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Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)

Theodor Däubler: Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe) - Kapitel 15
Quellenangabe
typeepic
booktitleDas Nordlicht (Genfer Ausgabe)
authorTheodor Däubler
year1921
firstpub1921
publisherInsel Verlag
addressLeipzig
titleDas Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)
pages1239
created20120317
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20140924
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Der Geist

        D as leiderlöste, fieberfreie Weltenfeuer,
Die Ewigkeit, die wir durch Flammenkronen fassen,
Durchstrahlt die Nacht als nordeneigner Glanzverstreuer.

Ich wähne seine Sichtbarkeit in blonden Rassen:
O Feuer, das die Seele und den Leib erhellte,
Wo du den Geist durchglühst, da muß der Tag erblassen!

Du goldnes Ruhebett im Raum der Todeskälte,
Schlag auf die Prachtgardine aus vereisten Gluten
Und zeige uns den Wahrheitskranz am Jenseitzelte.

Du läßt uns eine Himmelshierarchie vermuten.
Wir Menschen trachten sie auf Erden nachzuahmen,
Doch läßt die Eigenniedertracht uns dran verbluten.

Das Ordnungswollen schürt den Brand von Königsdramen,
Die Hoheit der Gedrückten fordert freie Staaten:
Durch Gottes Zucht und Liebe darf kein Haß erlahmen!

Doch reifen in der Seele hold des Sohnes Saaten:
Die kalte Glut des Weines hat uns jung verbunden,
Zufriedne Ewigkeit entflammt die Lamm-Agnaten.

Die Glut in uns verführt, das Fremde zu erkunden:
Das Muttermeer will alle Geisterschaft entrollen,
Wir sollen fern der Sonnenwunden frei gesunden.

Das Meer empfängt und klärt die Glut der Schollen:
Der Geist, der Weltideen durch uns selbst betätigt,
Bewegt dabei der Wogen volles Wolkenwollen.

Du Glanzschrift, die um beide Pole Gott bestätigt,
Wann kommt der Tag, da du die Innennacht erleuchtest?
Mein Lamm, wann sind die Sucht- und Fluchwölfe gesättigt?

Doch Geist, da du die Purpuradler nicht verscheuchtest,
Und weil die Seelen-See das Ewge uns bloß spiegelt,
Bin ich ein Sklave, den du, Gnadenhauch, befeuchtest!

Solang die Welle ihre Schwester aus dem Grunde wiegelt
Und noch Geburt und Tod die Leiblichkeit begrenzen,
Hat unser Urgefühl kein Rätselbuch entsiegelt!

Ich sehne mich nach ewig jungen Seelenlenzen,
Und wo ich einem Sonnenwunsche frei entsage,
Fühl ich in mir die gute Mutterglut erglänzen.

Die Sonne ist die Antwort auf die Doppelfrage:
Was ist die Ewigkeit? Und was erhält die Maße?
Die Wage aller Bildung tritt aus uns zutage.

Das Licht der Sonne schafft sich jede Lebensstraße:
Den Wechsel sollen wir mit heilger Zucht ertragen,
Doch heitre Mittagsnachsicht treibt uns bald zum Spaße.

Und kann die Sonne fast die Dauer überragen
Und so das Licht, das uns entschlummert, hier vertreten,
Glimmt hinter Arbeitstagen auch der Ernst der Sagen!

Die Sonne widerspricht dem Zwang, sich zu verkneten.
Ihr Licht umarmt die Glut, die sich durchs Dasein windet:
Die Ewigkeit erdämmert in den Polkometen.

Die Sonne schafft den Pfad, auf dem man Gnade findet,
Da uns das Urlicht, nach erfüllten Sonnenpflichten,
Als die allgegenwärtge Liebesmacht empfindet.

Die Zeit ist Selbstverständlichkeit von Lichtgerichten,
Die, weiter sich vertiefend, sich auch selbst vernichten,
Und Schönheit ists, ein Ziel in Fliehendes zu dichten!

Du Glut, die es vermag, den Urdurst zu beschwichten,
Du bist das Wort, aus dem der Schöpfungstag entstanden:
Und auch der Rechtspruch, um die Weltzwiste zu schlichten.

Du bist das Freiwort, nicht die Tat, in Kraftmaßbanden!
Ihr Flammen beider Pole seid die Erdgeistschwingen,
Voll Lebensfieber, die im Friedensjenseits branden.

