von den loderndsten roten
Gefühlen erleuchtet, besitz ich Opale,
Rubine, Smaragde, unfaßbare Werte.
Die Tragik ist furchtbar! Was harrt von den Hadern
Im Jammertal aus? Sind dort unversehrte
Gebilde, die aufstehn? Durchschwärmen sie Adern
Glutflüssigen Bluts? Durch Umfleischung beschwerte
Gestalten, wie Schatten und Grundungesichte,
Verschrumpfen zu einer. Verkrüppelte Wichte:
Der Nachsteiger aller fällt leibhaftig nieder.
Der Klumpen wird fest. Vom Bauchhauptgewichte
Aus spreizt er, entrecken sich Steh- und Greifglieder.
Das Wappen Thrinakrias stürzt im Zwielichte
Des Grabschachtes ab: und nun steht er schon wieder,
Als spanischer Staatszwerg, ganz stramm auf den Beinen!
Es lächelt das Männchen: am besten bewährte
Somit sich der Schatten! fast will es mir scheinen,
Als ob sich die Schönheit nie menschlich verzehrte!
Was sollte ich sonst von dem Wahrheitspuk meinen?
Mir ist, als ob etwas den Fuß mir versehrte!
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

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