Ihr Weltbrandadler, laßt uns Adel frei erringen:
Ihr sagt: es mag der Mensch die Folgenangst verachten,
Wodurch im Überschwang die Notketten zerspringen.

Begrüßt die Glaubensgluten, die in uns erwachten,
Denn scheue Reinheit kann den Zwang kaum mehr begreifen
Und auch die Dauer und den Ruhm nicht tief betrachten.

Drum macht euch frei von allen Nutzsuchtunterschleifen:
Der Frohgang der Natur steht unter Gottes Würde,
Ihr habt im Herzen keine Weltbegrenzungsreifen.

Das Lamm gehört zu keiner Sonngefolgschaftshürde;
Die Gnade, die es ausstrahlt, kann uns stets erreichen:
Die Zukunftsfurcht an sich ist unsres Daseins Bürde!

Die Glut in uns versucht es, Glut dir anzugleichen:
Um flüchtge Sonnenwünsche lege Urlichtzügel,
So wird im Geist das Reich des Scheines sacht verbleichen.

Dann spannt die Seele ihre bunten Nordlichtflügel
Schon jetzt leibhaftig auf und atmen kalte Flammen:
Bewerte jede Tat durch deines Wesens Siegel!

In Weichgefühlen darf das Wollen nicht verschlammen:
Was ewig aus dir hallt, versuch es klar zu prägen,
Den Lauten horche, die dem Lautergeist entstammen.

In warmen Sonnenstrahlen glüht des Vaters Segen.
Im hohen Norden flackern seine Strafgewalten:
Aber der Sohn begrüßt uns schon auf trauten Erdenwegen.

Die Glut jedoch, die wir in unsrer Hut verwalten,
Der Geist, durch den die Wahrheit sich kann offenbaren,
Und der nun herrscht, verneint der Götter Machtgestalten.

Er ist bereits ein Feind des Sichtbarwunderbaren,
Das große Donnerwort: der Geist, doch nicht die Stimme!
Und zuckt als Lamm! Er kreist nicht in Prophetenaaren.

Wer fühlte nie sein Himmelsleid im eignen Grimme,
Den Schmerz des Weltheils, wenn wir es gefährden?
Es strahlt der Geist, daß Liebe rings erglimme!

Doch ist die Welterkenntnis gottverflucht auf Erden!
Die Gnade aber kann selbst dem Verstand verzeihen:
Durch Urlichtmitleid wird der Stolz gerettet werden.

Die Innenglut mag unserm Leibe Huld verleihen:
Den Fruchtgenuß vergibt die Liebe jedes Paares.
Die Pfingstflammen beginnen Fleischfreuden zu weihen.

In allen Tagestaten flammt ein Ewigwahres.
Und wo es Gott ersehnt, dort kann es ihn erlangen:
Der Satan stahl es zwar, doch Gottes Wort gebar es!

Die Gnadenflammen seh ich allwärts glastend prangen.
Der Geist hat den Naturzwist sieghaft überwunden:
In der Dreieinigkeit ruht alles Urverlangen.

Die Erde brennt aus tiefen Lebenswunden.
Polarlicht überstrahlt den Atem des Planeten.
Die Scholle kann des freien Geistes rein gesunden:

Der Mensch wird Gott und Gottes Sohn im Geist vertreten!

 

        U nheimlichkeit durchschweift die Freiheitsphären,
Es naht den Erdenfackeln ein Komet:
Schon glüht der Wein, das Gold schießt in die Ähren,
Der Himmel ist von Schnuppen übersät.

Die Seele will sich aller Angst erwehren,
Da sie der Geist in stillem Ernst umweht,
Und dennoch naht der Feind mit Geißelheeren:
Ach, Mutterland, dein Flammenkranz vergeht!

Im Herzen fühle ich das Goldgewitter.
Die eigne Schwüle macht mich blaß vor Scham.
Ein freier, doch ein fremder Sterngeistritter
Krümmt meine Feuerfreude flügellahm.

Er sagt: »Die Glut in euch ist Tugendflitter!
Wer sich im Martertode stark benahm,
Bleibt doch im Blut ein Tier und Urlichtzwitter,
Denn jedes Qualgelüste ist infam!«

Wahrhaftig, alle unsre Flagellanten,
Und die Asketen auch, nach Isis' Brauch,
Sind gar verdächtge Heilstrabanten:
Um ihre Scheiterflammen wabbert Rauch.

Die Heilgen gar, die sich fürs Lamm entmannten,
Verschmähten ihren reinsten Leibgebrauch,
Origenes und andre Diamanten
Sind fahler als des Moses Zukunftsstrauch!

Die tiefste Wahrheit strahlt im Goldkometen,
In unserm Innern weckt er manches Wort!
Er spricht: »In allen Priestern und Propheten
Belebt sich Luzifer in einem fort.«

Die Menschen, die den Schöpfer hier vertreten,
Begehen stolz den ärgsten Seelenmord:
Allein in Hiobs Hymnen und Gebeten
Erkennt der Fromme sich als Satanshort.

O Herr, dein Wesen will ich dreist durchdringen l
O Herr, die Arbeit habe ich verschmäht!
Ich will mit Engeln, Heiland, singen!
Wo bleibt die Demut, die im Staub vergeht?

Dein Licht ist Liebe, wie es Menschen bringen!
Das ärgste wird von Christen ausgesät:
Bloß deiner Gnade kann das Heil gelingen,
Denn Selbstsucht schwillt in jedes Bußgebet.

O schlag uns, Herr, vor allen die Propheten!
Wir haben stolz das ewge Gut umfaßt.
O Herr, der Gotterkenntnis Prunkraketen
Verschwende ich als bübischer Phantast!

Ich bin ein Dieb! Die Einsicht des Planeten,
Die Himmelswollust hasch ich ohne Rast:
Ich hab, vor der Geburt, den Raub vertreten:
Lichtspender, triff mich nimmersatten Gast!

*
Der Feuerschweif erschüttert unsre Flamme.
Polarlichtwirbel glühn am Firmament.
Ich frage mich, sind wir vom Gnadenlamme,
In Ewigkeit, als Satansbrut getrennt?

Die Kirche, unsre milde Seelenamme,
Die seit Augustus Zweifelbeichten kennt,
Versengt der Sonnenglanz von einem Stamme,
Der ferne urlebendig heilwärts brennt.

*
Der Glastkranz sagt: »Die Wesen, die Gott schauen,
Verwirken durch ihr Wissen seine Gunst,
Doch jenen, die auf keine Hoffnung bauen,
Entschleiert erst der Tod den Daseinsdunst.

So wandeln in den heilgen Friedens-Auen
Die fertigen Erschauer ihrer Kunst;
Dem Lamme muß vor allen Seelen grauen,
Die nichts bewegt als Himmelsliebesbrunst!«

Die Flamme sagt: »Der Herr ist von den Sternen
Und ihren Daseinsgütern abgekehrt:
Wer trachtet, sich vom Schöpfer zu entfernen,
Hat meistens hier sein kurzes Glück vermehrt.

Wer ehrlich strebt, das Christrecht zu erlernen,
Hat oft der Erben Säckel noch entleert:
Wer praßt, fischt Geld selbst aus Zisternen,
Weil er im Gold den Sonnlichtfälscher ehrt!«

 

        E s flammt der Erde Wunderglutenblume,
Am Pole jetzt, in holdem Stolz empor,
Sie sprüht das Blut von jeder Schmerzenskrume

Und ist der Auferstandnen Geisterchor,
Sie öffnet ihre Engelschwingenkrone,
Den Goldkelch selbst, aus Od und Sonnenflor!

Ihr Goldkomet, der Pollen einer Zone
Erlöster Männlichkeit, ergießt sich jetzt,
Voll Pracht, in unsrer Schollen Anemone.

Doch ist die Reinheit ewig unverletzt:
Der Blüte Weiblichkeit bleibt unbescholten,
Nur Edellichter haben sie benetzt!

Die Auferstehung hat dem Leib gegolten.
Ein schmiegsam Weib ist unser Nachtplanet,
Doch trug er Geister, die das Urlicht wollten!

Polarlicht ist der Erde Weltgebet,
Das Leben ihr Bestand und Halt im Himmel,
Wofür sie glutbeflügelt kreist und weht.

Ich sehe jetzt ein Meteorgewimmel.
Der Blüte Flammensamen sprüht empor.
Der Geist verläßt den letzten Erdenschimmel.

Die Sterne sprechen: »Seht das Flammenohr!
Die Glutenmuschel Gottes ruht am Busen
Der Erde und behorcht, was Gott verlor!«

Doch ist des Herren Ohr der Chor der Musen,
Das Gold der Harmonie, das Gott erstrebt:
Wir lösen hier aus unsern urkonfusen

Bemühungen die Glut, die ewig lebt:
Der Geist entreißt sich streng in Schmerzgebeten
Und ist das Nordlichtgold, das Gott umwebt!

Durchkreuzt ist unsre Blüte vom Kometen.
Der Herzog spricht: »Die Einfachen sind mein!«
Darin sind beide Welten still vertreten!

Verzeihung zieht in alle Herzen ein.
Jetzt spricht des Heiles mildes Wesen:
»Das Wort ist überall und ewig rein!

Darf der Verstand im eignen Herzen lesen?
Hat einst das Fleisch die Liebe hold erfaßt,
So kann der Wurm der Zeitlichkeit genesen!«

Das Licht, das vor dem Kreuze sanft erblaßt,
Das um das Friedenseiland staubt und brandet,
War Gottes Trost in Aussatz und Morast.

Ihr Menschen, die ihr Christum schlugt und bandet,
Vollzogt, was Gott für seinen Sohn bestimmt,
Als er im Erdverwesungsschlamm gelandet.

Des Herren Licht hat himmelwärts geglimmt,
Denn Jesus trug die keusche Glut von Abel,
Der Kainkrieg hat die Häscherwut durchglimmt.

In diesen drängt die Flamme krumm zum Nabel,
Sie will statt Ewigkeit das Fortbestehn,
Und lauernd schafft die Sünde sich ihr Babel.

Die Orgie ist ein Feuerphänomen,
In dem wir mutwillig den Geist verprassen!
Verqualmen muß dabei das Himmelslehn!

Der Kainblitz zuckt durch schnöde Pöbelmassen.
Der Süden und das Sündenübel hat gesiegt!
Der Geist darf keinen Lasterbrand umfassen!

Und unser Abeladel unterliegt.

 

        G ebären und zerschellt ins Jenseits tauchen,
Das ist ein Blutbraus, der uns wild durchweht:
Das Unheil mag mich rings umhauchen,
Wenn nur der Leib lebendig aufersteht.
Der Tod kann seine Schrecken nicht gebrauchen,
Da selbst die Sünde stumm vergeht:
Wir lassen uns von Morddämpfen umpfauchen,
Denn Leben schürt der schreckliche Komet.
Die Kainsschlange, die wir als Sklavin halten,
Das kalte Feuer, das uns niederschlägt,
Vermögen wir, uns dienstbar, zu verwalten,
Da es gebändigt Meer und Land durchfegt:
Vom Geist bewältigt, dürfen Nachtgewalten
Den Leib befrein, der sie im Schoße trägt!
Die Kainsflamme wird ihre Macht entfalten,
Selbst wo sie bloß die Daseinsfühler regt!
Das Feuer ist in jedes Ding gefahren.
Ein Sonnengott hat sich vom Tod befreit:
Wo Berge Urwaldtage aufbewahren,
Benagt die Schlummergluten jetzt die Zeit.
Die Drachen atmen nach Saturnusjahren.
Ein Flammenrausch vertilgt ihr Kettenleid.
Titanenbacchanalien offenbaren
Sich toll und voll Sorglosigkeit.
An Schuld und Strafe kann jetzt niemand glauben.
Der Weise tut das Gute ohne Lohn.
Man läßt sich schwer die Gotteszweifel rauben:
Dem Geiste weichen Gottvater und Sohn.
Das Wort betätigt sich im Tal der Tauben.
Man liebt und hilft sich ohne Religion.
Ein Unschuldstraum aus Edens Traubenlauben
Berankt der Adamskinder Sonnenthron.
Die Schlangen zischen sich ringsum entgegen,
Daß eine schnell die andere verneint:
Ach, könnten wir dem Tagwerk Richtung geben,
So sähen wir, wie Dädalus erscheint;
Der Inbrunst Einheit würde Flügel weben,
Hielt er die Erdenwünsche frei in sich vereint.
Die Schwingenschmiede dürften frei entschweben
Und hätten niemals einen Sturz beweint.
»Nach Norden!« Menschen, laßt den Ruf erschallen!
Vom Osten komme einzig Gottes Wort.
Der Westen soll kein totes Echo lallen:
Für eine Nacht bloß, drängt vom Süden fort!
So wird sich ein Komet zusammenballen:
Ich weiß nicht wo, am Pol, am reinsten Ort.
Wir alle werden stolz sein Gold durchwallen:
Es trägt uns dann des Daseins Schenkungswort.

 

        D ie Erde brennt! Erloschen sind die Schlote
Der Feuerschächte. Tot ist der Vulkan,
Vertilgt das Unheil, das uns glutbedrohte!

Die Schlünde, die der Erdball aufgetan,
Sind bis zum Weltgerichtstage geschlossen,
Dann erst beklagt er uns im Fieberwahn.

O Muttererde, steil von Glutgeschossen,
Von Meteoren seh ich dich bedroht:
Du wehrst mit Milchwolken den Himmelschloßen,

Du kühlst ihr Feuer und zerbrockst das Schrot.
Den Ozean verschwendest du zum Schutze,
Und Jesum rührt dein Liebesaufgebot!

Du rollst und grollst mit deiner Wuchtkapuze!
Da stürzt der Mond in deinen Schoß zurück.
Nun droht das Ende auch dem Erdentrutze.

Dein letzter Schrei erringt ein ewig Glück
Für alle luftgelabten Leidenskinder,
Doch du verglimmst bis auf dein brüchig Stück!

Nun schweigt das Wort, und wir sind Lichterfinder,
Da man jetzt Dinge schafft und übersieht:
Die Einsicht aber ist gesetzt und linder.

Der Feuerschleier, der uns mild durchzieht,
Hat keine Donnerworte mehr im Schoße,
Aus ihm taucht jeder Laut als Ordnungsglied.

Die Erde brennt. Gefeit vor rotem Stoße
Aus Unterwelt, der Nordlichtgold entsiebt,
Erwirbt ihr Lieblingssohn das Ewiggroße!

O Flamme, die uns ewges Leben gibt,
Die Seele kann ich fleischverneinend schlürfen,
Du bist der Funke, der die Sterne liebt.

Du stiebst am Pole noch, in Schleuderwürfen,
Vom Erdenherzen in das All empor,
Doch bleib in uns, die wir der Glut bedürfen!

Dereinst entflammt in mir das Himmelstor.
Das Nordlicht wird am Firmament verschwinden,
Denn jedes Wesen sei ein Feuermeteor.

Dann werden wir in uns das Jenseits finden,
Da niemand aus dem Geistermeere taucht,
Polarlicht kann uns mit dem Geist verbinden.

Das Dasein ist bereits von Gott durchlaucht.
Zwar kennst du schon die müden Sinnesgrenzen,
Doch sind wir noch vom Scheine grau umraucht.

Die Sonne wollen wir mit Licht bekränzen.
Wir schwören auf den scharfgekreisten Rand,
Wo doch Planeten tief im Lichtleib glänzen!

Wir sind im Sonnenschoß und Gotteshand!
Die Dinge fügen liebreich eine Kette,
Das Leben brandet schon am Friedensstrand.

Der Mensch ist eine welke Klette:
Schmarotzerrot keucht der Kaukasier hin
Und baut sich emsig gelbviolette Städte,

Doch geht sein Wille über seinen Sinn!
Der Erdermüdung weiße Friedensschwingen
Sind schon im Leben unser Lichtgewinn.

Die Arbeit muß den warmen Leib bezwingen.
In der Erschlaffung Armen ruhn wir aus:
Im Traume kann der erste Flug gelingen!

Die Seele baut sich hier ein Glastwaldhaus,
Ihr blasses, unberührtes Sehnsuchts-Eden:
Wenn schrecklich auch, doch fern vom Erdgebraus!

Entleibt, bemerkt der Geist des Traumes Schäden
Und führt dann Kampf um Christi Licht,
Denn Erdgespenster muß er fortbefehden!

Im Wollustwahnsinn suchst du kein Gericht,
Gereinigt wirst du selbst vor Christum treten,
Denn Gnade strahlt in jede Zuversicht.

Die Menschen, die am Werktag lichtwärts beten,
Sehn hoch im Sonnenrot ihr Weltsymbol,
Den Sieg über die Angst der Nachtplaneten.

Der Tod ist nur die Furcht vor unserm Wohl,
Das Fleisch hat Angst, sich ewig wahrzunehmen,
Doch holde Hoffnung überstrahlt den Pol.

Das Urfeuer will sich des Endes schämen
Und wirkt als Ewigkeit, die sich erweist.
Tief überwunden sind des Zweifels Schemen:

Die Welt versöhnt und übertönt der Geist!

 

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